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Full text of "Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen"

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IMedrlcli Creiuer^s 



Deutsche Schriften, 



neue mid werhem^ertei. 



firste Abtheilonl^. 



Erster Band. 



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ftifiii nn> |llarmeta)if. 

Druck nnd Verlag ron Carl Wilhelm Leske. 

18S6. 



. « # v 



dyiiiliolllc und Hytliologie 



der 



alten Völker 
besonders 

der Orieche 

Ton 

Friedrich CIreiizer, 

Doctor der Theologie und Philosophie, Groihenoglich ßadiichem Gehci- 
meratb «nd Comthur des Grosherzoglich Badischen Ordens Tom Zährioger 
Löwen« ordentlichem Professor der alten Literatur in Heidelberg und meh- 
rerer Akademien und anderer gelehrten Gesellschaften Mitglied» 



Ersten TheOes erstes Heft. 



Dritte verbe$$erte Ausgabe. 



Druck uod Verlag ron Carl IVilhelm Letke. 

1816. 



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Frietfrleli Cnmmer'*B 



Deutsehe Sehriften, 



I neue and verbesserte 



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Brste AbtheilDnl^. 



Erster Band, 



ftifiiB «n) ParmetaM. 

Drack umi Vmtltkg roo Carl Wilbelm Lefke. 



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Sfmtt $üini$\i^tn |§0^rtt 



LEOPOLD, 

Orosberzof? you Baden» Hersoip Ton 

Zfthrtaiireii A« *• A« 



Seinem gnädigsten Fürsten und Herrn 



widmet diese Sftinmlwng seiner Schriften 



in tiefster UntarthAnigkeit 



der FerfoBBer. 



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» 4 



T o r r e d e. 



Ks irind Jet>t » Jiüm., ids ich >m. er.te.mia .dt diesem 
Werke Tor das Pablicum trat Dass ieh nach so langer Zeit 
zum drittenmale damit hervortreten wftrde, hatte ich nidit er- 
wartet und, anfriditig zu sprechen, nicht efaimal gewtnscht 
Die seither^n Bewegungen anf dem Gebiete der Blythologfe, 
mm TheQ durch dies Bach v^tuüasst, waren eben nicht 
geebnet, mir, den sie so sehr betroffen, Lust zn mad^en, mich 
noch einmal auf dieses FeM zu begeben. Jedoch der Wnnsdi 
meiner Freunde, die wiederholten Mahnungen des Verlegers, 
htaptsSchlidi aber auch die Yerpflichtnngen gegen ^ Wis- 
senschaft nnd gegen die Minner, die im Interesse der letste- 
ren dieser Symbolik und Mythologie fortdaaemd ihre Anlfaierk- 
samkeit gesdienkt, haben mich som entgegengesetzten Ent- 
schlüsse bestimmt In der That könnte ich, w&re der alte 
Gebraach noch äblich, sogenannte testimonia scriptonm den 
Büchern vorzosetsen, eine lanjge Reihe der ersten Gelehrten 
des In- und Auslandes aufluhren, die mich eben dieser Schrift 
we^n ihres Beifidls gewürdigt Statt dessen will ich vielmehr 
die versdiiedenen Seiten berühren, an denen dies Buch An- 
stoss gegeben, und hierbei mit meinen Ueberzeugnngen nir- 
gends zurückhalten; wie ich denn der in diesem ersten Heft 
enthaltenen V eher meld alter ReKgkmem absichtlich den Charakter 



einer spedellen Mono^aphie gegeben habe, damit die Leser 
aus lauter conereten Beispieleii ersdien können, in welchem 
Geüste ich diese dritte Ausgabe bearbeiten werde. 

Zuerst sollte ich nun der AnÜtgmbeUk gedenken, — wenn 
ich sie oder die ihr voransg^angenen Yossisdien Recensionen 
gelesen hütte. Was unterrichtete Freunde mir von deren Inhalt 
berichteten, überzeugte mich sofort, dass es hierbei nicht auf 
wissenschaftliche Yerstündigung abgesehen sey. Also dachte 
ich an das : JU^ hUpbi Ka/iOfipcLy , denn idi hatte keine Lust, 
die gesunde und heitere Lebensluft, die ich athmete, mir durch 
solche böse Dunste vergiften zu lassen. Eben so wenig fühlte 
ich mich geneigt, ein neues liber incredibilium über dasjenige 
zu schreiben, was von derselben Seite in amtlichen VertüUt- 
ii^issen gegen mich versucht worden, l^ie Einsidit und Kraft 
der hohen B^pierung, der ich seit mehr als dreiasig Jahren 
mit Freude diene, die wirksame Freundschaft meiner v^^hrten 
Amtfigenteaen und das fortdauernde Vertrauen meiner Zuhörer 
hatten ja alles dies ganz und gar unschädlich gemacht. Ob 
Loheck in Bezug auf mich nur Wissenschaftliches oder auch 
Persönliches im Schilde fuhrt, danach habe ich niemals fragen 
mögen. Genug, ich weiss mich ihm gegenfiber von allem Per- 
sönlidien frei, habe niemals in Briefwechsel mit ihm gestan- 
den, und von keiner seiner Schriften auch nur eine Anzeige 
gemadit; aber gelesen habe kk sie; und niemand kann willi- 
ger als ich seine philologische Tfiditigkeit anerkennen. Damit 
er aber wisse, dass ich gegen ihn, den hofllentlidi noch lange 
lebenden, eben so wenig Menschenfiircht kenne, als ich gegen 
den lebenden Voss gekannt, der mir mehrmals persönlich ge- 
genfiber getreten, so erkläre ich hier gleich vorneherein, dass 
die Art sdner Beweisführungen nur dazu beigetragen hat, — 
mich in meiner Betrachtungsweise zu bestärken, und dass die 
Mythologie und Beligionsgeschichte eine erbftrmliche Sache 
wire, wenn die Culte, Mythen und Symbole des Alterthums 
in solchen kindischen Mihrchen und Possen bestanden hätten, 
ab er uns glauben machen wilL 



.n^ OL 

Em gams richtiger Instmkt fShrte baU auch die Neologen 
oder sogenannten Rationaliaten 9 die ich in dieser Einleitong 
richtiger benannt m haben hofb, den YosBisdien Fahnen so. 
Sie hatten angeftngen wahnsonehmen^ dass dfe Untenradran- 
gen über die alten Rdigionen zu einem Ergebniss gefährt, 
welches mit ihren Lehren im schneidendsten Widerspmdi steht 
Sie gehen von dem Satze aus, dass der Mensch von Natur 
höchst vortrefflich sey, und nm vor hSchsten Glädcsdigkeit xn 
gelangen nmr seinen Yarstand möglidist za vervollkommnen 
habe. Jene Cntersnchongen hatten aber gesdgt, dass (hst 
bei allen Völkern der Yorwelt das Bewusstseyn des geist- 
lichen Verderbens und das Verengen nach einer Versöhnung 
mit Gott herrschend gewesen, and nur nicht bis sar rechten 
HeOsordnung , welche dorch sittliche Reinheit, durch geistige 
Anfopfenmg mit lebendigem Glaaben an eine ewige Liebe be- 
steht, hindorchdringm können; welches erst das Christen- 
tlram sa leisten im Stande war. Es ist daher natfiriich nnd 
DB richtigen GefShl der Oefthr fBr ihr dgenes System gehan- 
ddf , wenn die verstandesstolz^n Neuerer ans allen Kräften 
sich dem Studium des religiösen Lebens der alten Völker 
widersetsen. — Wer nun, wie ich, dieses letztere in allen 
seinen aoch unwürdigen Erscheinungen auffasst und darstellt, 
vm der wahren Religiositfit aber mit Wärme spricht, der; 
mss sidi auf die widersprechendsten Vorwurfe gef&sst machen 
wie ich denn von einer Seite habe vernehmen müssen, ich rede 
dem Aberglauben, dem Fanatismus und den sinnlichsten Orgien 
das Wort; von einer andern: die Symbolik und Mythologie 
flcy «eine sabJectiv-unphQologisdie Gefühlslehre» ; Andere ha- 
ben des Philologischen zu viel in dem Buche gründen, und 
werden in dieser Umarbeitung sich noch mehr darüber zu be- 
khigen haben. Christlichen Sinn und Glauben aber haben 
die grössten Philologen seit Wiederherstellung der Wissen- 
schaften mit dieser Disciplin sehr verträglich gefunden. 

Mein Buch hat auch denen nicht ganz zusagen wollen, 
welche im Elemente des Schönra und in ästhetischen Sitten 



die hödiste Vidlefidoii|p des 'Menschen siidien, und denm die 
rel^^iösen Mythen, Sfnnlnider und Allegorien nur in sofern 
etwas werth sind, als sieh densdben eine isthetisehe Seite 
abgewninen lässt, oder ste ihnen als Materudien so poAisdien 
and künstlerischen Darstdlungen dienen können. Diesen 
Aesthetikem ond poStnchen Geistern ist es Ifist^ daran er^ 
innert za werdm, aus wdch einem tiefim Cfefidd des YerfliHs 
und der Hfilflosigkeit des Menschmgeschlechte die edelsten «id 
tiefirinnigstenlDichtinigai und Allegorien der Alten hervorgegan- 
gen sind. Nach den letasten Granden jenar Lehren und Dicii- 
tungen zu fragen, und sidi in der Mythen« und Be%iott8ge- 
schichte auf die ewig nnabweislichen Bedurfiiisse der] mensch- 
lichen Seele einzulassen, heisst jenen Kunstjängem und Aesthe- 
tikem ein Verstoss gegen die gute Lebensart 

Wenn ich nun einerseits jene Nachsdgler mit Terdientem 
Stillschweigen dbergehe, welche erst durchTossens Yorkanqif 
ermuthigt worden, gegen die Symbolik zu Feld zu ziehen, sowie 
jene pedantischen Kleinmeister, die mit grossem Geräusch an 
dem mythologischen Kleid hier und da ein Fiserdien abge- 
lesen, so begrosse ich andrerseits mit wahrer Yo^hrung und 
Dankbarkeit j&ie ^ptSrag ßdvva^ nopaaji^*^ von denm ich 
als berufene Vorgänger oder Mitarbeiter auf diesem Gebiete 
hier nur folgende namhaft machen will, vorerst unsem ehr^ 
wurdigeii Hug, sodann Schelling, Görres, v. Hammer, Bötti- 
ger, Welcher, Yöleker, K. 0. Möller, E. Gerhard, Th. Pto- 
nofka und Andere, auch Auslander, deren Werke schon ui 
dieser Einleitung angeführt werden. 

K. 0. Muller hat sich durch genaue Darlegung der Ver- 
zweigungen Griechischer Stämme sdir verdient gemacht; aber 
wenn man seine Geschichten Hellenischer Stämme aufmerksam 
liest, wundert man sich, ihn zum öftem so ver&hren zu sehen, 
als ob in der Mythologie eben Alles getiian sey, wenn ausge- 
mittelt worden, unter welchen äusseren Umständen in Grie- 
chenland ein Mythus entstanden und fortgewachsen sey. Es 
ist öberiiaupt der mythologische Stoff zu äusserlidi genommen 



\ 



.n^ OL 

EiBgaius rieUigar Imitnikt fahrte Md auch dieNeologa 
•der flogenaimteii Batkmalistai ^ die ieh in dieser Einleitoiig 
richtiger benaimt se haben hofb, den VoeBbdien Fahnen an. 
äie hatten angeftngen wahmnehmen^ dass die Untenadum- 
gen iber die alten Religionen an ejaem ISrgebnim gefihrt, 
welches nit Auren Lehren im aehneideadsten Widerqumdi atdit. 
Sie gehen von dem Satxe aus, dass der Mensch von Natur 
höchst vortrefflich sey^ and om aar hMisten Oläcksdigkeit aa 
gelangen nnr aeiaen Yarstand aAgiidist aa vervoUkoananen 
habe. Jene Cntersachmigen hatten aber gesdgt, dass Ihst 
bei allen Völkern der Yorwdt das Bewnsstseyn des geirt- 
lidien Verderbens and das Verlangen nach einer Versöhnang 
flut Gott herrschend gewesen, and nar nicht bis aar rechten 
Heikordnung , welche dnreh sittliche Reinheit, durch geistige 
Anfefdenuig nit lebeadigem Glaoben an eine ewige Liebe be- 
sieht, hindnrchdrii^gea können; welches erst das Christen- 
thaai aa leisten ha Stande war. Es ist daher natdrilch and 
im richtigen Geftihl der Gefthr fOr ihr eigenes System gehan- 
delt, wenn die verstandesstolzen Nenerer ans allen Kräften 
sich dem Stodiam des rel^iösen Lebens der alten Völker 
widersetaen. — Wer nun, wie ich, dieses letztere in allen 
seinen aoeh anwürdigen Ersdiemangen anfStMst and darstellt, 
van der wahren Rdilgiositit aber mit Wirme spricht, der; 
nmss sich aof die widersprechendsten Vorwfirfe g^nsst amchen 
wie ich denn von einer Seite habe veraehmen mOssen, idi rede 
dem Abei^glaabea, dem Fanatisams and den snmlichsten Orgien 
das Wort; von einer andern: die Symbolik and Mythologie 
sey «eine sab|ectiv-anphflologische Gefiihlslehre» ; Andere ha- 
ben des Philologischen aa viel in dem Bache grfondai, and 
werden in dieser Unmrbettang sich noch mehr darfiber aa be- 
khigen haben. Christlichen Sinn and Glaaben aber haben 
die grössten Philologen seit Wiederherstellung der Wissen- 
schaften BUt dieser Disciplni sehr vertrigVch geAmdcn. 

Mein Bach hat aach denen nicht ganz ansagen wollen, 
welche im Elemente des Schönen and in ästhetischen Sitten 



berufen; idi mms^ imi mit meiiier oUg&k Verffleidxang niidit 
flussv^rstanden zn w^en, hiiianHefaBeii, selbst oft der genialste 
Kritiker mdit^ und trage kein Bedenken zn sagen, dass ich 
imsem grossen Fiiflologen und Kritiker Gottfried Hermann, 
so sehr ich ihn verdure, nicht für ein» ^ädüichen Mytholo- 
gen halten kann. Eben so wen% scheue ich midi sa sagen, 
dass ich K. 0. IKBller lieber anf archlioIogisGhem als auf my^ 
thologischem Felde arbeiten sdie , und ihm oft meinen voUen 
Beitall nicht versagen kann, wo er mythologische Kenntnisse 
archiologisch anwendet, . s. B. wenn er in seinem treffhchen 
Handbuch der Archliologie der Kunst Götter- und Heroenbil* 
der unter gegebene mythdogisdie Charaktere subsumirt 

Nach Muller hat sich neuerlich E. Gerhard fiber das We- 
sen und die Behandlung der Mythologie ausgesprochen. Nicht 
weil dieser Gelehrte aber die Symbolik ein eben so geredites 
als mildes Urtheil gefiUIt, ^} sondern wefl idi nadi mdner 
Ueberzeugung nicht anders kann, eridfire idi olfen, dass mir 
die Grundsätze und Ansichten dieses Mannes unter allen am 
meisten zusagen. Hier finde ich Geist, Tiefe und Umsidit. 
Ihm bleibt das Verdienst, die mythologische Betrachtung erst 
entschieden von den blossen Dichtermythsn abgdenkt, und 
den Ursprung und Geist der Griechisdien und Itafochen Be* 
ligionen durch Hervorhebung, Zusammenstdlung und Au»- 
l^ung der alten Cultusbflder au^ekUrt zu haben. Wenn 
nodi neuerlich ein Phflolog'} die Kunst der Alten zu den 
Beiwerken der PhOologie stellt, so hat Jener die innige Ver- 
bindung der Mythologie und der Archäologie erwiesen , wie nun 
auch der hochverdiente Em^ric David gethan, und beide Dis- 
eiplinen als Grundlagen aller Alterthumswissenschaft gewur- 
d^ Von seinen Arbeiten für das archäologische Institut von 
Born, wie von seinen übrigen, dürfen wir uns noch femer die 
erfreulichsten Fruchte versprechen. 

1) Im Prodromus der antiken Bildwerke I, Vorrede S. XXXVX» 

2) Bemhardy in den Chmndlinien xor Bneyklopidie der Philo» 
logie S. 339. 



Die Lehren der Symbolik und Mytholo^e mnssten auf die 
EAÜmn^ der bildlichen Denkmahle ihren Einflnss äussern; 
md ich darf wohl ohne Anmassung sagen, dass seit der Er- 
kkekamg dieses Buchs Vieles mit ganz andern Augen an- 
gesehen worden. Welche IGssgrilfe aber dabei geschehen, 
md welche Wendung die Kunsterklämng neuerlich genom- 
Mn, mag, statt meiner, ein grosser Kenner und glücklicher 
Rearbeiter dieses Faches ^} angeben: «Souvent les editeurs 
out eonsoltö avec fruit Touvrage — du docteur Creuzer sur 
k» rd^ons de l'antiquite ; mais, soit qu'ils naient pas compris 
ttute la portee des idees de Tanteur, soit qu'ils naient pas 
toajours su les appliquer avec discemement, lenrs teniatives 
n'ont guere abouti, qu'a rendre suspecte l'etnde m^me des 
lymboles et de l'antiquite figuree.» Wie wenig ich gesonnen 
Ka mit einigen Erklärern antiker Denkmahle in die Wildniss 
ui laufen , werden aufmerksame Leser aus den drei archiolo- 
gbchea Monographien *) ersehen haben, die ich neuerlich 
homsg^eben; und die mich niher kennen, wissen, dass mir 

neugewonnene Antike oder Anticaglia, ein nenaufgeiun- 
Zeugniss eines alten Autors mehr werth ist als eine 

Theorie. Dagegen beneide ich die Beschränktheit der- 
jenilgeii Archiologen nicht, welche in den antiken BiMwerken 
■iehts weiter gdten lassen als was man eben mit leiblichen 
Augen sieht, und während Andersdenkende ihre linguistische 
nd kritische Verdienste will^ anerkennen, mit einer UnduM- 
BSidieit, wie sie bomirten Menschen eigen ist, alles weitere 
Forsdien nach der höheren Bedeutung antiker Gebilde als 
Unsimi verschrien. Eine Mythologie und Archäologie nach 
der Vorstdlung solcher Leute könnte fiiglich schon in den 

Mittelschulen abgethan werden. 

* 

1) Th. Psnofka in der Introdaciion lam Mns^e Blacas pag. 1. 

2) U«ber ein ali<Atheni«Ghef GeCus, Leipiig und Darinsiadt bei 
hmlLB 1832 s Zar Geschichie der Römischen Cnlior am Oberrhein 
ud Tfecksr, ebendasellMii 1833; Zar Gemmenkande ^ ebendaselbst 

1834. 



lieber einen andern Widensprach g^en mein Verfahr^i 
kann idi kürser seyn. Einige bezflehtigen mieh nfimlieh einer 
Vermengong der versdiieden^i Mythen, Lehrsttze und Cultej 
Andere wollen von einer Ableitong der HeUenischen und IIa- 
Uschen ReiigioneB aoa morgeoUndischen fiberhaiq[>t nichts wis- 
send Diese Differenzen wird die Zeit aosgldehen müssen. 
Was den ersten Punkt betrÜR, so habe ich mieh immer be- 
strebt, and werde mich bei dieser Umarbeitang noch mehr 
bestreben, das religiöse Leben der •Griechen und Italiker, wie 
es vom Homems an bis anf Pausanias herab in Schrift- ond 
Bildwerken sich darstellt, in seiner E^enthömlichkeit anfim- 
fassen ond darzvlegen, aber auch keinesweges einseitigen 
Chorizonten zu Gefkllen ungesuchte Vergleichungen, die sich 
darbieten, von der Hand weisen. Die zweite Einrede triflt 
mich mit vielen der grössten, zum llieil noch lebenden Alter- 
thumsfbrscher. Was mich angeht, so muss ich , Modificationen 
abgerechnet, auf meinem Hauptsätze so lange bestehen, bm 
man den evidenten Beweis geliefert, den man wohl immer 
schuldig bleiben wird, dass Herodotus m senien Zeugnissen 
Aber den Unsyrung der Griechischen Rel^pimen keinen Glait* 
ben verdiene. ^') Ksher habe ich die Genugthnung gehabt^ 
auf jener Trennung hanptoächUeb jüngere Deutsche Philologen 
bestehen zu sehn^ wahrend die berühmtesten Orientalisten des 
In- und Auslandes und Archiologen, welche Griechenland 
und die MorgenUmder gesehen, meine Bestrebungen- ihrer 
Aufoerksamkeit gewürdigt haben. 

Noch muss idi der Aufioahme gedenken, welche die Sym- 
bolik bei unsiem Philosc^hen geAmden. Sie ist im Ganzen 
nicht ungünstig gewesen, hat aber vielleidit eben deswegen 
manche Philologen gegen das Buch ungünstig gestimmt Schel- 

1) Fr. JacolM (Yemiiflchte Sohriftea HL S. 76): ^Daw aber 
AegTptto feine Götter fleicheam ao^eiendet» behauptet Herodotus 
U. 49 mit Zuveraidit; imd ee aiOehte echwier eejm, ihm deo Glaar« 
ben SU yerta^en.** Im Verfolf bemerkt derselbe den PhOnixischen 
Ureprung mancher Griechischer Cnlte und Orakel. 



lif^ hat es mit grosser Aditung behandelt and an mein Buch, 
nirgends, meines Wissens, die Forderong philosophisch - sy- 
stematischer Methode gemacht. Das gleichmassig betitelre 
Werk von F. Chr. Baur erschien bald nach der zweiten Aus- 
gabe des meinigen. Es wurde mir wenig anstehen die Lob- 
s|ffädie za wiederholen, die er ihm besonders in der Vorrede 
ertheilt, nnd ich muss selbst den ablehnen, dass es in «ficht- 
philosophischem Geiste» geschrieben sey (^Vorrede S. VDI}, 
hingegen aber auch seine Ausstellungen auf sicJi beruhen las- 
sen; wobei er mir aber auch verzeihen wird, wenn ich sein 
aus den Schriften von Karl Ritter und den meinigen über ein 
Schldermachersches Fachwerk aufgebautes System zu kdnst- 
lich finde. Idi habe mich gegen ihn selbst schriftlich gleich 
damals ohngefthr in der Weise ausgesprochen: So Ihr nicht 
weidet wie die Kinder (d. L kindlich, nicht kindisch]), werdet 
Ihr ins Paradies des Mythos nicht eingehen. Ich bin zwar 
Hi^lied einer philosophischen Facultfit — aber nicht Philo- 
80^; ich habe nicht eine Phflosophie der Mythen, Symbole 
und Glaubenslehren schreiben wollen oder können, sondern 
eine phflologisch - mythologische Ethnographie. Diese totale 
IKferenz hat mich Jedoch nicht verhindert jenem würdigen 
and geldirten Theologen meine Achtung mehrmals öffentlich 
n beze^en. 

Bei solchem Verzichten auf systematisches Phflosophiren 
konnte Idi denn auch auf die neuesten Richtungen der Deut- 
schen Phflosophie nicht eingehen, selbst wo sie die Mytholo- 
gie in ihre Kreise zog, und musste z. B. die Schrift des geist- 
reidien Christ. Herm. Weisse: «über den Begriff und die Be- 
handlnng'der Griechischen Mythologie» nnberndcsichtigt las- 
sen. Hit dem Meister der neuesten Schule, mit dem verewig- 
ten Hegel, hatte ich keine Mühe mich über diese meine Stel- 
lung und Stimmung zu verständigen. Bei seiner Kenntniss 
nnd Aditung der Alterthumskunde und bei der grossartigen 
Werne, Menschen und Dinge zu würdigen, entschuldigte er 
freundschaftlich das Beschränken meiner Studien auf die Phi- 



losophie des Altert honis 9 und war mir darin forderlich; wie 
ich hinwieder noch nadi setnem Tode aus seinen Vorlesun- 
^n über die Bel^onqihQosQphie einige treflSende Stellen in 
dieser Einleitung mitgetheitt habe. 

Nadh solchen Bekenntnissen wird mir niemand nachsa- 
ge können^ dass ich mit meinen Ansichten hinter dem Berge 
gdialten; nach den von mir gemachten Erfahrungen aber 
wird andi jeder Einsichtige es ganz natürlich finden , wenn 
ich diese Vorrede mit der Erklärung sdiliesse: aviä^ iyw 
ßaosSfi€U ifiap odov. 



ersten Theil oder die Einleitung habe ich gröss- 
tentheSs ganz neu ausgearbeitet Die übrigen Thefle werde 
ich abkurzen, und so das ganze Werk, unbeschadet mehre- 
rer ganz neuer Capitel, auf S Bände einschränken. Manches, 
besonders zur Literatur gehörige, was ich in dieser dritten 
Ausgabe hinweglassen werde, kann der Leser in dem zweck- 
mässigen Auszuge, den 6. H. Moser von der 2. Ausgabe 
(Leipzig und Darmstadt 1822} von dem Buche geliefert, und 
noch vervoUständ^ in der Französischen Bearbeitung von 
Guigniaut '} finden. — Die AhbUdungeu zur ersten und zwei- 
ten Ausgabe sind mit dem Texte beider zu sehr verwachsen, 
als dass der Leser das Bilderheft (^Leipzig und DarmstadI 
I8I93 oder den sehr vermehrten Recueil des planches zui 
Guigniautschen Uebersetzung entbehren könnte. Zur BrkUt- 
rtmg der AhlnUbmgen werde ich in dieser dritten Ausgabe 
mehrere Berichtigungen geben und ausserdem ein zweites 
Bilderheft, welches manche nnedirte Bilder enthalten wird. 

Heidelberg im Ttoge MIchadiB 18Kk 

fnt^äf €rtnitx. 

1) Relipons de I'AntiqoiM; oawrage tradaü de rAllemand di 
Dr. Frederic Creaser — per J. D. Goi^iani. Paris 1825—1835; — 
eine meifterhafte Uebenetsan^, derea VerCuser logleich riele echats« 
bare AomerkDii|^en Idüzageiügt hat. 



AUgemelner Tbeil; 



sKur 



■tnrgresclilclite Ktlmlsclier Rellü^oiieiif 

besonden 



der Griechischeil und 



Allgemeiner Theil; 



zur 



Naturgeschichte Ethnischer Religionen ^ beson* 
ders der Griechischen und Italbcben. 



Juinen Dienst der Elemente giebt uns ein altehristliGher 
Schriftsteller als Ursprung und Inhalt mehrerer dieser Cnlte 
an; und da meines Bedenkens hieran, auch in Betreff der 
Griechischen, etwas Wahres ist, so will ich von dieser An- 
ädkt ansahen, ohne mich vorerst durch ihre Einseitigkeit 
stören zu lassen. Die Aegyptier, sagt er, haben das Was- 
ser %a ihrem Gott gemacht, die Phrygier die Erde, die Assy- 
rer und einige Völker Afrika's die Luft und die Perser das 
Feuer. '^ Was nun weiter von Griechischen und Römischen Cul- 
tea berichtet wird, übergehe ich hier, und wende mich sofort zum 
Zeogniss eine sgeldurf eren Kenners der alten ReUgionen , wel- 
cher Mgende sieben QueUen der heidnischen Vielgötterei auf- 
zählt: Bewunderung der ^nzenden Himmelskörper (daher 

1) loL Firiaieiu Maiemas de errore prolaDaram ralifioaam 
cap. 1 — 5* p- 2 — 3 ed. Fr. Mdnier. Der gelehrte Heraasfeber 
erinaeri nMcfäräfUch (p. 121) au die Babjlonier, die (nach Bero* 
mt ap. Clemept. Alex. Proirept. cap. 5- p. 57 Poüer) Feuer und 
Wawer Tffe)iri habeo eoUen; aUo dach «cboD xirei Elemente; — eine 
ciwae wenif^r einaeitife Aaftasfaopireiae. 



der Sonnendienst der Indier, der Mondscult der Phryg^ier}; 
Dankbarkeit gegen die Erfinder des Ackerbaus ; Be^'usstseyn 
eigner Verschuldung und Personification der Leiden und Stra- 
fen; Verkörperung und Verehrung der menschlichen Affecte; 
Personification von Tugenden und Gegenständen der Furcht 
und Hoffnung; Dichtungen der Poeten und Vergötterung der 
Wohlthater der Mensdliheit Q Eine solche Aufzahlung kann 
fiir uns nur einen materiellen Werth haben, denn, um jetzt 
von Alexandrinischen Beschränktheiten dieser Ansicht des 

• • • 

christlichen Lehrers zu schweigen, so ist sie doch ganz ato- 
mistisch, und ermangelt durchaus jener organischen Entfal- 
tung, jener genetischen Ableitung, die wir, ohne uns vom 
christlichen Standpunkt in der Religionsgeschichte entfernen 
zu wollen, doch heut zu Tage billiger Weise in Anspruch 
nehmen. Zur Lösung dieser Aufgabe wird uns, denk' ich, 
ein strenger Philosoph vorbereiten. Aristoteles nämlich giebt 
uns über den Gang der alten Götterlehre einige bemerkens- 
werthe Winke. Nach der Beweisführung , dass nur Ein Him- 



1) Clemeng Alex. Proirepl. p. 22 Poüer. Der christliche Kir- 
chenlehrer leitet seine Betrachtang mit folgenden Worten ein: 'jEv- 
voiaL ÖS tjfAaQTtjfxipai xai JtaQfjyfABvat rijq avSeiaq^ oki^Qiat 
üig dkr]9(Sq top ovqolviov ipvxdu top dpd^toitop ovgapiov i^i^ 
TQeiftap Siairrjq xai i^evdpvaap iitl y^Sj yrjtpoiq tvqo^^ 
apixeip dpoJteiaaaou itXdafAaaip. Zu der ?on Clemen« nachge- 
ahmten Homerischen Stelle Diad. (»• 58 : Bodgov t i^itJtQei^e 
TLCti e^evdpvöo' ml yai^ {^ttgh Hejnii Obss. Tu. p. 302) kommt 
nnn dieses Beispiel der andern Lesart htl yctitj^y und hinwieder 
konnte Jemand im Clemens ans Homer zu lesen TorscUafen: i^S^ 
ÖXQa^fap. Wenn fibri^ens Clemens an einem andern Ort (Stromm. 
VL p. 751) den Homer diesen Vers ans einem Orphischen 6e* 
dicht entlehnen lassi, bo hat schon Heyne mit Recht seinen Zweifel 
l^eAnssert, und Lobeck (Aglaopham. p. 554) nimmt Welmehr einen 
Orphiker ffir den Nachahmer des Homer. — Uebrigens braucht 
wohl kaam bemerkt xn werden , dass die obigen Zeugnisse sweier 
relatiF spater Schriftsteller nur deswegen Ton mir an die -Spilse der 
Brdrtemug gestellt worden-, weil sie mit einer gewissen VoUstAndig- 
keii Fon den Religionen der Torsüglichsten Vidker der alten Wdt 
Nachricht geben. 



md sey, fihrt er folgenderniassen fort: "} «Es ist aber vcn 
den Altvordern und zwar den sehr alten überliefert , wm in 
mythischer Gestalt den Nachkommen hinterlassen worden ^ 
dass diese (die Gestirne} Götter sind , und dass das Göttliche 
die ganze Natiur um&sst Das Uebri^ ist nun schon my<^ 
thisch hinzugethan worden *) zur Ueberredong des grossei^k 
Haufens und zum Behuf der Gesetze und des gemeinen Nut- 
zen& Denn menscMicfagesteltet, sagen sie, seyen jene (die 
Götter} und einigen andern Ton den lebendigen Wesen aluH 
lieh, und was daraus dann weiter folgt und dem Gesagten 
gemäss ist. Wenn hiervon einer absondernd niir das Erste' 
nähme, dass sie (die Alten} glaubten, Götter seyen die ersten 
Wesenheitatt (ouniag)^ so möchte er dafür halten, das ney 
göttlich gesprochen, und es seyen, da dem Anschein nach 
eine jegliche Kunst und Wissenschaft (jiptXooofjpiag) so weit 
möglich oftmals erfunden worden und sie wiederum unterge- 
gangen . '} diese Vorstellungen Jener (Altvordern} als ITe« 
berblcibsel bis auf heute gerettet worden. Die Meinung der^ 
Vater also und die bei den ersten (Menschen} bestandene isl. 
uns nur in so weit olTenbar.» 

Hieraus ergiebt sich zu^^örderst, dass einer der besonnen- 
sten Forscher des Alterthums einen der verraensdüichten 
Vielgötterei vorausgegangenen Religionscultus kannte und 
würdigte; eine Ueberzeugung, die auch sein Schüler DikJar-' 
chos ^} in seiner Schilderung der Griechischen Zustfinde aus- 

■ ■ 

1) MeUphyM. XI. 8- p. 207 SylbBrp. p. 254 Brandis. 

2) fAv9iXdi^ ijSf] TTpog^XTCU hat Brandif mit Recht ^eseUi^ 
wUU VCQOqijxSoUj wie deiio Sjlbarf «lu BeMariot Uebercetsnus^ 
Temuthate: lfQop}x9ti^(f» 289) t eine Lesart, die in der Orleaner 
Aua^be auffeDommeii ifi. 

3) xai KaJup (pSeioofiiptop. Den Vonchlaf ip^HQOuivt]^ 
bat Braadia «DerwAhni lafaeo kOooen. — Die Sage aelbai mo dem 
aftereo Uuterfehen «ad Wiedererfiiideii fod Kfliietev und Wiaaeo«. 
edMÜeo laatea wir, wo beachtongfwerth sie i«t, hierbei al« an un^ 
eem Zweck uicht uimittelbar gehArip aar Seite liefeu* 

4) Beim Porphyr, de Abatin. III. 2- p- 295 Ahoer; auf wel- 
chM Zeofiiiie auch Hugo GroÜM de reritate relifioaie Chrifi I. 
16* asi* 33 hiofowieaea« 



gesprochen. Wie er, so drfiekt auch Plato ^ ^^^ Ueberliefe- 
mng in der raythisch-pojftifldien Sprache ans, in der sie un- 
ter den Griechen nd'ch Aristoteles war fortgepflanzt worden. 
«Als eine wahre Gabe von den Göttern an die Menschen, 
wofür ich es wenigstens erkenne, ist einst von den Göttern 
herabgeworfen worden durch irgend einen Prometheas, zo- 
gleich mit einem gianzvollen Fener, und die Alten besseren 
ab wir und den Göttern nfther wohnenden '3 haben uns diese 
Sage fibergeben , ans Einem mid Vielem sey Alles » u. s. w. 



1) Phileb« p. 16- p* 31 ^d. Sfallbamn, welchem püodlicheii 
AoiAef^r dat Zenpiise des DikiUirehiw niclii entgaojl»! ist, wohl 
aber 6m dee AriMotelet. 

2) So Schleiermacher, de«eD üebenetznop ich hier folgte; 
im Griechischen heissi es: xps/rropf^ ijfi(3if xai iyyvreQO} 
9e(Sp otKOVPTB^^ welches in ÜbersetseD war: die mit den Gottem 
Umganp hatten. DikAarch a. a. O. bedient sich des etwas rerschie* 
denen Ausdrucks: rov^ nakaiov^ xai iyyvq 9edSp ysyoporaq^ 
welches sa^n will: die sanAchst Fon den Göttern abstammenden. 
Dan eorrelaten Ansdmck braucht HerodotIL 144: &€ou^ oixiop- 
%a^ OfMU TOtCi dp9gcä7toiai^ welche Lesart ich niemals bAtte be- 
swaifeln aollen (s. VoL L p. 816 ad. Baehr.) Dia Auslefer des 
Phllabua (s. Stallbaum a. a. O.) haben die poStische Qoella dieser 
Redensarten nachgewiesen; sie findet sich in einer andern Stelle 
des Plato, wo aus der Trag^ie Niobe des Aeschylns diese Verse 
anc^fahrt werden (de Rep. III. p. 39I9 !• p* 117 Bekker. p. 233 sq. 
C. E. C. Schneider), welche Hermann (Opnsc. III. p. 55) so 
geordnet: 

Ol &B(S» dyxifiTtoqoi ^ 
Ol Ztivo^ iyyi^9 oh ^^ *18ai(p rtdyip 
^ioQ naxQüiov ßuifiog iöx' iv ai^ipi^ 
xovTtoi aq>ip i^ixtjXov alfia daifAOpuiP. 

Vorstellung und Ausdruck hatte auch hier Aeschylns dem Homer 
ab|;eborcft, wie iieh aus dem Folf^nden er^ben wird. Man rer- 
^iche die Forirefnirbe Aosfahrunp fou I. 6. Huschke in den Ana« 
lecti. litlerai^. p. 322 sqq., worauf wir weiterhin mrflckkommen 
werden. Den Sali selbst ron der CMtAhnlichkeit der Menschen der 
VorweU haben iiachfo]|^nde SchriOsteller, aom Theil mil Berafnnc^ 



J)ie mythisdie Gestalt, in welcher, nach Aristoteles j jener 
älteste Cult den Nachkommen überliefert worden, lehrt uns 
der mteste Zeuge der Vorwelt Homerus kennen. Er wird 
ans auch am besten vor dem Irrthume bewahren, solche Ur- 
zustände, besonders was Grielriienland betrifft, zu hoch zu 
nehmen , oder so philosophisch , wie ach Pinto und Aristote- 
les inmitten metaphysischer Erörterungen darüber auszuspre- 
chen kein Bedenken trugen. '3 ^^ werden uns vielmehr 

lof Diklarch, aogeDommen t Cicero ToBculann. I. 12: „Antiqaifan, 
)■• propins aberai ab orta ei divina pro^enie, hoc melins ea fortaMe, 
fKä0 erani rera, ceroebal.^* Varro de r. r. IL 1* Seoeea ep. XC. 
44: ,,Aiireae aefatis hominei alii spiritos faeniDt, et, ai Ha dicam« 
m äÜB reeent€$.**^ Paoianias VIIL 2. 2« Hieroojmu adren. Iovid. 
IL 13. 

I) Wollte man einwenden, die Arigtoielieche Stelle, woron wir 
aai^|^ao|^en , fehOre dem It- Bache an, von dem, wie Fon eini- 
gea andern, behauptet wird, es sej nicht Fon Ariiiotelef selbft ge- 
schrieben , so hat der Yertheidiirer dieser Meinanfr schon selbst an- 
pmerkt, dass was in diesem and den nAchsien Capiteln sieht, aus 
den 4« vnd 6- Bache der Achten Meiaphjsik enilehni sej (Buhle 
Aber die Meiaphjsik Abb Aristoteles iu Hcerens Biblioih. d. alt. 
läl and Kunst IV. !• 39)- Auch nahm Aristoieles ausser eiAeih 
höchsten Weligeisie noch andere Götter und namentlich den Ätheri- 
schen Himmel an (Cic. de If. D. I. 13* p. 56 iq* «d. Moser). Mit 
ToUem Recht hat daher Tennemaun (Gesch. d. Philosojphie VI. 
S. 198} jene Worte unter Aristoteles Namen angefAhrt. Auch bewei- 
sen die angefAhrten Stellen des Platou und DikAarch, dass in der 
akademischen und in der peripateiischen Schule die Sage von einer 
alten einfacheren Götterlehre anerkannt war. Will man in Plato's 
Worten einen leichten Anflug von Sehers finden , so ergab sich solche 
Farbe des Ausdrucks hier Fon selbsi ans dem GefAhl der disparaieii 
Lage des Philosophen, der dialektisch in Begriffen und SchlAsscn 
erringen moss, und jener glflcklichen Menschen der Yorweli, denen 
grosse Wahrheiten ohne ihr Zuthnn ?on den Göttern offenbart wor- 
den. Wer wird in Abrede stellen, dass Sehers und Ironie in den 
Platonischen Dialogen nichi selten das heitere Gewand seines eignen 
Zweilelna oder Widersprnohs sind 1 — Man denke nur an den Kra^ 
ijloB* — - Ob aber Plaio mii Sagen and Mjihea mir 
Ireiba, dnron wird im Verfolg die Rede sejo. 



8 ^^ 

veranlaftit tehm, diesen Ütesten GSttergtevten , wovon die 
Griedien Kmide birtten, ab eine 

RcUgrioii des Hairlsiiiiis, 

oder ab ein psgchUehes Hetdenthum zu bezeichnen. 

Auf diese Weise druckt sich nämlich ein tiefer und geist- 
reicher SchriftsteUer aber diese frühesten Erscheinungen im 
Ctebiete der Religionen aus, wo er die Idee vortragt, dass 
der Begriff und Name der Pelasger in einem geistigen Sinn 
2a nehmen sey, ab Andeutung jenes alten psychischen Na- 
turverbandes mit dem Heere ab dem Element der Tiefe, wie 
der Name der Kyklopen (Bimmebchauer) ab Bezeichnung 
einer Reichen Verbindung mit den Gestirnen. ^} Heines Be- 
dänkens liegt hierin etwas sehr Wahres , und der zweite Satz 
nihert sich der Ansicht eines gelehrten und ehrwürdigen My- 
thologen. Wenn der erstere aber « das innerste Wesen die- 
ses Uteren psychbchen Heidenthums in einem Verse aus den 
Arimaspischen Gedichten ausgedrückt findet,» so bt ein solches 
Zeugniss schon an sich von sehr zweifelhaftem Gewicht; so- 
dann besagen die Worte:aiich etwas ganz Anderes, ab Schle- 
gel vermuthete. '} Die Vorstellung selbst hfitte er aus der 

« • 

1) Friedr. Schle^^l GeBchichie der epifcheo Dichtknnfi der 
Griechen (Sammil. Werke HL) S. 34 f* 

2} Ha|r*g CaiersncbaDi^n, Aber den Mjihoi d. ber. Volk, der 
allen VVeli S. 161 ff*» wo die Idee von den Kjklopen» ab BeoUach« 
iem der Sonne oder vielmehr der Mondeicheibe erflrieri wird. 

3) 'Ofif^ar* ip atn^oKUf ^vx^p S' ip uopttp i%ovmp. 
Schlegel fahrt i^ir diesjBn Binen Vera von sechMn. en.nnd sirar 
ohne Oewahmnann. Sie sieben beim Lonpnni de Snblim. %• X. 
p^ 42 ^eiak. Hjliie er sie im Zaeanunenhan^ l^elesen, so hflüe er 
aber ihren Sinn nicht irren können. Es wird die Noih eines See- 
volks« der Arimaspen, beschrieben, die bei einem Sinrme sich in 
eben so grosser LebensgeCahr ab in leiblichem Ungemaeh befinden i 
irenach Jener Vers die Darsiellnng giebi , wie sie ihre Angen Angst- 



OiiiieriBclieii Schüdeniii; des Atlas rechtfertigen können, als 
eines Wesens^ ^wdches des Heeres Tiefen durchschallet mid 
des Himmels ^nlen hlilt 

Aefamliche Erinnerungen bewahrte das Alterthmn an die 
Atlantiden als gluckseel^en und mfichtigen Völkern in see- 
genreiehen WestUndem ; *} welche die alte Sage von Attika 
mit .den Schicksalen dieses Landes in Verlnndang brachte. 
Aäinlidie Voratellungen knfipften sich auch an den Tantalus 
und die TantaKdenu Jenen des Umgangs der Götter gewör« 
digten aber von ihnen noch schwer bestraften König machte 
dne Sage za einem Atlas des Morgenlandes , d. h. iatuk Tr<- 
gerades Himmels, '} und es ist nicht unwahrscheinlich, dass 
selbst die Namen Atlas und Tantalos von einer und derselben 
Wurzel abstammen. *') Besonderer Gunst der Götter erfreuen 
«ch auch des letzteren Nachkommen , so wie einer vorzägli- 
dien Himmelskunde. Atreus und Thyestes sollten der Sage 



lick sn den Sternen erheben, während der Abgrund dee Meeree 
jeden Augenblick ihr Leben bedroht (Tergl. Rnhnken. und fTeiska 
K. 295). 

i) OdjM. a. 52. Die VonieUnng dee Atlas ale einee lebenden 
^walt^en^Weeene bleibt fest stehen, mag man nun mit Herrn Nitasoh 
(ErkL Anmerkungen zur Odjssee S. 17 f.) okooipQOifoq lesen, und 
t^hrndigen verstehen, oder mit Bnttmann n. A« (s. S« 323} pkoo- 
^opö^j und verderblich gesinnten übersetsen. lieber diese Vor* 
lisUnng erklären sich Hag (Mjthos S. 214 ff.) und Volcker (Mytho- 
logie des lapetischen Geschlechts S. 53-— 65)* 

2) S. VMcker a. a. O. S. 313 ff* — Die Athenische Sage beim 
nato, Critia p. 120« p. 172 Bekker, Timae. p. 25. p. 18. 

'3) Scholiast. Baripid. Orest. 970 -— 76- p. 4t49 Matth. dlX 17 fiip 
loxoffia Xiyetj'Tov Tdvtakov dvareTafiepai^ X^P^^ qiipeip top 
ovpavoPm Seines Aalenthalts im Olym^, im Himmel bei den 6dt- 
iem, wegen , ~ oder wegen seines Auftrei? ns anf dem Gipfel des Si* 
pjles scheint ihn Nonnns Dion^ss. XYDI. 32 u. XXXV. 295 
TdpTizkop ijeQO(jpOiTijy an nennen (Tafel Dilucidd. Pindarr. L 27 
n Oljnp. I. 60 sqq.). 

4) Von roXaco. S. darüber VOlcker MjthoL d. lapet. Geschl. 
&64.6& 355. 



mth swei Zeidieii cmpfiMigeii haben, vm det* Gotthfest gtg^ 
ben j dm vom foUenea LauK o4er teui Widder nnd das 
von der Aendemn^ im Auf- und Untergang der Sonne ^} 
und der andern Sterne. Demselben Kreise gehör< der Mythus 
von einem atten Titan od^ Titenios (Tiropo^, Tinpßioy) an, 
der auf einem Ber^ der Landschaft Ton Sikyon gewohnt, 
den Wedisel der Jahresseit^a beobachtet so wie den Ein* 
flnss der Sonne auf den Waehsthmn und auf das Reifen der 
Gewächse, und deswegen für einen Bruder de§ SotmmigMf 
gehalten wordoi, ingleichen von dnem andern Harathoni- 
schen Titanen^ welcher allein nMa gegen die OdUer gekämpft 
tobe. ^} Nichts bezeuget aber Jene Vorstellungen aasdrfldüi- 
cher als die Aeusserung, wdche Homar dem König der Piiia- 
ken Alkinoos in den Mund legt: '3 

« Immer von Alters her erscheinen ja sichtbare GStter 
Uns, wann wir sie ehren mit heiKgen Festhekatomben, 
Sitzen an unserem Mahl und essen mit uns, wie wir 

andern. 
Oftmals auch, wann ein Wanderer ihnen Begegnet, 



1) Plato Politic p. 269 9 A. p. 272 Bekk. Die genauere Er- 
Orleniiip dieser franseo Stelle Uej^ Ton meioem XSweck entfernt. 
Hierher gekört nur die «llgemeinek'e Bexieknng enf die Gnade der 
Gotter nnd die Himmekiknnde, nnd wir laafen selbit die Dentnnf 
auf sich bemhen , wonach die Sage Tom goldnen Widder daher ent- 
standen sey, weil Thyestes stierst den Widder am Himmel naehge- 
wiesen, Airens aber die ent^^egengesetste Bewegung der Sonne nnd 
der Weh ^Meigt^ nnd deswegen das Tlterliche Reich erhalten habe 
(Lncian. «de Saltat. eap. 42 nnd de Astrologie cap. 12)* Die eben* 
dort Torkonunende Sage ron den Erdgebomen {yijyepel^) der Vor« 
welt gekört aber in diese Sagenreihe (rergl. Hesiodi Theogon. 139 
nnd das Orphische Fragment im Btjmol. M. p. 231}* . 

2) Pausen. H. 11. 5- ^ergi VII. 23- 6 und L 6. Hnschke 
Analecta litterr. pag. 326 sq* n. p. 336 t^* Dass ein Titan hier 
Brader des Helios genannt wird, sokekit den Saim K. O. Mflllers 
(Prolegg. snr Mythologie S. 373) 99 dass alle Sparen gÖttUeher'Ver« 
ehmng der Titanen fehlen^ nicht na begfinstigen. 

3) Odjss. ^. 201 sqq. 



-^ 11 

HdUen sie sidi in Oestftlt ; denn wir sind Jenen so nahe 
Als der Kyklopm Volk nnd das wilde Geschlecht der 

Giganten.» 

Zum dentliehen Beweis , wie nnffihig oft die sp&teren Grie- 
chen waren, ihren ältesten Sänger zu verstehen, wo er von 
den firuh^ea Zuständen redet, haben die Ausleger sich lieber 
den künstlichsten, ja abgeschmacktesten Deutungen hingeben, 
als sich überreden lassen wollen, dass Kyklopen und Gigan- 
ten den Göttern eben so verwandt und befreundet seyn soll- 
ten wie jene wunderbaren und glückseeligen Phäaken. ^} 
Dagegen hat der späte Perieget die Homerischen Worte mit 
Recht als emen Beleg gebraucht, dass wir uns unter diesen 
Giganten menschliche Wesen su denken haben. ^} In der 
Thai hat der Dichter hier die alte Sage von drei Urvolkem 
aufbewahrt, welche durch mittel- oder unmittelbare Abstam- 
■nmg mit einander verwandt, sich doch in Gaben und Lebens- 
art von einander unterscheiden, und mit Homer und Hesiodos 
übereinstimmend hatten Lyriker und Logographen theils die 
Kyklopen, die Giganten, theils die Phäaken aus der vom 



mmU 



1} BiUi|^ fibergehen wir dieia gexwDBgeneD ErklAraDgen, die 
lieh iD den Scholieo sa dieser Stelle uod beim EiutathinB finden 
(i. ed. liipi. p. 272 und dagegen das Richtige bei If iissch xn OdjM* 
VL 1. & 73 ff. nnd xn nnarer Stelle B. II. S. 156 f.). Ich be- 
merke nnr noch, dass der sonst so kritische nnd umsichtige Fri^et 
lieh gleichwohl darch Jene Auslegung hat bestechen lassen, ^ er 
ia seinen Recherchee sar Thistoire des Cjclopes, des Dactjles, des 
Teichin—, des Cnretes, des Corjbantes et des Cabires, in den Oeurres 
Paris Tom. XVHJ. p. 4 sfq. nnsrer Stelle gar nicht gedenkt, son- 
dern noa Odjss. IX, 106 sqq» Homerische Kyklopen als riesenhafte 
Anthfopophagen Siciliens anführt, die er blos £flr politische Wesen, 
üSr Geschöpfe der Phantasie, wie in nnsern FeenmAhrchen , nimmt. 
Diesem aonst so tüchtigen Forscher ging doch eine gewisse Tiefe 
des Geistes nnd ein Sinn fdr das höhere Alterthum ab. 

2) Pansanias VIII. 29. 2, wo Ciavier nnd Sicbelis knit Recht 
er^si haben: Biptu rovi (Pa/axa^ 9euiif i'/yvQ titms^ Ki^ 



Blute des Uranos befimditetra Gäa entspringen lassen. ^3 Yon 
dieser Befireimdiuig mit den Göttern imd einem darauf gegrmh- 
deten Vertrauen zu diesen ist selbst da noch eine Spur nbr^, 
wo der Mythos die Kyklopen als nn^f^esehlachte Wesen schildai : 
«Und an das Land der Kyklopen, der Frei4er, wfld und 

gesetzlos, 
Kamen wir, welche nur dem utuierNtekem OdUem twr- 

imuetidf 
Nirgend bann mit Binden, za Pflänzlingen oder mar Fdd- 
fracht» n. s. W. *3 
Es ist nicht ohne Bedeatong, dass ein^ Sagen auch jene 
wunderlichen Silene Söhne der Erde nennen, und sie ans 
dem Blute des Uranos entstehen lassen, und dass jener alte 
durch ausserordentliche Sehergabe und Wdtkunde ausge- 
zeichnete Silenos von einer Stadt d^ l^VoMwim zu beriditen 
wdss, die im tiefen Frieden und grossem Ueberfluss lebend 
ohne Pflug und Ackerstier die Frädite aus dem Schooase der 
Erde gewinnen. ^) 



■IM«! 



1) HesiocI. Theog« 183; Alcaeiw und Acasilaiw ap. Scholiafl 
ApoUon. Rhod. IV. 992 vergh Aciuilai Fraf g. X. p. 216 Stars, nad 
8. HoBchke Analecü. litierr. p. 324 sqq« Was die VenGhiedeoheii 
der Eif^nschaften nad LebenswiBifle beirifll, so denke man nur an 
die R4>heii der Kyklopen, an ihre Beaiehnag; ka den GFesümen 
(s. oben), wflhrend sie Ton Seewesen und Schiflahrt gar nichts ver- 
stehen (Odjss. IX. 125 ff.}, dageg^en an die Cnlinr der Phiaketo, 
ibre üeppigkeii und ihre wunderbare Yerbindon^ mit Meer vnd 
Schiffahrt n. s. w. 

2} Odjss. IX. 106 ff. In solche disparate Pridicate haben sich 
Altere nnd neuere Ausleger oft nicht sn finden ^wusst (Enstath« 
ad h. 1. p. 350* ▼ergl. Hejne xum Tisrhbeinischen Homer in Bil- 
dern n. S. 13 )• In der Lehre von der Vorsehung hat der Alexan- 
driner Philo diese Stelle benutit (s. Philo lud. de Prorident. Senn, 
▼ers. Armen. -Lal Venet. p. 104 sq.). 8o wie die Altesten €^llt- 
ter, ebenso erschienen auch solche UrsiAmme in dem neueren Hel- 
denepos der Griechen in einem ungfinstigen Licht. 

3) Serrins ad VirgiL Edog. YI. 3* VL 13. Nonni Dionyis. 
^'i^XIX. 260» wo au bemerken, dass einer der Söhne des Silenos 
den Namen AstrAos (Sternenmann) filhrt. Theopompus iqp. Aelian. 



Dieser letztere Zug beseicluiet Jenen primitiven Stand 
der Unschuld. Als solchen hebt ihn derselbe Peripatetiker 
hervor, dessen Zeogniss wir oben aus einem andern 
Schriftsteller angeführt haben; indem er als die höchste und 
erste Stufe jenen Naturzustand anhiebt, worin die Menschen 
nur von solchen Din^^en lebten, welche die unverletzte Erde 
freiwill^ hervorbrachte; oder in der Sprache des Mythos zu 
reden, jene Kinder des Hhnmels und der Erde waren ihren 
{^rossen Eltern so befreundet, dass sie die Mittel zur Erhal- 
tung ihres Lebens als freiwillige Geschenke von ihnen em- 
pfingen. ^^^ ^^^ Göttern, ihren Eltern, um in dieser 
S^Miu^he forfaw^en, war ihnen dann auch Alles was sie 
wossten und konnten angeboren. Jene Himmels-, Erd-, 
Wdt- und Meereskunde, jene Gewalt über die Elemente. Es 
war ein durch Geburt ererbtes Wissen und Vermögen, nicht 
ein eriemtes, erworbenes« Oder, fassen wir lieber diese Ue- 
berliefemng Pdasgischer Urzustände auf unsere Weise auf, 
und 'lesen die einzelnen Merkmale zusammen, die uns die 
Griechische Sage von diesen Urstämmen aufbehalten hat, so 
werden wir allenthalben einen Charakter von Unmittelbarkeit 
3men au%epr£gt finden. Es ist als hätten wir nicht mit 
fldsch und Blut gebome Menschen, sondern Elementargei- 
ster vor uns, begabt init einem wunderbaren Einbhck in die 
Naturen der Dinge, mit einem so zu sagen magnetischarti- 
gok A%efilhL Sie besitzen Kräfte, Feuer, Wasser, Winde 

y. H. m. 18 verg*!. Theopompi Fragg. ed. Wichen pag. 73: TovQ 
fih olv JEuaeßeig iv ei^^yy re dtdyHv xai Ttkovrtp ßa&et^ 
lud kiifißdpeip Tovg xaQTtovg ex xijg yijg xu^^lg d^dtfußp xal 
ßotSp. 

1) Varro de r. r* 11. 1. 4* p« 215 Schneider: Necene eii 
ImaBam liiaiii a eamma memoria gradaiim descenduse ad hanc 
aetaiem, «i ecribii Dicaearchns : ei enmmnm gradam fnlsse naiara« 
lem, cam TiTereni homines ex iis rebas, qua« inriolaia uliro ferret 
terra etc. Idem L 1. 5* p* 130: Primnm, qni omnes fracins afpri- 
dttorae coelo ei ierra conüneni, lorem ei Tellorem. liaqae quod 
tt fmr€nt09 wutgut diountur^ luppüer pnter appellaiar, Tellas, 



-^ 14 

m bemeisteni. — Daher Jene Sagen von wunderbaren Me- 
tallarbeiten und Schifferkunsten; denn mehr oder wenige wird 
ihnen 9 neben einer elementarischen Abkunft, Nei^og und 
Kraft der Zauberei h&gelßgL Jeder wird hiebei sich des- 
sen erinnern, was von Daktylen, Kureten, Korybanten, Ka- 
biren, Telehinen u. s. w. gemeldet wird. Besonders in den 
letzten tritt dieser magische Charakter hervor; sie wurden 
Söhne des Wassers genannt und sollten aus dem Heere *) 
geboren seyn. Sie hiessen aber auch Söhne des Heeres im 
schlimmen Sinn, weil sie ihre Zauberkünste zum schädlichen 
Gebrauch verwendet haben sollten, z, B. sie sollten die Saa- 
ten verderbt ^3 und somit ganz andere Gesinnungen bewiesen 

1) Nicht «m dem ftflrmifchen Me«r, wie man nach Schneider, 
im Lex. anter ^ee^, meinen eoUie, welcher übersehen hatte, das« 
in der von ihm angefahrten Stelle dea Eaphorion okiriipa ala Prtdical 
dabei atehi. ZcUp heissi nach Clemens Stromm. V« p. 674 FotUr» (et 
finphor« p. 57 Meinek.) das Meer, dakaöaa^ «nd dieses wird ebendaselbst 
▼on Simmias dem Rhodier Mntter der Telehinen genannt, wie ebenda* 
selbst gesagt wird, ßeSv bedeute bald Wasser bald Luft, nlmlich 
im Phrygischen (FergL Jablonski Opnscnll. III. p. 67 nnd Meineka 
ad Bophorionis fragg., welchem Ansleger Te IVater sum Jablonski 
1. 1. mit der YerbesseniDg 0ikvlXio^ xavorgekommen ist). 

2) Strabo XIV. p. 601« Nonni Dionyss. XIV. 36 sqq. VergL 
Symbolik IIL p. 306- Gnigpiant Religions de rAntiqnit^ II. f. p. 
280 und Lobeck Aglaoph. p. 1191 «q* Wenn Fröret Oenrr. XVIIL 
p. 24 sqq- dieses Verderben der Saaten durch Styxwasser nnd Schwe- 
übI ans einem MissTorstand an erkliren sucht, indem sie das dea 
liandbanem Abliebe Mittel gebraucht, die Pflansen durch bitiere 
Anlgdsse gegen schädliche Insekten su schlltien (Cato de r. r, 
cap* 95 mit Schneiders Commentar I. 2. p. 151 sq*}« *^ ^ hiermit 
▼ielmehr das Beispiel einer modern- prosaischen ErklArungs weise ge- 
geben. Wir haben schon oben bemerkt, wie Kyklopen, Giganten 
n. s. w. im Griechischen Epos in nachtheiligem Lichte erscheinen: 
hier mnss noch bemerkt werden, dass fiberhaopt in alten YAlkeran« 
gen solche magische und thenrgische Wesen, wie die Telehinen, 
Kobalen u. s. w. MWkMchlagen^ d. h. dass sie sweideutiger Natur 
erscheinen, nnd bald als Heils- bald als UnheilsdAmonen dargn« 
stellt werden (Schelling Gottheiten von Samothrake p. 107 #!}• 



haben, als wir savor von jenen frommen Verehrern der nah- 
rendoi Erdgöttin vemomnen. 

Unter solchen nnd verwandten Kennzeichen stellt sich 
jener Pel&sgercoltiis dar, den wir eben deswegen als psgehüeh- 
magUeheB Heidenthttm bezeichnet haben. Diese Religion ist 
noch höchst einfach und unhestknnü. Denn dieselben zwei We- 
sen, die man die Väter Jener Urvölker nannte, war^i ja keine 
indem als die ältesten Götter, Himmel und Erde. Das wa- 
ren ja' die grossen, mächtigen, auch die guten Gottheiten (9€oJ 
fuydkoif dvvaroij Z^T^crro/) der ältesten Culte von Samo- 
thrake; dieselben, die der Römer als Du potes in seinen An- 
gnralbächem wiederßind. ■} — Kabiren (Kdßuqoi) hiessen 
flie unter den dortigen Stämmen, sey dieser Name nun mit 
dem Dienst selber ans den Morgenländern gekommen, oder 
fm blosser Ehrenbeiname gewesen, den ihnen die Griechi- 
sehen Stämme beigelegt ') Eben so einfach und unbestimmt 
■ochte andi die älteste Religion der Pelasger um das Thessa- 
Ksdie und das Thesprotische Dodona gewesen seyn, hier aber 
bK besonders hervortretendem elementarisch-tellnrischem Cha- 
fikter, wie die dortigen Grundwesen Okeanos, Tethys, Ache- 
loos, Dione, Zens-Aidoneus verrathen, und wie die dortige 
wunderbare Wasserquelle, cri;a:rai;J/Li«i^o$ genannt, vermuthen 
Usset.'} 

1) Varro de L. L. IV. 10. Tcrgl. Eckhel. D. N. V. Vol. V. 
PK- 319 fqq. 

2) Leisteref Ansichten Ton K. O. Müller, Welcker (s. Goi^ani 
0* 1. p. 287—294 ff- ▼«rgl* Mflllert Proleg^omena snr Mytholof^e 
^ 140 ff.) und Gerbard (Hyperborebch-Römische Stadien L S. 82), 
die 0choB Fröret vorgetragen, der anch die Ableitung Kadfiog^ 
K aS f M ik og von xa^of , ordnen, schon angenommen (Oenn*. XVIIL 
^ Sl <— 78)* Wenn der Letxtere bei der Ableiiong der Kabiriseben 
Weften ans BOotien nnd Aitika, den Pansanias von einer BOotischen 
iMi Kabira berichten lAssi, so gab es wohl eino solche im Ponins; 
■ Baotien aber kennt der Perieget ein Kaßeiptop isQOPy ein Acx- 
tiipiOP oder HeüigthAmer der Kabirischen Demeter nnd der Kora 
(O- 22. 9. IX. 25. d. IX. 26. 1 und 4). 

3) Hesiod. Theog.340.PbUochor. Frr. p. 33* Senec. N. Q. ÜI. 16- 



Abar eben dcHrt Imtte man solche bestimmte Namen der 
Gottheiten erst spiter vernommen^ Die Ältesten Pelasger hat- 
ten sich (ar die Gegenstfinde ihrer Verehrang lange mit der 
unbestimmten BezeichnangCKMer (]96o/)beholfen. tEs brachten 
aber die Pelasger, so berichtet Herodot, wie ich asu Dodona ver- 
nommen, anfiinglich unter Gebeten den Göttern Opfer aller Art 
Jedoch l^en sie Keinem von jenen einen Beinamen oder 
Namen bei, dieweil sie noch ni^mils dergleichen gehört hat- 
ten. Götter benannten sie dieselben, und deshalb, weil sie 
alle Dinge in Wohlordnong gesetzet '3 lu^d alle Eintheihingen 
gemacht Später, nach Ablauf geraumer Zeit, erfuhren sie 
die aus Aegypten gekommenen Namen der ubr^n Götter, 
des Dionysos Namen erAihr^i sie aber viel später. Hernach 
befragten sie sich dieser Namen wegen zu Dodona ; denn dfe- 
ses Orakel wird für das älteste in Hellas gehalten, und war 
dazumal das einz^. Da die Pelasger nun das Orakel befrag- 
ten, ob sie die von den Barbaren ubierbrachten Namen auf- 
nehmen sollten, so antwortete- die Wahrsagung: me sollten 
sie gebrauchen. Von dieser Zeit opferten sie dann diese Göt- 
temamen gebrauchend. Von den Pelasgem aber empfingen 
sie nachjier die Hellenen.» 

Dass diese Gottheiten , zu denen jene alten Pelasger mit 
so dunkeler Andacht beteten, und denen sie mit so unbestimm- 
ten Namen opferten, zuvörderst Hiumiel und Erde waren, 
lässt sich bereits aus dem Bisherigen vermuthen, und Piaton 

• 

1) Herodoi H. 52« Geovg Öh Tt^OQOfPOfiaadp OffBO^ coro 
ToS xoiOVTOv, ort xoöfi^ 9ept€Q ra Ttävta UQijyfiaxm, xai 
Jtaaag poimg elxop» Also ron ^eipcu leitet Herodoto« den Namea 
ab, Plato in einer gleich ansnfflhrenden Stelle Fon dieiPf in Betnehi 
def Land der Geeüme; Andere ron 9edoiJUUj ich fchaue, wieder 
Andere Fon Seto ud SBidoi^ ich fflrcbte. — Alle diese Eiymtda* 
pen fcheiiern an dem durch die meisten Indo-Germaniechen Spr»« 
eben dnrchfpehenden Namen 9e6^ , von dem inr Zeit üch nnr fa^Mi 
lOMt, daie er mit den Zei^^ ^epg, jdig^ Denf, Deva, Dir, Deir^ 
Tili, Tent ▼erwandt sejn mftchie, nnd sich demnach an eine bei 
▼ielen Völkern (ebrAnchliche Benennnni^ der Gottheit inirhlifms 
(Fer^L Gnigniant IL i. p, 289 t). 



•^^ 17 

hexeogei im €kiiiide dasselbe , nur auf eine etwas bestnnmtere 
Weise, wenn er sa^: «Die Ältesten Bewohner von Hellas 
kaben^ meines Eraehtens, die allein für Götter ^halten, welche 
lach jetzt noch vielen Barbaren dafar gelten, Sonne, Mond 
und Erde, die Gestirne und den Himmel. » ') Fragen wir 
weiter, was das für neue Göttemamen waren, welche zuerst 
die Pelasger von den Aegyptiem und von jenen dann die Hel- 
lenen angenommen , so denkt sich ein neuer kundiger Archäo- 
log und Mytholog ^ die Sache so : Diese ältesten Gottheiten 
der Pelasger waren die von Herodot und Plato ang^egebenen 
Hiaunel , Erde , Sonne u. s. w. , und jene fragten das Orakel 
«ir, ob sie die bis jetzt unbekannten Gaitemamen anerkennen 
sollten. Da die Pelasger dieselben Götter wie die Aegyptier 
gehabt, so bitten sie auch wie diese die Elemente und die 
Himmelskörper verehrt Es habe sich bei jener Orakelbefra- 
gOBig nicht um Vertauschung genereller Namen mit apedellen, 
sondern um die Vertauschung eigentlicher Namen, wie z. B. 
Sonne (j^ktog)^ die die Pelasger bisher den Gegenständen 
ihrer Verehrung gegeben, mit Namen, welche vernünftige, 
■it Macht und Willen begabte Wesen bezeichneten , d. h. mit 
symbolischen und mystischen Namen, gehandelt Diese Er^ 



1) Craijl. p. 397, D. p. 32 Bekker. Tergrl. Epinom. p. 982* D. Plato 
koule dabei an die Pener denken, von denen Ilerodoi 1. 131 daafelbe be- 
ricblei, und ron einer Seite auch an die Aegyptier, wir aber an nnsere 
•Hen Denieehen Vorfahren, wenn wir die Berichte des Cäsar (de R. G. 
VL 21) und des Taciins (German. cap. 40) erwägen, und wenn wir 
beim Apostel der Deotschen noch ans den Zeiten der Fipine gleich- 
iMitonde Besdireibongen der Deutschen Cahe finden (Bonifacii fipi- 

pw 170 ed. Wflrdtwein ; vergL Othlon in yita Bonifacii cap. 27}* 

2) Em^ric DaFid in seinem Werke betitelt Jupiter Paris 1833 ; 
pag. CXXXI — CXXXIII: „Ce que paroissent Tonloir 

Platon et H^rodote, c'est que los astres et les ^löment aroieni 
des noms qui les qnalifioient seulement comme des astres et des ^le- 
aeasy mais qn'ils n*en aFoient pas encore re^n comme des ^ireg in- 
lilIifeDs, dones de puissance et de volonte, et faisant osage de lenr 
yaias— III pour coneonrir-an bonhenr des hommes; qu'en un mot ils 
i^aroieBl pas des noms mystiqnes et sjmboliqnes.'* eit^ 



klirangsart iiii^ wuA der GnmdMbsieht asosamiiea, die mdk 
der m^rüge Yerfinser tob dem Wesea der Grie^iechea Be^ 
hgkmoi ^hiUet hat^ und wototi ich hier die Haoptsitze ni^ 
Iheilen bmms: Die Christen (aof deren Berichte derVerfMatv 
BD Gänsen viel hält) hätten den Heiden gegenüber Aeeht jg^ 
habt zn behaupten: Die Götter der Griechen seym niditn 
Anders ab die Gestirne and die Etemente, Sonne, Mond, Ae« 
ther, Fever, Li^, Wasser, Erde, und die mythoIogisiAen 
Gotter (les dienx mythologiques}, genannt Zeus, Hephasto% 
Poseidon n. s. w., seyen dte ersonnenen Repräsentanten Jener 
natörlichai Dinge, *} symbolische Personen. 80 sey anch 
der primitive Cult der Griechen eine unmittelbare (direct) Yei^ 
ehnmig der Sonne, des Mondes, der Sterne, der Erde mid 
der Elemente gewesen; womit sich später ein symbolischer 
Cnltns verbunden habe durch den Einflnss der Fremden, die 
auf Griechischem Boden sich eiogeAmden. ^3 Auch habe sicii 
jene primitive Verehrung der natürlichen Dinge nach dar Eaü^ 
stdiung des symbolischen. Cultus, aus welchem letzteren man 
das Gewand des ersteren gemacht, als das Wesen der Na« 
tionaireligion immer erhalten, und diese beiden Cuite, der uih 
mittelbare (direcQ und der symbolische, hätten von den älte- 
sten Zeiten an bis ins vierte und fünfte Jahrhundert der Christ- 
lichen Zeitrechnung immer nebeneinander bestanden. *3 

1) Iiitro«loctioii p. X: ,, — ei les dieox iDjibo1o|^qaM , nmain^ 
Jopiier, Yolcaki, Nupione — eioieoi des personnafes ficüfii, f/mlMilfr* 
qmtBf mal reprdtenioieiii ce« «ulMiaiicef uainr eilet ei cei coipe c^ 
leeiei. " 

2) Itttvod. p. CXXXV eq. 

3) Inirod. p. CXXXIX sqq«: {«Ceüe entiqne «doraiion de 
raeiber, dela neuere orgaDie^, des ^Itoeae ei des mMttreB na cessa 
poiai apfda r^iablisseroeni da colte sjmbeliqae, dimi on es fii la 
volle 9 ce M liä tonjoars l'essence de 1a religion naiioaale. Ii*^iablis<- 
semeai do culie sjmboliqne b*j apporia qoaai aa fand aocan chaa* 
gemeoi. Aien de moios remarqn^ mais, st je ne Me> irompe, rie» d« 
miaax preur^«^* eto. — Was diesen leiaiere» Sats beirilft, so beM 
allerdia^ Sokraies aar Sooiio bei ihrem -Aafgaaf (Flaia Sjaqpoa. 
P* 2^0. p. 403 Bekker). AUeia dass aoMia Privaif^brAuche im Na* 



So erfirevUeli mir die WahrnehBunig^ Bojm mmmtej diesen 
gelehrtem und. von mir hochgeachteten Archiole^en in wesentr 
Gehen GrandsitKen mit mir einstimmt zu finden^ao uns» idi 
doch widersprechen, das» dies der wahre Sinn jcnea widri- 
gen Zeoi^msses des Herodotns sey. Es kommt hierbei hanpt-* 
sidüiQh aof die Worte an: «Nachher aber, nach Verlauf 
langer Zeit, erftihren sie die aus Aegypten gekommenen Na* 
■en der übrigen Qöiter, den des Diomgeee erfiUuren eie aber 
fM epäter. » ') Wie hatte sich der Geschichtsehreiber so aus- 
drtcken können , wenn hier blos von Vertauschung der eigent- 
Ikhen Pelasgischen Götternamen, als z. B^ ]£mmei (^ot'^cu^o^}, 
Erde (79^ mit symbolisch- Aegyptischen Namen dieliede wäre V 
Tielmehr geht aus diesem ganzen Zeugniss folgender That^ 
kestand hervor: Jene alten Pelasger hatten bisher in dumpfer 
Üefer Unterwürfigkeit au grossen Machten gebetet, und ihnen 
allerlei geopfint; verauithlich nur sehr wenigen, \idieicht nur 
iweien, dem Himmel, dessen blaues unermessliches Gewölbe 
ihre erstaunten Blicke auf sich zog, und der ausgebreiteten 
Erde, wie noch daa alte Beiwort evQveTs^pog zu erkennen 
gieht, nebst dem nnermesslichen wogenden Meere, und hatten 
sie in ihrer armen Sprache Götter ^9so/y ganz unbestimmt 
genannt. Bestimmte Namen dafür hatten sie von den Aegyp- 



üoaallMWBMtMjii des Affentlicben Caltiu doch scbon damals sehr in 
dm Hinier^aad ^treten waren, beweist die anfpefährie Platonische 
Stelle im Kraijlos, wo der Philosoph sonst hatte sa^en mässen: 
t^die ältesten Bewohner Fon Hellas haben die allein fflr Gotter ge- 
halten, welche uns Hellenen anch noch dafflr gleiten, Sonne n. s. w/^, 
anstatt dass er jetzt sa|^: ^^^Iche anch heute noch eielsn Barbae 
rtm dafflr igelten.** 

1) hisniu di^ XQovov nolXov Sie^ek^opxo^^ iniSovro 
ix xijq Aifinrot d7tix6(4eva rd ovvofiaxa, tvSp 9euiv xtSv 
ak'küMVy /liovioov di vöxbqov TtoXkfß iitv^ovxo^ wo 
Schwei^hänser ttMk aliornm deornm nomina Uatte fibersetsen sollen: 
rdipunrmm d. n. Denn der Zusatz über den Dionysos zeig^ hin- 
liafplich, dasis Herodotos hier, nachdem er ron den wenigen Göttern 
der Pelasger geredet, nun die ttbrifpen meint, die zu seiner Zeit 
Gegenstände des Griechischen NationalcUltns waren. 

2* 



20 -^ 

Uschen AnkSmmüiigen ^emt* Aber von ebendeBsdben hat- 
ten sie anch Eonde der nbri^n Götter erhalten, welche, mit- 
dem das Orakel sie dazu ermuthi^t, nun eheamiamg von 
ihnen verehrt worden. Also nicht Mos nene Namen , sondern 
auch neae Götter mit ihren Namen hatten ihnen diese Fremd- 
linge gebracht, und ebendesAvegen hatten die Pelasger nicht 
ohne Ermächtigmig des Götterspruchs diese neue Wesen mit 
ihren nie gehörten Namen annehmen wollen. Waren es fremde^ 
Aegyptische Namen ? Dies scheint Herodotns zu sagen; '} aber 
wollte man auch den, wie man sagt, ^3 eigentlich Gott über- 
haupt bedeutenden Namen Phthas (^d^^dg) mit dem altgriedii- 
schen S^evg (jdBv^y Zevg) zusammenstellen, und sich der 
Vermuthung hingeben, dass Athena (^ASifpä^ iureh Umstdt- 
lung aus Neitha entstanden sey, d. h. auf sehr schwachen, 
schwankenden Grundlagen fussen, so haben doch die übrigen 
alfhellenischen Götternamen, wie z. B. der von Herodot selbst 
genannte des Dionysos , ganz und gar nichts mit den A^gyp- 
tischen gemein, und der Geschichtschreiber hatte ja zovor 
schon angemerkt, dass mehrere Gottheiten, Poseidon, Hera, 
Hestia, Themis, die Chariten gar nicht aus Aegypten her- 
stammten. '3 Auch hätten sie den Pelasgern unverstandliche 
Laute vorgesprochen , hätten sie selbst für Aegyptisdie Gott- 
heiten auch Aegyptische Namen mitbringen wollen. Diese 
Dodonäer wohnten auch schon lange genug unter den Pelas- 
gern , lun aus dem obwohl geringen V orrath der Pelasgischen 
Sprache die wenigen Benennungen , die sie for die paar alten 
und far die mehreren neuem Götter nöthig hatten , auszulesen, 
und den Begriff der Wesen, die sie kn Pharaonenlande unter 
andern Namen kannten, ihren Lehrlingen verständlich zu 



1) Aach Hnschke AnalecÜ, liierr. p. 331 hat diese Ansieht t 
„Erani enim haec nomina a summa antiqaiiate propa|faia, pere^na» 
ex Aeg^Ypto, ui Heroclofus scribii II. 52« translafa ei a Pelasgia 
qoasi per manos tradiia Hellenibus.*^ 

2) Silfesire de Sacj Lettre sar l'iiiscription de Rosette p. 22* 
SchelIio|f Goith. von Samothrace 8. 68« 

3) n. 50. 



maeheiL '^ — Woraus sich dann von selbst ergiebt, dass hier 
vonseiten der Priesterschaften ein Anbequemen an den engen 
Vorstdlongskreis der Landesbewohner und ein Uebertragen 
fremder Göttemamea in einheimische Statt gefunden ; weiches, 
Klima, Land und Lebensweise, denen sie sich auch unterwerfen 
mussten , iiinzugenommen , schon bei der Einfulirung fremder 
Culte unter diesen halbwilden Pelasgerstammen, in den Leh- 
ren und Crebräuchen selber bedeutende Veränderungen herbei- 
fuhren musste. 

Das waren MeraUsehe Namen, welche die Pelasger ob- 
wohl aus ihrer eignen Sprache von den auslandischen Leh- 
rern angenommen; d. h. Göttemamen, die sich wohl gröss- 
tentheils ans dem Cultus selbst gebildet, indem sie grossen- 
theQs aus Crebetformeln und Litaneyen entsprungen seyn moch- 
ten« *3 Indem ich mich hiermit zur Betrachtung dieser früheren 
Aeusserungen religiöser Gefühle und Vorstellungen bei den 
Griechen wende, begnüge ich mich, was die Gebete be- 
trift, um bei diesem Dodonäercult stehen zu bleiben, an den 
allbekannten aber sehr alterthümlichen Anruf '3 ^^ Achilles 
an den Pdasgtsdi-DodonAischen Zeus zu erinnern, und in 
Betreff der 

Hieratisclien PoSsIe 

einige Bmehstucke hervorzuheben, welche mit unserer Erör- 
temng organisch zusammenhangen , indem sie sich auf den- 



1) IL 52 FOD d«ni fdieo Beitaad diecea damals io Hellas noch 
•insifVD Orakels, rer^l. U. 37, welche letxiere Stelle ja deutlich 
besagt, wia AoCinp die Sprache der Dodonäischen Priesierinnen 
dmn Pelasfem OBFerstAndlich gewesen, bis jene ao^fan^en, sich ih- 
rer •ipieBf Pelas^tschen Sprache sa bedienen. 

2) F. G. Welcher im Nachtrag so C. Schweocks Etymologisch - 
■ijÜMilegischeB AadeoianifeB S. 338, worin von S. 253 an Aber die 
alle« Gdüeroaman ein Mehreres bemerkt und mit Beispielen be- 
le^ ufL 

3) nied. XVI. 233 C 



selben Elenentendienst beziehen, den wir als Cuttos vra Ur» 
Völkern ans Homer nnd andern Autoren naeh^ewieaen haboii 
Hiermit werden sich einige Beispide fitester Coltosbilder wb 
sdbst verknüpfen. 

Ein in der Beligionisgesdiichte seiner Griechischen Lands- 
lente wohl bewanderter Schrklsteller vergleicht in einer beachr 
tohgswerthen Stelle ganz vom Standpunkte der Volksrdigtel 
ältere hieratische Sänger mit dedi Hömenis : t Den Oririieasy 
sagt Philostratus , *} hat Homeros in vielen die Theologie be- 
treifenden Stöcken übertroffen, den Mosäos aber in den Ge- 
sängen der Götterspruche. Ja wenn anch Pamphos ^Bdfjf 
q>(o^^ sich zwar einsichtsvoll den Zeus als dasfenige gtdatdU 
hat, was die Lebendigen erzeuget, und durch welches aiio 
Erdgewächse hervorkommen, so hat er dies jedoch etwas 
albern ausgedruckt, und auf eine sehr gemeine Weise von 
Zeus gesungen (denn Folgendes sind Verse des Pamphos}: 
« Zeus , hehrester , grösster der C^er, eingewickelt 
in Mist von Schafen, Rossen und Bfäulem.» 
Wie unsicher auf diesan Gebiete die Sage mit der Angabe 
von Dichtemamen ist, eiiiellet schon darads, dass diesdbea 
Verse von Andern dem Orpheus beigelegt werden , *) denn 
Orphisch nannte man alles, was alttheologisch war, und alt 
nnd ungeschlacht ist diese Vorstellung gewiss. Es ist von 
mir und von Andern schon das Aethiopisch-Aegyptische Symbol 
bemerkt worden, unter welchem dieser alte Sänger seinen 
Zeus sich vorgestellt, *} nämlich der Käfer (^Scarabäns) ids 



1) Heroic. p. 98 ed. Boisson. 

2) Was Scholl (in der Histoil^e de la Liit^raiare Grecqae pro- 
fane Vol. I. p. 33 e^>) lübersehen, wie ich schon in dem Bericht 
Aber dieses l¥erk (in den Wiener Jahrbb. der Lifomtur B. LXI. 
S. 178) bemerkt habe; aas welcher Kritik ich fiini^s in dieses 
Kapiiel über die hieratische Po^ie der Griechen herfibemehm«, 
und mit einif^en Zu8litxen rermehre. Dort habe ich sühon, diese 
Verse betreffend , die Orphica Nro. XXX. p. 489 ed. HermaQS. 
angefahrt. 

3) S. Scholl a. a. O. nnd Thiersch Epochen der bildenden 
Kunst unter den Griechen 8. 83- 2- Aus^e. 






BeKadunm; der «os sich sdbst alles Lebendig hervorbriii- 
genden Gottheit WoHte man gerade darauf, dass dieses an 
Aegyp^Bcken Teapehi and Manien se häufig vorfioomende 
Sinnbild hier zur Beseichnung eines Griechischen Gottes ge- 
bravdit werde, den Verdacht grönden, dass irgend ein Aie- 
xandrMMber PoCt, welcher sol^e Gebilde tigUdi vor Angen 
hatte, jene swei Verse nnter eines alten Singers Namen ab- 
gefiMst haben midrte, so dient zur Antwort, ob diese Verse 
nrsprlnglich so gdautel 9 lassen war dahin gestellt seyn. Dass 
ab^ Bild und Sache uralt sind, dafür leistet uns der Homeri- 
sche Hymnus auf die Ceres Bärgschaft, der auf em anderes 
Bfld Gewicht legt , weldies in einem demselben Pamphps bei- 
gelegten Gesänge vam Banbe der Proserpina sehr bedeutsam 
h^Torgehobea war. ') Und sind denn, entgegnen wir wei- 
ter, unter den Griechischen und Etrurischen Gemmen die Ki- 
fersteine als hieratiadie Ty^en^ nicht gerade die filtestenf 
Zeigen nicht diese durchlöcherten Scarahaen ganz deutlich ami 
dass Etmsfcer und Griechen sie als Anmiete getragen? DeT 
Kifer, dieses Sinnhad der Leben grteaden Gottheft, mit den 
aaf seiner flachen Seite eu^pegrabenen rdigiSnen Baden, adlte 
ihnen als SchutsBMttel ihres Lebens dienen. Gerade der wm 
gmehe Charakter solcher VorsteUungen spricht tur ihr Alter. 
Denn solches Geprigpe hatten^ wie wir bereits gesehen, die 
Altesten Beligionen, auch die der Griechen. 

Tlier ist also Zeus als Kifer das ohne weibliches Zuthun 
alles Lebendige erzeugende Lc^n. Die Vorstellui^ hildet 
sich organisch fort, und der Juppiter Eines Geschlechts muss 
beide Geschlechter in sich aufnehmen. So stellt ihn ein Or- 
phuM^hes Gedicht dar: *) 

1) Iflodich auf dn ttoselicnde ZMiberblome Ncrkisios (Pae- 
au». IX. 31* fc« ▼«r^. RuIinkeiiiiM ad Homeri h. to Cerer. ws. 8f 
welelMr Aufleger danaf aafmerlLfam madii, das« dieser Homerida 
•ich hierbrn aa dea aMea €irieelii*c1iaa VoMctf^laabea an|fe«chloMeD ; — 
•iaa VarviiAaBf , warani, wie Paaaanias aodeaiet, der ipatere Thea- 
piache HjÜiUi voa dar Verwaadlaa^ dea srhAnaa lünffiio^ in diaaa 
TodaaUmae aich gabüdat haue). 

2) Baim Praelui ia Plataab Tim. II. p. 95« beim Siabaane 
■daff. phjraf. ai ath. I. ar. 23« p. 40 aq. Heer. ; P#e«da*Aristoialaa 



24 -^ 

•Zeus wurde der erste, Zeus der letzte Henrscher des 

Blitzes; 
Zeus das Haupt, Zeus die Blitte; aus Zeus ist Alles be- 
reitet ; 
Zeus ward Mann und Zeus ward unsterbliche Jungfiran* 
Zeus der Erde Wurzel und des gestirneten HinmielB, 
Zeus das Wesen der Winde, Zeus die Kraft des oinrer- 

löschliclien Feuers, •; 
Zeus des Meeres Wurzel, und Zeus der Mond und dis« 

Sonne, 
Zeus der König, Zeus der selber Alles geboren» u. s. w.*) -■ 

Hier ist die Ahnung der göttlichen Einheit in dem BQ^J 
eines körperlichen Ganzen, eines Riesenkörpers, ausgeprigtM 
nnd, von der Fassung und Sprache der Verse abgesehen, M j 
das Alterthümliche der Vorstellung in der androgyrdscken'Shtar 
dieses Jiippiter nicht zu verkennen ; indem es keines Beweises ; 
bedarf, dass in den meisten heidnischen Religionen der Yoi^ ' 
weit die ältesten Gottheiten numnweihUeh vorgestellt wurden. 

Die Trennung der GesMectter , so dass dem Zeus ein 
weibliches Wesen untergeordnet ist, zeigt nun den erstes. 
Uebergang zum Anthropismus , oder viehnehr nur erst dne 
Ankündigung einer später sich entwickelnden VermenscUi-. 
diung dieser Gottheit. Davon zeigte sich noch keine Spur 



- h 



oder Chrjsi^ns (g. Fr. Osaim*0 Beiträge jrar G riech, n. Rom. LiÜo^ 
ratar^eschichte I. p. 143 ff-) und daraus Appoleius de Mundo cap. 7*' 
Die Orphica liefern dasselbe pa^. 4ö7 ed. Hermann. ifl 

1) Dass eine gewisse paniheisiisclie Yorsiellnn^ Fon der GoÜ* / 
heii bei den Griechen altheri^ebrachi war, beweist die Art, wie | 
Piaion (de hegg, IV. p. 715« D) auf die Orphischen Verse: &vq 
dqj/j^ Zeig fiiöoa^ jJt6$ 3' ix Ttdvxa Tirvxrai anspielt, indes 
er sie mit der Formel 6 Ttdkaiög Koyoq einfahrt. Im Ag'laopliA« 
mns pag. 529 iqq* ist darüber Mehreres snsammeni^estellt. — Dm 
AnhAnlen mo Fieler PrAdicate anf Ein Snbject, so wie die Viel* 
namigkeit ^TtoXutovrfiid) der Gottheiten in solchen Orphischen Ge- 
sängen bezeichnet eine Ahnung^ des Unendlichen, wo der religiflege*' 
sinnte Mensch jede einzelne Bezeichunnfp der Gottheit nngerifigeml 
findet. 



^^ 25 

in Jenm Kifer-ZeaB des VmuflbMy in wdcheBi nrfrtifldi die 
im der Brde waUende «od mm der Mrde Lebendiges benror-* 
hrmgeade Kraft, wie Phflofitratiis sie riditig genonaiea (a. a. 
O. 6u Zdp^ eaj ti QtooyovoSvy xcU Si ov dtfiatarcu ra in 
T^^ 7V^ ndtna)j angedeiElet war. Die Mrde neben dem Eem 
tritt nun adion, wiewohl noch unbestimmt genug, in swei 
Versen hervor, die man den Pdaaden beilegte. Das waren 
jene Wahrsagerinnen asn Dodona, wo Pelasger und Hdlenen 
anter der heiligen Eiehe Belehrungen über Juf^iters Bath- 
sehluss einholten. Sie wurden nicht Sibyllen von den Men- 
schen, sondern Peleiaden genannt, und ihre rithselhaften Aus- 
spräche bedurften der Dolmetsche, die sie in verständlicherer 
Rede dem Volke ausdeuteten. Jene waren unter den Frauen 
die ersten gewesen, die sich aber den Pelasgischen Gott in 
folgenden Versen vernehmen Hessen: 

«Zeus war, Zeus wird seyn, o grosser Zeus! -^ 
Die Erd' bringt Fruchte hervor, drum preiset die Mutter 

Erde.»') 

Wollte man im ersten Verse die Momente: «war, ist und 
seyn wird» metaphysisch nehmen, so würden sie fireilich einem 
so naiven Liede Pelasgischer Wahrsagerinnen nicht angehö- 
ren können. ' Sehen wir aber von den Worten ab, und fassen 
die Sache ins Auge, so ist damit nichts Anderes gesagt, als 
was der Volksmythus in genealogischer Weise so ausdruckte: 
Zeus hat die Hören gezeuget j *) d. h. das Leben der Natur 
entwickelt steh in den cyklisch wiederkehrenden drei Jahres- 
zeiten, nach der Eintheilung der alten Völker; und wenn*) 

1) Paofan. X. 12. 5- Daif die Lesart dee Camerariof FS 
XHf^ovg dlfiii über allen Zweifel erhoben ist, habe ich durch Zn- 
eammeiifielliin^ mit dei Philoftratai Erklironfp der Worte dee Pam- 
phoe, wie ich hole, noch mehr befilti|;t. — Joppiierf Rathsehlnii 
(Odjte. XIV. 327 eqq.) jdiog ßovX^. Die Peleiaden {IleXeiddsq) 
Herodot II. 56. Paosan. a. a. O. — Die Dohnetsche der Göüer- 
^Ache (v7ro(f^Taiy Uiad. XYL 233 i). 

2) ApoUodor. I. 3. 2. 3. 

3) Phihirtratoe «. a. O. 



HenMT selbst dem in finstere W-often gtiiMttem Zeos dai 
Aetber xar Wehnuip ^i^^i *■»<' >^ '^^^ Itebtmiige mtcr 
den lliwBl berwbrimgeai Uwt, so kaon dies entwedn- k 
etnxeJiien jihrüch wiederkehrenden Momenten U]%eflu8t wei^ 
deii) wie k. B. Virgili» thnt, weno er des HimmeU Peuer^ 
krmft mit tmtmAt em i a a. Bcj^h ([foeeandis imbribns aether) tai 
Friä^ng mit dem iUeseiileibe der Erde «ich venniMhen lisst 
(^magms aUt ma^^ commixtas corpore Spetoeji '^ oder allge- 



1} VirgU. Geort- II. 324 if^. verfl. Lncret. I. 251: 
Poatremo pereant iinbrea, übt eoi patar Atthtr 
In gremtBin matria Terrai prascipiUriL 
-7- Bei4« Slellan (ehAren n den Tiden N«chaliniaiigen tlterer Dar- 
•tellnnpn detcen, wu in der Cnltnuprache die heilig« VermShlnnf 
(ie^os ydfios) genaauf wnrdei eine Idee, welche *on Griechiachen 
Philotophen , Stoikern beeonden and natonik«ra bie inm Parphj- 
riu hiaeb, nub ifcren An*ieU*n agifelegt, and ron Ktrcbenvaton 
beeprochen wird. Dai diehteriacbe Vorbild fdr die nach folgenden. 
Patten waren die Yfori» dea Aeichjln* in den Danaldeo (ap. Atli«n. 
XIII. p. 600* A. *er|l. AefclijU Fra^- nr. 36. p. 39 ed. Schflta). 
Aphrodito iprichit 

sp!^ ftev äyi/oi avpavo^ r^iSacu x96va, 
«f(US St yalav "Kafißävet ydfioo jvxtJv, 
öfiPfiof 8' dif' eCvdovTOi ovgavoS naaiu» 
ixvae yaTav ^ Si r/xnrai ß^oroti 
fiijkiov T9 ßoaxds xcU ßlait ^§}fajz^tO¥ x. r. A. 
(nach Ilennanna VarbewemDgwn , de Aetnhjli Daoaidibna, OpntcalL 
n. p. 334). Wie ron der ptammten Theo^nie eich doppelle IMet* 
nanpn {«bildet hatten, entweder da«e man iie pbjsiach erklärte, 
oder dau man lie ale Verfehle iernnf der nnanatandigen GOtterrer- 
bindancen betrachtete ; welche ledtera beaonderi die Cbristliehea 
Viter rerfocbten, nm ihre GlaubenffenoHeD ron den Grsaeln das 
Ileia^ntliuiDi nlxiiic'lirrrLMi (». Til>. Ilemiildbu.» Amioft. jii Hcsiod. 
Thpog. Tum. IV. der PoPUb tir.ni i i.ui.crf. r.i. (JaluforJ, |iAg. 544), 

■o wurde aiK'h ilirsol iiQfii '/">'<> , dnppplloii Staae aoi'; 

^l«et- Ii" A|[laopb^flBUir»- 'r^etraeen (p. 609. wrfjj 

p. OöO Bi\'\): t) Ua^^^^^Bk|^ JU^ "**" * ^t^^j^^F 



niner Mfb alttheologiseiier Weise, MMih welcher in den 
|iiiiHi|g»Ulr n viel vob BGschniigeii der laemente die Rede 
Mir.' Oaker «ach die Alten einige BesehreilNHigen des Ho- 
ier, ik % die, vro ApoHon (die Seme) mit Poseidon (dem 
Itare) oder yßf0 Hephi&stos (Fenerskraft) mit dem Skaman- 
lir (Wasser) rmgmi, nnd -sich gegenseitig sn nerstireo 
filriMtoi, ftiOrphnsch^, d. h. in alttheologischer Weise, ge- 
Mtt nnd dargestellt finden ipi^o&ten. ^} Oenn von JTr^ftm 
MM ^tm g m im singen war Orphitch, von Penonen nnd 

ene Orphische, ^er alttheologische, bildliche fiätse em- 
spiieiliin die beginnende Philosophie, «id sndite nadi 
lach sie in BegrHTen ansznpri^en, doch je niher Sirer 
ftwls^iuciien Ou^Ue, desto bSdUcher nnd mythisd^r nodi 
"" ** bei dem vorliegraden Oegoistande bu Ueiben, so 




bl Libm, Adonidif ei Veneria, aliommqoe deornm ai^ae heromn 
■Mn» ei naptiM foän ex conposiio oelebrannii, sed cfÜam«JcoM- 
jmriMnMai MÜnutimm pmilieürum §i pHvätotumj qnib« idom ar- 
snbibctHBi ermi.^ Garn andere F. G. Wvlcker (sn Sohvrencke 
•mytluiL Andeuü. S. 268: f 9 Meiner UeberzeD{;ini( nach iei 
• «cht Brlkidan; einee theofonisohen Dichtere, -dam Himmel «ad 
!lde afle Güter ersengien: ^eaem fiais lie^ nelmehr alie Mjeiik^ 
di Üoo^ yd/Äog von Himmel nnd Srde an Orond. Binen aHeren 
JArifliieller, der ihn «udrflcklich beaeichneie, ala Aeaf^jlna in 
IhmaideB, i^rtlutm ich airar niefai aasnftllireii** «• c. w« — - Wir 
aogleifsh eehen, daaa dieee VorrteUnn; ram einem ie^^ yd" 
pKtf wie WwMb^t ^rmnihete , wirUich noch alier ala Aeach jloe 
U| Indem der firibere Pherekjdee sie acdion vorfeiragen , and daaa 
di mm ^r tfi eeie n Volkarelipon ^er Griechen eich noih wendig her- 
m nael e , ier|^lri eich ana der hiaherigen SrOriernnf^t Wenn 
«Bd Bade die aUeaien GoÜbeiien der Griechen waren, so 
ihrer AnrffiiMnn^sweise die Bnisiehnng aller Abrigen Wo- 
iLcmniachea Dinge ohne eheliche Verbindung dieser Gmnd- 
■«■a ebne Zengong nicht denkbar, und die Dichier mid Phi* 
hOnnen mii ihrem iepog ydfxoq nichif Anderes gemeint 
^ -diea YerhAliniss der ph^kehm Urpoiemen -der aUgemei- 
■m Velhmdigion. 

1) Phüontnit* a. «• O. p^* lOO- 



hatte einer der firfihesten Plutosophen, einer vmi denen^ dk 
Aristoteles *} ^ einem andern Sinn, als das Wort so ebai 
gebraaeht worden , asn den gemischten (juiityfUyoi) d. Ik n 
denjenigen zihlt, die nicht mehr Alles anf mythische *W^ene 
auszusprechen pflegten, sondern sich ein^;ermas8en der tibH* 
chen Schreibart annäherten, Pherekydes von Syros den altes 
Natorgott Zeus (^Juppiter^ an die Spitze seines Systems ge- 
stellt, und sein Buch aber die Theologie mit folgendem Satie 
eröfiiet: *) « Zeus und Chronos war für immerdar und Chthon; 
Chthonia empfing aber den Namen Erde {T^y nachdon ihr 
Zeus die Wärde verliehen.» Das heisst: von Jeher, von onl 
in Ewi^eit, sind die beiden Grundwesen: das Alles erzett- 
gende Urbeste {xb yBvpi}aa¥ uquIÜp agier ovy wie Aristotdet 
a. a. 0. den Zeus des Pherekydes bezeichnet^ daneben Chthon, 
X^mp^ der unbegränzte, unbestimmte Grund und Boden (der 
weite Abgrund, mit dem Begrilfe der Materie}. ^3 Jenes We- 



1) AriiiotoL Meiaphjt. XIV. 4. p. 301 ed. Bnadis. 

2) Dioden. Laeri. I. 119 (verf^L Phare^dea ed. alter. Sters; 
p. 40): Zevg fiip xal Xfovog eig del mal X^iov ijp. X9opfjf ik 
oifOfia eyspCTO Trj^ htsiStj avry Zeig yigaq SiöoL Vargl. ]!•» 
matciiu de Principiis p. 384 ed. Kopp und Pherecjd. ed. Sion 
p. 42. Da keiner dieser Texte (ans rein ist, «o meitM ich die 
Worte hierher, wie sie xu ▼er^essem sind: 0€Qexvdrjg o Suptof 
Zijva fxip dpai del xai XgSvov (statt %^6vopy beides leUl 
bei Sinrz ; bei Kopp, der die Storiische Aasgabe nicht anfahrt , atell 
X96vov) xai XBoviap rag rgeTg TCpairag OQxdq^ x. r. X. 

3) t^üipy ij yrj etg usyeSog xexvfiiv^^ cf. Hesjch. n. 1553. 
Etjmol. M. p. 733 Lips. und iellns, mit dem Nebenbegriff der £■• 
steren Unterwelt; y^, terra cnlta snbacta ei polita (rergl. Valckenaar^ 
Scholl, in N. T. Vol. I. p. 332). — Em^ric Darid (Introd. p. CCXXtX' 
und Jupiter pag. 79) berührt diese Principienlehre des Pherekjdei^il 
und bemerkt an der letztem Stelle: „L'Aether et la Mati^re ^] 
Ph^r^cjde ne sont öndement antra chose que l'Esprit et le Chi 
on le dieu Phtha et la deesse Athor dcB Egyptiens. Phör< 
donnoit k L*Aether le nom de Zewf , k la mati^re celoi de ChiUm 
nooA remarqnons tont k Thenre que le nom de ZeuM est le nom vft 
ritable da dien sapr^me de la Grdce, reprodaction da diea At/tkm, 
de l*Eg7pte; celai da Chihdn figoifioit fo tmrr€. PhMcjde inlr»» 



KB ist mSiinlidi, dieses wdbUeh; daher im sweiten Satee 
X^wia T<« diesem letsstem ^braucht wird. In der Zeit hat 
im Kens der Chthonia die Würde ^geben, d. h. die Wfirde 
semer Gattin, und so ist sie die fruchtbare Erde (T^^ gewor- 
den. Es bedarf nun keines weiteren Beweises, dass wir hier 
düeaelben Momente haben , die in den obigen Versen der Prie- 
Herinnen des Zeus enthalten sind; nur bei Pherecydes mit 
Beiffigiing der ursachlichen Verbindung, da es im Liede der 
Mdiden einfach hiess: Zeus war, ist, und wird seyn, und: 
freiset die Alles gebährende Mutter Erde. D. h.: Zeus, Zeit 
ud das unbestimmte, chthonische Wesen, das, durch des 
Zeus Umarmung befiruchtet, Mutter Erde wird, und im Jah- 
leriaof Alles hervorbringt, •» das sind die Principien der 
Dinge. — Auf diese Weise nahm auf dem Scheidepunkte Hel- 
louBcher Geistescultur die Phäasaphie ihre Lehrsätze aus dem 
fleologischen Gtesang, und entfernte sich immer weiter von 
kr mythischen Sprache desselben, um sich aihnfihlig ange- 
■essoiere Formen zum Ausdruck ihrer Ideen anzubilden. — 
Ehe wir nun tiberblicken, welche neue Wege die Poesie schon 
tther eingeschlagen, müssen wir uns um die andere Aeusse- 
ra^ des rel^ösen Cultus, um die älteste Bildnerei bekäm- 
■CHL Dass die 

m. 

Blerattsclie BUdnerei 

>i(4 bei den -Griechen nrsprfinglich ganz symbolisch g;ewesen) 
i h. dass der religiöse Geist anch hier sich, auf seiner nn- 

f AbsoiI duta la creaiion an iroisi^me mgeat , qai etoii ChronOB 9 oa 
^TtmfM: c'^ioii lA on m^lao^e d» la iUogome ph^nicienne a?ec 
b SjirfiBie ^ifTpüeD.*^ — In wie weit diese Anaichi, derErklArnn^ 
w Siise nach , mit der meini^en ttbereinkommt , wird man ans der 
*^^ Darsielloni^ ersehen. — Die Ableitung ans Aegypiischem und 
Aioiciechem Göüersjsieme lasse ich TOijeizi auf sich beruhen, nnd 
^*A0rke nur, dass, da der Pherecjdeische Schlan^eni^ott (Ophionens, 
O^ovevq) der Weltordnan^ des Rronos widerstrebend dar|^esieUi 
vird, ein solches Bild noch andere als Ae^piisch-Phönicische, Fiel- 
Icichi Persische, Elemente dieser halbmjihischen Philosophie FerrAih. 




'^ 30 

temten Satft, gewigie 
Uee \§m gottüchca W 

ilUiHkn crlubte. ja daas er kein Bedeakea ti^, 
nuu:v^um ThierlÜMieB eoie Gattwng um Zeidbem «ad Stdt 
vtrtrtier der Lebea i^bendea G^ttlieit n ■■fhf , hahcn wi 
jUH dea hftisfM des Kifer-Ze» pappäer * Scarthacm) c^ 
M;h«:a. zci^lekii eben diuaus sehoa, i%ie die BBdaati 
rohM Natof^jfBW in ihr Crebiet heribergenowra , 
ertA plMlifeck in weicheren 3lAssen imd weiterhin ^fypliich k 
SuritiMfitn zm einer hienusefa-mngisehen BAdfoni av^ 
piä;rt — liier befinden nir uns anf dem Gebiete dm Tum 
diemätf. einer Culiuswet«e. wozu wohl nlle >atnrvilker Ai^ 
U«Hi^; und \ei|run<^en haben. Das im Thiere sieh knndgvhcnii 
Leben, verbanden nit etwas GeheinnissvoUeiB seiner Xate 
HnuMte dazu veraalassen . e» mit einer An von Ehrfordit ■ 
h^AfMchten: von wo der Schritt zur wirklichen Ycrehrof 
nicht entfernt war. '} — Aber auch • nachdea die Griecha 
f:ltif:m so fetischarti^ea Cultus sich längst entwanden kattea 
wirkten jene in rtUgw^i^ Nalaranschauung g:e^rindeteB Bb* 
tivc in Ml'ntb'cben wie im Privatdienste noch fort, aber tf 



^ 



1; W«j Vr. Richter in der Levanna IL S. 297 bilAick 
4t Hi kU : ^0«r Mrurh »iehi in der Thierform den seltsamen IsiMchlMtfl 
•inrr Gottheit,^* hat Hegel (in den Vorlesongen über die Philof» 
l#|ii« düf H*-\i^'ion I. S. 236 1^) dentlicher und ricktiger dargetkai^ 
wrnri rr unt#rr Anderm sagt: „Das Thier bat diese stille Selbrtli | 
df|(k»it, L«befidigkeii, die sieh nirbt prelspbt, die diess nod 
vom i mint ; es bat suCfiillige willkfibrlicbe Beiregong, es ist nickl 
vrr«t^b«n, bat etiraii tiebeimes in seinen Wirkanpweisen, seil 
A »Uflser II fi(e n ; es ist lebendijpf aber nicbi j^rstAndlicb « wie 
Mrnnrb drin Mciiscben. Diess Gebeimnissrolle macbi das Wondsrl 
bare für den Mrnsr ben aus, so das« er die tbieriscbe Lebendiglui 
fnr b^her arisrbn kann , als seine eif^eue. Kocb bei den Griochtf 
sind die ftrblarii^en verebrt worden'* «. s. w. Denn man ani 
l^atixe Kiitwi«.keluii|; darrbdeiiken. — K. O. Müller bemerld (ii 
liaudburh xar Arthäo\o%w dtiw Kniifit H. 17* 2* AuBg.) richtig: 
rher Art sind die Thiers^mbala Grierbiscber Götter; nnr dor 
dem bestimmtan Gefabl und Glauben DurchiruDfeae sieht dai fll^ 
liehe Lebes im dam Thiare.«« 



taatea nodi andere hinza, wdche die Sdioiiniii^ und Pflege 
gewisser Thiere sur Beligioiispflicht mackten , und den Künst- 
lern die Verbindlichkeit auflegten, gewisse Thierattribute man- 
den Götterbildern beizugeben; wie z. B. die Sehlange bei 
fkigea Darstellungen der PaDas und dier Heilgötter stind^ 
geblieben. Hinwiederum genoss der Storch, der Schlangen 
utfirliehejr Feind, in einem Griechischen Lande Ehre und 
sehonende Pflege. ^) Hier war nun schon die Beflexion ein- 
getreten, und hatte gewissen Thieren wegen ihrer Nutzbar- 
keit Schutz und Verehrung zugesichert Hinwieder gab die 
SAidlichkeit gewisser Thiere der religiösen Sehen AnJass, 
Abwendnnigshilder von ihnen aufzustellen. Namentlich waren 
ci astronamisehe Thierbilder, die der Gricdiische Hinmiel in 
anf Jdirszeiten und die Einflösse auf Alenschen, Thiere 
PflamBen darbot, und die als Abwendungszeichen mit 
gKhen. Absichten geweihet wurden. ') 



1) Plio. H. N. X. 31 X f^HoBOi cicoaii« serpeatittai (serptatiini) 
müa UMUUf mi in The«sa1ia capitalo fa^rit occidisM; tadeai^as 
IHiWm poeoa^ qua« ia homicidaa. ^ vergL Plaiareh. dt Iiidt el 
flMd. p. 380, F. und waj l¥jttanbach (AniaiadTT. p. 260) daa« 
■yurki hat. — Keinen andern Grand «b daa Bewnistsejn de« 
*tfiiifhlrtrit oder Unentbehrlichkeii .fpewiMer Thiere hatten die ion- 

Gebrtnche der Buphonien (ßovtpovio) an gewieeen Zen»- 
(DiipolM) an Athen. (S. Sjrmbolik IV. S. 122 fi*.) 

2) Hierin liefern awei astronomisch • hieratische Bildwerke der 
€ooe recht eridente Beleihe. Da sie erst neuerlich ihre Den- 
|ofonden nnd mit der Relif^ion des Zeu9 , woran ich hanptsAch« 

lih dMoe GmndBfl|;e einer IVatnrgeschichie der Griechischen nnd 
iyiMliOn Cnlte aoknfiple ^ in Verbindung stehen , so c;ebe ich ans den 
ViMnr Jahrhb. der Literatur den ab^kfirsten Bericht darObery den 
nb in den Heidelb. Jahrbb. 1826. Nr. 45 «nd 46 aosfahrlicher abge- 
MM hatte. Nämlich BrOndsted hat in seinen Reisen und Unter» 
mchmgen in Griechenland I. tab. 11 die Abbildnuf^ eioes ans dem 
liisen gehauenen LOwen auf der Insel Keos mit|^etheilt, aus einem 
kchstAck des Heraclides Ponticus vortrefflich erklärt, jedoch die 
■trenomisch - Btthische Deutoof^ dieses l¥cihebildes hinsuanfägen 
MMrlassen; welche Lficke ich an erglnsen Torsncht habe. Ich 
•ckicke daa BrochstAck des Heraklidea (de rebna pnblicia cap. IX) 



32 

We» UentiKhe BUnerei ist m^tk gßaat 
dem me wd Erden die Abbilder tod den Thieren uMeülc^ 



in D««lMher Sprache mH adibifMi BcBcrkBa^u vorwy wdbe lUi 
AmrendsD^ Dach, die Bitedsied daroa fpeouicht, vad ii^e endlick 
meine naclitri|^licbe ErlJlraa^ hinza: ^T^'ie Inael Kens, fangt die- 
le« fchatsbare Fragment dei Geicliichisclireiberf aa, ward Hydrsaa 
genannt. ^ {So mmam (eachriebea werden: 'Fdpotaöa^ and an U 
Keraj drocken liawm; nuui Ter^L denen St^ueiüiöUy p. 354.) »Bl« 
ea^, die Njaipbea haben ne früher bewehni, weil aber ein IJOftn 
dieae in Schrecken g ata ti t, ao aeyen aie nach Karjftaa hi n tberg» 
fanden. «< (Diea iai die Stelle , woraaa Brdndaied S. 31 C — rergL 
8. 77—79 — dea KeleMalhiU dea LOwen bei Zen an |^«cfclicb 
erkllrt hai. Er benerkl nach die Smgt van eineat früheren Zaaaai- 
meahan^ der Insel Keea mit Snböa, nach Plin. H. N. IL 92. IV. 
20«) Heraklidea tahri Ibri: ^ Daher wird anch ein Vorgebirgn dir 
Löwe (Aiüßp) (enanni. Keoe aber, der von Naapakiot herOberga- 
kommen, baute die Inael an, nnd nach ihm nannten lie sie** (cum* 
[iaöayf so hai schon Koraj« Ea Iblgt eiae Lücke im Heraklidai- 
achen Text. Der Lindenbrochiache Scholiast an VirgiL Georg* l 
14 erf^Anzi sie som Theil, dessen Worte aber so Terbessert waadaa 
mdssen: Cea insnla Aegei maris e§i qnae primo dicitnr NjnspUl 
habitari; ideoqne ei Idrm9$mm (Hydnuuam) dictam, postea • Cm 
Naupactiorum Cgmm appellaiam; in ^aoai Anstaens ex Arcadin wm> 
nisse fertor [et] responso patris Apollinis mooitns, qni ex pecorähni 
nsam lactis invenit, et mellia stndinm apinm soleriiam (solertin a4 
Barmann.) consecntos €Mi, — Wenn Herr BrOndsted klagt, dmm 
Griechische Schriftsteller »ontt ?on diesem Stammrater Keos ackwaif 
gen, §o habe ich ans dem Etjm« M. p. 607 Heidelb. p. 460 Iji|a< 
nachgewiesen f dass dies nicht der Fall ist, indem wir erlahrani 
„Keos ist eine Insel. Sie hat ihren Namen von Keos dem Sakm 
^poUan'B und der Nymphe Rhodoe§»a^^^ wodurch der sweite Anaiad^ 
1er eben so hoch gestellt wird als der erste, Aristaos, der ebenUli 
ein Itohn Apollon*s heisst, und eben §o wie dieser letstere in die 
Wortsr« und Handbficher der Mythologie aufgenommen an wenlta 
rerdient. Hiermit ist anrleich bewiesen, dass anch die sweite C^av 
nie den Apollodiensi mit nach dieser Insel gebracht, nnd fast 
SU a weifein, dass, wie Br. Tennuthet, auch der Stammheld 
daselbst Gegenstand einea Cnltns gewesen.). Heraklides erzAhli 
ter t „AristAos aber« sagen aie | habe nm (Koressischan) lijmphan di» 



«dehe die Bbibiklaiigskraft dter Völk^ in den Sterngpmppen 
M Krauunente so sdien gewohnt war; gerade so wie die 



Schaf- and fiindriehsiichi, ?on den Briieifchen aber die Bienen- 
ncH i^elemi.^ (So fallt Er. iheili aoa VermathaD^, theib aat Hand- 
t^riften die lAckeDbafte Stelle ant. Ich ichreibe aber nicht mit 
ibi lad Lennep fiekirovQyfaVj sondern mit Koler und Korajr fic- 
IttrovQyiav^ denn dae entere ist daf GeschAft der Bienen, das 
nrnie, das des Bienenpflef^ers. — Nachträglich bemerke ich jetst, 
im es mir doch misilich scheint dass Welcher tu Schwenck S. 342 
ft iis m klaren Zea^iss des Heraklides sn widersprochen f^enöthigi 
H^ um Bieao und Bienensnchi ans ihrem natOrlichen Kreise in 
im C^realischen sn Tersetsen, nnd seine Ableitnnj^ von ßQijVf sOss 
ii iler Bedeutung segensreich sn retten.) Heraklides : ,,Da aber ein 
Ttrderben die Pilansen und Thiere befiel, weil die etesischen Winde 
■ebl weheten** (dia ro {lij tcpbTv injoiaq). Aus Cic. de Divinat. I. 
57« Varro Atacinns ap. Probnm in Virgil. Georg. I. 14 und Cle- 
■ins Stromm. VI« 753 wird diese Lflcke weiter ausgefällt, nndivir 
iimehnMns Einst sejen die etesischen — die nördlichen* Passat- 
Vlade ausgeblieben; nun sej AristAos auf Geheiss seines Vaters 
i^üo nach Kens gekommen, habe einen Altar gebaut, dem Zeiis 
Ifanaef (Ixfialog) geopfert, dadurch die kühlenden Winde wieder 
mrflckgefllihrt, und der Alles versengenden Hitse einfinde gemacht; 
«sdurch dann AristAos der Erretter nicht allein sur göttlichen Ehre 
phngte, sondern auch die Sitte der Keler begrfindet ward, dass 
M aas der Beobachtung des Sirius für ]edes Jahr Prognostiken stell- 
im. Daher denn auch, wie Br. richtig bemerkt, anf den Mansen 
fia Keos das Bild eines Sterns (des Sirius) und eines Hnndes so 
hliigist. 

Da ich mich wundern musste, dass Herr Br. diese mythische 
OsUnrgeschichte von Keos oder die pbjsinch-astronomischen Symbole 
wtd Sagen dieser Insel nun nicht auch mit dem Bilde des koloBBtt" 
Um Löwen da»el6$t in Verbindung gebracht, so habe ich in mei- 
■sm ersten Bericht diesen mythiichen Organismus zu Tollencleu ge- 
itcht. Ausgehend von den Worten ides Horatiiis (Od. III. 29- 
18 sqq.) — „lam Proryon fnrit. Et etella veeani leonie^ Sole diee 
referemte $ieco$; lam pastor umbras cum grege langnido Rirnmque 
fessus quaerif ; ingleichen von der Stelle des Caesar Germanicus in 
Arati Phaenomm. 149 •qq*« «fHunc (leonem) ubi contigerit Vhoeöi 
tidemiun' oxis, Acceasa in Cancro iam, tum geminahiUr aeMtae; 
Creuztr't deutsche Schriften. T. 1. ^ 



alten Pfionier ihren SonneAdienst an die Sonnenscheibe rich- 
teten, die sie auf einer Stande aufgerichtet hatten (Max. Tyr. 



Hinc lymphae ienuet; hinc eti iri$ti§$ima tellmi^*; ferner ^esiAisi mwi 
den Satz, da$$ mit dem Heliakalau/gang de§ HundtetemeMj wem 
die Sonne in dae Zeichen den Löwen eingetreten war, die HundB' 
tage begannen (die Opora anfing — f. Theophnisi. de cansf. planterr. 
I. 14. 13. Oljmpiodor. in Arisiotel. Meteor. II. 5- PHn. H. N. IL 
27. lo. Laur. Ljd« de Oftentis p. 196 ed. Haie); — weiter dh 
mjthifcbe Brsihlnn; benAt&end, dais Apollo einst am Thesealiedifi 
Berge Pelion die 71 jmphe Kjrene waffenloe mit einem Lftvren li» 
gen i^esehen, d« h« dieeMe Nymphe , mit der dieser Sonnenf^oti naek 
her den ersten Ansiedler und Erretter der Insel Keos AristtM e^ 
seu^ hatte (Pindar. Pjth. IX. 45. Oallimaclu h. in Apoll. ▼■• 90 
sqq. SchoL ApoUonii IL ts. 500 *qq*; ^V. 1561); endlich an dm 
Ausdruck der Araber erinnernd, welche noch hent sn Ta|^ dii 
c;rA8ste Hitie und dflrreste Jahresseit den brüllenden LSwen aea> 
nen -— dem Allen ^mAis habe ich die Sage von Reos so aufgefaHl 
und auszudeuten gesucbt: Zuerst haben auf diesem Wassereilarf 
('VSQOVOöa) die Nymphen gewohnt; aber ein Löwe hat sie Terfagl 
Das heisst : die Nymphae fugacee sind jene lymphae tenuee , die fit 
dem LAwcu entflohenen Nymphen sind nichts anders als die in dir 
heistfpn Jahrszeit verschwundenen Wasserquellen ; und wenn dnrmt 
wie die Kelsche Sage weiter erzAhlt , jene Inselbewohner , nachdeB 
der Noth abgeholfen worden, ihrem Erretter göttliche Ehre erwi^ 
Ben , nud den besänftigten Hund und seinen Stern auf ihren HiflnsA 
verewigten, nicht minder aber ein Vorgebirge ?on Keos nach «Mi 
schrecklichen Löwen benannten; — dann darf man doch wohl glii 
ben , dass jener LOwenkoloss nichts anderes sey als ein Abwendmmgh 
bild {adwkov aatoTQdltaiOv)^ welches» naeh den Wflnschen Jaaif 
aken Naturmenschen, eine magitche Schutaswehr sejn sollte g€gM 
den htieeen wüth^nden Löwen am HimmeL — Jetzt will ich mhm^ 
zum Beweis dass solche hieratische Ausdrücke, Mythen und BiUHr 
ff^uÄ verschiedene Bedeutungen, ja ?Oll ig entgegengesetzte haben 
neu, und dass man also hierbei Land, Zeit, Cult und Denkart 
fällig zu untereeheiden habe. Folgendes hinznfdgen (Plutarch. il 
Isid. et Osirid. p. 670« C): „Den LOwen verehren die AegyptieTi 
und verzieren mit LOwenrachen die Tempelthüren (oder auch 'dlh 
Tempelschldssel, Schal, in Arat. Phaenomm. 351), weil der Nil anelflfi^ 
wenn die Sonne inerit mit dem LOwen zusammenkommt.^ DalMr 



VDL f. l«l Befeke); nicht anders wie die Strahlensäieibe 
des alten Snnna-CMin nn HeiU^imie sa Upsala hinter dem 
BiUe den neuen Odin hervorglfinzte. Gleichwie dorten die 
Aaen des neuen Caltos sich vor die andro^ynischen Sonnen- 
wesen des alten stellen, also mossten sidi hier die alten Ele- 
aentannidite in der Folge von den ganz vermenschlichten 
Oiyiq^iarn allmiihlig verdecken lassen. Jedoch viel fhiher 
mÄam hatte die dem Menschengeiste angebome Persoidfleatwn 
flure Rechte gdtend genmcht, wie wir oben ans alten Prie- 
storgeaingen in ihrer Entfidtnng bis zn einem theologischen 
PUoaophen ersdien haben* Waren doch die ältesten Namen 
der naturlichen Götterwesen ganz in diesem personificirenden 
8mne gebildet Da hören wir von einem dreigestalteten Ge- 
lyon oder G^Toneos Qrtffvoptdg), dem Altra, der als Jahres- 
zeit, als Zeit selbst oder anch als Winter in der Sage geht; 
von einer Demeter Helegerys (ihjytfpvg) als Mutter der al- 
ternden iSdben Adure; und wenn ein alter König Iberiens Ar- 
gantiionios QjiQfa»^mvio{)^ der weteblflhende, genannt wird, 
ttniidi einem mit SchnM bedeckten Berge QAffyapdtav}^ 
m Imben wir hier in der Sprache die Yerbindung zwischen 
eimeai menschlichen Individiram ond einem Naturtheil. '} 

«idi Um LöwenkOpfe ab dtn Mflndan^n d«r Brnonen und Aef^en- 
iShren (Plotarch. Sympof. p« 366f A« ?«rc;l. W/Üenbaeh aar er«ia- 
r«i Sttlle AoinuulrF« p. 224). Hier enchtinl also der aetronomieche 
IiNre gans im eoi(e{^eo|^eeeisien Sinn als ein Jahres- nnd Kalender- 
bild dee Heils vnd der Er^aicknof^. Daner der LOire aoch ein 
Sinnbild ?en Labeirank nnd Vl^eiheirasser lar die Todien nnd anf 
Mnmiendecken erscheinend (Bötii^er ArehAologie der Malerei I. S. 
75 C)» Daher ferner ds ein Zeichen der Reinigno^ in die Leon- 
tica der Miihrasweihen anfgenonunen« Andererseits ein Bild der 
Sürke nnd nnwidersiehiichen Königsniaelity an den Thronen mor- 
i;»nlAndischer Monarchen} -— femer des Ueldenmuihes, daher anf 
den Gräbern des Hekior, des Leonidas (Ptolem. Hepbaest. cap. 2« 
p. 15 mit der Anmerknn|^ ?on Ronles pa{^. 67 eq- ▼ergl. K. O. Mül- 
lers Handb« der Archaolo|^ia der Kunst S. 699* 2* Ans;.), nnd in 
diesem Sinn ?on der neueren Kunst anfj^enommen -— bis auf da* 
Lötrenbild ?on Schwjs nnd von Waterloo« 

1) Briefe Aber Homer mid Hesio^ an «ad fon Hermann S. 178* 



Uknlier rHbirt mmtk der Ber^ Astim m 
<kT. Bkeh den Amirmek does & tirtf ikh e a S eh üa*£Bu a ^. fir 
die l.4utidei^bew«liii€T Gott. Sckvv «od KU nciekk w«r.>) 
f> ifrt srbon in der zweiten AiKisabe djcse« Rarks Tva ■■ 
h'.merkt w orden . da« meh einer fröhemi AB«äckt fie Gnc^ 
rhen ei/ie aiudirfae VorsieflaA5 von ihnem CNvaipais gdttkC] 
Narh solchen Vor^enimsen ^nerdeB heilige Berse warn leboH 
di^en und Leben ^benden Gotie selber. In der Stemoh 
scfarift des Himneb ist dns er«ie Gesea g c g t b e m . 
iiiid die Hören bewahren es. vii i—fln die Göoer 
Ken »erst sie hin «of die «iderisebe Satzmff. Das 
Gesetz wird /sreeeben «of den Gipfel des Ohnpas. Scim 
lichte Höhe ist für die Sfensehen in Wolken ^ehdh. in acte 
l/ntiefen dringt kein sterbiiefaer Foss. Jnppiters Winken iil 
des Gesetzes Amiruck. Aber dieses Bewegen seines Hanp- 
tes ersrhüttert die Ohnnpisehe Bn^ nnd unter Dminer ani 
Bh'tz werden seine Gesetze verknndi^ Warn aber Mos» 
den l^irAfliten vom Gesetzesber^ Sinai steinerne Tafefai kiqgl^ 
so werden dem Helleniseben Tolke Olympische BoDen aa%a- 
hrhlHrrffin bf-reitet von der Haut der Ziere Amahhea. die ml 
iUnr Milch den Gott der Gesetze genähret. Was diese Bol- 
Icri in ihren vielen Falten enthalten — das Gesetz der Natsr 
unil dtf.'s Grri«tes — das Ist zf/o; .7^.r.Trrzfa '} nnd wandet^ 
harrn. oft räthselhaften Inhalts. 






J) Maximni Tyr. VIII. 8. p. 144 Rewk.: opo^ KcCTtTtati- 

z^//;, y.ni Ihr); y.al oo'/.og xal dya^ua. Er Btizi hinsa ^«1 
«Ifffi 3lAot#ii fifr See and der Tanais den Masüa^eten ** — also Bcff^ 
und Wanerdiensi. — Daher aarh das Bild des Berges Ar^^iu 6^ 
Hf hfilit auf KappadokiBchen Miinzen (Eckhel D. X. V. III. p. 189> 

?) .Symbolik IL S. 535 f. 

3) Fult^'entins I. 2« p. 631 brrnft sich bei einem kosmisch « myili- 
riösen Mvthos auf ein Buch des Lo^ographen Hellanikos, Dios nt^ 
lytychia liotitelt. Man hatte rersnrht: 7toXvT€Xviay ja so^ar op/Xa- 
).nyiu, liis der ITerans^eber (Sturz ad Ilrllanici fraj;^. p. 75) nr* 
srblu(^ die Lesart beizabehaltcn und dabei an eine Schrift rom mt 
färben G'csr.hick deB Zeus zu denken. Allein dieses Snbstantir'ci^ 
uianifcli aller Auotoritfli. Ich fermnihete daher KokvTttvxia im 



^ k 



Ich hitte aber anch an eherne Gesetetafeln erinnern sol- 
len, die, anem wunderlichen Mythus nach, die Kreter von 
einem siderischen Wesen empfangen hatten. Da diese Sage 
auf demselben üebergamgtpunete de% direeteu Naturdiemte^ uar 
Permnißcaikm steht, and zugleich Natur und Geist in Einer 
Anschauung verbindet, folglich mit unserer Erörterung in or- 
gantehem Zusammenhang erscheint, so wül ich dessen Grund- 
sfige her\'orheben. Talos (Takto^^ so lautet die Sage, war 
ein eherner Gigant, der als Wüchter von Kreta dreimal täg- 
lich diese Insel umkreisete. *3 ^^ Recht nennt Heyne diesen 
Mythus sehr alt, und fingt die im Ganzen eben so richtige Be- 
merkung hinzu, Je widersinniger eine Fabel sey, für 
desto ilter sey sie zu halten; wenn er die vorliegende aber 
SU den aus Dcnkmahlen entstandenen auihlet, und ihren Ur- 
q>rung aus einer PhSnizischen Schiffersage von einem auf 
Kreta gestandenen kolossalen Erzbilde herleitet, so dürfte, 
sollte diese Ansicht gelten, nur an einen Sonnenkoloss zu 
denken seyn. Jedodi möchte der Mythus vielmehr zu denen 
physischen Urqinuigs gdkören. Denn, was der hochverdiente 



•^D erkllrien Sion, und dietet Wort wird in den Glosien durch 
cmi|(lobntie erkliri. '— Jetsi Mbe ich, da« aneh Herne (Obef. in 
Iliad. XV. 17. p. 7. Vol. VII) an Jenem Titel /lio^ TtoXvxvxia 
Attttoei praommen; wae aber bedeutender ist, da«e der Ueberf^n^ 
der et^entlichen Bedeotun; ?on nrvxai (ThAler, Schlacbten) anr 
«oeifentlicben (Verbergenheitea der Diebtunf^ und Satsun^) ans Grie- 
cfciflchen Dirkiern eich recbtferti|^en llMt , wenn man uAmlirh die Worte 
Pindara (Olymp. L r». 105) xkvratCi v^vtap nrvxai^ ricLti^ 
dUiri, nflmlich mit DiMen eo: ««Mihi poiiue ad fahula€ enpra le- 
fliaa propoeitam imimn^Mm raiion^m reepicere et hoc dicere videiur 
PiMdarni, ineigniorem ae neminem r^eomdfti» pp^gioM ree€$$UuM <>r- 
■aturnm. nw^oi enim iunt ralles et recoMue, veluti asikerig^ cf. 
Elmelej ad Earip. Med. 1204 (at^ipo^ mv^ai)^ inprimUi vero 
Bontinm, ut Oljmpi, Pindi, Pelii, Parnassi, Idae, qnod notiMi- 
mam.^ (Vergl. s. B. Pjth. VI. 18- IX. 28. I€em. IL 33.) 

1) Apollon. Ari;. IV. 16:17 mit den Schollen; Apollodor I. 0. 
26 »it Heyne Obfertn p. 81) ed. alter. CatnlL LV. 23 mit Dluret 
nyd If. VoMiui. 



ErkUrer hierbei nicht mit In Reehniing gebracht^ TUm war 
ein alter Name der Sonne; *) sodann ward eben in KittB ehi 
Zeas Talaios verehrt. *} Das war ein Sonnen-Zens, mit dem 
BegriSt des Waefasthmns und Gedeihens, welches die wir- 
menden Sonnenstrahlen befördern.*) An solche natflriiche 
Wohlthaten dachten die Kreter ohne Zweifel andi y wenn sie 
von einem Wfichter ihrer Insel Talos erzihlten. In Jener al- 
ten Bildersprache konnte die Sonne ein diemer 6^^t genannt 
werden, der dreimal t%llch die Rund wache nm die Insel hilt; 
und, wie der Anfang dieser ErSrterongen geze^, schliesst 
der Beiname Gigant an sich den Begrif des wohlthfltigen Ge- 
stirnes nicht aus. — Jedoch wenn die Sonne ihre schfdlichen 
Einflösse Snssert und mit ihrer GInth Saaten versengt, Men- 
schen und Thiere erkranken macht, kann sie aadi G^^ant 
im schlimmen Sinne heissen. Dass im Kretischen Sonnen- 
dienst aach diese Seite hervorgetreten, geht ans einer ErzCh- 
lang des Simonides hervor, wonach der vom Hephistos ge- 
fertigte lebendige WSchter der Insel Talos die dersdben n** 
hendcn Fremdlinge in seinen dorch Fener glfihend gmachten 
Armen verbrannte, gleich jenem greuhchen Holoch der Ph6- 

1) Takünq* 6 ^kiog Heijck. U. p. 1343 Albert Dw Cod«c 
Marc bei Schqir p. 723 i^iebi Welmehr: TaXta^^ welchef wwifr 
Tittmano sam Zonara« L. Gr« 1707 berflckaichti^ hat, noch Kmnj 
'AraXTU, I. p. 1(>4. II. p. 124, wo daa neopiacbiacho ivxakoyuiß 
(allacioari, abba^iaro, ^bloiiir, bltnden) daroa her^leiiei wird. 

2) Hetych. p. 1342« Takat6(;' 6 Ziv^ h Kfijrff. DorriUe ad 
Chariton. p. 492. p. 500 Lipa. b^teri TaXatoq oder Takkaiogt 
denn der Name kommt auch mit der üedaplicaiion tot. Ana einer 
Inschrift mit einem Vertrag aweier Kretiseher StAdte iat ersichtlicht 
dais dieser Zens Talaiof ne^eii dem Zeni Kreta^nes dorten Terehri 
ward. Jenem ward ein gymniecher A^n, TaXeudirtfg oder TakiU' 
Sirt]^ ^enaont, gefeiert. (Hesjch**!. l. mit den Anslegem.) 

3) Doederlein Comment. de Tocabnlo xfjkvyero^ Erlang. 1825* 
p. 11 erklärt diesen Zens Tatkaloqi Tel loppiter Tel Sol dbmu9j 
▼on raXXco , 9akX(o , drcD^Xm , welches Zeitwort fast flberall nnd 
auch beim Pindar Oljmp. IIL 40 Nahrung geben, wachsen machen 
bedeute. 



nisier, KarthAger und Sanier, dessen der Geschichtschreiber 
Klitarchns wirklich gedenkt y indem er von solchen Menschen- 
e|ifeni der beiden ersteren Völker berichtet '^ Nach aller 
Analogie nnd nach den Attischen Sagen von Minotauros o. s. w. 
dürfen wir nicht zweifeln, dass auch die ältesten Kreter an 
cyklisch wiederkehrenden Festtagen in heisser Jahreszeit 
ihrem Sonnen-Moloch Talos dergleichen Opfer dargebracht 
haben. 

Gleichwie aber in solchen Naturculten die znm UnhcQ 
OBSchlagenden Gottheiten durch ünstere Gebräuche und grau- 
same Abwendnngsopfer versöhnt zu werden pflegen , so erhei- 
tern sie sich hinwieder, und können, bei zunehmender Sitti- 
gong und vermehrter Erkenntniss, in den Mythen eines und 
desselben Volkes wohl auch selbst in einem höheren Sinn und 
veredelten Charakter erscheinen. Auf diese Weise tritt wirk- 



1) Der das krampfhafte Lachen (SapSoPloq yik(o^) won jeoea 
ftcrbendeo Scblachiopfern herleitete, wahrend Andere andere Her- 
leüoDf^en angaben and aam Theil SapSävioq y. schrieben (s. den 
Demon , TimAna , Klitarch , Simonides n. A. bei Enstath. in Od jss. 
XX. 302. rtTgh die Scholl, dazu p. 527 ed. Bnttmann. Apollonii Lex. 
Homer, p. 593 aq- ToUii nnd besonders die Scholl, in Plato Repnbl. 
p. 144 »q* Rnhnken. p. 396 Bekk. Saidas p. 3262 «qq. ed. Gaisford. 
AsecdoÜ. Grr. I. 361 ed. Bachmann.). Nach dem Platonischen Scho« 
liaaieD hatte Sophokles flbereinstimmend mit Simonidea den Mjthns 
f«m Kretischen Talos liehandelt, aber nicht: ep Taktp, wie der 
Scholiaat des Apollonins IV. |638 citirt, sondern irie der Platoni- 
sche: iv Aaiddktp^ wie Brnnck ad Sophoclis Fra^^. p. 25 ed. 
Oxon. ans diesem letztern schon langet verbessert; was in der Scha- 
feriachen AQsg;abe der ersteren Scholion unbemerkt geblieben. Da- 
durch hehl sich der von Hejne in richtigem GefAhl geäusserte Zwei- 
fel (ad ApoUodor. p. 89) s »«K^i assequi rix licet, qua arte sceiiae 
accommodata fnerit haec fabula^^ nAralich das Drama Talos; in sei- 
nem Dädalo» aber hatte Sophokles ihrer gelegentlich gedenken kön- 
nen. — Ueber jene Menschen- besonders Kinderopfer im Baals - 
Kronosdienst der Punischen Volker, auch der Sardinier hat Fr. Mun- 
ter in der Religion der Karthager S. 18 — 3t* 2- Ausg. ausführlich 
gesprochen; auch Bottiger in den Ideen zur KunstmytLologie S. 
355 ff. 



ich Jener Kretische Talos in einem unter den Platonischen be- 
findlichen Dialog^e au£ '} Wie nadi der ersten VorsteUnng 
jener solarisdie Talos tä^ich dreimal als Wichter mn das 
Eiland gehet, so umwandelt er es in dieser Ansidit Jthrlidi 
dreimal mit den ehernen Gesetzestafeln als Wichter und Au^ 
seher der ^heih'gten Satzungen des Minos. Blan hat in die- 
ser Wendung des Mythos die Neuerung eines Sophisten nach- 
zuweisen gesucht, der sich die Freiheit genommen aus einem 
alten Ungethum einen guten Mann zu machen. *} Heyne (a. 
a. 0.3 hat sich mit der Bemerkung begnügt: hier sey dem 
Mythus eine ethische Auslegung gegeben. Dass der Kretische 
Cultus diesen solarischen Wesen wirklich ihre freundliche 
Seite abgewonnen 9 lasst sich schon aus der Natur solcher 
Religionen vermuthen; dass es in der That geschehen, bewei- 
set der BegrÜT des Kretischen Zeus Talaios. Dass ferner 
dorten nicht blos blut^e Opfer einem unholden Moloch darge* 
bracht worden, lisst der dem Juppiter - Talius gefeierte gym- 
nische Wettstreit nicht im geringsten zweifelhaft ; ja dass audi 
jener eherne Umwandler der Insel Kreta selber, nach gemil- 
derter Sitte , auf bedeutsam freundliche Weise von den Ein- 
wohnern verehret worden, lasst ein pantomimischer Tans 
vermuthen, worin jener Umwandler dargestellt wurde. *3 
Hatten die alten Völker einmal gelernt, den Auf- und Unter* 
gang und den Mittagsstand der Sonne, so wie ihren Jahrea- 
lauf als eine natürliche Satzung and Ordnung zu betrachten; 

1) Im Minos p. 320. p. 266 Bekk. 6 ycLQ Takto^ (TaJJiwg 
mehrere Codd. bei Bekker, und so hat auch Ficino j^eleseo, woraae 
die obi|re Form TaXkalog sich erklAri Die Lesart TaXcSg kommt 
übrigens bei keinem der angeführten Schriftsteller ror) TQig 7t€ptf€l 
Tov ipiavTov xard rag xaifiag^ tpvhitToip rovg voiiovg ep 
avTolg^ iv x^^^^ig ygafmaxaioiq ix(OP ysyQa/ifdhovg rovg vd- 
fiovg^ od'Bv xa\y.ovg ixXrj9tj. 

2) Boeckh in Plaionis Minoem p. 2t- 

3) Unter den Gegenständen, welche die Kretersage der Tani* 
knnsi darbiete, fahrt Lncian (de Saltai. 49- p* 296 Hemsterh.) neben 
dem Scher Polyidos anch den Talos an: 7*01; TdktOy top Xcikr 
xoPp xfjg Äjöij[r;;g TtSQiTtokop. 



90 komite die Anwendung auf Ordnung anf Erden, auf Ein- 
tkeilang and Ejnrichtiing der Stimme^ anf Sitte imd Gesetz 
itierhaopt nidit ausbleiben. BGt andern Worten, die politisch- 
ethische Satzung und Ordnung wird demzofolge als Abbfld 
der Gesetze der Natnr nnd der siderischen Ordnung betrachtet 
So werden die solarischen Wesen Talos nnd Zeus Talios zu den 
himmlischen Cresetzgebem, deren Bliyestüt die Völker in cyk- 
lisdien Jahresfesten in gynmischen Wettkämpfen und in mi- 
Btschen Tfinzen verehren; und der Gesetzgeber auf Erden, 
der die gottliche Ordnung ins Menschenleben einführt, ninunt 
in der Herrlichkeit und an den Namen der Götter Thefl, so 
dass man am Ende nicht mehr weiss , ob Minos, Talos Götter 
oder Sterbliche sind. Wenn daher Hesiodos von den vielen 
dem Zeus dienenden Wfichtem über die sterblichen Menschen 
angt, wddie die Rechte und deren Uebertretungen beobach« 
ten sollen, nnd die Gerecht^keit (Dike} die juiigMulidie 
Tochter des Zeus nennt, die ungerechte Gesinnung der Sterin 
lidien am Throne ihres Vaters laut anklagt} *3 ^^® ^^°^ ^^ 
Sophokles die Gerechtigkeit als des Zeus Beisitzerin nach al- 
ten Satzungen bezeichnet,') so dürfen wir wohl an jenen 
allen GesetzeswSchter des Kretischen Sonnen- und Zeuscul- 
tsB denken. Wenn femer Plato in seinen Büchern von den 
Gesetzen sieh so vernehmen l£sst: «Ja der Gott, yivie auch 
die alte Sage meldet, Anfling, Ende und Mitte aller Dinge 
euthaltrad, vollstrecket gerades Weges, der Natur gemüss 
■mwandelnd; ihm aber folget immerdar die Gerechtigkeit, 
Bicherin derer, die das göttliche Gesetz nicht erfül- 
len», '3 so haben wir, ausser der Erwähnung alter Sage, in 

1) 'E^y. 250 sqq. TqIq yag fivpioi eialv •— dddyaroi Zt]- 
yo^ q>vXax€^ ^vfjxtSv dv9Qai7t(op , ot ^a q>vXdoaovaiv re 
iixaq xal axerXia igya x. r. X. Ter^^l. Orph. hymn. LXII. 
(61) init 

2) Oedip. Colon. 1357 s /lUf] ^vvedpoq Ztjvoq aQxaioi^ vo- 

3) 'O fjihv dij 9€og9 (oaite^ xal 6 naXaiog koyoQj el^XV^ 
ti y.al xekevzijp xai fiiaa xdSv ovtoiv aitdvTfop €X^^9 fv&e/gc 
^^Qaipei xard q>vöiv Jxe^iTtOQSvdfjievog' rtp Ö* del 



Worten und Aiudrack Hindeotmig auf Jene im Namen do 
mnwandelnden SannenMi» auf Erden om^henden und stra- 
fenden Gesetseswiditer. Wenn endüch im Eingange In 
demselbm Werke der Philosoph den Kreter JEIinias sa- 
gen lisst: Von Gott kommen die Gesetze, und dieser Gott 
sey Zeus nach der Landessage; und wenn darauf, nach des 
Athenischen Gastfreundes Torschlag, die Gespräche aber die 
Gesetze auf dem Wege von Knosos bis zur Grotte und zun 
Tempel des Zeus fortgeführt werden, so haben wir die philo- 
sophische Entfititnng altkretischer Theologumena , *} woduni 
der höchste Gott Hellenischer Yolksreligion als die Quelle d- 
les Rechts dargestellt -^ oder vielmehr als göttlicher Redits- 
körper selbst aufgefiiMtt wird. Diese Satze bildeten nachher 
die Stoiker, in ihrer Betrachtnngsart der Nationahreligio^ 
folgerecht weiter ans. Sie redeten von einer Vernunft an 
Himmel und im Wel^bAude. *3 ^^^ nannten das ursprfii^ 
hche, das untrdgliche Ctesetz die untrügliche Yemunft des Jup- 
piter; Ja sie nannten die Kraft des immer bestehenden ew^gei 
Gesetzes Juppiter selbst '} Ich habe gesagt in der Stoückn 
Betrachtungsart der Griechischen Religionen; denn in dieser 
war nun Zeus als Feuerither zur physisch -geistigen Welt- 
seele gesteigert worden ; ohne Jedoch zu verkennen , dass ih- 
ren ethisch -politLschen Deductionen von Gesetz und Recht 
altreligiöse Anschauungen von der siderischen Ordnung zun 
Grunde lagen. Ueberhaupt sollte , wo von Philosophemen die 
Rede ist, die mit Anwendung von Göttemamen des VoU» 

^wimrcu Sint] t(3p dTtokBatOfiivfüv xov Seiov vofxou rifAtofdt 
De hegg. IV. 716, A. p. 354 Bekk. 

1) Plaio de hegg. I. p. 625« p. 180 •!• Bekk. rergX. Cicer. di 
l^SS* l' 5* 15. 

2) Ra^o ei mens in caelo ainndoqae Cic. Leg^. IL ?• 16* 

3) Cic. de ttegg. II. 4 extrem, de N. D. I. |5: Idemqne (Chtf 
lippns) etiam \eg\B perpeioae ei aeternae rim, qaae quasi das wik 
ei ma^ifira officiornm fii, lorem dicii esse. Derielb Ckrjeippsi 
sa{^ Leim Plaiarch de Stoicorr. repuj^n. p. 1035« C. p. 218 Wjf 
teiib^ Ou ydg iouv eifQelv rijg dixaioovvfjq dkkijp dpxV'f o6ii 
uLh^v yiveaiVj J} xijv ix roS jJio^ xai vijv ix rijq xoiifiji 
^vaiujq. Man vergL Chr^ippea e^ Daguei p. 113. 207. 333 9ft 



coltn oder mit DeiuAiiig nf alte Sige Torgclrigcn werden^ 
unter Ter n i luf t ^ en es aidi von odbot ventehen, daoo dantt 
nicht gemeint seyn kann, die Fhiloooplieme selbst den dten 
Völkern, die an diese Götter glaakten und sie darch symbo- 
Ksehe Gehrinelie mid Mder verdaten, mm sofort beimd^ 

gcn-O 

In diteer Uebersidit althieratisdier Bilder wenden wir 
nns von dem dreimal umwandelnden TUos mid vom Kreti- 
Mhen Zens Tilaios sn dem drettngigra Zeos von ArgML 
In der Besehreibong der Merkwilrdigkeften aof der Boi^ L»- 
rissa von Argos enihH Pansanias vom Tempel der Atkaiat 
• Dorten befindet sidi unter andern WeOigesehenken aaA 
Zeos, dn Sehnitebfld, wdehes swd Aogen an der natflrtt- 
eben Stdle hat, ein drittes aber auf der Stinie. » Naekdem 
er daraof berichtet, wie dasselbe ans dem Hofe des Mamoa 
imter der Trc^anlsehen Kriegsbeate in den BesÜx des 8th»- 
nelos gekommen, Okrt er fort: «Dass dieser Gott aber drei 
Angen hat, darfiber könnte man diese Yermnthnng haben: 



1) Plaio «Ml ilie Pktouker i. B. drtck<«B die ThKI{keH des 
fleuiet «od taiD Bcuebeii «nf iich ■elbd dorch die Kreiibewepuif 
MU, verglichen den Geiet mit einem Kreiee, die Sinnliclikeii mit 
einer Linie « redeten von einem ümUnf dee Oeiilee (tov pov sre* 
pi68fp)f eagiMi der Geiti bewegt eich im Kreiee (o pov^ Xt'xA.fi Xf» 
rc/ra/); Ja beieichneten deneelben eopr als einen nmlanfendea (d 
vopc Wifi9i(üP. Pinto de Logg. X. 898« A. p. IM Bekk. Plotia. 
V. 1. 7* V. 5« 1)9 sprachen endlich von einem Sehen dee Geistei 
{ififi T^q xov POV opdcito^) nnd sagten der Geist siebet (6 povq 
OQä. Plotin. in. 8- 10. V. 3* 8 «• s. w.). — Wenn ich nnn he- 
hanpteiet diese Ansdrocksweise haben diese Philosophen ans Jenen 
Kretisrhen Mjthen nnd Bildern von einem umwandelnden nnd lun« 
schonenden Taloe entlehnt; oder wenn ich andrerseits vermeinte, 
fene alten Kreter haben nnter ihrem ümwandeler (TtiftJtoXoq) Ta- 
les die SelbstthAtigkeit nnd die anf sich selbst Besiehnng des Gei- 
stes (poS) verstanden — so wflrde solcher Unsinn nnr Lachen ver- 
dienen — nnd dennoch ist in Deutschland ein Mjtholo^, der etwas 
tiefer in das Wesen alter Religionen eingeht, nicht sicher so miss- 
versfanden oder anch wohl absichtlich so missdentet SQ werden. -^ 
Das habe ich an meinem Bnche selbst erfahren« 



44 



Erde, da 




AetiekyU^ da Emflknnm S«ka MMt Zew Mck dka (Gatt) 
OB SIeere: Dtnat hat wer ihn oek gtknio &■ aii M 
Aügem wAad, Tsrgestdlt, mrfal m des dm ^Ofnwijn 
LoostfceO» (der Weh) em nd deneike Gott r^icRt.- >) 
Diese natärlicke Aiwiffm^ des Periesetea bedarf kCMV 
Reehlfert^ai^. *) Wis aber beaerki iverdea BMa« da« 
dorch solch hieratischea Bildwerk, wie dar^ salcke Aasdridke 
and Naaien der beklen grossen Naiiaiiiddirkter Hi 
Aesekjioi, jeae OqAiscken YersteUaiiffen tobi Zevs als 
kosaDscken UnnreraalgoCte gerecktfert^t werdea; daaa Flak 
gaoz n deai iekt und alttheol^giseken Geiste redet, wie er 
deaa dabei idte Lebre ansdracklick aeant^ wcu er den Zcsi 
als den Gott bexeieknet« der Anfiuut* Hine and Ende in aicfe 



1) PaoMD. IL 24. 5i wo er der vAterlirh« Erbf ot« (Xarp^oc) 
de« Priainof ifünaoat wird; io einer «ad era Stelle wird roa dcsMel- 
ben Schiiitzbilde ab dem des Zem des Bar;- and Ho&aimis (^fo{ 
egvLiiüy) geredet (VIII. 4n. 2); welches sich wohl rereini^ea la«i 
Dio Honeriscbe Stelle ist aas Iliad. IX. 457* 

2) K. O. IHfiller im Haodb. der ArchAoL d. Knast S. 4!0i 
2- Ans;, sa^ ron dieser ErkUrang, sie sej gewiss richtig, nnd ftl^ 
hinsn: ^Hct Triopas, der so bedeotnogsToU im Cultns der Chtbs» 
nischen Götter vorkommt, ist wahricheinlich eben dieser ZeiMb* 
lieber letzteren nnd dessen ganxe Classe vergl. man Spanhem. ad 
Call i mach. Cer. vs. 31* Stars ad Hellanir. p. 73 «9* Qod Jacobs ad 
Antholog. Gr. IX« p. 370 sq* Treffend bemerkt anch Gerhard si 
seinen antiken Bildwerken I. S. t9 Anmerk. 21: wDen.AIeeraaai 
bezeugt aurb AaB Ilomerische Beiwort der Flüsse als' eutspraagsa 
vum Zeus (diiTierei;)^ daher Srhwencks (Andeutangen S. 184) Zwei- 
fel Aber etwaige IVpptaiiisrbe BeiwGrter des Zeus (llfkXdifio^^ dtr 
Dunkle« fAr Poseiilon, IIü iyyaio^ filr Zeus, beides bei Ilesvrhisi) 
nngcgrAudet. Tu Korinth (Paosan. If^ 2-7) war der Erdzeiis {j[9o' 
i^toz) vom hJic'bfiten (vipioru;) Gott gleichen \amens getrennt, eil 
dritter namenloser aber, der die Gemeinschaft beider auadfAckia 
niuchto, ihnen verbunden.^ 



begreift; •} dMs in dcM W lb co CMrte Krtles, ChfjsqipM, 
Posidoiiios «) and Aodeve im NatiMiIgott der Hdlenea «h 
die das Universiai verboideBde) durchdringende^ bdebende 
Einheit genanmen; daae ee endlieh nnr im Sinne des Plato* 
nismns Butgetumte und ausgesprochene Aaslegang attgriechi- 
acher Beligionagefiihle and theologischer Lehren ist, wenn ein 
spaterer Platoniker in einer Erörtenmg aber die weltordnende 
Dreiheit and Einheit (dijfuovfyix^s rfidöos xai fiovadaQ sidi 
fUgendennassen erklfrt: «Und tt* ist der oberste anter dai 
Dreien and gleidmamig dem qnfJImtosigcny and mit ihm ver- 
einigt, and wird in der Einheit OioyadixuSg) Zeas genannt; 
der zweite wird aber in der Zweiheit (dvaiixaig) genannt 
Meer-Zens (Zivg hdkiog) and Poseidon; der dritte endlich 
in der Dreiheit (vfiadixdSg) anterirdischer Zeos (Z. xaraj^cf- 
pioq) and Platon and Hades (ynt^gy »0 ^ ^^ phflosophi- 
sehen Knnstspradie and in Begriien haben wir hier gaas 
dasselbe, was der alte Pelasger and der frohere Hellene beim 
Anblick Jener Schnitzbüder and beäa Anhören soldier Lieder 
fühlte and sich dunkel vorstellte. Denn in diesen Tempdbil- 
dem and Gesingen sprach sich ans eine Ahnung, ein Get&hl 
oder eine lebend^ Einbfldung von der Einen, allwirksamen 
Kraft, die Alles, was ist und lebt, hervorbringt, hält und eini- 
get; eine uralte Anschanung von einer kosmischen Trias, 
einer Drdeinheit, so so sprechen, die hernach auseinander- 
fiihrt, und der Erde, dem Meer, dem Himmel einen Juppiter 
liefert Diese Helleaisdie Trimurti, um diesen Indischen Aus- 
druck zu braudien, anisste untergehen, als im Homerischen 
Epos die- Griechisdie Religion sich ganz vermenscUicht und 



1) De Lagsr- I^- F 7i6B A. Dia OripaalwoHs «od oLm iu 
•iaer Anmerk. sa leieo. 

2) Apad lo. L«nr. Ljdun de Mesfib. wttL Roiiiin. TV. 5. p. 
224 *f* «^« Aoether« vtr^^L laeine Aiunerk« su Ci«, de N« D. lÜ» 
21. p. &»(. 

3) Proclns in PktosU Cratjlnm f. 147. pa. 88 ed. BoiiMoad. 
Von einer siriefachen Aasicbi de« Zeaa iai im Kraijloa aelbat die 
Rede p. 30tif A. nnd in einer andern BeiracbInnfMrt nnteracheidet 
nncb rioiin awei Zena (Bnn. IV. lib. 4. cap. 10. p. 404» A). 



dM8 Zeus im Hiouiiel regiere, ist die gemeine Meinung aller 
Menschen; von dem man aber sagt, er herrsche unter der 
Erde, den nranet ein Vers des Homeros ebenfalls Zeus: «D« 

unterirdische Zeus und die schreckliche Persephoneia. • 
Aeschylos des Euphorien Sohn nennt Zeus auch den (Gott) 
im Meere« Darum hat wer ihn auch gefertigt ihn mit drei 
Augen sehend vorgesteUt^ sintemal in den drei sogenannten 
Loostheilen (der Welt) ein und derselbe Gott regieret » *) 
Diese natärliche Ausdeutung des Periegeten bedarf keiner 
Rechtfertigung. '3 Was aber bemerkt werden muss^ dass 
durch solch hieratisches Bildwerk, wie durch solche Ausdrücke 
und Namen der beiden grossen Nationaldichter Homerus nnd 
Aeschylus, Jene Orphischen Vorstellungen vom Zeus als einem 
kosmischen Universalgotte gerechtfertigt werden; dass Plato 
ganz in dem ficht und alttheologischen Geiste redete wie er 
denn dabei idte Lehre ausdrücklich nennt, wenn er den Zeus 
als den Gott bezeichnet, der Anfang, Mitte und Ende in sidi 

1) Paasao. II* 24- 5f wo er der fAierlirhe Erbgott (TVarpt/So^) 
dei Priamo« peoaDnt wird; in einer aoderu Stolle wird ?on demiel- 
beo Schuiizbilde al« dem dea Zeoa des Burg- und Hofraums (zito^ 
€QXBtO¥) geredet (VIII. 4C» 2); welches sich wohl Tereinigon Iflail 
Die Homeriscbe Stelle ist aas Iliad. IX. 457- 

2) K. O. Maller im Handb. der Arcb&oL d« Knnst S. 403. 
2- Ausg. sagt Ton dieser BrklArung^ sie sej gewiss richtig, und fügt 
hinsu: t^Der Triopas, der so bedeatungsroll im Culins der Chtho* 
niscben Götter rorkomnii, ist wahrscheinlich eben dieser Zeus.** 
lieber letzteren und dessen ganse Classe vergl« man Spanbcm. ad 
Callimach. €er. iv. 31. Stnrx ad Uellanic. p. 73 0C[* ond Jacobs ad 
Antholog. Gr. IX. p. 370 sq. Treffend bemerkt auch Gerhard aa 
seinen antiken Bildwerken L S. 19 Anmerk. 21 : «^Den .Meerseus 
bezeugt auch das Ilomerische Beiwort der Flässe als entsprungen 
vom Zeus {öunexeli;)^ daher Schwcncks (Andeutungen S. 184) Zwei- 
fel Aber etwaige Nepfuuisrhe ßeiwOrter des Zeus {IlckXdvtog^ der 
Dunkle« für Poseidon, Utkiyt/atoq filr Zeus, beides bei ITcsychins) 
ongegrAndet. lu Korinth (Pausan. 11^ 2.7) war der Erdzous {yßii- 
Pioz) vom hödisten (vljßiOTOy) Goii gleichen Namens getroimt, ein 
dritter namenloser aber, der die Gemeinschaft beider ausdfück^a 
mochte, ihnen verbunden,** 



tagreift; *} da» in denadben Geiste Krates, CbryiäppoBj 
Posidonius *} und Andere den Nationalgott der Hellenen als 
die das Universnm verbindende 9 dorchdringende, belebende 
Einheit genommen; daaa es endlieh nur im Sinne des Plato« 
Bnms anfgefttöste and ausgesprochene Auslegung altgriechn 
acher Beligionsgefuhle und theologischer Lehren ist^ wenn ein 
ipiterer Platoniker in einer Erörterung aber die weltordnende 
Dreiheit und Einheit (dtjfHouQyix^^ rfiddos xai fiovadog) sich 
Mgendennassen erklflrt: «Und er ist der oberste unt^ den 
Dreien and gleichnamig dem quellmfissigen, und mit ihm ver- 
einigt, und wird in der Einheit (jiopadixtS^ Zeus genannt; 
der Eweite wird aber in der Zweiheit (dvadixtSg') genannt 
Meor-Zeus (Zivq haJaogy und Poseidon; der dritte endlich 
ia der Dreiheit (rQtadixuig) unterirdischer Zeus (Z. xarax^d- 
910^3 und Pluton und Hades (^Atöij{y » *) In der philosophn 
Mhoi Knnstiyrache und in Begriffen haben wir hier ganz 
dasselbe, was der idte Felasger und der firühere Hellene beim 
Anblick Jener Schnitzbilder und beim Anhören solcher Lieder 
füihlte und sich dunkel vorstellte. Denn in diesen Tempelbil« 
dem und Gesingen sprach sich aus eine Ahnung , ein Geföhl 
oder eine lebendige Einbildung von der Einen, allwirksamen 
Kraft, die Alles, was ist und lebt, hervorbringt, hält und eini- 
get; eine uralte Anschauung von einer kosmischen Trias, 
einer Dreieinheit, so asu sprechen, die hernach auseinander- 
flOirt, und der Erde, dem Meer, d^n Himmel einen Juppiter 
liefert Diese Hellenische Trimurti, um diesen Indischen Aus- 
druck zu brauchen, musste untergehen, als im Homerischen 
Epos die. Griechische Religion sich ganz vermenschlicht und 



1) De Lef^^. IV. p. 716 § A* Die Originalworia sind oben in 
einer Anmerk. la leien. 

2) Apad lo. Lanr. Ljdnm de Meniib. veü. Romm. IV. 5. p. 
224 ^« ®d* Roether. Tergl. meine Anmerk« in Cio. de N« D. in. 
21. p. 584. 

3) ProclnB in Flatonis Cratylnm §• 147* pa- 88 ed. Boiffonad. 
Von einer swiefacben Ansichi des Zeni ist im Kraijlo« aelbsi die 
Rede p. 396 9 A. und in einer andern Beirachtnngiari unterscheidet 
sBch Plotin swei Zeus (Bnn. IV. lib. 4. cap. IQ. p. 404» A). 



46 ^ 

die Kunst sich bis n der H5he gdioben hatte, dsss Phidiis 
seinen Zeus als Hdlenenkdny sa Oiynpia darstellen konnte 

Dass dieser plasfisdi vollendete Zeus die Älteste Bfldvoi^ 
stelluDg dieses Gottes gewesen, wagt Niemand m behaupten^ 
dass man aber nur von Homems m lernen habe, wie db 
Griechen ihre Götter sich «lerst gedacht — behaupten YUk. 
Wir mfissen eine solche Lehre eine verkehrte nennen, vad 
unsrerseits dabei bleiben, dass die Hellenische Gitterlehre 
sich aus dem Gefühl der EMeU in die Meinung der Yleihdl 
verirret, nachher aber durdi dichtende und denkende Wetae 
(Tragiker und Phflosophen) sur Einheit wieder xurüdcgeleitd 
woirden* 

Dass nun dem dreifochen Zeus auch eine dreibche Here 
ssur Seite stehen müsse, kann demjen^n keinen Augenblick 
zweifelhait seyn , der sich auf den naturgemüssen Organtamos 
alter Rel%ionen versteht Doch wird es um Anderer wfllen 
nicht fiberflässig seyn, dieses bestimmter nachzuweisen, oder 
vielmehr hier von der Nachweisnng eines andern Forseheri 
Gebrauch zu machen. Als ich nimlich in der zweiten Aus- 
gabe dieses Buches aus Plutarch und Porphyrius die SStie 
von einer himmlischen oder Olympischen Erde entwickelte, *) 
konnte ich nicht erwarten, dass diese Entwickelung in der 
hieratMChen Bildnerei so bald ihre BesUtigung finden wOrdCL 
Aber freflich bedurfte es dazu auch emes Archäologen, der nidt 
blos Augen für die antiken Kunstwerke hat, sondern and 
Sinn für den Geist der alten Religionen. Ich lasse ihn alsi 
selber sprechen, und fäge unter dem Text einige Anmeikua- 
gen bei. Zuvörderst berichtet er:*} tlm Attischen Griber- 
werk des Baron von Stackeiberg befindet sich eine Terra- 

1) Plutarch. de fac. in orb. Iqd. p. 942, D. p. 8f5 Wjüenk 
Porphjr. ap. Eoieb. ?• E. UI. p. 115 f D. vergl. Sjmboiik IV. 8. 
220 f« 2« AuM^, üeber die enie Hera und ibre mehrfache Beaie» 
han^ lam Zeni unter Terichiedenen Namen fergl. mau jetsi im 
Prokloi tum Kratjloe 168* p« 98 »n* ^^' Boimou. 

2) E. Gerhard sb eeinen antiken Bildwerken L S. 19 As* 
merk« 2a 



€otta, welche in Style vollendeter Knust das Haiq^t eines 
Zens «ir • Rediten ebier^ durch Mondscheibe und Medusen* 
f%el ab unt^irdisch bezeichneten Göttin^ zeigt, etwa Zeus 
und *Gäa. Aehnlich ist ein Italisches Götterpaar mit Blitz und 
Hondscheibe auf den Familienmünzen der Egnatia (Creuzer 
Symbolik U. 5lfi>» «Die Olympische Güa, '3 ^^^ gleich- 
bedeutende Bezeichnung als himmlischer Mond der Plutar- 
efcischen Gewihr *} (yon Siebeiis zu Pansan. doppelt fidisch 
dAt) nun kaum noch bedarf, hatte ein Heiligthum zu Athen, 
das Pausanias a. a« 0. neben dem Tempelgehege des Zeus, 
aahe am Tempel des Kronos und der Rhea, nachweist Der 
Text Jener Stelle (des Pausanias} gab sonst xifABPoq ttjp mir' 
}äj}fnp 'Oh)fmiai\ statt das sprachwidrige ri^y zu streichrai 
bitte man Tij^ darin suchen können. • « Der Verein ') von 
Zeus und Gäa ist im Dodonischen Orakel bei Pausanias X. 
U 6 angedeutet und ans Athenischem Tempeldienst kurz vor- 
her (AnuL 90) bestätigt worden* — Aber auch die Thurm- 
krone einer Zeusgemahlin (Here auf Münzen von Aegium: 
CCCDL S aus Khell append. U. 1. S. vergL Mus. Flor. IL 14. S) 
kann beweisen, wie nahe ihm eine Erdgötfin verwandt sey: 
eine Olympische nimlich. Jener Juno vergleichbar, deren Tem- 
pel sich schliesst, wenn das Haus der Eleusinischen Unlir* 
Weltsgöttin sich öffoet (Servius zu Aen. IT. 6& vergL Tafel II 
Amn. WSy » i Aber auch in der Anschauung des Elementaren 
•dbst, *) da^ wir bei dem fast durchgängig ungetrübten Na* 
turcharakter alter Gottheiten vorzüglich scharf ins Auge fas- 
sen müssen, blieb Jene Doppelgestaltung nicht aus. Keine 
Naturmfichte sind augenfälliger als Himmel und Erde, Zeus 
vsA Here, wie wir mit alten Götterbenennungen sagen kön- 

^^^ _ _ . ^ j^ _ . _ _ ■ 

1) Gerhard ebendaselbii S. 30 Anmerk. 70. 

2) Thef eo XXVI. 4* p. 67 Leopold mit dewon Note p. 67 «q- ; 
vergl. Paman. I. 18- 7) wo das Verfahren ron Siebelia und eeine 
inrichti^eii iwei Ciiaie der obi^e Tadel trifli. 

3) Ebendae. S. 35 Anmerk. 90« 

4) Dereelbe in den Gnindsü^en der ArchAolo^e, in den IJj- 
perboreifch-Rdmiichen Studien L S. 61. 



Heil. Der Htanid aber, ab omsehliessendes Befrachtongs- 
prineqi der Natur gedaeht, *) kamt iMüd ab höheres HimmelB- 
g^wölbe geümst werden , hald ab eine untere Hemisphäre^ 
weldie die Erde mit Odem durchdringt, bald mit dem letsst^ 
ren Begriff verschmolzen oder von ihm getrennt ab das feuchte 
Leben in Mitten der bewohnten Natur ; diese Unterscheidunr- 
gen zerspalten mehr in dichterischem ab theologbchem Ge- 
brauch '3 den dreifachen Zeus der ältesten Götterlehre in einen 
Olympusbeherrscher Zeus, in einen feuchten Herrn der 0e- 
ifrfisser und Quellen, Poseidon, und in einen Erdbeherrscher, 
Dionysos-Hades. Jeder von diesen Dreien findet sich mit der 
Erde, sey es Gäa oder die Erdmutter Demeter, verm&hlt; 
aber auch die Erde leidet eine dreifache Anschauung, in so 
fem sie nicht blos die bewohnte und bepflugte Erdscheibe, 
sondern die Materie alles schöpferischen Lebens ist Nur 
in solcher Beziehung konnte die Gemahlin des Dodomschen 
Zeus Gäa heissen, *) ab dreütehe Schöpfongsmaterie nimlidi, 



1) Enripidet apnd Bhcrob. Saiura. L 23 (FrariT- i^* 178]. 

Kai Tala /u^rc^* 'Eaxiap Si c' ol cotpol 

BQOxfSp xakoSaiVf ^filpijv ip aiSi^u 
•roia Valckenaer (Dialrib* Eurip. VL p. 50) die AniiMrkan; machl: 
i»In Aethere fedentem dixii temun^ fpam paiar Aeiher circomiectai 
n[BQUtxe amplwittbahar: rov x^ov' i'/HLViOj^VfAhov Ai9iQQq me- 
miDii in Bacchabnt ?•• 292*^ Vorher hatte derselbe Aiule^r aelwa 
bemerkt, daM Zinit (Jnppiier), ov^opd^ {HiimwUt) aod A€th0r u 
folchen Dichientellen sjnonjni aind (pa^. 47)* Creaser. 

2) AuMer wo die Dichter Altere Theologamene und darauf g»- 
grfiodete Philoeopheme aufprechen, wie a. B. Euripides Anaxagortfl- 
8che in der anf^effibrien mid rielen andern Stellen» Cr« 

3) Prodromna Taf. L Anmerk. 90. IL Anm. 231« In der leia- 
iern Stelle Mi^i Jer Verf. unter Anderm; „Weil aber die Erkennt» 
niss der Götierlehre wesentliche Grundlagen von der KunsierklArunf 
entnehmen muM, so sehen wir uns nach der unmitielbarsien ErklA- 
mn|r einiger Bildwerke au einem Versache Teraolassi und belobigt, 
den Zusammenhang alier Goiierbilder sngleich mit dem Zusammen- 
hang der aliesten GOtiersjsieme au Oberschanen. Filr das Gftiierpaar 
unsrer ersten Tafel mussie es uns genügen, aus Abbildern und Zeugnissen 
ahnticher Goiterpaare alten Tempeldienstes der pottUchen Götter 



als Athene, Daneter, und Kon, wie Jener Zeos in den Olym- 
fiier, in Poseidon und in Dionysos -Hades EerfiUlt In sol- 
chem Be^iff war sie aUerdin|;s die siehtbar hervorbringende 
Motter Erde, Demeter; aber aneh alle andere Schöpftina^ 
kraft iswischen Erde und Himmel konnte Gäa heissen, selbsi^t 
der reine Aether, in dessen Hfthe der Quell alles Lebens vor- 
aosjpesetxt wird, und dessen Yerkdrperunf als Athene denn 
nach für eine Olympisehe Erde oder itherisehe Mondkraft, im 
(jSe|;ensat3& des Olympisehen Zeus und eines telinrisehen Mon- 
des, leiten durfte. Auch der Mond nümiidi war ein Theil 
}ener Schöpftuigsmaterie, in Beau|^ auf seine Nähe an Sonne 
und Aether eine hüandisehe , in Bezugs auf die Erde , die er 
hethaut, eine irdische, ■} im Inbegprif seiner ganzen Empfing- 
liehkeit eine wechselnde, deren Verkörperung in natärh'cher 
Sehlussfolge auch alle wechselnde Schöpftmg der tellorischen 
Erde, in Verknüpfung einer elementaren und einer ethischen 
Ansteht, den Wechsel des Samenkorns und die Wanderung 
der Abgeschiedenen, in sich b^preift. Diese wechselnde Mond-> 
und Erdkraft, der itherischen Olympuskraft Athenens und der 
tellurischen von Demeter gleich nahe und mit beiden unter 
dem gemeinsamen Namen einer Gia begriflten , hiess Perse- 
phone.» 

Im Verfolg erklirt sich unser Verfasser, nachdem er 
einerseits zur Erklärung der alten Götterlehre die Pnzuläng- 
lichfceit der blossen Sprachforschung und die Vernachlässigung 
der Deutung aus Kunstwerken (^wodurch doch allein die Stcl- 



ss wmri§m , iU unB dm$ Vmr$tämdMi$9 imr wirUieh mmg§Swi§i$m vmr- 

44 



1) Ib dieten iheolo^itchea Krei« i^hOri ilie VonUllnng auf 

eisMA Etnaritchen Spie|^l bei lafhirami (MoDunenti Eirufchi IL !• 

8«r. 2« taF. XXXIII}9 welche nai swiichea deo Bdfiea foo Sonne 

«ad Mond, jeae durch einen Stern Aber dem Scheitel ^ dieier durch 

eias Mondecheibe beseichnei, die in riet Segmente ^etheilie Welt 

edsr Erde fehea IImI, nut Blmaea und Laubwerk um dai Gänse 

uad daswiachea» aar Beaeichaunf der Vefetationakraüt ; daneben die 

HsBMas Aflua (Apaila) uad Lala ader Lara (^r^L dea Text 

^ 36&— 371> Cr. 

Crtuur'i dcuUcb« Schriften. I. 1. 4 



lung der Götter des Coltos im GAtteraystem und die Bedentmiir 
ihrer Symbole dargetlum werden könne} berührt hstte, — auf 
folgende Weise. >} — « Wir erfahren ans ahniiehen Yergiei«- 
chnngen znsanunengesteliter Götterbilder, dass Güa einen Eh- 
renplatz zwischen den Erdgötiinnen Demeter und Kora ein- 
nahm, und müssen uns bei solcher Nachricht wohl entschei- 
den, jene Gäa, die mit dem Beinamen der Olympischen be- 
zeichnet wird, '3 für etwas Höheres zu halten als die offenbare 
Kraft des Erdbodens. Bildwerke finden sich vor, jenem be- 
schriebenen einer zwischen den stehenden Göttinnen Demeter 
und Kora sitzenden Gaa ähnlich , auf ihrer Brust das befre»* 
dende Symbol einer Medusa. Aus alter Ueberlieferung und 
durch gründliche Betraditnng«der alten ReUgionssymbole wis- 
sen wir, dass die Medusa das Symbol des Mondgesichts isl; 
andrerseits ist es ein Attribut, das man nur an der Athene 
kennt , und wiederum erinnern wir uns , dass die Athene P^ 
lias zugleich mit den beiden Thesmophoriengöttmnen angeru- 
fen wurde, so dass sich Pausanias wohl etwa versehen haben 
und zwischen Demeter und Kora irrig die Güa genannt haben 
mag, wo er nach Hassgabe unserer Bädwerke die Athene 
hatte anführen sollen. Solche Krittelei liegt nahe; sie findet 



1) Hyperbor.-fUm. Stadien L S. 83 f. 

*J) Wie lehr, oho^achtet jener aUfpriechiechen Verehninp eiatr 
Oljmpischen Gäm and ohnf^nchteA diese Lehre ron Philosophen und 
philoiophirenden Tra§^ikern forifepflansi worden, die Vorsiellang 
einer himmlischen firde dem Volksbewossisejn entschwanden war, 
beweist eine Aeassernnif des Plotinns, wo er in einer ErOrieruai; 
den Tolksthümlichen Einwarf macht (IL 1* 6* p* 101« p* 189' «d. 
Oxon.) : „Aber die Erde in den Himmel an erheben, wird man 
einwenden, sey gegen die Mainr und ihren Ordnungen schnarstral»- 
sowider^^ and im Verfolg, nachdem er Plaio*s Ansichten berahri- 
hat: (p. 102) A. p. 190) «»Wir aber, gewohnt das Irdische in ein«» 
schlimmern Sinn an nehmen, benennen Erde nar Eins, da doch Pis- 
ten Terschiedene QnalitAten der firde feststellt'^ Man rergi» Pl»- 
tou^s Tiniaens p* 31- 43» Öi aqq- ; und bei dieser Gelegenheii aaell- 
aber die Platonische Lehre von der Demeter and Erde Tim« p. 4€^ 
mit Prorlns in Tim. p. 282 nod Plotio. p. 419» C. 423» C Cr. 



ikr Ende in der bei solchem Mfiterial m^Udi gewordenen 
philosophifldien Sdilussbetrachtung , das» Athene, mit Gin, 
ttimlich einer Olympisehen, einem Ramne der obersten Schöp- 
fang eines nnd dasselbe seyn konnte , dass beide eben so fiäg- 
Beb in einer Gottheit früher umverseUer Anschauung als Gäa 
«nd Beisitzerin des Zeus zusaimnengefasst seyn konnten , dass 
Athene die Medusa als Mondgöttin tragt und auch die Bei- 
flitzerin des Zeus auf einer Attischen Terracotta die Mond- 
«dieibe fuhrt, endlich dass der Begriff eines himmlischen Mon- 
te, einar über alle tellurische Einflüsse erhabenen Materie der 
Schöpfung, nicht blos der Athene bezeugt wird, sondern auch, 
was in solchem Zusammenhang ein Orphi»chea Zeugniu mehr 
n Ehren bringt als für den gegenwärtigen Zweck nothwen- 
dig macht , der Olympischen Gaa. » 

Ich war selbst im Vorgehenden in dem Fall Orphische 
Stellen als ächte Ausdrucksweisen uralter Götterlehre aner- 
kconen za müssen; und wenn, wie wohl nicht geleugnet wer- 
den kann, ein grosser Theil der Orphika von Pythagoreem 
gedichtet sind, so muss man diesen in solchen nicht seltenen 
FUen in soweit eine gründliche Erkenntniss in den früheren 
nterUndischen Religionen zuerkennen; nicht minder dem Pia- 
ton und den Piatonikern (von welchen letzteren wohl auch 
■anche Orphische Verse herrühren mögen}. Aber auch wo 
letztere, frei von Orphischen Formen und Redeweisen, der 
altgriechischen Culte und Gottheiten gedenken , verdient nicht 
allein Piaton selber (davon hat diese Erörterung schon meh- 
rere Belege geliefert} sondern auch die besseren der Ale- 
landrinischen Platoniker, wegen einer tiefem Einsicht in das 
Wesen der vorhomerischen und vom Einfluss der Dichter auch 
nachher unabhängig gebliebenen Stammreligionen Griechenlan- 
des, grössere Aufmerksamkeit als ihnen bisher zu Theil ge- 
worden. Dafür möchte auch die Wahrnehmung sprechen, 
dass geistreiche und tiefe Mjthoiogen, wie unser Verfasser 
iit, ohne es selbst zu wissen auf halbem Wege oder auf 
demselben Standpunkte mit solchen Piatonikern zusammeif- 
(reifen. ^3 — Ich habe mit gutem Vorbedacht gesagt : die he$- 

1) Hui lese s. B. wu Gerhard in des Hjperb.-Röm« SladiMi 

4* 



aeren unter den Neuplatomkem ; denn vor allen Dingen ist 
unter ihnen wohl zu unterscheiden, und sind Jamblichos, Olym- 
piodoros und Hermias als Erklärer von Griechischen Mythen 
und Symbolen nicht auf gleiche Linie zu stellai mit Plotinos, 
Porphyrios und Proklos. ^') Aber auch bei diesen besseren, 
zumal beim Porphyrius müssen wir auf der Hut seyn, wenn 
sie, im Gedräng der Polemik gegen die christlichen Lehren, 
den Mythen, Gebräuchen und Symbolen des wankenden Hei- 
denthums durch gezwungene Deutung der letzteren eine Stütze 
unterzulegen beflissen sind. In solchen Fällen hatten manche 



I. S« 43 ^om Samothrakifchen Hermes als Sjmbol der stets regsamen 
Sonnenkrafi sagt, und rergl* damit Ploiio. p. 321 sq. , wo tod dem- 
selben Hermes die Rede ist. Eben dort ist aach in der^Eröriernng 
des Gegensatzes von den Gallen der Kjbele die Rede; denn an die 
ayopoi mnss dabei gedacht werden, nicht wie Ficin diese Stelle 
missrerstanden hat. Kicht minder verdient was Gerhard ebendaselbst 
S. 56 Aber den Samothrakischen Ursprung des Homerischen MAhr- 
chens von Ares und Aphrodite rermnthet mit den Auslegungen der 
Philosophen und namentlich Platonischer verglichen sn werden. (Man 
lese den Eustathins su der Stelle Odyss. VIII. 266 eqq. und ver*^ 
gleiche luliani Orat. IV. p. 150.) — Was die Orphischen Hjmnen 
betrifil, so ist es vielleicht ein wenig zu allgemein behauptet, aber 
im Gänsen doch gewiss richtig, was ein mit fleht antikem Sinn begabter 
Schriftsteller (der Herzog von Luynes in den Annali del lustltuto 
archeologico Vol. V. p. 246) dariüber sagt; „Au reste, celui qui 
antrefois' composa les hymnes Orphiqucs , a certainement vouln y ez- 
primer toutes les id^es religieuses les plus antiqnes, et par con« 
sequent, nous a laiss^ des notions tres importantes snr la premi^ro 
theologie de la Gr^ce.*^ 

l) Das ist mit ersterem im Aglaophamus pag. 109 geschehen; 
aber wie? Man lese: „Mytborum iuterpretationes allegoricas raris* 
slme nee ultra Piatonis exemplum affectavit (Plotinus), hoc uno no- 
mine reprehendendus quod qnae ille per iocum animiqne causa dixit, 
in serinm vertit.*^ Ich will dem gelehrten Verfasser nicht die Be- 
vauptung unterschieben , als habe Piaton mit der Allegorie überhaupt 
nur seine Kurzweil getrieben, weil im Kratylos und anderwärts iro- 
nische Aeusserungen darüber vorkommen, denn wer, der die- Bächer 
vom Staate und die Rede des Sokrates im Gastmahl durchdacht hat — « 



Kirchenväter Recht, wenn sie iiber ^ewungene Lehrweusie ^) 
Klage f&hrten. Im Allgemeinen aber ist bei ihren Auslegungen 
der Mythen und Symbole ein gewisser Alexandrinischer Spi- 
ritualismus, womit sie die altmythologischen Elemente auffas- 
sen , von diesen selbst zu unterscheiden. Sie nehmen manch- 
mal aus volksthändicher Denkart und Sprache naturlich er- 
wachsene Allegorien zu abstrakt, zu metaphysisch — aber 
darum sind ihre Auslegungen nicht geradezu als fiilsch zu 
bezeichnen. ^3 Richtiger hat ganz neuerlich Cousin Q diese 
Seite der Neuplatoniker betrachtet, auch richtiger den sehr 
verschiedenen Werth dieser mehrere Jahrhunderte von einan- 
der entfernt gestandenen Philosophen unterschieden; denn 
mudidem er eine allerdings sehr verunglückte Ausdeutung, 
die Olympiodorus von sogenannten kosmischen Herrschaften 
{ßäöikBiat) der Orphiker gegeben, vorgetragen und erläutert 
hatte, schliesst er mit folgendem unstreitig eben sogerechten 
als billigen Urtheil. ^} — Da ich jedoch erwarten muss , man 



kAanie so eiwaa behaapien wollen 1 Aber aoch wer die EDoeaden 
lindirt, und überhaupt ao« dem nicht Wenigen, welches wir ron 
PtotiniM wiMen, aich mit dem Geiste . dieses geistreichen and oft 
witagen Philosojphen bekannt gemacht hat — wer, sage ich, möchte 
ihn wohl fdr einen solchen €vtj9ijg halten, .dass er nicht an unter- 
seheideo rerstanden, wo Piaton im Ernste oder im Scherso ge« 
iprochent 

1) Karyvayxaoiiivfj dvöSoöiq. 

2} Wie doch der würdige Em^rio Darid (Introdnction cum Ju- 
piier L XVI) ihnt: „Les explications qne lea N^oplatoniciens don- 
■oieni des allegories religienses ötoient plos metaphjsiqaes, plus ab- 
draiies qae celles des aatres mjtholognes, et on peat dire qu^elles 
Hoieni faaases.^* (!) Daher es aach (pag. LVIH) dem Fröret zum 
Vorwurf gemacht wird, dass er sich dem Nenplatonismus sn sehr 
ergeben. — Ich möchte eher sagen, zuweilen zu sehr der blos rer- 
standesmflssigen Reflexion. 

3) Im Journal des Savans 1834 f Jnillet p. 428 sq.: „Sans 
doute on peut trouver dans les philosophes d^Alexandrie quelques 
Hmi^res rares et douteuses snr les anciens religions de la Gröce, 
mais ce a'est pas hi ce qu*il y faut chercher^* etc. 

4) a. a. O. p. 430 eq.: nAanirement il j aoraii on ridicule 



%verde mich von mehreren Seiten im Verdaeht einer gewissen 
Vorliebe zu Schriftstellern haben, denen ich mehrere Jahre 
hindurch meine Studien gewidmet, und ihnen demzufolge auch 
als Zeugen in Betreff der alten Religionen ein grösseres Zu- 
trauen schenken 9 als sie verdienen, so will ich zum Schlosse 
dieser Episode einen der gründlichsten Archfiologen und My- 
thologen statt meiner sprechen lassen , der sich gerade in dfe- 



extr^me ä donner ceiie ioierpreiaiion pour TexpreMioii* de l*anci6B 
pai^iime; maia c'esi im exemple, doai la mani^re dea Alexandrioi 
a*j preoaieni pour tirer qnelque moralii^ dea mjihea popnlairea, et 
J0 eonvien$ hun voloniihreM qu9 e€t ejfempU €$i mn de$ moin9 kmh 
r9ux^ mai$ ü na /aui poM ouBlier que Mona 9omwi»9 iei «i 
VIe ai^cle.^* — - Doch daa Zeitalter allein macht hier den Unter» 
^chied nicht ana* Denn welch ein gukM anderer Mann iai noch im 
5- Jahrhundert der Platoniker Proclnat Er rerband mit aeltener 
Originalität ana^ebreitete Kenntniaae, nnd anchte in aeinen Aoale- 
I^Dgen den Pflichten der Kritik Genfl^ in leiaten« Diea lühml 
Henri Valoia^ aelbat ein ^oaier Kritiker, ron ihm (H. Valeaii de Cri- 
iica I. 20) : «»Sappetnnt etiam alia argfnmenta, nt Prodam philoao« 
phnm iu Criticia exercitatnm fniase credamna** und nachdem er anf 
dessen Commentare dber Platona TimAua nnd Republik rerwieaeBf 
nnd bemerkt hat, wie Proclna zwar die EnihflUnnj^ dea innem (hmtf 
fog^iflchen) Sinnea der Platonischen Schriften üAr die Hauptaache 
halte 9 fifthrt er fort: „Idem tarnen aenaum illnm Terbornm exponit 
dili{^entissime , iameisi illum spernere videatur, ac prae altero nihili 
dacere; et quoiies aliqua vox occnrrit obacurior, quae lectorem anti- 
qaiiatis i^uarum possit morari, eam stndiose explicat.** -* Auch aind 
Ja die noch vorhandenen Scholien aber Piaton ^rösstentheila ana den 
Commentarien des Proclus entnommen. Die Griechen achreiben die- 
aen Namen: IIqoxXo^ (Ilpoxvkoqy anch wohl jETpoxot^Xo^, a. Dio- 
nis Excerpta in Scriptorr. Veti. nora Collect. Vatic. cd. An^el. Mai. 
II. paf. 108) 9 die Lateiner Proculna nnd Proclus. Letztere Schrei» 
bnng^ missbillii^ Lobeck (A^laopham. pa^. 115)* Wenn ich sie den« 
noch fortfahre 9 ao leitet mich dabei die hergebrachte Sitte, der anck 
Valesiua folgte, aber auch was ich im Prooemium ad Prod. in Pin» 
ton. Alcib. pr. p. XIV fiber diesen Namen beigebracht, und, anaeer 
den ron Gruter (Thcs. Inscr. II. p. CCXLV dea Index) gegebenen 
Belegen , sind mir neuerlich mehrere Römische Inschriften mit bei« 
den Schreibungen Pmcoloa nnd Procloi rorgekomment 



Sem Punkte »i Chmsten dieser Platonlker noch Tiel stibrker' 
erldirt^ als ich selbst gethan, und mit einer ordentlichen An- 
UtLge geg&a dia Neueren wegen Vernachlässigung dieser 
Autoren hervortritt *} 

Ich kehre zur hieratischen Bildnerei zurück, und fuge 
»m Beweise, dass aus denselben alten Vorstellungen die Ge- 
wohnheit, Gottheiten als doppel«- oder mehrgestaltet zu bil- 
den , sich auf mehrere €ultusidole ausgedehnt habe , und zwar 
bei versehiedenen Völkern , noch einige Beispiele hinzu. Hier 
begegnet uns zuvörderst ein vierhändiger Apoüon; ^3 ein 
zweiköpfiger Silenos auf Münzen von Thasos; ein zweiköpfi- 
ges Weib auf denen von Syrakusa ; ^') ein dreiköpfiger Her- 
mes au Ankyle , ein vierköpfiger im Keramikus zu Athen. ^3 — 

1) -Zoi^fa in seioen hasdschrifilichen Aomerkoniren so Sainie- 
croiz Recli«rchci fnr lo« mjsierea Paris 1784; welchen Aaszag ich 
einer güü^n Miiiheilang dee Herrn K. Sehvrenck, Profeefors am 
Gjrmnaeinm xa Frankfurt a. M. verdanke: ,|Se Saintecroix aFesse 
leüo Froclo in Inogo di citarlo depo Meureio , arrebbe pensato molio 
pia chiaro eopra qnesio e eimiU ofr^eüL I noetri moderni ei dUer- 
fono n fcreditare i 'Neoplaionici, non §b se per rbparmianii la faiica 
fintenderli , o forse per deTobare al ?o1go qnel Inme, che efsi ed 
9§m soIi ei danno sopra il rero eeneo deli* aniica lacra niiiolo§^a. *^ 

2) Ubanias in Aniiocb. I. p. 340 ed. Reiakex Olop ip *dit6k' 
hB¥oq rerpdxeipog dydkfictn. 

3) Eckhel D. N. V. II. pag. 54. I. p. 246- 

4) Harpocration p. 334 Gronov. Hefjch. I. p. 1439 Alb. Pho- 
iii'Iiez. Gr. p. 16 '«d. Ponon. Lipe. Tergl. Pbilochori fragff. p. 45 iq. 
miiSiebelifl nnd K. O. Mallers Handb. der ArchAol. S. 46* 2. Anag, 
-— 'Frdher als die eigentlichen Hermen ?eriraien Steine die Stelle 
der Colinsbilder, worfiber das ansdräckliche Zengniss des Pansaiiias 
vorließ (VU. 22* 3 von den 30 Fiereckien Sieinen an Tharae , jeder 
nach einem Gotie genannt; nnferkennbare Bezeichnnng tod 30 Ka- 
lendeSf^Aüern der Monaisiag^e); rom Himmel ^fallene Sieine, gesalbte 
Sieine, Lanzen, Holspfahle, sodann mit Anffignng Ton KOpfen, Ar- 
men, Phallen ( somii eigentliche -Hermen, xnm Tbeil als TrAger 
ron Rathseln , ?on SiüensprAchen (llipparcb. anter den Platonischen 
Dialogen p. 228 sq. p. 238 sq. Bekker; O. Sluiter Lecti. Andocidd. 
p. 37 sqq. vergl. Symbolik I. S. 24. 77- 176 ff. 2. Ansg. u. K. O. 
HiÜler a. a. O. S^ 44 IL). 



Die ciiie Iiusehrift auf dem Atheniachen Hermes bei Hiato Q 
unten an^fuhrten Orte}, dass er sage; er stehe zwisehen 
Stadt und Landgan in der Blitte, sowie «das Zeugniss des 
Harpokration (a. a. 0.}, dass ein dreiköpfiger Hermes in sei- 
nen Aufschriften den Wanderern Beseheid über die Wege 
gebe, erinnert ganz natürlich an den mit dem Hermes \er^ 
wandten Italischen Gott Janus. Diejen^e Seite dieses wm^ 
derlichcn Wesens als eines Pfortengottes oder als eines per- 
sonificirten Ein-, Durch- und Ausganges hat ein scharfisinuH 
ger Alterthumsforscher Q sehr lehrreich und richtig, obwohl 
einseilig entwickelt; und vor ihm schon hatte ein Veteran der 
Archäologen, ohne diese Seite zu übersehen, in einem rä- 
cheren Ueberblick auch die solarische und kalendarische Be- 
deutungen dieses Janus oder Dijanus genügend nachgewiesen, 
und dabei den Satz aufgestellt, dass er ein aus dem Orient 
eingewanderter Gbtt sey« '3 ^^Q meines Bedunkens diese 
Abstammung sich in ihren verschiedenen Gliedern nachwei- 
sen lässt, und dieses Gebilde unsere Beispielsammlung hiera^ 
tischer Bildnerei in ihren grösstentheils morgenlindischen 
Entstehungen deutlich vor Augen stellt, so will ich eine Be- 
trachtung darüber hier niederlegen« ^} 

Grosse Schwierigkeit hat der sonderbar gestaltete Janas 
auf einer Goldmünze *} des Kaisers Gallienus , mit der Unn 
Bchrift: «Dein Vater Janus.» Dieser mit dnem bärtigen nnd 



1) BatimaiiD flb«r den Januf , jeizi in decaen Myiholopis H. 

Ä. 70 ff. 

2) Bötiiger in den Ideen snr Kunfi-Mjiholofpe, frOber iheil- 
weile Torgeira^en nnd snent sniammen^efielli in dieiem Bande I« 
Dresden 1826, S. 247 ff. 

3) Aus meinem An&ais: Zur Kritik der Römischen Kaiserge- 
«cbicbie in den Wiener Jabrbb. der Liierainr B. LXU, Anbang, 
f, 55 f.; bier mit einigten Aendernng^en nnd ZnsAtxen. 

4) Bei Peller in Melanfr. I. p. 166 mit pU V. nr. 9- ver|rl. Eok- 
hel D. N. V. VIL p. 396 ^q. Hier die Besehreibnnff s „/mio fls- 
iH. lanns biceps ▼nliu nno barbato, altero imberbi, stana iofaias, 
dextr4 paieram, sinisira seepirnm.^ Bine andere Kaisermftnae mit 
einem stehenden FierkOpfigen Janus bat Böttifef a. a. O. Tafel II. 



■it emem miMrtilgeii Doppelhaiipte versehene Gott setzte ai^ 
mBem grossen Deotsdien Nmonanatiker in Verlegenheit Er 
hatte frflher den Sats aufgestellt, der Römische Janns sey im- 
■er mit swei birtigen Gesichtern abgeMldet worden. *3 Nnn 
aber gestand der trefflidie Mann ehrlieh zn, dass diese Mfinze 
der Meinimg derer ein neues Gewicht 'gebe, welche behaup- 
ten , Janus komme auch mit bSrtigem und unbfirtigem Antlitz 
▼or. Endlich blieb er aber doch bei seinem früher behaupte- 
ten An8q>ruch, und schloss mit der Beinerkung, entweder sey 
bei der Abbfldung in Pellerin's Werk ein Fehler vorgegan- 
gen, oder man mdsse annehmen, in der Gestalt des Janus sey 
■ diesem Zeitalter eine Aenderung der alten Darstellungs- 
weise gemacht worden. Dagegen erkennt ein anderer Ar- 
chiolog aus Anlass derselben JüfinKe das hohe Alterthum die- 
«er Yerschiedenheit der zwei JanusgCBichter an, und bemerkt 
dabei, dafflr legten auch in Campanien geprägte Münzen ein 
Zeugniss ab. *3 Beiden Gelehrten scheint die treffliche Erdr- 
lerung E. Q. Visconti'f« Aber die in antiken Bildwerken vor^ 
konmenden doppel- und vielköpfigen Wesen unbekannt ge- 
Uteben zu seyn. *} Der berühmte Italienische Archiolog lei- 
tete mtt Recht alle diese Wesen aus den morgenländischen 
Bdigionen ab, woraus sie in die altgrüBChische Theologie 
Aergegangen, und handelt dabei auch vom Janus, der kei- 
aeswegs der Italischen Beligion ausschliessend angehörig, 
sondern mit Jenen zwei-, drei-, vierköpfigen oder vieUugi- 
gen Grestalten der altgriechisichen Symbolik , wie Phanes , Dio- 
nysos, Hermes, identisch und aus derselben Quelle herkömm- 



ig. 1 gelieleri; man ver^L daiu die Beilag» über die Bildwerke in 
Beaebna; anf Janne S. 257 ff- 

1) Bckhel D. N. V. L p. 201. ^er^L Tom. V. p. 213 »^q- 

2) Süöfflit* in der Distribatlo namomm familiaram Romm. ad 
UfOB accomnu Lipe. 1830, p. 30« Ich haue ffewaufchi, dieee Cam- 
fttieehea MftBzen wAren namhaft gemacht worden« Frflher hiell 
Stiesliis mit Sckhel dieee Abbildun^r dee Janoa fflr eine Neoeron^ 
(i. deeeea Verinrh e* Einrichion^ antiker Mflnuemmlnngen, S. 149)- 

3) Dem nmfichtif en nnd aUbeleieneB Bötti^er nicht (rer^L a. 
•• O. 8. 256 £}• 



fich sey; wobei Visconti sudk die doffeVk&p&gen Figuren «of 
Griediisdien Mäxami von Kanuirma in SiotUeU', von Tenedoo 
und von Athen betraditet; endlich auch ne^f^ wie Hennes 
2tt dieser Doppelgestalt gekonunen j und wie man daher dm 
Janus mit dem Hute (Petasos} auf Bronzen der Latiner «ben 
80 wohl einen Janus mit dem Hermeshute nennen könne, als 
einen Hermes (Mercnrins} mit swei Gesichtern* *} Weiter 
ist dieser Gelehrte auch geneigt, das nnbärtige Gesicht an 
jenen Janusköpfen für ein weibliches so halten^ mit AndeiH 
tung der alten Vorstellung vom Doppelgeschlechte des Janus, 
welches letattere beim Phanes auch durch doppelte -Geschlecht»- 
theile dargestellt worden. ^} — - Ich kann in diesem allgemei- 
nen Theile ins Einzelne nicht eingehen, sondecn will nur, mit 
Bmbringung der nöthigen Holfissätze, in einer gedrängten 
Argumentation die SoUossfolgenuig auf den Ursprung und 
die Wanderangen und Metamorphosen dieses sonderbaren 
Wesens ziehen. Da auf Etrurischen Mtinzen, namentlich auf 
den Dupondicn von Volterra, Janus auf der einen Seite und 
der Delphin auf der andern erscheint; '} da auf Römischen 

1) Im Mnieo Pio-ClamaBi. Vol. VI. p. 12 «q« und Tom. VI. 
p^C- 67 «qq- der JHailflodfer FnunStisohen Aoigabe, mit der Snppfo- 
manttafel B. III. Die Mänxe von Tenedo« ist sehr deotlidi abf ebil- 
dei im Appendix zu Laor. Begeri Obieirv. ei CoDiecit. .io namismm. 
aotiqq. p. 61* ' In der Doppfl^eatali auf der Maii7o fod Kamarina 
mit dem Ei in ihren Bflnden, mit dem Bacchosstiere menschlichen 
Antlitxes (Heboa) darunter ist Phanes anzuerkennen. Das mann- 
weibliche Doppel hanpt auf den sirei Mflnseo fou Athen nenne ich 
Kekrops, und zwar in der Bedentnnp, die rermnthlir.h der Geschichi- 
schreiber Theopontpos dafon ang^egeben • (Instin. II. 6 s Quem Ce- 
cropem, ut omnis antiqnitas fabnlosa eaij bilbrmem tradidere, quin 
primns marem fcmiueo matrimonio iunxeriii Verffl. meine Vorrede 
SU Ephori fragg. ed. Marx. p. IX). 

2) Hierbei müssen auch die Hermen mit drei Köpfen und drei 
Geschlcchtsthoilen in den antiken Bildwerken von Gerhard Cent. I. 
Heft 3« Tafel XLI. Nr. I "^5 beracksichtif^ werden, die der Her» 
ausgeber als Samothrakische Gottheiten bezeichnet. 

3) S. B. B. Inifhirami^ Monom«nti Etmschi Tom. lU, tar. I. V. 
Ich mache hierbei noch auf den Widderkopf neben Janas and Del- 



Aflsen die Vorderseite den Doppelkopf des Janas zeigt, die 
Kdirseite das Yordertlieil eines Schiffes; da die Sage den 
Janss mit einer Frau Kamasena zu 'Schiff nach Italien kom- 
■en Usst, da er immer mit dem Wasser in Verbindiing ge- 
setzt wird, xofiaa^veg aber in Phönizischer Sprache Fische 
bedeutete ; '3 ^ '^^^ Chaldäischen Sagen Xisuthros mit sei- 
nsr Fran uiid Tochter und mit dem Stenermanne seines Schub 
■nter die Götter versetzt worden ; *} da unter den Avatara's 
der Indischen Theologie eine ausführlich erzählt wird, wie der 
Oett Yischnn als Fisch die verlomen Yeda's ans der Tiefe 
des Meeres wieder heraufgeholt, mid dadurch den Hraschen 
das Cresetz anfe Neue offenbart habe; da wir endlich in den 
von Berosos und ApoUodor aufbewahrten Mythen der Babylo- 
nier- vernehmen : « Und im ersten Jahre sey aus dem roüien 
Meere an der Babylonischen Küste ein ungeschlachtes Thier, 
Nanois Oannes C^^^^V^^ heraufgestiegen, welches ganz 
md gar den Leib eines Fisches gehabt; jedoch habe es nn^ 
ter dem Fischkopfe noch einen andern Kopf getragen und 
«Dten Fusse gleich denen der Menschen und eine mensdiliche 
Sprache; Q und dieses Thier habe am Tage im Umgang mit 



phlo aulmerktaiii; und so wird ei wohl keinom Zweifel unterliegen, 
4am hier der kalendarische Sonnengott im alten Jahresan&ng, im 
Debergang rem Zeichen der Fische in das des Widders sn denken 
ist, wie denn im Italischen Sonnen- und IMondcnlias dieser Djanns 
aeben der Sjana (Janns neben Diana- Lnna) seinen Plaia hatte« — 
Ich will doch bei dieser Gelegenheit bemerken , dass gans nenerlich 
hier aa Lande anf einmal eine ganse Ansahl solcher Dnpondien in 
den Handel gekommen; d. h. man hat mit nachgegossenen anf die 
Kanflnet numismatischer Dilettanten specnlirt. 

1) Symbolik II. S. 895 ff. 2. Ansg. 

2) Fr. Mflnters Relig. der Babjlonier S. 21. 

3) Eosebii Chron. ex Armen, edd. A. Hai et Zohrab. I. p. 6 — 10; 
Syncellns p. 39, B. Tergl. Apoliodori Fragg. ed. Heyne p. 409 und 
Berosi Historiae ed. Richter p. 48 sq., p. 57« — Sine mit einer 
Fisrbhant Aberzogene Figar anf einer Gemme nnd in einem Relief 
des Wiener Antiken -Cabinets wird wohl auch diesen Babylonischen 
Oaanes mnlelien (vergl. K. O. Maliers Handb. d. ArcbAoL d. Kunst 
6. 629 Anmerk. 5). 



den Measchen gelebt , ohne Jedoch Nahrung zn sich zu neh- 
men, und habe sie Schrift und Wissenschaften, Städte- und 
Tempelbau, Gesetzgebung, Abmarkung der Grinzen und das 
Einsammeln der Früchte gelehrt;» — da alle diese Angaben 
mit den mythischen Ueberlieferungen und Bildern von Janus 
zusammentreffen, so möchte es, irre ich nicht, auszusprechen 
erlaubt seyn: Janus ist Oannes, und Janus, der Gott mit dem 
Doppelhaupte, mit seinem Fischweibe Kamasene QKa[jiaot}vfj)j 
ist der aus Einem Leibe in zwei Liciber decomponirte Oannes; 
das heisst: Janus ist der durch das Medium Chaldäisch-Phö- 
nizischer Anschauungen durchgegangene Yischnu in derjeni- 
gen von dieses Indischen Gottes Wandelungen, wo er als 
Fisch die Gesetzbucher und mit ihnen die iSittigung bringt J 
Janus mit Einem Wort ein Indisch -Chaldaisch- Phonizisch- 
Italisches GebQde und Wesen. 

Dieser am[Aibische Wasser- und Landgott, dieser Fisch- 
Hensch und Androgyn Oannes -Janus könnte ein Telchini- 
scher Gott genannt werden, da wir oben gesehen haben, in 
welcher Verbindung in den Rhodischen und andern Sagen 
jener östlidien Küstenländer die Teichinen einerseits mit dem 
Meere, andrerseits aber auch mit dem Lande und seiner Cot- 
tur erscheinen. Zugleich bemerken wir hierbei , wie in jener 
Vorstellung von einem KÜfer-Zeus Spuren eines alten Syriseh- 
Phönizisch-Pelasgischen Thierdienstes sich zeigten; so im 
Telchinischen Mythenkreise nun aber auch schon Spuren des 
Uebergangs vom Thier- zum Bilderdienste sichtbar werden. 
Denn es heisst ja von denselben Teichinen, sie haben den 
Apis erschlagen und sich gegen den Stier- und Schlangen- 
gott Zagreus - Dionysos aufgelehnt j Q und wie sie dem Posei- 
don seinen Dreizack gefertigt , so haben sie auch der Telchi- 
nischen Athena (^A9ijvg, Tekxivt^') ein Standbild aufgericlH 
tet; ^) ja da sie überhaupt die ersten Götterbilder verfertig 

1) Apollodor. L 7. 6- U. 1. 6- Himerii Grat. IX. 4. p. 560 
Wemtdoif. 

2) CaUinoach. h. in Del. vi. 30- cf. Valckenaer in Callimaclii 
Bleg^. Fragff« p. 146« Nicol. Damaac. Frag^. p. 146 Orell. Barbier, 
ad Alciphron. L p. 75« lacoba* ad AnthoL Gr. II. 2« P* 177> 



und als solche Seonroioi genannt werden, ^3 so w£ren wir viel- 
leicht berecht^, aDe Ältesten Idole Telehini$ehe za nennen, 
sowie wir jetzt die ältesten Bauwerke in vorderasiatischen, 
Griechischen und Italischen Ländern CgUopitche benennen. 
Doch hierzu veranlassen uns bestinuntere Zeugnisse der Alten, 
wdche solche Geb&ude über und unter der Erde, sonst auch 
wohl Ogygische (d. l uralte} oder Pelasgische genannt , aus- 
drücklich als Kyklopische bezeichnen, indem sie einer Yolks- 
sage gedenken , welche jene gewaltige Steinbauten nicht von 
Menschen- sondern von Cyklopenhänden gefertigt glaubte. ^3 
Da es, wie bisher erwiesen worden, in dieser Pelasgi- 
sdien Büdnerei überall au£s Bedeutsame abgesehen war; da 
diese ans Pelasgischer Königs- und Priesterperiode herrüh- 
renden Schatzhäuser (9ijaavQoi)j Tempel und Grabmäler zum 
TheO in ihrer Construction etwas Domartiges und zum Theil 
Kellerfihnliches haben; da sie, wie manche dieser Königshäur- 
ser, an den inneren Wänden mit Erz bekleidet gewesen; *} 

, II 

1) Diodor. V« 55* p* 374 WeiseL rer^h lo. Frid. GronoT. ad 
aiilii Theb. IX. 582. Die Telchinen werden saweilen mii den 
KyUopen in Yerbindang genannt (Valckenaer a« a« O. p« 145)* Die 
Mtntitfli der Teichinen mii den Knreien, Lelegem« Karem, Mj-* 
liera und Mtoniem hat Clavier (Hbioire des premiert iempt de la 
Qrkce) za erweisen gesnchi. Man •• W. G. Soldan Ueber die Ka- 
nr vnd Leleger in Welcker*f nnd Nflke^f Rhein. Mofenm fOr Phi« 
Uegie ni. 1. S. 92 ff. 

2) Tipvp9a doxil IlQOiTog retzioai did KvxkcSjraiP. Darauf 
wird Ton ihrer Siebeniahl geredet nnd ihr alter Name xsi^oydöxo»' 
(ktg oder yatnBQOXHQB^ angefahrt (Sirabo VIIL p. 230 Tuch, rergl. 
Pauaniae in dem Bericht von den Manern nnd Thoren des alten 
Hjceofl, IL 16* 4 und Hecataens Miies. in Historr. Graecc, anü- 
fniss. liragg. p. 71 sq. ApoUodor. II. 2. 3 mit Hejne p. HO). 

3) K. O. Malier in den Wiener Jahrbb. der Lit B. XXXVI. S. 
186. rergl. dessen Handbuch d. A. d. K. S. 30 — 32 und Thiersch 
Epochen d. bild. Kunst unier den Griechen S. 15 f. 2. Ausg. Ab- 
Uldangen Kjklopischer GebAude {Kviikoiitsia) bei Will. Gell in 
4. lünerarj of Greece, besonders in der Abiheilnng Argolis London 
1810t ^^ ^"^ mehreren Griech. nnd Italischen Landen: Dodwell 
Views and Description of Cjdop or Pelasgic Romains London 1834, 



da ferner, wie wir g;eseben, in diesen PelftSje^chcn Cultai 

äie AnbetoQ^ des Himmels and der Erde die hervorü-eteDdea 
GnuKlgiedRnlien waren; da in dn anterirdisctieä ehernes Haus 
Zeus sich im goldenen Regen ans dem Himmel zur Dan« 
kerabgelassen habensoll; >} da wir in der KykIoi>ischen Bb^ 
von ArgoSf welche nach ihrem Stöhne die Bur^ des Kuryme- 
don, d. i. des Persens,') benannt war, jenes so zu sagen 
Eyklopisebe ZensbÜd mit drei Angen angetroffen haben: — 
«0 wSre es, meines Bedüokens, dem Organismus des alter»- 
f hCUnltchen Denkens nnd BOdens gana angemessen , wenn vA 
vermuthelen, dass auch jene primitive Architektur einen Kym- 
bolischen Charakter gehabt, und dass Jene Pciasgiscben Bao- 
ineister in jenen Domen unter nnd dber der Erde das Gewölbt 
des I£mmelB und vielleicht auch difc Wölfonng der Chlhoni- 
»chen Tiefe, den Schoos der Mutter Erde, haben nachahme» 
■wollen, und dass sie bei den mit Erz bekleideten, oder ehe^ 
^a HSusern ihrer Könige *) an ctas eherne, Olympische Hae 
ihres Zeos gedacht halki. 

Den Beschloss dieser Bei^iieteamjnlung hieratischer Bild- 

nerei mache ich mit Winkelmiuins *y ^ Worten ,. ddi so mehr« 

- da er dasselbe Schaitsbild des Zeus Uerketo» amll/atruos at 

Cölurt: «Die ältesten Kunstler der GiriBchen entwarfeu ihn 



nnd der Bmcbitficke der Bekleidung jeoer Gebande im Brititcbn 
nnieain bei Donaldton pl. 4 und 6- 

1) S. den Hjthiu beim Pherecjdee ap. Scholiait. ApoUeaü 
IV. 1091> vergt. Fherecjd. Fragg. p. 77 ed. Start. 

2) Ktymol. M. p. 687- ß- — t^» SvffVfiidovzos nükcv. to«- 
iari TO 'A^yo^, EÜQVfiiSuiv Sa ä Bepaevi exakelro. vergL B» 
fhorionii Fragg. p. 68 ed. IHeinake. Auf de» Ferieiu Befehl nD- 
ien nacb einer andera Sage die Ky Uopen die MjcenSisclie Barg «r- 
bant haben (Hnichke AnalecU litter. p. 339)- Da«i die Kykl^ 
ah Himmel aucliauer la nehmen eiad, i*t im traten Abichnitt« benÜr 
bemerkt worden. 

3) x^^i"' olxoi Heiiodt Tksog. *•. 149. x**^^°''^'H ^^^ 
(Säfia) ^t4s, Uia^ I. 426* XIV. 173. , 

4) VmmA dMT AÜBpiri* bwoDtev ftr dw Kmt (Wh 
«. 460 C BMMi. »Niia. Any.). '. >% 



Bilder mehr iiadi der Sentiiiig als^ wedtoelsweise, das ist, 
die B^;riffe der Schönheit wurden den symbolischen Yorstel- 
hngen an denselben nadigesetzet , fea der Zeit, da die Schön- 
lieit noch nicht der höchste Endsweck ihrer Künstler war. 
Von dieser Art Alle^rie war die Furcht mit eiiiem Löwen- 
Kqrfe auf dem Kasten des Cypselos 2a Elis , und ein Jupiter 
aas Hole, welchen Sthenelns sollte aus Troja entfifihret haben» 
«. s. w. Also die Westen Götterbilder waren noch blosse 
symbolische Zeichen, und nur Nothbehelfe, um den Ahnungen, 
Gefühlen und Vorstellungen, die sich jene Pelasgischen Stimme 
Yoa der Gottheit in ihren yersdiiedenen Beziehungen gebildet 
iuMen, als sinnliche Anhaltspunkte 2u dienen. 

Von den Altesten Römern versichert ein vollgültiger 
Zeuge, ^3' ^^ hätten über hundert und siebenzig Jahre lang 



1) Varro ap. Angosiin. da Cir. Dei IV. 31s ,|Aniiqnofl Roma^ 
BOi plus annof ceninm f epiaagiDia deoi sine simalacro colaisse.*^ Pia- 
iarch in Nnma VIIL p« 116 Coraj. fa{^ von dieiem KOoig: Ovxo^ 

Vofiicuovg pofii^UP» Wenn Plniarch den Anachronismus be^hi, 
disM reinere fteUpoatbefriffe dea Nnma ana feiner Bekannischai^l 
■M der Pjtkagoreiachea Philoaopkie su erklären, ao berechtigt dies 
aeeh niehi dieaen büderkifen Göüerdienat dea Nnma und feiner Rfl« 
■ar mit Heyne (Opaacc. Academn« IL 71) fOr die irrige Vorfiel« 
lang, die fich ein apaterer Philofoph ron diefem Kdnig eingeredet^ 
m erklären. Vielmehr ift Folgendea gewisa die richtigere Anficht, 
dfeBotttger (Kana^Mjthologie I. S* 251) fo auffprichi: 9,Ef ist fchon 
Aller hemerki worden, daae Nnma, dem Anatiaehen Sonnen- nnd 
■anddiemt hnldigend, und einem reinem Fenardfenft nnd Bfagif 
aogetlHin, (weairegen feine Schriften anch fpater rerbrannt wnr- 
, weil aie der Staatfreligion widersprachen) eigenflich ein Son» 
■andiener war, und dem Fever, alf Reprafenianten def allerxengen- 
dan Liehtprinaipa, im Veftadienet bildlofe Tempo! und unblutige Al- 
llre weihete/* Da nnn die angegebenen 170 Jahre mit der Regie« 
nug Tarquiniuf dea Alten (d. h. wohl mit der Eirufcifch- Griechi- 
ichen Tarquinierhermchaft Aber Rom, K. O. Malier Eimsker I. 
Sw 120* 383) anaammenlallen (Zofiga de Obeliscia pag. 224 fq«) — 
fa dürfen wir wohl annehmen, dasf dorch dieee Einfiflffe damals 
laerft die Dil ietiles EtnuiBomm, d. h. Btniacifch-€Meehische 



I 



ihre Gottheiten ohne Bilder verehrt ^ und ein anderer leitet 
diesen bildlosen Colt sogar von dem Verbote des Gesetzge- 
bers und Königs Numa her 9 dessen reine BegrilFe von d^n 
Wesen der Gottheit jede Abbildung derselben in menschlidier 
oder thierischer Gestalt für unwürdig gehalten haben. Für 
die Griechen spricht 9 meines Wissens, kein ahnliches Zeug- 
niss. -^ Spuren von altpelasgischem Thierdienst, fortgepflanzt 
in den lebendigen oder nachgebildeten Attributen Hellenischer 
Tempelgottheiten, haben wir bereits angetroffen, und gans 
allgemanen Bilderdienst bezeugt Piaton in einer bemerkens- 
werthen Stelle, wo er sagt: «In Betreff der Götter bestehen 
bei Allen doppelte Gewohnheiten und Gesetze; denn ein^ 
Götter verehren wir offenbar ^ da wir sie sehen, von andern 
stellen wir Bilder zur Verehrung auf, und wenn wir diesen 
huldigen, obwohl sie seelenlos sind, glauben wir, Jene leben- 
digen Götter erwiesen uns deshalb Wohlwollen und Dank- 
barkeit» >3 Der Verehrung der erstem Götterclasse gedenkt 



Thonbilder der Goüheiien nutar den RAmern Eingao^^ befanden 
haben« 

1) De Le|^« XL 930 iq. p. 264 eq. Bekker. Ndi^oi nefl 
9£ovg oQXidoi xBlifvcu na^a Kaöi 8ix$* Tovg (jAp yag tcJip 
9auip oQcSvreg 0aq)(Sg uficSfÄePf xtSp d* ' elxopa^ dyakiiaxa 
ISQPodfiepoij ovQ rj[xip dydkkovtfi xaiiteQ d^nixop^ opragixei'- 
povg ^yovfÄcda zodg s[JL^fvxovq 9€Opg itoXi^p did raSr' evpouw 
XcU X^9^^ BX^iP* ^An könoie diece Stelle fflr rerdorben luili6B| 
und Ficin hat sich wirklich eine Freiheit erlanbi, indem er Abar- 
feiit hat: aatgse (nAmlich imapnes), io dais man aq statt ovq et^ 
warten tollte, wogef^n das f^leich folpnde opvag epricht« Auch 
aeigt sich nirgends eine Variante, und der Grand, warum Plalo 
dieses Pronomen, statt es anf das qAhere eixÖpaQ an besiehen, auf 
das entferntere 980vg beso^, und ovg — optag schrieb, erpebt sidi 
▼on selbst ans dem {gleich folgenden Gegensatz: ixe/povQ Tovg ifÄ^w- 
Xovg deovQm (Man vergl. über ähnliche Constrnctionen Heindorl xom 
Hipp, maior pag. 169 und snm Protagoras p. 687*) — Uebrigens hat 
Plntarch Vit. Alexandr. 21 fin. (p. 31 ) dieselbe Zasammenstellnng: 
dlj/uxovg eixopag dyakfjidTiOp^ nnd Wjrttenbach hat daron meh- 
rere Beispiele selbst aas Piatons Schriften gesammelt, im Index 
sam Platarch anter dydkfiavog €ixuip» Pms Piaton, wenn er ton 



Pltton im zmiichst vorher^hcnden Bache der Gesetze , wo 
er von den Griechen und Barbaren spricht, die in Freud' und 
Leid beim Anf- und Untergang der Sonne und des Mondes 
fawfiillig' nnd mit zu Boden hingeworfenen Körpern zu ihnen 
beten; wie er denn auch den AJcibiades erzählen lasst, dass 
Sokmtes selbst beim Aufgang der Sonne an diese sein Gebet 
vorichtet *) 

. In diesen zweiClassen von Gottheiten, wiePIato sie hier 
smidert , haben wir also den ganzen Inbegriff der altgriechi- 
schen Nationalreligion. Die sichtbaren Götter wie die Bilder- 
gfitter waren Elemeirtargotter ^ und der urspnlnglichc Inhalt 
der ganzen Götterlehre, so wie der Gegenstand der Pelas- 
gischr- Hellenischen Culte, wur nichts anderes als Physiologie. 
In demselben Sinne haben gelehrte Griechen *} selbst diesen 

ASUm spricht« hier doch lanAchsi ftii die Griechen denkt, sci^ das 
gleich folgende: verehren wir. 

1) De Le|^. X. p. 887, E. p. 182 Bekic. Sjmpot. pag. 220. 
p. 463 Bekk. Hfltte Herr Eineric David (Introd. som Jupiter p. 
CLXI eq.) eich dieaer letzteren Stelle erinnert, wo Sokratca eine 
tiefe Meditntion , die ihn nicht bemerken lieaa was nm ihn her vor- 
ginp, mit einem Gebet an die Sonne beendig, so hAtte er dem 
Diader, der die Stelle in Plato*a Apolo^e p. 26 fdr eine ironitclie 
Iwurrnnt; dea Sokratea erkUrte, so viel nicht sn^featanden , ala er 
{edian. UebrJj^ena hat ersterer ebendaselbst den altfolksmäaaigvn 
Semendienft der Griechen gnt nach|^eiriesen. 

2) Plntarch. ap. Enaeb. P. £. lil. 1. p. 83 ed. Colon. 7/ ita- 
hua tpvaio'koyia xai na^' 'Ekkj^oi xai TCa^a ßa^ßd^oig 
lojoq yp ipvatxoQ iyxexakvfifiipog [ludoig. — Um auch gleich 
die folgenden Beseichnnngen, deren ich mich snweilen bedienen 
»erde 9 an rechtfertigen, so sagt lo. Diaconns (p. 229 Heins, p. 
448 eq. Gaiaford.) von der Theogonie des Ilesiodns: ijuTiva Ötj 
ßißkop ^voioyoviav oluat xakeiv Seovj ort Tte^i tpvotmov 
tOßtSp y€piO€(OP deaXa[d.ßdpee. (Man vcrgl. das nngemein fleissig 
Mfgearbeitete Werk von W. /. C Mützell de emendatione Theo^^o- 
aiae Heiiodeao libri trea. Lipa. 1833* pag. 355 sq.) Auch TbeopAirn 
nannte man solche Theogonien. Isidor. Peius. Epist. I. 21« p« 7 
ed. Paria. Tag 'EKh^poiv d-eoTtoiTagy xat äg xakoSoi 9a o- 
yoviagj 'Og^eig xe xai 'OfujQog xai'Hafodog xai oöoi 

Crtuzer's deuUche SchriftCD. 1. 1- 5 



to 




denen BntwiekelmigeB wid ' Wadungeii der 
und Theolc^ bestfamte Benemnnigen so kiibe% m 
kein Bedenken djeeen^ und IB^ die fblgenden 
Griechiflieh^ItaBsdien BefigiodiigewMehte mmA efn%« 
j[;IeieMUIe den OriediiMshen SehriftiteUem ilkgOMpm 
einznfBliren, ebne sie deswegen Andern antdrii^Kerir ftlvKMI^ 
Jen* Dam des Gnndwtten der Oriechiedkeii *aB* 
Religkinen in der Yerehrtniif der kgr p er l i dten MnAnr 
den, habe Ml ab KrgebniM der Un(enadn^[[eB 
einfeielnen Gottheiten nnd Cnlte sehen in den erstott' 
dieses Werkes anerkenneh ttflssen, nnd diese mebM^ij 
namentlieh in der SehhissBetmchtvng äni'Bndl? der'sMetfBfei^l 
bestinunt ansgesproeheH. Wie sehr nun der 
VerAsser des i^altreichen Werlcs dber Jappiter hiertt üi 
mir fib^einstrännt) ist bereits fan ersten Absehnitte .diesarifr'i 
Ortemng , wo die Zeugnisse Sbeir die primitiv^ Pdläa{|{U^ 
KU Dodona n. s. w. erwogen wurden, bemerkt il^oi dpi i *) 




k«ki 




xar ixeipovg i3/3a^ap. CM^f^nÜieh b^merM^ wmhi üfailirdkl 

der Verfarti^iig der CMierbllder 4ea AupdrudL ^«egroMi 

tau, M miMbtUiiri TMvt L 13. p. 11 HenMfh. dii 

ab hart; welch* in den Iiczicie unbemerkt geblieben. ■ Thi 

nennt Jene dicbteriwhe Behnndlnng der Gotierlnhret 9«oX9)irin «nl|^ 

TiKlj (de Proradenl I. 11« pnf. 4*24 ed. Scbulse). Unn 

nach wohl eine solche Behnndhnig der * Theologie (. 

ArietoteL ftSQl'EQ/A. rergl. Hemeterh. in Po«tl. Grr. niiaogV.tt 

Gnielbrd. Tom« lY. p. 544) m: dia (jiV&oXoyia^ Kafm8m§tb 

t^» 9iokoyiapk ". -^ 

1) Symbolik nnd Mythologie IV. S. 551 f. 2* Anq;. i 4i 

2) In der Einleitong sn dieteu Werke nennt flimdrin 
jene elementaren nnd ZeitgOtter die redien ^ diejenigen kl 
welche dnrch Pereonif cntion , .Po€eie nnd Rildnerei eine b< 
Indiridnalitflt erhalten haben nnd als PereonalitAten mit Bewi 
und Willen handelnd vorgeetellt werden, die eymMheken^ 
daeelbst häl er (p. CXLI — CLXI) Aber' jene reellen (nai 
Gegenetlnde der Griechiechen CnUe im Binielnen dia Zengnii# 
Alten geeammelti «bar den Aether, Chnoe (Nndit, Umnnhi^ 
reenaekt, Tngnnmeht)» Wmeer (Urwarnnr, Okennee» gnmainnr^t 



MHk 



• j 



Hier will ich mr noch befAgen, dan die Stoiker im mmeü 
mt ihren BrUim^gen der Grieduschea GStterlehre auf dem 
rechten Wege waren: ■} obschen sie dem ailgemefaien Fehler 
aller sjrBtematiachea Philosophen unterlagen, diesen riditigen 
Gnndansichten sn viel ans ihrer Physik und Ethik (z. & dass 
sie den Zens sn einseit^ als feurige Weitseelo und univer- 
selle Phnridenn nahmen^ beixnmisehen. Doch möchten ^ir 
mit dk» alten Phiosophen lieber in selber und anderer Weise 
feUen, als mit einem der neuesten in der seinigen, welcher 
in fi»^;enden Sätzen das was Wunsd und Hauptsache der 
Griechischen Religion war, su einem SeitensprossÜng und zur 
Nebensache maehlt «Die Gött^ waren diesen Griechen (es 
ist von der öffentlichen Gottesverehrung die Rede} von der 
ethischen Seite die Stammväter ihrer Heldengeschlechter, die 
Gründer und Beschützer ihrer Staaten und der sittUchen Ord- 
nmg in ihnen, die Wacbter iber ihr flttis; nur wenig schim- 
merte ein allgemeinerer Gesichtspunkt hindurch, der im Zeus 
aach wohl den dlgemeinen Versorger erblicken liess, und 
andere Götter als Wohlthiter der ganzen Menschheit bezieh- 
aete. Jhitei fekUe mteh A'e pAymmtc Seite nidU^ indem die 
Griedien in allen Naturersdieinungen göttliche Krifte regsam 
ciMidüen, pnd ein tiefes Gefühl der Nothwendif^eit, nach 
wekher Alles in der Welt göttlichen Gesetxen gemäss sich 
geilaltety in ihnen nicht vermisst wird.» *) Zwar ist vom Ver- 

atr, ÜMeaeem^tB^ anMULMiendM), die Erde (in äfaren VerhiltiiiM iDm 
Hiamel, als Nihnmitter; ab RmpUm^eria and wiederbeiebeode Kraft 
br alle ia ihren Scbooa reraenkten Leiber , ab Mann (Tellnmo) nnd 
ab Weib (Tellne); die Sonne, den Mond nnd endlieh tber die an- 
dern Geeiime. — In wiefern ich mich von dem YerlaMer in der 
Aatichi trennen naia, dass er das deutliche Bewnwtsejn nnd den 
bbbaften Gedanken an dae anprAn^ich Elementare der GOlter bei 
den Griechischen Ydlkem sn hinge fortdanern lissi, davon wird im 
Veifil^ bei der HoBMrischen GMerlebre die Rede sejn. 

1) Cicero de N. D. L 15 berichtet darOber in Allgemeinen die 
Aasicbt dieeer FbibiOfhent ipsseque res ntües et salniares disenim 
esse Tocabnlis nancnpaias. Alan Tergl. was ich an einer der folgen- 
den Stellen (p. GS ed. Moeer et Cr.) bemerkt habe. 

2) Geschichte der Philosepbie Ton H. Ritter I. S. 142 f. 

5* 



fasser im smiichst Vorhergehenden' die Abkunft tder ersten 
Linien der Mythologie ans Asien» (hlos aus Asien ?3 <iim1 die 
aUmählige Umbildung derselben in die anthropiseh-Homerische 
bemerkt worden; ab^>Jene primitive Gestalt, die sie in Grie- 
chischen Landen selbst hatte, jenes Einfühlen in die Natur 
jenes physisch -magisehen Wesens der Pelasgischen Culte ist 
unbemerkt geblieben; und dann ist jene physisch -elementare 
Grundlage der gesammten Griechenreligion nicht zur Sprache 
gekonunen; eine Grundlage, worauf die Philosophen in ver^ 
schiedener Weise fortgdbant haben , und welche daher in 
einer Geschichte der Philosophie als ein Hauptmoment althel- 
lenischer Naturphilosophie hätte hei-vorgehoben werden sollen. 

IV. 

Physioiroiile; 

Orphkche und Heaodeüeha Theoganie. 

Mit dem ersteren Namen können wir nach dem Vorgang 
Griechischer Erkiftrer die erdfaltete' Phänologie bezeichnen. 
Ans den ob^en Andeutungen hieratischer Poesie hat sieh 
nämlich ergeben, dass in Orphischen Gesingen, obwohl nach 
Fassung und Form späteren Zeiten und zum Theil der Pytha- 
goreischen Schule angehörig , wenn wir auf dasjenige sehen, 
was ihr Inhalt alterthümlich- Beglaubigtes hat, die physiolo- 
gisch-elementare Vorstellung von den Göttern noch vorherr- 
schend w*ar. Wir lassen die genauere Betrachtung dieses 
Inhalts, welche ihre eigentliche Stelle bei den Dionysischen 
Religionen hat, vorjetzt zur Seite liegen, und bemerken nur, 
dass, da die Orphiaeke Theogonie, den Anfuhrungen der alten 
Schriftsteller zufolge, den grössten Theil der Griechischen 
Mythenkreise umfasst haben muss, und da die christlichen 
Väter den Orpheus allgemein als den Urheber und Verbreiter 
der heidnisch -Hellenischen Superstitionen bezeichnen , '3 if^ 
diesem Gedieht die spater hinzugekinnmenen Anthropismen 

1) liobeck A^laopliam. p« 465 iq- 



von doa ilterenphysisch-elcneiitareii YorateUimgen abson- 
dert werden mäasen« 

Aach in Betret des^HenoAm werde ich mich kurz Aasen, 
und mich auf folgende Beme^Iuin^n ober seine Theogotde be- 
sdiränken können: Angenommen 9 .was die Mehrheit der Phi- 
lologen annimmt 9 dass sie nachhomerjsch sey — wird doch 
anf dem Jets^n Standpunkte der Alterthmnskunde niemand 
«ch leicht mehr überreden lassen | dass sie zum Theil anch 
ans dem Homer geschöpft und mit eigenen vielen Zusätzen 
des Sängers vermehrt worden sey. '} £ben so wenig möchte 
die Annahme zuUssig seyn, dass Hesiodus, dessen Gedichte 
aUoithalben eine Verbindung der vermenschlichten Götter mit 
den natürlich - elementaren beurkunden, es darauf angelegt 
habe, uns das Geheimniss dieser Anthropismen errathen zu 
lassen. '} Was man, meines Erachtens, mit Grund sagen 
kann, ist dass in der Hesiodischen Theologie schon ein be- 
stimmteres Hervortreten von göttlichen Persönlichkeiten be- 
merkbar ist Götter , als mit Verstand, Leidenschaft und Wil- 
len blähte Wesen und die ihres Gleichen zeugen, also Göt- 
tergeschlechter, bilden den Hauptinhalt seines theologischen 
Gesangs , der eben deswegen Theogonie ist und heisst Weil 
aber der Anthropismus noch viel elemcntarisch- Unbestimmtes 
enthalt, und erst noch auf dem Wege ist, sich vollends zu 
gestalten, könnte sich selbst die Meinung geltend machen 
wollen, als ob eben deswegen Hesiodus ein Vorläufer des Ho- 
mer gewesen, wenn nicht andrerseits der physisch- theologi- 
sche und mitunter fast mystische Inhalt jene Unbestimmtheit 
und Halbheit des Hesiodeischen Anthropismus im Vergleich 
mit dem Homerischen auf eine befriedigende Weise erklärte. 
Was aber die Frage betrifft, ob und in wieweit dieser Dich- 



1) T. Hemiterhiu. Annoü. in Heiiod. (Vol. IV der Poätao 
Graeci minorr. ed. Gaisford.) p. 544: ^, Qaae Hörnern^ aparsim ha- 
bet Hesiodof in laacicalum collegii, ac plurima de fuo addidii/* 

2) Emöric David Inirodnciion com Jupiter p. CLXIV: „H 
lemble • qae ca po($ie aii ronin noni mettre ä mdme de doTiner le 
aecret de ees f jmboliMtions. " 



ter der Theogonie voll der fiwtar der €Wttheit, die er «n 
vorführt, Kenntniss gehabt, und in den inneren 8inn der My- 
then und ihrer Yerkni^iAingeii nnteretnander eingedrungen 
sey, so mödite leh midi jetast der bestimmten Negative eines 
berfihmten Kiitikers ansdiliessen , so wenig ieh aueh Jetzt 
noeh den geradesten Widerqimch gegen dessen Erldimngen 
dieser Theogonie am wiederiiolen mitaiassen kann. *} — Ue- 
berhatipt mSehte wdhl folgende Vorstellnng van diesem Ge- 
dieht die riehtigste Seyn: Hesiodas nntemahm es in diesem 
Po€m «lerst eine Masse von öberlieferten Theologwnenen nnd 
im Mrnide des Volks nnd der Yolkssinger albnihlig mehr und 
mehr anthropisirter Mythen, so gttt es gehea wollte, in eine 
Art von poftisehem System %u bringen, nnd leistete darin 
viel, gewann aodi durch eine ihm eigene LieMichkeit der 
Sprache und Darstellung den BeifUl der Bfit- und derNadt- 
welt« Das war sein Streben und sein wohlverdienter Lohn; 
um den wahren Sinn der Göttergeschichten war er unbekOm^ 
mert, *} und von dem ursprönglichen Geiste seiner Religion 
hatte er unklare Erkenntniss; dieser war dem Jugendlich volk»- 
mässigen Verstand und Gemfith sdion lange fremd geworden; 
und wenn er in seinem Gedichte Asiat»cfae, Phönizische nnd 



1) G. HennAnn De mytholofia Gcveconm «liiquiim« p. IL vargL 
dessen Briefe Übet Homer bihI Heeiod «i aieh; inf^icheii deseen 
Schrift Ueber das Wesen und die Beb— dlnng der Gr. Mjikologie. 

2) L G. Hnschke AnalecU Litterarr . pei^. 33Q. ^«^ jgni mmtk 
Beendigani^ dieses ersien Theils meinee Bnehs sind mir swei nena 
BeiirAge sar Hesiodeischen Liieralnr snfekommen : Hesiodt "S^^ya 
fieyS^a. Commenietio ed. L L. Hb^. Fribnr^i Brisgoviae 1835 und : 
De la Theogonie d*H^iode. Dissertation de philosophie ancienne, 
par J. D. Gnif^iaai* Paris 1635* Der Yerlasiier der leisteren Ab« 
handionif hat den Versach f^machif die primitire Einheit nnd Ab« 
fassung der Hesiodeischen Goüerlehre darsnlegen, denn seine Mei« 
nnng ist diese (p. 17): m^^os pensons i|a*il ja, dans la TAeogo- 
Bte, organisme Wvant pour le fond comme pour la forme, non pas 
compilation morte et sans id^e*^ nnd diesen Organismus nachsnwei* 
sen ist die Absicht dieser philosophischen Analyse des Veriassars, 
deren Gang und Ergebniss ich hier auf sich beruhen lasse. 



4 



AegyfÜaebe Bestandtheile mit Grleciuscheo vermischte, so 
woaste er das Ausländisclie von dem Einheimischen eben so 
wen^ m onterscheiden, als seine Landsleute , denen er die 
Geadilecfater and Geschichten ihrer Götter sang. Blit Einem 
Worte, Hesiodus ist einem Künstler zu vergleichen , der nach 
einer in seinem eignen Geist entworfenen Zeichnung aus ver- 
schiedenen Steinarten und Glasflüssen ein künstliches Mosaike 
SQsammenfiigt, ohne zu wissen, ob das Stück, was er so eben 
nnter den Händen hat, Aegyptischer , Tyrischer, Karischer 
oder Phrygischer Marmor ist, und ob dieser oder jener Glas- 
stift ans Phönizien gekommen; viel weniger dass er diese seine 
Materialien mineralogisch zu bestimmen vermag. Dieses Gleich- 
niss passt leider auch auf den jetzigen Zustand dieses Wer- 
kes: der Zahn der Zeit, die Einflüsse des Bodens und der 
Witterung, insbesondere aber die muthwillige Zerstörungssucht 
der Menschen hatten in der schönen Sleinmalerei manche 
Lücken verursacht; um so geschäft^er sind Andere gewesen 
diese Lücken zu ergänzen, und, so wie im Laufe der Zeit 
nena Beschädigungen sichtbar geworden, sie immer wieder 
auszubessern. Auf diese Weise sind nach und nach nicht 
etwa Mos einzelne Stifte und Würfel eingesetzt worden, son- 
dern man hat ganze Felder und oft nach einem ganz neu 
aasgesonnenen Muster hineingelegt. Ohne Vergleichnng zu 
reden, so kann heut zu Tage, nach wiederholten sorgfalti- 
gen Untersnchungen, nur denjenigen Mythen der Hesiodei- 
sehen Theogom'e eine alterthümliche Auctorität beigelegt wer- 
den, die in unzweideutigen Zeugnissen bewährter alter Schrift- 
steller Bestätigung finden, und sich durch genaue Ueberein- 
stimmung mit dem Inhalte der letzteren rechtfertigen. Unter 
diesen Umständen ist überhaupt der mythologische Gebraucfai, 
den wir von dieser Theogonie machen können , schwierig, und 
das Gewicht derselben in der Geschichte der Griechischeii 
Rdigionen nicht so hoch anzuschlagen, als bisher gesche- 
hen. *3 — Zum Schlüsse sey nur noch bemerkt, dass, wie ich 



i) S. MättfU De emendatiooe Theogouiao Hesiodeae, Prae- 
latio pifT. XVII iq. 



m Anfang dieBes Abschnitts die Orpbische und Hestoddaelie 
Theogonie- mit dem Ausdruck entfaUeie Physiologie eu braeieiH 
nea versuchte, die alten Phih>sophen von diesem genealogi- 
sehen Geschäft das Zeitwort abUäm (ncLfdyai») gebrauchen, ^ 

, ■• , 

1) Prodiu in CrafyL §. 140- p« 84 ed. Boissooad. t 'Or£ fj roS 
'JSöiodov deokoyia (Fielleichi; ^aoyovla) ex liovadoQ r^g *Pia<i 
nofdyei — ri^i^ 'Eoxiav — r^v ^iJiAtjrpa. Nachdem er die Or- 
phische Lehre damit Terglieheii, achlieftt er: Kai yd^ rd Ttaga^ 
yofiBpa (fo mDM man mit Werfer lefen, ftaü Tra^ayevo^Bva) 
ofioid eloiv Totg TtaQdyovai xal cxeiov xa avxd. Wohei au 
bemerken iii, da» diese Philoeophen noch das HerForbrin|^n , Zes» 
l^en na^ayetv nennen (ProcL Institni. Theolog. VII. p. 10 ForgL 
cap. 157* 160)- Derselbe. denkt an diQ Theogonien, venn er sagtt 
Die Theolo^eni welche ihre SSiiTe in Geheimnisse einkleiden, ersin» 
nen Heirathen nnd Geburten der Gottheiten (in Piaton. Tim. Y. 
p. 315- xai xohq fiiv deokoyov^ iv ditOQ^ijxoig kiyopxag d ki- 
yovci ydfiovg xe xcd xoxovg iTtivoetp dedjv) — und «war an He- 
siodeische sowohl wie an die Orpbische; wie er dann in andern 
Stellen . unter den Orphischen Theogonien die Hesiodcischen mitbe» 
^eift,' nnd beide ans Biner Quelle ableitet, obschon er bemerkii 
dass Hesiodos sich mehr an die bekannteren Mythen der Hellenen 
angeschlossen, und demziifoli^e nicht den Phanes nnd die Nacht 
{0dvtfxa xal Nvxxa) sondern den Himmel nnd die Erde {06^ 
gapop xai Fijv) als erste GAtterkönige (&auip ßaötkiag) tknfg^» 
stellt habe (Mutxell pag. 323 sq.). — Der Form nnd Auf&ssnnp* 
art nach ist die Orpbische Tf^eogonie nicht weniger mythisch als 
die Hesiodeisrhe , weil eine wie die andere nach Zeitfolgen die Ga* 
genstAudc ihrer Lchrsflfxc eintheilen, und die Dinge, die, obwohl 
jDach Ordnung und Kräften verschieden , doch als gleichseitig beste* 
hen, von einander trennen, -^ Vor- und Darstellungsweisen, die 
eben das Wesen der Mythen ausmachen. Plotin. (p. 299 Basil. p. 
543 Oxon. B. C.) ^ei Sh xovq (JivSovq^ emeQ xoSxo eoovxai^ 
xal iit^i^aiv XQovoig a Xiyovöiy xai Siaigetv djc' dk- 
K^Xuip TXoXkd xvSp ovxoiVj OfjLOü [Äßp ovxay xd^ei 8% ij 
dvpdfjiBai SteaxiSxaf oicov xal oi koyoi xai yepBOSig xtSp 
dyeppjjrußp itotovoiy xai xd ofxov opxa xai avxoi 
Siai^ovof xai öiSd^apxeg vi^ Svpapxai xtji poijoapxi ydi/ 
Ovyx^^ovoi ovpaiQ€lp. Nach der Kantisch - kritischen Philosophie 
wflrde das heissen: Zeit und Raum sind npthwendige Formen doi 



md ta derselben Bedeatimg Partfeipia, Verballa o. s. w. 
bilden. 

V. 

ToUendeter AntbropIsiiiaB; 

Bpiäeh'Bamerüehe Ctdtier. 

« Das Geschlecht (die Herkunft} aber eines Jeglichen Got- 
tes und ob sie immer gewesen, und von welcher Gestalt sfe 
sind^ das wissen die Hellenen erst, so zu sagen, seit gestern 
and vorgestern. Denn Hesiodos und Homeros sind, wie ich 
denke, nur vierhundert Jahr älter denn ich und nicht mehr. 
Undi diese haben den Hellenen ihr Gotterg^chlecht gebil- 
det '3 und. haben den Göttern ihre Beinamen gegeben, und 



Hjihu«. Ohne Zweifel hat hier Plotiniu einen Gedanken des Plato 
(im Stäatimiann p. 269- p. 272 Bekk.) gldcklich und deutlich ans- 
pffikri. Zeitliche Theilnng (jÄe^iOfJLog) nnd Trennung {Stafpedti) 
kt Sacbe def Sljtha«, und Verbindung des Getrennten {övva/Qeöig) 
Sadie dea Temünftif^eB Denkens. Aber auch der philosophische 
LeluTortrai^ (o< koyoi) bedient sich Öfters dieser Formen,' und spricht 
van Zeu^nngen und Geschlechtern (yepiaeig) bei Objecten, idie mit 
ZeagMi und Geseng^twerden nichts su thun haben. Es bedarf wohl 
ksam der Bemerkung, dass Plotia hierbei die Lehrw;eise »der j alten 
Griechischen Philosophen und des Plato selbst Tor'Angen;hat; denn 
er macht diese allgemeine Bemerkung bei Gelt^genheit^.eines' im 
Piaionischen Symposion Torkommenden Mythus. 'Plato tbedient^ sich 
bald der physisch- Orphischen. Weise, d. h. er hatfes'.mit-.KrAften 
aad Mischungen 'zu thun, wie rim-iTimaus, bald !der Aeo'goiiisch-:Or- 
pbischen und Hissiodeischen, tdas-heisst, er redet, von '.Götte^ehen, 
Ton Zeugungen und tou Geschlechtern «(Proclns in Tim.* a. a. O. 
vnd p. 291 und in Theolog. Piaton. pag. 188). ' 

1) Herodöi ü. :53. So flbecsetst Fr. Lange richtig die Wortes 
OüTOi 5{ iiai oi^TVOi^ouvxeg deoyovijjv'^Ekkijöi. Der Dativ beim 
Zeitwort in dieser und Ahnlichen Stellen ist sehr an beachten. In 
solcher Stellung ist an eine ^ Zweideutigkeit des Ausdrucks, den 
Banr (Symbolik und Mythologie *L S. 340) hier finden will, nicht 
M denken. Beide Dichter werden- tou Herodot rein ab Schöpfer 



die Ehren od Kthmle mmgeOidlet uihI Ihre Geetolt aogede»- 
tet Und die Dicbter, die vor diesen Bfibuiem sollen geleht 
haben, haben meines Eraehtens nadi ihnen gelebt Jenes, 
das erste sagen die Priesterinnen va Dodona, das letzte aber, 
aber den Hesiodos und Homeros nimlich, sag' ich.» Wie 
konnte Horedotos Teramthen Hesiod nnd Homer seyen die 
Erfinder der TheogoniO) da der ganze Gang der Griechischen 
Göttwlehre, wie bereits die obige Beachtung der hierat^ 
sdien PoMe geaeigt, daa G^gentheil errathen lisst, da nickt 
ein oder Bwei Poftea, aomal so gebildete, wie Hörnen» and 
Hesiodos, die Mythen «rfimden, sondern der Griechisdie Geist 
sdber, wie denn Griechenland treffend der Mytfien Matter 
{jM»9or6x0^ 'EkXd^') von Griedien sdbst genannt worden f 
Wo von Gdtterehen, Gottergeschlechtem, von göttlichen Pter* 
iionalititen, durch Beinamen, Ehren and Yerrichtongen anter- 
schieden, die Rede ist, da lassen sich auch die Mythen ver- 
nehmen. Und fuhrt nicht Homer seihst Sänger an, weldie 
Götter- und Heroengeschichten vortragen? Es genüge hier 
an zwei Stellen zu erinnern, worin der erzürnte Zeus die 
Here an eine Geschichte erinnert, and ihr mit einer ahnli- 



der TiMogooie bescieinMi, vmrMti nth aber mu^ith ab BlBfr 
ikrer Didrtaogmi, nnd in wweii M dw B^mmtEharnng im Tib». Um» 
atwhttjf (ad Hei imL Tbeaf . Vol. IV. p. 644 ad. GmiaSorA. ) rickÜf : 
^ Primi TkaofiNiiaai Hobmthi ai Hasiodu ediMaraare.'* rar^ Al- 
karti da Jaafk De Haradati philfNiapkia difqiiiiitia pag. 24 aq. Ba* 
■MrkaMwarik ifi, daw dar GafakiakUckraibar dea Hafiadas nickt 
nnr dam Homar ^leieksaÜif faMy aandarn anck swaimal daatan N»- 
man dam dea latelaran Tammtckickt. Vannnihlick iaitaia ihn dabm 
aein GafOhl das makr nHartkOmlickan Ciaiftra nod Tonas dar Hana- 
daisckan Gerta^. Dam Harodoi ibrifen« mit dam laMan Saiam 
da« wurklick rarkamariacka nnd mrhaiiodf ipcke AUar nicki lanfnan, 
•andern nnr damit an erkennen ^ben will, Credichie dia an aainar 
jEati imiar Orpkaus, Linne n. A« Namen im Umlanf waren, sejen 
■piter ab Hemer nnd Hesiod « habe ick sckon aaderwAHs bemarkl 
(s. jetsi dia Anmarknafren an Haradol. ed. Baebr p. 609 -—6it). 
Besonders dackla ar hier waki an die Orphische Tkeogonie, welcke 
denn in Fawnng nnd. Farm (keinesiraff in ihrem ^anarn lokalt) 
ikra n n c k kom ari scfca bistaknnf Tarraik. 



ehes BettnAmg dnritt) wto tie virnnih Ton Ihm ertitteii. ■} — 
Diener Hythn iiatte 0M1OI1 in einer Beraklee geBttuideii) imd 
die Strafe wtr dorch eine targßeüge Verfolgmig, die Here 
«deii g^^gen Herakles im fidndden konmen lassen, motivirt 
wordm; sfe ymr sdion eine epische Handlang ver Homems 
gewesen, mid dieser letstere hatte nor das Verdienrt, sie mit 
der Trojanisdien Kric g s g esehidite verHoehten , und sie dorcii 
den Haas der Göttin gegen die Tirojaner motivirt m haben. 
Iferodats sonderbare Meinung itt leidtt m eriiUrm, nnd ge- 
wlssermaflsen m CTtsehuldigen. Dieser Gesdiiehtsehreiber 
war ein sdir reiigifiser Hdlene, der es sieh angdegea seyn 
Hess, m den Schidisalen der Fflrsten, Völker imd der Fami- 
das Walten der Gotthät ond eine ansgieidimde göttiiehe 
nacheoweisen. Aber edne Begrift von der 
Gottheit sind nnbesthnmt und sehwankend, wie schon die ver- 
schiedenen Namen zu erkennen geben, womit er jene höhere 
Macht oder lUchte beaeichnet; indem er sie bald daif^opa^^ 
bald Seoi^j bald top 9e6p^ endilidi noch unbestimmter rd 9siop 
za nennen pflegt Obschon er edich nun hierin den eeitver- 
wandten Tragikein Sophokles und Euripides anschliesst , auch 
nirg^ids von Jenen fiibelhaften Göttergeschichten Gebrauch 
macht, so ist er doch hin und wieder im Glauben an Yielgöt- 
ierei bcfimgen; Ja er stdlt sich, wie Homer selbst, die Göt- 
ter unter menschlichen Gestalten ^dp9pmxofpvSeg) vor; und 
m den Vorstdlungen von ihrer Macht, Selbstind^eit und 
moralischen Wdrde schwankt dieser ganz Homerische Mann 
(^OidtjQixaitaTo^') wie ihn die Alten nannten zwischen dem 
Glauben unbedin^ier Freiheit dieser Götter und ihrer Unter- 



1) Diad. XIV. 249 sqq. XV. 18 sqq. mit den Schollen p. 408 
Bekk. und BoitaA. p. 248 «q- «d« Lipe. rergl. Hejnii ObeerraÜ. 
in Iliad. Vol. VII. pag. 7 sq« Ein alt- hieratifchei Sjmbol koimi- 
feken Inhalte, den Zneanunenhan^ de« Aeihera mit der Aimoephäre 
and den unteren Blemenien rorsiellend, war Tor jenem Slteren He- 
rakleendichier bereite in einen Mjihn« umgedeaiei nnd ron ihm mtt 
den Leiden nnd Ebenthenem des Herakles in Verbindung gebracht 
worden, ohne dan er eelbet tchoB tihntB vom «MpHbigliolien Sinne 
diese« StTthna ahnen moohte. 



wfir^gkcit Alter ein Hiato Fattmu Nun liess aber eon reli- 
giöser /Sinn Hnd das ethische ProUem, welches er im Luf 
der Wettbegebonhetten fimd, ihm keine Rohe. Er wollte wis- 
sen, was es mit der NatJonabelilgion füir ehie Bewandtniss 
habe. Diese Untersodrang untemimmt er aber nicht auf dem 
WegC: des Beg^es' oder der Specolation) sondern auf. dem 
der Er&hrang. So sucht er z. B. die Frage aber den Herak- 
les als ein einftches Factum historisch am lösen, und die Vor- 
stellung und den Cultus- sein^ Landsleute zu berichtigen; *} 
wahrend er andrerseits nirgends anssEuqirechen wagt, dass 
Jene Göttergeschiditen beim Homer und Hesiodus .unwahr 
seyeOi Ja er macht sich ober diese seine Nachforschungen 
sdbst Crewissensscnqiel, und zeigt in solchen Fragmgans 
die religiöse Scheu des Griechischen gememen Volkes; we»- 
wegen er am Ende audi sn gar keiner Entscheidung ge- 
langt ») 

Kann es uns wundem, dass einem so kindlichen phOoso- 
phisch- beschrankten Forscher auch die Fähigkeit abging, den 
Gang der geistigen Entwickelung der Griechischen Stämme 
eonsequent zu verfolgen, und die Durchgangspunkte der reli- 
giösen Cultur von jenen dunkelen Ahnungen an durch die Pe-. 
lasgisch- hieratischen Perioden bis zur Feststellung der gana 
episch-menschlichen Götterlehre vor Augen zu stellen ? Daz|i 
kamen noch besondere Umstände. Die Umtriebe von Leuten, 
welche altrel^iösen Glaubenslehren durch Gedichte Eingang 
verschaffen wollten , die von ihnen oder ihren Zei^nossea 
redigirt, 90 me me warm für Werke alter Priestersänger, des 
Orpheus, Linus u. s. w. gelten sollten; ja der nicht sehr lang 
vor seiner Zeit wirklich entdeckte Betrog, den sich Onoma- 
kritos mit Liedern des sogenannten Musäos erlaubt hatte '} — 



1) Herodoi. IL 45- 

2) IX. 65- ▼erifl. meine Schrift Die hifiorische Knnei der 
Griechen S. 151 ffl und de Jonc;h de Herodoii philosophia p. 23 
bis 26. 

3) Herodoi. IX. 6. vergL Bear a. a. O. und die AnmerknngeB 
in der Bfthr'echen Aasgabe. 



nossten einen so redlichen Forscher misstranisch machen, sei- 
nen Blick verdmikeln^ dass ihm die mythischen FMen entgin- 
gen, die von Alters her natarg^niss fortgesponnen worden, 
die theogonischen Bdhenfolgen, welche lange vor Homer imd 
Hesiodos sdion mancher Diditer von sänen VorgSngem anf- 
genoramen und den Nachfolgern libargeben hatte. 

Wie kommt es, ist die weitere Frage, dass Herodot in 
seiner Yermathung aber die Erfindung der Theogonie sswischen 
Homen» und Hesiodus gar kein^i Untersclued macht? Das 
irage idi am so mehr, da ich selbst in der zweiten Bearbei- 
tang dieses Bachs ihn noch nicht gehör^ genmcht habe. Das 
was Herodotas, heisst es dorten, in* der berihmten Stelle 
(II. W) sagt, Homeros und Hesiodos seyen die Erfinder der 
Hellenischen Theogonie gewesen, hat, meines Eraditens, fol- 
genden Sinn: Sie fand» das- Mittel, in einem neuen Bitter- 
gesange, für Alle passend^ Allen m singen zur Genäge, in- 
dem sie das Geheimniss entdeckten, die Götter rein mensch- 
lich an bdiandeln, zu anthropomorphosirenj d. h. indem sie es 
nicht nur verstanden , einem allgemeinen • Grandtriebe der 
menschlichen Natur gemäss, den Göttern sinnh'che Eigensfehaf- 
ten, Kräfte und Neigungen zu verleihen, sondern sie auch in 
einen solchen Kreis von Handlungen zu vereetz^i , • den die 
Einbildnngskraft des Griechischen Volkes zu umAssen ver- 
modite; wamäabo die Feraordßeaiüm der thHheÜen gta^ veikn- 
ikSmdieh vollendet war. ^') So richtig dies in Betreff des Home- 
ns ist, so kann es doch vom Hesiodus nur mit grosser Ein- 
schränkung gelten. Freilich werden in den mehr heroischen 
Gesängen, die Hesiods Namen tragen, namentlich im Kataloge 
der Frauen (yvpaii^dSp xarakoyip) mythische Erzählungen von 
Beinamen, Ehren, Gestalten und Künsten der Götter vorge- 
kommen seyn; aber in Hesiods Theogom'e, und von dieser 
ist doch beim Herodot hauptsächlich die Bede, findet sich äus- 
serst wenig von genauen Angaben der Götterbeinataien , we- 
nig von Beschreibung ihrer Gestalten und Verrichtungen; die 
Schilderung der Ehren ist aber mehr angekündigt als ange- 



1} Symbolik a. Mjtholo|rU n. S. 461 f- 



80 



Inn^ des Homer entUIt diese Stelle, meines Erachtens, den 
wichti^n Satz, dass man za Piatons Zeit schon Ewisclien 
mythischen Gedichten den Unterschied machte, sie seyen dop- 
pelter Art: allegorische, und solche, welche keinen verbor- 
genen Sinn hätten, sondern bochstiblich zn nehmen und darauf 



chen ynremggienä eine kleine Zahl Ton Gebildeten Aber den Sinn der 
Volksmythen und Volks^esän^ Unterricht und AnfklAmnj^ empfan- 
gen habe. — Die Anklage selbst , womit Piaton auf seinem ethiscll- 
politischen Standpunkt Tollkommen Recht hatte, traf nnprfinglich 
die Volksmythen selbst und den Homer and Hesiodns nnr in soweiti 
als sie ihnen durch die Anctoritat ihrer GesAn^ ein noch gvOeeeres 
nnd bleibendes Ansehn verliehen« Die LiebeshAndel , deren Zeos 
sich gegen Here selber rühmt (Iliad. XIV. 317 ff-) konnten nnn 
Tielen Leidenschaften sur Entschaldignng dienen und aom Vorbild 
der, nachfolgenden Dichter ^ welche Plato ohne Zweifel bei dieser 
Anklage ebenfalls ror Augen hatte« Folgendes Beispiel wird bewei- 
sen, wie Tiel diese dem Grierhischeii Volke xumntheten und ^umu- 
then dorfien. Homer a. a. O. hatte auch seine Liebe sur Danae 
nnd die €reburt des Perseus kflrslich erwähnt« Die nachfolgenden 
kjklischen Porten ersAhhen, wie Akrisios seine Tochter mit ihren 
Kinde snm Haosaltare des Zeus lOhrt, und sie im Angesicht des 
Gottes -nach dem Vater befragt (Pherecydes ap. Sckoliast. Apellenii 
IV. '1091: ^avat/v 6h xarayu aity rqS Tcaedl elq top vxo %ö 
SQXiop rov zlioq ßtofiov. s. Commentt. Herodott. p. 232« 238- Bs 
mnss aber noch ipx/op gebessert werden, s. die Grammatiker beim 
Ensfathins «a Iliad. U. ?s. 339)- iSite mmmi d€u Z^um mm AUm 
dies Zesf , der als Beschatser des Hauses und der hfluslichen Zneht 
und Ehre angebetet nnd angerufen whrde. Akrisios glaubt es ni^ 
und giebt Mutler und Kind in einen Kasten eingeschlossen den Mee- 
reswellen Preis. Und doch war Zens der Vater. An solchen Br- 
alhlungen nahm das Griechische Volk «icht den geringsten Anstoes^ 
nnd die Dichter nahmen sich das Reinmenscbliebe heraus, um solche 
Situationen als Motire pathetischer Empfindungen und tragischer Sce- 
nen an bemtsen; wie in diesem Fall der Ljriker Simonidea fon 
Keee in seinem nair - rdhrenden Liede gethan (Antholog. Gr. I. p. 
58 nr. VU ed. Jacobs). Je grosseren Einfluss die Dichtkunst auf 
dun Volksgeist ausübte, um so mehr mussten sich die Philosophen 
wak Plato selbst im Interesse der OfientUchen Moral und Volkseraie- 
hang fegen sie orfcUlren. 



ein Folgeatäm aus der froher von demselben gegen die Porten 
eingebrachten Anklage ^ wo er den Sokrates sagen Jäast: 
Die von Hesiodos, Uomeroa and von den Dichtem überhanpt 
enihlten ärgerlichen Göttergeschichten, wenn sie auch wahr 
waren, was doch nicht der Fall sejr, sollten entweder gana 
unterdrückt , oder doch nur von sehr Wenigen durch geheune 
Mitlheilungen gehört werden; auch sollte den von Homeros 
besungenen Kämpfen der Götter unter sich Q990f4axl€tq) keine 
Aofiaalime in den Staat gestattet werden, sey es, dass sie 
auf aDegorische Weise gedichtet seyen, oder ohne Allegorie; 
denn der junge Mensch sey nicht im Stande sui beurtheilen, 
was Allegorie sey und was nicht '} Zur richügen 



I) DnEapubL II. p. 378, A—D. p. 95 — 97 Bekk. p. 186 bi« 
189 Srkueid. : out' iy uftopo/ui^ fteTCoiijfihag ovr apev vno» 
yotiüp * 6 yop vio^ 06% olof te x^veiv 6 vi n intowoia xai 6 
fiij, Dia Alter» Beieichnmaf dar AÜefporie war Bimlich VHovoia% 
■ad der Neme dk\ijyo(iia koaiai selbst beim Arisfetelee noek niclli 
•or. Jenes scheiat bei den Altdrea Sckrifistellehi sowohl ron der 
rketoriscken Figur der fertgesMsten Metapher als besonders aach 
foa der ailef^riscken Aosle^afp der Dicktemjthoa febranehi wor- 
den an seya (s. Wjttenbach ad Platarck» de atd. po0tis p. 208). 
ledoch der Ansdnick aiXfjfOQia nnd akki/yo^iai isl so neuen Ur- 
■f laug i nicht ab ika Maarka kabon macken wellen « iaden er schon 
bei Cicero (Orator. 27* ad Attic. U« 20) rorkonnu« (seri^l. F. A. 
Wolf Liter. Analect. IL p. 626 )• Zeitwdrtlich sind imoyosfy und 
nof(^dip£o9i£t Beseichnaogen correleter Befriie (lamblick. de 
Hfster. YII. 1) nad letiferes Verbnm wnrde von symbcdischer nnd 
allff^riecher Diehtnnp- nad Vortra|^«reise febraucki. Die anr|;o* 
risrho Aasleginig war bei dea Alten dreiiSscher Art, die physisrbe, 
die ribiscke nad die Listoriscke. Uebor den friken Clebranck der- 
lelben unter den CSriechen, so wid Aber die Aasbildunfr der rersrkie- 
denen Arten hat nenerlick UAitell (de Emendai. Theogon. Ilesied. 
p. 3M — 352) eine gmie und ^edrAn^ Uebersicht pe^ebea. — Ue« 
kri^CDs Diflchten die Worte des Platon a. a. O.s di' dTro^^^Jruiif 
dxot'€tM/ vig o/jyiOTOvg, dvoafiitfovg ov xol^oy^ dkkd ri fiiya 
Xac anOQOP (»o hat auch Proclus in dieser Stelle gelesen, ia P«. 
litiam psg. 371; welches der neueste üoransgeber nicht bemerkt 
hat) die VorstelloDi^ bei^fiustigen, dass in den Mjsterien der Grie- 



80 



lung des Homer entUIt diese Stelle, meines Enchtens, den 
wichti^n Satz, dass man zu Piatons Zeit schon zwisclien 
mythischen Gedichten den Unterechicd machte, sie seyen dop- 
pelter Art: allegorische, und solche, welche keinen verbor- 
genen Sinn hätten, sondern bochstüblich zu nehmen und darauf 



eben Yremggien* eine kleine Zabl ron Gebildeten Aber den Sinn der 
Volksmjthen und Vollu^esAn^ Ünterricbi nn<l AnfklArnnj^ empfan- 
gen bebe. — Die Anbiege selbst « womit Piaton auf seinem etbiscb- 
politischen Standpunkt Tollkoamen Recht hatte, traf nnprfiBplicfc 
die Volksmjtlien selbst und den Homer nnd Hesiodns nnr in soweiti 
als sie ihnen dnrcb die Anctoritit ihrer Gesin^ ein nocb prOsseres 
nnd bleibendes Ansehn verlieben« Die LiebesbAndel , deren Zeos 
sich gegen Here selber rühmt (Iliad. XIV. 317 f-) konnten bbb 
vielen Leidenschaften lur Entscholdigung dienen nnd som YorbiU 
der. nachfolgenden Dichter ^ welche Plato ohne Zweifel bei dieser 
Anklage ebenfalls ror Augen hatte. Folgendes Beispiel wird- bew«« 
sen, wie Tiel diese dem GriechisclMa Volke xnmatheten und ^nuqa* 
tben dorfien. Homer a. a. O. hatte auch seine Liebe snr Danae 
und die €rebnrt des Perseus kflrslich erwAbnt. Die nachfolgendoB 
kjklisehen Porten ersAÜlten, wie Akrisios seine Tochter mit ihrem 
Kinde sum Haosaltare des Zeus ffibrt, und sie im Angesicht des 
Gottes -nach dem Vater befragt (Pherecydes ap. Sckoliast. Apellonii 
IV. 4091: /lavdtiv dh xaräya avtß nß itaiii elgrop vjto ti 
igxioy rov ztiog ßtofiov. s. Commentt. Herodoil p. 232. 238- b 
mnss aber noch e(iXfOp gebessert werden , s. die Granunatiker beiB 
Eustathins «u Uiad. II. ?s. 339). iSite nmnt des Z9n9 mm AUm 
de§ ZeuMf der als BescbOtser des Hauses und der imusÜchen Zuokt 
und Ebre angebetet nnd angerufen whrde. Akrisios glaubt ee ni^ 
und giebt Mutter nnd Kind in einen Kasten eingeschlossen den Mee- 
reswellen Preis. Und doch war Zeus der Vater. An solchen Er- 
alhlungen nahm das Griechische Volk «icbt den geringsten Ansteeii 
nnd die Dichter nahmen sich das Reinmenscbliebe heraus, um solche 
Situationen als Motire pathetischer Elmpfindiingen nnd tragischer See- 
neu sn benutsen; wie in diesem Fall der Ljriker Simonides n» 
Keos in seinem nair - rdhrenden Liede gethan (Antholog. Gr. I. p. 
58 nr. VII ed. Jacobs). Je grosseren Eiufluss die Dichtkunst auf 
den Volksgeist ausübte, um so mehr mussteu sich die Philosopbsa 
nnd Plato selbst, im Interesse der Oflentlichen Moral und Volkseraie^ 
hung gegen sie erklären. 



-^ 81 

mgekigt wj^n^ dass sie Alles Volk verstehen kdime. Piato 
nacht bd setner Anklage keinen Unterschied, ob Homers Göt- 
tennythen dnen allegorischen Sinn hatten oder nicht, nnd 
brauchte ihn nicht «1- madien« Aber wir müssen fragen, 
wdche Yorstellangen der Diditer von den Gottheiten hatte, 
ob er aber oder nur eben auf der Linie des gemeinen Volks- 
l^nbmis stand. Der mehrmals angefahrte Archäolog ^} be- 
ruft sich auf das Zeugniss eines Kirchenlehrers, wonach H<h 
mer das Daseyn eines höchsten Wesens erkannt, und die 
fihriigen erdichteten Götter mit klarem Bewnsstseyn, dass sie 
ihreni Wesen nach nichts ab Personificationen der physischen 
und elemeitfaren Dinge seyen, in die Handlung des Trojani- 
sdien fijriegs und seiner Folgen eingefiihrt, und der Verfas- 
ser sdbst ist dar Meinung dass diejenigen sieh eines grossen 
Genusses berauben, welche sich w«igeni anzuerkennen, was 
das Entzücken seiner Griechischen Zuhörer und Leser gewe- 
sen, dass den Gemilden dieses Dichters Bäthsel und Allego- 
rien asu Grunde liegen. — Ich lasse es dahingestellt seyn, 
unter welcher Betrachtungsart die Homerischen Gedichte grös- 
seren oder geringeren Genuas gewihren, und wende mich 
mr Sache selbst Nun hat uns aber die bisherige Erörterung 
sehon gezeigt, wie die Neigung die angeb^eten Naturwesen 
m vermenschlichen den Griechen so zu sagen angeboren war, 
wie früh die Göttermythen ihren physisch- elementaren Gehalt 
m verlieren angefangen, und wie viele Dichter vor Homer 
sduin auf ganz menschliche Weise die Gottheiten vorgestellt 
wbA sie in die epischen Handlungen eingeführt hatten. Hier- 



1) EmMe David Joplier lotrod. CCXVII— CCXEC and da- 
mSb&i Cyrilliu contra loliao. I. p. 26* 27- Der VerCuser la^: 
„Ceaz qai oni refas6 da reconnoiire des 6ni|^es ei des all^^ories 
dana lea iableanx da ce pofiie ma lemblani aroir M bien ennamia 
i» laura propra» joaiMancai^ and weiterhin: „Et combien rimprei« 
•ian aara-i-elle encora plos Tire, ri noas reconnotMona qne soni las 
dahors aymboliqaaa ce foni las attraf ei lea 616mena qni se henrient, 
aa froiaaaai lea ona conire lea aaires, «t nou$ vayanM /« nature aii- 
akrs qui $• fütf/eva €i §e iouhvertef pour prendre pari au combat 
fM la Grhee Uvr4 ä l'Aoü.*^ 
Crtuztr's deuUche Schriften. I. U § 



82 -^ 

nach ist kanii so glanbeii, dwss die Zeftgenossen Honen üi 
den Kmpfeceiien um Troja^ wenn der Diehter üe Gdtter «li 
Theilnehner einfidirte, bei diesen letzteren noek an Gtestinie 
und Elemente gedacht ; ahnen moehten sie wohl noch hie nad 
dort etwas bei solchen SchiUenmgen^ wo das Physisdi- ele- 
mentare bemerklicher hindurchschimmerte, z. B. wo der Fener* 
^tt mit dem Fluss^tte kamfrfle^ SchQdemngen welche ge» 
lehrte Griechen eben deswegen Qrphisch fanden. Homers eigne 
Vorstellmigen von den Göttern betreifend, so war er entwi»* 
der selbst in dem nun schmi Iftngst eingewurzelten volksmi»* 
sigen Anthropismos so be&ngen, dass seine Ansichten ysn 
denen des Volks gar nicht verschieden waren; oder was er 
auch an besserer Einsicht vor dem gemeinen Manne seiner 
Zeit voraus haben mochte, war beim Dichten seiner Helden* 
gesange so gut wie gänByeh vergessen, weil er sich alsdann 
seinem plastischen Bildungstriebe blindlings hingab, und im 
Gefühi seines Berufis als Ritter-* und Yolkssinger, nur ein- 
zig den Eingebungen seines Genius (seiner Muse) folgend, 
sich mit dem sensorium commune d. h* mit der Sinnes- und 
Empfindiuigsart der grossen Hasse seiner Zeitgenossen , so 
zu sagen, ideutificirte. 

Das Schwanken des Homerus zwisdien der Freiheit mid 
dem fatalist»chen Gebundenseyn der Götter wurde schon eben 
bemerkt Eb^i so unbestimmt ist die Vorstellung ihrer Un- 
sterblichkeit , *3 die sie auch durch iusserlidie Mittel den 
Sterblichen mittheilen können. *} Das Gotterleben ist ein ge- 
stagertes Measchenleben , und der Olympmdie Tag veriMI 
unter denselben Abwechselungen von Ernst und Spiel wie der 
Tag der Achäischen Könige und Edlen auf ihren Burgen. '3 



I) Mas denke nur mm d^dyarov xaxop reo der SkjUs {•• 
biMckt Odjflf. XIL 118. 

U) Ver^L Dsünuuin's Lexüoi^ag f. 34. p. |a2 sq. iber dfißpo- 
TO^y dfäß^oaio^f dfAßQOaiij. Aehnliche Vorrtellanif der Indier 
fOB einem die Cneterblichkeit erhelipoden Miechtrank der GettheitMi 
is Dhepiwet-CMe; m. Peufene Treeor dee Oripine/i de U laiifuo 
Frasr. p. 71 »qq. 

3) Heyne Bxcara. YIU ad Iliad. I. 494. 






Sie siiid stibker, sdlndler und ^öaser als die Mraschen; 
«sdi den Mteterea gewBhnlich uiuielitbar; oft ist selbst das 
Seken eiker Gottheit den Menschen verderblich, and willlcähr- 
h'eh Mügem sie sich einem Menschen, ja selbst TU^rta^ wüIh 
rend sie dem andern unsichtbar bleiben, nnd machen anch 
3ire Lieblinge sichtbar nnd unsichtbar nach Gefallen. '} Mit 
Einem Worte^ die Homerisdien Gotter sind völl^ poetische 
bffividnch geworden, aber dabei riesenhaft nnd zum öfteren 
g e ist er h aft. Aber Homer hat es, znmal in den nwd grösse- 
rem Gediehfen, mehr mit den Heroen su thui als mit den 
GottheSen. Woher sie stammen und welche Geschlechter wie- 
der Ton Siiien herstammen, wie sie empfinden, was sie thrni 
wad leifcn^ das ist es was diesen Sänger hauptsächlich be- 
8dUtti|^; nnd sie stehen in seinen Yorstdlungen in gewissem 
Sinne höher als die OOtter selbst. '} 

So war dMnach der Anthropismns vollendet, oder viel- 
■dif auf ii6fn Weg bald vollendet zu werden. Denn, wenn, 
wie beiaerkt, die Göttergestalten nnd Götterhandlungen behn 
RoB^r noeh etwas Gigantisches niid Geisterhaftes an sich ha- 



f) maL m. 38a IV. 75. V. S59 iq. XX. 131. XXI. 405 sqq. 
(Mjsi. y. AI. XVL 158 0qq. mit BuHathias p. 599 iq* ▼er^l- Hejoe 
Emirs. I ad Iliad. I (Vol. IV. p. 1Ö8 sqq.). 

2) He^el (Vorlesungen tiber die Philosophie der Reli|^ioa IL 
S. 9t i") Bägi TortreflL'ch: ^fio iti die geistige IndiridaalitAi derHe- 
reoi hdher als die der Götter selbst; sie sind was die Götter an 
sieh sind 9 wirklich die Bethatigang des Ansich, und wenn sie anck 
ia der Arbeit ringen mdssen, so ist dies eine AfMirbeitnng der Na- 
tirlickkeit, welche die Götter noch an sich haben. Die Götter kom- 
men von der IVatnrmacht Her; die Heroen aber Ton den Göttern. 
Indem so die geistigen QoUer das Resultat durch Ueb^rwindnng der 
Ifatiuinacht, al^er nar erst durch diese sind, so haben sie ihr We- 
wen an ihnen selbst, nnd zeigen sich als konkrete Einheit. Die 
HatarmAchte sind in ihnen als ihre Grundlage erhöhen, aber sie 
haben dies ihr Ansich Terklärt, In den Göttern somit ist dieser 
Hachklang der Natarelemente ; aber die Hauptsache ist ihre geistige 
Bestimmtheit;^' womit Terbanden werden mnss was er Aber das We- 
■en der Griechischen Religion fiberhanpi sagt (II. S. 86 — 107). 



ben, so treten bei ihm anch die Gestalten und Thaten dei 
Heroen noch nicht in ^anz plastischer Bestimmtheit hervor: 
welche zii erreichen erst den zonAchst nachfolf^den Dich- 
tem vorbehalten war. Aber in einer übermenschlichen Schön- 
heit zeigt uns Homerus schon die Götter und Heroen; *} und 
nachdem die Griechen in natnrgemüsser Entinickelun^ zun 
selbständigen Bewnsstseyn ihrer selbst gelangt waren^ di 
musste ihnen der Henschenkörper als das nothwend^e Cor- 
relat des Geistes, als der natürliche und einzige Ausdruck 
dafür erscheinen. ^3 und die Bewohner jener von einem gluck- 
h'ch gemässigten Klima begünstigten Griechischen Lande durf- 
ten von sich rühmen, was sie in Götterlehre und in andern 
Zweigen der Sittigung von den Barbaren empfangen haben, 
das bringen . sie im Elemente der Schönheit zur Vollen- 
dung. *) 

Nun konnte sich auch die Bildnerei allmahlig der hierati- 
schen Fesseln entledigen; allmählig sage ich, und zaghaft; 
denn die Autorität der Priester hielt noch lange streng aul 
die alten Vorstellungen, und das Volk selbst hatte eine hei- 
lige Scheu vor den herkömmlichen und durch die Andacht dei 
Vater sanctionirten Cultusbildem. War auch eine künstlerische 
Neuerung bei dem einen gestattet, so war sie bei dem andern, 
wie das Volk meinte , von der Gottheit selbst ven^^eigert *] 



i) Uiad. UL 396. IV. 75- Odjm. XVI. 158. Hjdid. in €ec 
275. TTeQt T dfiifii re xd)Jkog dijxo. Es ist selbst wohl bei Philoso- 
phen in dieser Besiehnng Fon einem ovqclviop cdSfia die Redoi 
nnd Heroen wie Herakles wird ein &eiov xak xa^aQuirarop odifiü 
beigrelegi (luliani Orat. VII. 219» B. Spanhem.). 

2) K. O. Maller im Handb. der ArchAolof^ie der Knnsi S. 444* 
2* Ausg. Ter^L 43* 

3) Plaio Epinom. p. 987 » D. p. 366 Bekker. — AdßuifiCP dl 
ai$ 6 zineg dtf^Ekkijveg ßa^ßd^tov TtaQOLkdßuiOi^ xdkhop zoSrc 
eig xakoq dnB(fyd^opTai, 

4) PnoMB. III. Iß. 1 , wo eine Priesterin der Leukippiden ii 
rte . die 4m . eine Gesicht einer dieser Gfitünneu nach besseroi 

■ri fBAadsri hatte, im Traume gewarnt wird, es nicht auch 
flfMideni SB Toiiaciien. 



Charakteristisch ist in diesem Betracht was dem Aeginetischen 
Umstler Onatas zu Phigalia in Arkadien begegnete. Die Ein- 
wohner ■ dieser Stadt hatten vers&mnt an die Stelle eines alten 
Schnitsbildes der sogenannten schwarzen ^MBXoUinjg) Deme- 
ter, welches durch Feuer vernichtet worden, ein anderes 
■achen zu lassen, und überhaupt deren Cult unterlassen; in 
Folge eingetretener Unfruchtbarkeit wollten sie, auf Gcheiss 
des Orakels , Bild und Cult wiederherstellen. Dies that Ona- 
tas^ und goss ihnen ein ehernes Ceresbild entweder nach 
einer Zeichnung oder nach einer Copie des alten Schnitzbil- 
des, aehrenthefls jedoch, wie man sagte, nach Traunigesich- 
ten.0 

Nach solchem Vorgänge konnten schon die nächstfolgeii- 
dai Känstler einen grossen Schritt weiter gehen, und vom 

1) — TCL Ttke/ut TovSe^ dg Xiyeraij xal xara opetparuip 

olffi» iroigaag x. r. X. Pausan. TIIL 42- 4. Ich sckliesse aus die- 

Mi Worton, datf der KümBÜer lich viele Abweichnn|^n rom alten 

Sdbnitsbilde erlaubt hatte, und die Gewimensicrnpel der Phigalier 

dwch das Vorleben bescHiriGhii^ey die Göttin sej ihm so, wie er sie 

ItfKMiellli mehrmala im Traame erichienen, und weiche in dieier 

lanehi von K« O. Müller ab (b. denen Ae^ineiicor. lib. p. 97 sq. 

THgL deMen Handb. d. A. S. 62) » welcher in dieser ErxAhlnng 

I eben besonderen Beweis finden will , dass die Ae^ineiischen Kfinsi- 

kr hartnackig an den alten heiligen Normen gehangen. Da Paa- 

seaiaa aagt, doB Jfettle habe Onatas nach den Traomgesichten ge* 

lildflty und da die Aeginetischen Bildner eigentlich snerst die Fes- 

fili der prieeterlichen Saiinng gesprengt, und naturgetreu gebildet 

btbea» wenn sie gleich in AuiEuiung des Angesichts noch steif- 

bieraiiach blieben, so wird Onatas wohl das mystisch - priesterliche 

lud dieser echwarsen Ceres in wesentlichen Theilen gemildert, und 

•ich Bichi aoweii überwunden haben, um es, wie das alte, mit einem 

Fferdekopf , aus dem Drachen und andere Thiere herrorwuchsen, 

veU aber mit Delphin und Taube nnd mit dem Attribut eines Ros- 

m» an einer schicklichem Stelle Toriustellen. Es wird im Gänsen 

weh hieratiach genug und sehr Terschieden gewesen sejn Ton dem 

irbfl— n Gemmenbild , das uns die CereA zeigt mit der Sichel in dor 

liaiiü Hand , mit der andern ein wuiidertichünes Pferd am Zügel füh- 

iMd, nnter welchem eine Schlange sich aufrichtet (bei Winckelmann 

. d. cab. de StoMsh. nr. 231 1 bei Schlichtegroll I. nr. 37> 



Zwange, den ilinen die religiöse t'ureht des Volkes od 
Machtgebote der Priester auflegten , an die Aatoritüt der Didi- 
ter appelUren. Schon Polygnotos der Maler, obwohl in Be- 
handlang der Gestalten besonders der Götter wie in den Stel- 
lungen noch halb «hieratisch, wählte doch nicht Uoa vofzi^;»- 
weise Homerisch -epische Gegenstande, sondern seine Ge- 
milde hatten schon durchaus einen poetisch -epischen Charak- 
ter. In Darstellung der Personen durchbrach er schon die 
Schranken der Wirklichkeit, malte ,sie veredelt, und verstand 
schon die Charaktere au&ufassen und die Seelenuist&nde vor 
Augen zu stellen. *} Vom Phidias aber ging die Sage, er 
habe das Kolossalbild seines Zeus zu Olympia nach einigen 
Homerischen Versen gemacht, und einem Dichter sidi hmge- 
geben, von dem die Griechen urtheilten: er habe allein die 
Gestalten der Götter entweder gesehen, oder sie allein ge- 
zeigt ') — Sagen und Urtheile , die sprechende Beweise sind, 
dass die Volksreligion vom poetischen Geiste allmihlig gans 
durchdrungen worden. — Denkende Männer der Nation wuss- 
ten einerseits die geistigen Bedingungen, unter welchen Mei- 
sterwerke der Kunst zu Stande gebracht werden, und die 
Kluft, welche zwischen dem Wesen der Gottheit und dessen 
poetischer und plastischer Auffassung liegt, besser na wqrdi- 
gen. Mehr als eine allgemeine Geistesanregung, mehr ab 
den zündenden Funken der Begeisterung konnte der Büdner 
dem Dichter nicht zu verdanken haben. Das grossartige Got- 
tesbild musste er aus den Tiefen seines Geistes selbst schö- 
pfen. *3 Sie wussten die schöpferische Kraft der ^Phantasie 



1) ArifMel. Poetic. 2. VL 15. Aelian V. H. IV. 3 mit Wiockil- 
Buuiii (Werke VIII. 8. 326 neue Dresdn. Ansg.) DDd Botii^n IdMB 
snr ArchAolegie der Malerei 8. 330 ff. 

2) Sirabo VIIL 354. p. 131 eq. ed. Txfch. mit fiwtath. I. p. 
118 ed. Lips. , Hejoe's Obee. in Diad. L 528 eq^. (Vol. IV. p. 139) 
ud C. O. Müller de Phidiae TÜa p. 63. 

3) PloÜD. de intellif^bili poleriiadine cap. 1. p. 542« B: *El€ka 
öep 6 0BiSiag top ^ia^ ttqo^ ovdev aia99}T6p noifjaa^^ ciXAn 
i'^ oloq ap yipoiTO^ el ^/äIP 6 Zeiq ii OfAfidTtap id'ikoi ^' 
p^pou So wird man dieee Stelle wohl mit T. Hemiterhaje (ad 



iroB dem Talente der Nachahniing wohl va imterseheiden, 
lufl maehteii diesen Unterschied besonders bei BeurtheUuBg 
der plsstisehen Werke des Phidias und des Praxiteles gel- 
tend. '3 ^'^ WachahBuiBg, sa^n sie, wird känstterisch bil- 
dtsn nur was sie gesehen, die EinbiUongskn^ aber auch was 
M nidit ges^en. Den reUgiöaen Standpmdit, worauf wir 
eiaen Mann wie Phidias au denket haben, der, wie sein Gön- 
ner Perikles^ mä Philosophen der lonisdien Sdiiile and mit 
Bokrates selbst verkehren konnte, werden wir wohl nicht zu 
niedrig aetaen müssen. Für ihn selbst wird die Einheit und 
GejstJgkeit des höchsten Wesens wohl kein Geheimniss mehr 
gewesen seyn, so wenig wie für den Zeitgenossen Euripides, 
iamßa Tragödien und Brachstueke allenthalben solche philo- 
Bspkjsehe Andeutungen enthalten. Aber sein Beruf, den öffent- 
Kdien Cultus au verherrlichen, das Gefühl der Bedärfnisse 
■nd der Fofderungen der Volksreligion, und seine Einsicht 
in das Wesen der Ktinste schrieben ihm andere Geseta&e vor. 
Niemaad hat diese SteUang des grossen Bildners unter seinen 



Lactani fimnii. 8« p* il* p* 9 Bip.) lesen mfleeen, obsehon keine 
B—dechrift «U« Leeart iHNititifi hat. Die philofophieclie Aneichi 
gebart dem Plaio eelbei «a (e. Timae. p. 29» A) und ist auch von 
Cicero de Orat. II. g» 9f ▼•& Seneca Cootrorers. V. 36 mid Ton 
Andern angeDommeo worden. 

I) Philostrai. de Vita ApoUon. VI. 19- p. 256 Olear.: Oi 0€i' 
dicu ökf. eiireifj xai oi Ui^a^iTikei^ fAtäv difskBovreq €i<; 
oiQayoy (eo ainae aue der Schellereheimischea Handschrift gelesen 
werden 9 statt oi U^a^vikcu fiiv — iq xop ovqiavoy^ nnd so als 
Frage hAite Olearins schon ohne Handschrift bessern kSnnen, wenn 
er das bekannte Spigranim des Philippos Ton Thessalonich anf den 
Phidias (Aniholog. Or. H. 48. U. pag. 206 lacobs.) benniii hutte) — 
xal dTfOfJUJL^auiyai rd xuip 9stSy eidtj rixytjy avrd motovpxo^ 
^ Tt ire^oy tjyj 6 icpioti} OLvxovq xtß nkdxxety; ^ExB^oy^ itptj^ 
Ktal fABOxoy ys cotpiaq VQ&ffjM.. UoloPj Blit£y\ oi ya^ ay.xt 
M€ifa x^y fiifjujaiy emoi^^ 0ctyxaaiaj etffi]^ zavxa it^äoaxo, 
öQ^jpa^xi^a fit^oBiaq d^fAiov^yo^' fdifitjoig (4iy yuQ fwyoy öfj- 
iUovQyj^öH o dia^ ipayxaoia öi neu 6 ßtj döe^ v7^o9:ij9eiai 
ya^ cuixo UQog x^y äynupo^äy xoS oyxag» 



Griechischen Zeitgenossen trefi^er Bx^^esprotSien ab der 
vortreffliche Dioo Chrysostomos in seiner Olympisdien Rede. 
Er Usst ihn von anfj^eklirten Helienen asur Bede stdlOB, 
welche Ihm einen zweitai ElurensoKl versprechen ^ wenn er 
den Beweis fuhren könne, dass er die Gottheit wfird^ dtfi- 
gestellt habe. Indem er mm seine Sache selbst vertritt, wirft 
er zuvörderst einen Blick auf die Ge^nstinde der altm Hdk 
lanischen Cnlte, Sonne, Mond il s. w», zeigt wie diese gar 
keiner bfldUchen Darstellung bedurft und noch bedürften, oder 
wie dieselbe ganz einfach und kunstlos sey. Darauf flUirt er 
fort, auf die geistige Natur der Götter, als ihr eigentliches 
Wesen, übergehend: «Den Geist aber und Verstand ist keta 
Bildner (jtkäcnjg) und kein Maler (ypayevq) abzubilden iSl^g. 
Denn von solchen Gegenständen haben alle schlechterdings 
keine Anschauung und keine Kunde. Zu jenem aber, worin 
Geist und Vernunft gegeben und vorhanden ist, nehmen wir, 
nicht als blos Yermothende sondern als Wissende unsere Za- 
flucht, indem wir den menschlichen Körper als das GeCtes der 
Vernunft und des Denkens '3 ^^^ Gotte anlegen, und ans 
Abgang eines Musterbildes in der Verlegenheit durch das Ajh 
genfällige und Bildbare das Unsichtbare und bildlich nidbt 
Darstellbare vor Augen zu stellen trachten ; wobei wir unsere 
Künstler- Kraft zu Rath ziehen, besser als einige Barbaren^ 
von denen man sagt, dass sie die Gottheit aus kleinlichfln 



1) Dio Chrysofiom. Orat. Xu. p. 211. p. 404 Eeiik. In im 
▼orher^ehenden Anrede an den Phidiae liest jeiii fimperin« (Obaer* 
▼aiiones in Dienern Chrjsosiomam Lipe. 1830* p* 28 s^«} richtigar: 
vXj/ re iirtTegmi XQtjcdfjiBPo^y dvipo^ re noiijaaq (lOQfp^w 
ineg^pvi} xo xdkkog xai ro fiiyeSog, Ttk^p dpdpog (d. i. aber 
doch immer eines Menschen), xal rdXka ftonJöaQj tig eTtohjOa^^ 
öxoTVoSfiiP ravüP, Wo der Kritiker das erstemal «wischen novj* 
ca^ und nlidaag schwankte. Für Itin^tB spricht die angafahrfo 
Stelle des Plotinns nach des Hemsierhajs Verbesserung; für eraie* 
rea Enstath. ad liiad. I. pag* 118 sq. ed. Lips. und Qnintilian. Init 
Orator. XIL 10- p* 610 «d. Spaldinf , wo dieser Herausgeber anch 
die Lesart s Phidias tarnen diu quam heminibos •ffUieniU melior 
artilax etc. gegen den Vorfehlng §ffkig9niU verteidigt hei 



id unpassenden AnUssen den Thieren Ihnlieh abbilden.» Znr- 
tat ttttschnld^ der Bfeteter das Verlanen der Meinadien, 
Mi aie sieh nicht b^nfl|^ die am Slmiamente strahlenden 
Kflidien Sterne und die in der Natur wirksamen Krifte als 
9ttCT Yon ferne zu verehren , mit der Sehwaehheit und der 
ehnsucht der Sterbliehen, die Wesen, ku denen sie sich aus 
tttkbaiieeit hingezogen fahlen, leibhaft^^ in ihrer Nthe zu 
iben, ihre Kniee zu umfassen, und ihnen ihre Opfergaben 
mobringen. Solchen BedOrfiitesen und Wdnschen der Hel^ 
Ben mnsste der Hellenische Kflnstler nadigeben, und Phi- 
as hatte sie aber alle Erwartmig befriedigt. Er hatte in 
jnem CSewährung winkenden Zeus (Zevg impevtop) dem 
Igemeinen Verlangen der Nation Gewährung geleistet; ja 
I schien als habe er durch die Grossheit und Schönheit seines 
lym|rischen Bildwerks der von den Vätern überlieferten Re- 
^on sogar einen Zuwachs g^eben. '3 Auf diesen Punkt 
rar nun die Griechische Götterlehre gelangt, dass Künstler 
ie vermehren, sie mit neaen Credanken und Anschauimgen 
erdchem konnten. Diese Götterbilder wären keine symbo- 
sche Zeichen mehr, die an das unbekannte VITesen der Gott- 
eit erinnern sollten; es waren ikonische Abbfldungen (Por- 
rite) von den Göttern selbst Von nun an durften die Künstr- 
sr es auch wagen, durdi Schönheit ausgezeichnete Indi\i- 
nen ihrer Zeit als Musterbilder zu gebrauchen, wonach sie, 
lit Hinweglassung des Individuellen oder minder VoUkomnH 
en, ihre Götterbilder formten; wie sie z. B. mit dem schönen 
Jkibiades gethan, der ihnen zum Vorbilde des Hermes 
iente. '3 Zur Steigerung über das blos Ikonische musste der 
leniale Künstler bei seiner schöpferischen Phantasie die Mit- 
■ I ■ ■ ^■■——^—^——^■■^i——i———^—^^»^——^i^^— —————— 

1) Qaintilian. loft Or. XIL la 9* — „Vel n (Phidiat) ni- 
lil am Bfinerram Aihenif, mui Oljmpiiim in Elida loTem, faciMei: 
no« palchiüodo adieciisa aliqaid eiiam recapiaa raliponi Tidaiors 
dao naiaaiaa oparia daam aaqaani^ 

2) Aihan. Xu. p. 534« Proclna in Alcib. pr. cap. 38- b 
rar Tollui^laaba, daii KOiiftlani, danan 9§ galongan, aina CMthait 
ehAo vnd harriich darsosiallan, diaaalba aich in ihrar wirklichan 
■aatali offaobari haba (•• /«coli ad Anihol. Gr. VoL DE. p. 112> 



tel soebea. SchttniiMt des Leibes war untar den Griechen so 
hoch geachtet und, m zm sugea, so heilig gehidlen, dasa es 
FAUe gab, wo sich die Bewundemag bis ro emeia wirklichea 
Cultoo ste^^erte^ wie die Segestäer mit dem Krotoniate» n|i- 
lippoa gethaa, den sie als dem schönsten der UeUenea ihrer 
Zeit auf seinem Grabe ein Heroon errichtet und wie eioon 
Halbgotte Opfer dargebracht hatten. IMvfen wir uns nas 
wnndem, wenn StammhmieQ selbst von den Griechen mit des 
Gottheiten vermengt, wenn das Wesen der Götter gleichsMi 
auf ihre Personen übcHrgetragen wurde? Davon xunächst Jelit 
fiusen wir die bisherige Erörterung in dem Satae zusammen: 
Der religio^ AvtkrüfimmiM war mm poeUiek umd j ifai tf t t h ss^ 
UndwL 

VI. 

Vemüsclmiiir des Aiitliropisiiiiis anil 
der ApoUieose, des IvlStter- und 

Heroenwesens. 

Für diesen und den nächstfolgenden Abschnitt giebt mis 
eine Stelle des Pausaqias die beste Anleitung. Dieser Perie- 
get äussert sich am Schlüsse der Erzählung von Zeus und 
Lykaon auf folgende Weise: ^3 «Denn es waren die damali- 
gen Menschen Gastfreunde und Tischgenossen der Götter we- 
gen ihrer Gerechtigkeit und Frömmigkeit; und ihnen wider- 
fuhr augenscheinUch Ehre von Seiten der Götter, wenn sie 
gut waren 9 hatten sie aber ungerecht gehandelt, gleichmissii^ 
Zorn; sintemal damals sogar Götter ans Menschen wurden 
welche die Ehren bis anjetzo noch gemessen, wie 



1) Horodoi. y. 47. Eüiiaili. «d Ilisd. UL 64r p. 31 f ed. Lipi. 
oTi ih xai To xäXKog ovx dnoßhjxou dXka rifuou j^a», d^JLoi 
ov fidvov xd TtSv BQüitüiv dyakfiarcti ol^ iveitQhnop oi '£iJaf' 
ViXoi yifcupeigf dkkd xcU rd xdSv xakoHv ^guicL Eb foici die 
KriahhiDg FOD jenem Philippai; vergU aach Wacluauith*! llelleni- 
fche AUerthmnekiuide IL 2- & 314 f. 

2) PaoMD. YUL 2. 2. 



and die Kretnche Britooiartis , und Herakle» ihr Aüanm^ Sohn 
and AnphiaraiMi, der des Oikles , und ausser ihnen Polydeokes 
and Knston — Zn meiner Zeit abar (^dieweü Ja die Peaheit 
■ab HSelute gestiefen, und iber die ganxe Erde and alle 
ttidte am aidi gegrilfen} wurde auch nioiit Einer mehr Gott 
aas einem Mensehen, ausser in wieweit das Gerede und die 
SehuMieiield sich versteiget. » Dies ist eine von den Steilen, 
die^ neben der an Superstition grinsenden Frömmigkeit die- 
ses Sehriftstellers, zugleich den gesunden Sinn beurkundet, 
wefeher jene heroischen Götter der ehrwürdi^n Vorzeit von 
dsB nengesehaltenen Cisarengöttem ^} seiner entarteten Mit- 
welt reeht gut zu unterscheiden verstand. 



1) |o. L^ureiüiis Lydai nenni den Ocisnanoa Aapuiai 
trcffsndl siiieB fisgeicbaltelea Goitf &^oq 97refiß6kif40Q (d«iM ioier- 
odaiBi), da magifirsit. Aomm. IL 3- p* 96; welchss Wort nnr asf 
einem Gloesar citirt wird, und ako den Wörterbachern beiinfflc^n 
ist. — Ob man solche Götter, wie Herakles, Romnlns n. ■• w. no- 
nennen solle oder indigetes, darflber konnten sich die B.0- 
Gelehrten selbst nicht rereini^n (Arnobins advers. |^nt. 
DL 38 aq. p. 131 sq. ed. Orelli. Senrins in Aeneid. XII. 794, in 
fieorpc L 498* Macrob. in Somn. Soip. L 9 9 womit jetst die My- 
tbefimphi Vatieani DI. 2 und ni. 20- p. 157^ 186 ed. Bode an ver* 
Riehen sind), so wenig wie aber den Begriff der dii medioxnmL 
Kinifa Griechen wollten rergOiterte Menschen als 9€oi TfOf aSfOi 
beseichnen, nnd diese Paredri Ton den Qii potes (ßvvarol^ Svpa" 
fOjffoi} unterscheiden. Allgemeiner angenommen waren diese Clas- 
aen der Gottheiten: 9boI ovQapiOi y ai&ipioi^ iuiyBtoi-^ x^opioi^ 
9aXdTTiOi (Salmat. ad Spartiani Adrian. XTK. pag. 138 sqq.). Na- 
tSrlich nmchten die Philosophen noch andere Unterschiede. Im All* 
gemeinen nimmt Proolne in Alcib. pr. pag. 196 ed. Paris, p. 73 aqq. 
ed. Francof. folgende Ton Sokrates nnd Plato festgestellte Ordnung 
an: Gatter, Dämonen, Heroen, Menschen. Ebendaselbst beleuch- 
tet dieser Nenplatoniker das Wesen der Dämonen; wie er denn auch 
(ibid. L 31) and Olympiodor (in Aleib. pr. pag. 17—20 sqq.) die 
Classen der Dflmonen sa sondern suchen. — > Ob die Menschen einen 
oder swei Genien haben, war eine Frage, welche die Philosophen 
bcecbaftigte (Plntarch. de animi tranqmlL p. 474 aqq. p. 932 eqq« 
WTttenb.); die VolksaMinung hing in dar Begal der leiatan 



Zur hbsang der Angabe, die uns hier besehaftii^, wähle 
idi, um, wie bisher, ganz concret za verfahren, mit Ueber- 
getbnng der übn^n Halbgötter, den. Herakle$ ans. 

Der religiös -treoherz^ Herodotus ward an diesem We- 
sen irre, als er in den Bforgenl&ndem und zunächst in Ae- 
gypten einem Gotte zweiter Ordnung hohe göttliche. Ehre er- 
weisen sah, den man ihm, obwohl er dorten mehrere andre 
Namen führte, als Herakles bezeichnete, da der Hellenische 
Mythus und Cultus unter diesem Namen im Allgemeinen nur 
einen Halbgott kannte und ihm als solchem Todtenopfer. dar- 
brachte. Nach einer eigens angestellten Erkundigung aber 
den Aegyptischen , Tyrischen und Thasischen Herakles ge- 
langte er zu einem Ergebniss , welches er in folgenden Wor- 
ten mittheilt: t Diese Forschungen nun beweisen es ganz klar, 
dass Herakles ein uralter Gott ist. Und ich glaube, Hellenen, 
welche sich zweierlei Tempel des Herakles erbauet, thun gans 
Recht; nämlich dem einen opfern sie als einem Unsterblichai 
und der heisset der Olympische, dem andern aber dben sie 
Todtenfcier wie einem Heros. » '} 

nong an, befonden aach bei den Etraskern and andern lialiech« 
SiAmmen; wie sie denn auch oft in Unierscheidnnp jon Dimon— 
nnd Heroen fchwankie , nnd von bteen nnd graten Heroen nicht wo« 
niffor willen wollte, wie ?on bOien aod piien Dämonen. Ich nn« 
mich deilaUi der Kfirse we^en anf die ErOrtemn^ im 3* Bande im 
Symbolik S. 20 ff« 2* Anifr. Torlflnfip beliehen. 

1) Herodot. H. 44« vergl. 42 — 45- Ich werde wai von Anden 
nnd fon mir in den Anmerkno^^n inr Bfibriichen Anipibe Über 
dieie Stellen bemerkt iii hier nnberOhri lauen. — Mit dieiem Dop» 
polcnliai eini^^r HeUenen hlnf^ miammen wai derielbe Geechiohi- 
•chreiber H. 145 Mgt: «9 Bei den Hellenen nnn freiten fflr die jdnf- 
sien GStifr HerakU»^ Dionyioi nnd Fan.** Die Mehrheit von Wo- 
een mit dem Namen Herakiei nnd die Verichiedenheit eeiner C^nea» 
lofie nnd Verehmngiweiie f^ben ipAterhin den Phüoiophen , beion- 
den den Akademikern, m manchen Zweifeln nnd Einwarfen |^fM 
die Nationalreli^on Anlara, wie man am Cicero d. N« D. HI» 16 
enieht. — Ueber den Tjriichen, Thaiiichen nnd Ac^^ptiichen 
Herakiei, nnd Aber die Namen die er dorten fahrte mnii man Mfln- 
tor*i B.elipon der Karthager nnier dem Artikel Melkarth (S. 36 C 



Ich halte diese Ansidit des Herodotns im Ganzen für rich- 
tig, besonders anch des letzten Umstands w^g;en, dass einige 
Griechen schon damals dem Herakles einen zwieTaehen Cnl- 
tos, und zwar auch einen göttlichen, gewidmet haben. Da 
nun demselbigen Zengnisse nach tan Lande der Pharaonen 
dasselbe Wesen unter den Gottheiten von Alters hier verehrt 
wnrde, so dflrfen wir annehmen, dass eine ganz igyptisirende 
Kosfflogonie, die des Hieronymos und HeDanikos Namen an 
der Stime trägt , wirklich auf Aegyptischer Priesterlehre be- 
ruht. «Ein drittes Princip, heisst es dort, ist ans den beiden 
ersten (Wasser und Erde) hervofgegangen, eine Schlange 
ist es mit angewachsenen Köpfen von Stier und Löwe, in der 
MHte mit dem Angesicht eines Gottes, auf dem Racken Flö- 
gel tragend ; sie heisst die nie altemde Zeit und zugleich He- 
rakles. *) Mit ihm ist verbunden die Nothwendigkeit, die Na- 
tur seyend , und dieselbe ist die körperlose Adrastea» u. s. w. 
Hier haben wir also einen Schlangengott Herakles, mit einer 
Naturseele Adrastea verbunden, in einer Hieroglyphe, und 
die Sculptnren und Malereien in der Thebais lassen an dem 
Alter solcher hieratischen Bilder nicht un Geringsten zweifeln. 
Jenes Bild stellte den Herakles als ewig sich erneuende 
Zeit dar, verbunden mit der Natur in ihrer ursächlichen Noth- 
wendigkeit; wie denn die ahe Bildersprache die fatalistische 
Verknöpfong der Dinge als Heraklelschen Knoten zu bezeidi- 
nen pflegte. Yermittler der Zeit auf Erden ist der Sonnen- 
gott; er Ist Zeitmesser und Lichtbringer durchs Jahr, durch 
den Jahres - oder Thierkreis vom Widder an. An einem Tage 
des Jahres« am Feste des Zeus-Amun (des Juppiter-Ammon) 
Achlachteten die Thebiier einen Widder, zogen ihm die Haut 
ab, bekleideten das Bild des Zeus damit, und trugen sodann 

3. Aiu^.) MchlMeo. Aaßkllend i«i wat Herodoi (ü. 43) m^» die 
Griecheo hAttan den Nmwt€n dtu Heraklei ?ob den Aecyptiern em- 

1) Dunaeriu de principiie p. 254 ed. L Chr. Wolf. p. 381 ed. 
Kopp: — üiifOfido9ai di XQovov dyiJQaxov xai'Hfaxk^a 
roy avToy. — ovyeivat de avTfß xfjv dvdymfjv^ ipvoiy ovoa¥% 
Tf;i/ avxi^p xai *A6^doteiav doajfuxrop x. r. JL 



ciii Bfld des Herakles su ihtt hin. *} Hier ist die Be&ehun^ 
des H^akles, als des Gottes sweiter Ordnung, mm Zeus- 
Aman dem Sonnengotte im Widderzeichen durch eine drama- 
tische Scene, durch eine hieratische Cidtnshandlung darge* 
stellt; und derjenige Gesang, der diese Coi\|nnction des He- 
rakles im Zeichafi des Widders mit dem Sonnengotte erster 
Ordnung Zeus-Anmion zum Inhalte gehabt hStte, wäre die 
älteste pfiesterliche Heraklee gewesen. Es folgten andere 
Herakleen* Hercules tritt allen Sonnenzeichen gegeiifiber, 
durchl&ttft als Ineamation der Sonne alle Sonnenhänser ; er 
kimpft mit allen Thieren des Senneitkreises , bis er im letzten 
ermattet^ und im Steinbocke untergeht Dies war der Inhalt 
der physisch -astronomischen Herakleen gewesen. *) So war 
Herakles schon als kfimpfender SonnenheU mit Kraft und 
Willen in der Personification vollendet Es war nur nodi 
ein Schritt zu der ganz menschlichen Vorstellung seines We- 
sens zu thun. Er ward gethan, und die national -Hdlenischen 
Heraklf^en stellten den Herakles nun als ein Musterbild eines 
kämpfenden, leidenden, siegreichen, aber endlich doch, seinem 
sterblichen Theile nach, untergehenden Heroen dar; als die 
h^oische Tugend im Aufgang, im Gipfelpunkt ihrer siegrei- 
cken Herrliehkdt und in ihrem eben so herzlichen Untergang. 
Diese letzte Vorstellung hatte sich im allgemein -Hellenischen 
Mythus und Cultus längst befestigt, als Herodotns, verwun- 
dert von einem uralten Gotte Herakles im Morgenlande za 

1) Herodoi. U. 42- 

2) In dieser physisch - asironomiBcheii Anflassno^ ward er auch 
mii dem Planeten Mars ideDÜficirt. Plin. H. N. 11. 6: „Tertiom Mar- 
iisy qaod qaidam llercolis Focant, i^ei, ardeniis a solis ricinitale 
(sidas).^^ Mjthop-aphos Vaticanos III. 8* p« 250 ed. Bode: ,, — ?el 
qaod secundom poniificalem ritom idem eti Ucrcales qni et Mars; 
nam siellam unam habere dicontnr.** Spfltere Deotelei machte den 
Hercules gar snm Astronomen. Ibid. p. 248* Nam qunm plara fe- 
cerit, tarnen Xu tantom ei assipiantnr (labores) propter anni XII 
sipia. DocQit enim Atlas Herculem astrooomiam eie, — Erioneran- 
gen aas astronomischen Herakleen, mit historisch -pragmatischen An- 
sichten rermengt. 



hören^ den wengen seiner LAfidlsIe«le BeMdl mllte, bei denen 
das Andenken an die fSttliche Natur des Herakles sich in 
fltffler Vereluning noch erhalten hatte. Im all|;emeinen My- 
this and Coltos war die rein^tUiche Natur des Herakles 
wo nicht gänzlich untergegangen, doch so verdunkelt , dass 
ata ihm Alkmene, eine sterbliche Frao^ Kur Mutter gab. Ein 
tech seine Thaten und Schicksale in der Sage gdeierter 
Griechischer Stammiurst, von dem die ersten Hersoge und 
selbst das Kön^haus der Spartaner ihre Abkunft herleiteten, 
hatte alle Herrlichkeit des alten Gottes in Schatten gestellt; 
and es war nun eine allgemeine Angelegenheit der Porten 
oad Historiker, seinen Hellenischen Ursprung genealogisch 
u begrflnden. Herodotus selbst geht nach seiner Weise in 
der Stammgeschichte der Heraldidendynastie von Sparta in 
diese Untersuchung ein; '3 ^^^ \iele nachfolgende Verfasser 

— 

I) Ihi ich dareh meoM ADsiohtmi k«ia« abwmk^Ddffa «^rdun* 
gn irill^ 00 r^rirem ich mIM auf dt» Artikel iber H#rdlle# m 
&. O« Mallen Werk, Die Derier L p. 411 — 468; «nf die Sohrift 
wm J. A Diek: Hereelee eecandam Graeeonm poSiee et kietoricirii 
MÜqaMree deMriptM ei ilhMtretae. Hake Sex. f830l aof iL A. Hih 
gea de Hercaiie laboriboe. Re^oaiDiil 1827« uad Ülbra aae Bat«« 
Maae Abbaadhnif aber dea mjihm dee Heraklea (im Mj^ralofae L 
8. 246 C woria dieeer Mjthae ab eiae reia phileeophiftbe Diebtaaf 
derfvetelli wird) ia Betreff jener gmiealofieebea UatereaclMinif dee 
fleredoi am so mrfhr eine Stelle aa, ale eie ia den Aanerknaf^ 
der aeaeelen Ans^be anbeanist geblieben : „DaM die Alteiie Dich* 
taa^ die fineo^ng dee Heraklei dareh Zeae blee gfeietif veretaDdea 
wiHeii wellte, and daee die Alteeiea Hörer diee anch'thatea, beweiet 
die eo gaoffbar febliebeae Beneannaf dee Heraklee 'AlMptTf^mptd" 
dfjq, Natdrlich erpriffea diee epaterhia die Hieteriker| and aMrk- 
wOrdi; iet, wie rabi^- historiecb Herodoi den Uateieclried swieeben 
der gittKebea Gebart dee Heraklee ven der der ibrife» GOtienObne 
aaffiHMi. Im 6. Bache (Caji. 93) lebri er daie die Heraklidieeben 
flerrecher der Doriar anerkaont Grieebiicher Abknaft eeyen bie anf 
Peraeae biaaaf: alee durch Heraklee and Amphitr/on ohne weitere 
biadarch: aber weiter hinaof könae er diee nichi darle^wi, or^ 
oc'x hrean kxü^pvfMitj UiQftu oideftitf naxf^o^ 99f]toB^ cJ^ep 
U^aiikit 'j4fiipiTpitop. Der Sioa iet aBeabar der: ^«„Wena ein 



*l%emetner ^üeoiscber oder besonderer Lakedämonischer Gt- 
Bcbiehten machteo solche Untersuchungen zu einer AngH^ 
Roheit Seit Jene Yerschindziuig; des physischen Sonneohri* 
dm mit dem Hellenisch - Dorischen Stammfürsteo vor^^egu- 
^n, wsr auch von den Dichtem die historisch -menschlick 
Seite vorzti^ch hervorg^oben und in einer Menge von Gtr 
echichtcD dargelegt worden. Der Grundzng seines Wtam 
war die thAtige Tugend (TT^axToa) d^er^, und mehrere e» 
ner Beiaamra, wie z. R Uebelabwender (ake^i'xaxo^y., bc» 
zeichneten ihn als einen Menschenfreoud , der »um Huirelei»M 
ach vor allem Andern berufen fühlte. Hatte ihn schon A 
Hesiodeische Theogonie (V. 616} als Befreier jenes leidenda 
Wohlthaters der Menschen des Prometheus genommen, 



Oflüenobn aeben dem Gotie noch einen Vater hat — qaem aaflm 
demoDitratit — so rentehl ei aicli <)ui man seine GriecbiacliP Jfr 
Icnnft durch dieien hindorch weiler hinaaf sn Terfolgca bal; koHl 
man aber an Bioeit, deisen Matter neben dem Gotte kei 
nthabt, fo bftreo mit dieiem die hiatoriachen NaclifargchBngwn IM 
'dewea maonlichB Aacaadeni auf, und maa kann nnr noch etm 
'deaten Matter nnd deren Abatammang Tielleicht tmgea. PeriMM iki 
wird iu dieeer Griechiachen l'ebertieferuag wohl von vi 
Seite her ein Grieche ^ireeen aejn ; aber nir wiiteu waitvr 
-^voni leine Mutter Danae hingegen nnd deren Vorfahren AklU> 
■, g. w. Haren Aegjptiacher Abkunft."" — Ana einer Amiaacni|' 
im Platoniichen Alkibiade* dem errten (p. 120, K- p- 339 BekkM.y 
daa« die Abkunft dee üeraklM und die dea Peraiacheo AchAMfHi 
«ich auf denaelben Stanunrater Peraeaa dea Zena Sohn aarOckfaluM 
laaae, nehmen die Schaliaat«n (p. 75 Rahnk. p, 366 Bekk«r.) 
laaa eine Stammtafel dea Herakle* tu geben; worin 'j^kxataq 
'^•fxaiOi an ludern ici^ wie im Commeotar dea Ol^mpiodor 
woraua dieaea RegiBter genommen iat (X.VII. p. Iö6)- 
FUtoniker encht darana die zwiefache Abkunft dea Beraklee *«aJ 
SB beweiaen Tan vaterlicber und mattcrlicher Seite, dnrcfa Ami 
und Alkmene, achlieari mit dem Satie: z/(ö 'IJpaxk^i cxcxrepi 
j^tiioi, xal ydp ix JiaTpog Tiokii rJ ^ffo» ttx,e xai 
und berührt auleiat den Anataud des Proklea, warum der V< 
im DiakiSi dw Ablunft dar LaksdUMwacbaB JLBaif« 4bi 
Pwaw aMt imk im IbnfclM dtfiRthuM for p i p « k^ 



wurden diese und andere Dienste in dem Prcmietheischen Drii- 
menkreise weiter ausgeführt. ^3 Deswegen sollte ihm die 
Pytliia selbst statt des Namens Alkides oder Alkaios, welchen 
er als der Starke hatte , den neuen Herakles beigelegt haben, 
well er wegen des Guten und Angenehmen, das er den Men- 
sdien gebracht, einen unverwelklichen Ruhm davontri^en 
werde. *) Er rottete nicht allein die Bestien und die schadli- 



1) S. Welckers Aeschjleische Trilogie Prometheus S. 44 ff- 

2) Apollodor. U. 4. 12 mii Uojoe'f Observr. p. 14Ö «q^« Tzets. 
ii Lycophr. fs. 662 sq. p. 726 sqq« mit Chr. GoÜfr. Malier p. 72G: 
'AkxeiSf^qy^ 'Akaaiöq. Nan aber nannte ihn Apollo Herakles: 

'HQaxks/jjv Se oe 0oißoq iitüivvfAov i^opofdd^er 
ÜQa yoQ dvdQoiTCotdt q>iQU}V, y.JiioQ acfdirov t^ti^. 

Hit Tollem Rechte konnte aof diesem menschlichen Standpunkt He- 
rakles als RuhmertDerSer genommen iverden, wie Goitfr. Hermann 
(ii ien Briefen aber Homer und Hesiodus S. 20) den Namen er- 
Ulrt: f,So erschien, was wahrscheinlich eine der ältesten Allego- 
rien war, die Tugend als der Rnhmerwerber, 'Hgaxk^q^ oqiJQaro 
igkiog, Dia Tagend ist ansierblich , aber die Person geht unter.** — 
Diese Lichtseite and Menschenfreandlichkeii des Heraklos wird ron 
nileetratos (de Vita Apollonii VIIL 9. p« 34t Olear.) betrachtet; 
«• es unter Anderm heisst : — ixd9tfp€ fCOTB kotfJioS rrjv ^JJkiif^ 
raq dp€^»fudoBiq dnoyikiaaq^ dq naQ^i^s» ij yij^ xar' Av- 
yUatß (vivyiay cod. Schellersh. — der Prosa gemAsser, s. Hejne 
•d Apollodor. p. 173 und Siebeiis ad Pausan. V. 1. 7- p- 182} eTtitiv 
xvffawevoifxa. riq dv ovv ooc, ßaoikevy öax^^ q^iXonfÄOv/dayog 
yoi/q ipaiyea^ai^ 9etp dvadaipai 6 avvoq CiQya] (ei^yaoe ^o6. 
Seh. Oiearins citiri in der Note ohne ein Wort an sagen so, als ob 
in Text st^yaorai stCinde. Die Corruption erweist sich aber aas 
ikr Lesart dieses Codex. Eben so wenig sagen Biel und Schleus- 
Ber über die Alexandrinischen Formen dieses Verbum, worüber jetzt 
Stephani Thes. p. 3798 Londin. and Baitmann in der ansführl. Gr. 
Sprachlehre 1. S. 402 nachsusehen. Im Philostratus möchten sie 
nicht sa dulden sejn.) — Sodann wird Herakles als ein reiner und 
iltn lUenachen wohlwollender Heros beseichnct, und die Hülfe ge- 
rOlunt, die er snr Vertreibung eines Plagegeistes geleistet: Aaf4iag 
fag Ti ^dofia xaxei {A. y. r. xaxc/ (pdofia cod. Schell.}. Zu- 
letzt schliesst der ErzUhler mit den Worten: — fif) dx^oVy ßaOi^ 
Creuzer't deutsche ScbriUen. I. 1. 7 



98 -^ 

dien Hancheii aus, sondera er BChmte meh die der Bezili- 
nnm^ ffilHgeii Thiere, Mindi|^ s. B. den Kretischen IStier, 
find machte flm ak Pflogstier den Menschen nitslieh» Er heisst 
danmiderOclisenanspanner QH^attk^q ßov^vytjqyirirdBls einer 
der Stifter der agrarischen Caltiir genannt, and in diesen and 
andern Bemühnngen am die Sittigong und Woidfiihrt wilder 
StSnme dem Gesetzgeber Minös zagiesellt Aber der Aeker- 
8tier muss ihffl auch zar Nahrung dienen. Er ist der Stier- 
schlächter (ßovq>6vo{) und der Ochsenfleischesser (ßovtpdyoqj 
ßov^ivij^y ßov&o/pag)*^ und wie von seiner Riesenstärke, so 
wurde von seiner grossen Esslust Vieles erzählt, und ihm der 
Name Yielesser (vrokvqxiyog) angehängt. — Schon von die- 
ser Seite fiel er den Satyrdramen der Griechen anheim ; Sce- 
nen welche von der BUdnerei und Haierei auf manniglalt^e 
Weise anfgefasst wurden. *") Es wäre im höchsten Grade 
überflüssig, noch mehrere Zuge zusammenzustellen, um zu 
zeigen, dass Herakles in den volksmässigen Herakleen, im 
Guten wie im Bösen , nun ganz auf die Linie der Menschheit 
gestellt war; und ich habe deswegen auch nur einige Zeug- 
nisse beigebracht, über welche ich gelegentlich philologisch - 
•kritisch etwas xu bemerken hatte. Es kommt jetzt dasauf an, 
4en Hauptsatz festzuhalten , dass nicht nmr in Stamn^edieh- 
len der Dorier und in den Herakleen, wie in den hieraua eat^ 
nommenen Attischen ]>ramen, sondern auch im aligeaieinen 
Volksglauben der Hdlenen Herakles für einen von einer sterb- 
lichen Mutter gebomen Halbgott gehalten wurde, der sich 
durch seine Thaten die göttliche WOrde verdierd hatte, und 
dass der gemeine Cultus, weil er auf dem Oeta gestorben, 
ihm Todtenopfer darbrachte j so dass jene Göttlichkeit auf 
Apotheose beruhte. 



kei'*i ta 'Bpaxkiovg {tov 'Hgaxh cod. ScheU.) dxovtu»* ifieki 
ySiQ avToB ry \49t]v^^ STtatSij x^rjoxbq xai OiovtJQtog roi^ 
av9Qui7toig, 

1) "Belege fimleo sich io meiuer Abhandlan^: De Twcalo Br- 
baceiisi Hercolem - Biuj^n Minoem^e «xhibenia, in deo Amiali 
cid liiiiiitQto arcbeoloffico Vol. VIL pa^^ 92 sqq«» andere in Weldcen 
Nachtrag su der Schrift llber die Aetdbjleiidie Triloc^ie S. 311 ff. 



Aber andererseits ist dennoch auch die ganx lieroische He- 
raklee von eienentaren nnd physischen Bestandtheilen durch- 
dningen, nnd die nrspningliche chronisch -solarisdie Natur 
des Ctottes sehimmert aflenthalben durch. Um diesen Satz in 
allen Punkten ku erweisen, wäre nichts weniger als eine Dar- 
kgtmg des ganzen Herakles -Mythos erforderlich, welche die 
Grinzen dieses allgemeinen Theils hei weitem Hberschreiten 
wirde. Ich werde mich daher auf wenige Zuge einschranken, 
md dabei wieder einige Anmerkungen machen. Jenes physi- 
sche Wesen im Herakles wird schon von der Verspätung sei- 
ner Gebart durch die Himmelskönigin Hera beurkundet, nnd 
von der Bestinunung seines Lebensgeschicks durch diese ele- 
mentarisch -launenhafte Göttin, bis er sie durch seine Thaten 
vers^nt , und von ihrem Ruhme seinen neuen Namen sich er- 
worben hatte. >) Die übrigen physisch -göttlichen Spuren in 



1) *rtoax\ij^ von *ffpa^ yXSog nach eioer andern Eirmolopo 
iliesei Namens. Proclna in Craijlum §. 79* p. 42 «d. Boisson. Toi/ 
yovp 'H^axkedtf (paoiv , 'AkxefSrjp nQoqayoQSvofiBvov dvro rcJj) 
9vrjTtSv TtaxiQtav t) Ilv^ia xixXfjxev *Hgax\ea^ (s. oben) 8ta 
T^P TCQog rt}p *HpdxXeiop (man bessere: 'Hgaiav) rd^tv xal 
SeoT^ra ovyyivBiav 9€6g yoQ ötfofiarog dv^Qtoitfp fieraSi' 
Sovg elQ T^v 5ki)v avTov aetgav xcU rijv Qumtjv tjif irQoßißXij- 
reu ßKeTTfov r^v TtQBTtovaap ridijOiv i7iuiPVf,iiav. Hier wird 
Herakles als Halb^tt betrachtet, der anter die Heralsche (Junoni- 
sche) Ordnung gehöre« wie andere Halbgötter oder Hfllls^düer höheren 
Gottheiten nnter^ordnei sind. Vorher heisst es : Ovroi yaQ dv^ oJfJiai^ 
xal ^lopvooty xal 'AöxXrjitiol^ xai 'E^fiat^ xal 'H^axkieg (ver^. 
Theodosii Canones p. 980- 1* 17 Bekkeri) ofAuiivfiot xoTq ifjpoQOiq 
avTQMP 9€0ig X. r. X. Hieraas mnss eine andere Stelle desselben 
Proklos (in Alcib. pr. p. 186 Paris, p. 69 Francof.) Ferbesseri wer- 
den, wo die Theorie der ?on Gottheiten abhängigen und nach ihnen 
^nannten Djlmonen ror|reiragen wird, und wo es heisst: 'AitdyXviM' 
peq yap xal ^leg xal /liegfiai xakoufjiepoi xaiQovaip^ dr^öf) 
xal rijp töiotijxa t(3p oixBtaiv &€(jSp ditovviiovfxepoi. Man 
schreibe xal diopvöoi xal 'JE^ftaT. Dieselbe Theorie trAgt 
Platarchos vor (de oracnll. defect p. 421* p. 724 iq. Wjttenb.), 
der darauf auch von menschlichen Namen , die nach Götternamen 
gebildet sind, sprieht: xcU ydg rjiAiäp 6 fiip tig iarl diiogy 6 

7* 



-^100 -^ 

der menscUtchen Heraklee ^ die ich beispielsweise answihie, 
zei^n sieh nun in folgenden Mythen und Bildern ^ von den 
Schlangen, die Herakies als Sfiugling erwürgte (^der dualisti- 
sche Knoten als Vorbild seines schicksalvollen Lebens}; von 
dem Knaben Herakles, der als Daphnephoros zu Theben die 
Sonnen- und Hondskogel und andere Jahresembleme getrar- 
gcn; ■} von dem Dreifussraub des Herakies, und mehreren 
andern Beziehungen zum Apollon; von der Zwöifzahl seiner 
hauptsächlichsten Arbeiten (a9koi) — in Bezug auf die Son- 
nenhüuser *— (s. oben}; vom Herakles mit drei Aepfdn;^) 
von seinem Umtreiben der Iberischen Rinder;^} von seinem 

8i l^^valo^j 6 8h*^7VoXkaiviogy tj /tiovvoio^^ ij 'E^fiatoq. 
— Um folcher Historiker willen, die lieiiti|^ea Tap ger nichts fco 
Sage Qnd Mjihiii wiMen wollen , eondem den Anfang der alten Vol- 
kergeechicliien auf die SchriftdenkmAhler beechrAnken, aeize ich 
eine Bemerknng ana der Einleiinng aar Dentichen Mythologie nn- 
aerea irefflichen Jaeoi Grimm hierher, ^^^g® und Geachichie, heiaat 
ea dortan S. HI , aind jedwedea eine eigene Macht , deren Gebiete 
anl der Grenae in einander aich Terlanfen, aber anch ihren geaon- 
derten, nnberflhrten Grand haben« Aller Sage Grund iai nnn Mj«» 
ihna, d. h* GOtterglanbe , wie er Ton Volk au Volk in nnendlicher 
Abatnfang woraelix ein riel aUgemeinerea , nnsiaierea Blemeni ala 
daa historiache» aber an Umiang gewinnend waa ihm an Featigkeit 
abgeht. Ohne aolche mjihiache Unterlage Iflaat aich die Sage nicht 
faaaen, wo wenig ala ohne geschehne Dinge die Geschichte*^* — - 
Worte, die ich meinen Leaern hier beaondera aar ErwAgnng em^ 
pfehle. 

1) Panaan. OL 10* 4> Die Beichreibnng diesea ainnbildlichen 
GerAthea (xcüTrtt} genannt) bei Proclna (Chreat. ap. Phot. p. 987 v» 
p. 386 «q» ed. Gaiaf.), vcrgL K« O. Mollera Dorier I. 330 vnd vor- 
her und weiterhin« 

2) Diodor. L 11. 12* 26. lo. Lanr. Ljd. de menaib« p. 92} 
obwohl ea anch andere Dentnngen des 'Ilfaxkijg fj^kuiv und CUfAt/' 
kog gab (a. jetat Mjthogr. Vatic. UI. 13. 5* p- 248 ed. Bode). Jene 
Erkllmng ging anf die drei Jahrsaeiten der Alten. 

3) lamblich. de ?it. Pythag. IX. 50« p* 101 aq. KieMl. JEi&' ovrm^ 
iitl itäoiv ehreVf oxi rtjv uokiv avraiv oixeia^ai oviAßißtjULay 'H^a-* 
xlia (nach meinen beaten Handachriften moaa man leaen nnd erginien : 



Wirken anf die Natur, wenn er z. B. warme QaeUen horor^ 
kingt, finchtbaren Re^n sendet, wenn er Tisch^tt (hnvQa' 
Ki^io^f mensalis} genannt, nnd als solcher mit Trankopfem 
▼erehrt, Ja in dieser Beziehung neben andern Gottheiten und 
Zeos sdber angerufen und ausdrucklich di0 Kraft der Natur 
genannt wird. >} ^^ er wird, wie Zeus selbst, zum öfteren 



olniaai ovfißißrjyiBv , taq Xiyovotv^ ^HpaTtkia), 6x8 rdc ßov^ 
Siä %^q Irakiag ^kavpep f iiro Aaxiv^v fiip dSixij^ivTog^ Kp6- 
Ttopa 8k ßorj&ovpra rijq pvxtog napä ri^y aypoiaPj uiq ovza 
TiSp TtokefdioMPf Siaq>9€lQavTog, xai iiera xavra iitayyeikafjii- 
vov Tte^l t6 (AVrjfAa ovvtjivvfAOv ixeiptp xaT0ixia9^0€0&cu (fo ha- 
ben smn Thei]. meine Handachriften, wie Kiestlinif wollte) Kohvy avTtSQ 
CLVTog fMerdoxn ti;$ ddavaoiag. Wenn Kieasl. darchaoi mii Hol- 
fienioa Aaxivov will, 00 beharren da^eg^en alle meine codd. anf 
der ereten Schreibart. Auch hat aie Diodor, IV, 25* p. 270 ohne 
VarianiOf und WoMelin^ hat eia ohne Bemerkung beibehalien* So 
•iehl aie auch ohne Abweichung in den Scholien der Tsetiea inm 
Lyeophron ▼•• 1006* p* 905 ed. Malier. Bei Serrina ad Aeneid. 
IIL 052 kommt auch mehrmals Lacinina Tor; doch einmal mii der 
Variante Lacinna. «-> Im Verfolg iat in der Brsählnnp dea lambli* 
Am» wieder daa VerhAUniaa dea Heraklea aar Hmra Lacinia und snm 
Jpoiian SU bemerken. Jene Stillunfiale^ende Ton Krofon wird durch 
die Mdnaen dieser Stadt bemerklich, die ihn nicht allein ohtiOraQ 
(Brbaner) nennen, aondern ihn aach in Terachledenen Lagen iei|;en^ 
ak Säugling und Schlangenwflrger} im Kampf mii der Lemliachen 
Hydra; mit dem Sonnenbecher nnd ala Trinker (bibaz); am Altar 
der Laciniachen Hera opfernd (Bckhel D. N. V. I. p. 170 •H* ; 
Mionaei 11. p. 190 aqq. nnd SnppL I. p. 340 ^qq.). 

1) lamblich. de tu. Pjihag. XXVm. 155* p. 326 KieaaL 
Sitivieiv 8h 7t qo vQaTte^ijg na(faxa\et diog SuixiJQoq xal 
'Bi^axXiovg xal //ioqxovQ(ov {AiOQXOQtov mehrere achltabare Ton 
meinen Handschriften), ri^^ XQOtp^g VfAVOVVxaq xov aQXtjfbv xal 
xov xavxTjq yyefAOva A/a* xai top 'H^axkia^ x^p 8vpaiup xijg 
ipvo€ioq' xai xovg Aiogxovgovg (/JiogxoQovg dieaelben Codd.), 
x^p öv/Afptop/ap xcjSp OLTtaptuiP* Einige meiner Codd. haben ?or xfjp 
dipafiip xfjg (piaetog den Znsats xaiy welche Lesart dem neue- 
sten Heranageber unbekannt war, aowie Lobeck (Aglaopham. p. 
1172)f der aie aber wohl aalbai nicht gut heiaaen wflrde, •bachon 



-^ 102 -^ 

ab Retter (ptarrjo) bezdchnet Er ersdieint als ein FreiuMf 
des Lichtes und des Tages, und wird als der Held mit dem 
Stemenkldde Q'^or^oxirmv. Nonni Dionyss. XL. M»} be- 
zeichnet Aber auch die Nacht ond Finstemiss gehört zon 
Gebiete seines Wirkens; und er begehrt von seinen Priestern, 
dass sie ihm Morgens und Abends opfern sollen* ^) -— Aber 
sein Wille und sein Beruf geht auf Licht und Leben. Er 
kämpft mit dem König der Todten Hades, ^^ befreit die AI- 



Herakles dadurch die auflallende Beseichnnn^ ab Kraft der Naimr 
verlöre. — Auf dem Re?en Forirefflicher SilbermOiizen ron Thaaoe 
erscheioi der knieende Herakles, bedeckt mit dem LOweofell , einen 
Bogen akscbieMend, For ihm eine Ljra, worauf er den Bogen stüiii 
(Eckhel D. N. V. II. p. 53- Mionnei L p. 433 und dazu Recneil 
pl. LV. nr. 5) — ApoUiniich-Herakleische Sjmbole (wie Payne- 
Knighi Symbol. Lang. p. 101 eie richtig erkannte), welche des He- 
rakles Verbindung mit Apollo, der Sonne, and die Kraft der Natur 
im Einklang mit dem All bezeichnen. 

1) Mjthogr. UI. Vat. (Albricus) m. 13- 7. p. 249 ed. Bodo: 
„ Qnumque (Hercules) de suo armento ad sna sacrificia dedseset, daa* 
bus senibns Pinario et Potitio, qnaliter se coli Feilet, ostendit, «i 
mane sibi ac vespere sacriiicari inssit.^ — - Nach einer andern Itali» 
sehen Sage hatte Hercules statt der Menechenc^fer Lichter«pfeff ein* 
gesetzt. Der solarische Jahreskreis schimmert durch die Italischen 
Herakles« jtben ebenfalls durch. Das eben angefahrte war eine Alil* 
derung des gransamen Ter sacrnm. «^^ Was nns Macer beim Macro« 
bius Saturn. I. 10 (vergl. Gell. VI. 7. Augustin. d. Cir. Dei VI. 7), 
Verrias beim Lactantius Inst. diF. I. 20. Plutarch. in Romul. p. 19, 
F. und Quaest. Romm. XXXV. p. It6 ed. Wjttenb. von der 
Verbindung des Ilerrules mit der Acca Lareniia berichten , ist 
nichts anderes als ein aus einer Italischen Herbstfeier entstandener 
Mjtbns, dessen Elemente sind: Hercules, die Sonnenkraft, Acca« 
Larentia, die von den Herbstregen getränkte Erde, welche aus ih« 
rem Schoos» neue Saaten herForbringt , wenn gewisse Tage des Ca* 
lenders wieder gewonnen sind* 

2) Hiad. V. 395 e^q. mit Heyne. Fergl. Pindar. Ol. IX. 43 eqf - 
(31 sq.) mit Tafel und Diesen, und die bildliche DarsteUoDg in den 
Monumenti inediti del Instttuto arrheoL taF. 20- 



-^ 103 ^^ 

keeHm und de» Theseiis aus der Unterwelt; *) und er «eiber 
befindet «eh^. nachdem er auf dem Oeta sich dem F^^mpien-* 
tede geweiht, nnr als Sefaattenhild in dem Todtenrekhe, sein 
nem wahren fiMbet nach aber im (Nympos, der ewigen Ju* 
gead. Hebe, nugeeellt *} 

So waren also Menacke» durch ihre ausaerord^rtlichen 
Eq^ensduiften, dnrch ihre Thaten und Verdi^iste snm Hange 
ven Göttern gelangt (Jlp&ihBimy Die mgßnOiekm (hOthMM 
der Grieche waren verkörperte, mit mensdhiichea Geainnnn- 
gesa und Letdensdiaften in Handlung gesetste, in mythiedn 
sagenhafter Weise aufgeftaste Naturtheile und Naturkräfte» 
elementare Wesen, wie Zeus, Hera, Poseidan , Demeter u. s. w. 
(JmikrcpümuBy. 

Die Thaten und Begebenheiten Jener wirklichen Stanun- 
forsten und Heroen, Jener Halb- oder Menschengötter, wur- 

1) Apolli»d*r. I. 9» 16 «Ztr. nirtarch. TkM. onp. 20. 

2) OdyM. XI. 601 ff« Weon Onomakriioi , wie Einigm m|^9 
dMM Yt§0 dam Honsr niiivr^tU^ haüe^ io war diw im Sinn der 
Fytfinfnr— r» imd lolclier Griechen geeckaken, diät wia Herodai 
craaklif daa f^Mlioke nnd aieneckliclie Natnr de« Hevaklea anarkaan* 
ien. Andere Philoeophen «tienNin aieh daran (•• Cicero de N. P. 
IIL 16); die Plaioniker, beeonden die 4er Alezandriniiehen SclHde» 
•fUariafi ditt Gditliehkeit dee Heraklea im Geürte der liieren ftali* 
pen («wil^k die Aomerkk. an Cia. a. a« O. p. 551 ed.. Cr. ei Mo* 
ier «nd jeisi Cic. de RepnbU UL 28* p. 278 der nenea Anag. iwn 
A. Mai, we die Leaari de terra, eiaii e ierra nicht bemerkt worden, 
f. dafegen p. 392 ed. Moaer. nnd deaaen Note). Im Sinne dar PUr 
ieniacben PhikMopkie bemerkt Ficino (in Commeoi» in Pleiin. IV. 
3 ezir.) gans riekü^, Heraklea aej in Fier SpkAren r« denken, in 
dar Unier weli, anf Erden, im Bimmel und in der inielUgiblen Welt. 
— Zn den Yerf^diteroogicceoen dea Heraklea (woraber Boüifera 
Hercolea in bivio p. 37 nachaoleaan) haben wir aeii ILnrsem ireff- 
liehe Beiirftfe an antiken Bildern gewonnen, beaondera in Vaaenfa- 
flOlden (a. Crerharda antike Bildwerke Cent. I. iab. 31* Annali del 

archeol. Vol. IIL p. 151 aq., nnd Raonl-ftoaheüe Monn- 
inMiteVol. I. p. 271), welche theila die AnCfuhri dea Herak- 
lea Fom Oeta in Begleitung von Gottheiten, theila desaen BmpCin|^ 
im Olymps aowie deaaen. VermAhlnng mit Hebe dareiellen. 



-^ 104 -^ 

den im Griediiseheii Mythos und Epos mehrentheik m vorge* 
stellt ^*^ ob letztere Natnrj^tter seyen; d. h. me worden 
grossentheik elementarisch an%eAus8t^ in einem physt^chen 
Lichte vorgezeigt, gescfaild^, und gesehen, und dies au 
dem Grunde, weil diese Henschengfttter bei andern Völkern, 
ans deren Religionen sich Zweige nach Griechenland ver- 
pflanzt und dorten Wurzel gefasst hatten, wie bei den Phöni- 
ziem, Phrygiem und Aegyptiem, wirkliche Götter (^iVoter- 
gditer) waren, und in Ülteren theologisdien Gesangen nnd 
hieratischen Bildern von den Griechen selbst auch so genommen 
worden — wie z. B. Herakles als kämpfende Sonnenkraft ■) — 
und weil erst nach und nach die Stammreligion der Hellenen 
die sideri^che Herrlichkeit der Naturgöttcr auf die irdische 
Geschichte der menschlichen Stammhelden aufgepfiropft hatte,*) 

1) Macrobins Satam. I. 20* p« 320 Zeon. Herculef ea est fo* 
li« potesiaf, qaae homano ^eneri Turintem ad sixiiilitodineni praefial 
deormn. 

2) In Wahrheit bietet sich flcharfiiichiifen AltcrthamifreiraJIwi 
in diesem mythischen ReHer der lieUenischen Heroenwelt deiwlbe 
Anblick dar, wie dorten den Gflsien des Soklaros in dieses Grie- 
chen Gärten am Kephissos« Da befanden wir nns, wird beim Pia* 
itkTch erzAhlt (SjmpoM. Quaesi. H. 6« 1* p* 5Q6 Wjtienb.) witer 
Bflamen, die durch allerhand Inocalaiionen eia sehr buntes GebAsche 
bildeten ; da sahen wir einen Mastixbanm , ans welchem Oe]zwei|;e 
her?orsprossien , Granatapfelsprossen ans einem Mjrtenstamme ; da 
waren Eichen, die |^te Btrnflsie trugen , Platanen , die Aeptelsweife, 
und Feig^enbAnme , welche von Manlbeerstämmen Pfropfreiser in sich 
aufgenommen hatten n. s. w. — Herakles , den die mythische Sprache 
der Alten des Zeus Auge (z/^o^ 6<p9dkfA6g) nannte — wie er in 
den Herakleen erscheint — ist ein solcher evotpdakfjiiöfiog , ein 
«olcher anf Griechischen Stamm eingeAn|^r, inocnlirter Zweiff, ein 
Phöniaischer Setsling, ein^pfroplt aal eine Pelaspsche Eiche; and 
alle Hellenische Heroen, welche in Ahnliche Elemente anfj^ldsti 
▼on Ahnlichen siderischen Lichtkreisen umstrahlt erscheinen, sind 
solche Pfropfreiser {efAßokdöeg^ wie es beim Plntarch heisst, rerffl. 
Aristoteles apnd Athen. XIV. p. 378 Schw|;h. und ap. HarpocratioB. 
p* 146 Gronov.) — aber keine 9€Oe i7t€fdß6ktf40i « keine eingesclisl» 
toten Götter, wie su Anfangfe dieses Abschnittes der I/ydier Johaa* 



-^ 105 -^ 

& B. mxd den glorreichen Tluitenkreis des mmschhchen He- 
nddes den siderischen Thierkreis, den die Sonne dorehliaft. *} 
— Hinwieder wurden die Handlungen und Begebenheiten der 
fihysisdien Grötter so erzählt und besungen, dass sie ganz 
das Ansehn von menschüGhen Thaten und Begebenheiten er-. 
Iwlten, z. B» das Meiste was Zeus. beim Homerus thut und 
ÜeiUet^ wenn er die Hera wegen ihrer Partheilichkett für die 
Adiier anfiUirt , wenn er seinen Sohn Sarpedon am Leben er- 
bdtea möchte^ und da er es nicht kann, ihn kläglich bejam- 
mmrtj und ihn im Tode ehrt — ; so dass man kaum noch ge- 
wahr wird, Zeus sey ursprunglich Naturkraft und Weltregent, 
wenn er nidht zuweilen donnerte und blitzte. 

So reichten sich in der Homerisch- Griechischen Volksre- 
iigion Anthropismus und Apotheose einander die Hände; und 
beim sorglosen Vermeiden alles Grubeins nach den Gründen 
der natürlichen Dinge und beim gänzlichen Verzichten auf 
alle Metaphysik war es dem Dichter gelungen, ein heiteres 
uiid ganz menschliches, aber herrlicheres. Olympisches, Göt- 
terhaus so recht mitten in den Bereich des ganzen Volkes 
hiBEusteUen« 

vn. 

KxantbropismiiSt Knemerismiis. 

Ich habe mich jenes nach der Analogie gebildeten Na- 
mens bedienen müssen, weil die nun zu betrachtende Rich- 
tung des menschlichen Geistes auf dem Gebiete der Religionen 



DCfl Iianreniiiif jene Terf^Ötterten CA«aren nannte; d. h« mü andern 
Woiien, die Heileoisch* heroische Apotheose ist nicht tod Menschen 
mit einem Schlaffe ^machi, sondern sie ist aus der Yersireii^n^ 
orientalischer Reliponen mit Hellenischen Ton selbst allmähliif her- 
vor^ewachsen* 

1) Es war der Künstelei der alles Sinnes lAr die alten JELeli- 
ponen eroian|relnden i^äieren Mjthop'aphen Torbehalien, den He- 
rakles an einem Astronomen anssaprfl^ni wie Albricos thut UI« 13* 
4w p. 248 ed. Bode. 



-^ 106 -^ 

mit der Beiiiieimiiiig Ratienalisnuis auf eine gans vnaiigeaie»- 
sene Weise beseidmet würde, «nd weil dam- Verbmn, weaadi 
jenes SahstantiY gefsnnl; wordea^ wirklidi in dieser Benkhnng 
bei den Alten vorkoaunt ^J 

1) Plaiarch. (de Isid. et Oairid. p. 360» A. p. 475 Wjfienb.) 
nennt Leute, die dem ^ottloien Haufen Thflr und Thore Offnea, 
und göttliche Din^e und Wesen Termenfchlichen , i^ap9piolfi' 
Qoprag ra 9eia. In einer andern Stelle, wo er von dem VomebM- 
tbnn des Pietismofl und der Supeniiiion redet (de genio Seerulb 
p- 5799 F. p. 338 Wjtt.), besetcbnei er Leute von der eutfegcu- 
^esetsten Ricbtnn^ eo: ol diy tag 9so^pikeig xtd TS9QiXXOi Xi9§q 
bJvcu SoxoiePf km^atd^ov^t rag TTfa^eig, Andere ab«r, um 
fiAr LieUiafe der Götter und gaas besondere Monscbeu febaltea a« 
werden, Aberkleiden mit Gdtilicbem ibre Handlunfen (geben ibren 
Handlangen ein göttlidies Ansebn). Es werden darauf Staatsmänner 
einigermassen entscbnldigt, wenn sie einem roben aflgellosen Hau- 
fen gegenflber die religidsen und selbst snperstitiOsen Vorstellungen 
des Volks als Mittel gebraacben, um es su seinem eignen Besten 
binsnlenken; keinesweges aber die Pbilosopben, wenn sie, ebne auf 
den Grund der menscblicben Handlungen an geben, sofort die Ufo^ 
tire derselben in gOttlicben Binflflssen sncben; q>ikoöo(p/ag dh oi 
fAOVOv eoixey döx/]fA(op ö roioStog elvai cxij^oLxipuoqj oXAil 
xalTtQoqx^v eTtayyekiav kvavxioqy ei ttclp iitayyBikauevfj Xoy^ 
rdya96y xai ro ovfifpipoy Siddoxavj elg 9Movg iTtavaxto^sl 
rijq TtSp TtQa^Büiv aQX'}^* ^^ ^^S "koyov xaraqfpoyovaa, xal 
T^p ditoSn^iv^ fj doxel 8{aq>eQBtv^ driftdaatfa^ Trpog fJLavTBv^ 
fiara r^BTterai xal öpeiparatv o^Biq. Den ersten Tbeil dieeer 
Stelle bat Wyttenbacb sum Tbeil aus Handscbriften Terbesseri, den 
letsteren verstebt er so : „ deinde ab boc actionnm initio se ad deos 
rofert, velnti spernens rationem** und fAbrt aucb im Index (I. p. 
614) aus dieser Stelle an: kitavax^QBia rivog etq r/. Aber iu 
keiner Stelle stebi dies Verbnm se mit dem Genitiv (s. Tbncyd. IV. 
44. Aristiil. Tom. L p. 734 lebb. und Suidas in dnii^Vy L p. 
437 Gaisford.). Es muss webl geändert werden: bI^ xov^ 9Boi^ 
BJrapaxtopBi dg r^v rtop ngd^Buiv d^xv^y '^^^ koyoif xara* 
fppopGVOa X. r. A.. Wenn die Pbilosopbie, nacbdem sie so grosee 
Versprecbungen gemacbt, sofort au den €idttem als dem Prineip dsr 
(menscblicben) Handlaogen ibre Znflucbt nimmt» mit Hintanaetsung 
der Vernunft und der Demonstration , worauf doob ibr eigentlicber 



Ww nn die Sadie 0elbst, die VerfWtenm^ rm Mm- 
stkßBj fcctrift^ 00 mässen hierbei sehr ve nschic dfene Erachei- 
H^gen ntt ihnn Ariftssen ^ena« üntereeiiieden werdcB. Wenn 
die A^yptier, wdelie sack versehiedeiien Nomen nnd Städten 
vers^iedene lieiUig;e Thiere hatten, in einer derselben, sn 
Andm, einem lebenden Mensehen i^tdidie Ehre ei w i esen mnd 
3ün Hier- vad andere Opfer darbrachten, so war dies eine die- 
ser ganacen Religion eigenthdmliche Conseqnenz, es war eine 
Bslkwcnd^e organisehe Erginsimg des gesammten Thier^ 
dieBtte8,*3 dessen Grand wesen als eine Vergdtterang des 

T«rs«f bemlit a. 0. w. Mao wird hieniiM erankeii , daM imr urnui 
▼M nd^Stan YoniriheilMi nicht gans freia Plntareh hiar num Wa* 
■ifitaB dia riclitifa Mitta hilt, nnd dam VaniaiiftglBvbaB aad dan 
Rachlaia dar Philatapliia niehti rargebaa wistan will. Uni gehaa 
JM nm ihm fabraachtao Aiudrficka an 9 mid wam glaich §osuit bai 
dea Griachan dai Wort €7ti9€iaOfi6g xuMdkchai gOttlicha Singebimf 
ud Baf^aiatarang basaichnai (Pollux L §. 16)* «o wird doch, nach 
dem Gabranch, dan hiar Plaiarch Tom Zaiiwori iin9€id^uv ga- 
■■chl, anch jada schwärmariacha und mit pieiistischer Tornehm- 
thaarai har?ortretende Stimmang and Lehrweise ffiglich Epith^uU" 
mm i^anaoni werden können. Andrerfeits möchte die Bezeicbnnn|^' 
iMtlinjpfttattit anch für chrisülch-ifaeologiscba Verbandlnngen nm 
M mehr an empfehlen fejn, da ein Griechifcher Kirchenlehrer in 
der Fraf^ fibar dia Goitbeit Chrifti ■ich janet Plntarcbaiacben Zeü» 
verti badieni (Crra^rins NTMenii« Orat IV. p. 534 9 B: fätj rig 
viop dxQvaag i^aydQtavrioy ro 9€iop &i' ifxKa^oSq vko- 
H^ifrAog) ; waga^n dar ebrwfirdiga Nama RaiioHmli$wm§ Jenem mit 
dea Svpamaiaraliamns ;ar nicht iinrertrA|rlicban Verfahren Tarba* 
kaUen bliebe, da« von dem Grunditati ausgeht, die Vernunft ab 
die böchata Kraft dee menachlicben Geistes flberall geltend an machen, 
ihre GeBeixe aof alle GegensiAnde der firfabrnng anxnwenden, und 
fie ab ffona aar Prflfnng derselben an gebranchen. 

1) Diesen Znaammeabang scheint Parpbyrins in dar Haaptatella 
(de Abatinantia ab esn animall. FV. 9- p- 325 Rhoar) selbst geab- 
Sri an haban, dann nachdem er von andern Cnltnageganstanden dar 
Ae^yplier gehandelt, fflhrt er fori; „Nlchsidem rerehren sie alle 
Thiere, auch noch einen Menschen im Flecken Anabis, allwo man' 
deawelbea nach Opfer bringt, und anf dan AHtraa dia Opferthiara 
rerbreunl " 



-^ 108 -^ 

LA9m wir in einem firäheren Absclmitte bereits l»etrMhtet 
haben. Wenn ferner dieselben Aej^tier einem animaliselien 
Individuom, einem Normalthiere, dem Stier Apis, götCtiehe 
Elure erzeigten, und bei seinem periodischen Ahgaiig naeh 
gewissen hieratischen Zeichen einen andern Repräsentanten 
aas derselben Thiergattnng an dessen Stelle setzten , so yer^ 
ehrten sie zwar zunächst auch darin den Lebensgmnd aller 
Leiber^ der ihnen Gott nnd zwar Oisiris war; wenn sie aber 
den Apis auch deswegen göttlich zn verehren vorgaben, ¥re3 
dm Omri» Seele in ihn gefahren, nnd periodisch in ihm widme, 
d. 1l des Gottes, der in seiner Erscheinung auf Erden einst 
dem Volke der Pharaonen und anderen Nationen Wohlthiter 
gewesen, so zeigt sich hierin eine nahe Verwandtschaft mit 
den Religionen des Buddha und namentlich mit dem Lamais- 
mus, dessen Wesen es ist, im Dalai-Lama einen verkörper- 
ten Gott zu verehren, der nicht stirbt , wie die Anhänger die- 
ser Culte glauben, sondern, nach dem Gesetz der Seelenwan- 
demng, nur dieses menscliliche Individuum veirlässt, um m 
ein anderes überzugehen, welches von den Lama-Priestem 
nach gewissen, nur ihnen bekannten Zeichen bestimmt wird. ■) 
— Ob Jener Philippos von Kroton der Sohn des Bntakides 
mit den Buddhaisten von Tibet und Indien staAunverwandt 
gewesen, *3 wollen wir nicht fragen; was aber die Egestäer 
diesem schönsten seiner Zeitgenossen, dem die Götter mi 
Olympia den Sieg verliehen, nach seinem Tode erwiesen, in- 
dem sie auf seinem Grabe an Heroon errichteten , und dem 
schönen Todten Sühnopfer brachten , das hat mit jener Buddhai- 
stischen Verehrung eines im Fleisch erscheinenden GKittes 
keine Verwandtschaft, so wenig wie der populär- Griechisdie 



1) Der ZuMmmenliaDi^ dieses Glaabeos and Dienstes mit der 
Indischen Lehre, wonach ein Mensch durch Bosse, Gebet nnd Eni- 
saf^n^en aller Art die Schranken der irdischen Nator dnrchbreehend, 
Gott selbst werden kOnne, nnd als solcher, in wiederholten Inear- 
natienen Wohlihäier und Erretter der Welt, ist schon von Andern 
▼ermnihet worden. 

2) Wie K. ftiüer in der Vorhalle in Termothen gewagt S. 351* 
vergL 8. 324 und Herodoi. V. 49- 



-^ 109 ^^ 

Heroendienst, den man dem Herakles und andern Heroen m 
widmen pflege. Jener Cult des Phflippos gehört dieser Reli- 
gien der Schönheit an, die, nachdem sie poetisch dnrchgebfl- 
det war, das Göttliche vorzuglich im Elemente des Schönen 
anzoschanen pfl^e, uid in vorzüglich damit begabten Per- 
sonen einen Abglanz der Gottheit zu erblicken glaubte. Wir 
därfen uns daher nicht wundern, dass unter den Griechen 
dieses Wohlgefidlen an der Schönheit, zumal wenn sie mit 
andern grossen Eigenschaften verbunden war, nicht beim He- 
roencnltus stehen blieb, sondern sich, zumal nach dem Tode 
solcher Helden, bis zur Vergötterung steigerte, wie z. B« 
AchSleB in den Pontischen und andern Griechischen Landen 
wirklich göttlidie Ehre genoss. Aber auch die wirkliche Apo- 
dieose, wie die des Herakles, hatte mit jenen orientalischen 
Incamationen gar nichts gemein ; und wenn auch die Athener 
in ihrem Theseus einen zweiten Herakles erkannten und ver- 
ehrten, 80 fiel es ihnen doch so wenig als andern Hellenen 
ein, fiteinen Körper für das GeAss des Herakleischen Geistes 
a hatten, oder überhaupt in dem Volksglauben von periodi- 
sdien Umkörperungen QiÄerspatofiaraiaeai') in verschiedene 
sterbliche Leiber zu sprechen. Andrerseits konnten die Grie- 
eben nach ihrem feinen Schönheitssinne sehr wohlgestaltete 
Personen mit Gottheiten vergleichen , oder die Kunstler im 
Entzucken über die Schönheit eines ihrer Zeitgenossen eine 
solche Mnstcrgestalt zu Studien wühlen, um von einem sol- 
chen Ausgangspunkte aus sich zum Hervorbringen eines Göt^ 
terbildes zu erheben , wie mit Alkibiades geschehen seyn soll, 
m einen Hermes zu fertigen. Aber erst spätere Irreli^ositit 
nd Sehmeichelei konnte dahin verfallen, einer sterblichen 
Königstochter Tempel und Bildniss unter dem Namen einer 
Göttin za weihen ; '} und wenn Praxiteles in künstlerischer 



1) Wie Adinuuiioi la Ehren der Tochter des Demeirios Polior- 
kelef gethan« Sie hieu Phila, und er widmete ihr Tempel und 
Bild mit der Inechrilit der Aphrodite - PhiU {^ika^-'A^^odixrjq. 
I. Aihenaene VI. p. 255$ C. p. 478 Schwgh. mit den Aoclegern 
Vol. III. p. 512 eqO- Dodwell (Cieftiicel and io^fsr. tarn through 



-^ IW -^ 

Beg«fe(temiig wohl flumehmal eine irdisdie Aphrodite so sdieo 
Rauben mochte, so hat er darnm den Koem und den Kni- 
diern nicht ein ftonisehes Bild (Torträtbfld} jener bertihnten 
Hettlre in ihre Tempel gesetsl;; dies war einem Römischen 
Maler Namens Arelltns kons vor dem Anfang der Monarchie 
vorbehalten, der sidi nicht schente, die Porträtfigoren seiner 
Buhlerinnen in Olympischen Uragebangen als Göttinnen dar- 
Kiistellen; dafar aber von einem ernsthaften Gesehichtschrei- 
ber '} dem Tadel der Nachwelt ausgestellt worden ist. 

Wie man auch von jenen kosmogonisch-theolo^chen 
Fragmenten des Sanchuniathon , die wir nach den Griechi- 
schen Auszügen des Philo von ByMos aus der dritten oder 
vierten Hand besitzen, denken mag, ^3 immer wird es anffiiü- 



Ch-ccea II. p. 170) hat die Niwlie swar ahoe BiU aber mit dar la- 
sdurih aafJifafaBden. 

i) Plioiiia XXXV. 10: Foii ei AreUins Romae celeber paallo 
ante Dtrnin Angutiiuii , ni$i fiagiiio iuMigni eorrupü»et arUm. Ver^ 
Schom Aber die Siodien der Griech. Künstler S« 316« 

2) Ich wiederhole jeixi nicht, was ich in diesem Werke IL 
S. 16 f* 2* Ausgabe sosammeDgesielli, and bemerke nur nachträ^lichf 
dass es in einem Zasais anm Snidas (II. p. 3241 ed. Gaisford.) ▼«■ 
ihm heissi: Sayxtifvid&ijg dtdcSptog (foq>6g rotg X9^^^^^ utari 
Scfji/QafjiiP ' eyQatl/8 ry OoivUoiv 8iaKixT(ft tpvOioXuyiav HUÜ 
di^a xtvd. Es ist wohl la schreiben: Sayx^'^'d^afv lidtO' 
Piog ^ikoC; denn wenn ihn Snidas einen Tjrier, Andere eiMi 
Brrjiier nennen, so konnte eine andere Quelle ihm anch woU Si- 
den snm Vaterland geben. Ferner tob dem Mochos (Jlfiaja^), den 
Athenäas neben Sanchnniathon anfahrt (III. 37. p. 126), kommt aadi 
Lei Damascins de Principiis (p. 385 ed. Kopp.) ein Stack Phtai«- 
acher Sjoemogonie Tor. Fttr Anerkennnnf^ alt - orientalischer Groad* 
laj^en in jenen BrnchstOcken sind Beck, Heyne, Meiners n. A. (s. 
BOtiig^ers Ideen snr Kanstmytholog^ie I. S. 220. 375 and jetst San- 
rhoniathonis Fragmenta ed. lo. Conr. Oreilins p. IV sq. Ter|^ p. 
4 sqq., welche Gelehrte selbst anf jene Seite treten). GAnalich 
verworfen werden diese Fragmente von Hissmanu a. A. , denen nener» 
lieh Lobeck (Aglaopham. p. 1265 sqq.) durch uene Beleuchtung' der-^ 
selben ganz entschieden beipflichtete. Polemische Zwecke hat!» 
schon Phi]o mit diesen Griechischen AnssAgen, and zwar gegen dem 



lend bleiben^ in Jenem PhonisiseheB Zeitgenossen der Semi- 
nunis so su sagen einen Atheisten zu erblidcen , denn ihm zo- 
Mge wäre das glänze Ponisehe Pantheon mit lauter gewese- 
nen Menschen bevölkert gewesen ; und wenn aneh unter den 
Angaben, die uns unter seinem Nam^i überliefert werden, 
mandie ein so alt-morgenländisches Gepräge haben, dass sie 
kaum von Späteren erdiditet seyn können, so mfissen uns 
doch die verschiedenen polemischen Abrichten, die bei den 
wiederholten Mittheflungen sichtbaiiich vorwaRen^ S^gen je« 
nen Satz, die PhöBizischen Gottheiten seyien Könige und Kö- 
niginnen gewesen, im höchsten Grade misstrauisch machen. 
In diesem Sinne möchte der ven einem rettgüeen Griechen 
ausgeführte Satz, dass keiner unter den Barbaren ein Gottes- 
leugner gewesen,*) eine grosse Wahrheit enthalten; wenn 
man nämlich an das Widersinnige der Annahme denkt, als 
hatten sich ganze Völker des alten Morgenlandes vermittelst 
listig veranstalteter Apotheose Fürsten und Fürstinnen als 
Götter und Göttinnen aufdringen lassen. BGt jenen aus einem 
allgemein verbreiteten Glauben an Seelenwandepipg hervor- 
gegangenen Buddha -Göttern hat ^es eine andere B(A\'andtm'ss. 
Unter den Griechen erklärten zuerst die Sophisten die 
Griechischen Nationalgottheiten theüs auf realistische Weise, 
theQs lehnten sie sich entschieden gegen den Hellenischen 
Polytlieiamus auf.Q Sie fanden Gönner und Freunde unter 



losephof (nach Bottiger; alsdann inflMte man Philo's Zehalter spAter 
als 'Sero*» Regieran^ setzen), Porphjrius gegen die Christen, and 
hiMriedar fiusebini ond andere KircLcnlehFer fe^n die Heiden, 
l^^en welche ihnen so uralte Nachrichten ron der Nichligkeii der 
ethnischen Religionen eine erirünschte Waffe wacAO. 

1) *Ou mjöelg xdSv ßa^ßd^mv d9eog. So laatei die Ueher- 
schrift eines Kapitels des Aelianos, das jeiii unter den vermischtou 
Geschichten steht (V. H. II. 31)» das aber vielleicht aus desselben 
Schriftsieners B fiebern von der Vorsehung (TTi^i itQOvotaq) als ein 
Brachettirk in jene andere Sainnilung verpflanzt worden ; wenigstens 
ist in diesem Kapitelrheu ron der Vorgehung der Götter auch die 
Rede. 

2) Prodikos von Ceos .(€ic. de N. D. f. 4t); Pretagoras von 



-^ 112 ^*- 

Staatsmännern, und Widersacher an den Sokratikem- ■) Un- 
ter jenen suchte Kritias, einer der dreissig Tyrannen, den 
man deswegen auch den Sophisten nannte, einem noch küh- 
neren Systeme durch poetische Darstellungen Eingang zu 
verschaffen.*) Er und seine A^h&nger gingen von zwei 
Sätzen aus. Zuvörderst behaupteten sie als ursprünglichen 
Zustand der Menschheit eine bis zur Anthropophagie versun- 
kene Bestialität; sodann, dass Priester und Gesetzgeber, um 
die so rohen Menschen auch vom heimlichen Uebertreten ihrer 
strengen Gesetze abzuhalten, und sich des Gehorsams ihrer 
Untergebenen durch knechtische Furcht zu versichern , die 
Lehre von Göttern und von einem Leben nach dem Tode ab- 
sichtlich erdichtet hätten. '3 

In der Cyreuaiarhcu Schule nahm die Skepsis in Sachen 
der Nationalreligion ohngefihr denselben Gang. « Aristippos hatte 
wahrscheinhch mit Vielen seiner Zeit die Vorstellung und Ver- 
ehrung der Volksgötter tär Aberglauben glehalten , und wusste 
nur ein höheres Wesen von seinem System ans nicht zu ge- 
winnen. Theodor aber scheint in späterer Zeit dies unver- 
holen ausgesprochen zu haben; daher er als Atheist im Altef- 
thume berüchtigt war. Aber leicht ist zu sehen, dass dieser 
Atheismus nicht blos die Volksgötter betrifft, sondern ein Miss- 
verstand alles Heiligen und Unvergänglichen ist; wie denn 
auch Plutarch von ihm sagt (advers. Stoicos cap. Sl}, dass 
er etwas Ewiges und Göttliches geleugnet habe. Und in der 



Abdera (Sext. Enpiric IX. 63 — 57)« veri;!. Böüi^en Kunsi-Mjtlio* 
lo^ie I. S. 182 ff. 

1) Plaio de Le^. IX ra AnlaD^, in der Republik and in an- 
dern Dialo^n. 

2) KQlxiaq o rvQavvo^^ 6 ao(piOTij^y welcher letztere Bei- 
name damalf gerade noch nichts Anrüchii^s hatte (•• Critiae Tyranni 
Carmina ed. INicol. Bach. p. 3* Br wird anch Popalarphiloeoph ge- 
nannt (jcpikooofpo^ €P iÖKOTaiQ). 

3) Sexi. Empir. IX. 13 vnd 54. p. 551 sq. n. p. 562 «H- •'• 
Fabric. rergl. Critiae Carmm. p. 56 iqq- 



-^ 113 -^ 

That zeigt sich durch ihn das Cyrenaischo System schon aof 
der Spitze dar Unsittlichkeit» ') 

Mit diesem Theodoros oder mit andern Gottesleugnern 
oder auch nur Bestreiten! der Yolksgötterschaar wird nun in 
vielen AnfBhrungen der Alten Euemeros von Blessana in Si- 
eiUen zusammen- oder vielmehr gewöhnlich an ihre Spitze 
gestellt *3 Und er verdiente diese traurige Ehre. Denn 



1) Aii«iD|^ Ton A. Wendi ao« teioer f^balireichen Schrift De 
philoiopliiA Cyrenaiea in den GoUin^. gelehrt. Ansei^. 183Ö* S* 796. 
Ich tüf^ hinxu, Theodoroe moM ee mit geioen AeuneniDgeii sehr 
weil i^airiebeii haben; sonst hAüe er wohl nicht su entfliehen und 
in Athen snm Sehnte des Demetrios von Phaleron gegen den Areo* 
pag seine Znflncht sa nehmen branchen. Wenigstens war die Na- 
tioMdreligton durch scheinbar äusserliche Anerkennung leicht zu be- 
siechen ^ Qnd in der Regel konnte sich ein Freidenker unter den 
Ckiechen unglaublich Wel erlauben, wenn er nur nach demHerkom- 
■en den Aflentlichen Gebräuchen sich einigermassen bequemte (Sexi. 
Impir. IX. 49 s — xava (äIp rä rcdxQia i&ij xai tovg pö/iovg 
Ityoiir «&a/ 9€ooqy xai Träp to eig xovxtop 9fijox6£(DLp xal ev- 
nißeiaiß avvretyov itottov). 

2) Theodoretus Therapeut. III. p. 760 ed. Schulse; Ovx ap 
{iopoi ye d9soi ^uiy6(fag 6 MiXyaiog xoU BeodütQog 6 Kv- 
fi/paioqj xal JEv^fiepog 6 Teyednjg xai ol rovroig TQx6kov9ij' 
TLäregy napraitaat (päpveg fji^ elpai 9€ovg^ dg 6 ükovTOQxoQ 
hp^n NAmlich Psendoplntarch De placitis philosoph. I. 7 (i^ergi. 
C. D. Beck daselbst p. XV sqq. und p. 149)« Es hätte in dieser 
neuesten Ausgabe des Theodoret, wo selbst Handschriften ?orangin- 
{«B, o Mijkiog an die Stelle ron 6 Mikyoio^ gesetst werden sol- 
len. Auch war Euemeros nicht aus Tegea in Arkadien, auch nicht 
aas Agrigent in Sicilien (wie Arnobius IV. 29 Migt)f sondern JUsa- 
OnvioQf d. u aus Messana in Sicilien. Aelian. V. H. II. 3i* Ov~ 
Siig yovp ippoiap hhiße roiavrrjpj olap 6 Ev^/iegog 6 Mea^ 
fsipiog (Coray p. 295 loscht den ersten Artikel aus, den cod. Hei- 
delb. nr. 155 doch auch hat. Jedoch wird man ihn entfernen oder 
olap ^ Evtju. lesen mOssen.) fj ^loyhfjq 6 0QV^^ t) ^InitoiP^ ^ 
SfoOiaQy f] 'ErrixovQog x. r. k. (Dem Sutaiaq hat man 'Ivntiaq 
eder Toffyiaq unterstellen wollen. Jedoch hat unser Cod. und der 
she, welchen Eustath. in Odjss. III. ?s. 381« P- 134 ed. Lips. ge- 

Cituzer** deuUchc Schriften. 1. i. 8 



114 -^ 

^venn jene deslroctrren Sitze der SoplBsten , der Cyrenaiker 
und Skeptiker an sieh schon gerahrlieh und verderblieh genug 



branchfe, ebenlklb StoOia^*) — Weno io dem Torirefllicheii Ab* 
srhtiiii Aber Saemeros in Bötti^en Koiuii-Mjfholope S. 186 i"« 
zuerfi ron Lo^o^rapben die Rede ist, welche die Mjihen durch 
blosse geschichtliche Thatsachen sn erklflren und ans den GOttem 
selbst blosse Feldherrn , Könige, Gesetzgeber heranssndemonstriren 
gesucht haben sollen, so wird unter diesen Schriftstellern Charax 
von Lampsakos angeführt , and in der That hat Eostathios (in Odjss. 
IV. p. t76 Lips.) Xdga^, E« sind also die Hellenica des Oharas 
(Suidas n. p. 3878 Gaisf.) mit dem eben so betitelten Buch des 
Charon von Lampsakos Terwechselt worden* Charax gehört der Rö« 
mischen Kaiserseit nach IVero an. Ans den folgenden Belehrungen 
theile ich Einiges auszugsweise mit. Böttiger fflhrt fort: „Wir wis- 
sen aus der merkwürdigen Stelle beim Ensebins in der Praep. Er. 
11.49 <l^0 ihm (dem Enemeros) der Macedonische König Cassander 
eine Mission über die Meerenge von Bahel-el-Mandel hinaos gab. 
Auf dieser Seereise besuchte er ohnsireitig nicht nar die Kdaleii 
des alten Arabiens (das alte Ophir), sondern auch die Insebi dieaMiti 
und jenseits des Torgebirgs Comorin, wahrscheinlich anch Cejlon 
oder Taprobane. Nach seiner Rflckkehr schrieb er ein Werk -in 
▼ier Bffchem, le^a twaygaipi] {da9 Temp^larehiv) betitelt. Bs 
enthielt den aosflllhrlichen Commentar za einem Tempelregister, das 
er summarisch (x9q>aXata}d(3g Btk^ Diodor. Tom. IL p. 633 md 
Ensebios) anf einer goldenen Sanle im Tempel des Zens Triphjlios, 
in PanchAischen Bachstaben, d. h. in Hieroglyphen eingegraben fand. 
Der Tempel war im Mittelpunkt einer paradiesischen Insel [Totafse 
tnriferis Panchaia pingnif arenis Virg. Georg. II. 139 mÜ Heyne. Cr.] 
auf einem hohen Berge (dem Adamsberge bei Candy?). Schon der 
Titel des Werks ist eine Art von Parodie auf die dvaypafpa^ oder 
Tempelregister, dergleichen wir ans Eusebios Chronikon wun den 
Priesterinnen zn Argos und den Priestern zn Sikyon kennen. — 
Das Werk begann mit der Tiüinendynastie unter Kronos, nnd seigte 
dann, wie Zens, sein Nachfolger, in Kreta, nach nnd nach eich 
alle Tölker unterthänig machte, sie durch Ackerbau nnd Religions- 
satznngen entnilderte, und nach einer fünfmaligen Reise «m den 
Erdkreis (terram quinquics circnint beim Lactautins I. 11) mit sei* 
neu Kureten tfich einen heiligen Priesterstaat in Oiiem auf der rat- 
chen Insel PanehA« stiftete, nnd endlich anf KLnossoe auf Kjvln be- 



waren, so kamen sie Jedoch, in theoretischen Werken vorge- 
tragen, nicht sofort ins grosse Publikum und unter das Volk, 



{nben wurde. (Ueberhaupi weiss er last allen Göttern ihre Begräb- 
■iasplatxe nach den ProTJnzen nachzawelsen , sepalcra per provincias 
monstrat Mmgi Mlnocios Felix p. 22 ^d- Oaxel.)** Ich fd^e ans 
einem neuerlich gewonnenen Erklärer der Gedichte des Gregor von 
Nasianx (im Cataloj^. Maniiscriptornm Clarkii in biblioth. Bodleiana 
ed. Gaisibrd. p. 49) bei: KovQfjjBq dt Biöi Sat/Aopeg xiplg ivo- 
%Xoi fiatyofiBvoi. Uvqqi^ltjv (le|^. üv^^ixijv) yaQ OQ^rjOip tcw' 
r^y xakoSaiv. 'Ekhjvsg [ihv ^eotf rov Sia fpt] (leg. xbv jdia 
fpaüi)j TfffjyoQioq di tprjotv 6 &€iog on K^tfruSp rvpapvog^f/v 
awSifmnog yoijg (fort. i;y tj d. 7.). Oi de rovvov vitaoTtictal 
xokaxevovreg avroy ^sott dytjyoQevoav, Tovvov 6 raqpog kp 
Kf^Tff' xai eniyffafifAa e^ei ort avv69i x£/ra/, eig akeyxov 
noy oiOfiiviav avroy eipai deov tpaai dh xcU axtjitTOi^iyja 
xoSxop dpcufi&^ifai. Also noch obendrein Tom Bliti mnss dieser 
Zeus •nchlai^n werden, wie Tnllos Uostilias der stolze Römerk6- 
■i|^9 wie Salmoneos der KOnig ron Elis, die den Donnerer Zeas 
■adMlimen wollten. Man sieht, wie diese pragmatische Ansdentnng 
der eifngen Kirchen?flter noch weiter ging ab Enemeros, der doch 
den Zeus In patriarehaliseher Behaglichkeit sterben lAsst. Denn 
dies BMurte oum pragmatisch (XfayfiaxiXtSg) auslegen (vergl. meine 
Meletmam* I. pag. 43 ^q.)» — * Zutatst muss ich noch eine Stelle 
d« BnsUios (des späteren, in den Toa Boissoaade herausgegebenen 
SdMlien aber Gregorins ron Naaianz, in den Noticee et fixtraits 
da« Hsa. da la Biblioth. du Roi Tom. XI. 2. pag. 78) berühren. 
Dort liaisst es: M^ elvcu di itQovoiav xai deov oi txbqI Uv 
^ayoQav xai 'A(fioxoxekf]if xai AtjfÄOX^ixoif xai 'EitixovQOv 
ido^a^ov xai oi xax' avxovg x. r. X. Mit Recht bemerkt Bois- 
in der Note: „Basile r^nnit fort ridicnlement, k mon avis, 
cette accnsation d'athi&isme, Arlstote et Pjthagore avec D^mo« 
crite et Epicnre.** — Allein, frage ich , sollte denn selbst ein Schrift- 
steller des sehnten Jahrhunderts so unwissend gewesen sejn, den 
Pythagoras unter die Atheisten sn stellen, da er fast in jedem Kir- 
cheuTater Yerseichnisse von Gotteslengnem unter den Griechischen 
Philosophen finden konnte 1 Ich kann mich nicht daron überzeugen, 
und glaube, Basilius hat geschrieben oi KCgl ÜQtüxayopap. 
Dean Protagoras, obwohl nur Skeptiker in dieser Frage, wurde doch 
««■ BiBigan lu den Gottesleugnani gesAhlt {8tTL Bmpir. adv. 

8* 



und die wissensehafllich GcbQdeten hatten dagegen Waffen 
in der Hand, die ihnen eine klare Einsicht in das Wesen der 
menschliehen Natur und eine gesunde Logik liererte. In die- 
sem Geiste bemerkt zum Theil ein scharfer Kritiker der ver- 
schiedenen dogmatischen Systeme mit offenbarer Hinsicht auf 
Euemeros treffend: *) «Die aber behaupten jene ersten Be- 
herrscher unter den Menschen und welche Verweser der all- 
gemeinen Angelegenheiten gewesen, hätten sich eine grössere 
Macht beigelegt und eine höhere Ehre, damit ihnen ihre Un- 
tergebenen Gehorsam geleistet, luid jene seyen nach ihrem 
Tode mit der Zeit für Götter gehalten worden, diese verste- 
hen wiederum nicht was in Frage kommt Denn eben jene 
Leute selbst, welche sie unter die Götter erhüben, wie kamen 
sie doch zum Begriff von Göttern, worunter sie jene einreih&- 
icn^ Dieses eben, was gerade einer Demonstration bedarf, 
übergeht man. Ausserdem ist aber auch das Behauptete un- 
wahrscheinlich. Denn was von Regenten geschiehet, beson- 
ders wenn es lügenhaft ist, hält sich mit den Begierenden 
nur so lange sie leben, wird aber, so wie sie das Zeitliehe 
verlassen, wieder abgeschafft.» — Wenn aber Euemeros, ge- 
rade weil er die Empfänglichkeit seiner Landsleute für wun- 
derbare Geschichten kannte , * nun mit einem Reisebericht von 
fernen Ländern und von einer Wunderinsel, nach der Logo- 
graphen Weise , aber wie ein umgekehrter Herodot, vor einem 
gemischten Publikum auftritt , um auch dem gememsten Manne 
den Glauben seiner Väter zu entreissen , ohne etwas Besseres 
an die Stelle zu setzen, und ohne sich überhaupt um die sitt^ 
liehe Wirkung seiner Erzählungen im Geringsten zu beküm- 
mern; dann möchte die doch fast allgemeine Entrüstung , die 



Math. IX. 55- p. 564). Siaü ^AQiöxoxakrjy könote man aach 'Aqt^ 
örayoQap ronchla^eo , denn Aristag^orac von Melog warde lu den 
Atheisten gezählt (s. Fabricin« zum Sext Emp. pag. 561)* — Aber 
Ari«iotelef galt bei Andern für einen halben oder ganzen Atheisten« 
(Man 8. die andere Hauptstello des Seztns Pjrrhon. Hjpoijp. HL 
218. p. l'^2, und vergl. Cie. de IS. D. L 13 post inii.) 

1} Sextns Empir, adren. Maihemm. IX. 34. p- 557 ed. Fabric. 



117 -8^ 

von Seiten seiner Zeitgenossen, und <)ie Verachtung, die 
ihn von den ersten Männern der Nation traf, nicht blos hin- 
länglich zu erklären und vollkonunen zu rechtfertigen, son- 
dern auch höchlich zu loben seyn. *) 

Es ist in mehr als einer Hinsicht merkwürdig zu sehen, 
welche Aufnahme ein solches Popularsystem auf die Lehrer 
des Christenthums hervorgebracht , und welchen Gebrauch sie 
davon gemacht haben, und weil ein gelehrter Alterthumsfor- 
scher gerade bei dieser Gelegenheit die Bemerkung macht, ^} 
dass die Stellen der Griechischen Apologeten hier noch einer 
besonderen Sichtung bedürfen, so will ich dazu einen ganz 
kleinen Beitrag geben : In den früheren Zeiten des Christen- 
thums, als die apostolischen Väter und ersten Vertheidiger 
des neuen Glaubens , zum Thcil selbst gebome Griechen, noch 
einen gewissen Gemeinsinn für das was unter Hellenen ziem- 
lich sey und eine besorgliche Liebe zu ihren heidnischen 



1) Eraiosthenes nannte den Baemeros eihen Betgäer (Bcoyalop) 
i, h> er nannte ihn einen Ldgner, der eben so unTerscbflnii fcj 
ab Jener ans Borg^a f^ehürtige Antiphanes (Polyb. XXXIV. 5* vergl. 
XXXUI. 12), nud Poljbios selbst verglich ihn mit dem Mahrchen- 
ersahler Pjiheas (vergl. Erat osthenica ed. Bernhard j p. XV u. p. 1 2). 
Plntarchos aber (de Isid. ei Osirid. p. 360, A. p. 475 Wvücnb.) 
pebt ihm die Entweihung alles Heiligen anf den Kopf Schnld, nnd 
Sagt er habe darrh seine erlogenen fabelhaften Erzflhlnngen die 
giBze Masse der Gottlosigkeit über die Welt rcrbreitet (Ttaoav 
d^eonjxa xaracfTceSdifwai rtjg oixovfjiivijg). — Ich möchte daher 
den Gmnd dieser allgemeinen Verirfinschnngen der Griechen nicht 
swwohl mit Lobeck (Aglaoph. p. 969 sq,) darin suchen, dass Ene- 
meros snerst die ganxe Gotterlehro erschüttert nnd den Jnppiter sel- 
ber als gewesenen Menschen zn nichte gemacht , als vielmehr in der 
nngehenren Wirkung, die sein destrnirendes Werk durch die popu- 
läre nnd angenehme Einkleidung auf alle Classen der Gesellschaft 
henrorgebrncht hatte. — Bekannt ist auch die Entrüstung des Kalli- 
Bachoa über die Antastung der Gottheit des höchsten Nationalgot- 
(es (Cal|imach. Iljmn. in lur. vh. S mit dem Scholion; vcrgl. Pauli 
list. ad Tii XV. 12 mit den Auslegern)^ 

2) Bdttiger in der Kunst - Mythologie I. S. 190- 



Landslcuten bewahrt hatten, verletzte sie ein so frivoles Ld- 
genwerk nicht minder als die öbrigen fromm und sittlich le- 
benden Griechen. In diesem naiven Volks^eftihl dräckt sieh 
einer der ältesten Kirchenväter über Euemeros selbst nodi 
stärker aus als der fromme aber heidnische Plutarchos. «lie- 
ber den höchst gottlosen (a&eoraTov sagt Tbeophilos von 
Antiochien} Euemeros scheint uns überflüss^ nur zu reden* 
Denn nachdem er sich erfrecht, von den Göttern Vieles aus- 
zusprechen, will er am Ende und überhaupt behaupten, es 
seyen gar keine Götter, sondern Alles in der Welt werde 
vom Zufall (avTotAaTtOfA(p) regiert» *) — Aber schon im 
nächsten Zeitalter glaubten die Kirchenväter von diesem Ro- 
man des Euemeros viel grösseren Gewinn zu ziehen, als von 
jener Kosmogonie des Sanchuniathon. Das waren doch immer 
nur Vermenschlichungen alter Asiatischer Götter. Hier aber 
hatte ein Grieche selbst, ein Freund von Königen, ein welt- 
erfahrner gelehrter Philosoph, die Nichtigkeit des ganzen Hel- 
lenischen Olympus aus Tempelarchiven urkundlich vor aUem 
Volke erwiesen. Einen solchen Mann konnten sie brauchen; 
unbekümmert dass die ersten Männer der Nation ihn mit Spott 
einen Lügenmund, mit Abscheu einen Gottesleugner genannt, 
Empfindungen die vormals mancher fromme Christ, so ^vie 
Theophilus, mit ihnen getheilt haben mochte — entblödeten 
sie sich nicht in diesem Krieg gegen die Griechischen Götter 
Parthei für ihn zu nehmen, nnd ihn und seine Genossen mit 
Lobeserhebungen zu überhäufen. ^3 — Ob diese Benutzung 
eines oiTenbaren Lügensystems dem Christenthnm im Ganzen 
wahren Vortbeil gebracht, lasse ich auf sich beruhen; dass 
aber ein solches Verfahren nicht redlich war, stellt sich jedem 
Unpartheüscben von selber dar. '} Ihr Eifer mochte noch durch 



1) Theophilas ad Aatoljcom III. p. 121 cd. Colon. 

2) Wie B. B. ClemeiM von Alezandria im Protrepiicnf pa^. 20 
Pottor. thni. 

3) In diesem richtigen Gefühl erklärt sich aach der wackere 
Schoell darüber in der Hbioire de la Liüerainre Grecqae IDL p. 
251: „Les Pi^res de rKglke (nicht alle, wie wir geaehen haben) 



-^ 119 -^ 

das Gedrftnge za entsohuldi^eii scyn, worin ^ eioh oftmaLi 
den liefdüischen Philosophen gegenäber befiuulvn; aber womil 
kaoBten wir Theologen und Geschiehtschreiber der christlichen 
Kktke (ihre Naaien wollen wir aus Achtung gegen ihre übri- 
gen Verdienste onterdrücken} entschuldigen, die noch heut 
za Tage kein Bedenken tragen, sieh der stumpfen and ver- 
rosteten Waffen ans der Euemerischen Rüstkammer gegen die 
Bdigionea der alten Griechen und Römer zu bedienen? 

Aber eben unter den Römern selbst hatte der Enemeris- 
■OS zeitig Gluck gemacht , seitdem Ennius >} das hei%e Ver- 
aeiehmss (ie^d dvayQatpi^ jenes Griechen bearbeitet hatte; 
ein deutlicher Beweis, dass damals schon, als die Römer erst 
aofdem Wege zur Weltherrschaft waren, der Boden, worin 
der altitalische Glaube gewurzelt, ziemlich aufgelockert und 
eiqifingUch genug war , alle mögliche Glaubensweisen in sich 
aofiEonehmen und politisch zu verarbeileii. Ueberhaupt darr 
008 die fast allgemeine Gleichheit der Gottheiten , die Grie- 
chen und Römer verehrten, nicht verleiten, darum auch eine 



ao contmire, qui ne rojoieiit tlaus «e philosopbe qa*an anta^nisie 
im ridoldlAtrie , Ini ooi aoiiFAut fait un hoooanr qn*il ae m^ritoit 
|M» Nooa oe pouvonfl roir «n ee pratenciii sage qa*an insens^, qai 
a vaola reiirtrscir Im iostiiatioBa de aoo pays, et uo Ibarbe qai a 
teje aoD Systeme aar le maiisoDg^e. 

1) Cic. de N. D. I. 42. p* 190 ed. Moser. Qaae ratio inaxinie 
Aractata ab Eabemero eat, quem noater ei interpreiaiuB et aecatus 
oM yraetar ostariaa Eaoiaa. Ab £obemero auiem et moctea et ae- 
paKama daoionatraatar deoram* Aaa dem iiiierpretatoa eai möchte 
ich oiH JBaiti^r .(KoBat-Mythologie I. 8. 190) aiobt achlieaaea, daai 
ca OMhr ala ^aiae Uabecaetaaiig ^ewaaen. Aach aagt der Nachtreter 
daa Alaoaadriaera Clemeaa Aroobiaa IV. 29: »Kt potaumoa quidem 

in laco amnea iatoa oobia qaaa ioducitUt atque appellatia Deoa, 
iuaa faiape laopatraro.« Fei A^ra|raiitino £nheaiero replicato, caiuif 
libellaa 'Snawa , elarum ot fieret cunctia , aermonaai in lialum irans- 
lalJCi^* -— Aber merkwärdip iat das MecuiUM es/, weiches beweist, 
dma sabon in der zweiten Hdlfte iüeM secLsieo JalirhuDderts der 
Siadt -aioh Milafier wie Eauiua einem solchen Systeme hingeben 



-^ 120 -^ 

GldcUiett der reUgiSsen DeidLart beider Volker «nniMfennii. 
Die VerscUedenheit ist m einleuchtend. Die Orieciiisdiai 
Göttar waren Natnrmlchte) die ein schdnes heiteres Leben 
fähren, geeilt unter Lost und That, den Stanunkön^gen der 
Hellenen ^eich, ohne einen ernsten weithtnansgesteddcn 
Plan, and die Verdining, die ihnen die Menschen erze^^en, 
war ein Gemisch von kindlicher Furcht und Freude. Ein so 
heiteres Götterhaus bot-der dichtenden wie der bildenden Kunist 
eine sinnUche Mann^gfidtig^keit von Gestalten, Charakteren 
und Scenen dar, die der empffingllche Geist der Griechon mtt 
einem Gluck, wie kein anderes Volk dpr Welt, zur vidten- 
det schönen Erscheinung brachte. Diese sorglose Unbefim- 
genhelt und spielende Geistesfreiheit war nicht das Erbtheil 
des Römers geworden. Ackerbau und Hauswesen, Krieg and 
Staat erfüllten ihn ganz, und beschäft^en ihn mit Verfolgung 
ernsthafter Zwecke. «Der Zweck des Menschen und der gott- 
liche ist Einer, aber ein der Idee &usserlicher Zweck; so gel- 
ten die menschlichen Zwecke für göttliche Zwecke, damit für 
göttliche Mächte. — Da haben wir diese vielen besonderen 
höchst prosaischen Gottheiten.» Der Charakter des Römischen 
Cultus ist dieser: «Es wird Gott gedient um eines Zweckes 
willen, und dieser Zweck ist ein menschlicher; der Inhalt 
fangt 80 zu sagen nicht von Gott an; es ist nicht der Inhalt 
dessen , was seine Natur ist , sondern er fangt vom Menschen 
an, von dem was menschlicher Zweck ist» ^3 



1) Hef^l Vorlesnnpen Aber die PhiloM^hie der Relipoa H. 8* 
136 f. nnd 141. Man leee Cic de H. D. HI. 24. „Sed eo im, 
nnde hne dif^esii eBniaf, rereriemiir (gelefpenflich bemerkt 9 eine 
dem Plaio ab|;eborgte Ueber|^n|;ilbrmel). — Nam meoiem, fidem« 
epem, verfallen 9 henorem, neioriam^ falatem, concordiam ceienifve 
eiimnodi reram virn hebere videmus, non deonun.^^ D. h. ee euid 
ethisch •pelitieche Bef^üfe, keine Gottheiten. Zorn Beiipiel jeao 
nrtas oder mAnnliche Ta^nd war fflr den Römer der Hehel wm 
Allem was er im Affentlichen Leben fflr ffrosB and herrlich' hielii 
0ie legte ihm Anftrenf^gen and Opfer aller Art anf , am ab Bfir» 
^r das in eeyn nnd zn werden was zu sejn and xa werden eein 
iSioU war, aber eben daram war tie eine Bigenschaft dei Meneehent 



-^ 121 -^ 

Aber dämm möchte es dodi va dberlegen seyn, 6b wir 
wm aneh die RSmische BeVgion als eine Religion des wetttt- 
dam SweeieB, als die der ReaUdnmg der WettherfMciaft öber- 
haapt beaseichnen dfiifen. Es ist wahr, schon in den älteren 
Zeiten , wo sie grossentheüs als ein Kind der Etmrischen be- 
trachte werden mnss, beruhte das ganze Römische Staats- 
gebäude anf einem Systeme sogmannter Olfenbarungslehren, 
deren Theorie und Praxis in der sogenannten disciplina Etmsca 
enthalten war. Aber eben diese gedankenvollen Etnisker, 
von denen solche Satzungen ausgingen , waren doch einer- 
seits Schäler morgenUndischer Theologie (wir erinnern an 
die ob^en Betrachtungen Aber dm Janus}, andrerseits war 
Dir Geist und Sinn ganz auf das wunderbare Walten der Na- 
tur gerichtet , und die Grundlage der Etruskerdisciplin war so 
zu sagen eine theologische Physik. Nun ist zwar nicht zu 
leugnen, dass eben diese Naturlehre von Roms Königen und 
Patriciem ganz und gar politisch angewendet ward^ und durch- 
aus den Staatszwecken der regierenden Caste dienen musste; 
aber im Wesentlichen war und blieb sie doch Naturreligion. 
Selbst' der neue vollständige Verein der Römischen Zwölf- 
Götter war ein personificirtes Calenderjahr. Man lese nur die 
Fasti des Ovidius, so weit wir sie nbr^ haben, oder das Buch- 
leih des Johannes aus Lydien über die Monate der alten Rö- 
mer; wofiür auch bildliche Darstellungen dieser Gottheiten 
sprechen 9 namentlich die zu Gabii gefundene, Ära oder 



niclii der GOÜer, welche nach Griechischen Relii^ionsbef^iffen als 
wte e m iliehe Müehte darch sich selbii «ind , was die Menschen erstre- 
ben mOssen (^erg^L Bm^ric Da^id Introdnciion xnm Jopiter p. CXCIX), 
— Aber sn jenen mehr Römischen Vorsiellangen hatte früher schon 
Prodikos darch seine Personification der Tn^^end {ji^BTlj) und spä- 
terhin die mehr nnd mehr reflectirende Religion der Griechen selbst 
Aolass gegeben. Man denke nur, um beim Torliegenden BegriUe 
stehen mi bleiben, an das berfihmie Skolion des Aristoteles an Her- 
nias, nnd an die bildliche Darstellang 'EKka^ xai 'A^erij (Grae- 
eia ei ViHns) des Bnphranor (Plin. H. N. XXXV. 8- 19, wo je- 
doch jetzt Sillig ans Codd. berichtigt hat et Virtatem cgregiam, 
•Uft Virtntem et Graeciam). 



-^ 122 -^ 

Vase,^ ^>y^l^^ vns die Im Kreise geordneten KApfe der 
Zw&ir-GQtter nnd ihre Attribute, als Monatsseiohea mit Zodia- 
kalgestimen combinirt, vor Aogen stellt Auch war ja der 
Sinn der Römer, so lange sie ihrer alten Sitte getreu eifrige 
Landwirtfae waren, der lebendi^gen Haushaltung der Natur 
und den von den Naturmfichten, den Göttern, abhängigen Be- 
dingungen des Landbaus und der Viehzucht zugewendet In 
einem Jahrescyclus von Opfern und Gebrauchen aller Art, In 
einer Menge von Formeln, Gebeten und Liedern der Sdfer 
und der Arval-Brnder waren Hirtenleben und Ackerbau in 
rel^ösen Sanctionen dan ganzen Römervolke eingeprägt 
Das alte Hondenjahr in seinem Verlaufe war in der wunder- 
baren, jugendlichen Wassernymphe wie in der alten Brod 
spendenden Anna Perenna verkörpert, der man an den Idtt 
des Harz im Freien am Fhisse ein geniales (]festum geniale) 
Lauberhuttenfest feilte. Noch im gebildeten Zeitalter war Ja 
beobachtenden Griechischen Philosophen der eiitfache mstike 
Charakter Römischen Volkslebens und Volkscultus achtni^;»- 
werth. ') Auch war Jener fromme Geist Latinischer Hansre- 
ligion in Jener bedeutsamen Verehrung von Laren, Penaten ') 



1) Jeisi im Lonrre. f. Moo. Gab. nr. 16 und !?• rerfL IH» 
flcriplioii dm Antiqaei da Blntee Rojal par Viscooii «i Mr. le comI» 
de Clarae nr. 381« p« 162 und die Abbildang in den Bilderheften 
des Grafen Fon Clarac pl. 171* Man s. aach K. O. Mollerf Handb. 
der Arcbaol. d. K. S. 49 f* 2- Ans^. 

2) Poaidonini ap. Aihen. VI. p. 274* p* 548 sqq. Scbwgh. TergL 
Peeidonii Rhodii Reliqq. ed. L Bake p. 169 sqq- Ke iei dort frei- 
lich fon älterer Zeit die Rede, auch wird die Remifche Spanei* 
keil in Cnlinaniiileln nnd Opfer^ben nicht Terschiriegen. Aber da» 
noch späterhin auf dem Lande riele Spuren des alten frommea XUi^ 
mersinnes ttbri^ |;eblieben , beseaf^en die Schriftsteller vom Laodbais 
ini^eichen Yirffil, Horas, Persins und andere Dichter. 

3) He^l Grundlinien der Philosophie des Rechts §. I(>3- & 
170: ,9 Die Identificirnng der Persönlichkeiten, wodurch die Fami- 
lie Eine Person ist und die Glieder derselben Accidensen, ist der 
sittliche Geist der (ffir sich abgestreift von der mattni{^lti|fen Aeia- 
serlichkeit, die er in seinem Dasejn, als in diesen iDdiridaen «nd 



-^ 123 -^ 

■nd in Tedtenfeiern uad Familien- und VeraUiiiiii^;gfesten 
(Ghtristia) noch immer im beben erhalten. Aueh benrlwidel 
Mh der reügiöse Geist Römiaclier NatanreU^ien eaweilen in 
einer j^visnen Grossartigkett \ Wie denn £• B. der Römer beim 
Erdbeben za Iceinem bestimmten oder äberhaapt bekannten 
Gotte, sondern zu den donkelwalteoden NatarkrÜten fiber- 
hanpt zo beten pflegte. *) 

Bei emer solchen Nation wird man wohl anch die politisch- 
hdtferente Toleranz und Aufklirerei der Vornehmen von der 
reiiipösen Denkart des grossen V^es gehörig zu unterscfaei- 
to haben* Mochten auch Jene Optimaten sich beeilen, die 
neue Weisheit eines Euemerus sich anzueignen , die ihnen ein 
■it den ersten Hansern Roms vertrauter gelehrter Po^t wie 
Ennins so bequem zurecht gemacht hatte: sie durften sich 
soldier Entdeckungen doch nur im StiUen freuen; der gesunde 
SKim des Volks würde sie ausgestossen haben. 

Da idi gerne concret zu Werke gehe , so will ich dies 
in einem Beispiel zeigen : Das StembiU der %\t^ war schon 
ia den Localcnlten Griechenlands von Bedeutung, und Pausa- 
flms berichtet, wie die Phliasier auf flirem Marktplatz dem 
vergoldeten Erzbflde derselben Ehre erwiesen, damit die Ziege 
■I Anfgang ihren Weinstöcken nicht sdiaden möge. *} Die 
Ziege mit dem Fischschweife war im Römischen Bfldercalen- 
dcr das trqiische Zeichen des nun wieder aufwfirts steigen- 



Um m d«r Zeit aod auf maochsrlfly Weifen be«tiiiiniien loiereMen 
dtr SfeebeiüBiip ha«) — ab eine Gettali ffir die Vonielkinf her- 
■a^tebeben , W« iU PBmmten n. s. t Terebri worilen iei, und Uber- 
banpi das ammacht, irorin der relif^iOie Cbarakier der fibe und 
Familie, die PieUt liegi.^ — Wie in den Streitigkeiten der Plebe- 
jer But den eie vom Connubinm anmchliesfenden Fairiciern der ge- 
0ude religiAe sittliche Sinn der Gemeinen gegen die schroffe Abge- 
•diloesenheit der regierenden Caste sich geltend xn machen wusste, 
besengt die charakteristische Geschichte von der Fudicitia patricia und 
plebeia beim Livins (X. V3)* 

1) GeUii N. A. II. 28. 

2) Fansan. 11. 13- 4« 



-^ 124 -^ 

den SonneDlMfe. ^) Der Steinbock mit drai FischsdiwanB 
kommt auf vidm Stidtemflnzen der Bömiselien Kaisenfieit vor, 
besonders aadi aber Wellen schwebend als Cohortenzeichea 
der 18. ond SS. Legion. *} Der Steinbock (capricomns} war 
das Gebnrtshoroskt^ des Kaisers Augastiis, der es ids ein 
^äckliches Vorzeichen seines Anfisteigens zor Weltherrschaft 
anf Münzen prSgen liess; und auf der berühmten Wiener Ca- 
mee (gemma Angosta} , welche den feieriichen Verein der Kai- 
seriichen Familie darstellt, sehen wir dieses Zeichen über 
dem Hanpte des Kaisers schweben. '3 ^^ ^üier Ära ist ne- 
ben Mercnrios mit dem in einen Fisch auslaufenden Steinbock 
und einem Hahne die Inschrift zu lesen: Deo sancto Merca- 
rio August. Sacrum. *3 Aus Eratosthenes erhalten wir das 
Bruchstück einer Titanomachie , wonach Aegipan oder Capri- 
comus den Titanen zuerst panischen Schrecken eingejagt, 
weil er Seemuscheln auf sie aus der Höhe herabgeschleudert 
habe. Q Auf einem neuerlich )iei Wiesbaden gefundenen bron- 
zenen Cohortenzeichen, worüber ich diese mythologische Be- 
merkungen zu machen veranlasst war, erscheint dieser fisGb- 
geschwünzte Steinbock mit einem grossen Pectinit (Kamm- 
muschel^ im Maule, mit drei Myrtenzweigen verziert. Die 
Myrte,. als der Baum der Venus, weist auf die gens 



1) Mjtii9|^aph. Vaiic. III. 12. p. 207 Bode. 

2) Rasche Lex. ani?. rei nmnar. Snppl. I. p. 1635* Eckhel D. 
N. y. Vn. p. 403« vergl. Wiener de legione Romana XXII. p. 
79«q. ' 

3) Sneion. Octanao. cap. 94. Eckhel Choix de pierres t^Lrim 
du Cabinei imperial pl. I. rer^l. Monges M^moires de FAcad. dee 
Iiwcripi. Pari« 1827. Vol. VIII. p. 392. 

4) Bei Doni Inscripii. Cl. I. iab. 4. nr. 1. Ueber den Jtfer- 
euriu» Augu$iu8 lese man nach Fr. Manier bei Orelli luscripti. Latin. 
n. p. 440. 

5) ap. Hjgin, P. Astronom. II. 28 in Capricornns p. 480 ed. 
Starer. wergh Eratosthenica p. 162 ed. Bernhardj. — Ilac etiam de 
causa eins (Capricorni) inferiorem partem piscis esse formationem, 
qnod mnricibns [id est marinis conchjliis] sit iaculatns pro lapidom 
iaciatione. 



-^ 125 -*- 

anf das Gesddecht der Jnlier hm, weiche flure mythisdie Ain 
kanft von der Venus herleiteten. -^ So war also ein altes ea« 
lendarisches Zeichen mit seiner aus dem Volksmythus entlehn- 
ten Bedeatang zum Krie^panier Römischer Heere geworden, 
die Bich denn auch das Attribut der gottlichen Stammmutter 
des ersten Kaiserhauses als Anhang gefallen liessen. '} Aber 
nmmermehr hatte das Römervolk und das Römerheer sich 
dies Zeichen ge&Uen lassen, wenn man ihm au» Euemerus 
erzählt hätte: Pan hatte die Aega zur Frau; von Juppiter 
geschwängert giebt sie ihren Sohn für das Kind des Pan aus. 
Daher ward er Aegipan genannt , und Juppiter: Aegiochus; 
der diesen seinen Sohn, weil er ihn sehr Üeb hatte, im Zei- 
chen der Ziege zum ewigen Andenken unter die Sterne ver- 
setzte. *) 

Wer aber etwa zweifeln woUte, dass noch in später Kai- 
seneit das Elementare und Physische in den religiösen Vor- 
stdlOBgen der Menge vorgewaltet, den darf man nur, um ihn 
eines Andern zu belehren, an den Eifer erinnern, womit die Römln 
sehen Heere sich den Naturculten fremder Völker . ergaben , und 
X.& Gallische und Germanfeche Berge, Haine, Quellen und Fltese 
int latinisnrten Namen zu Göttern ausprägten , ihnen Gelübde 
darbrachten , Altäre und Bilder weihten. *) — Es ist andi 



1) Wie sie sich denn auch einen Mercorin» AnfUftaa fifellen 

2) Eahemema ep. Hjgin. P. Asir. XIIL p« 449 sq. Siarer« -— 
Ifoch beim Nonna« (DIoujm. I. vb, 396 s^q«) leuchten im Mjthiu vom 
g^mna jukA Haimonia gans deutlich Elemente einer Samothracif chen 
Koemoloi^e heiror. -— Enemeroe dai^egen hatte im .dritten Bnche 
feiaer aanberen heiligen Geschichte ersAhltf Torgeblich ans dem Be- 
ricbt der Sidonier, Kadmos, des Dionjsos Grossrater, sej Koch ihres 
Kfiaigs gewesen, und habe sich mit einer Flötenspielerin Namens 
Harmonia nach Bdotien geflächtet (Athen. XTV. p. 6589 E. F. p. 
398 Schwgh.). 

3) Man denke nur an den Dens Penainus in den Alpenlindern, 
an den D. Vogesns in den Vogesen , an die Diana Abnoba und D. Si« 
rona in den RheinlAndem, sowie sie in Italien ihren Tiberis, ihre 
Albanea n« s« w. gdülich verehrten« Ich habe in dar Schrift Znr 



-^ 126 -^ 

bmerkenswerth, mit welcher Zweifebueht sich noch Cicero 
über den Gott der RAmischen Sa^ Romulas-Qoirinno erkUbrt; ') 
und dennoch muwte er selbst erleben, wie einer seiner 
Zeitgenossen, dessen weitanssehenden Planen er sidi oft mit 
^ejchgesinnten StaatsmSnnem erfolgreich widersetzt, wie der 
grosse und glfickliche Jolias Cisar nach seinem Tode unter 
die Götter der Nation versetzt ward. Und dies war nor der 
Anfang einer ganzen Reihe von Vergötteningen, worin die 
Schmeichelei der Senatoren in den nächstfolgenden Jahrhnn* 
derten wetteiferte, mid worüber christliche Schrifisteller ihren 
Unwillen auslassen. ^3 — In diesem Falle mit vollem liecht; 

Gefchichie der ROmischeD Cnliar am Oberrhein nod Ifeckar 8. 50 f* 
Q* S. 10 t einen anf ROmersteinen anserer Gej^end Torkommenden 
Den« VisncinB aaf ein FlflMchen WeschDiis in der Bergsirasse belo- 
gen; welches ich snrSeknebme (obscbon der hocbTerdienie Jacob 
Grimm in seiner Desischon Mjtbologie S. 340 sich daranf berafes]^ 
da anf mebverea im Wirilembergiscben gefnndenen Steinen oia M fefw 
cnrins Visncins, eine D. Visncia nnd anderirSrts ein Dens Visom «9I 
oine Dea Visanna Torkosuntni worans sieb ergiebig dass diese CMA- 
heüen Römisch- Gallische sind nnd den Visncii in der Gegend des 
bentigen Besan^n angeboren (s. Martin la Religion des Ganlois L 
P* 37t))« Herr Stalin wird in den l¥drttembergiscben JabrbOcbem 
nocb in diesem Jabrgang weitere ErlAntemngen darfiber geben« 

1) De Re PnbUca II. 10. p. 237 ed. flioser. 

■ 

2) Z. B. Tertnilianos im Apologet« cap. 34 fin.: ,,Si non de 
mendacio ombescit adnlolio eiosmodi, boniinem deam ypeUans, 
iimeal saKem de «niavsto^* etc. mit Heraldos nnd Harerkamp* 'ii^ 
ber die Feierlicbkeiten nnd Gebrsnebo dabei ansfAhrlaobs Hetodi»- 
lins IV. 2* p- 606 tn* Inniicb- — Isaak Casaaben so Saeton. €««0^ 
cap. 66- p- 226 od. Wolf, sebeint geneigt, den Ursprnng dieser Of^ 
fentlirben Apotbeoseaasdensacrisprifatts der Rdner absnleiten, wonnch 
es Sitte gewesen, dass Kinder ihren £1tem nicbt allein einen ToA* 
trndienst erwiesen, sondern anch eine Art von gOttliebor Ebre ; wol- 
cbes sodann anf die Kaiser als VAter des Vaterlandes abergetragnn 
wonlen. Dnraaf bemerkt er ans Labeo beim Senins, diese Götirr 
seyeo SoelengOtter (dii animi^s) genannt worden, weil sie nnn ab- 
geschiedenen Seelen eniBteben. Man Tergi. hiermit Cic. de If« D. 
II. 24, wo der Seele oder des dieisten des ForgOtterten Romaine fo« 



-^ 157 -^ 

und wir sdbst heute nodi werden solche Empfindmi^efi thei- 
len mfissen, wenn wir anders politische Religplonen und Yöl- 
kergianben, wie sich gebührt, unterscheiden wollen. Jene 
Beligionen. sind Kinder zeitlicher Zwecke 9 und altern vor der 
Zeit^ sie sind Gebilde der Macht und der Staatsgewalt, und 
fldloi mit ihr unter der Staaten Trfinunem; ja sie verlieren 
oft mit einem blossen Regierungswedisel ihre Gültigkeit; diese 
flHid aus der heimatUichen Erde gewachsen , an der Brust des 



iaiM wild* ^ Sollen wir dem Mythof^aphiu Vaiic. III. <^» p. 21 9 ed. 
Beda (laaben, fo war dabei eine ähnliche Vorstellnnp wie heim 
Eireales hernchend : ,,Haec enim fimniacra etiam eoram eaee dicfa 
nai, ^Di per dnoditüOiv dii facti tnni^, nAmlich da» man flanbie« 
Uoe daa Schattenbild solcher Menschen verweile in der Unterwelt» 
da der Geist Gott ([;eironlen. Indessen scheint denn doch die Ver- 
Ar«n( der Vorfahren mehr ein Heroendienst ([;ewesan aa sejn, wie 
die TOB Raonl- Rochette in den JMonnmens in^its fesammelten Be» 
veise aas Denkmahten vermuthen lassen » wo die abifeschiedenen 
Sealaa bAofi^ als tjQUjeg vorkommen , nnd ihre GrabmAhler i]Q(pCL 
paawni werden. Auch mCchte wohl die Sucht, Römische Kaiser 
m ▼aripftttem, hanptsAchlich ans der Veri^Ottemn^ Griechischer Kft- 
■ife seit Alexander des Gr. Zeit absnleiten sejn; worin besonders 
«Be Aegrptier ausschweifend waren, welche s. B. eineneits dem 
SonaeBfott Phre Namen nnd Attribute ihres Pharao Rhanues beileg- 
liB, and andrerseits den Kflnig Ptolemlas Epiphanes bei seinen Leb- 
leiteii einen Gott wie Homs nannten, nnd Gflttliches nnd Mensch- 
lichas aaf diese Yfma^ antereinander mischten, ülit solchen Apotheo- 
Ma verband sich der Gebranch des unter die Sterne Versetsens; 
vemit die Alexandriner auch vorausgegaa|^en waren. Denn nachdem 
te Astronom Konon das Haar der Berenice, PtolemAus des Euer- 
{Hea Gemahlin, an den Himmel versetst und Kallimachos das neue 
aterabild poetisch verherrlicht hatte (Hjgin. P. A. IL 24- p. 476 
Staver. Yalckenaer ad Callimachi Ele^^iar. Fra^. p. 36 aq*)' ^^^^ 
■an sich nicht wundem, dass man in Rom bei den Leichenspielen 
des Julias Cisar ein Inlinm sidus am Himmel glAnsen sah (Heyne 
ad Virpl. Georg. I. 32 sqq.), ja man durfte sich niefat wnndern, 
wenn spAterhin Kaiser, wie Cains Domitianus , Aurelianns nnd Carinns 
(Spanheim de U. et Pr. Num. p. 418 eq*)f ^^^ ihren Lebseiten auf 
den Namen von Gottem Anspruch machten. 



-^ 128 -^ 

Blatterlands gesäugt, und haben daher cft eine aber das Le- 
ben der Völker weithinansreichende Daaer. Jene Divi lalii, 
Claadii, Flavii o. s. w. existiren nur noch in Stein und in M^ 
fall, in Aubchriften and in Kaisermönzen; das luliom sidni 
hat seinen Namen verloren, und d& Calender bewahrt noch 
die Erinnerung an Julius wid Augustus, sowie die Haarlocken 
der Berenice nur durch die Wissenschaft der Astronomie ihre 
siderische Eidstenz behaupten; wahrend die Stimme Kubiras 
und Aegyptens nach Jahrtausenden , durch mannigTachen 
Wechsel von Religionen und Regierungen hindurch, mit reli- 
giöser Ehrfurcht von ihrem Osiris-Nilus sprachen, und selbst 
in Bildern und Sprüchen der Koptischen Christen der Njlkrog 
und das frische Wasser des Landesstromes ein geistlidies 
Sinnbild von den Erquickungen der Seele im andern Leben 
geblieben. 

Und dennoch bietet keine Religion dem Euemerismiis mehr 
Blossen dar ' als gerade die Aegyptische« Ein Cultäs , daK, 
bei allen provinciellen Verschiedenheiten und neben mehrerüi 
heiteren Seiten, sich doch am Ende in einen grossen Todteii- 
dienst, als das letzte Geheimniss, und in eine allgemeine Li^ 
destrauer auflöste, musste zum Exanthropiziren auf forden^ 
d« h. es nuisste die Beobachter der verschiedenen Glaabens- 
und Cnltusformen auf den Gedanken bringen, als bemlie die 
Religion Aegyptens auf der Vergötterung von Pharaonen. 
Schon frühe nahmen die heiteren und an heitere Götterdienste 
gewöhnten Griedien an diesem ingubren Charakter des Ae^ 
gyptischen Coltns Anstoss, und äusserten sich darüber unv^t^ 
holen; '} und ein Platonischer Redner der Kaiserzeit stellt 
eine Vergleichung der Hellem'schen und Aegyptischcn Culte 
an , und bemerkt von letzteren : « Bei den Aegyptiem aber 
empfangt die Gottheit gleiche Huldigung durch Ehrenbezeigui^ 
wie durch Thränen. » *) War es daher zu verwundem y dass 



1) Solche Aeowenuifeii lef^ mas dem Philoiophen XenophenlM 
aber auch andern in den Mond (Plntarch. Amator. p. 763- Clement 
Alex. Frotrept. p. 21 Poiter. mit den Anele^m). 

2) UaQa di Aiyimxioiq iaoxifMia» ex^i to 9iiop xifMijq xal 



-^ 129 -^ 

die enamerhirenden Kirchenväter, um die Nichtigkeit des gan- 
len Heidenlhanis za zeigen, mit Triumph hauptsächlich auch 
nf.jenoi Dienst im Lande des Fleisches hinwiesen, zumal da 
sie die Autorität berühmter Römer für diese Meinung anführen 
konnten ? ^3 — ^^ g^^g ^^^^ <^rst der gründlichen Kennt- 
niss der alten Literatur und insbesondere des Aegyptischen 
Alterthums eines Zoega, einem solchen Systeme einen hohen 
Grad von Schein zu geben, und andere Altcrthumsforscher 
dadurch zu blenden. 

Da ganz neuerlich wieder ein Deutscher Kritiker mit der 
trocknen Behauptung hervorgetreten, dass eben dies d&<3 
Wahre, und die Sache durch Zoega ein- für allemal abge- 
than sey, so wird es, denk' ich, niemand überflüssig finden, 
wenn ich hier nochmals in möglichster Kürze Thesis und An- 
tithesis einander gegenüberstelle. Zoega glaubt nämlich ^) 
io einer Stelle des Herodatus , wo er von den Pyramiden des 
Hirten Philition {noifiivo^ 0i)uriuipog)y der dorten einst seine 
Beerien geweidet, erzfihlt, den Grund des ganzen Osiris-My- 
flu» gefunden zu haben. Hiernach wäre dieser Mythus nichts 
weiter als ein historisches Ereigniss in der Geschichte Ae- 
gyptens, und Osiris ein um Aegypten hochverdienter und 
darmn nach seinem Tode vergötterter König des Landes. 
Aii^gypten nimlich empfing, nachZogga's Annahme, seine Be- 

— ^i—i— ^^i— — — ^— — ^»■^— 1— ■^^■^^■^■^^ I— — — ^^^— ^—1 ^— i— — ^i— — ————— 

iaxQViOP Maxim. Tyr. Ditf. VIÜ. 5« p* 137 sq. Reislc — Den 
iMem CoHiu beseichnet der Römische Dichter Lncanos treffend in 
dei swei Venen IX. 158 sq«: 

Srelvam bniio iam nnmen geniibus Isin 
Et teciom lino sparfam per rolg^s Otirin. 

1) So fahrt An^siinos (de CiV. Dei XVUI. 5) «ine boshafita 
Aewsemng des Varro an, Harpokraies werde mit dem Finger an 
der Lippe deswegen Torgesiellt, um die Aegrpiier an erinnern, dass 
na Farachweigen sollten, Isis nnd Serapis seyen Menschen gewesen 
(fergL Chr. Saxe de Dea Angerona). Stellen der Griechischen 
Kirchenrater hat Jer. Markland xnm Maximns a. a. O. ausgesogen. 
Dea Sats selbst schreibt aoch Arnobins IV. 29 fio« nach. 

2) De obeliscis p. 577 sqq. ^ergL p. 389* — Die Stelle des Hero« 

aotus steht U. 128. 
Creuztr^s deutsche Schriften, l. 1. 9 



wohner theils ans Arabien und SjTien, Hirten- und Namaden- 
Stamme , roh und oncultivirC, theils aus Aethiopien oder Meroe, 
wo schon vorher ein vollkommen aos^bildeter Priesterstaat 
blühte. Letztere, ackerbauende g^esittete Stämme, verbreite- 
ten sich von der Thebais aus immer weiter nach Norden hui- 
unter längs dem Nilthal, und so mussten sie mit den von 
Norden herefndringenden Hirtenvölkern in Kampf gerathen, 
in langwierige Kriege , die mit abwechselndem Glucke geführt 
^Mirden. Osiris nun , nachdem er von Aethiopien ans in Ober- 
ag}j>len Cultur verbreitet, und als Vater seiner Völker schon 
bei Lebzeiten sich allgemeine Liebe erworben, fiillt endlich 
im Kampfe fürs Vaterland, von dem Hirfenkönig Baby-Typhon 
erschlagen. Sein Tod verbreitet über den ganzen hierokrati- 
schen Staat eine grosse Trauer. Man bestattete diesen edlen 
Pharao, balsamirte seinen Leichnam, baute ihm Todten- 
sfädte, und feierte sein Andenken durch Bilder, Lieder und 
Peste. Auf diese Weise ward der gute König Osiris zum 
guten Gotte. Später als es den Acken'ölkem gelang, die 
Hirten aus Mittel- und VnterSgypten wieder ta vertreiben, 
und ganz Aegjrpten in Besitz zu nehmen, errichteten sie den 
guten in Vertheidigung d^ Vaterlandes gefallenen König Obe- 
lisken und Pyramiden, und jene Pyramiden des Hirten PIi3f- 
tion sind nichts anders als die Todten- und Ehrensftulen des 
Pharao Osiris von Philä, aner oberägyptischen Insel, der 
wie ein Hirte der Völker (Tcoifu^p XaiSp) im Leben seine Ae- 
gyptier milde regierte, und nun im Todtenreiche als ein^nter 
König über ihre Seelen herrscht. 

Dies sind die wesentlichen Sätze des Zo^a'schen Systems. 
Ich übergehe hier die philologischen Schwieri^eiten, die es 
drücken , ^3 und wül hier die Antithese aitf einen allgemeinen 



1) Z. B. dftM üttkiTttoif nicht einen ans Philä besetchttea 
kann, data ea Aegjptisch unerhOri war, einen Pharao als HirMi m 
beBeiehaen u. s. w.; worAber man meine Commentationea H^todo- 
^a« P* 192 Bqq. oder den Aoisngf daraus im Excnn VöL HE.'^ 
800 — 802 dea Bafarschea Herodo«, odar die Sjmbriik L A. 300 i- 
nachlesen möge. 



8fni|Winkt stellen, und zugleich die Anlässe zeigen, welche 
solche Ansicht haben begünstigen können. 
Ursprünglich wurzelt der Aegyptische Religionsdienst in 
Fetischismus, der zum Theil noch heute über einen Theil 
von Afrika verbreitet ist, im Alterthum aber noch Aveit verbrei- 
teter war, von den heiUgen Schlangen auf der Küste von 
Guinea bis zu den Hundes-Kolossen (so zu sagen petrificirten 
Huidasternen^ Nubiens und bis zu angebeteten Ibissen und 
LotttsUumen von Aegypten. Dieses Landes ReUgion war al- 
ter als der Pharaonstaat Viele Menschengeschlechter hatten 
ZV Sonne und Mond und zu den Sternen gebetet, ehe Prie- 
ster den Himmel beobachteten und den Calender ordneten; 
wie der Canadjsche Geßihrte des Carver im Wasserfall des 
Niagara den grossen Geist verehrte, so hatten die Anwohner 
des NU in seinen brausenden Katarrakten eines Gottes Stimme 
an hören geglaubt, ehe Pharaonen und Arpedonapten (^Könige 
«nd Priester} kamen, die den Nil als Landesgott heiligten. — 
Ans dai Elementen physischer Stammculte ward Aegyptens 
GMterwelt geschaffen; auf dem Grunde natürlicher Anschauun- 
gen , Bednrfiusse und Befriedigungen erhob sich das systema- 
tiiehe Gebinde des Pharaonischen Yölkerglaubens. Aegyp- 
tens Könijge und Priester wurden die Verwalter der grossen 
Haudialtung der Natur auf Erden , wie am Himmel. Auf Er- 
den: sie leiteten, sie dämmten den Landesstrom; sie bauten 
Dimnie, ScUeussen und Kanäle, sie brachten Saatkorn, lehr- 
ten es pflaoien, ernten und verarbeiten; sie vertilgten schäd- 
lidie Thiere^ aähmten und gebrauchten die nutzlichen, schu- 
fen ein grosses Ackergesetz und Ackersystem; sammelten die 
Heükrinter, bereiteten die Arzneien; schrieben den Einwohnern 
des heissen Tropenlandes eine nationale Di&t als Rel^onssatznng 
vor. — Am Himmel: sie beobachteten gewisse Sterne, den 
Lauf des Mondes und der Sonne, ordneten die Zeiten; auf 
dass der Uirte wusste , wann er seine Heerden ifk die Felsen- 
hohlen oder in die auf Dämmen gebauten Dörfer bergen, und 
wavn er sie herausfuhren, — der Nilschäfer 9 zu welchen 
Zeiten er auf- oder abwärts fahren, — der Ackermann, wann 
er sien und pflanzen sollte. Sie verfassten den Calender. 

Die Calender der Yorwelt waren ein Cultusjahr, ein Carimo- 

9» 



nienkreis. Bilder waren solcher Oalender Buchstaben; der 
Hund, die Gazelle, Schlange, Krokodil, Lotus, der Nilkmg 
u. s. \v. Alle sind Götter. — Ja Ta^, Wochen, Monate, 
das Jahr, Jahreszeiten, Wind und Wetter, physische Er- 
scheinungen und Wechselbeziehungen sind Götter und gott- 
liche Dinge. Tage werden lang und kurz; die Sonne steigt, 
culminirt und sinkt: der Nil wächst, (allt; d. h.. sie leben auf, 
sie sterben — lauter Anlässe zu Freudenfesten, Jubelscenen, 
Leidens- und Sterbensgeschichten von Gottheiten. — In einem 
Kreise von Festen, von des Junius Ende bis zum nächsten 
Eintritt der Sonne in das Zeichen des Löwen , wird das Alles 
begangen und gefeiert; Prozessionen, Opferhandlungen luUen 
diese Feiertage aus; Götterhochzeiten, Göttergeburten mni 
Götterbeerdigungen reichen in jenem Cyklus einander die Hand ; 
damit der Mensch solcher Wunder gedenke, damit er in der 
Ordnung der Natur verharre, und sie verehre. Verrichtet er 
den heiligen Dienst, so thut er was die Natur thut Der NM 
ist der Mimus der Sonne: die Erde schmückt sich mit Lotus- 
blumen, wenn ihr Gemahl der Nilus kommt, und sie befiradi- 
tet. An solchen Festtagen stellen in Cultusscenen die Kön^ 
und die Priester die Gottheiten vor. In solchem religiösen 
Drama ist der Pharao jetzt der Nil, ein andermal die Sonne; ') 
die Königin, Erde (^Aegyptenland} und Mond; der Priester -^ 
jetzt Sirius — oder Hermes der Ministrant, der jetzt die kos^ 
mische Laterne — ein andermal den Nilkrug trägt, und das 
erquickende Wasser ausgiesst — So muss es kommen, dass 
in der Anschauung der Nation und in der Erinnerung, die in 
den Landes -Königen und Priestern die Stifter dieser ganaen 
Satzung und die Urheber seiner Sittigung erblickt — Prie&Ur 
und KSniße %u Crottem werden. 



1) Von der hieratischen Weihe der Pharaonen mi|^ Plato (Po« 
litir. p. 290* p- 319 Bckker.): „So das» in Aeg;jpten kein KSiiif 
ohne Priesterweihe {x^qH i^oanxrj^) regeren darf ; sondern, wem 
auch etwa einer aus einem andern Geschlecht die Herrschaft g»wali> 
sam an sich gerissen, mnss er doch noihwendif nachher noch anf» 
geuommen werden {ugze/Modou),^* 



Das Ergebniss der Antithese ist: Osiris, Isis, Anubis- 
Hermes n. s. w. sind ursprünglich elementare physische Po- 
te&sen; '3 ^ b* nicht sterbliche Könige und Priester sind zu 
GSöttem gemacht worden; sondern die natürlichen Dinge sind 
die Gottheiten gewesen; die Völker aber haben ihre Könige 
md Priester, von welchen sie zur Kenntniss der Natur und 
SV Cultor erzogen worden, und welche bei den Festgebräu- 
chen ab Stellvertreter der Götter ihnen wirklich vor Augen 
traten, mit Ehrennamen belegt, ihnen Attribute beigegeben, 
ihnen Handlungen zugeschrieben« die aus der physischen Theo- 
logie entlehnt waren. Es ist nicht eine ersonnene, gemachte, 
saod&m eine natürliche, aus der hieratischen Repräsentation 
erwachsene Vergötterung, deren Sinn niemand verborgen 
hljdl||— Damit soll nicht geleugnet werden, dass vielleicht 
■Inr als ein Pharao in den Kriegen mit den Hirtenvölkern den 
Tod gefimden, dass er von Mit- und Nachwelt als ein stwet- 
tar Landesheiland dalikbar verehrt worden; aber das wird 
geleugnet, dass es jemals einem Aegypticr in den Sinn ge- 
kommen den Sonnengott Phre, den NUusgott Osiris mit einem 
fldchen gestorbenen Pharao zu verwechseln. 

Wenn ich auf diese Weise dem Euemerismus entgegen- 
trete, imd geradezu behaupte, dass es dem Geiste des Alter- 
thoms widerspricht anzunehmen, die Völker der Vorwelt hat- 
ten sich von Priestern und Herrschern in politischem Einver- 
fltandniss gemachte Gottheiten aufdringen lassen, so besorge 
ieh jetzt im Ganzen nicht so viel Einrede , — als von andern 
Seiten wegen meuier Zustimmung zu dem Satze, dass das Re- 
l^onssystem der Aegyptier nicht nur, sondern fast aller alten 
Volker ([die Elnräer, versteht sich, vorweg ausgenonunen} 

1) Das haben schon anbefan^ene Forscher unier den Alten ge- 
sehen« Plniarch (Sjmposiaca VIII. proocm. p. 960 Wjiienb.) be- 
■erkt: ^sDie Aeffjpiier setzen das IVesen der Götter io Luft, 
Winde, in gewisse feuchte und warme Qualitäten {xa^ ovOi'ag vvSv 
^iuip ip aeQi xal Ttvevfiaoi xai zio) x^fofAOTtjot xai vyQoxtjoi 
xi9€09cuy* Derselbe (de Isid. et Oäiride p. 503 Wyitcnb.): „Itfis 
uj die Subsianx der Erde und des Wassers ( /a/;, ovdia yfji Y.al 
iiaxog).^^ 



-^ 134 -^ 

seinem Wesen nach Natmrreligion sey oder gans mid gar anf 
physisch-elementarem Grunde beruhe. Diese letztere Einredt 
erwarte ich besonders von einigen Französisdien Gelehrtea, 
die sidi nenerlich in einem recht edlen Geiste mR den Rdn 
gionen des Alterthams beschäftigt haben. Ich steile elmge 
Hauptsätze von zweien derselben, die anch im Vorhergehen- 
den mehrmals genannt worden sind, in der untergesetzten 
Anmerkung >} zusammen, und theile sodann meine Epiktise 
im Texte mit 



1) Coorio im Joamal des SaTant, Man 1835- p. 136 I*- «$1^ 
principe aToaö da •jBtÄme mjifaolo^qae de« Aiexandrins efi la lyBi- 
boÜMne. Or, le «jinbolisme r^pose sar cette soppoeiiion, ^[■#dtfv 
toote eroyance relif^ieate il j a deox tens, Tan matöriel et appaiSliii 
raoire soperienr ei cachö, qai est le Frei. €e doable aeae de tonte 
rrojanee relipeoae est le foodement du ajfi^me d'interpretaiion phj* 
•icioe des Joniens et des Stoiciens, qai faii des diviait^ popalaires 
auiant des ph^nom^nes de la naiore, et da sjst^me d'interpretaiioB 
historiqae d'Evh^m^re, qai cooceToii ces m^mes dirinit^ comme des 
syniboles d'^tres liamains diriois^s. Et il est tr^s ^Tideni en effet 
qae la plopari des di?init^ antiqaes sont explicables par la natnre 
et par riiistoire. Mais plös d'ane divinum ^chappe k ce deax modet 
irinterpretatioD. Oo ne voit pas par exemple, de qoel ph^nomtae 
natarelle la Pallas Atheoienne est la repr^sentaiioo, on k qael fiut 
historiqae eile se rapporte. — II j a teile qaalit^, teile rerin de 
i'ame qai consider^e abstractireaient ei en eile m^nie , parait ei utile 
ei si admirable, qa'on la rapporte A une ori^ne dirine, qu^on la di* 
vinise; ei la 8age$i€ eai de ce nombre. De Ih pemi-Üre im Paiim$ 
Athenienne. — ■ Ce eymholieme monU ei metapkyeique ei hieittHquff 
ei , reuni aux deux autree , ü forme aveo eux un iyithtne eompiei 
d*inierpreiaiion mythologique,^* 

Enteric Darid Inirodaction sam Jopiier (p. CCXXVH und 
CCXXXIX): ))Le diea sapr^me Aee Grecs ^toii aoe 'sabstance 
materielle; ei il ne saaroii par conseqaence ^e confonda arec un 
dien par esprii; mais il n*^ioii pas möins, dans les crojändes reli- 
gieases de la Gr^ce, le cr^iear, le moieor, le maüre de ionte 
chose. C'eioit la le premier dopne de la relipon.** — ^HnlgrA 
Texpression ifuRMor/c/s , toas les dieax, hors Jupiier^ »m jmmA 
(oAmlich Pallas - Athene) VAme du wumde ei f« Maiikrej eoni dee 



-^ 135 

Wm den ersten Satz Cousln's betriCt, wo wiren nicht al-^ 
iein die foniBClien und die Stoischen Philosophen der physikaF- 
ÜMhen Erkliron^ der Hellenischen Götterlehre 2ugethanvSon- 
dern. viele andere, selbst solche, die sehr oft gegen die Stoh- 
ker 'Parthei nahmen, s. B. Fliitarchus , wie wir kurz suvor 
gesehen haben; Ja das war kane blosse Erklämngsweise der 
PhÜMaphmi, sondern es war vielmehr .die Ansicht der Völker 
selbst, namentlich der Griechen und Bömer, welche, obschon 
nicht «US Reflexion .und mit consequenter Dialektik, doch im 
allgemein religiösen Gerühl und Giaaben in ihren Göttern 
im Grunde die Mächte der Natur verehrten , nur mit dem Un- 
terschied, dass die orientalischen Völker, wie z. B» die In- 
dier in ihrem Brahma, Siwa oder Vischnp die Natur ihres 
Landes im Ganzen verehrten, wie die Aegyptier in ihrem Osi- 
ris und ihrer Isis; die Griechen und Italier, nachdem ihre 
Cnlle ausgebildet waren, mehr die einzelnen Theile und Er- 
scheinnngen ihrer Landesnatur. Hierin ist ein organischer 
Kusammenhang, und es wird daraus klar, wie selbst der 
hiehsfie »Gott der 4Jriechen in den Boligionen der Griechi- 
«ehen -Stimme aus ganz örtlichen Bedingungen erkUrt, und 
SS SB sagen aus den Bergen , Wäldern • Flüssen von Dodona, 
lEretln, Arkadien 9 n. s. w. hervorgezogen ward. — Die zweite 



Üet9 erde« et par coose^aeni pdrisables, saivani la theolo^e il*He« 
node.«« 

1^ 'Hi#r eil Bviipielt Jlerr f. Stickelberff im «eioem Werke 
(der AyelloleMfel ae -BatMNie ie Arkailieo, S. 0) facfi in der Orfa* 
btecbceibaof : ^vP'^ 'Wjmphe dieeei anfehnliriieiee «oler 4ea Berg- 
ah^mbtk .der -Oestnd (der Neda am Bergs Slaio«), die i^ehrteete 
fOB allen Nymphen « :%far der Sag)» naeh cfte Sümgawtm4 die JEfSt 
(■inlieli «aeh dem rerbeMerten Texte dee Cicero de N. D. lEE. 21 : 
y,lam 'llaeae ^primae qoaittaor, natae lore aUero et IMm^ Thelxinoe, 
i4oede« i4Mbe, JlMe«e«« «ad Paueaniae ViD. 38- 2« VUL 47. 2) 
«od iBBennifanf den 4nelodi«ci»ea Fall der GewtAtser (i«ld«r. Origf . 
^)^mui'4m vcrborgfane Wirken und Leben der QaeHen und die ih* 
«an beifelefte JLraTt «der Bef^ifteranif «cheint ei, daM man sie aoch 
de d»a Mutter der «Arkadiechen Mneen kannte, der enten Maeen 
oder Nymphen dee Geeaoge and Tochter dieiee Goitei.^ 



-^ 136 -^ 

Annahme 9 daß» einige Gottheiten, d. i wirkliche Volkflgutthei- 
(en, auf historische Weise, im Sinne des Eueneims erkliit 
werden könnten, leugne ich gänzlich, niid es ist dberfläss^^ 
nach allem Bisherigen darüber et^vas weiter an sagen* Ih 
der Ansicht von d(>r Pallas -Athene verrathen beide achtnngs- 
werthe Gelehrte ihre Französische Nationalitat; d.lL sie kön- 
nen sich nicht ganz in das naive Wesen der antiken Bel^pkH 
ncn finden. Was zuvörderst Cousin's Satz ober diese Göttja 
betrifll; welcher Grieche hat sie denn rein als SeelenweMem 
genommen, und welcher Aegyptier seine Neith? Heisst es 
denn nicht schon in der vollständigen Inschrift auf die Neith- 
Isis zu Sai:s: ^3 «Und die Frucht, die ich geboren, ist Sonne 
geworden» (op iyto na^nov erexop ijkiog iyey€To)*i und haben 
denn nicht die Athenär ihre Pallas* Athene einmal als Olym- 
pische Nacht und ätherisches Licht, sodann als Mond ge- 
nommen, welche den Apollon Patroos geboren? Kann denn 
die Seele Alutter der Sonne, des Horos- Apollon seyn9'3 
— Richtiger also Emeric David in der ersten Steile; aber er 
bleibt sich nicht gleich, wenn er in der zweiten die Fallas- 
Athene als den Gedanken des Zeus (ia penaäe de Jupiter) be- 
zeichnet, und sie, wie ihn, e\iig nennt« Ewig freilich war 
der Aether-Zeus und sein Lichtkem Pallas; ewig audi die 
Weltseele, nämlich für diejenigen, welche, wie die Stoiker, 
einen unzerstörbaren Feueräther und eine in ihm sich immer 



1) Wie «ie Proclus gieht im Commeniar zu FhAotm Tp'ni'M 
pag^» 30* vergl. 'WjUenh. zum Plniarch» de Isid. ei Oiir. ^mg. 453* 

2) Ich moM hier einige Worte auf der Sjmbolik IL S. 802 
wiederholen: „Codwortii hatte daf Aeri^rniM Ferhindem kOnnoii, 
weon er den einlachen und evri^ wahren Sats voraoa^eachicki hatte» 
dass die Körper- und die Geisierweli an der gössen Minerva glei- 
chen Antfaeii haben. Die Idee von der Minerva iai freilich «in Be* 
wei«, diff in den Prieaierlehren der Vorwett ein SpiritoaliaDiiw im 
Keime la|;; aber auch nur im Keime. Mit andern Worten, Mineivm 
ist ihrem Wesen aach beaiimnit, ein allwirkaamer , aelbatiiandigvr 
VernunftbegrliT an werden, aber der ^walii^e Natarfreiai dee Moi^ 
f^enlaudes lies» sie nicht loa. Sie iai und bleibt im Gebieie dar 
üj^ioncn eine grosse Anschaauuf^ orientalische» Prieaier.^ 



w i ü i erefB eogende ewi^ Wdt stRtiiirteiL Wenn femer die 
Materie ewig genannt wird, so wären auch Rhea nnd Dane* 
ler ewig. Der religiöse Yolksglanbe machte solche Bestim- 
■mgen und Unterschiede nnter den Göttern nicht Der Grieche 
war kein Metaphysiker als Anbeter seiner Götter, nnd seine 
Rel%^n war nicht Philosophie. — Es ist auch in anem frä- 
hcren Abschnitt schon bemerkt worden, dass die Alexandri- 
liMh- Platonischen Philosophen bei aller reUgiösen Tiefe ihrer 
ideeh, dennoch darin fehlten , dass sie die Griechische Götter- 
iehre und die VolksreUgion nicht naiv genug, sondern zu spi* 
ritaefl anfihssten. 

TIXL 

Vekrolatriet IHeteiisomatose« ^ 

• Wie der Todtemdienst bei allen Völkern von den Vorstel- 
loBgen abhängt ist, die sie sich aber die menschliche Seele, 
kesanders der Abgeschiedenen gebildet, so hängt auch die 
«dUlende Ersdieiniing , dass das ganze grosse Volk der 
kxgy^imt sidi jenem Coltns so sehr hingegeben hatte, mit 
CHanben an die Seelenwandenmg {oAer an das wech-- 
Einwolinen der Seele in verschiedenen Körpern) zn- 
Ich will hier eine neue Uebersicht der verschiede- 
MB Stufen, die diese Lehre durchlaufen, in möglichster Kurze 
icrsndiaii, theils um des Vorhergehenden wiDen, nämlich am 
wiedenna 9n einem concreten Beispiele zu zeigen, wie man 
aDenttialbai Volksglauben von der Religion der Gebildeten 
irali wiä unterscheiden habe, theils wegen des Nächstfolgen- 
den^ weil die Geheimlehre und der Geheimdienst der Griechen 
iiT dem' Glauben an chthom'sche Gottheiten und an die 
PorÜbner der menschlichen Seelen beruht 

Treten wir zuerst auf die niedrigste Stufe, so ersehen 
fvir schon aus der Homerischen Seelenichre die grosse Schwic- 
r^eit iur den sinnlichen oder rohen Menschen, sich den Geist 
vom Leibe nnabliängig zu denken , und jenen von körperlichen 
fifgeasehaflen zu entkleiden. Q Unter den unteren Casten der 

1). ZB9An»aaiiftolliiiigoB ans den Homenflchao Gedichten bei 



-^ 138 -^ 

Aegjftier luAai nuii Mgende Ursachen das AnflbewaiuieA ia 
Letdintflie imd alle jene Cärimonien efnes geheil^ttti Tedtea- 
dienstes veranlasst: Eovörderst die berrschende Furcht, die 
Seele mödite nach Yerwesiui^ des Korpars sich sofort eian 
andern sor Wohnung suchen; das Bewusstseyn der im irdi- 
schen Leben geschehenen Veronreinigong der Seele dnrch 
den Körper 9 der selbstverscholdeten Sündhaft^eit, und der 
darauf zu erwartenden Busse und Strafe; die Vergieiehai^ 
der verschiedenen Erniedrigungen und Befleckungen der Seele 
mit analogen Eigenschaften der Thiere (%. B. der Unmissfi^ 
keit und Unreinlichkeit mit dem Schweine, der Raobsttcfcit mt 
dem Schakal u. s. w.y Daher die bange Erwartung, das , 
Schicksal solcher Thiere zu erleiden, wenn die Seele mit ih- i 
ren Makeln in das ihrem Wesen homogene Thier fahre, z. R 
als das den Aegyptiern fär unrein geltende Schwein behan- 
delt, geopfert, und als Thierseele in dem langen Kreislatf 
einer ganzen Sothisperiode Qxvvixd^ xvxXog') von dreitauseal '. 
Jahren ^) umgetrieben zu werden. Bei solchen Vorstellnngoi j 
musste die von den Priestern getroffene Vorsorge der Eihal- ^ 
tung des Leichnams von dem Volke als eine grosse Wott* ' 
that anerkannt, und die Mumie als ein dauerhaftes hcf i 
tisch versiegeltes Haus der abgeschiedenen Sede betridM . 
werden. ■} — Auf diese Anstalt gründete sich namlioliidiB 



m 



Halbkart de pfjchologia Homeric« und bai Hayne ObMrrr.S« Vkt' 
XXIII. ▼■. 66 and IM s^q. Ton. VIII. p. 368 — 37« «i^ 

1} Heroflot. IL 123 mit den Anmerkk. p. 766 «d. Baebr. , , 
Q) Serfins in VirgiL Aeneid. III. 68: Unda Aegyptü« jfafJ/fi 
sapientia, condita diaiiiu recerrani cadavera; acilicei nt anima mMß 
tempore perdnrei, et corpori alt obnoxia, nee cito ad alios (al. aljifi 
alia) transeai. Romani contra faciebant, comburentes cadarers« id 
fiatim anima in generalitatem, id eti, in snam natnram redirei. Dicü 
er|^ (Virgilios) nunc sacrificiifl quibosdam eliciiam animam ei H- 
pnlchro conditam obuoxiamqne factam corpori: qaod ante horreMi 
qaasi per rim exiorta. Ideo anfem Sfoicos mediom sequi diximua, qsii 
Plato perpetnam dicit animam, ei ad diverM corpore iransiton ieeen 
atatim, pro meriiis niae priori^. Pjthaf^ras vero non fA^Sfif^ifjO^ 
Oiv^ scd TtaXiyyeveOiav eise dicit, hoc est, redire, sed poet 
poc. — Ich habe f^eich die (paoie Stelle hierhergfieiat« weil ich i 



-^ 141 -^ 

der Erde, die Seelenwesen ins Irdisehe dareh die Körper Imb 
snr Unterwdt hinab^eileii. — Osiria aber als AbsIuss ewi- 
ger Götter und ewiger Gott sdbst nmsste, um die in Gottes 
Geist gedachte Welt sä verwirklichen, aus den horsten Sphi- 
ren in die Sonnen- und Mondsbahn und auf Erden in die Nil- 
bahn herab, und als Lebensprincip aller Körper (als anima 
animans} musste er in unzfihligen Formen sich bewegen, und, 
in die Materie anfgenonunen, auch selbst das Loos der Materfe 
auf sich nehmen, und jahrlichen Tod in der Zeit erleiden* *} — 

dIeiB VcrhlltaiM de» Brahma aom Vifdunu; ?oii welchen Gottheiieu 
dkr entere in i^wiiten Wandemofen i^na menechlich , selbfi ffind* 
hmtt encheint , der leiaief da^ef^en io den A?ataras ale reiner, ret« 
Bender Gotiei^eisi. Mehr kann hier nicht |^sa|^ werden. Anden« 
tengen liefen in den obigfen BemerkoD|^n über den Janns. Nnr 
•OFiel noch, daif thnliohe Vontellon^en anch den Aesjpiiem nicht 
^anx fremd gewesen. — Aber anch tob dem annlchft hier Fol|^n- 
^en kann Mehreree ertt in dem Abichmtt ?on der Aegyptischen Re- 
ligion eeine beliriedi|^nde Löenng finden. 

1) Ee wAre im Wideisprach gef^ daa toher, beeondere am 
^chlaif dee Bicliit?oriier|fehenden Abeehnitti Vergetrafrene, wenn^ 
diesen Gef^niati von Hermea ale Geiet nnd Oiirie, ale Leib 
LeibeeMele io rentehen wollte, ale ob ich ihn peremtoriech 
lar abeolnt etatnirta. Wenn Oeirie eo eben der hAchsie QcU eel- 
"Wr genannt wnrde, eo mnef er anch Geiet lejn, wenn er femer 
gleich im Verfolg ale Eraieher der Seelen im Hadee, ala Aichter 
ihrer Handlangen vorgeetellt wird, eo mam er doch auch wohl eis 
denkender, prflfender nnd leitender Geiet sejn, wie er denn in Ae- 
gjptiecher Religion diee Allee wirklich war nnd hice«. Hinwiedamm 
Bermee ericheint Ja in Aegyptiachen und lelbet in Griechiichen My* 
then, Bildern nnd Lehrettien leiblich genng, s. B. ale Befrachter, 
ale Brseager. Ich besiehe mich in der Kfrse ai«r Cicero de N. D« 
HL 22 nnd wae ich dort anilUirlieh in den Anmerkangea (p. 603 
bie 608) anteinandergesetit habe. Dae Meieie mam eich jedoch im 
beeonderen Theil Aber die Aegyptieche nnd über die Crriechische 
Religion ergeben. — Hier mnie ich nar den Haapiiats wieder in 
Brinnerang bringen , deef der GOttorlehre des Alterthame die «charfe 
Sondemng ton Ideell und Reell, von Blaterie and Geist nnbekanat 
ist, and dass, wer solche Distinctionen hier geltend machen will, 
aol dem geraden Wegp ist — {eae liohre ginalich Misesafersiehea. 



-^ 140 -^ 

Zn wahren, die wandelten den We^ des Zeus nadi Kronos 

Bni^, *3 wo von dem Meer 
Um der SeUg&k GeflM 
Sanft athmet das GesSosel, Blumen wie von Gold leuchten, 

hier 
Am Strand nieder von erhabener Gezweige Höh, 
Der Qaell andre weidet, 

Blit deren Kr&nzen sie die Hand' mnflechten samt dem 

Gelock ^» u. s. w. 
Solche edle Geister sind Vorbilder für die übrigen Men- 
schen, eben weil sie Abbilder von Göttern sind, wie Her- 
mes der dreimaigrösste (^r^lg fiiytfsrof)^ wie Pythagoras- 
Apollon. *) — Im Hermes musste also der Geist, ak das Salz 

1) Der Vfeff des Zeiu, Kxonoi Burg, die loMln der Seli^o 
ebeDfalb Orphische Torsiellao^en (s. BOckh und Disseo). Thiench 
erinnert gai an die poetische Inschrilit auf dem Denkmahl der Re- 
I^Ua, wo Kronos auch in die Inseln der Seligen Fersetsi wird, 
in^leichen, nach Visconti, an das 8> GenUlde im Grabmahl 
der Nasonen, wo ?om Mercorios eine Seele tmt den sitseB" 
den Kronos f^hracht wird. Man ver^l. besonders Bdttigers Kanst- 
M^olo^e S. 243« — Ein Aeg]rpüer wfirde statt des Kronos den 
Phthas-HephAstos (Jablonski Panth. Ae^Tpt. I. p. 140 s^. 203} oder 
anch den Kneph-AgathodAmon und später den Serapis genannt har 
ben; denn im €rebete des Taricheuten, das ans der Pjthafporeer 
£aphantos (ap. Porphyr, de Abstin. IV. IQ. p. 330 Rhoer.) anfba- 
halten, wird im Namen der abf^eschiedenen Seele der Wunsch aas- 
gesprochen, XU den ewif^n Goiiem {didiOiQ ^eoig) xarückkehren 
SU dürfen. — Die Zahl der Wandemngs- und Präfanp||ahre wird 
▼erschieden ang^f^eben, selbst Tom Pindar (s. Dissen p. 36)« 

2) Welcher in mehreren Personalitäten aaf Brden erschienea 
war (s. Pherecjd. LXXIII» p. 222 sq. Stars. verg^L die Note sa 
G. los. Bekkeri Specim. Philostrat. p. 2 ^q^*)- Hermes sollte nach 
einer Ansicht desweg^en Trismef^os heissen, weil er in irdischer 
Gestalt dreimal nntadelhaft auf Erden gewandelt (Hermias in Plato- 
nis Phaedr. cap* 29- p* 152)- In dieser letstehi Vorstellang wird 
wohl Niemand Bnemerismos finden wollen; vielleicht aber im Pj> 
thagoras-Apollon« Er ist weder hier noch dort sa suchen and sa 
finden. Den wahren Aafrchlass geben die IndiMhen Eeligionen in 



141 



der Erde, die Sedenwesen ins Irdische durch die Körper b» 
mr Unterwdt hinabgleiten. — Osiris aber als Aosf uss ewi- 
ger Götter und ewiger Gott selbst musste, am die in Gottes 
Geist gedachte Welt zu verwirkliehen, aus den hödisten Sphi- 
ren in die Sonnen- und Mondsbahn und auf Erden in die Nil- 
bahn herab, und als Lebensprincip aller Körper (als anima 
animans) musste er in nnzfthhgen Formen sich bewegen, und, 
in die llaterie aufgenommen, auch selbst das Loos der Materie 
auf sich nehmen, und jährlichen Tod jn der Zeit erleiden. *} — 



dea YerhäHmM des Brahma aom Vifduna; ?oii welchen Gottheiten 
4er entere in i^wiaten Wandemofen gana menachlich, selbft afind« 
kaft eracheiot , der leigiere dagegen io den ÄTataraa ale reiner, ret« 
tender Gottes^eist. Mehr kann hier nicht gesa|^ werden. Anden« 
langen liefen in den obigen Bemerkan|^n über den Janns. Nur 
lonel noch, daie ähnliche Vorstellan^n aach den Aesjpiiem nicht 
pak% fremd gewesen. — Aber auch ron dem annlchet hier Folgen- 
den kann Mehreres eret in dem Abschnitt ?on der Ae|;jptischen &e- 
Ujpon seine befriedi^nde Lösung finden. 

1) Be wAre im Widersprach gegen das bisher, besonders am 
SoklniS dM Bichstforhergehenden Absehnitts Vorgetragene, wenn^ 
■sn diesen Gegensats ?on Hermes als Geist und Osiris, als Leib 
mi, Leibesseele so verstehen wollte, als ob ich ihn peremtorisch 
•der nbsolat statnirte. Wenn Osiris so eben der höchste QcU sel- 
Wr genannt wnrde, so moss er anch Geist sejn, wenn er femer 
Sieieh im VerMg als Erzieher der Seelen im Hades, als Aichter 
ihrer Handlangen rorgestellt wird, so mass er doch anch wohl eis 
lenkender, prüfender nnd leitender Geist sejn, wie er denn in Ae- 
gjptischer Religion dies Alles wirklich war nnd hicss« Hinwiedernm 
Hermes erscheint Ja in Aegjptbchen nnd selbst in Griechischen My* 
Üisn, Bildern nnd LehrsAtsen leiblich genug, s* B. als Befrachter, 
als Brseiiger. ich besiehe mich in der Kfrxo anr Cicero de N. D. 
HL 22 «nd was ich dort ansfflhrlich in den Anmerkungen (p. 603 
Us 608) auseinandergesetzt habe* Das Meiste mnss sich jedoch im 
Wsonderen Theil über die Aogyptische nnd Aber die Griechische 
Ecligion ergeben* — Hier mnss ich nnr den Hauptsatz wieder in 
Erinnerung bringen , dass der Gotterlehre des Alterthums die scharfe 
Sondemng ton IdeeU nnd Reell, ron Materie und Geist unbekannt 
iit, und dass, wer solche Distindionen hier geltend machen will, 
mI dem geraden Wege ist — * jene Lehre ginaUcli Misssuferstehen* 



^^ 144 ^^ 

sey^ dies doch nnrndgUch die Bedeutung haben 9 als 4>b Plalo 
gröbere Vorstellungen von der Natur und dem Schicksal der 
Seele gehabt hatte. Wenn femer angenommen wird, Platon 
und die alteren Platoniker, Plotinus inbegriffen, hatten eine 
wirkliche Metensomatose oder Umwanderung der Menschenr 
Seelen durch verschiedene Körper gelehrt, ^} so hat Plotinus in 
seinen sjäiteren Jahren sich sehr skeptisch und mit grosser 
Zurückhaltung darüber geäussert, Q d. h. zu einer Zeit, wo 
er in den Geist von Plato*s Werken am tiefsten eingedrungen. 
Eben deswegen, und wegen der Incongruenz einer solchen 
Lehre mit einon Geiste, wie Plato war, möchte ich auch 
bezweifeln, dass er w^enigstens als gereifter Philosoph im 
Ernste so etwas behauptet habe. 

Obschon nun aber in der Lehre von der Seelenwanderung die 
Aegyptier mit den Indiem übereinstimmten, so musstcn sich 
diese Völker dennoch in den Vorstellungen des Seelenzustan* 
des nach dem Tode wesentlich von einander trennen. Das 
zeigt die ganz verschiedene Todtenbestattung. Die Aegyptier) 
bemuht durch alle mögliche Mittel den Leichnam in seiiHBir 
Hauptgestaltung zu erhalten, hatten dabei, wie bemerkt, ^ 
Ueberzeugung, dass die Individualitat der Seele perennicen4 
sey, und dass sie als moralische Person von ihrem aittliclip 
Zustande Rechenschaft zu geben habe. Wenn hingegen diö 
Indier ihre Todten verbrannten, so hüngt dies mit einer pa|^ 
theistischen Ansicht zusammen, der zufolge sie, neben eiMr 
sicherlich auch verschiedenen Seelenwanderungslehre , eine 
Zurücknahme (Besorbtion) und Decomposition der JMensdm- 
seele in die allgemeine Weltseele statuirten* *} In anderer 
Hinsicht, nfimlich in Bezug auf den kosmischen Ursprung dkjif 



1^*. 



1) S. Wyitenbach ad Platonis Phaedon. p. 210 0qq. 

2) S. meine Anmerkk. sn Pioiinns I. 11. pa|^. 5 ed. Ozon. 
▼ergL p. 162* 

3) Teriollian. I. L besei^hnei dieaa Venehiedenhaii gtd 4u«li 
das aoimaai dip^esMin a corpore t^ftmdi in umimmm rnrniva^imai 
dessen Gegenaats: animam manere deterwUnatmn^ ati raiioMnn ^|^aW 
reddai eoram quae in corpore feiferli. 




. ^^ 145 

itar ans versehiedenen Urelementen , Wasser oder Feuer, 
»Uten sich auch Philosophen; wenigstens Wollten die beideh 
Hier der altionischen und der nenionischen Schule, Thaies 
d Herakleitos, ausschliessend nur eine von beiden Bestat- 
ngsarten für religiös anerkennen. '} — Davon abjfesehen 
d abgesehen von der oben besprochenen eigenthämlichen 
sigyptersitte , stellt das Begraben oder das Verbrennen der 
nchname zwei ganz verschiedene religiöse Yolksansichten 
r; und in dieser Differenz liegt ein Hanptkriterium der Yöl- 
fmbkunfl und der Verschiedenheit der Stumme bei grosseren 
itionen. Nach einer von den Alten selbst angenonqnenen 
einung war das Beerdigen der filtere Gebrauch gewesen. ^3 
^enn Griechen und Römer von der Sitte des Beerdigens zu 
r des Verbrennens übergingen , so hatte dies in Verlinde- 
ngen religiöser Vorstellungen seinen Grund, und musste 
iwiederum manche Blodificationen in dem Todtendienste her- 
irbringcn. Doch musste die Sitte des Verbrennens der Leich- 
flie schon froh in Gebrauch gekommen seyn, wie die hiero- 
jfiüsehe Sage vom Vogel Phönix vermuthen Ifisst, beson- 
rs wenn sie aus Phönizischen Verbrennungs - Cfirimonien 
Manden seyn sollte. Wie gesagt, die zwei Bestattungs- 
len mochten im Alterthum oft an verschiedenen Orten neben 
Bänder bestehen. Man denke nur an die Homerischen Lei- 
nfeiem und andererseits an die Sage von den in einem 



1) Sairiuf io Aen^id. XI. 186* Qaia apnd varias gentes di?arfa 
nrnai ^nera sepnltarae, inile est, qood alii obraaniar: alii exa- 
■ter. — Ei periie liaf rarietaies Virplina posnit; namqne Hera- 
Üw, qai omnia tüM ex ipie consiare, dicii, debare corpora in 
■Mi reaolri. Thalea rero, qoi confirmai omnia ex hnmore procreari, 
ebf obmenda corpora, ui posfint in hnmorem refoi?i. 

2) Cic. de Legg. IL 22> p* 326 aq* ad. Moser. Die sacra 
ivala «eigen Sporen dieser liieren Siüe ; z, B. daii die Miiglieder 
r ^na Cornelia noch bis gegen daa Bnde des Freisiaais sich beer- 
pm liessen (ibid. p. 328 sqq. — wo man überhaupt bis cap. 27. 

368« mit dem was die Aasleger beigebracht haben, Aber die Tod- 
■baslaünngen, Gräber und TodienciiU» dar Griechen und Römer 
• Hoihiga beisammen findet). 
Crtuzer's deutsche Scbrifteo. I. 1. 10 



-« 14« •«• 

8ar^ geftmdenen und von Tegca nach Spttria gebrarl 
lind ihrer Grösse wegen be^^ninderten Gebeinen des Orustciul 
Nadulem bei den Griecfaischen und ItalHclie« Völkern 
Verbrennen der Todten allg:enieiner Gcbranrh ^ewanfen, 
hidt die Architektur dersdben sowohl in der Wirklirlihd 
ib in Abbildungen die Heroeninahle nach Homerischrm Tj'pa 
in der Regel (getreulich bei, und die erhöhte BrandsHUf 
(Ttvpä, bustom} ward die Grundronn für Mausoleen bü ^ 
Römischen Grabmühlem herab; i^ie dies die reberresle i^ 
die Abbildungen, namentlich auf Vasengemaiden vor Ai 
stellen. *} Für unsere Erörterung ist die Haujitsaehe die 
welche die Alten mit der Todtenverbrennung verbanden, 
lieh dass die Seele alsobald in das Universum, ^) d. Ii. in 
Natur BBräekkebroi könne. Was dieses urs)irüngliche Wi 



1) Hsrodot. I. 68- Ich wiederhole nJehf waa <lorten i 
il«ni nod *on mir (p. 174 »Hl- cd. Baehr.) über Ähnliche Sage« n 
RieaeakOrpera bemerkt worden; vnd will hier nur anf die Vn 
»ekM» in den Orabeietitlen der Griechen aofmrrkaain mache«. Kl 
die yllgemeioen Benennangen vexgodox^''^ »"d OotftaTO<fv\aj>S I 
reihen «ich an die Namen ^^ia, JVftßoi , räffoi tat g^eineio« Gffr 1 
ker, troneben dann j^aj/iara, OTiJi^ai, TCfga/tiöeq genannt war 
Dae B'enßbniiche Grab oder der niedrige Grabhü^l ({;(»/oif)ji 
von dem Heroon (JjQtpov) oder dem ntattlicheD hoben Gr«bdM 
{aiitv aäfJa Theocrii. Jdj'Il. I. 125 mit ^''alckenaer) nnferachM 
welche* lelitere anch manchmal ein Grabgebande mit i 
mehreren Kammern war (Apollonii Lnic. Homer, p. 335 Toll« ' 
aan. II. IR. 5 »nd beiondera Lncian. in der Hanpiftelle, 
2?. p- dt8 ed. Wetaten.). 

2) S. Raotd - Rochette IHonnmen« in^dita (Oreiftide) pa^, |J| 
Veber die Stmctnr der antiken Grabmahler ■. ZaSga t 
p. 338 aq. Hinntoli Nachtrag in aeiner Reite p. 193 t 
Bxcnn ra Herodot. I. 93- p. ^24 sq. ed. Baehr. Dia Vaf 
nunguceae mit dem aosgelöschfen Srheilerbaufen nnd der I 
tlrt Ljdiachen K.5aigi krOso* (Hrrodot. I. 87) aleUt Bm Jfl( 
luerkwdrdigea Vaaenbild fon Vnlri lobhafl cur ADgen (a. 
iaediti del InatUata Archaolofieo di Rmaa). 

3) Serf IM ad Acneid. HL 68 ■ — n( ttmUm mtei. 4ri| 
M«feM, id «*f, M «HMi matnrmm n Ün t, • hMi 



-^ 147 ^^ 

der Sede sey, nnd dass die Alten dabeijan kein reingeistiges 
MniBliadies Daseyn im Sinne der Christen gedacht 9 beweist 
der treftnde Ansdrack eines andern Schriftstellers: «damit 
die Körper samt der Seele in Aether verflöchtigt werden 
können» ; ') dahingegen christliche Väter die alte ehrwürdige 
Sitte des Begrabens empfahlen, ^} ohne Zweifel in der Absicht, 
oBi Jene pantheistischen Vorstellungen von der Auflösung der 
Hensdieiiseele in die Weltseele zu beseitigen, and den Ge- 
danken an die personelle Fortdauer der Menschenseele nnd 
ihre Verantwortlichkeit vor Gott, dem Weltrichter, festzustel- 
len. — Jedoch hatten die Griechen nnd Römer die Vorstellung 
von Reinigung und Läuterung der Seele bei dieser Bestat- 
tnngsart; ja die Nachgelassenen hegten wohl auch die Hoff- 
nung oder doch den Wunsch einer Art von Apotheose; wie 
es denn eine Sage gab, dass diese Sitte von der Verbrennung 
des Nationalheros Herakles auf dem Oeta herstamme. ^3 

Ton beiden Bestattungsarten hat die Griechische, beson- 
ders die Athenische Mysterienlehre Bilder, Gebräuche, Mythen 
und Dogmen entlehnt Zum Beschluss dieser allgemeinen 



f) lo. Lauf. Lydoi de menfs. lU. 27- p. 124 Roether.: ^Oti 
ra rdi» vexgcSv otiixara ixaiop ol itakmot^ avp^^ai^e- 
foSpreg avxd r^ ^^XV' ^® ^tS^ Plotarch (de fac. in Inna 
f* 923) vvn der Lafi: i;7ro rov TtVQoq i^ai9€QO}9€lq. Das Ver- 
WiMien war schon so Macrobins Zeit antser Gewohnheit |;ekom- 
■0B (Satamal. VII. 7). 

2) Minacint Felix Oriar. XXXIV. 11. Ner, ui creditis, nllam 
JaiMHm aepnltnrae iimemns, sed et veterem et meliorem consaeto« 
diaev hunandi iireqnentanias« 

3) Nämlich nach einer ^istig^n Deutung l^laubie man, das 
Gottliche im Menschen steifte im Feuer als seinem Vehikel (d//;- 
uar/) anfwilris. — Vorsiellangen von Reini^nn^ der unreinen Tod- 
leii bei Eutath. in Iliad. I. p. 32* Auf dem Römischen Deukmahle 
von I((el bei Trier bildet die Vorstellnngf von der Auffahrt des Iler- 
caWe darch die Sonnenbahn die Schlnssscene. Daher auch die Gra- 
■ala (balauatium), ein Sinnbild der Sonne, sugleich ein auf Grab« 
aahlen ▼orkomnendee Trostesseichen war (Spanhem. d. U. et Fr. 
NamiaaiH. I. p. 318- Raonl-Rochette a. a. O. ^^. ^b*^"^. 

1^* 



-^ 148 -^ 

Uebersicht der heidnischeo Religtonen imisfi ich noch i^en 
BUck anf diese Seite der Griechischen Götterlehre und Cidti»- 
formen werfen: mich aber auf eine Andeutung von Gnindleh- 
ren der Attischen Thesmophorien beschränken. 



Telestik» Ctnmdzfifire der Thesmoplia- 

rien-Iiehre. 

Mit jenen Ahnungen und Vorstellungen von Seelenfort- 
dauer, mit jenen Gewissensregungen über begangene Fehler 
stellte sich firuhe das Bedurfniss von Sühnmitteln ein. Ande- 
rerseits mussten die wechselnden Scenen von Geburt, Tod 
und Grab, der Wechsel der Jahreszeiten u. s. w. bei den Ge- 
schäften des Landbaus und der SchiffTahrt, selbst dem gemei- 
nen Manne seine Abhängigkeit von der Natur fühlbar machen, 
ihn zu Fragen nach den Wundem veranlassen, die er tiglichvOr 
Augen sah, ihn aber auch mit Gefühlen des Dankes gegen die 
grossen Wohlthaten erfüllen, die er den Herrn der Natur und den 
Stiftern des Ackerbaus und des gesicherten häuslichen Le- 
bens schuldete. So entstanden Sühnopfer (piacula} und Incu- 
nabel- oder Stiftungsfeste (initia} in Samothrake und an an- 
dern Orten Griechenlands und Italiens. Mysterien in diesen 
weitern Sinn knüpften sich bei Griechischen und Italischen 
Stämmen an die Culte fast aller Landesgottheiten und Stamm- 
heroen; in Attika zunächst und in Athen selbst hauptsächhdi 
an die Verehrung des Zeus Herkeios, der Athene, das He- 
phästos, Hermes und Apollon, der Heroen: Kekrops, Erech- 
theus, Erichthonios , der Kekropiden, Erechthiden, des Bntes 
und der Eteobutaden u. s. w. *} Diese gehören zu den ein- 

1) Uiad. n. 549 sqq. Odym. VII. 81* Plato Boihjdeni. p. 302, 
D. {'AvcolXüiv TtavQtpo^^ Zevq €qx€ioq aal (jp^argeog^ 'A^ijva 
('A9i]vai7]) (pQax^ia) mit Haindf. p. 404 «q. und meioeo €ob» 
meniatt. Herodoit. p. 232. Apollodor. HL 14« 6 mit Hejne. Paiuan. 
L 26 nnd Stoaria and Rot etta Alterthamer won Athen I. p. 471 if. der 
^ntachen UeLencixan; mit den Erlaateron^en dar Sngliachen «• Deal- 



-^ 149 -^ 

Gottheiten und Heroen, dei^n altherkömmliche Ver- 
durang schon vor Selon dardi aosdräckUche Satzuhg bestä- 
tigt ward. ^} Aber das grosse hieratische Drama der Helle- 
nischen Sittigung und Heilsordnang bewegte sich) neben der 
Pallas- Athene , hauptsächlich um die drei Gottheiten Demeter, 
Persephone und Dionysos. In diesen Culten wurde, so weit 
sie im Heidenthum möglich war, eine Verschmelzung und Ver- 
geistigung aller Griechischen Religionselemente zu Stande 
gebracht Von jenen drei Gottheiten wurden Demeter und 
Persephone vorzugsweise die zwei grossen Göttinnen ge- 
nannt ^3 — Obschon ich nun den Eleusinischen Mythus vom 

•chao Bearbeiter, und jetzt die neuem Abbildan^n und ErklAran- 
^n der hierher gehörigen bildlichen DenkmAhler, x. B. des Bafre- 
liefii, den Kekrope und seine TOchtor dar«tellend, im Mneenm Wori« 
lejannm L 9f der Metopenbilder vom Parthenon mit BrOndftcdc 
Deiitiuigen in Reisen und Untersnchungen in Griechenland IL (der 
Geburt dea Brichthonios and der Weihe des Bntes pag. 301; der 
Teiracotta mit Pallas -Athena, Hephastos und Eris oder Eros p. 302» 
318 a^*)« — Denn ich bin allerdings der Meinang der gelehrten 
Foncher Gerhard und Panofka (s. Annali del Instit. archeol. Vol. IT. 
P> 184)9 dass die religiösen nnd selbst mysteriösen Lehren auf die 
ErklAmng der Kunstdenkmahle angewendet werden sollen, sowie 
jene ron diesen hinwieder Licht erhalten. 

1) Draeo ap. Porphjr. de Abstin. sub fin. p. 380 Bhoer. Ge- 
f/fiog aiüSviog rolg 'Ar&ida vefAOfiivoig^ xvqioq top cbtapza 
jjfwoy Oeovg xiiigLy xai i/QtaaQ iyxoiQiovq iv xoiPfß hnofAe- 
voü^ (rel mofievvag) vofioig TtarQioigj iö/ec tb xara övvafAiv 
(ter^ Wemeling ad Petit. Legg. Atticc. p. 69* Wjttenbach ad Pia- 
luchi Moral, p. 760)* — OeOßjtOQ eigentlich altes Herkommen und 
Setsangt PO flog geschriebenes Gesets (Wjttenb. p. 874). lieber 
die Alteren, mit dem Dienste der Pallas- Athene verbundenen agra- 
risciieD Cnlte wiederhole ich nicht, was ich neulich in den Annali 
del Institut, archeolog. Vil. p. 102 sqq. bemerkt habe. 

3) Paosaa. VIII. 31- 4. rergl. IV. 1. 4 und 5. Einige alte 
Schriftsteller wollten bei den Worten dps Sophokles Ordip. Colon, 
vs. 679 (683) fi€ydkaeP deaip an die Furien gedacht, und der 
Scholiaat deswegen fjcycikdp &€up gelesen wissen. Allein der Dua- 
lis stelii ftft, nnd seigt, ausser dem ausdracklicheu Zeugniss des 



150 



I 

llaiibe der Proserpkia ^r füglich übergehen könnte, 80 will 
Idi dech ans zwei neugewonnenen Urkunden, weil sie ein^^ 
CTu^rakteristische haben, das Wesentlidie hier betfugen: 



PaoMniaf, hinUngflich , dan die xwei Göttinnen Ceres und Proeer« 
pina diesen Tfamen fflhrien (s. Maf^a?e and Hermann sum Sophod. 
■• a. O.). Aach kommt Demeter allein anier dem Namen fABydktj 
9m ▼or, nach Kahne vnd Lennepi Verbeeseronj^ des Dichters ia 
der «weiten Stelle des Pansanias (s* Jacobs Patmlipomm. ad Ab- 
iholog. Gr. p. 774 sq. und Antholo^. Palatin. II. p. 818). D«- 
^e^ea wurden die Furien in der Coltossprache der Athener die Ar* 
wfirdi^n Göttinnen (^aefAvai &€cu) genannt, in der der Sikjonier: 
Eomeniden {JEvfi6hfiÖ€Q s. Siebeiis ad Pansan. II. 11. 4« p. 190]^ 
In dem Briefe des Menander an die Gljkera beim AIciphron II. 3 
init. kommen die Worte von 'JEyui (40, TOLq 'Eksvoivia^ (*EkBVOi' 
paq Cod. Heidelb. nr. 132$ wovon im Veifolg) S'edg^ f^d rd fiv^ 
OTfjpta avrdSp^ und weiterhin (p. 299- üo- 62 ed. Wag^ner.): ra$ 
oe^vdq 9€a^f rd fiVOr^Qca (welche Worte unsere bessere Hand* 
Schrift nr* 155 auch hat, wie sie aus einer andern schon Dorrilla 
sum Chariten p. 473 Lips. richtige ansg^efdUt). In solchem Zosam- 
menhang^ war es erklärbar, wie Wagner die OBfxval 9Bal fKr die 
Mysterien -Gottinnen Demeter und Persephone nehmen konnte« Aach 
war ihm Jacobs (Attisch. Museum III. 2* p* 251) ^folgt. Bast 
aber (Lettre Critique p. 68) hatte widersprochen ; wo^eg^en ich (Sym- 
bolik IV« S. 327 — 330) mit f^ten GrQnden, wie ich meinte, auf- 
getreten war« Jetst haben mich aber Meineke*s Bemerkongen (ad 
Menandr. p. 346 und 579) eines Bessern belehrt, nnd ich trag^ 
eben so wenif^ Bedenken dies offen su bekennen, als der ehrwflrdig« 
Jacobs es seinerseits gethan hat (man s. Dessen Vermischte Schrif- 
ten IV. S. 507)« Ich freue mich im Stande xa seyn, darch einig« 
Beitrage meinen nngegrflndeten Widerspruch wieder gut sn maolien« 
In dieser officiell - religiösen Benennung war die Wortstellung anab- 
Anderlich. Grammaticus mscr. cod. Darmstad.: Oiov% et n^ ra^ 
OBfdvdg 9edg^ dedq osfivd^ Afyc/* %al ro Seiop aTtvQoVj aitv^ 
Qov 9£toif. ^ ydQ xadüßfiekfjf^iyjj ovif^9£ia ev ixetiffp fiip rd 
oefivdg TtQOidTcec ev 8e tovtoiq (f. tovt^) to 9€iov. Hier- 
nach sind die Lexica su Indem, welche aus der Materia medic« 
des Di^skorides (i'X. /arp. V. 124) anfahren: ditVQOV 9Biov (gn* 
diegeuen Schwefel), da der Autor doch sagt: Seiov Sb ägiCTOP 
ny^viov %6*d3tv{fOP* — Clemens Alex« Protrept. p. 41 Potter. s 



-^ 151 -^ 

«Ceres qamn raptam a Piatone Proserpinam diu quaeauset, 
(aadem idiqaaiido eam esse apod inferos eomperit Pro qua re 
quam levis implorasset auxilium, iUe respondit, posse eam re- 

Mi} dfiq>ißäkkeT8f bI rdS» SBfAPiSp ^Adtjpjjöip xakovfihtay ^etSy 
rd^ ftip Sio Sxojrag iKoiijaap ix xov xoikovfAivov Xv%piiaq 
yjd'ovy KdkiogShy T]p fieaif» aixaly laroQOVPxcu exovöaiy Ho- 
klfjuoya SBixvivai iv rgf xexdQVfi xtSp TTQog Tifxauov* laicht 
CaIm, wie Sylbarif maiDie, kommt beim Plinias (XXXIV. 8» 19) 
wmk beim QaintiliaD (XII. 10. 7* p* 608 Spaldin;.) vor, sondern 
Celloa (lo, nnd nicht Calon, hat auch. der anTerf^leicUieli ichAne 
Codex Hmg^B; b» Dessen Bemerkungen Aber die Aefinetisehen Bild^ 
werke. Freibnri; 1835* S. 7) , und SiUig (im Oatalo|;. Artiff. p. 134) 
sa^ mit Recht, Calos komme allein in dieser Stelle des Clemens 
vor, aber weder er noch Siebeiis (sam Paosan. I. 26« 6) wissen Ton 
einer Variante. Aas Anlass der Redner fahren die Lexiko|fraphen 
■ad Grammatiker die ocfAi al 9eal za Athen an (Hesychios, Saidas, 
Harpocration p. 162 ed. Lips. Photios p. 437 ed. Dobr« Lips. das 
Lezieon rhetoricom bei Bekker Anecd. p. 303)* Aber keiner hat 
die Notis, die ans ein Scholiast sa den Worten des Aeschines adv« 
Timarch. (p. 178 ed. Reisk. — evxa^ viteg xijg Txoketog xaiq 
SiuvcLlg 9saig) giehi (ibid. p. 747): tqs^s t;oay. avxai al \eyd^ 
fupai CBfdpai 9£alj ^ EvfJUBviSe^^ i; 'EQtyvva^. mv xag fikp Ovo 
(xag ixuxi^to^ep snpplirt gut der Pariser Codex, dessen Apoi^raphum 
for mir lie|;t) SxoTVäg 6 Ild^iog nenoijjxep (iTio/f^Oßp Apogr. 
Paris.) ix xoS "kvxt'itov h'9oVy xdjp di (aIoijp Kakafii^. Statt 
dsssen hat das Apo^. Paris, ix xijq kixpixov A.. fehlerhaft. Bes- 
ser der Scholiast. Mead. ix x^g kvxPi^iSog X. aber darum nicht 
fuu richtig« Der Ljchnit, woraus Skopas die Furien gemacht hatte, 
war Parischer Marmor, woraus er gewöhnlich arbeitete (Photii Lex. 
Gr. p. 207 Dobr. Lips. a. Fischer im Index sum Aeschines Socrat. 
■■ter "kuxpixtjq \i9o^)y also kein edler Stein, richtiger ist also hier 
das Mascalin, wie auch Clemens hat: o XlXPBug. Hieraus ergiebt 
sieh 1) dass in der Stelle des Clemens Kdkafiig gelesen werden 
mos«; nach deswegen, weil Pausauias (I. 28* 6) von jenen Bild- 
slolen der Furien su Athen sagt , sie hatten nichts Furchtba^s oder 
ssnst den chihouischen Gottheiten Eigenthflmliclies, was auf den Meise 
des Kalamis nud nicht auf den des Alteren Aegineten Kallon sclilies- 
•en liest; 2) dass mithin jener Kdktxi^ (Calus) ans dem Verseich- 
■ise der Griechischen Käustier su tilgen ist. •— Hierbei gelegentlich 



-^ 152 -^ 

verti, si nihil «päd ioferos gostaMet. lUa.aoteB puniei- nali 
in Elysio grana gostaverat Quam rem Ascalaphns, Styg» 
filios, prodidüt Ideo Proserpina ad soperos remeare non po- 
toit Sane Ceres postea memisse dicitur, ut Proserpina sex 
esset cum matre mensibus, sex cum marito.» 

«Elensis civitas est Atticae provinciae, haud longe ab 
Atheois. In qua qunm regnaret Celeus, et Cererem, qoaeren- 
tem filiam, liberalissime suscepisset hospitio, illa pro remnne- 
ratione ostendit ei omne genns agriculturae; filiom etiam eios 
Triptolemum, receas natum, per noctem igne fovit, per diem 
divino lacte nntrivit; et eum, alatis serpentibus superpositom, 
per totum orbem misit ad usum frumentornm hominibus indi- 
canduDL» ') — «Proserpinam autem, id est Persephonem, 
raptam a Dite patre, quum Ceres , incensis ftcibus, per orbem 
terramm requireret, per trivia perque quadrivia vocabat da- 



noch einiipe Worte über den Maler Kalaiet oder Kalakee. Der 
Scholiafi za den Gedichten deg Gregorioe Nax« (im Cod« BodleL p« 
38 ed. Gabford.), der die Be«chreiban( des Lacianoe in Zenx« cap. 3* 
p- 840 iq« mit den Worten dieses Antors ezcerpirt, nflmlich tob 
des Zenxis GemAlde , eine Zwillinf^e sAa|^ende Centaarin darstellendi 
hat da wo die Worte Lacians stehen: irk^p dXkä rfjy ebfLOva 
Ttjg e/xSifog bISov Folf^endes: fxoki^ 5h yQdq)ovöi KakXifiaxog 
xal KaXatOf]^ (sie) rrjv sixSva rrj^ eixöpog ovruiq. Aus 
KAAAICHC lAsst sich leicht KAAAKHC bilden, und dies ist 
die Schreibnnif dieses Malernamens beim Flinios XXXV« 10* 37 
(s. Silli|f Catalo|^. Artiff. p. 120)* Schreibe man nnn aber Calaces 
oder Calates, mo ist vielleicht doch eine Lücke im Texte des Lu- 
cian ans jenem Scholion sa er^Anxen. 

1) Mjtho|^aphas Vaticanns primns cap. 7 et 8- ^ttf^X. Mjthof^raplu 
II. 100 et cf. IL 97 und Mjtho^aph. TU. 7- 2 mit den Not critt 
Ton Bode. In den Obserratt. in Mjthopr. I. p. 173 sq. hat Bodo 
die Hauptquellen des Mjthns an^exei|^9 und we^en der Verschie- 
denheiten in dieser ErzAhlnn^ auf die Ausleger des Homerisehea 
Hjmnns auf Demeter, auf Welckers Zeitschrift fdr die alte Kunst L 
1. p. 1 — 95 and auf die Symbolik IV. S. 169- 198 hin^ewieMu; 
womit man noch BrÖndsteds Reisen und Untersuch nn^^en in 
chenland IL paf. 211 ff* verbinde. 



-^ 153 -^ 

BMNnbw. Unde porimiflit ia eins wäcrißj ut amet» diebns per 
CQB|iito a matronifi damor ezereeatur.» ■} — Wir sehen hier, 
wie der Festi^braach des Klagemb der Fraaen aus dem My- 
thus seine ErkUmng erhüt; wie denn bei allen Festen der 
alten Völker Coltos und Mythus in gegenseit^r Beziehung 
erscheinen, ohne dass man oft bestimmen kann, was als Ur- 
sache und was als Wirkung am nehmen ist Die Feste der 
Demeter waren aber Demetrien, Thesmophorien, Eleusinien; 
die der Persephone-Kora , namentlich in Sicilien Theogamien 
und Anthesphorien. '} — Wir handeln hier, wie gesagt, nur 



1) MjihographBt Vutic. TL cap. M mit den Not. Critt. von Bodo 

2) PoUbx I. 37. p. 2ö Heottlerli« ^ijfujtfos, ^tjfitjxqiOy X€d 
BeOfAOifOQiaj xal 'Ekevohuu Ki^tj^ 5§ uclqu SixAxaireu^j 
Q€oydfua xai 'Ap^eotpoQia. Nach BrOodatod (a briof Deacripiion 
of aocioai Ckaek painted vaaea p. 88 ^9«) wlreo auch ThaUopho- 
rian mü den Theamophorien verbanden ^eweaen. Dafflr fehlen aber 
die Beweise, ja 9a3^q)6f£a aia Beaeichnui^ einer eipien Hand- 
linie acheint gar nicht vonnkommen« Schöne alte Minner^ vielleichl 
aaeh Frauen , acheinen an den Panathenien Oelaireii^ an Ehren der 
Pallaa- Athene getra^fen au haben (Xenoplu Sjmpoa. TV* 17- Di- 
caearch. ap* SchoL Artatoplu Veap. 542« ver^L Philochori Fra^. p. 25 
mit Siebelia}. In dem Spruch dea Bpicharmoa von den alten Mau- 
nain beim Aelian. (V. H. IL 34) 'ßore (OQa näöiv ijfiip r^» 
xa%i0xi]p dpdyea&€u^ itQO roS rivog xcU carokaSötu xaxoS 
KQioßvTidiov hat aich Koraj bepiäf^ TtfeoßvTiXoS an achreiben, 
QBd anaaerdem TCQ€OßvTicuov au vermnthen {SfjfABitoa. p. 296)* In 
der Darmai. Schnlzeiinni^ (1830 p- 431) wird gar dnaikavöCLl in 
WoxkjBiOCU verändert. Unsere Pfidaer Handachrift bleibt beim Al- 
ien, und mit Recht. Der Ton liegt anf dem dvdynod'OU^ und der 
Sprach will besagen: Es ist Zeit fflr uns Alte, aAmtlich baldmOg^ 
liehst absnsegeln (oAmlich um in die Inseln der Seligen an gelan- 
gen), bevor wir auch noch ein Uebel (oder eine Schwache) dea Altera 
ao nna zu erfahren haben. — Dies gelegentlich« Dieselben Feste 
aenot mit Beifdgang des Mjthos der neulich erst bekannt gemachte 
Scholiaat au den Gedichten des Gregor von Naaiana (p. 48 od. CTaisIl). 
Ich thelle die ganae Stelle mit , weil sie einiges Eigene hat : TekeTOi 

\ (fot xQUTtrai 'Ekevoipo^' avxcu al xard top KeXeop xai Tqi» 
Tftokefwp' ^ ycLQ AtjfojxQa elxB ^vyarifa r^p Uefoeffopriv* 



154 ^^ 

von dem asweiten dieser Feste, dessen F^er ein anderer 
Sdioliast *3 uns kor^ch so besehreibt: «Es hsttea die Athe- 

ravxrjv ^QTraaep 6 lIKovTtov ^rjxoSoa Sh avxijv ^ f^^'^^f ij\9e 
elg r^p *Amx^v %fOQCL» ip ^^n *EkBvaiv^ (Mjthoi^pftu Vaiic 
II« 96* p« 107 Bod. 9, Ceres qaom Proeerpinam rapiem qoaerere dod 
deaisiereiy Tenii ad EUmMtnam ciritatem ad Celemu^* etc. vergL 
Heyne ad Vir^. Geor^. L 163- Daviea, HeiodH and Meter ad Cie. 
de N. O. I. 42. p. 192 , wo ans Handgchriften fileaflinam hergestellt 
ist. Aotimaclias ap. Strabon. VIU. p. 186 Txsch. reripl. Antimacbi 
reliqq. LV. p. 94: dtjfAfjxQoq ^Ekevoivfjq legt) o^. — So wollte 
Salaasias ad Spartian. Hadriao. p. 118 verbessert wissen, welches 
weder die Heraosg^eber des Sirabo noch Schelleoberg bemerkt ha- 
ben. Die Lateiner somal^ bemerkt Sanmaise, hätten die Stadt oß 
Bleosinnm und £ieasiaa, die Göttin Elensina Ceres, and die Wei- 
hen Eieosina statt Eleasinia f^enannt — s. ad Scriptorr. Hist. Aagost 
p. 907« vergL die Aosle|;er des Amobins Tom. HI. p. 354 OrelL ■• 
Maocker ad Hjfin. p. 256 «d. Star. Hiernach ist denn auch die 
•Len angefahrte Lesart des Heidelb. Codex Alciphren. IL 3« /ua TUq 
'£kßuawag 9sJig sa wdrdigen.) TXaga T^inxoke(Jiip xwly 6q m» 
x^if icxijOB xijg nkMPfjq, uyyeikuQ avxy xop Bkovx.cava rcLm/p 
^fTtaxßpai. vuhQ xaixrj^ oIp r^g evBQyeoiaq SiSiaoi xtp 7^- 
Ttxakifdtfß xd OTxeQfJUXxaj oixov xai Xorndy €PxeiKafi{pij Ttafik- 
9Bilf xal öxofTXiocu xd oixs^fiaxa napxaxov* ov ydp jxfip 
ic9iOP (leg. ^c9iop) Ttk^p ßakdptop oi dp9Qa>7Xoij xuqixop ipif' 
yovj 69ep xal q>ayeip TTQOoijyoQevdt]* oufxnaQokaßmp ovptop 
KeXeop iici oxtjfict xuip öqoxopxujp TXxeQOJxtSp 6 TQiJXxok^/iog 
xd öTtBQfAaxa öiSuiOt TXapxaxovy xai yatogyelp ixdiddgxei^ xai 
d-eOfAOP de fxa9top ixagd xijg df^fAijxQog d9€0fAO% k^eSida^tp^ 
OP xekovpxcu akktj (fort. ckAAcci^, wie Philostratos de Vit. ApoUea. 
V. 26« p« 208. dkktog xqaipoixo (abp xd legd^ s. G. los. Bekkeri 
Specim. Philostrat. pag. 105$ iemere; so dass der christliche Brkli* 
rer des christlichen Dichters sagte: Und nachdem Triptolemoe die 
gesetslose (frerelhafte) Satsäng ron der Demeter gelernt, lehrte er 
sie Andern, worin sie sich nnflberlegt einweihen lassen), ^fjutjx^ia 
Xiyopxeg xal 'JEkeuoiPia xrjp kogxtjp. (Ans der obigen- Stelle des 
PoUuz und daraus dass der Scholiast so eben von der Satsung {99- 
Ofiog) gesprochen, wird man sich leicht dberseugen, dass nach Atf- 
yopxeg die Worte: xai SeCiiOfpoQia ausgefiülen sind.) 

|).SGhoL ad. Theocril IV. rs. 25« nach der erganitea nad ler- 



-^ 155 

wr die Sitte alljfihriieh die Thesmopfaorien za feienu Es be- 
itchen aber die Thesmophorien in Folgendem: Jtingfrfliiliche 
und in ihrem Lebenswandel ehrwürdige Fraaen legten am 
Tage der Weihe die gesetzlichen und heiligen Bächer auf ihre 
Häopter, und gleichwie Flehende gingen sie nach Elensis.» 

Also ein Franenfest, zu Ehren der Satzungbringerin De- 
iieter begangen. Diese Göttin hatte als solche die Namen 
9€tffioq)6gog und &€a/Ä/a. *) Von der Beziehung dieser Satzun- 
gen auf die Demeter und auf die neben ihr verehrten agrari- 
sehen Gottheiten geben uns mehrere neuerlich bekannt gemachte 
Bildwerke anschauliche Vorstellungen; namentlich das Bild 
lof der zwanzigsten Metopc an der südlichen Seite des Par- 
thenon. «Das Bild zeigt uns zwei weibliche, wie Hierophan- 
ten ganz bekleidete Figuren, von welchen die eine von dem 
Tische oder dem, wie eine Console aus der Wand hervostre- 
tenden Vorsprung , auf welchem einige SchriftroHen liegen^ 
eine derselben emporhebt, aufrollt und- genau betrachtet, wäh- 
read die andere Figur, die ihr den Rucken zukehrt, eine fihn- 
Kehe Schriftrolle schon empfangen hat, und sich langsam dfr- 
oft hinwegzubegeben scheint» *} 

kMierton LaMri des cod. Laareni. (•• 'Warion ad Scholia TheiKrit. 
p» 79 ed. GabCord. nod Kiasslia; su deiuelbaii Seholien p. 876)* — 
BakannÜich enthalieii die Thesmophoriasiueii des Arifliophanes ein« 
Maii|^, aber komisoh auf^fefiMfie, Zdpe dieaer Feeifeier. — Daaf 
■ach iieaer dia ThesDiophoriasnieo mit den GesetsroHen nach filau- 
aia sieben, deniet echoa aaf da« Zeitalter hin, da die Athenischen 
nnd die Bleastnischen Calte mit einander rerschmolaen waren, worüber 
idi in den Annali del Institoto Archeolo|;. VIL paf. 192 s^. Nach- 
waie«ngen ^e^eben habe. 

1) Dieser sweiie Name ist seit Wjttenbaohs (sn Plntarch. Mo- 
ral. VL '2. p. 877) , von Person , Ciavier nnd Siebeiis (snm Pansan. 
VIII. 15. 1) gebilligter Verbessernng keinem Zweifel nnterworfen. 

2) Brflndsted Reisen und Unters, in Griechenland- an Taf. LL 
nr. 20, wo dieses Bild nach Oarre j*s Zeiehnang gegeben ist^ S. 240« 
Ueber die andern bildlichen Vorstellnngen bemerkt deraelbe in einer 
Anmerkung: „Mau s. oben S. 212 f. Ausser den dort «rwAhnten 
DenkuAkm Torgleieha man die Vase in dar Tiickbeiiir*iahm äaa&sa.* 



'^ 156 '^ 

Hiennit treten wir auf den Standpunkt dieses Theüs dei 
Griechischen Rd^^ionen» Es ist dor Adierbaa Mit seinen, do 
Mensdien onb^preifUchen, jedoch naturlichen Bedingungen 
mit seinen Wohlthaten, mit seinen Burgschaften far gesicher 
tes Leben, und mit seinen linden Erziehungsmitteln. Die ur 
alten mythologischen Elemente li^en in hieratischer Ueber- 
lieferung und Dichtung, '^ in den Sats&en von der finsteren 
wüsten, unges^^eten Erde QXSopia)^ von der unter den 
Hinunel ausgebreiteten, und seiner bedürfenden Erde (^Faio) 
von der nach des Zeus, des Hiuuuels, der Sonne, des befruch- 
tenden Regens Krfiften lechzenden Erde, Q von der Erdmuttei 
Qr^ M^TtlQ)j ^^ schon die Alten die Demeter (/lijii^Tijfl 



lan^ (Peininrei de Tatet aniiqiiei IV. pL 36)« ^o Bakchos vor dei 
aiisenden Demeter sieht« welche ihm mit der rechten Hand ei« 
SchriHroUe seigt (alt Thefmophorot), wAhrend aie aach (als Sit6, 
Rhariaa oder Aktaea) in ihrem Gewände das Saatkorn liAlt. Dan 
das in ihrem Schoose Aufgehobene, andere Ahnliche Schriftrolln 
(C^esetsbflcher, Satsnngirollen ; rergL Crenser Symbolik IV. S. 444] 
seyn sollte, glanbe ich deswef^en nicht, ttsti Mde i5jffli^/s, am 
Säerin und der Geieizgeöerin gewohnlieh vereint ericheinen 9 ee- 
wohl auf Monumenten der Kumt ale in den hieioriechen Nachrich- 
ten von den der Demeier gefeierten Feeten. So hat aach anf be- 
kannten Mdnzen des Demetrios Soter (s. Visconti Iconopr. Or. pl. 
XLVL nr. 25^ 26, im Texte p. 323 e^*) die sitxende Demeter eta 
Fflilhom im linken Arme, wAhrend sie einen Styloe in der rechten 
Hand liAlt. Dieses Zeichen (das Werkxeng um Gesetse einsagriH 
ben) mit der Schriftrolle gans gleichbedentend , besieht sich anf ihre 
Sigenschaft als Gesetsgeberin (S€0(Aoq>6Qoq).** Da ich mir hatte 
angelegen seyn lassen, die IdentitAt der agrariichen Demeter UMt 
der geeetzgeSenden ins Licht in setscn, so wAre mir das Srnmik^m 
im Gewände der Demeter gewiss um so leichter bemerklich gewe- 
sen, wenn es in der verkleinerten Abbildung bei Millin (Gel. mj- 
thoL pL XLIX« nr. 276) Oberhaupt sn erblicken wAre. Diese hatte 
ich aber allein ror mir. 

1) S. oben den Abschnitt von der hiermiiichen PöSeie^ beson- 
ders gegen das Ende. 

2) PansMJas L 24. 3- F^g dyaXfia ixBxevoi^fjq vffai oi rov 
dia, Hitrnu erklArt Lenormant eine Statnette der Gäa (Eid* 



-^ IST -^ 

d. h. von der Ceres, die mit der Seele dfe mütterliche 
liebe gewonnen, die Mutterliebe za ihrer Leibesfhicht Proser- 
fknäy und BO den sterblichen Menschen, die sich mit der Frucht 
der Ceres emlUiren; ■) endlich von der sich der Jahresordnung 
tilgenden, *^ ja der Ordnung und Satzung fiberhaqit ddi un- 
(enrerfenden Erde. 



organische Yerbindung der Vorstellungen von Erde, 
Ackerland und Ackerbau, Nahrung, Gesetz und Ordnung be- 
gegnet uns in den Urkunden mehrerer Völker des Alterthums. 
Idi erinnere nur an das gesetzesdurstige Land Arieme der 
Zendbficher, *} an Stellen der Samaritanischen Fragmente, *} 
wie folgende: «Die Brosamen der verborgenen Welt sind die 
Tafeln des Gesetzes; die Nahrung unseres Lebens, die in 
Ewi^dt nicht gebricht, sind die Tafeln des Gesetzes (Bun- 
te)»; ingleichen an Ausspräche Jüdischer SchriftsteOer, wie 
fc Bb folgenden: «Da sie fragten, was es sey, das die Seele 
nihret, so wussten sie es nicht Sie fanden aber, da sie be- 
Miret wurden, es sey das Wort Gottes und die göttliche Rede. 
Diese ist die himmlische Nahrung. — Siehe ich lasse euch 
Srode aus dem Himmel regnen. Denn in Wahrheit, die ithe- 



{ittin) in den Anoali del Insiitnio Archeolo|f. Tom. IV. p. 60 »nr 
nq^h die Maunmenii inediii daxn pl. XLIV. a. b« 

1) niad. XUI. 322. *Og »pijTog x* Bit] xai aSoi jdtjfirjxB- 
f 0( oixTijV, vor^l* XI. 630* XXI. 76* d. i. deg gemahlenen Kerne 
der Cerealien. Odyee. II. 355 — fJiukijq)drov dktpixov dxx^q^ 
vefffL die Scholien dasn pag. 76 ed. Bnttmann. 

2) So kommt die Gfla (Erde) anf einer Gemme (bei Lippert 
Snpplem« nr. 66) als eine an einen Globos g^elehnie Fi|^r Tor; sie 
bat dae Follhorn nnd die Tier Hören des Jahree (Jahresseiien) lie- 
ben Forfiber. 

3) Oder des Meder- nnd Perserg^eseiies, wie es im Bucb Esther 
(L 19) i^enanni wird. S. t. Hammer in den Wiener Jahrbächem 
der Li«. Band IX. S. 32* 

4) S. G^senios de Samariianomm Theolofia ex foniibns inediüs 
Cemmeniatio, Halae 1822- 



-»^ 158 -^ 

risdie Webheit lasset Gott in wohlgeartete nnd der Betraeh- 
tong ergebene Seelen ans der Höhe hemiederthanen.» *) 

Hierans ergiebt sich von selbst, wie die Verbindung der 
Vorstellungen von Ackerbau und Nahrung^ Lehre und Satxung 
bei mehreren alten Völkern eine organische und ganz natur- 
liche war, und noch Xenophon bezeichnet die Erde und Be- 
bauung derselben als willige und menschenfreundliche Leh- 
rerinnen der Gerechtigkeit. '3 

Aber nicht blos UeberRuss und Wohlfahrt fiir dieses Le- 
ben, sondern auch frohe Hoffnungen für das andere leiteten 
die Alten von diesen Attischen Weihen im Cuite der Ceres 
her. «Als Demeter, sagt ein Attischer Redner, in unser Land 
gekommen , *') da sie umherirrte , weil Köre geraubt worden, 

• 

1) Philo de Profa^i« p. 506 Man^. Vol. IV. p. 2M Pfoifler. 
▼or^L dio BibobtoUon Ezod. XVI. 4 uod 17; ^orgL auch da Mundi 
opifieio pof. 108 und dio ron Hugo Grotiui aof^Ahrie Stelle dea* 
aalben Philo Lei;. AUe|^orr. Td yoQ q>ay€ip aufißokov iori Tfo- 
q>yg (pvOixT]^ (s. Grotii Annoit, in Eraaip. Matih. XXVL 26 tuid 
in loann. VI. 27« wo dergleichen Philonische SteUen mit Aoafprftehe« 
Christi verglichen werden). 

2) Oeconom. V. 12. vergl. XIX. 17— 19. 

3) Ifocrates in Panegjr. cap. VI. Ich Fermathe nflmlich, daas 
man mit Koraj (Sj^fiBiOBa. p. 34} d(pixoixevi]q^ statt dtpixifovfihijgj 
an lesen berechtigt ist. Ich bin diesmal von der umschreibenden 
Uebersetznng Wielands im Attischen Mnsenm abgegangen» und habe 
mich an den grossartig einfacheren Text gehalten. Bekanntlich hat 
Cicero (de Legg. IL 14* 3t)} die Isokratische SteUe Tor Angeu ge» 
habt, sowie der Athenische R4!dner Tielleicht die Stellen des QoMe> 
rischen Hjmniis auf Demeter ve, 485 ff* und des Sophokles (ap. Pia- 
farch. de aodiend. podtt. p. 21» F- p. 81 Wjitenb.}. Die in Iincia- 
nisch-frirolem Geiste geschriebene Anmerkung Wielands (Att. Mna. 
I. S. 78) flbergefae ich anch diesmal mit verdientem Stillschweigen; 
bedanre aber die Mfihe und den Fleiss, den der Verfasser des Aglao- 
phamns pag. 70 anfgewendet, um so sennenklare AnafprAche ins 
Zwielicht an atellen. Huw dies Eine will ich bemerken: Jeder tta» 
befangene muss einsehen, dass Fon diesen Attischen Mysteriefa IM^ 
liehe und gmiliche Weklihmien hergeleitet werden, welche die übri- 
gen Culte nnd die frömmste Verehrung der übrifea Gottheiten nicU 



-^ 159 -^ 

und gegea unsere Voreltern wohlwollend gesinnt war, in 
|^olg:e der Wohlthaten [die sie von ihnen empfongen], welche 
Aaderft ids den Ein^weiheten zu hören unmöglich ist, und 
da sie ihnen doppelte Gaben geschenkt, welche die grössten 
sind, einmal die Fruchte, welche Ursache geworden sind, dass 
wir nicht ein thierisches Leben führen, sodann die Weihe 9 
welcher theilhaftig Gewordene sowohl über den Ausgang 
des Lebens, als auch üMr die ganze Ewigkeit die frohe- 
ren Hoflkiungen haben.» In diesen Sätzen sind die zwei Grund- 
lehren der Thesmophorien enthalten. Das waren die Anfange 
des gesitteten und sittlichen Zustandes der Attischen Mensch- 
keft gewesen, oder jene Lfiitia, von denen Cicero (a. a. 0.} 
trdTend sagt: «Initiaque ut appcllantur, ita re vera principia 
Titae Gognovimus: neque solum cum laetitia vivendi rationem 
lecepimus, sed etiam cum spe meliore moriendL» Diese In- 
CDnabel-Geschiohtc der Griechischen und Italischen Menschheit 
war aber eine Geschieh}^ in Bildern, in Liedern, Formeln, 
Gebr&achen und in Mythen. Die Personen des Atheniscb- 
Elensinischen Mythus sind hauptsächlich Deo — Demeter (^^^cJ, 
Jijfjajrijoy^ die ihre Tochter (Xora — Proserpina} liebende, ver^ 
lierendennd suchende Erdmutter ; Hades — Pluton (AKij^^ 'Ai- 
Smpevq^ UolmSkyfAtüv^ IIokvdixTijg)^ ^} der Kömg des Schatten- 
reichs oder des unterirdischen Raumes, der AJlempiSnger, 



ftwAhren kOnnen. Auf einem neoerlich bekannt i^emachien Basrelief 
(iL A—li del Ineiitofo archeolo^r. I. tav. C. nr. 1. Tergl. E. Ger- 
bwii Jatelbfi p. f32 — 134) sehen wir auf einer AnhOhe neben einem 
BanB0 «ino GMtia ohne Flamen (Bekate- Artemis); damnter eine 
«wiUivhe Figur mit einer Schale in den HAnden, darunter JEv9nvia 
( i i f — y Ueberflnse); gegenüber eine andere auf einem Armsessel 
(«avui dae Bild einer Sphinx erseheint) sitsende matronenartif^e Fi- 
|V, midi daneben der Name Tekezfj (Weihe); anf dem Hiniertheil 
das flua se la , worauf ihr Arm raht, liest man das Wort *E7tixrr]tftq 
(■•■•r Brwerb, Zuwachs an Besitxihum); womit ganx deutlich zu 
cfkemea ^^eben wird, dass wer der Weihe theilhaftif^ wird, nicht 
•HaiB VekerfimMM gewinnt, sondern auch einen Xuwaohi an allerlei, 
aich ^istif^en Gfitern. 

1) Nnik Homers Hymnus in Cerer. und Apollodor. I. 5* 



'«^ 160 -«• 

der alle Saamenkörner nnd alle Seelen aus der Oberwelt m 
«dl hinabnimmt ; Persq)hoiie (_Beg(je<pövsta, Ile(fae<fiövt)y^ 
in die Finsterniss der Erde hinabgesenkte Saatrrncht, dta ikr 
VerwesDng anheimßUlende Saatkorn, das dem Tode zum HuA 
ftJlende Leben, aber anch die aus der Verwesung' hcrvi^ 
gehende neue grünende Saat '^ Sodann die mcnschlkJui 
Personen: Keleus (KAM6<i)^ *} in-des-ien Hause Demeter im 
erkannt aufgenommen wird; dess^ Gattin Metanira (^Mrtp- 
vet^a, die Unmännliche); nnd deren, von der Demeter g«nÄb^ 
1er, aber anch im Feuer geläuterter Sohn Demoplion (<<^i;^ 

Demeter muss ihre liebliche aber zu einem wiindcrli 
Ctesehickswechsel bestimmte Tochter Persephone an di-n KC 
nig der Unterwelt Hades verlieren. Er hstte sie geraubt Ü 
der Frühlingszeit, und sie muss seine Gattin werden. *) Mm 



vat». -^ 



1} Scfaotia in Huiodi Theoptn. ra.*M3 a^- p- 442 ed. 

ot xaXvTtTÖfievoi rp yp Si& tov ijh'ov ävaßXaatävovam. 
ToSxo tieqI ti;5 tj^ipeaig tiov ojtepfiäriuv kiysf ort id» m 
(wo nach 1 CoriDih. XIII. 35 besier iäv fiij geschiftbea wfiiJi, 
■. Ale Anmerk. ) ytätia älto9ävji, äviu av ^aioyotielrat. — b 
w. 914 ifpTTaöci'J ToÖTo Ss }.ey£i ort ovx exoüaa 5 y^ Üjjf 
tat T« OTri^itara. vergl. Bode ObaorTatt. in tilyibogr. V«t. L 
paf. 175. 

2) König CD EUiuiSi «ej u nun, dass in ilte«ein Nftmra 
Bedeufnog BefeUihaber, Herrscher, oder Opferer lie^ (Schi 
nnd Weicker in den etymologisch -m^ihotogisclten And«i 
114 und S. 305)- — Anf Etymologen lawo ich mich jetat 
ond übergehe daher such raijolit die von mir selbrt Torg«trs| 

3) Von ifjitoi nnd (paia nach Schweock a. a. O. B. |1St 
der im Volke herTorleucbteade , wenn ich recht terttehe. DnB< 
Uomeriichan HymnuB nnd bei Apollodorua , itatt des Trii 
Demophon bcrrorgehoben wird, darin rennuthet Bröndsted (i 
U. S. 211} eine ziemlich früh entstandene Athtniiek* Ve««i 
Hjthiu, weil die Sage dea «ineB tob den awai SaLbsb dafr^H 
Damopium nenno. .^ 

4} Homer, h. in Ctnr. n. 8' Ptana. IX: 31. 



-^ 161 ^m. 

dvch die Verfl^im^ des SSens wird radlich bestimmt, dass 
Ferseplioiie nur eineii TheO des Jahres bei Ihrem Gemahl in 
der Uatenvelt verbleiben, swei Thefle aber bei der Mutter auf 
der Oberwelt und na (Hymp zubringen soll; und nun fuhrt 
Deaieter ihre Tochter selber dem Gemahle wieder zu. >} 

Diese Natur- und Heilsordnnng ward nun in den Thes- 
■oplMrien gefeiert, und war der Inhalt von Gebräuchen, Ge- 
Mb^gen and Lehren : Ein solches Saatkorn ist des Menschen 
Leflh, der mit der Frucht der Erde sich nährt; was Persephone 
erttten, was dem Saatfcorne widerführt, das erfahren im Tode 
aach vrir. «Die Erde hat den Leib, die Seele der Mond, die 
Srnme den Geist dem Menschen b6i der Geburt gegeben, wie 
dem Monde das Licht — Von dem (doppelten} Tode, den wir 
starben, macht der eine den Menschen aus dreien zu zwei ; ') 



{d»96koyia)» Daher dag Fest der Anihesphoria ('y^i;- 
9fO|popia), aber auch das der CU^Üerhochieii {OeoydfÄia) der Ferse- 
fbsna bei den Siciliern. — > Daher die Frühlings -Höre mit Blumen 
«f imm Vasenbilde Poniaiowski (s. das Bilderheft snr Symbolik 
bk Xm) und Rosen oder andere Blunen auf dem wunderschönen 
TMenbilde Hope (in Millinfens ancient nnediied Monuments. London 
ÜB* fl^« L pl* XVI). 

t) Im ApoUodor. I. 5* 3 hatte Tonssaint auf dem Rande meines 
IniHHilars der Coaunelinischen Ausgabe in den Worten: ha [Atj 
wokip t9^^^^^ irctpa Tf fOjT^l xarafiei^ifj eorrigirt 7rai;rix XQ- 
vsAr jflist der 373* Vers des Homer. Hymnus tifa fiij fjUpjf ijuara 
wApra sfr i s kl ^— Daher die hinabfOhrende Demeter ( J^. xard- 
jo»0a) ia einer Cfmppe des Praxiteles und in einem Gemälde des 
WifciiBMirliflsi nach Hillingens Vermuthnnff (a. a. O. pa|^. 44) Vor- 
liier 4m Hepesehen Vasengfemildes ; welches nicht, wie aUe andere 
DsriknUhler, den fewaHsamen Ranb der Proserpina, sondern die 
«aUfe Kfekkehr sum Pluto und den sArtlichen Abschied von der 
Ihitor Cffms darstellt. 

2) Flirfnreh. de Im. in orbe Innae p. 943, A. B. p. 818 Wyt- 
I. nadk dessen Krganinnj^t Kai 6 fjiip iau i» ry r^$ ^i}- 
l*^rpoi fnoiffqL* d9ey ro fivßta^cUf nagoipifAto^ xfß tekevr^p 
hairpf rikeip^ xal tovg piXQovg 'A9fjvaioi ^fjfiijTQeiovq 
»iß6fi€t(^OP ro nakcuöp* Bs folgen die Sttse rem Tode im Ge- 
llste der Fanephone, welche den Geist lanipMia und «aafil ^o^ ^«i 
Crtuz€r'M denUcbe SchrifUiL I. t W 



'»^ 162 ^^ 

und dieses ist d^r Tod in dem Gelriete der Deoieter; dalier 
^ewdhet werden und sterboi verwandte Benennui^n sind^ 
und die Todten nannten die Athener vor Alters Demetreer.» 
Also die Todten sind Unterthanen im Reidie der Demeter, 
dem Ldbe nadi; der Leib ist von dar Erde gelben, und 
muss wieder Erde werden ; — der Seele nach ; die Menschen- 
seele, da sie sich loit der Blaterie verbünden, muss durch 
Wandlungen und Rein^^angen der irdischen Stoft nnd Triebe 
ledig werden. Das Wiederersdieinen des Saatkorns aas dem 
duikelen Schoose der Erde, als nene grüne Pflansong, ist 
den Menschen ein Vorbild, dass aach ihre Seelen ilidit im 
Reiche des Hades bleiben, sondern in einem anderen Kdrper 
zu den unsterblichen Gdttem sunickkehren sollen. Die Gabe 
der Ceres, die Fracht der Erde, giebt uns Belehrang and Hoff- 
nung. Damm sollen die Menschen nicht verzagen, sondern 
mannh'chen Muth fassen; selbst heroischen Math sollen sie 
fiissen, dass sie nicht wie Metanira am sinnhchen Angensciiein 
und am Leibesleben haften, und dadurch der Unsterblichkeft 
verlustig werden, sondern, wie die Heroen Peraeus, Herakles, 
Theseus und andere, thun, die, anbc^iLämmert um ihr leiUidies 
Leben, im Kampfe gegen das Unlautere und Boße ein Olymp»» 
sches und göttliches Ziel erreicht haben« ^y — Aueh BtMaen 



Seele löset, and an« dem Menachen Eins (den Geiii) oumIiL — 
Auf einem ebenfalls neuerlich publicirien Vasenbilde (in Raoal«Jfto- 
cheüe's Monnmens in^ti H. pl. XLV. 2) erscheinen der GeuM 
der Weihe und der Genios des Todsf. 

1) In den VFeihescenen wurden solche Ge^eosAise verfMlelh: 
die Heroen t Herakles n« s« w. andrerseib Narkissos^ der in 4tr 
Anschanunp seiner Leibesschönheit untarfefanfene JOngliii^» IMmt 
auch im Hjrnmus des alten Sängen Pamphoe die Miureiase beim Aanhe 
der Kora so bedeutend herroripehoben worden (Bjüuifcenb ad Heneri 
h« in Cor. ts« 8* Bin Mehreres ia der Praepural ad Plotin. de 
pnlcrit. p. XLV sqq.). Bin anderes Wamuagsbild in solahen Apo- 
nen war der Terf^blich arbeitende Okaos« eine Aegjplischa Vor- 
siellnnif (nach Dioden L U7* p. 109 Wesseling .). In des PolygMlef 
Gemälde der Unterwelt war Oknes darf esisUi worden (Pansunias ^ 
29. 2 mÜ Siebeiis). Endlich warM aadi die Panaldiwi a«r War- 



^^ 163 ^^ 

die Wandenmgen der ihre Tochter sachenden Ceres als Yor- 
bUder der Wandernngen der Menschenseeleii in den Weihe- 
Bcenen dargestellt worden m seyn; und folgende Gedanken 
scheinen solche Darstellnngen motivirt zu haben: Die Seelen 
der Menschen sind Abbilder der Erdseele (der Demeter); sie 
sind auch Seelen in eihem irdischen Leibe, ond in sofern sie 
vom Irdischen geMasdet ond in der Sinn^iwelt beraoscht wer- 
den , verlieren sie den Bichtweg ans dem Hades zoräck auf 
die Oberwelt; sie müssen manche Umw^e ond Körper durch- 
wandem, bis sfe wieder zum oberen Lichte und zom Schauen 
ier Olympischen Herrlichkeit gelangen. Pindarus spielt dar- 

«Selig, wer Jenes erblidLend durch des Elrdgrunds 
Klüfte hinunter gelangt. Er kamt das Ziel des Lebens 
Und kennet den göttlidien Ursprung.» ^ 
and Plato giebt an mehreren Orten und besonders im Phädon 
•her solche Lehren und Darstellungen Winke. ^) 



■nog dari^etiellt worden. Sie wind neben Oknoe auf einen» Baerelief 
•iner Am der Vaticnniichen Senunlon^ in eehen (im Mneeo Pio- 
Clem. Tom. IV. iar. XXXVI; woin B. Q. Viieonti p. 264 sqq. 
od. de Mifnn.). Ein Vneenbild lei^ nns einen jnn|^en Bin^eweihe« 
ien, welcher die Denalden bedachtet, wie m mit ihren KrSf^n 
WoMer in ein gro eeet Gefita ire^n. Anf einem andern Vatenbildo 
aeifi ein alier PAda|;o^ einem jungen Initiirten die merkwürdigen 
flcenen der UnierweUt wobei die Gottheiten der Siteotiirakiichen 
Weihen dargOfMlt aind (e. Mne^ Blacae L pl. Vn—IX mit den 
■riauterangen den Heranegebori Tb. Panofka pag. 23 eqq.). 

1) PimUri rragg. CXVL 128 MM;h TbierM^. Lobeck Aglaopb. 
png. 69 hat mii Rächt die Aendemng cuykaPy eiatt d^av^ rer« 
worin« und beaMrht, das Piadar aaf die Seelenwandernng 



2) PlalMu Phaad» ^ 108. ^ 107 Bakk., au welcher Sielle an- 
tar Aadarm Olympiodaraa (in WTttenbacha Annot p. 294) anmerkt: 
aii xikf] noioSißtiu ai oSoofopovoeu ^fn^x^ — 7 Sicl rag ^tjm^ 
Tfog arXoira^* mg yetf 9uMp6(fmp oiotSv rmp oitüv inrkoMn/S^dj. 
Jkm mumm swaitea Canuaentar deeeelben Siklirare anm Phido» 
kfll Muliah Cauiia (in Jawmal dee Satana Man 1835. p. 139 afq. 
wu 0. w.) AuMige g e g e b en > waraaa ich hier nwt auch aar Beetlti« 



-^ iU -^ 



Oejbrechcn und Verfall der Watnrreli- 
g^on; der Cliristianismus. 

Es Ingen also in diesen agrarisch-rcltgiüscn Weihen mt- 
sIreilig zwei Grimdichren; die der Siindbanigkeit des M«h 
sehen und die der Unsterblichkeit seiner Seele, und die Voc 
Stellung', dass die grossen Göttinnen (s. oben^ Demeter aai 
Persephone, oder vielmehr die gtiten Götter '3 den Willen vad 
die Kraft besitzen, die ursprüngliche Reinheit der Seelen 
der herziislellcn. — Aber eben hierin zeigt sich schon Ä 
Beschränktheit der Volksreligion und dieses mysteriösen dt 
tiis, und der Grund, wariuo die edelsten nnter den CSriee^ 
achen Philosophen auf jene Mysterien nicht \iel hielten, mi 
es nölhig fanden, durch andere Mittel nnd Weg:e die sittlidl 
Besserung ihrer Zeitgenossen und \aehkoniuien zu beweit' 
Sielligen. „Alha GöttUche, sagt im entgegengesetzten 8äa 
ein Philosoph, ist teiner Substani nach gut" und: «Kein OlH 



gUDg der mit Uoreclit angcfochleDCD Lesart im Pindar a. m. O., U> 
^nde Stelle über den Zweck der Itlysterien anshctie (pa^. 14{)t 
'Ozi oxoTföq Tcüv rsXtTtSv BtjTtv e/s re'Ao? dvayayet» nk 
^lvxaq Ensivo, dtp ov rijv JC^uii/jv EitatijaavTO xd^oSov »f 
kt' ägx'i? "■ *■- ^■ 

1) Die Boni Dii , 9eoi X9'}<^^o{ , naren jene beiden GUttiü^ 
nebrt Dionjsoa Chtlionios oder lindes -Piaton. Dass aio varaa^ 
weise als gale Goltheitcti, nicht nur wegea der agrarisch«D WaU- 
thatcD, die man ibuen insrliriel), sondern auch i^Fgeii ihrer Lei(a| 
nnd ReinigDng der abgesrhiedenen Seelen beicicbiiet WKren, gtU 
nicht nur aus Platon's PIijuIod p. 40 hcrror, wo 'AtSi^q ein dyo^Ä 
und ^püiit/tog &{öi genannt wird, sondern aach daraoa, 4m & 
Dil Boni mit ^en Dii Manes im Italischen Cnli oft ideniis^ «» 
konunen; endlich daraan , dass die VorsforbeDeD X^^'^'^ol gcoMil 
wurden (». Platarch. Uiuest. Romm. p. 211 , A; V/yiU-^-^ -*■ 
QoMCt. Graecc. p. 292, Bj rergl. meina Anmerk. >■ Cio. 
UL 35. p> 673 *Bd laghirami Honamwati EtrUchi, n 
nütUi tab. IL p. 31)' 



/ 



^^ 1A5 ^^ 

»t fibdwdlend gegen die Htenschen; ^) und die Beinigiiiigs- 
kraft unter den Gdttern gewihrt aas Güte {^ dya96t:tp:a) 
dem UnvolULommeuen die Reimgung (ri^i' xa^apc^ii^).» — Und 
in der That waren die Mysterien mehrentheils nicht geeignet 
den moralischen Zustand der Griechischen ond Italischen Völ- 
ker grflndlich zu verbessern; vielmehr mnssten sie oftmals 
Sittenverfidl ond Aberglaab^i zur Folge haben. Man denke 
nur an die Mangel, womit sie behaftet waren, z. B. an die 
Bfldere^rache und Mythen, worein die hier vorkommenden Leh- 
ren eingdileidet waren; an das Ritual, an die grossentheils 
nachtliGhe Feier: an die zum Theil sehr sinnlichen Scenen, 
worin hier die agrarischen Gottheiten als handelnde Personen 
dargertdlt wurden; so dass was auch über den Sinn solcher 
Bader, Mythen und Seenen vorgetragen wurde gegen das, 
was die Sinne und die Einbildungskraft so mächtig erregte, 
in den Hintergrund zurücktreten musste. Ueberhaupt ging 
diesen classischen Völkern des Alterthums ein über alle Mit- 
glieder dar bürgerlichen Gesellschaft sich erstreckender klarer 
■nd gründlicher Unterricht in dem Sinne ab, wie wir neuere 
Europier und wir Deutsche zumal dieses Wort zu verstehen 
gewohnt sind. Dieser Satz liesse sich durch alle Artikel des 
Griechisdim Volksglaubens im Gegensatze mit der Beligions- 
lehre der rel^iösgesinnten Philosophen beweisen. Hier nur 
Einiges; und um gleich bei der Einsicht in das Bedürfhiss 
einer richt^;en Gotteserkenntniss stehen zu bleiben: wie viele 
Burger einer Griechischen oder Italischen Volksgemeinde hat- 
. tat eine sdche? •*- Erst Philosophen mussten es den Frauen 
•der andern Personen von religiöser Stimmung einpragea. 



1) Pröelns in AIcib. prior, p. 228 sq. ed. Francof. ort ovSei^ 
9e6^ dvgßfovg dp^Quinoi^^ Ancpieloiif^ aaf die AauMeroiii^ des So« 
knfw in Pluton'e Tbeaet. (p. 151, €. p. 312 HodH), womit er we- 
gm der Schmersen, die er darch seine i^eisiliche Hebammenknngi 
4en Seelen Temraachen mflsse, sich anf die darchans und ohne Ans- 
ulime prten GOtter berief, die den Menschen su ihrem ei^en 
Heil aaeh Unanf^enehmes erwiesen. Proklos hat dies nun naher 
«■f den Reinigonfiprosess beiof^en; rergL denselben in Piaton. Alcib. 
F- PK« 318. 



-^ 166 -^ 

das8 den Göttern Opfer ond andere Huldig^ungen nicht ingv- 
neliiner scj'ca als eine richtige ErkcnDtniss von ihrem Wn 
sen. '} — Fast in allen einzelnen Heligionslehren offenbmi 



i) PlDtarch. de Isid. et Oeiride XI. p. 355, C. p. 407. ^ 
■lio Klea aaredel: — rov Öe dki^S!/ Sö^av ey^Eiv TCepi Setup fu^ 
diu oiofiivij läAAou ft^re dvaetv fiijze non^cstv avToti xt^ar 
piaftivop, Iv ekaxtoii änorpsv^oio xaxöv däeoTijroz Seist 
Saiftoviav. Also Aberglaaba isi ein ebea so grosse» ITeliel tb 

ÜDglaube. V I 1 (p. 184) bat niehrer« Stvtltt 

iler Pliiloao er itiese .„■» e Forderani^ einer ricbtigt« 

GotleserkonntnisB lasamniRn gestellt. Geistreich vergleicht Plat4r(l 
ao einem andern Orte desselben Bachs den Aberglauben mit einM 
Sumpf, den Unglauben mit einem jaben Abgrund (pag. 378); wordbff 
man denselben Ausleger zu Plutarcbs Scbrift vom Aberglauben natk 
lesen kaon (nSmlicb de superstitiona p. 164, E und p. 17t. K). 
Dnd dennofh kleiden die Philosophen ihre Aussprüche über t» 
höhere Brkeaniniss der niensohliclien und der glttllichen ?iafar, T^ 
gen des grossea Ansebns, norin die Mysterien beim Volke standfli 
in deren Sprache ein. Bemerken swerlh ist in diesem BetrarJit Jit 
Anrede eines Epikureers Mclrodarus, welche Philosophenschule muI 
in <Ien Myäterien nicht <vohl gelitten .rar, wesivegen auch der B*- 
richterriaticr (Clemens Alex. Stromm. V. p. 732 Potte rO seine Wolll 
mit Folgendem einfahrt: MijtqoSujqov tH, y.a/roi 'Elttxav 
QBiov ycvoii^vov (obschon er ein Epikureer war), Tatra yt tl- 
pt;y.OT0i. (Es ist aber diese Stelle vom Clemens mit Aossprüchn 
des riato wunderlich durchwebt, s. Wjtlenbach Pbilomoth. IH. ff. 
JOt), und alles Felgende gehßrt nicht diesem Epikureer, sondcn 
dem Plato an.) 'ETCÖittvoi (iträ /jh Jioq ^(t£ii; (daraas hltti 
ich im Olympiodor in Piaton. Alcib. pr. IX. p. §7 die Worte /jfM 
ftlv Stj jJiö^ il'fii verbessern sollen und so neiter die aus den My- 
sterien entlehnten Worte im Phadros (p. 250, B. C. p. 2G2 Hndt]t 
woraus sich auch ergiebt, dass in den folgenden Worten iwei Vei^ 
muthnngen Sylbnrgs durchaus nuEuIässig sind : ököxXijpct Si nei 
droeftij (Srlburg ÜToexij^ — koinesweges. Jenes haben di» PI*- 
toniker hflufig, s. ad Plotin. I. (>■ 5- p- 47 ed. Oxon.) tpäaftara 
ftvavucvoi te xai eTioTirtvonTe^ ev aöyy xu^a^ä, xa9t ■^-* 
äatjftaVTOi toÜtov (Sjlborg: önijfAaVTOi, eben m wnnl 
vvv atüfta TtepitpepovTSS övofid^o^s». Eher mDchto in 
dei Clement einiges au Piatont Worten in er{inaen Mj 



167 



stell Mlehe G^gensitee und anf Seften des Volksglaubens oft 
die aufiGülaidsten Wideroprüehe. Z. B. Herodotos war ein 
denkender Grieche, ein Mann, der mit eben so grosser An- 
h&ngiichkeit an den Glauben seiner Väter als mit einem ge- 
wissen Prüfongsgeiste dessen Inhalt zn erforschen sachte; und 
doch konnte er bei Betrachtung des Weltlaufe sich von der 
VorsteUung eines Neides der Gottheit nicht ganz firei machen* 
Vielldcht wollte Piaton mit seinem herrlichen Sat^e : *} «Der 
Neid stehet ausgeschlossen vom Chore der Götter» solche 
durdi das Ansehn dieses populären Geschichtschreibers noch 
ffldir verbreitete Irrthömer bekämpfen. — 80 lesen wir auch 
Manches bei den Alten vom Zorne der Götter und von ihrer 
sdiwierigen Versöhnlichkeit; wohingegen die philosophische 
Lehre den Satz behauptete, dass die Menschen durch ihre eigene 
Schuld und Sändhaft^eit sich von der Gottheit entfremde- 
iok. *) Hinwiederum werden dieselben Götter als durch Opfer, 
Gelübde und Gebete leicht umwendbar geschildert; wogegen 



Heindorf lielleichi veriuchi haben würde, wAre ihm die Stelle des 
KirehenFaters bekannt f^wesen. Asi im neuen Commeniar (p. 443) 
luil eie ^kanni, bemerkt aber nicbis Über das verwerfliche aTtij' 
ftavtOi.y -^ Ueber Jene mjeieriöse Ausdrücke habe ich Bini^es som 
Proclos in Alcib, pr. p. 61 bemerkt. Jüan vergleiche jetzt noch 
Beweis Anmerk. som Dio Ohrjsofliotnns pag.- 143* 

1) Plato in Phaedr. p. 247» A. — (Anflallend ist es, dass Plato, 
so vi^le AnlüM^ «r dasa hatte, doch des Herodotns niemals ErwAh- 
BUi|^ thnt.) Dieser Sais wurde von den Plaionikem aufj^enommen 
■nd bis auf die spateren forif^pflahsi (s. PloiHn, p. 216» B und vergl. 
BMiaa Anmork* tim Herodot. L 32 und Bahr*s Commentat. de viia et 
seriptis Herodoti VoL IV. p. 406 sqq.). 

2) Odjai. in. 145* Spanhelm ad Oallimach. h. in Oerer. vs« 32 
hat mehrere Stellen der Dichter und der Philosophen gef^eneinander 
fsetelH. lamblichus de mjster. L 13 bemierkt, solche Volksmei» 
Bünden bestreitend: avnj toipvp 06%^ iiq 8oxei riöij Ttdkcud 
Ti^ iati xcü efjifjiOPOQ o^y^j dTCka tfjq dya9oepyoS xfjScfAOPiaq 
[ir^^/l 9ev3p dnoaxQOtp^^ tjp avrol havroTq (vielmehr eavtovg 
■edft aiefiiea Handschriülen) dTtoöTQitfßOPregf ai(J7t€Q €P fJLBtStjiA- 
ßflqL <pandg xarcüiakv^fdfiepoiy ax6vo^ iavroig eTtjjydyofisp^ 
xa2 oMeftnjQiljoaiABP bavtovg ryi ttSp 99(Sp dya^ijg Ödaetog. 



^^ 166 ^9^ 

die niflo(9ophai Idirten, die GOtter wärden nMrt duch Gebete 
IL dergL bestmunt dem Menschen Gotes sa erweisen j ^^^^^^^ 
dern sie enaimteni uns ans eigener Bewegung SHun Guten, 
und wenn wir in dies^ durch die Gottheit bewirkten Bichtong 
unserer Gedanken sie anrufen, so geben sie uns das Gute ans 
freier Gute ihres Wesens. 

Endlich, um zn den ebthonischen Gottheiten, von denen 
wir ausgegangen waren, ssurüekzukehren , so seigt sich das 
Schwanken der alten Volksreligionen gerade bei diesen am 
auflallendsten, indem es unter Griechen und Italiem eine herr* 
sehende, durch Dichter und selbst durch Gesetzgeber begün- 
stigte Yolksmeinung war, jene Gotter, die man, wie bemerkt, 
vorzugsweise die guten nannte, seyen unheimlich, Ja zuweilen 
furchtbar und schrecklich. *) So kam Demeter in einer alten 
Arkadischen Sage unter dem Namen Erinnys *3 vor, und ward 
als solche zu Thelpusa verehrt So Usst es sich auch er- 
klären, warum Römische Grammatiker die Cerriti, die mit 
Irrwahn Behafteten, von dem Zorne der Ceres GetroSetke 
nannten. *') — Hier wird Ceres mit Hekate verwandt , ja oft 



1) Uiad. K. 493; woii^r Plaio sich iiii«billic;eBd Siufaii 
(AepabL IL p. 364) und in jenem religiteen Sinne SoMert «ich Ina^ 
blicbos de mjgier. L 13f defien Theorie ¥om Gebet Ewiaihioe «d 
OdjM. L I. p. 118 ed. Lipe. n>r Angen bat: uig, roS ßcufiktfa^ 
fiaxQQ&vfAOP to 9€io$f {jytjaaiAhov %ai ^qAlotg irakivtQOjroPf 
oTfBQ ovdh IdfißhxoQ na(f<idi%etai ovov n$fl evx^jg q>tko^ 

2) Plniarch. de bide ei Osir. p. 370f C und das« WjüenbMh 
f* 2S7' — leb bemerke noch, deie die ynMUuxkg dei Dibn^nUckmi 
mit diesen Gottheiten verbunden wurde* In dem der I<ex SAcnIa 
bei Srrichioni^ ^^m Tribunale beig^iAften Gebet, oder BekrOftipinfi- 
fbrmel, heiisi et (beim Dionjfios Haue. TL &%. p. 1248 Baidu) 
ro/c l^Bv efinceiovoi tovq 9eovg rovg ovQttyiovg tk^mg, shßOit 
xai daifiopag rovg xarax^opiovg. 

. 3) 2lij[Ä^TijQ 'ßgippv^f die somi|^e, Tom Arkadiichen ifi^ 
pvsip d, i. ÖQyiQeo9€U. Bijmol. U. p. 374 (338> Unter diaaem 
Namen fähren sie auch Antimacbos und Kallimachos an (•• Paqsw* 
rUL 25. 3 und 5 mit Siebeiis p. 276 ■qO* 

4) Nonini L 213: n^titlii et Urrati, male sant ant Cereris 



-^ 169 -^ 

nr Hefcite seÜKir. Ceresy Proserpina und Hekate kommen 
sduMi im Homerischen Hymmis aiif Demeter in Verbindmig 
vttT) und anf dem YasenMIde Hope sehen wir die Fackdtri- 
gerüi Hekate den Bossen des Hades -nnto vorleuchten, um 
die Fersephone wieder in die Unterwdt hinabzufiähr^u — Auf 
diesem dästeren Boden des Coltos der Hekate erwachsen denn 
aneh Jene magischen Känste, womit die Alten, nachdem die 
Griechischen Beli^nen sich aufs neue mit ausländischen ver- 
BiBGht hatt^ die Götter herbeizuziehen und zu ihrem Willen 
zn lenken hofften. ^} «Ja ich höre sagen, berichtet Synesios, 



UM mni larfarimi inennaiioiie animo rezaii.^ Verf^L Lobeck Af^laoph« 
p. 241. Weno Haindorf sa Horal Soiir. IL 3- 278 Mg«: „Ob der 
Augünek von der Ceree ber|^eleiiei eej (eigentlich cereriine), eiira 
dorch eioe yerwecheeliing der ^rjfi^xijff mit der Phrjgischen Cj* 
bele, deren $uerm mithu$ia$iioa bekannt find, lassen wir dabin|^e- 
flelli eejB«*^ — ao iei diee i^ana TerfeUi, nnd dient som Beweise, 
wie aelbet i^eschickte Pbilolof^n ohne |^eb5rige Kenntniss der Mj- 
tiielogie und Relif^onen febl^eifen. Bf mnss diese ganse Italische 
Tefkcmeinnng ans der Verwandtschaft, ja in gewisser Besiehnng Iden* 
tun der Ceres mit der Lnaa» Hekate oder demjenigen Wesen er* 
Uari werden, welches Leibes* and Geisteskrankheiten verorsachen 
luttn* Die Cerriti kommen anch beim Arste Serenos Samonicus YIL 
fi, 97 vor, wo man den Keuchen p. 24 ed. Ackermann* nachlese« — 
Silbsi wenn die andere Meinung geltend gemacht wird, dass die 
Ctrrili durch Gespenster (larrae) geisteskrank gewordene sind, haben 
Ceree* Hekate daran Antheil, weil sie die Gespenster aus der ün* 
ttrwell «endeten, wie der Aberglanbe der Alten wAhnte. 

1) Sjnesins im Bncominm Oalritii X. 73$ 0. p. 15 ed. Kra- 
Ueger. — Dieser Zanberkreisel wurde 'Exarixog^ anch 'Exavipog 
Oxffotpo^ und öT^dipakog genannt. Man s. Krabinger an obiger 
Stell« p. 163. Wenn ü. Kopp In der Palaeographia crit HI. p. 404 
jie Fertigung der Amnlete damit In Verbindung brachte, so wird 
4iee dadurch wahrscheinlicher, weil jene Operation mit dem Zauber- 
kreisel anf geschnittenen Sieinen roraeukommen scheint; wenigstens 
hat Lipperi (in der Daktjliothek Mill. L sect. V. nr. 283) ein« «on* 
daiiare Vorstellaag auf einer antilLen Gemme sehr befriedigend so 
erklärt. Jene Gemme wnrde ohne Zweifel als magisches Amniet 
(etragen. 



-^ 170 ^i^ 

der Aegyptier habe ein Mittel geg&k die Gdtter und gewisse 
Zanbeilüreisel, so dass er, so oft w will, einige halbiiarlMuri- 
scfae Worte murmelnd, alles Gdtffiehe, weldies geeign^ ist 
gewissen Zagen m folgm, an sicA zieiit» 

Obschon nui in der allgemeinen Yolksmeinnng havpfsich- 
lidi mir die ehthonischen Götter etwas Finsteres mid Schreck- 
haftes hatten, so gab es doch auch unter den Olympischen 
Oötterwesen nicht leicht eines, von dem der Chrieclusche und 
Italische Mythos nicht Aeosserongen von Zorn uid andern 
Lddenschaften und sdUldliches Verfahren gegen die Menschen 
zn berichten gehabt hätte. — Alle Gottheiten waren nmschlar 
gend QTtakipTQOTToiy, Aber das störte den alten Griechen 
nicht; er feierte gleichwohl ihnen zn Ehren Jahr aus Jahr 
ein heitere Feste. — Solche Inconsequenzen hatten etwas 
Naives, Unschuldiges, ja Idebenswurd^es, so lange sie mit 
* dem Volke selbst so zu sagen aus seinem vaterlindischen Bo- 
den, neben dem gesunden tüchtigen Volkssinn, als Wucher- 
pHanzen au^eschossen waren. Als aber jene Rd^fonen , in 
finemdes Land versetzt, in Wdtstidten wie Alexandria, An- 
tiochien, Rom künstlich fortgeflbt wurden ; ab Römische Cä- 
saren zu allen Orakeln walUahrteten , sich in aUe Bfysterien 
einweihen liessen; als die lästemen Augen der Römer sidi 
an der Griechengötter Schönheit weideten ohne Geiuhl dei 
religiösen Begeisterung, welche solche Gebilde aus der Seele 
der Kunstler hervorgerufen; als die sittliche Kraft in den ab- 
gelebten Halbrömem erstorben war, da war die Religion zur 
Medusa umgewandelt, in deren veredelter Form der ContrasI 
der verfüihrerisch-äppigen Leibesschöne mit der Verzweiflung 
des zerrütteten Geistes verkörpert erscheint, da erfüllte Ge- 
witterschwüle den Griechischen Olymp, das Römische Pantheon 
— wie später das Skandinavische Asgard, und der Mund dei 
Götter verstummte. >} In dem allgemeinen Elende der Well 
musste die Sehnsucht endlidi sich wo anders hinwenden« 



1) Von diefmn «Ugemeinen €^IKlU dei abcterbendeii 
ihmmm eoiliAli der 'tob Kirehenfatent u. A. anlblia, freilich von 
Chrifien iellMii ipAler gedichieie Delphiiche Orakeliproch mm dei 



Es kaaii ntfne Aiftridit mdit seyn, das Chrislestiiiiiii 
mit dem gaasoD Reiehthme seiiier gristiguk Güter . dem 
Hoac a ttone gegenSbenrnt^Oiaä] aber da tirir doeh^ nach 
meioer Ansicht, die Griechische und Italische Gdttersdiaar 
ab vergSUerte Naiur betrachten müssen 9. so mögen zum 
SeUoss einige S&tze folgen aber das ganz vecschiedcne 
Yerhittniss, worin sich der Heide «ad der Christ der Gottheit 
gegenflber befindet. Selbst der heiterste Griedbie mnsste vor 
jedem seiner Götter eine geheime Fareht empfinden; in ihrem 
Wesen lag etwas Damonisehes. Jede Eplphanie einer ethni- 
sdien Gottheit hatte etwas Unheimliches, and die empfiindene 
Götternähe, selbst an den fröhlichsten Festen, etwas Schreck-* 
haftes. Immer fohlte sich der Mensch einer donkelen unbe- 
rechenbaren Natormadit gegenüber. — Wer will sagen, was 
der Gott gegen die ihm unterworfenen schwachen Sterblichen 
veriiüngen kann? Wie der Quell und der Fhiss die Loft er- 
fifischt. Pflanzen, Thiere und Menschen erquickt, aber auch 
ab reissender Strom brausend über seine Ufer tritt, Saaten 
verwüstet, Mensdien und Thiere mit sich fertreisst, so kann 
sich die ungemessene Göttermacht jedoi Augenblick in ihren 
adireekUchsten Ausbrüdien äussern, -<- Selbst, wenn der 
Grieche seinen Zeus, der Italier seinen Janus Vatmr nannte, 
war mehr die Vorstellung eines physischen Erzeugers dabei; 
mit andern Worten: es drückte dieser Name bei Griechen 
oid Rtoem mehr einen genealogischen BegrilT aus, indem 
■an diese Gottheiten als den letzten Bing einer Kette von 
Göttergeschlechtem dachte; und der so schöne BegrifT von 

Kaiser Aa|;iitiii« deo richtigen Ausdruck (s. Suidas I. p. 377 Kusf. 
p*,650 Gaisford. vergl, Li. Oasaubon. EzerciÜ. in Baronii Anna!!. L 
12. p. 84): 
'EßgaTog nSkerai fis Oehg [iaxaQsatfiv dpdoatov 
T6p8b iofiov TVQokntelv^ utal 686p ndhv av&ig Ixia&cu. 
Weiaaagaog aber und mantische BefragaDg der Göüer wareo neben 
den Opfern die wesentlichen Theile der €rriechischen Religion 
(Plalon. S/mpos* pag. 188* viergl. Waehnnoth Hellenische Alier» 
ihnnukuttde U* 2« S. 222). Wenn also die Orakel schwiegen ^ war 
ein Haopttheil des religiösen Lebens vamiehlel» 



-^ 173 •^' 

MMertUkiMt, wH doi Namen anl llythas der Ceres Terbmi- 
den, sddoss dodi selbst in den Bleosinniehen Sagen die Oe- 
faUe des Fremdartigen) Verborgenen, NA^tlidischreelüiaften 
nnd Zom%en nieht ans. 

Wenn der Christ seinen Gott Vtder nennt, so ist es on- 
getheiltes Vertrauen, was ihm dieses Wort eingiebt Der Christ 
henni sein» Gott Was er als Menseh von ihm wissen kann, 
und za wissen nftth^ hat, das weh» er. Der Christen Gott 
hat Sonne, Mond und Sterne gemacht, hat die alten Berge in 
ihren Festen gegriindet, hat die Ströme ausgegossen. Stnm, 
Donner und Blitz verkfindigen seine Allmacht — Wie fnrefat- 
bar und zerstörend diese Naturkräfte auch wirken, und uns 
selbst betrelTen mögen; — Gott ist bei uns; und wir sind ümi^ 
wenn wir nicht gaUhm seyn woilen , mit unserm Wbsen und 
Wünschen nahe; und selbrt als gewaltiger Gott will er unser 
Geistesleben nicht bewält^en oder zernichten, sondern es 
erwecken und stärken. Freundlich ist der Christen Gott *- 
Auf die Natur und auf die Naturmachte kann sich der M ensdi 
nicht verlassen, aber auf den Eänen Schöpfer und Herrn der 
Natur kann er sich verlassen. 

Blicken wir nun auf unsere Uebersicht der Beligioneii 
zurück, und erwägen wir, was sich einem Jeden darstellt, 
dass unter den Künsten die Architektur der in grössten Mas- 
sen wirkende und daher sprechendste Ausdruck der Culte und 
Glaubensformen ist, so möchte es nicht unpassend seyn diese 
ganze Erörterung mit folgenden Gedanken über die religiöse 
Baukunst zu beschliessen. *') — Die hieratische Architektur, 
oder die Tempelbaukunst, in ihrer Vollendung betrachtet, 
möchte überhaupt drei wesentlich verschiedene Charaktere 
darstellen, von drei verschiedenen Prindpien ausgehend, die 
ich kürzlich hier im Umrisse andeuten will. Der OrieniaUmu», 
wenn ich diese Art so nennen darf, oder auch HyUmoianuu und 
Pantheismus der hieratischen Baukunst hat die Materie zum 



1) Am meiner Kriük ton Thiemch Epochen der bildenden Knntt 
nnfer den Griechen sweiler Ansgibe in den Wiener Jehrbidieffn 
^v Litoralnr Band LIL S. 68 f^ 



173 -^ 

iJPHneqp. — So wie der GoUiis des «Ken MorgenlandeB die 
Ijpatiir im Gtta» verkörpert) imd, eo so «^gen, so eineM 
itotterleibe mgestaltet, so ist aadi die ArdutdUnr sehraidLeii- 
loe und doch besehrinkt, imd mithin wuiderlieh in ihrem Be* 
streben; anf nidite Anderee gerichtet^ ab die materidle Welt 
friomlich und aeitlidi so verkörpern. In diesem Sinne worden 
|ene Indischen Grottentempel aosgehöhlt and ansgemeisdt Am 
^lleBtlichsten zeigt dies aber die Bauart der Aegyptier in ihren 
^iekropolen und Tempdn: unter &ßt Erde die Wohnnngen der 
arsdten und der sie beherrschraden Gottheiten; oberhalb das 
pirmament mit allen heili|gen Stemthieren; den Siolenfiiss mn- 
jl^pielen in Zickzacklinien die Flnthen des göttlichen Landes- 
Mroms, den Kopf der S&ole verziert eine Lotus- oder eine Palmen- 
Erone; mid der seltsam ausgedehnte Körper der Isis lilngs 
ien oberen Tempelwinden bezeichnet in ganz materieller 
Weise die, alle Dinge am Himmel ond auf Erden umfassende 
Naior. Diesem Hylozoismus mit seinem blinden, ungenfigsamen 
IWebe und mit seinem überladenen Wesen steht die besonnene 
Selbstbeschränkung des H^IUnümm entgegen. Wie dorten 
4ie Materie, so ist hier die Form vorherrschend. Wie die 
Bd^ion der Griechen in ihrer volksthämlichen Gestalt ganz 
Temenschlicht geworden; die wicht^^n Wahrheiten, die 
den Geist beschäftigen und befriedigen, in ein mysteriöses 
Dunkel zurückgetreten waren, und wie der Gebranch die 
YolMgemeinde an den Opferfesten vom Innern der Tempel in 
die Vorhöfe und Haine verwies, so waren auch die Griechi- 
ndien Tempd klein, eng, gedruckt und dunkelnd im Innern. 
Desto mehr ward auf die iusserliche Herrlichkeit verwendet, 
uid die Architektur, würdigen und reinen Formen nachstre- 
bend, ward von der Scniptur unterstützt, um durch Bildwerke 
aller Art in Thon, Marmor und Erz eine Wohnung hinzustel- 
len, die den Hinzutretenden würdig schien, den menschlich 
gedachten Göttern zum Aufenthalte zu dienen. Die Griechische 
Tempelbaukunst auf ihrer Höhe hatte sich in dem edelsten 
Forwudiamm enlftltet — Als endlich die Form der zu heidni- 
sehen Zwecken eingerichteten Basiliken verlassen war, da 
vollendete sich das christliche Princqi heiliger Baukunst im 
Dome oder Münster, und dieser CkriMmdmmm der Architektur 



-^ 174 -^ 

verküoi^^ sieh ak em ganz neues^ höheres Streben des 
mensdüiehm Geistes und als eine andere Sehnsoeht der von 
neuen Bmpfindimgen bewegten Sede. SKe erhob sich mit den 
strebenden Sänlen and hohen Spitzgewölben himmelwärts; 
and die ganze christliche Gemeine, hdl und klar in neugewon- 
nener Erkenntniss and Zuversicht, Tersammdte sich in dem 
weiten BSomen des Tempels, der in seiner ganzen Architektur 
von innen und von aussen, in Bildwerken und Malereien, an 
Säulen, Fenstern und Altären das grosse Werk der Vorse- 
hung in der ganzen BlenschengesGhichte, von der Sdiöpfimg 
und vom Sflndenfiüle bis zum jfingsten Gericht, vor Augen 
steUte. 



Inliall; des allgremeinen Thells. 



Sdtt 

Eingang • • 8 

I. Relif^on des Mapimus; ptydiucliefl Heidentham. • . 8 

IL Hieratifche Poteie •••••• 21 

in. Hieratische Bildnerei • . • • • 20 

IV. Phjfiogonie i Orphische und Honodei«cIie Theogoiiie. OB 

y. Vollendeter Anthropifmas ; epifch- Homerische GOtter. 7t 
VL Vermischiini^ des Anthropismiis und der Apotheose» des 

Götter* und Heroonwesens • • • 90 

Vn. fixanthropismns, Eaemerismos. 105 

Vm. Nekrolatrie, Sletensomatose. • ISY 

DL Telestik, Grundaefige der Thesmophorion - Lehre. • • 148 
X. Gebrechen nnd Vorfall des Heidenthnms; der Christia* 

nismns. • 16ft 



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■IMedridi ' CSreuet^ 



Deutsehe Sehriften, 



neue und Terliesserte. 



firste Abtlieilaiiflr. 



Br it »r Band. 



Draek and Verlag ron Carl Wilhcloi Le*k«. 

18SV. 



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nd nytliologle 



der 



alten Völker 



besonders 



der Orleclie 



von 



Friedrleli Creazer, 

ttoetor der Theologie und Philosophie, OroshereogUch Badiflehefli €tehel- 

■enUh und Comthur des Grosherzoglich Badischen Ordens vom 2Sfthringer 

lidwen, ordentlichem Professor der alten lateratnr zu Heidelberg and 

mehrerer Akademien nnd anderer gelehrten Gesellschaften Mitglied. 



Ersten Theiles zweites Heft. 



Dritte verbesserte Ausgabe. 



f6f3i$ tut) PwnmtiiU. 

Drack ond Verlag von Carl Wilhelm Lafk.a« 

isn. 



Ot$|Ol<lillf,if< (>r>. ^klllOtllllt^ 



Besonderer Tlieil« 



Ktbnoffraplilsclie Betractatanff 



der 



alten heidiiischeii Religionen. 



Crewter'ß deutsche Sduriflen. I. 2. 12 



?''. . 



-■ > 



rstes CapiteL 



Arienische Religion^ 

oder 
Baktrisch - Medisch - Persische Lehre und Caltus. 

Einleitung. 

^/w enn wir hier wn Persien reden , so verstehen wir dar- 
onter nicht blos die alte Landschaft Persis oder das heutige 
Fannstan , das Stammland der Kajaniden und einig^er spateren 
Beherrscher Asiens, sondern es schh'esst dieser Name die 
ganze grosse Masse der Kaukasischen imd Nordindischen 
Linder ein, welche auch durch den Namen Iran (^ womit zu- 
gleich der Gegensatz Tütran gegeben ist) bezeichnet wird, 
und deren Reh'gion auch wohl den Namen der Iranischen trägt. 
Es hat diese Iranische oder alt- Persische Religion vielleicht 
ihren Sitz in einem Urstaate genommen, den Manche fiir den 
Mutterstaat der nachherigen Indischen und Persischen Reiche 
halten, der die Provinzen Baik^ oder Baktrien, Ariana. Sn- 



1) r. Hammer in Her Geschichte der schönen RcdckimsCe Tcrsien«, 
\\\m IH|^, l&sst «US Bunlan, als einen frühen rnitnrsitr.e. Indische U'cis- 
iMit mbA Kunst ins benackbArtc BaUi CBalch) nborirehen, und bcnlhrt die 
VontellnniSSMl, woBACh einigen Zendbuchera (8endbüchem) Indischo 
QseUeB sun Grunde lie|;en. — 8. hierüber die Xurkträge xu dieser 
drüifn AusealN? und zwar Nacht ra^ I kh dir^fin raiiltol. 

12 • 



-^ im -^ 

siaoa, Aderbidschan , Mazanderan und andere in sich be^rilllen, 
and dessen Herrscher, die Pischdadier, auch Indien, Medien, 
Baktrien, Assyrien und Mesopotamien unter ihrem Scepter 
vereinigt haben sollen. — Zunächst aber ist es jene Gebirgs- 
kette, die dieses Reich im Norden begränzt und von Westen 
nach Osten an demselben sich hinzieht, wo der Ursprung einer 
zweifachen Religion zu suchen ist , die sich von hier aus nach 
Osten und Westen verbreitete , die eine , die Indische , die an- 
dere, deren Vaterland die nach Westen sich hinziehenden Ver- 
zweigungen jenes Gebirges sind, die Iranische oder alt -Persi- 
sche, welche uns nunmehr beschäftigen wird. Diese Religion 
der Paraen, entstanden auf jenen Gebirgen, ist in ihrem Grande 
eine einfache , naive Anschauung der Natur — daher auch von 
mehreren Alten eine Hirtenreligion genannt, wiewohl sie sich 
von der maferielleren Hirtenreligion Aegyptens, die mehr feti- 
schistisch war, merklich unterscheidet. Sie besteht in der einfa- 
chen Verehrung der Naturelemente, des Feuers, Waeeere, der 
Erde, L^ft, der Winde und des Sternenhimmels, vorzüghch der 
zwei grössten Lichter desselben, Sonne und Mond (^s.Herodot.L 
181. Brissonius de reg. Princip. Pers. p. 857 3- Auch diel^/ucsv 
waren ihnen heiUg (s. Brisson. a. a. 0. p. 806}. Tempel hatten 
sie nicht , sondern auf Bergen dienten sie ihren Göttern , und 
opferten hier denselben blos das Leben der Thiere (s. Brisson* 
a. a. 0. p. Sßoy Mit dieser einfachen Naturreligion der Persi- 
schen Stämme erscheinen nun aber ein Religionssystem und 
eine Gesetzgebung in der engsten Verbindung, welche den 
Charakter eines mehr metaphysischen Denkens an sich tragen^ 
von einem andern Stamme aus Medien oder Baktrien her den 
edleren Casten des Persischen Volkes mitgetheilt worden, and 
somit herrschende Religion des Reiches geworden sind. Jenes 
naive Urelement , amalgamirt mit diesen höheren Erkenntnissen 
einer gebildeteren Menschheit, bildet demnach das Medisch- 
Persische Religionssystem oder den Magismus , den wir jetzt 
zu betrachten haben. 



181 



$.1. 

Quetten und Läeratwr. 

Die QueUen zerfallen in zwei Classen, zuvörderst adb^- 
Ueke , die Nachrichten der inlandischen und der fremden Schrift- 
steller, namentlich der Griechischen, über Persiens Religion, 
von den alteren Zeiten bis auf die späteren — sodann Venk^ 
male der Hldenden Kund an den Ueberresten der Paläste und 
Tempel zu Persepolis und anderwärts, deren Trümmer sich, 
trotz der wiederholten Verwüstungen und Zerstörungen der 
Araber, Mogolen, Türken und anderer Völker, erhalten 
haben. 

Was die schriftlichen Quellen betriiR, so müssen hier vor- 
erst die MUsehen Urkunden in Anschlag gebracht werden , na- 
mentlich die Bächer, deren Verfasser in irgend einer näheren 
Beziehung und Berührung mit Persien standen, und welche 
eben darum zum TheQ för die Religion Persiens Hauptqnellen 
gind. Dies sind besonders die Schriften der Propheten, eines 
Daniel, der, wie es scheint, mit dem Persischen Lichtdienste 
m'cht unbekannt war , eines E%eehiel , dessen Visionen äusserst 
viel Persisches aus der Lehre der Magier enthalten ; ferner die 
Büdier Eara , NehenUa und andere , worunter das Buch Eelher 
in 80 weit besonders merkwürdig ist, als es uns in das Innere 
des Persischen Hofes blicken lässt und ein getreues Bild der 
Persischen Sitten liefert 

Unter den Griechen giebt uns über Persien (^so wie über 
hMen") HerodaUis die ersten Nachrichten , welche mit ziemlidi 
vieler Kenntniss dieser Länder niedergeschrieben sind. Wich- 
t^^ jedoch wäre Ktedae, ein Zeitgenosse Xenaphana (^dessen 
Anabasis und Cyropädie hier aifch in Betracht kommen}, der 
als Leibarzt des Königs Artaxerxes Mnemon sich lange in 
Persien an dessen Hofe aufhielt , und die Reichsarchive benu- 
tzen durfte, dessen Schriften aber, einige Excerpte bei Pho- 



-^ 182 -^ 

tius , Athendus und Andern ausgenommen , onterg^ang:en sind. 
Ihm ist auch Diodarus in seinen Nachrichten aber Persien, Ma- 
dien, Baktrien und andere Asiatische Länder hauptsächlich 
gefolgt^ und theüs glänze Abschnitte, theQs einzelne Capitel 
sind offenbar aus jenem entnommen. Ausserdem enthalten 
&rabo, Arrianus, PhUostrattis (^im Leben des Apoilonias}, der 
ebenfalls den Ktesias. wenn er ihn gleich nicht anfuhrt, sehr 
benutzt zu haben scheint, Diogenes LaMhts , Clemem ven Ale- 
xandrieny Emehma in der Praeparatio Evangelica, Dammciu» 
de principiis , manche schätzenswerthe Nachrichten. Am wich- 
tigsten für unsern Zweck ist aber Pltaarehus, eben dadurch, 
dass er nicht, \We die meisten übrigen Griechen, uns über das 
Exoterische der Persischen Religion belehrt, sondern uns auch 
in den Stand setzt, in das Innere oder Esoterische der Reli- 
gion der Magier wenigstens einige tiefe Blicke zu thun, und 
durch Hülfe einiger Hauptstellen , die er aus Aelteren mittheilt, 
uns dem Mittelpunkte des Magiersystems mehr zu nähern. 

Auch bei den Römern findet sich Manches , namentlich bei 
PlnduB in der Historia naturalis, bei CurtmB und den seriptaree 
kütwiae August.^') 

Alle Nachrichten der Alten über Persische Einrichtungen, 
Sitten und dergl., die in den genannten Schriftstellern zum 
Theil zerstreut sind, hat mit einem lobenswerthen Fleiss ziem- 
lich vollständig gesammelt Bamabas Brinonku in dem sehr 
brauchbaren Werke de regio Persarum principatu libri HI, 
am besten mit Sylbnrg's Anmerkungen und vollständigen Re- 
gistern herausgegeben vonLederlin, Strasburg (^ArgentoratQ 
ino. Auch das Werk des Engländer E^de de religione vett. 



1) Eine Sanmiimg nnd Erklärung dessen, was Orteehen and RÖi 
über Bfagismiis, Persische Religionslehren u. s. w. berickteii, kat nnter 
dem Titel JJtqauM Kleuker geliefert im Anh. s. Zendayest«, in des «wei- 
ten Bandes drittem Theil. Diese Sammlang des gelehrten Mannes hesae 
sich jedoch, wie sich dies nicht anders erwarten lässt, durch mehrere 
Zeugnisse vervoUstäadigen. 



^m. iSS -m. 

Vefttmi) OxoBiae ivm. 4. ist sehr ^ehitebar, wiewehl nieht 
iauBer Boverlissi^. Andere Häifsmittd sind von B^dk in der 
Aaieit mr Idlg. Weltgesch. L 1. p. tH ff., von Heeren in 
den Ideen L L dritte Amg. und von C. F. C. Heeek Yete- 
ris Mediae et Persiae Monmnenta, Göttin^. 1818 nachgewiesen, 
leh bemerke mir noch, das^die mor^nländischen Traditionen 
naeh dem Schahnameh des Ferdusi (^ wovon unten} sowohl in 
Muradgea d Oimon'e Geschichte der ältesten Persischen Mo- 
nardiie, fibersetzt von Dr. F. Th. Bink, Danzig 1806 als in 
MaUebn'e History of Persia, London 18I6 in Auszügen au 
inden smd. Sehr belehrend und inhaltsreich ist auch: Aj/een 
Mberg or the Institutes of tfae emperor Akbar, translated from 
the ordinal Persian by Franeie Gladtem^ London 1800. £nd- 
Kdi mache ich meine Leser auf t>.* Hammer' % Geschichte der 
schönen Redekünste, 1818. 4. aufmerksam. 

Jedoch für die Religionsgeschichte und Mythologie der 
alten Perser muss jetzt unstreitig unter den Quellen dem Stend- 
meeia ein vorzfiglicher Rang eingeräumt werden, d. h. jener 
Sammlung von Religionsurkunden , welche Anqueül du Perron 
snerst entdedite, sammelte und aus mehreren Handschriften 
so Paris 1711 unter dem Titel Zendavesta ^ traduit en Fnm- 
fift par Awptetü du Perren herausgab. YorzugUch empfeh- 
lenswerth ist die Deutsche Bearbeitung von /. F. Kleuker (der 
Sendaveeta, Übereet%t von /.7. Kleuker, Riga 1776. drei Theilc 
^ und deeeenAfdnmg dam, zwei Bände, Riga 178S. 4L), wel- 
cher anf eine höchst verdienstvolle Weise die Zweifel , welche 
mehrere Crelehrte, vorzüglich Meinere, gegen die Aechtheit 
dieser Bächer geäussert hatten, vollkommen gelöst, und ge- 
leilgt hat, wie diese Urkunden Nichts enthalten, was mit der 
KM oder den Griechen in Widerspruch stehe, und woraus 
sidi ihre spätere Abfassung beweisen liesse, so dass, wie 
auch Heeren (Ideen u. s. w. I. 1. pag. 468 der dritten Ausg.) 
bemerkt, die AeeUheä der HaupUekriflen , vorzüglich des 
Vendidad und des beeekae , als aUer Persischer BeUgirnmetrif- 
^9 ffcg^wärtig er>viesen ist. Auch Viseount Valencia ^ der 



Ot^Ol4llllf,W 



i IM'*'» 



^llldKilllt^ 



*>:. 



Besonderer TlieU» 



Ktbnosraplilsclie Betrachtnnff 



der 



altra heidiiischra Religionen. 



Creuxer't deatsche SchriHeiL I. 2. 18 



^^ 106 -«- 



'^l^'^ 



Wort des Lebens. Oaranf Olhrt er selbst zur Halle nio 
Endlich, nacfadem er seine Bestiaunimg erfüllt, zieht er lU , 
anf das Oebir^ Elburz zurück , und widmet sieb daselbst g 
der BetrftcbtoDg und Andadit. '3 

In der ältesten Zeit waren die Mische» rein und nn- i 
sohuld^, bewnsstloa das Gesete erfallend; so in der Periode 
-der Pischdadier,'} wo es keiner schrifllichen Gesetxgebuiij 
bedurfte, und gläcl^seelig in der Fülle der Zeiten über Im 



Feldxuge cr settm wftre (Nag. IaSk. Prooem. S. 3). Wire tMBik 
«In «pitorer Xuithus hier dar OewähramADii (rgl. meiDe AameTlüL n 
Aea Fragnua. Hlrtoir. Oraeoo. aatiqtilM. p. 225 und Vüin m Ephorl KNfHL 
f. 76 «q.)i Bo würde dieses Zeugnisa sehr viel nn ■einem Gewicht« rer- 
Ueren. Niclit bloa jene idiroDoIoglachen Abweichungen, ■ondum nadi u- 
dere firünde haben die Heinnng von xwel oder metu^rcn KuroMtcn 
arsengt; worüber alch noch neuerlich meiere Foraoher in versrhlRdniM 
Sinne erkl&rt hnben Ct.ltaig* n. n. O. mit Welcker"« Annerkk. oodp.lll 
and WaU^B Abhandlung aber dleaen Oegenstnnd In tfae clnssical Jonrari 
V«L Vn. p. 220 ■«. J. Wm meine JMnnng Mtgebt* an Terwelsc Mh ■■ 
Leser nnT die Bemerkungen über die mehreren Hermet der Aegypttn 
Id demselben Sinne glaube leb nuch ein ideelles Fortleben des NuMia 
Zoroaster mit der Fortdauer seiner Lehre annehmen f.u müssen. 

t) S. die AusBÜge bei Malcolm I. p. 5fH. besonders p, 192 t. 

2') E. Bvnovf bemerkt Im Conunentalre sur le Ya^na (n. dsM; 
gende Anmerk.) p. 569; ,iCe qu'U est peut-^re encore pern^ 4tK> 
coclure, c' est que cea bommes de In prenlere loi, ces Pichdadlens Aumm^ 
■I celebres dnns les tmdltiona persanes, snnt les anc^tres commnnn in 
Ariens de ta Bactrlane et des Arlens de Tlude. On n'n pas enoora, fl 
est vmi, troDTe de trnce de Pichdadlens dann les livres br.thmnnl^Mi} 
BUts, si, d'nn citt^ Ics nnalojEies de plui en plus nombrensea qn« Pm 
remsrque cutre le zend et lo plus nnden sanscrit, conduisent n^cMMt- 
lement ä admettre qne les Bmhmanes et les Ariens appartient k I» slaf 
orißlne, et si de l'autre le syateme rellKlenx du Zend-Aresta a dt 
pendant quelque siecles et niiterleuroment a 1a cbute de 1' 
C ontempomlD et rtval du Systeme bmhmanliiDC, 1^ est i 
blnble, que les hommes regnrdes pnr les Ariens de In Bactrinae 
lei uottrea de leor propre nee so« ansei ceox des Hrnfcwinm 



»-«SB 



-^ 187 -^ 

sr ^^rosse Dschemfichid herreehte. Unter ihm erweckte Or- 
md den grossen Propheten Hwn oder HrnnmiM (^Sfiopfj^y 
ies war der grosse Baum (^JJom}, der Lebensbanm , als 
aell alles Segens und Gedeihens (s. Anhang Kam Z^idavesta 
d. n. Th. 1. p. 90. 96. 8S. 88 und was wir weiter unten bemer- 
m werden}. Er ist, was der Hermes Aegyptens, der Buddha 
sr Indier ist; er offenbart zuerst Jas Wort, er bringt zuerst 
esetze, er ist der Stifter des Magiamusy und seitdem hatte 
an Schrif^eiehrte und Propheten, die Bewahrer und Yer- 
alter des von Hom geoflfenbarten Gesetzes, die Magier^ wei- 
te Herodotus (1. 101}, der Älteste Erzähler, als einen cige- 
sn Stamm der Medischen Nation auffuhrt, so wie die Leviten 
i den Israeliten und die Chaldäer bei den Assyriern. '} Sie 
Iren eingetheilt in drei Classen nach ihrem Range und ihren 
mntnissen; die erste umfasste die Herheda oder Lehrlinge ^ 
i zweite die Mobeda oder Meiner, die dritte die Destur - Mo- 
de , die Altmeieter oder die vollendeten Meister. Sie bildeten 
16 Priestercaste , die den ersten Stand des Reiches aus- 
lehte, die einzige Inhaberin aller Kenntnisse und Wissen- 

1) S. Clemens Alexandr. Stromat. I. p. 305. A. Jedoch werden^ hfiu- 
, and zwar schon iVühe, Chaldäer und Magier mit einander verwech- 
t, ond beide Classen unter der gemeinschaftlichen Benennung der Mo- 
r begiiffeu; s. Tib. Hemsterhuis ad Lucian. Necyom. T. m. p. 339 
I. «Ad Heeren Ideen I. 2. p. 176 d. dritten Ausg. Spricht ja sogar 
■■anins in den Messeniacls (fV) cap. 32. p. 360 Kuhn, von Indischem 
tfiem, denen er die Lehre von der Seelen Unsterblichkeit zuschreibt, 
ca helsst Mag oder Mog (woher die fiayot der Griechen und die 
ifi der Römer) im Pehlvl überhaupt Priester; s. Anliang zum Zend- 
,, Kweiten Bandes dritter Theil p. 17 nebst Muradgea d'Ohsson^s 
der Altesten Pers. Monarch, p. 60. Uebrlgens Torgleiche man über 
f MEagler überhaupt noch die Nachweisungen bei Beck Anleit. zur 
■rtoiss der Weltgesch. I. 1. p. 646 und Heeren Ideen I. 1. p. 479. *^ 
ttner neuerlich bekannt gemachten Inschrift heisst es : „ Der gute und 
tflidie Ormuzd hat gegeben den vortrefflichett Borna (den Baum des 
kea»").^ S. Eitg. Bumouf Memoire sur deuz inscriptions d'Hamadaa 
den ToUst&ndlgem Titel in der folgenden Anmerk.) p. 49 sqq. p. 89. 



•w- 188 -«i- 

■duiftcB. «o, aad daroi EtafaH licji nicht blo» in den Pri- 
vatvaUBtainai aller Unterthaneii Mfgte, besonders in no fcn 
■ie liier«lB Wdmfer, Zeicfaendevter and Traumdeutcr ho« 
Tortnten, aondem ueli bei allen poUtiarhen und öfcntlidt) 
Untemdunmgai ndu: oder wai%er bedeutend war. W 
Bligier enogen den UMg, sie nmgaben stets seinen Bat; 
sie vnrea die, kftn^'dien BiditO', sie sassen im königlidm 
Btdie, nnd dbten bo xawdlen den entsoliiedcnstcn Einflaii 
auf die Bc^'enmg an, wiewohl sie die He|!:tcrun^ selbst kör 
neswegs fn Binden lütten, wie dies in Ac^yplcD, bei der 
dort hemdteaoden Hierarchie, gewisaemasscn der Fall wir, 
sondern ihr AiUheil nnr Rath gebend blieb. Aber der Moniudi 
in Peraien, freier von der Priesterimrschaft , war jedoch 
Aasabong willkflhrlidier imd despotisdier Handlnngen dn 
Ton Seiten der WMf^ dnrdi die Maebt des Gesetzes und d« 
BeligHm oft gehaust nnd gehinderL Sodann hotten sie 
schliesslich die ganze Besorgung des Gottesdienstes 
Bcbrftnkten TOmitbUch, wie dies aower dem JiidenlluiB 
gaoxen Orient gebribiehlidi war, die höhere Religiooserkl 
niss auf den Hof nnd die berrachenden Stämme ein, wäl 
vom Ritnal Vieles dem ganzen Volke milgetheilt -ward. 
hatten die Auslegung der heiligen Beligioiisbiich 
achteten den Lauf der Sterne, lasen in ihnen die Zuknnft, 
bestimmten hiernach das Scfairksal eines Jeden gleich 
seiner Gebnrt Ein solcher Magier trat zur Zeit Cyai 
des Ersten oder des Gostaap auf,'} der Prophet ZonaM 



1) Malcolm WaL Ol PeraU I. p. 191 not. will Im Neupi 
SusUtp Tlelmehf den Dkiias Hj*tMpU erkennen , und aU Vater 
ilns konunt Gochtispa In einer ZeDd-Iiuchrlft vvr. In der Kend-Spn 
and Schrift heliat er eigentlich Vtstacpn, welches dem Hj-suspea 
Griechen niher kommt, und einen beselchnet d«r l'ferde erworl»m 1 
oder dcasen Beschiflignng und Erwerb Pferde sind. (8. CanMMl 
nr Ie Ta^nn par Eigene Bwnwuf, ParU lim. Notes p. CV sqq.i J 
actteii Hinolre rar denx InacrlpUona canWbrmes trocves prcs naaa4i 
Pari« 1836- V- 9 ■«• an« Chr. MMum Die altDerslaclien Keumwtap^ 



-^ 189 -^ 

19 geschriebene Gesete bringend, welchem nun Alles das 
^^legt wird , was jene Priesterschaft seit Jahrtausenden 
dacht hatte, so dass dieser Name die ganze Periode der 
ntwiGkelnng der Persischen oder Magischen Religion durch 
le Priesterschaft im Laufe von Jahrhunderten bezeichnet 

Diese Religion der Magier , welche an die Stelle der alten, 
ifkchen Naturrel^on der Perser getreten ist, oder sie viel- 
ehr veredelt hat , ^} und über deren Lehre wir wenige Näch- 
sten bei Griechen und Römern finden, ist uns nun in 
den heiligen Religionsurkunden, den ZendtBehem, ziemlidi 
Ibtandig mitgetheilt. 



■ Persepolis. Bonn 183G. p. 42 IT.) Hiernach müssen diese und Ahn- 
he Angaben der zweiten Ausgabe dieser Symbolik berichtigt werden. 

1) Ucber die Vereinigung der alten Perserreiigion mit diesem ge- 
ieieren Magismus haben wir ein merkwürdiges Zeugnlss bei Xenoph. 
Top. Vni. 1. 2'dy wo von Cjrus erzählt wird, dass unter ihm zuerst 
i Magier eingeführt worden seyen, und Cyrus von nun an den Gittern 
dl der Weise geopfert und gedient habe, welche ihm Ton den Magiern 
gegeben worden, und dass dieses Beispiel hierauf die übrigen Perser 
dlgeahmt hatten. Es kann aber diese Stelle als historisches Zeugnlss 
ken wegen des Zusatzes (g. 24), dass diese damals getroffene Ein- 
fetnng und dieses Gesetz noch bis jetzt bei dem jedesmaligen Konige 
ke. *— Jedoch scheint bei dieser Annahme der Modischen oder Magi- 
hen Religion von Seiten der Perser daneben noch die Verehrung der 
terüchen Gotter C^<o2 naxf^oi^ beibehalten worden zu seyn, wie dies 
t voa Brissonius de reg. princip. Pers. p. 347 angeführten Stellen be- 
eisen; und nur der herrschende Stamm, die Pasargaden, nicht die ge- 
säte Persematlon, nahm vermuthllch die neue Religion an. Vgl. auch 
Aang zum Zendavcsta Bd. II. Th. 3. p. 34. nr. 71. — Zoega in seinen 
ttaadü. verbreitet sich besonders auch über das Verh&ltniss des älteren 
Tiischen Dienstes zum eigentlichen Magtsmus. Eine genaue Erörterung 
riker nuss ich meinen Herodoteischen Abhandlungen zur HauptsteUe 
ierodot. I. 131) vorbehalten. Hier beschränke ich mich auf einige Aeus- 
TVBgen, wi>rin sich die VorsteUungsart des genannten Gelehrten kund 
ebC: n^^^^ Slteste Cultus der Perser Cs&gt er p. 99 f.) war unbezwei- 
Ifc, wlc^ unter dem grössten Theile der Völker, um nicht zu sagen unter 



■»■ m ff 



' ^^^^ 



, < Vl^as nun noch die sogenannten Magischen OraJtel de» Zu- 
nmfiT betriflt, die wir in Griecliischer Sftraciie iibi-^ biba 
(«Bi besten in folgender Ausgabe: &'bi/Uina OratMla; aeceAM 
Ormmta JUagica Zoromlrü elc. ed. Gallama, Aim^lelod. 18S0. i 
vergL, mit Tiedemana: Qfuuttio, ^uae famit artüan ntagiearm 
mig0t Marburg. 1787. 4.J, so mag man wohl fnihcrliin. nr 
Batdeckung der Zendbächer, mit Ilecht cio Mi^lratiea gVj^ 
3uft,Aeclitheit geht^ haben, und darum nach bewogen 
den Kyn; sie fdr ein Keuplalonisches Machwerk ausKugebck 
AUciB man rno^s hierbei wohl die äussere Form von dem Wfr 
sen und vom Gedanken unterscheiden. Woraus dann to\gl. 
duM} wenn auch erstere neuer seyn sollte, doch der in dim 
Fonn eingekleidete Inhalt uralt seyn kann, und wir hieraoi 
J^Bt) durch Vergleichung der Zendbücher, sehen können, vtk 
■iflh dieselben Gedanken fortgeerbt haben , und no rreilic4i ii 
TCriaderter Gestalt vor uns treten. 



Itn«i» der AuIeHnuu oder PaÜMUiiBys, den loh nU logemc 
Anadnwk AdlaktltoUtrla n^nea wfird«, veriKUul«i) wie sie 
pflegt, mit der NeluvduUe. " Darauf erinnert er an die Hciligkdl ä 
Hundes und einiger andern TMere, wie nucli an die kfuutUclien Talbn 
In der Bellglon der heutigen Parsen. Dazu rügt er Im Verfolg neck 
Heatlolatfle oder die Vereiirung des iiHUfillcben und dann aucii des Mli 
sehen Feuerheerdüi, woraus nacblier erst der Feuerdien at ei 
In Betreff des TodtendieDsles bringt Malcolm (.Tom. I. p. 15 sq.) f 
sehe und Tn,iarischc Sa^ea bei, wonacli dieser aus einer t>r«5sen 
seinen (Ursprung genommen, und liinwieder kur Idololatrie überbstft 
Anlass gegeben haben soll. ' — Soll Ich meine Meinung sani 
der Leser schon aus dem Oblgeu vcrmutben, doss Ich den TudiendiON 
nicht für die alleinige Trsache der Idololntrle hnlten lumn , so wcH 
brell«t er auch allerdings erscheint. < — l'eberlinupt schadet, um t^ 
Malcolm nicht zu sprechen , dem würdigen Zoega allenthalben jenes iltr 
mlsUsoh« Verfahren, welches, der Einheit eiucr tieferen Anschanmig 
nutngelnd, überall die Religionen des Alterthums aus einseincn gotrenM 
und, so KU sagen, leblosen TlicUen Mrsanuucnsctucn will. Diese An 
Kelgt stell besonders in folgender Stelle (ebendaselbst p. 106); nDle 
gier — ergaben sich, nach einem felügeschlagcnen Versuche, slcft f"!^ 



-^ 191 ^^ 

. Aach wiroi die Pener reieh an gmamkeker W^kMt. 
Men 80 gut wie die Indier ihren Apolog und, daas wir so 
HMhen, ihre HUopadna; ja beide sind wahrscheinlich ans 
ler geaeinschafliiehen Quelle geflossen. Einen Meister in 
wtt OatUing nennen zwar fiist alle morgenlandischen Schrift- 
lief) einen HakmU, d. h. Abessynier. Weil er jedoch in 
B Poeaien der Perser besonders auch gepriesen wird, so 

■ ich kfirzlleh seiner in dieser literarischen Skiese geden- 
fti Es ist der weise Loemtm^ dessen Gnomen in Arabischer 
iTMhe noch vorhanden sind, und am besten zu Amsterdam 
M in 4. mit einer Lateinischen Uebersetaong und Anmerkon- 

■ hcransgekmnmen sind (vergL aber ihn Herbelot BibUo- 
Sfoe Orientale Vol. ü. pag. 48!k ed. de la Haye im. 4.y 
kr viel wissen die Morgenlander von Locmmm zu erzihlen. 
' soll svr Zeit Davids geboren sejn, bis zur Zeit des Pro- 
sten Jonas gelebt , und also gegen das Jahr der Welt tOSS 
blühet haben. Mit dem ersteren setzt ihn eine morgenlän- 
cke Sage in Verbindung, und giebt ihmBamah bei Jerusa- 
i som Aufenthaltsort und zurGrabesstfitte. Auch die Perser 
Icb von ihm und kennen ihn als einen BckwarMen Skhwem 
n Mtar WeiaMt, dessra Loos jedoch das eines Knechts 
eb, ja aie nennen ihn sogar einen Aethiopier; kurz, sie reden 
Ml so von ihm, wie die Griechen vom^eMjM»» der jedoch, 
ch eben denselben, Zeitgenosse des Selon, Crösus und 
ftm war, und also z>vischen die Jahre U50 — SSM fiillt. 



so bemftchtlseii , der sie in der offentUcben Meinung henbsetsen 
ly olae sie jedoch des nil ikren Dienste yerknupften Ansehens nn 
j nm, was sie an Credit verloren haben mochten , Mieder zu 
vtaaen^ den spcculativen Leben, und bemüht, die Natur der Grottheit 
I des ürapnuig der Dinge sn erforschen , fluiden sie eine lange Kette 
■ Metern and DAmonen auf, und endigtem mit der Aufiteilung vom 
z hmrüt k tigtm SpHem des Dualinrntt,^* Ehen als wenn die Idee von 
*e ssd Hass nicht in allen RdiAlonen an der Spitxe stfinde. Bfan 
riie aar mm die Theogonie dos Heslodus. Und dachte denn der gelehrte 
irfhsaer gar nkcht an die Versuchungsgeschichte in der HemeMU f 



'«r IttS -v 

Und oflionlMr haben die Griechen viele alt^morgenUiidisdic 
Sprndiweisheit ihrem Acsopus beigelegt ; wie hinwieder die 
Morgenltinder manches Oriechisclie (Aesopische) ihrem Loc- 
man beil^^en. ■) Aach der Name Aesopus deutet darauf hio. 
in SD fem sümlieh Aiataxo^ gebildet ist von aiäoi und «iifr, 
dar mit dtm gebrannten GeticH , der Aethit^ier , oder auch VM 
täaa nnd tJi//, der Seher de» Sehickml» , der seinen Blick vor- 
«nd rückwärts, in Vergangenheit und Zukunft, hinwendtC, 
«ad eines Jeden Schicksal (^alaa') sieht. Man sehe nur die 
Haapt<!teUe des Herodotos IL 134. Es wird demnach nielA 
Anderes hier gegeben seyn, als eine neue Personification Je> 
ner uralten Naturweisheit, welche sich in Indien als AViscbnn- 
Sarma'3 durch die Hilopadesa, anderwürts nnd auch bei da 
späteren Persern als Locman, inLydien and Griechenland ii( 
Aesopus, kund that; wenQ wir gleich damit keinesw<-^;Ya die 
wahrhafte Eustenz mehrerer Gnomiker des Morgcolandcs 
lÜDgnen wollen. 

Endlich mässen wir noch mit Einigem des grossen Epo* 
der Perser, des Sekahuimeh, gedenken, irnler der Hegieraof 
des Midunad Ben iSebekteghin, Stifters der Gaznevklen-D:^ 
nastie, etwa 1020 nach Christi Geburt, trat in Persien eil 
grosser Sänger auf, Ferdiai, aus Thus im Lande Khorasn, 
zwar von armen, niedrigen Eltern geboren, allein mit wm^ 
dersamen Geislesgaben ausgerüstet. Er kam an den Hof diB 
Mahmud, und erhielt von ihm den Auftrag, die Gescbietitl 
und Thaten seiner Torfahren, von der Stiftung der Monarchie 
an bis auf seine Zeit, in einem grossen Xationalgedichte n 
sammeln. Und dies vollendete er meisterhaft in einem groMV 

1} So kommt auch Im Koran ein Locman al Uakim vor, voa 4n 
Hahonied emt sagen VLaat: wir haben äevt Locman WeUkeit «alletm ' 

2) Man sehe über PUpal (Bidp^, wie t. Hammer In der SeMUMl^ 
der Redekünste Penlcna schreibt, «ro er bemerkt, dts» unter OMM 
Miuhirvan die Fabeln Bldpal'« nebst dem Bcbachspiele dorch Am Ai^ 



-^ 193 -^ 

von sechzi^tauscnd Strophen , Sckaknameh , das Buch der 
, überschrieben, wodurch er sich unsterblichen Ruhm 
'wb , 80 dass noch jetzt sein Name im ganzen Orient hoch- 
gefeiert ist Der Orient erkennt ihm einstimmig den Preis in 
Dichtungsart zu, und die Europäer nennen ihn den 
d09 OrieniM. Dieses Gedicht , mewohl in spliteren Zei- 
abgefitöst, ist für die Kenntniss Persiens von grosser, auch 
feiilorischer Wichtigkeit, indem es gewiss einestheils aus ur- 
9 von Griechen und Römern unbeachtet gebliebenen Tra- 
, andemtheils ans handschriftlichen alten Urkunden 
g— chgpft ist. 



VrmzerU deatschc scli rillen. I. .:. IS 



194 



Lehre und Culiu$, 

Die Gnuididee der Arieni^tehen Lehren ttnd Cidte , die ' 
hier festzahalten haben , ist die eines Daalismns von Lieht i 
Finstemiss und eines Kampfes s^visehen beiden, der sich 
der Niederla^ der Finstemiss endigen wird. Diese zwei ob 
sten Princlpien sind nnn als zwei Wesen gedacht, Ormii 
das reinste Licht und das gute Wesen, Ahriman, dieFiBSt 
niss und das Böse, zwar ursprünglich auch gut, allein al 
bald mit Neid erfüllt, und daraus seine Verdunkelung i 
Anfeindung des Ormuzd. 

Das Ewige n£mlich ist seinem Wesen nach Wort ; '^ ^ 
Throne des Guten ist gegeben das Wort, Honover (^s.Izescl] 
Ha. XIX. in Kleuker's Zendav. Th. I. pag. 107}, das vortr 
liehe, reine, heilige, schnellwirkende, das da war, ehe * 
Himmel war und irgend ein Geschaffenes. Aus diesem i 
durch dieses Wort ist das Urlicht, das Urwaner und Utfe 
(^d. h. ein unkörperliches, intellectuelles , gleichsam eine . 
von Präformation der Elemente}, und durch dieses dann < 
Licht, das Wasser und das Feuer, das wir sehen — folgl 
Alles geworden. Dieses gute Wort ist Ormuzd. Er ist i 
dem unendlichen Saamen des Ewigen erzeugt, Erstgebori 
aller Wesen, Glanzbild und Gefass der Unendlichkeit, fort i 
fort Licht, unermesslich in Breite, Höhe und Tiefe, sein W 
unbegränzt heilig bis auf die Wurzel des Wesens (^s. Zei 
avesta Th. I. pag. 4. 5}. Er kam hervor aus der Mischung i 
Urfeuer und Urwasser (Eulma Eslam}. Er heisst Ekore M 
dao, d. L grosser König , schimmernd in Lichtherrlichkeit, i 
vollkommen, allrein, allmächtig, all weise , Körper der Körp 
süss duftend, heilig über Alles, dessen Gedanke rein gut 

1) S. Zendavesta Tpn Kleaker Th. I. p. X 



-^ 195 -^ 

allnfihrend a g. w. (s. Izeschne I. p. 80 und XIL Ha.} Er 
ist Himinlischer der Himmlischen , Grund und Mitte aller We- 
sen, Allkraft 5 reiner Grundkeim , abgemessene Weisheit, Wf- 
senBohafl imd Geber der Wissenschaft, Weitseher, das Wart 
von Allem u. s« w. Qs. Jescht-Ormuzd LXXX. p. 18S im 
zwdten Theiie bei Kleuker}. Ihn hat die Zeit ohneGränzen 
nm König bestellt, begränzt durch den Zeitraum von zwölf- 
tausend Jahren , und sie behauptet ihre Herrschaft über ihn. ^} 

Dem Ormuzd tritt gegenüber Ahriman , der Quell , Grund 
nd die Wurzel alles Unreinen, Argen und Bösen. Sein Ab- 
firill t&m jedoch tueht vom Bungen ^ sondern aue ihm und durch 
Av ward die Finsterniss geboren, und so weit diese reicht, 
meht auch sein Reich. 

Allein bei diesem Dualismus ohne anderes höheres Princip 
ist gewiss die Persische Lehre, wie doch Viele früherhin der 
Heinang waren , nicht stehen geblieben , sondern ohne Zweifel 
erkannte auch sie ein Urprincip jener Zweiheit an , die Zeit 
oime Grenzen, Zeruane Akerene, den Schöpfer von Ormuzd 
nd Ahriman. Durch sie ist von Anfang die Wurzel aller 
Dinge gegeben, sie hat gemacht, gebaut, gebildet, Zeruane, 
die iange Steit, das grosse Weltjahr von zwölf Jahrtausenden 
hii zur Auferstehung. In dieser (in Zeruane} ist das All der 
ihrigen Wesen , sie selbst aber ist geschaffen. Hingegen die 



1) Vgl, Giirres Mythengesch. I. p. 210 IC, — Bemerkenswerth Ist die 
Wene in dem Anhang zum Jesaias (Cap. XLV. ts. 7); wo In den An- 
reden an Cyras Tom Jehovah gesagt wird, er habe lAcki und Finster^ 
■fft geschaffen; und worin eine missbiUlgende Anspielung auf diesen 
tonUchM Dualismus zu liegen scheint.«— Eine gute Uebcrsicht der ver- 
schiedenen neueren Auffiissungen des Zoroastrischen {Systems hat Herr 
finigniant nur Französischen Bearbeitung dieser Symbolik gegeben (s. Reli- 
giMu de FAntiquite I. 2. Notes et Eclaircissemens p. 693 sqq.}- — Ich 
verde in einem der folgenden Nachträge statt dessen einige urkundliche 
Auszüge liefern, besonders aus der vortreflichen Bearbeitung des Izeschne 
(Yaqia) des Herrn E. Bumouf, welche am besten geeignet sind einen 
Einblick in den Ton und Geist der Zoroastrischen Lehre zu verschaiTen. 

13* 



-^ 1% -^ 

Ewigkeit hat nidits über sich, sie hat keine Wunel, ist im- 
mer gewesen und uird immer seyn. S. den Fargard XIX. 
(nicht IX. wie bei Kleoker falsch gedruckt ist} des Vendidad, 
in Kleuker's Zendavesta Th. 8. p. S76 und Gorres Mythen- 
gesch. I. p. 819. Dass diese Darstellung nicht nur alt -P6r- 
asch, sondern auch allgemein, unter Höheren und Niederen, 
Gebildeteren und Ungebildeteren, herrschend gewesen sey, 
möchte, unserer Aleinung nach, wohl das Wahrscheinlichere 
sejTi; Letzteres insbesondere, nämlich die Allgemeinheit die- 
ser Ansicht , gegen Kleuker's Yermuthung , welcher z>var die 
Aechtheit dieser Lehre , als einer wahrhaft ZoroastrischeD, 
anerkennt, jedoch glaubt, dass sie nur eine den Getüdtierm 
mitgetheilte Religionsidee gewesen sey, und man dem Volke 



in den Liturgien und dergl. nichts von dieser EmkeU habe 
sagen können (^s. Anhang zum Zendavesta Bd. L Th. % 
pag. 287}. Allein, wenn es gleich anjetzt nicht leicht ist zu 
sagen, was die alten Perser msgeaammt geglaubt haben oder 
nicht, so will mir doch scheinen, dass, nach einer inneren 
Forderung der menschlichen Natur , bei den nur einigermassen 
Nachdenkenden die Frage nach dem Verbindungsgrunde jener 
zwei Wesen nicht lange ausbleiben konnte. Sodann war ja 
Jene Einheit in jenen physischen Anlässen der PerserreligioB, 
die wir oben nach Herder angedeutet haben, schon gegeben. 
Im weiten Räume, der sich vor den Augen des Iraniers auf 
seinen Bergen ausdehnte, zog Tag und Nacht herauf, und 
der Gegensatz von Licht und Finstemiss ergiebt sich in der 
Zeit von selber. Für diese Annahme spricht auch der Um- 
stand, dass die Magier, nach dem ausdrücklichen Bericht eines 
Schriftstellers, sich in ihrer intellectuellen Erörterung jener 
Einheit gerade dieser empirischen Ausdrücke: Ort (Raum) 
und Zeit bedient haben.'} Wie dem aber auch sey, jene 
Einheit erkennt nicht nur der ganze Bundchesch an, sondern 
wir haben auch dafür mehrere Zeugnisse der Griedien. So 

1) S. KacMra^ 131, 



-^ 197 -^ 

Mgt Aristoteles (^Metaphys. XIV. 4), es hitteii die Magier 
ds obo^es Princip das Urguie ^ welckes JUet er%eugt hat 
fx6 nffdSxov fBvvijaav a^taxov') statnirt.Q Aehnliche Anga- 
■en finden sieh bei andern Schriftstellern (s. Klenker Anhang 
warn Zendavesta Bd. n. Th. S. nr. SSO f. p. 17S ff.> Ans He- 
ndotns dürfen wir über das Innere desBIagisnius weder ßir noch 
gegen einen Schloss machen, eben so wenig wie aus Xono- 
phon; und so möchte es denn scheinen, dass die schreibenden 
Griechen erst gegen Alexanders des Grossen Zeit, nachdem 
luge zuvor schon licht magische Elemente von Vorderasien 
"ier in die Religion ihrer Väter geflossen waren, eine syste- 
■uUische Uebersicht des Ganzen erhalten haben. Auch Pytha- 
gtras soll seine Lehre von der vollkommenen Monas , als Mut- 
ter aller Dinge , und der von jener ertetigien Dyas , aus jener 
Zoroastrischen Idee hergenommen haben, und die Neuplatoni- 
kcr bekannten sich gleichfalls zu dieser Lehre , welche sie vom 
Zoroaster herleiteten; vergl. Foucher im Anhang zum Zend- 
mrcsta Bd. L Th. 8. pag. 289. (ver^. p. 1S2.) Was den 
Pythagoras betrifft , so hatte Zaratas (Za^drai) , der Meister 
dn llagismos, oder Zoroaster, wie Viele ihn erklären — s. Fa- 
kicü BibL Graec. I. p. SOSHarles.') — den Pythagoras gelehrt. 
Zwei der Zahlen Mutter, das Eine aber deren Vater sey, 
dass die besseren Zahlen der 3Ionas gleichen. S. Plu- 
tardu de anim. generat. in Tim. p. 1018 Fr. Vol. IX. p. 184 
ed. Wyttenb.0 



1) Vgl. Klenker Anh. xum Zendavesta Bd. II. Th. 3. p. 4<i und 4-'. 
mr. 97. 105. lOO. 

2) Vgl. Foucher a. a. O. p. 111. 174. 

3) Zooga ein denAbhandll. p. li;^ ff.) ordnet sich die verschiedenen 
VMVtolluagaarten so: In der Annahme zvieier entge^euiu^esetzter Götter 
als swei leteter Prlncipien se^-en alle Maskier einiß :;ewesen. Aber in 
4rt\ Cattinden seyen ihre 8ecten verschieden. Einige, vermuthlich die 
Utesten« betrachteten die beiden Principien aU absolut Irt^te und yUivh 
IM Macht und Dauer : und erwiesen beiden Verehrung. Andere, vp*I- 



198 



UAchi die wahren Sdiäler des ZoroMCar, des Zeitgenossen toii Dnrins ; 
Hystaspls, schrieben dem Ahrlnuin eine der des Ommsd sehr nnlergeord- j 
nete Bfacht zu. Die dritte und vemuilhlich neueste Secte setzte vor Ah- i 
riman und Onnuzd ein gemeünschaftUckea und allgemeines Princip, die 
Zeit, oder, nach Andern, den Baum, — So weit Zoega »— und in der 
That war er durch die Stelle des Damascius schon berechtigt, verscMe' > 
dene magische Systeme anzunehmen, — Aber für unsere I«eser branflht | 
es wohl nicht vieler Worte, um zu zeigen, wie wenig im Geiste des g 
Orients es gedacht ist, dass Beligionssysteme so nach und nach mmsge- | 
bessert werden: erst zwei absolute Verschiedenheiten, dann halb und 
halb vermittelt •— endlich ganz Eins. -— Es ist zu bedauern, dass ebi 
so gelelirter Forscher so wenig im Stande war, sich von der Beßexhn 
loszumachen. 



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' m 

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f. 



199 



f 4. 

HShere Anakkt des MagierigsiemB, 

Fragen wir nun, wie die höhere Lehre der Blagier das 
'oUen der Welt (^der Entänssernng Gottes) aufgelasst habe, 

miissen wir allerdings antworten : ^ nicht geschlechtlieh, 
Lfch Liebe, wie die Indier — sondern durch den Gegensatz 
>n Licht und Finstcmiss, von gut und böse. Schon das 
sherigo hat das Durchgreifende dieses ethischen Gegensatses 

Persischen Systeme gezeigt. Es herrscht in den Elemen- 
D (^z. B. in dem Wasser — das böse Wasser entspringt im 
wichen des Steinbocks , das Qoldwasser in der Wage} , in den 
irpern , im Kraut und Unkraut, in den Thieren u. s. w. Daher 
nn die Grundlehre der Magier; Alle Dinge bestehen in derMi- 
kung des Gegensatzes ; oder : Das Endliehe hat sich dnrch ethl- 
hen Kampf der beiden unendlichen Principien in Gott gesetzt, 
viespalt giebt den Dingen Daseyn; wie dieser aufhört, d.h. wie 
» Gegensätze sich in ihre Quelle auflösen, hören andi die 
KÜiehen Dinge auf. in diesen Theorien des Magismus haben 
Ir wohl eine Quelle von dem bekannten Lehrsatze des loni- 
hen Philosophen HerakUtua: «der Krieg ist der Yater aller 
inge » (^nokefxo^ ditdvxfav :i'arirf()} und von dem Systeme des 
npedokles , welcher das Entstehen und Bestehen aller Dinge 

die Verbindung oder Vereinigung des Streites (velxo^') und 
!r Freundschaft (qp/A./«} setzte.^} Charakteristisch sind die 
^orte desselben Heraklitus , welche Plato im Gastmahl cap. 14. 
SO Ast. {p. 187. a.} anführt : « denn das Eine , indem es sich von 

13 S. Gdrres Mythengesch. ü. p. 635 ff. 

2) Empedokles ys. 29. 136 ed. Sturz. Die angeführten Worte Hera- 
us giebt Lucianus de conscrib. hlst. S* '^' Jb^m. IV. pag. 161 Bip. Man 
Tglelche damit Plutarch. de Isid. et Osiriff p. 370. p. 517 Wyttenb. — 
h werde im zweiten Bande auf diese Sätae zuriiclLkommen müssen. 



-^ 200 -^ j 

sich trennt, einigt sich mit sich» (^ro yuQ h tptjoi öuxxpB^o- ] 

Was aber ist der Grund der Mischung des Lichtes mit 
dem Dunkel, und was ist Grund der Befreiung des Lichtes 
von der Finstemiss? Zeruane Akerene, Oott, vor den beiden 
Principien und JEHn» m sieh, hat.Kuerst gesetzt daaLiehi. Mit 
dem Sat% ist gegeben nothwendig Gegenaaix. Htuiemüs, ab 
Gegensatz des Lichtes, folgt auf dieses letztere, und zwar ' 
nicht aus Intention Gottes, sondern zufällig, wie der Schatten \ 
der Person. Nicht gewollt hat Gott die Finsterniss, aber er ' 
hat sie zugelassen. Aber warum hat Gott dieses Letztere ' 
gethan? Aus ethischer Begeisterung. Dem Bösen, dem Fin- 
stem, ist Raum gegeben worden, damit sein Gegensatz (^Lieht, 
Gutes}, von ihm beschränkt und bekämpft, die Schranke bre- 
che und entgegenkämpfe, damit die ethische Kraft sich im ■ 
Kampfe verherrliche. Das Böse ist, wie ein finsteres Yer- 
hängniss, aufgenommen in das Gute, und der helle , klare 
Wille tritt ihm im Drama der Weltgeschichte entgegen. End- 
hch wird die Schranke gebrochen , oder vielmehr in das Gate 
selbst aufgenommen , der lange Zwist wird in UkM und litks 
ausgesöhnt, und es beginnt ein ewiges Reich des Lichtes dhne 
Schatten und ohne Makel. (Die weitere Ausführung B.air fol- 
genden $.3 






Dämonaiogie , JTasmoganie und Is^hatolagie, 

Jeder der zwei höchsten Geister, Ormuzd und Ahriman, 
hat sein Reich. Ormuzd Reich ist gross und theilt sich in 
himmlische und irdische Wesen in verschiedenen Abstufungen. 
Drei Abstufungen hat das Geisterreich , zuerst die sieben Ams- 
haspands, unsterbliche Geister, dann die acht und zwanzig 
Izeds und endlich unzählige Ferners.^} Ormuzd, Herr der 
Welt, ist oberster der sechs Amshaspands und auch ihr 
Schöpfer, nach Plutarch. de Isid. et Osirid. cap. 4T. p. 809. p. 
514 Wyttenb. Dort heisst es: «Ordmazes (^Ormuzd 3, sagen 
die Perser, sey aus dem reinsten Lichte geboren, Arimanius 
aus der Finsterniss. Beide führten Krieg mit einander. Oro- 
mazes habe sechs Götter geschaffen, den ersten des Wohl- 
wollens, den zweiten der Wahrheit, den dritten der Oesetz- 
fichkeit, die äbrigen die der Weisheit, des Reichthnms und 
den Schöpfer der Freude, die aus der Tugend quillt Hernach 
habe sich Oromazes verdreifacht, habe sich von der Sonne so 
weit entfernt, als diese von der Erde entfernt ist, habe den 
Hinnnel mit Sternen ausgeziert , und über diese zum Wächter 



t) S. ZendavesUi von Kleuker I. p. 16. vgl. 6(Srres Mythengesch. 
I. p. 2'27 ff. — Beschreibung einer Sassanidischen Muiise von Staatsrath 
Krahn In Petersborg. 

Hie ist von Narses dem siebenten König aus der Dynasile der Sas- 
saniden. Die Insckriß in alten Pehlewy - Charakteren lautet: 

„Der Diener des Omiuzd, der herrliche Narschi, der König der Kö- 
nige von Iran, der Sprössling der Götter des Himmels. <^ 

Revers: Eitie einfache Säule, worauf das heilige Feuer brennt, 
Links davon eine kleine Figur, wahrscheinlich der Ferner dos Königs; 
rechts ein Gefäss ; wahrscheinlich der Dschemschidsbecher. Randinschrift 
rechts: P^arseki; links: der €Hßttiiehe. 

LeipE. Lit. Zeit. April 1Ö29. p. 645. 



^^ 202 -^ 

und Anfiseher den Sirius bestimmt, habe darauf andere vie^ 
und zwanzig (jsoU, wohl heissen acht und zwanzig]) Götter 
geschalten, und sie in ein Ey niedergelegt. Aber vier und 
zwanzig andere, vom Arimanius geschaffen, haben das Ey 
durchbohrt Daher die Mischung des Guten piid Bösen in 
der Welt Es nahe aber die Zeit des Schicksals , wann Ari- 
manius Pest und Hunger bringe. Dann aber gehe Arimanius 
ganz und gar unter, dann werde die Erde gleich und eben. 
Ein Leben , Ein Staat , Eine Sprache vereinige dann die G^ 
sammtheit der glöckseeligen Menschen.» 

Nach den Zendbuchem gestaltet sich dieses System von 
Geistern so : Ormuzd ist der erste Amshaspand , der zweite 
ist Babman, der Vorsteher und Beschützer der übrigen, Kö- 
nig des Lichtes, der dritte Ardibehescht, der Feuergeist, wel- 
cher Feuer und Leben giebt (s. Görres a. a. 0. p. 228), der 
vierte Schahriver, König der Metalle (ib. p. 2S1), ferner 
Sapandomad , Ormuzd's Tochter , von welcher Meschii^ und 
Meschjane, die ersten Menschen, gebildet sind (ib. p. SM}, 
dann Khordad, König der Jahre, Monate, Tage und Zeitep, 
welcher den Reinen reines Wasser verleiht Cib. p. 2M'), Amer- 
dad, Schöpfer und Schutzgeist der Büume, des Getreides, 
der Heerden (ib. p. 2S1}. Vgl. Zendavesta von Kleuker I. p. ML 

Die acht und zwanzig Izeds oder niederen Genien sM 
von Ormuzd geschaffen zum Segen der Welt, zu Richtern, 
Schutzaugen des reinen Volkes. Alle Monate und Tage ste- 
hen unter dem Schutze der Amshaspands und Izeds , ja selbst 
die Tageszeiten (Gahs} stehen unter besonderen Izeds. Sie 
sind Wächter der Elemente. Jeder Amshaspand hat sehi Cre- 
folge von Izeds , die ihm so dienen , wie die Amshaspands den 
Ormuzd. Die Izeds selber sind thefls weiblich, theils minn- 
lich. ' ) Unter den in den Zendbuchem genannten Izeds konunt 



1) Hierüber y so wie über das Folgende , vgL Zeadsves^ von Hen- 
ker I. p. 16 ff. 



-^ 203 -^ 

•aeh Mitlm ('oder Meher*)) vor, welcher der Erde Ucht 
und Sonne giebt ^ ausserdem Kkorschid , die Sonne. 

Die dritte Ordnung der Geister sind die unzählbaren Fe- 
niers.*} Unter ihnen werden gedacht die Ideen , die Proto- 
typen , die Vorbilder aller Wesen , abgeprägt aus dem Wesen 
von Ormuzd, die reinsten Ausflüsse seines Wesens. Sie sind 
Airch und durch aus dem lebendigen Worte des Schöpfers, 
daher unsterblich und ganz Leben, stets wirkend und belü- 
ftend. Durch sie lebt Eins und Alles in der Natur. Im Him- 
mel halten sie Wache wider Ahriman, und bringen die Gebete 
der Frommen zum Ormuzd • schützen sie und reinigen sie von 
•Dem Bösen. Auf der Erde an Körper gebunden , vermindern 
sie die Uneinigkeit . und streiten wider die bösen Geister. Sie 
sind den Stufen und der Zahl nach so vielfadi, als die Wesen 
selbst. Ormuzd selbst hat einen Ferner, weil der ewig Selbstp 
aUbidige sich selbst denkt im allmüehtigen Wort, und dieser 
Abdrorii des unergrtindbaren Wesens ist Ormuzd's Ferner. 
Das Gesetz (^Wort} hat seinen Ferner, es ist des Gesetzes 
Geist and Lebenskraft, das Lebendige im Worte, das Wort, 
wie es -Gott denkt. Zerdnscht's Ferner ist eins der schönsten 
ÜMle nach Ormuzd's Würdigung, weil Zerduscht das Gesetz 
iperbreitet hat. Mit der Classe der Ferner ist also die ideale 
Welt gegeben ; Alles übrige ist die geschaffene Welt (]s. Zend- 
aresta L p. 15^. Hier ist also der iiwUmm der Parsenlehre 
Mcht sichtbar. Aber hierbei übersehe man anch nicht die 
ethische Wicht^keit dieser Lehre von den Fernem. Jeder 
PSnrse hat san Prototyp oder reines Urbild, das er im Realen 
aasdrücken, ein Ebenbild Gottes, dem er nachstreben soll, 
dbw ihn in allen seinen Handlungen leiten und führen, sein 
fcftrtindiger Leitstern auf Erden seyn soll, der ihn von jeg- 
Bteen abhalte nnd schütze.') 



I) leh werde weiter vnten die sabe« Persische Lehre vom Milhm 
IM ZuüftBiBienhAng erörtern. 

?) S. ZcndETesta von Kleuker I. p. 12 f. 
y) n, Kackirmf fV. 



-^ 204 -^ 

Auf iholiche Weise or^anisiit , wie das Reich des Ormozd, 
ist das des Ahriman. ^') Auch iuer finden wir sieben Eredews, 
Ahriman mitgerechnet , and unzihlige niedere Dews (über 
sehntansend mal tausend, so wie im Lichtreich auch^. Sie 
sind von Ahriman nach seinem Abfall hervor^bracht, und nach 
dessen Bilde gemacht zor Zerstörung des Reiches von Ormuzd. 
Ahriman nämJich kam , als Ormozd seine Lichtwelt schuf, von 
Süden, mischte sich in die Planeten, drang durch den Fii- 
stem hindurch , schuf den Erzdew Eschem , den Dämon des 
Neides und Widersacher des Serosch (des Ormuzd als irdi- 
schen Königs; vgl. Zendavesta L p. 18. 22), ausgerüstet mit 
sieben Köpfen. Und nun beginnt der Kampf, und wie auf Erden 
Thier gegen Thier kämpfet, so kämpfet unter den Geistern Geist 
gegen Geist So hat jeder von den sieben Erzdews seinen beson- 
deren Widersacher unter den sieben Amshaspands ; sie kommen 
von Norden, und sind an die sieben Planeten gekettet^ sie sind 
männlichen und weiblichen Geschlechts, und j^er ist der Urhe- 
ber besonderer UebeL Sie werden von den unteren Dews , wie 
die Amshaspands von den Izeds , bedient Sie nehmen Thier- 
gestalten an von Schlange, Wolf, Fliege und dergL, ja seihst 
menschliche. Bei dem endUchen Siege Ormuzd's w^erdea sie 
alle zernichtet, nach Einigen mit ihnen auch Ahriman, nach 
Andern aber lebt dieser fort, doch ohne Herrschaft. *— Wie 
sich jener Dualismus nun auch ethisch in der Heroengetekiekte 
fortpflanzt, davon wollen wir in der nachfolgenden Ueber- 
sicht der Persermoral noch einige Beispiele geben. 



Was die Kosmogonie der Perser betrifft,') so tritt andi 
hier Ormuzd als Lichtschöpfer hervor. Er regte sich zuerst, 
und sprach das Wort, Honover, durdb welches alle Wesen 



i) S. Zendavesta I. p. 21 ff. 

2) S. Zendavesta I. p. 3. 5 IT. vgl. Görres M^thengesck. I. p. 224 f. 



^^ 205 ^^ 

geschaffen worden ^ und wdches noch jetzt sein Mond in aDer 
seiner Weite fort and fort spricht Vom unbewegUehen ESmmel, 
Sakhter, ans, den er bewohnt, schuf er den umkreiBeniem 
Himmel , Peiraman , in fünf and vierzig Tagen ; in der Weit- 
flutte, unter der Wohnung des Onnuzd, ist die Sonne, Khorschid, 
gegründet, ihre Sphäre der Khorschidpai. Dann schuf er den 
Mond, der im eigenen Lichte glänzt, und durch den Blahpai 
(Hondgau) Grüne giebt, W&rme, Geist und Frieden. Ueber 
ihm aber ordnete sich der Fixstemhimmd , SaUerpai, nach 
zwölf Thierzeichen. Dann schuf er die mächtigen höheren 
Gdster, die sieben Amshaspands und die Izeds, denen aber 
entgegen Ahriman, der nun hereinbrach, eben so viele andere 
Geister ,^ die Erzdews und die Dews, als deren Widersacher, 
schuf, welche mit einander einen beständigen Kampf bestehen. 
In fünf und siebzig Tagen war die Schöpfung des Menschen 
vollendet, und in dreihundert fünf und sechzig Tagen ist ge- 
schaifen von Ormuzd und Ahriman Alles, was ist; und es ist 
vertheilt die lange Zeit unter den liehtglänzenden Ormuzd 
ottd den lasterverschlungenen Darndj. Wie in Streit und 
Kampf Alles geworden, so soll auch das Leben selbst eine 
Fortsetzung des alten Kampfes der zwei Principien seyn. 
Darum soll der Mensch stets gewaffnet zum Kampfe stehen, 
ond auf die Seite der himmlischen Izeds sich ordnen, durch 
Befolgung des' Gesetzes n. s. w. stets kämpfen mit den Dews, 
»e vernichtend, \M'e das Ungeziefer (^Zendavesta L p. 16. 
vgl. Görres a. a. 0. I. p. 2Sft f.). 

Der Tod ist von Ahriman durch des ersten Menschen 
Sunde in die Welt gekommen; der Tod erlöset aber auch 
den Parsen seines iStreitdienstes gegen das Böse , er verheisst 
dem Gerechten eine Brücke zur Ruhe (s. Zendavesta I. p. 
81 f.). Das Schicksal der Seele selber nach dem Tode ist 
ein Mittelzastand , und zwar ein gedoppelter für den Guten 
and für den Bösen. Ist der Mensch nämlich gestorben, so 
eilen sogleich die Dews herbei und suchen sich der Seele za 
bemächtigen , die ihnen auch zum Raube wird , wenn sie böse 



war; war sie hingegen gerecht und rein, m rind die Iseds 
ZV ihrem Schutze bereit Nun kommt die 8eele vor die grosse 
Brttcke Tsdiinevad , die Scheidewand zwfechen dieser and der 
andern Welt Hier wartet ihrer der grosse lUchter aller 
Menschen nnd Thaten , Ormnzd, mit Bahman , nnd nach seinem 
Urtheilssprache wird die gute Seele von den heiligen Izeds 
Aber die Brücke in ein Land der Freuden geführt , und wartet 
der fröhlichen Anferstehung. Die Bösen aber werden nicht 
Aber die Brocke gelassen, sondern müssen an den Ort, den 
ihre Thaten verdienen« 

Endlich, wenn in dem Streite mit dem Bösen die Zeit, 
welche Zeruane diesem zugemessen hat, abgelaufen ist, soll 
die Auferstehung beginnen. Gute und Böse sollen auferstehen, 
die himmlische Erde wird die Gebeine wiedergeben, und Al- 
les wird in der Reihe, ^vie es zuerst bei der Schöpfung her- 
vorgegangen, wieder hervorgehen. Die Gerechten werden 
zu den Guten, die Bösen zu den Bösen sich gesellen. Ahri- 
man wird in die Finsterniss stürzen, und fliessend Erz wird 
ihn ausbrennen. Die ganze Natur soll so neu werden, wie 
der Mensch nach Leib und Seele. Die Erde wird wie krank 
werden, grosse und kleine Berge werden mit Metallen zer- 
fliessen; durch ihre Feuerströme muss die Seele gehen, um 
so durch die letzte Reinigung völlig geläutert zu werden, 
worauf sie dann einer endlosen Seeligkeit theilhaftig wird. 

Die ganze Natur ist verjüngt, die Hölle ist nicht mehr, 
Ahrimans Reich ist untergegangen, und Ormuzd allein herrscht 
Alles ist ein Lichtreich. Ormuzd mit seinen sieben Amshaspands 
und Ahrhnan mit seinen sieben Dews bringen zuletzt dem Ewi- 
gen, der unbegranzten Zeit, ein gemeinschaftliches Opfer, und 
damit ist aller Dinge Schluss.*} 



1) So nach dem Zendavesta von Kleuker Bd. I. p. 24 f. und Gorres 
Mythengesch. I. p. 235. Vgl. auch Anhang s. Zendavesta Bd. I. Th. 1. 
P- 276—286. 



-^ 207 -^ 

Davon aber wissen auch die Griechen. Man vergleiche 
ir die schon oben von uns angeführte Stelle des Plutarchus 
i Isid. et Osirid. cap. 4T. p. 809 sqq. p. 514 sqq. Wyttenb^ 
es heisst: «dann gehe Ahriman ganz und gar unter, dann 
erde die £rde gleich und eben. Ein Leben, Ein Staat, Eine 
prache vereinige dann die Gesammtheit der gltickseeligen 
enschen.» Hierauf fugt er das Zeugniss des Theopompus 
i^ dass nach der Magier Meinung in abwechselnden Perio- 
m von dreitausend Jahren der eine Gott siege, der andere 
iterlfege, dann kriegten sie wieder dreitausend Jahre mit 
nander, und einer zerstöre des andern Werke. Endlich 
hwinde der Hades Qdnok$i7tBo9cu top gL8i)p)^ und alsdann 
Srden die Menschen gläcklich seyn , sie würden keine Nah- 
ing nöthig haben, und keinen Schatten machen. Hiermit 
»-Reiche man nun die Urkunden der Parsen , z. B. Izeschne 
a XXX. p. 118*) und den Anhang zum Zendavesta Bd. I. 
h. 1. p. 139 und Bd. H. Th. 8. p. 8(k nr. 18S und Foucher 
lendaselbst Bd. I. Th. 2. p. S88 ff. 

1) ,,Wenti der Stief, def Erstgeschafltene d6r C^schaff^enen , zur 
de wiederkehrt, «o wird die Erde nichts verlieren: und beim Binbmche 
s liVeltebdes wird selbst der Grundärgste aUer Darrands rein^ herrlicli 
d himmlisch werden. << Vgl. Ha XXXI. p. 120t ^^Dieser Ungerechte, Vn-* 
ine, der nur Dew ist in seinen Gedanken , dieser stockfinstere König 
r Darvands, der nur Böses fasst • — am Ende *-^ zur Auferstehung •— 
rd er Aveste sprechen, Ormuzd^s Gesetz üben, und es selbst in die 
bhnuogen der Darvands einführen. '' 



208 



Rhik, Idturgie und religiöse Atuhld deä Lehem. 

Da Mithras, wie wir weiter unten sehen werden, gleich 
dem Osiris, jedes Pansen Vorbild und die Gottheit in mensch- 
h'cher Anschauung ist, da sein Wesen Licht und, im beeren 
Sinne genommen, inteUigibles , himmlisches lacht und Feuer 
ist , so ergiebt sich daraus für jeden Perser eine YerkläruDgis- 
lehre zum Licht und im Licht, und der Zweck der ganzen 
Religion ist Liektwerdung ,^) Verklärung der Finstemiss in 
Licht, oder Sieg des Guten durch die ganze Natur, im Leibe, 
Geiste, Hause und Staate. Daher sind Religion, Liturgik, 
Ethik, Politik, Oekonomie, ein einstiges crgamsehea Cronxe und 
durch und durch verbunden. Das Urwort, Honover, Enohe 
verihe , d. i. ich bin , oder fiat , es sey , es ist , der ewige reine 
Wille, brachte die gute Welt hervor, und besiegte das Böse, 
den Ahriman. Die ganze Welt, in so fern sie gut ist, ist 
Ormuzd's Wort^) Dieses Wort wird von Augenblick zu Au- 
genblick ewig gesprochen, von Ormuzd zu den Izeds des 
Himmels , von den Amshaspands , von den Fernern , von allen 
Geistern durch die ganze Natur. Das Wort ist, so zu sagen, 
das Geheminiss , wodurch die ganze Ideenwelt und alles Oute 
besteht. Es ist Quell alles Guten und alles Lebens, es ist 
Schutz gegen alles Böse. Also das ewige Wort (Denken, 
Wollen^ ist Grund alles ;Daseyns, alles Bleibens und alles 
Segens , und Zoroasters Gesetz ist der Leib jenes Urwortes 
von Ormuzd , und jenes heisst selbst Zendavesta , lebendiges 
Wort (s. Zendavesta L p. 86). 

Mit dieser Idee von dem lebendigen Worte hangt aber 
die von der unwiderstehUchen Macht des Gebetes eng znsam- 



O ^* Zendavesta von Kleuker I. p. 25 f. besonders p. 32 f. 

2) Man lese nur iKeschne, Ha XIX. im Zendavesta von Klenker I. p. 107. 



-^ 209 -^ 

len; daher das immer lebendige Wort Gmndprincip 
itürgikj und die beständige Abwechselung und Ablösung im 
nmer unterhaltenen Gebete bei den Magiern; daher die Anord- 
ong, dass in den Tempeln nach den verschiedenen Sonnen- 
tanden und Tagen des Monats beständige Hören angeordnet 
^aren, welche die Magier abwechselnd lesen mnssten. Es 
it gleichsam das auf Erden nachgebetete Wort^ welches nicht 
eriiallen darf, und weiches, unterlassen, die Vernichtung der 
iTelt mit sich bringen wurde. Somit also ist der Hauptinhalt 
m Zoroaster's Liturgik und Ethik: Ormuzd, den König der 
iTelt, erkennen in Keinigkeit seines Herzens, seine Schöpfung 
ichachten, Zoroaster für den Propheten Gottes halten, und 
hrimans Reich zerstören (Zendavesta L p. 89). 

Hierdurch bestimmen sich die einzelnen Vorschriften. Sie 
dien a} auf Ordnung im Himmel und auf Erden. ^3 ^i^ dort 
n grosses System von Abstufungen ist , wie jedes Element, 
de Zeit, jeder Naturkörper seinen Vorsteher hat. Alles ab- 
Bstnft und gemeinsam. Nichts allein ist, so soll es auch auf 
rden seyn. Daher durfte, wie Herodotus (I. 129. ISO} er- 
iUt, kein Perser allein opfern, sondern blos in der Ge- 
imnitheit. Daher ist ferner die ganze Einrichtung und Haus- 
ittnog der Iranischen Monarchie ein Abbild jener himmlischen, 
id daher denn auch hier ein grosses System von Abstufungen, 
welchem Nichts allein steht, sondern Alles eng verbunden 
-scheint j so die Casten, deren sieben gewesen zu sejm 
fteinen, der Reflex der sieben Amshaspands, daher die sie- 
m verschiedenfiirbigen Mauern von Ekbatana, daher die von 
scfaemschid angeordnete Eintheilung der Nation in vier Clas- 
» nach den vier Elementen^} u. s. f. Es wärde uns zu 
eit fähren, wenn wir im Einzelnen zeigen wollten, wie diese 
rundidee in allen Einrichtungen, Aemtem u. s. w. der gros- 

1) S. Zendavesta I. p. 39 f. vgl. Herder'« Von^elt p. 239. 240 f. 

2) S. Muradgea d'Ohsson^s Gesch. der ftlteflien Persischen Monar- 
le p. 24. 

Creuzer's deutsche Schriften. I. 2. ^^ 



-^ 210 -^ 

sen Persischen Monarchie durchgeführt ist, und wir mü 
was diesen Punkt betrifft , auf die Zendbucher selbst un 
das schon oben angeführte Werk des Brissonius de ] 
Pcrsarum principatu (ed.LederUn, Argentorati TtVk &} 
weisen ; vgl. auch Heeren Ideen I. 1. p. 477 der dritten f 
und Anbang z. Zendavesta Bd. 11. Th. S. p. S4. Sodan 
gehen die Religionsgebote auf Reinheit , und zwar des L 
und der Seele (des Gedankens, des Wortes — Wahrhaftig] 
Reinheit des Leibes an sich und gegen Andere. Dazu gab € 
grosses Ritual von Verfügungen. Auch der Leib an sicl 
rein gehalten werden, daher muss der Parse Reinigungei 
Waschungen vornehmen. ^} Die Elemente , Wasser , F 
Erde , Luft , muss er gleichfalls rein halten und darf sie 
verunreinigen ; daher das Penom , der Vorhang des Mu 
damit das Feuer nicht durch den Odem verunreinigt v 
(^vgl. Zendavesta 11. p. 202 mit dem Kupfer des Parsen 
ein gewisses Gebet, das Kosti, verrichtet; vgL Mura 
d' Ohsson Geschichte u. s. w. p. 58}, und wer mit dem M 
das Feuer ausbläst, verdient den Tod. Potb oder Pare§ 
ja selbst das Liehtland, die helle und reme Provinz, und '. 
selbst heisst der IClare , so wie Zoroaster der Goldstrahl 
Wie sehr aber diese Idee der Reinheit als ein Hauptgedi 
der die ganze Persische Religion durchdringt, hervoi 
beweisen viele Stellen des Zendavesta, wie z. B. Izes* 
Ha V. VI. im Zendavesta von Kleuker I. p. 88. vgL Hi 
ebendas. p. 86. Hiermit hängt zusammen die Verehrung 
Elemente^ wofür uns Herodotus I. 131 ein wichtiges Zeu, 
liefert: «Die Perser, sagt er, opfern der Sonne, dem M( 



1) So hatten die Perser eine Initiationstoufe, welche sur Proie 
taufe der Juden Anlass gegeben haben kann. S. Beugel über das 
der Judischen Prosclytentaufe p. 32. p. Hü und die daselbst angefä 
Klcukcr Anhang zum Zendavesta n. 3. p. 105 und Tychsen de 
Zoroastr. ap. exterr. geott. Yestlgta^ in den Commentt. fik»€. Heg. 
tlng. T. XII. p. 14. 



r Erde, dem Feuer, dem Wasser, den Winden, diesen 
eiB opfern sie von Alters her.'} Nachher haben sie auch 
lernt der Urania zu opfern» u. s. w. Hier zei^ sich also 
MünoHr and Slemeutendienai (vgl. Kleuker negaixd nr. 10. 
ihan^ zam Zendavesta Bd. ü. Th. S. p. 18}, und darunter 
sonders Wasser- und Feuer dietut, bei welchem letztern ge- 
08 der örtliche Anlass, den die Naphthaquellcn in Aderbid- 
lian gaben, wovon wir bereits oben geredet, nicht übersehen 
»rden darf. Es unterschied aber der Perser zwischen Feuer 
» Materie und zwischen Urfeuer , von welchem jenes ein 
Id und aus diesem geworden ist^} Letzteres ist das Band 
r Einigung zwischen Ormuzd und der Zeit ohne Gränzen, 
d der Saame, woraus Ormuzd alle Wesen geschaffen hat. 
I ist der Antrieb aller grossen Thaten der Yorwelt, der 
^Identhaten des Dschemschid u. s. w. Alles Gedeihen in der 
itnr entspringt aus Feuer und Wasser; jenes ist männlich, 
ises weiblich, und aus beiden ist das Licht entstanden (^s. 
üidavesta von Kleuker I. p. 148 — 157. vgl. Anhang dazu 
L IL Th. 2. p. 51 } — daher also Feuerdiemt. Darum brannte 
»er zum Dienste des Urfeuers, als des Ausflusses von der 
rafl des Ormuzd und als seines Symbols, in allen Hausern, 
l allen Bergen ; daher wurde vor dem Könige das heilige 
mer vorausgetragen j daher errichtete man heilige Feuer- 
lerde oder Tempel zur Feuerverehrung , Dadgaha, und daher 
hrte Jene so viel umfassende FeuerUturgUc.*^ Der höhere 
na dieses Feuerdienstes ist (s. Zendavesta 1. p. 47} darum 



1) Payne Knight Inq. into tho sjinbol. lang. %. 92. p. 69 nennt die 
ner in Betracht dieser Einfachheit ihres alten Religionsdienstes gut: 
p PtarUaner des Beidenthums CThe Perstans, wo were the pirimitlsts or 
rlCans of Heathenlsm etc.)* Er redet dort von dem fiinatischen Ver- 
irtn des Kambyses gegen die Aegyptischen Religionsanstalten. 

2) S. Zendavesta von Kleuker I. p. 44 f. nnd Anhang II. i. p. 127. 

3) Hiervon giebt das Grabmal des Darius Hystaspis in seiner ober- 
m Abtheihing eine anschauliche Vorstellnn?: s. unsere Tafel XXXII. 

14* 



-^ 212 -^ 

also nur symboliscli. Denn nicht das materidle Feuer wird 
verehrt 9 sondern das Prineip desselben, das inunaterteUe^ 
intellectnelle Feuer, das Urfeuer, Qrmuzd in seiner Ctotte»- 
kraft. — Endlich c} gingen jene liturgisch-politischr-etiiischen 
Vorschriften auf Fleiss. Es liegt hier ein System der Landes- 
cnltur unter Bfldem von Licht und Finstemiss. Ormozd ist 
der Hervorbringer alles Segens (Lichtes}. Alle Nahrung und 
alles Gedeihen ist durch sein Wort Sein Stellvertreter abar 
auf Erden ist der Onnuzddiener. Folglich soll er die Schlan- 
gen — die Bflder des Ahriman — und andere schädliche Thiere, 
Ungeziefer und Unkraut, durch Fleiss ausrotten, Reinheit, 
wie in allem Uebrigen, so auch auf seinen Aeckem, hervor- 
bringen und erhalten. Dächern, der erste Cnltivirer von Per- 
sien, ward daher im Mythus symbohsirt als Spiegel der Soime, 
oder als das Sotmergakr selbst, das ja eben mit dem agrar^ 
sehen Systeme zusammenhängt Dschem hat zuerst mit den 
Sonnendolche, mit dem goldenen Dolche, die Erde gespaltet; 
daher auch die Vorstellung von Iran, als dem Abbilde des 
Lichtreiches von Ormuzd, dem Lande des Gustasp, dem Lande 
des Fleisses und der Agricultur , und die von Turan , als den 
Lande der schweifenden Nomaden, dem sichtbaren Bilde von 
Ahrimans Reiche, dem Lande des Afrasiab, wo Unordnung 
und Unheil herrscht Daher auch die Paradiese der Perser, 
worin der Regent eine Lichtschöpfung darstellte, und gleich- 
sam ein Abbild von dem im Gesetzbuch idealisirten Lran lie- 
ferte. Eine Hauptstelle der Zendurkunden (JVendidad I Far^ 
gard. Zendavesta Th. II. p. 290} druckt diese Ideen so ans: 
«Ormuzd sprach zu Sapetman Zoroaster: Ich habe, o Sapetman 
Zoroaster, einen Ort der Annehmlichkeiten und desUeberflusses 
geschaffen ; Niemand vermag einen gleichen zu machen. Kfime 
diese Lustgegend nicht von mir, o Sapetman Zoroaster, kein 
Wesen hätte sie schaffen können. Sie heisst Beriend Feeigo, und 
war schöner als die ganze Welt, so weit sie ist Nichts glich 
der Anmwih dieser Lustgegend, die ich geschaffen habe. — 
Die erste Wohnstatt des Segens und Ueberflusses, die ich. 



er ich Ormozd bin, ohne alle Unreinigkeit schof, war Eeriene 
eedjo.» — Daher die Persischen Könige und Grossen sich 
Bdi wohl der Coltnr des Bodens persönlich widmeten. Xe- 
ophon (Oeconomic lY. 84) fuhrt ein solches Beispiel an: 
yms der Jüngere schwört in seinem Garten oder itagdSei- 
9$ *) dem über den Fleiss des Prinzen verwunderten Lysander 
eim Blithras, dass er nie zu Mittag speise, ohne in seinem 
arten selbst gearbeitet zu haben. 80 ward im ganzen Ma- 
iersystßme der fleissige Landmann als die Quelle des Segens 
strachtet (s. Herder's Vorwelt p. 2SS}. 

Zu diesem Cultnrsystem*war nun das ganste Dogma beför- 
^rlich. Bestimmte Genien standen der Erde und ihren Producten 
ir. Wer die Erde bauete , der verehrte eben dadurch die Sa- 
mdomad (s. oben p. SOS); Khordad liess ihm Wasserbuche 
essen, undAmerdad schützte seine Bäume und Pflanzen. So- 
mn war die Pflichtenlehre auch gebaut auf den ganzen Kaien- 
iry) Es hatten nämlich die Perser ein Sonnenjahr oder Dscliem- 

1} Veber dieses ursprünglich Persische Wort> welches auch in den 
ftteren Schriften des alten Testaments vorkommt, und einen üavm- 
^iergarien, Pttrk, bedeutet, vergleiche man Heeren's Ideen I. 1. p. 
4. ßesenlus Hebräisches Wörterbuch p. 941 unter dem Worte &^*1&) 
ardes). Xenophon Oeconom. lY, 13. Pollux IX, 13 und was sonst 
th Sturz anführt im licxic. Xenophont. m. p. 417; femer Biel im thesaur. 
Qolog. y. T. m, p. 19. 20. Suidas s. v. Zonaras Lex. Graec. s. v. p. 
Ol sqq. ibiq. Tittmann. Auch haben von diesem Worte, sowohl in 
ler, als in seinen andern verschiedenen Bedeutungen, Wetstein, Wolf 
d andere Ausleger des N, T. zu Lucas XXIII. 43 (ari/ii(ior fin t/ioo 
g iv xf itagaStiw^) ausführlich gehandelt. S. Kuinoel Commentarr. 
N. T. Tom. n. p. 671 sq. 

Der in obiger Stelle des Yendidad so sehr hervorgehobene Bestritt 
r Anmuth und Lust erinnert an das Ebr&ische Eden^ welches dasselbe 
deutet; vgl. Rosenmüller altes und neues Morgenl. I. p. 7 f. (zu Genes. 
S)y der über Letzteres weitere Erörterungen giebt. 

2) Ein alter Persischer Kalender steht bei Byde Relig. vett. Perss. 
p. 9—16. — Ueber Dschemschid^s Kalender vgl. Muradgea d^Ohisson 
»eh. der ä. P. M. p. 27. 32 ff. 



schid's Jahr von SM Tagen nnd 5 Schalttagen , nnd die Onuid- 
idee dieses Jahres war eine fortdauernd sieh efdufiekehüh SeU- 
pfung (s. Ilerder's Vorwelt p. SSO f.}. Es wurde eingetheflt 
in sechs GaAoitAar« (Jahreszeiten) und in kleinere Abschnitte. 
Der Tag war gleichfalls eingetheflt in Gdhe (Zeiten^, nnd 
jeder Abschnitt , des Jahres wie des Tages, hatte seinen 
himmh'schen Vorsteher unter den Amshaspands und IsedSi so 
welchem man betete , dessen Fest man feierte u. s« w. In den 
fünf Schalttagen verehrte man die Ferners, die Jenen vorstan- 
den , ein FeU aller Seelen ( s. Mur. d' Ohsson Gesch. o. s. v. ; 
p. 45 f.}. Das ganze Ritual und der ganze heilige JNenst der ' 
Magier hing an diesem Kalender, und man kann alle Vor- T 
schritten des Zendavesta als nach diesem Kalender angeordnet 
betrachten. Mit diesem Allem hangt nun zusammen die Vor- 
schrift der fFachsamkeit und Streitfertigkeä. Gleichwie Ormozd ^ 
den Ahriman besiegt^ und stets gegen alle Werke der Fm- 
sterniss wachsam und genistet ist. also ist auch Wachen und 
JFehren ein Hanptgebot der ganzen Perserreligion.*) 

Wir sehen also hier ein Religionssystem nnd einen Cultus, 
welche beide, ursprünglich ausgegangen von der Vorstellung 
der lebendigen Haushaltung der Natur, späterhin, wiewohl 
schon frühe nach unserer so jungen Geschichte , der Staats- 
ordnung und Abstufung in einem monarchischen y orientalischem 
Reiche zum Vorbilde £:eclient haben . so dass der Ordnung der 
grossen Fürsten und der übrigen Staatsdiener von Iran die 
Ordnung der Geister als bestandiges Musterbild vorschwebte. 

Vergleichen wir nun noch kürzUch die Persische ReUgion i 
und ihre Wirkungen mit der Indischen, so finden wir in Indien ' 
jenen Dualismus, der sich mehr oder weniger in allen Reli- 
gionen zeigt , in dem ganz nationeil gewordenen Glauben von 
der seeligen Vereinigung mit Qott diesseits und jenseits, wo 
nicht ganz untergegangen, doch sehr besänftigt; keinen Dua- 



11 Vendidad, ein heiliges Buch, ein Theil des ZendATesto, heisst 
ja selbst : Kampf mit dem Ahriman. 



-^ 215 -^ 

iniis der Ansicht und des Cultus. sondern eine seelige Ei- 
^ang mit Gott. Daher der ganze Cultus auf Ruhe gerichtet 
:, und das Leben nur im Untergange des abgesonderten 
^bens, in der Beschaulichkeit, besteht, d. h. in der Aufopfe- 
Dg des Individuums und seinem Versinken in die Universa- 
lt Der Mensch soll sich contemplirend in einen solchen 
■stand versetzen, dass er das Bewusstseyn dieses abgeson- 
rten Daseyns aufgiebt, und seine Individualitat durch Be- 
liaulicbkeit versenkt in den Schooss des Ewigen. Ganz 
ders bei den Persem; hier ein Duahsraus, der diesseits 
ine Ruhe gestattet; hier Aufregung der Kraft, Widerstand 
d Thätigkeit ; darum aber auch das Parsen volk lebendig und 
hrig , wie die Elemente , die es anbetete ; und darum musste 
ihm, so lange es diesem Charakter getreu blieb, vorzüg- 
h auch geUngen, seine Herrschaft über ganz Asien auszu- 
eiten, und lange Zeit im alleinigen, ungestörten Besitze 
rselben zu verbleiben. 



2t6 



Charakter dar SgmhoUi und MgMk. 

Der Oeisi ihrer Mgthen erg^'ebt sich theils aus der obigen 
Darstellmig ihrer Rel^ion, theils ans den Exempebi ihrer 
S^fmboUk, welche nun folgen sollen. Betrachten wir aovör- 
derst den Charakter ihrer Symbolik, so konnte einer tigent- 
liehen Konstallegorie, im reinen Sinne geAsst, die Persische 
Beligion nicht günst^ seyn. Denn sie war JVoter^ und radiär 
Memeniendiefut , verbunden mit OeeÜmdiefui oder SaUiumn, 
wiewohl auch dieser nrspronglich, wenn wir auf den Geist 
der Lehre sehen, sehr rein war. Es war und blieb die Idee 
von Urlieht, Urfeuer, Vrwaaeer, herrschend, deren Symbole 
aber hauptsachhch (^denn es gab auch noch andere, wie wnr 
nnten sehen werden) das materielle Feuer und Waseer selbst 
waren, und nicht sowohl menschlich gedachte und gebildete 
Götter. Herodotus I. 181 bemerkt auch (nach Kleuker's Auf- 
legung *)}: er glaube nicht, dass die Perser nach Art der 



1) S. Anhang zum Zendavesta Bd. n. Th. 3. p. 5 und 13. Ueber 
das Verbot der Tempel, AUäre und Götterbilder bei den Persern ver- 
gleiche man Winckelmann^s Gesch. der Kunst I. p. 156 der neuesten 
Ausg. mit den Einschrfinicungen von Fea in den Anmerkungen p. 376 f. ^- 
Gibbon (History of the decl. of Rom. emp. Vm. 1. Bd. II. S. 14 f. der 
Deutsch. Ausg.) fuhrt zum Beweise der philosophischen Einfalt des Per- 
sischen Gottesdienstes die Stelle Hcrodot. I. 131 an, und fugt sodann bei: 
y, Dennoch beschuldigt sie eben dieser Schriftsteller, im fichten Cteist eines 
Anhängers der Vielgötterey, dass sie Erde, Wasser, Feuer, die Winde 
und Sonne und Mond anbeteten. Allein die Perser haben jederzeit der- 
gleichen Beschuldigungen widersprochen, und sich über die zweidentigeii 
Aeusseningen erklärt, welche denselben einen Anstrich von Wahrschein- 
lichkeit geben konnten. Die Elemente und besonders das Feuer, das laicht 
und die Sonne, welche sie Mithra nannten, waren die Cregenstände ihrer 
religiösen Verehrung, weil sie dieselben als die reinsten Sinnbilder, die 
edelsten Erzeugnisse und die mächtigsten Wirkungsmittel der göttlichen 



Griechen Oüter erkennen, die ehemaU M em chm g0W9§em. 
Anuerdem bezeug derselbe, und mit ihm grtostenlheils fiber- 
cinfltimmend Strabo, Xenophon und andere, dass die Perser 
AtfdM Bilder, Ten^el und AU&re errichtet; und wird diese 
Stdie im Sinne der Griechen gehörig erklärt, so hat sie ihre 
kistorische Wahrheit. Alles dieses aber ist der eigentlichen 
Konstsymbolik hinderlich. Allein man würde doch äusserst 
idilscfaliessen, wenn man deswegen glauben wollte, als habe 
es den alten Persem an Symbolen gefehlt ; im Gegentheil , sie 
katten, wie wir zum Theil schon gesehen haben, und noch 
sdien werden , deren viele , und waren in mannigüMher Räck-* 
aeht auch hierin reich (vgl. auch KJeuker im Anhang zum 
Zcndavesta Bd. II. Th. 2. pag. 9t. not. SS). Um den anschei- 
Moden Widerspruch zwischen den Zeugnissen von der At- 
jUU de% aU-Permchen SemefdendieniteM und dem BeieUktim 
ihrer Mythik und Symbolik nach andern Nachrichten zu ver- 
■tehen und zu heben , muss man nicht ausser Acht lassen , dass 
die Yolksmasse, die geringeren Casten von Parsis od^r Far^ 
astan im engeren Sinne, von jeher immer emer höchst ein- 
flMhen Naturreligion und Elementenverehrung zugethan waren 
md blieben, dass aber das ideen- und cirimonien- auch bil- 
derreiche Ritualgesetz der Medisch|-Baktrischen Religion von 
Hm und Zoroaster frühzeitig von den höheren Persischen 
Casten und Königen mit ihrem Hofe aufgenommen und beibe- 
halten ward , dass mithin dieses vielleicht eben so alt als jenes 
ist, und nicht nur die Zeugnisse der Griechen seit Ktesias und 
Theopompus , sondern auch die der Zendbücher und der histo- 
rischen Sagen bis auf den Schahnameh für sich hat. Vgl 
oben p. 18Q. not 1. 

Nach diesen Yorerinnerungen mögen nun einige Beispiele 
Persischer Symbolik folgen, wobei wir jedoch bemerken. 



KnifIt und Natur betniclicctcn (Hyde de rells:. Per», cap. S').^^ Hierauf 
cedenkt er der ume^irechten Verachtuni^, der ihre rnterdrückcr , die Mo- 
kancdanery als abgöttische Feueranbeter sie Preis geben. 



-^ 218 -^ 

dass ^sbuge der kedeotendsten Pejnnscheii Bilder, wie s. B. der 
Stier, der Hund, in den folg^enden $$. ihre Erklärung finden 
werden. 

Kavörderst waren die verschiedenen himmlischen Wesen 
oder BekteTf die AmshaspandS) Izeds und Ferners, durch 
TUere symbolisirt,'} and es war die Thierwelt ein Abbild 
der Oeisterwelt Wie dort Almman mit seinen bösen, von 
ihm geschaübnen Dews (der Nachtschöpfiing} dem Ormozd 
nnd seinen guten Geistern (der Lichtschöpfdng} entgegen 
steht, so auch stehen, von dem Augenblick, als Ahriman in 
die sichtbare Lichtschöpfnng emgedrungen , wie eine irdische 
Licht- und Nachtschöpfung, gleichermassen zwei Körper - 
oder Thierwelten einander gegenüber, in unabsehbarer Feind- 
schaft und Kampf mit einander begrilfen , so dass alle Thiere 
entweder reine, d. L Thiere des Ormuzd CndtzUche}, oder 
unreine, d. i. Thiere des Ahriman (^schädliche) sind.*) Und 
wie die ideellen Licht - und Nachtreiche ihre Oberhäupter ha- 
ben, Ormuzd und Ahriman, so haben auch die Licht- und 
Nachtreiche der Thierwelt ihre Oberhäupter, Vorsteher und 
Beschützer, welche die Phantasie auf die sonderbarste Weiw 
bildete, indem sie ihnen geistige und körperliche Kräfte, wd- 
che weit über die des Menschen hinausreichten , beilegte, 
ohne ihnen jedoch die Thierform zu nehmen , die man vielmehr 
aus verschiedenen Theilen der guten oder der bösen Thiere 
zusammensetzte. *) Dies sind Jene Wundergestalten und Fa- 
belthiere des Orients , die wir noch Jetzt an den Mauern der 

Paläste von Persepolis sehen , und deren Abbildungen mit den 

-~ - - --- --- — -, — — - - — — . - - — - — — - 

1) S. Kleuker Anliang zum Zendav. Bd. II. Th. 1. p. 87. nei. 53. 

2) Vgl. Plat. de Iflid. e« Osirid. p. 369 F. p. 5l4 Wyttenb. : ^ AmO^ 
9on Thieren, glauben sie, geh&rten die eimen, ^üi Humde, Vogei, Lmmd" 
igel, dem guten Wesen an, andere, wie die Wasierigei, dem bösen.^ 
Vgl. dazu Kleuker^s Bemerkangen im Anhang zum Zendavesta Bd. IL 
n. 3. p. 84 und Anqneiil du Perron ebenda«. Bd. 1. Th. 1. p. 124. 

5) S. über das Bisherige besonders Rhode über Alter und Werlh 
einiger morgenlftnd. Urkunden p. 83 f. 



-^ 219 -^ 

Beadbrefbm^en der Zendbücher und des eben daran zwar oft 
verschrieenen und getadelten Ktesias^ aus weichen andi an- 
dere Griechen sie hefern, übereinstimmen. So war das Ein- 
korn (^oder der unlde Esel des Ktesias, s. dessen Indic cap. 
iS) ein Symbol der ganzen reinen Thierwelt , und darauf be- 
zogen sich alle die verschiedenen Attribute , die ihm beigelegt 
waren, so wie seine Gestalt aus Theilen der nützlichsten und 
reinsten Thiere zusammengesetzt war, als Ochs, Pferd, Esel 
(s. Heeren Ideen I. 1. p. ttd und Tychsen ebendas* p. 616 f. 
der dritten Ausg. und Rhode über Alter und Werth einiger 
DorgenISnd. Urkunden p. 86 f. 80 f.}. Ihm steht gleichsam 
entgegen als Oberhaupt der Ahrimanischen Thierschöpfung 
das von Ktesias (Indic. cap. 7} und nach ihm von Aelianus 
(H. A. lY. Sl) beschriebene und mit dem Namen MartichoroM 
oder Mentehenw &rger ' } bezeichnete Thier, dessen Gestalt aufe 



1) Dass diese Uebersetsung des Ktesias riclitlg sey, hat Tyclisen 
m Heeren's Ideen I. 1. p. Gll gezeigt. — Ma^txogaq. Heber die ver- 
adüedene Schreibung dieses Namens s. Jacobs ad AeUan. Hist. AnimaU. 
TV, 21. p. 143, welcher auch die verschiedenen Meinungen der Neuem über 
Aeses Fabelthier Busammengestellt hat, mit Verweisung auf Baehr ad 
Cteslae Fragg. p. 2^ sqq. und p. 354. — Aber in der Vergieichung der 
Mäiieien Monymente mit den Saekricktem der Atten iti hierbei Manchen 
Hkr schwankend, und namentlich scheint mir folgende Bemerkung des Herrn 
Ovigniaul (Notes et Eclairciss. p. 720) sehr richtig: „Nons ne connalssons 
pM non plus, pour notre compte, de figure de ce genre qui, par la t^e hu- 
■aliie, pulflse-^ra completement identifiee avec \e M4irtichor€U dont par- 
lent les anciens. Ce qu^il y a de plus sür, c^ est que Fune de flgHres 
decrites Cpl- XXIV. 122, nümlioh der Kupfertafcln seines Werks) est le 
tjpe antiqne du flimeux grilbn que nous foit Gonnaltre Ellen (H. A. rv. 26) 
dapres Ct^sias [Tid. Fragmm. p. 300 sq. ed. Baehr.] et quo Mr. de Ham- 
mer (Heldelbb. Jahrbb. d. Lit. 1823. p. 92) veut rctrouver aussi dans lo 
Rock des modernes orlentaux. n n' est pas 6galement certain que les Der$ 
•olent repr^sentes par des ^rliTons, rar le 2^ndayesta n'en fiftic aucnne 
mentioti. Au moins les griffons sont-tls des animaux ahrimaniens, ce 
qul revient a peu pres au meme.^^ Auf jene aus Ker-Poller entlehnte Ab- 
bildung bei Guigniant (pL XXfV. 12?) so wie auf mehrere Kampftrorst«11ungen 



220 



wundwlMurste «os Meiudien-y Löwen* und Scoriiioii8tlieile& '} 
snsammenigefletaBt ist 



der oberasialischeii Denkmale habe Ich neulich hingewleeen bei BrUAmag 
olnes unedirten Oemmenbildee, welches die Erlegung eines gefligelteB Ua- 
thiers darch einen mU der Persischen Tiare bedeckten Helden vorstellt Cs. Shar 
Oemmenkunde S. lOi ; an nr. 26 der dort beschriebenen geschnittenen Steine 
am Sarg der h. Elisabeth InMarbarg). «- DenJYon mir früher als Martichoras 
beaeichneten geflügelten Stier mit dem Menschenhaupte und Diadem aaf 
einer andern Gemme (Bilderheft aar Symbolik 2, Ansg. Tafel L nr, 14) 
und das gleiche Bild In einem Basrelief von Persepolls Ca. die TItelTig- 
nette zu Heeren's Ideen I. Tbl« 1« Abtheil. 4. Ausg. und pl. XXm. nr. 
119 bei Gulgniant) hfilt dieser letatere Gelehrte vielmehr für die Voratel- 
Inng des Äbudad-Kaiomoris, d, h, für die verbundene Figur des Urstlers 
mit dem Urmenschen ; wobei ich augleich aber auch auf die von die- 
sem Gebilde vermuthlich herzuleitende Abstammung der auf Griechi- 
schen Münzen so hfiuflgen Stierbilder mit Menschenkopfen aufinerksam 
mache, v. Hammer C Wiener Jahrbb. Bd. LXXIY. S. 80) vergleicht damit 
das Thier, das Ezechiel (I. 10, X. 4) am Chobar CChoaspes) gesehen, 
nennt es den Persischen, hernach EbriUschen Cherub, und bezeichnet es 
als ein symbolisches Thiergebilde mit Menschenhanpt, Adlerflugeln uad 
Stierhufen, so wie es dort am Eingang der Ruinen von Persepolls stehe. 

1) Scarpione und Schiangen als Symbole überhaupt von schfidllchesi 
verderblichen Dingen, besonders aber von schlauen, gefährlichen Oe§^ 
nem, kommen auch In den Christlichen Religionsurkunden vor; so s. B. 
Lac. X. 19 9 wo man vergleiche Kuinoel Commentt. in N. T. Tom. DL p. 
449, welcher die nothlgen Nachwelsungen hierüber in der Kürze glehi. 
So werden auch In der Apokalypse IX. 3. 6. 10 die Verderben brlngeadea 
Heuschrecken vorgestellt mit Scarpunutheilen, oder überhaupt den £teor- 
pionen ähnlich. 

Es erinnern uns diese merkwürdigen Thiercompositlonen von U- 
wenleib, Flügel, Menschengesicht, Diadem u. s. w. wegen ihrer grossen 
Aehnlichkeit an die Aegyptlsche Sphinx, der man eine ähnliche Bedeutung 
gab; s. Cap. m. g. 21. Es Hesse sich vielleicht hiermit die Nachricht des 
Diodorus (!• 46) vereinigen, dass die von Kambyses bei der Eroberung Ae- 
gyptens von dort weggeführten Künstler die Gebäude zu Persepolls erbaut 
hätten. Doch erklären Wesseling und St« Croix diese Stelle so, dass die 
Aogyptischen Künstler diese Paläste blos ausgeschmückt hätten ; s. Fea zu 
Winckelmann's Gesch. der Kunst I. p. 378 der neuest. Ausg. Auf Denknaies 



-m. 22t ^^ 

Ferner Ovaren die wackBomen imd iehoifiehemle» Geister 
dwcA FSgel symbolisirt Sie gehörten der reineren Sehöpfong 
ä^^ und waren Feinde des Ahriman nnd seiner Schöpfong; 
daher Onnnzd durch den HaUeU oder auch dordi den Adhr^'y 
versinnlicht ward. Audbi sie hatten ihr Haupt, den Vogel 
Barotek, vielleicht ein Bild der Zeruane jikeren», der Zeä 



kommt jedoch saweUen AegyptUeke and "PersischB Art vermocht yoTj wie die 
Beispiele, welche Cayliis Recueil d' Antiqq. Tom. L pl. 18. p. 55.56 und Tom. 
m. pL 12 giebt, beweisen, welches auch aus der Herrschaft der Perser 
ttber Aegypten erklärbar ist; s. Fea ebendas. p. 378. — Aach die Wun- 
derthiere, die in der Offenbarung Johannis beschrieben werden, haben 
Yiele Aehnlichkeit mit diesen Persischen Thiercompositionen. Bfan yer- 
gleiche nur XIIL 1 und daselbst Eichhorn (Tom. II. p. 109), der mit 
Hecht an diese Persischen Wundergestallen und Ungeheuer erinnert. 
Dahin gehört auch der Drache, der cap. XU. 3 sqq. beschrieben wird. 

1) Ueberhaupt war der Adler ein königliches Symbol bei den Per- 
sern. Sine sonderbare, aber an orientalischen Höfen wohl nicht uner- 
hörte Sache linde ich beim Olympiodorus , die ich meinen liosem nicht 
vorenthalten darf. Er erzahlt iixi Comnu in Plat. Alcib. I. cap. 16. p. 153 
meiner Ausg.): Ausser andern Schönheitsmitteln, die die vornehmsten 
Eunuchen bei den jungen Prinzen des Königs angewendet h&tten, sey 
auch dies gewesen, dass sie die Nase in eine gekrümmte Form zu brin- 
gen und einer Habichts '" oder AdUmase nachzubilden versucht hfitten, 
anzudeuten, dass der Knabe zum Herrschen bestimmt sey. Denn auch 
der Adler, der König der Vögel, habe eine solche Nase. Ol dwovrtt^, 
heisst es, aQunoi %mv tvpovx^^ ~~' vu tovtov ftö^ c2c naXXöq SKmlaT%ova$ 
Y^vniiP Mal Ti}i' glpa notovpvtqj irdtutpu/um* %o ^yiftopiuop ilvtu nal 
ßaatXtnop %6p natSa* ovtm yuQ ual o a€r6q yqvnoq ioT$ iq ßaotXt^ 
aoc. Darauf macht er jedoch noch den Znsatz: «•) ita Kvqop dl tovto 
btn^Stvop fQvnop ytpofupop' 6 di ßtufdmtmnoq tfP ual ng^foxatoq- Dies 
letzte muss aus Herodotus m. 89 erklärt werden, wo die Perser den 
CyroB Vater nennen. Darauf spielt (gelegentlich bemerkt) der Philosoph 
Proclus ein Piaton. Alcib. L p. 150 sq.) an: *ja3iu t» ßovXnm mvxf 
(don Sokrates beim Plato im Alcib. I. p. 302 Bekk.) Kv^ iptav^ xoi 
^i^c* 1} hutdii KvQoq fthp ip&Xap^Qti7top »al MiiiifgoptHfjp if^offävif- 
aaro ßaatXtiap* Sig^ dl ipXtyfuUpüvaap nal vßqunmijp' dto 6 ftkp «raT^^ 
tmo twr vjnpcowr inmPOfiul^ßt%a ». t* 1. 



-^ 222 -»^ 

ohne GrOmim. Ueberhanpt waren die Vögel, als aoldie, die 
in der N«lie der Götter schweben , DoUmet$ek€r dm Ummwb. 
Man hielt dergleichen in goldenen Kifigen m könig^cben 
Palaste zn Babylon unter Aufeicht der Magier 9 und nannte 
sie Ztmgen.*') 80 schweben, wie Philostratos (Vit Apollon. 



1) S. Kleuker Anhang zam Zendavesta Bd. II. Th. 1, p. 104. Wer 
denkt hier wohl nicht an die oUtvoi oder Weissagevögel der Griechen und 
an die oscines der Romer? DorvUIe ad Charit, p. 560 Llps. glebt mehrere 
Nachweisnngen davon, dass die Perser, wie die Bomer, aus den Vögeta 
omina zu nehmen pflegten , dass sie auch solche , in Käfigen TerwahrC, 
im Kriege mit sich führten. Es Ist eine richtige Bemerkung GolgnlMit^s 
(Notes p. 721), dass, so Mie der Zendavesta nicht die Beschreibung «Her 
symbolischen Thiere giebt, die uns die Bilddenkmale vor Augen stellen, 
hinwieder andere von ihm beschrieben werden, welche sich auf den Mo- 
numenten noch nicht gezeigt haben. Zu diesen letzteren gehören die 
vier sogenannten Vögel des Himmels: Eorosch, Hufraschmodad, Eoros^ap 
und Asehtrenghad. Unter diesen Umstanden darf man sich über die Ver- 
schiedenheit der Deutung nicht wundem. Den Eorosch stellt v. Hammer 
(Wiener Jahrbb. der Lit. IX. S. 64. vgL denselben in den Heidelbb. Jahriib. 
182:5. p. 93) mit dem Aeg^iitischen Ugm^ d. h. mit dem heiligen Vegd 
hcct' f^x'!^ und mit dem Garudlui der Indier zusammen, und bezeichnet 
ihn als Habicht; im Hufraschmodad, dem drei Körper und drei Namen 
beigelegt werden, erkennt er den weiblichen €reyer und das Vorbild des 
in den nenmorgenl&ndischen Sagen berühmten Simurg. — Vom heiligen 
Adler ist zunächst die Rede gewesen. — Ein goldener Hahs ward als 
heiliges Feldzeichen in den Persischen Heeren getragen, welches der 
von dem Griechen so belobte Dinon aus Unkunde Persischer Dinge 
auf eine selir aufTallende VITeise in eine fitst komische Geschichte tmTe- 
stirt hat (s. Plutarchi Artax. X. p. 283 Coray). Dies hat Kleuker (üt^ 
9tm, zum Zendavesta ) S. 1^3) unbeachtet gelassen. Dersdbe hat (8.122) 
auch ein anderes Fragment desselbesIDinen C*P* Scholiaet. NiCMidM 
vs. 613. p. 94-) übergangen, wo berichtet wird, dass die Meder die 
Hhabdomanlie ausübten» Die Blagier bedienten sich nfimlich der Ta* 
mariskenzweige zu dieser Stabwahrsagerei , so wie die ficythea Ca- 
meine Schrift Zur Crenunenkunde 8, 91 und S. 186). *— Aber a«eh 
die Becherweissagung , so wie die Nekromantie leiteten die. Alten von 
den Magiern her (s. Varro ap. Augustiu. de Civ. Dei VH. 39 mit den 
Auslegern). 



^^ 203 ^^ 

SS und dasn Olearias p. M) erzfthlt, über dem Throne des 
önigs, wenn er Hecht spricht, vier solcher idealen Yö^l, 
77 £$ dort genannt, welche dem König, immer ans Hers le-* 
m das ewige Gesetz der Adrastea, und welche von denMagi- 
n der Götter Zutigm genannt werdeu. Man sehe Cap. III. ^ 
.. — Dagegen Bild des Ahriman ist der Schlaitgendrache ([Zend- 
resia I. p. 6}. Seine Geister, die Dews , sind , wie ein neuerer 
elebrter behauptet, symbolisirt durch die Greifen, welche die 
Ige in die Wüste versetat, wo sie umherschweifen, die Reisen- 
Mi auf alle mögliche Weise durch Wassermangel , glühende und 
dtende Samums beunruhigen und in grosse Noth setzen u. 
w.*3 Auch wurden manche Amshaspands und Izeds ver- 
irpert, wie z. B. der lebendeste aller Izeds ^ Bekram (der 
inig der Wesen, wiewohl er einen himmlischen Leib hat, 
ssen Glanz von Ormuzd herrührt}, ^3 ^^^^^ durch einen 
dUgen JüngUngy theils durch das Ron, theils durch den 
pfaes oder das Lamm (^Anhang z. Zendavesta Bd. II. Th. L 
ST. not 83}. So stellte man den Ferner des Königs v<Nr 
8 eine edelgehaltene , menschliche Figur, deren niedere 
heile aber in ein verhüllendes Gefieder ausgehen. Beson- 
TS waren den Persern die Pferde und vorsü^ch weine 
dig. Sie wurden der Sonne geopfert, der sie ge weihet 

OS. oben das aus Guigniaut's Notes p. 720 MitgetheUte. Dass 
\riman und seine bösen Geister als Bewohner der Steppen und 
'isten gedacht werden C'^^^'^^y ^ Norden von dem gläcklichen, 
ler Ormuad^s Herrschaft stehenden Iran iso wie wir in Aegypten Ty- 
•n und Osiris als Herren der Sandwusten Libyens und des gesegneten 
Ägyptens sehen), ist Grundcharakter der Persischen Urkunden. So 
chten sich auch die Ebraer die wasserlosen Steppen tmd Wüsten (i{ 
^Ifteq) als die Ävfenthaitsorter und WohnsÜTte der bösen Oeisier; a. 
attb. xn. 43 nebst den Auslegern, und Lao. XI. 24. So heisst das 
rstörte uud dein Boden gleich gemachte Babyloft eine Woimung der 
ümonen (uaTOMfiguMf dtufioptip); s. Apokalypa. XVm. 2 und daselbst 
chhom Tom. II. p. 32 sq. p. 233. Die Aegyptier yersetnten das Ty- 
ionische Thier, den Esel, in die Wüste; s. ro. Conun, Herodd. 

lO S. Zendavesta Bd. I. p. 17. 



-^ 72i ^^ 

waren und deren Wagen sie zogen (Briseon. de reg. Fers. 
princ p. St9 8q. STO und Kleuker's Anh. s. Zendav. IL L p. 
88. 8y> 

Das SehSpfintgS' und OetetMeswori , das tfrwari, Hmioüer, 
ward in drei Momenten symbolisirt : Im ersten wird dasselbe 
Sabstanz — ein Geist, im zweiten bekommt es einen Natur- 
typns , and wird zom Bamne , im dritten wird es selber Mensch. 
Demnach war es zuerst personificirt als Liehi' und Lebefttg9ui, 
ewig beseelend, allwirksam und ewig streitbar. *} Es ist be- 
kannt, dass nun die Personification des Wortes (^070$ 3 ^^^^ 
unter die Ebraer und in das Christenthum überging, wenig- 
stens in die Johannetsche Darstellung des letzteren. Im zwei- 
ten Moment ward das Wort verkörpert unter dem Namen Hom, 
als Bild des ewigen Segens und Gedeihens, als ein Baum, 
der die Krone des ganzen Pflanzenreichs war, und wunder- 
bare Belebungskraft hatte. ^) Daher ein Stück von diesem 
Hombaume bei jedem Opfer wesentlich war. So audh hatten 
die Indier (^und andere Völker} ihr heiliges Opferholz, 
JS^oipo oder Tuloschi.^^ Im dritten Moment wird das Lebens- 
wort Memch ; es wird zum ersten Yerkündiger dieses Wortes, 
Harn, auch Homanea genannt, der unter Dschemschid das 
Wort verbreitet, und den Magismus gestiftet hatte, gleichsam 
Boftm d08 Lebern und Saft der UntAerbttehkeU (s. oben}. 

1) S. Zendayesta Bd. I. p. 36. Herder's Vorwelt p. 244. 

2) Aehnliohe VorsteUnngen finden sich in der Offenbamng Johnanis, 
80 z. B. n. 7: 9, dem Sieger will ich geben zu essen vom Baume des 
Lebens, der in der Mitte des Paradieses Crottes \si;^ wo Eichhorn (L p. 
82) bemerkt, dass ahnliche Bilder vom Lebentbaume, mit Bezug auf die 
nach dem Tode zu erwartende Seeligkeit der Frommen ^ sehr häufig bei 
Rabbinen zu finden seyen. Von demselben Lebensbaume {^vlo9 C»i|c) 
■pridit auch der Apostel ebendas. XXIL 2. 14. 

33 S. Herder's Vorwelt p. 306 ff. und Kleuker Anhang zum Zend- 
avesta Bd. II. Th. 3. p. 90. 95. Auch Plutarchus de Isid. et Osirid. p. 360 
F. p. 514 Wjttenb. spricht davon, und nennt es Homomi (^Ofimfä); s. 
dazu Kleuker a. a. O. Bd. n. Th. 3. p. 83. 



Die WeUordmtng und das WeUall (jaooiioq^ ist versinn- 
licht darch den Jamgem, den Becher des Dschemschid, der 
das Weltall darstellt, und den er bei der Gründung von 
Esthakar fand. Er soll aus einem grossen Türkis und aus 
strahlenden Edelsteinen bestanden haben. 

Auch das Sarmefgahr in seinen einzelnen Perioden oder in 
den Jahresiseiten und den ihnen vorstehenden Geistern ward 
vom König und den Grossen seines Hofes symbolisch ange- 
deotet durch den abwechselnden Schmuck in Kleidung , Edel- 
Hfime n und dergl«; so wie überhaupt der symbolische Gebrauch 
edler MeUdie bei den Persem sehr verbreitet gewesen zu seyn 
scheint, wie dies wenigstens die von Bochart im Uierozoicon 
T. IL üb. y. cap. 8. p. 716 sqq. aus Aristoteles, Appuleius 
und Polybius beigebrachten Zeugnisse beweisen, wo von den 
kostiiaren iSebiuden und Königspalästen zu 8usa und Ekba- 
tana die Bede ist. Auch führt dort Bochart eine merkwürdige 
Stdle aus Philostratus (Vit ApoUon. II. 11} an, worin voft 
eimn mfmbolkeken Gebrauche der Perlen in ' einem Iikdischen 
SfHUieotempel geredet wird. «Der Boden selbst, heisst es 
dmt^ ist aas Perlen zusammengelegt auf eine symbolische 
Weise, welche aUe Barbaren In ihren Tempeln anwenden. » *3 



1> Die Griechischen WoHe lauten folgendermassen : %o d\ ISoq 

Ib to Iff« x^^wB*. lieber die bildliche Bedeatung der Edelsteine vgl. man 
ancli ApokaL XXf. 19 sqq. Zwei Gattungen Adlersteine (aetites) kennt 
Plinins H. N. XXtVh 21. Von dem einen sagt Sollnuscap. 37: Zoroaster 
habe ihn aUen andern Steinen vorgezogen und Ihm grosse Kräfte beige- 
legt. Er werde In den Adlemestem gefunden. ManvergLden Salnasius 
B« dlesef BtiÜ^ p. 501 sqq. 



f 4« 



Creuzer^s dcnCsche Schriftt'n. I. 2. 15 



226 



$. 8. 
Mähra und Mühraa. ^) 

Wir gehen bei Entwickelung dieser Idee^ ieiner der er* 
habensten und reinsten, die wir im gans&en Alterthiun an- 
treffen, deren Ursprung in einer primitiven Lehre «i suchen 
seyn möchte , die dem Brahmmamwt mit dem MagUmns gemd»- 
schaftlich war , • welche aber durch Persien und Y orderaaien 
in verschiedenen Gestalten , Formen und Yeränderungenr nach 
Aegypten und Griechenland (wo sie jedoch, mit Aegyptischen 
Bestandtheilen. versetzt, erst in der Argolischen Lichtlehre 
vom Perseiis versteckt und späterhin vom herrschenden Dienste 
des Bacchus verdrängt wurde} verbreitet, daim von Klein- 
asien aus gleichfalls später nach Rom und in den entfenite- 
sten Westen, ja bis in unsere Germanischen Gauen ^ verpiannt 
ward , und , freih'ch zum Theil nicht mehr in ihrer ursprfing- 
lichen Reinheit und mit partiellen Verfinsterungen, dne aus- 
serordentliche Ausdehnung und Herrschaft aber die menscin 
liehen Gemüther erlanigt hat — wir gehen, sage ich, hier von 
der classischen Stelle des Plutarchus de Isid. et Osirid. cap. 
4A. p. 380. p. 51S sq. Wyttenb. aus, und legen sie zum Grunde 
der ganzen folgenden Darstellung. Dort heisst es : « Andere 
glauben, es gäbe zwei Götter, gleichsam entgegengesetzten 
Bestrebungen zugethan , so dass der Eine das Gute , der An- 
dere das Böse thue. Andere nennen den Guten Gott QOeovJj 
den Andern aber Dämon (//cufAovay So Zoroaster, der Ma- 
gier , welcher fünftausend Jahre vor dem Trojanischen Kriege 
gelebt haben soll. Dieser also nennete den Einen Orpmazes 
QS^ofdä^yv)^ den Andern aber Arimanius QA^BifAoipiov)^ und 
fügte den Satz hinzu: unter den sinnlichen Dingen gleiche 

1) S. Nachtrag V. 



-»^ 227 -»^ 

jener am meisten dem Uchte, dieser der Finstemiss und der 
Unwisseidieit Mitten zwischen beiden stehe Mükraa. Dakm' 
netmen die PeMer ^meh den MUkraa den Mkiler Qfiiaop di 
dfÄq>o2iß Totß Mt^ffjp ehar dio xcU MiS^rjv üe^tfai rdp fieüirtjp 
opofAaCovoip'). Et hat auch gelehrt, jenem (dem Ormnzd} 
Bitt- mid Dankopfei* darzubringen ; diesem aber (dem Ahri- 
man) Abwendung«- und Schreckeasopfer. » Wir verbinden 
Hut dieser Stdie noeh das Zeugniss des Herodotns L ISl: 
«Ueberdem haben sie (die Perser} aueh gelernt, der Urania 
SB opfern , und zwar von den Assyriern und Arabern. Es nen- 
nen aber die Assyrier die Aphrodite: Mylitla, die Araber: 
Alitta (kn dritten Buehe eap. 8 steht dafür Alilat), dte Per- 
wer ateri MUra QIHqöcu dii Mix^ap^^ se. xakiovtsiyi^ Es 



1> So Imt schon Anibrosius in seinem Herodotos |;elesen, nar dass 
er lH^fm9 seiireibi. Br sagt (Conira Symmach. n. p. 840 ed. Bened. S. 
MnrO: ^yCoelestem Afri, Mi^hram Per$ae, pleriqne Venerem oolunty 
pro dlTcnitate nominis, noa pro nnmlnis varletate.'* — Thoa. Galaker 
Adversarr. miscell. p. 662 sq. erkennt in der Schreibang Miv^ einen 
blossen lonismas, den Herodotus auch in den Namen Mitradates (I. 110 
tq.) and Mitrobates (m. 126 sq.) befolgt; wo die Abschreiber , weU sie 
daran Irre geworden, Mls nicht der Itacismns schon aUein Sobald ist, 
an ftijtfiQ gedacht haben (s. Schweigh. Van liCCt. sa diesen SteUta). 
Mo andere Einwendang geicen das Mix^ des Herodot (ans I. 139, wo- 
aaeh aUe Eigennamen der Perser sich auf ein sigma endigten) hat schon 
A. W. Schlegel (Indische Biblioth. II. 3. S. 308) durch die Einsohrfinkong 
Mf die vumnlichen Namen beseitigt. — Dass aber das Mithram des Am- 
brosins der alten Zendsprache gemasser ist als das Mh^p des Herodotus 
ergiebt sich nun aus folgenden Bemerkungen eines grundgelehrten Orienta- 
listen. Herr E. Burnouf sagt (Coroment. sur 1e Ya9na p. 210): Die 
Schreibang der Griechen und Römer yf^&(faq, Mithra, gebe einen nicht un- 
bedeutenden Beweis für die Aechtheit der Zendurkunden. Denn das th, 
das in diesem Namen, Herodot vieUeicht allein ausgenommen^ aUent- 
kaften vorkomme, beweise, dass jene diesen Namen entweder nnmit- 
telbar aas dem Zend oder doch aus einem Idiom entlehnt haben, 
welches wie das Zend das Gesetz der Aspiration des t vor einem Halb- 
▼ocal w^ie r kannte. Es sej gewiss nicht das Sanskritische Bffitra, eine 

15* 



l 



-^ 228 -^ 

ist bekannt, welche Schwierigkeiten man in dieser Stelle ge- 
sncfat und ^fanden hat , wahrend Alles jfur die volle Wahrheit 
dieses ihres einfachen Sinnes spricht: dasa mehrere AmOiaehe 
Volker der Vor%eU ein und dasselbe weibliche NatwrpHneipium 
unter verMchiedenen Namen verehrten. Die Persische Müra hat 
hauptsächlich den Zweifelsknoten geknüpft, weil man wohl 
einen Persischen Mithraa, aber keine Müra kannte, zumal als 
Aphrodite. Noch neulich hat Silvestre de Sacy in den Noten 
zu St Croix Recherches sur les mysteres du Paganisme Tom. 
II. p. 121 sec edit. sich gegen unsere schon früher ausge- 
sprochene Behauptung von einem Mühraa-Müra, al^ einer 
mann -weiblichen Gottheit , igfis maseubm undfoemina, erklart, 
mit der Behauptung, die Perser kennten grammatisch den 
Geschlechtsunterschied nicht. Auch habe Anquetil gezeigt, 
dass Mithra bei den Persern nach den Zendschriften von der 
Sonne unterschieden werde. Jedoch, fahrt er fort, sey Mihr, 
welches, wie im Altpersischen, noch im Neupersischen die Sonne 
bezeichne, einerlei mit Mithra, und mithin müsse man sich 
den Mithra als einen Ized denken, der die Sonne besehui%e 
und lenke. In so weit nun dieser Ized der Sonne im Planeten 
Venus sein Domicil (^ Sonnenhaus} hatte, konnte ihn Herodo- 
tus selbst mit der Venus - Urania zusammenstellen. ^3 — Allein 
schon die Vergleichung mit andern Schriftstellern kann die 
Ueberzeugung geben , dass Uerodotus uns nicht in das Innere 
des alten höheren Magismus führt, sondern nur ganz kurze 
Nachricht von dem einfachen ReUgionsdienste des alten Per- 



Gottheit, deren Attribute niclit vöUig mit denen des Persischen Mithra 
übereinstimmen, welches den Alten die Idee dieser Orthographie einge- 
geben haben könne. 

1) €r€gen diese Ansicht hat sich noch neuUch r. Hammer C Jahrbü- 
cher derlittenUary Wien 1818. Bd. I. besonders p. 109) erhoben, welcher 
cbenfiüJs die Annahme eines Mithras und einer 3Iitra für ausgemacht 
hilt.. I]jul, da aadi Uerodotus Mitra ein fremdes Wesen war, so J^onnten 
d||Si|P«r999|4M9fMMU ^^ fremde Namentform beibehalten. 



- • 
I ■ 



-*- 229 -^ 

siselien Bei^olkes ^ebt, von dem alten YolksGultos, nicht 
von dem alten Modischen Priestersysteme. 

Plotarchus, der g^enaaere Bekanntschaft mit dem letzteren 
verrith, giebt uns schon bedentendere Winke. Er Usst den 
Köni^ Artaxerees Mnemon bei seiner Thronbestei^ng in dem 
Tempel einer Oöttin zu Pasar^dä die höheren Weih€#em- 
pftmgen unter gewissen symbolischen Gebräuchen. Die Göttm 
selbst wird dort mit der Athene verglichen (Pfutarchi Arta- 
xerx. p. 1012. D. cap. 8}.>) Nicht weniger bedeutend sind 
die Nachrichten von der Persischen Ai^mis sowohl bei diesem 
(Luculli vita p. 507. p. 2S2 ed. Coray} als bei andern 
Sduriftstellem , z. B. bei Strabo (XYI. p. 1089 Almel.), wo 
das HeMigthum dieser Göttin 'A^a^a (^Azara} genannt wird, 
worin man schon mit der sonstigen Benennung jener Asiati- 
schen Göttin : Asthara (Asthtie) Aehnlichkeiten finden könnte, 
wenn nicht diese Persische Göttin selbst unter dem bestimmten 

• 

Namen ZaQijxiq (Zaretui) vorkSme (s. Hesychius unter diesem 
Worte und daselbst Alberti}. Aber auch von andern Seiten 
Usst sich das^Daseyn einer Persischen Vrarda - MUrä 
rechtfert^en. In der alten Persischen Sprache hiess ndkr, 
wdUr, die Liebe QUyde de religione vett. Per», cap. 4. p. 
101),*) und nun erhalten auch spätere Zeugnisse ein Gewicht, 
wie z. B. das des Firroicus (de errore profan, relig. 1. 6), 

1) Aber auch Ihm , dem zum König erklärten , In der Reg^el ältesten 
Eonigssohne bringen sofort die Perser Trankopfer, wie einem Gotte, 
sagt Ol3rmpiodoru8 ad Piaton. AIcib. I. p. 153 ed. nostr. (&vovai>v avi^ uitl 

Z) Ueber die Mitra sind noch die inhaltsreichen Bemerkungen von 
Kleoker im Anh. 2. Zendav. 11. 3. p. 15 ff., von Visconti zum Museo 
Pio Clement. Tom. n. p. 44 und von Zoega Bassirilievi zu nr.'58 nach- 
wiesen. ~> Neulich hat Fr. Schlegel Cüber die Spr. und Weish. der In- 
^er p. 14) die Indische Wurzel hiervon nachgewiesen in Mitroh, Freund, 
als Pr&dicat der Sonne. Auch Hesychius bezeichnet Mai als Indisches 
Wort, mtt der Bedeutung gross (s. Hesych. II. p. 524 mit den Auslö- 
sern )> Im Persischen nUh, im Indischen mah, mähe- 



-^ 230 -*. 

dass die alten Perser ihr^ höchste Gottheit, Zeus, ia die swei 
Geschlechter zerlegt, ond die in ihm wohnende Feoerkraft 
ab mannUch und als weiblich symbolisirt haben Qioirem in 
dnas diyidunt potestates, natnramqoe eins ad otriasqve sexns 
transferentes , et viri e( fenunae simolacra ignis snbstantiam 
dep^antes).*} Hiermit stimmen die VorsteOangen in den 
Zendbuehern anfs vollkonunenste äberein: äa» Fw/^r» ala das 
allwirkende Organ der Gottheit, ist theils ndknMtih^ theOs 
weAUeh, empfangend ond gebärend. Für diese letztere jgnis 
femina liefert nun Heiidotns die Benennung MixQa OvQavicu 
Der BegriflT des ignis mascolns befestigte sich in dem Namen 
Mi&Qag^ MidQtjq (Mithras).'') Dass dieser letztere alt-Porr 
sisch sey, cTaran lassen uns die zahhneichen Nachrichten der 
Griechen gleich nach Herodotns nicht zweifeln; dass aber der 
erstere seitdem erlischt und nidit weiter gehört wird, dafür lie- 
gen die Ursachen sehr nahe. Theils war der Dienst der Mitra, 
wie die obige Nachricht des Platarchvs vermuthen lüsst, ein G^ 
heimdienst und vielleicht nur den Magiern und den Achameni- 
dischen Königen zugänglich; theils zogen nun andere Tempel 
dieses Wesens in Armenien, Babylon, Cappadocien und an 
andern Orten die Aufmerksamkeit der Asiatischen Völker auf 
sich, und die Namen Mylitta, Anaitis, der Göttin vonKomana 
n. s. w. verdunkelten jenen al^ Namen der Persischen 
Feuergöttin. 

Was nun den Dienst jener Mitra betrifft, so wären ge- 
nauere Nachrichten sehr zu wünschen. Daraus wurde sieh 
die Identität mit allen übrigen weiblichen Naturwesen vollends 



1) IidU AfHcani (so wird angegeben) Nurratio de Us qvae in 
Peraide accideranfc . lesn Cluisto nnlo ia t. Aretin^s Beiirfigen Kur Ge- 
scUchto der LitenOur. Stuck IV. April .1804. p. 52 gedenkt eUies U^ 
«ff 'H^a^ InPeraien. In dieser Perslscken Inno, nach GriecUsch-ItaliscIier 
, wäre alM die welkUcke Seifte des feurigen Inppifter gegeben. 

n laWfcar äa^mi^ wtm BeadaTeata a 3. p. 62. V|^ auch t. 
m WlHjt Uli. 8. 1816. *. 02. f. 1462. 



. f 



-^ 231 -^ 

aber allen Ziwdtdi erliebea lassen. Ein Symbol, das Plutar- 
ehai bei Gd^enheit jener Einweihon^ zu Pasargadi bemerkt, . 
werden wir qnten in den Mysterien des Baccbus und der Pro- 
serpina 4» Athen und in Gross^lechenland wieder finden. 
Vidldeht hatte er aneh manches Andere npt dem etwas sinn- 
lichen Cidtos der übrigen Wesen dieser Art gemein. Dass 
der DieMt des Mithras etwas -von di^em Charakter schon 
bei den alten Persem hatte, wissen wir aus dem Zeugniss 
des Dnris beim Athen£us (Üb. X. A. p. 4SI. e. Vol. lY. p. Ol 
Schweigb.): Nur am M^astage durfte, nach dem Magier- 
gesets, der Persische König bis asur Trunkenheit trinken, und 
aodi dann nur tanzte er den Nationaltanz. 

Es haben aber, sugt Herodotns, von den Assyriern und 
Arabern die Perser die Verehrung dieser tlrama gelernt Die 
Assyrier nennen diese Aphrodite Mtfläia, die Araber Aläta 
and die Perser Mära QMiTQap). AL^ der Dienst der Venus- 
Urania, d, L derselben Göttin, die derselbe Historiker in Ae- 
gyptea nadh Atarbechls, d. h. in die Stadt Athor, versetzt, 
die also Athor ist, diese Venus ist zu den Persern aus As- 
syrien gekommen : — aus Assyrien — dies verstehe man ja 
redit im Sinne Herodots, der Assyrien in einem weiten Sinne 
nmunt, und ganz bestimmt auch Babgbmien darunter begreift 
(s. Hcorodet I. cap. 102 ibiq. Wessel.}. . Mithin an das Chol- 
dmkt^ System müssen wir denken,*} an jenen Sabäismus, 
der in Babylon einheimisch geworden, und an jene Babyloni- 
sche Mylitta, deren üppiger Dienst von uns noch bemerkt 
werden wird. Es ist eine wahre Buhlerin Pasiphae , und auch 
der andere Begrif , der sich in Labitina darstellt, der Begriff 



1) Ich laye, um den Faden nieht eu serreissen, die folgenden Satae 
aas der ersten Ausgabe dieses Buches stehen. Es muss aber gleich be- 
merkt werden y dass der älteste und reinste Sinn, in welchem Mitra und 
lOthraa verehrt worden sind, erst weiter unten, in den zwei neuen Pa- 
ragrafhen: Mükrmt Perset und MUkrue der.MitUer , deutlioher faeryor>- 
trelea wird. 



^^ 232 ^^ 

der geschwächten Kraft, des Hinsinkens und Ennattens, mit- 
hin des Todes, darf dabei nicht vergessen werden, also auch 
das tellorisch- Furchtbare nicht, was unter Proserpina and 
Hekate 'gedacht wurde. Diese Mylitta nun, wisiMi wir iv- 
kundiich, hiess in Persien Mära. Also Ultra war bei den Per- 
sern eine Proserpina -Venus. Daher wird vom Artaxerxes 
Mnemon gesagt, er Jiabe den Dienst der Venus Anutis ein- 
geführt; denn Anaitis ist doch wohl nichts anders als Mitra, 
nach AUem, was davon bemerkt wird. Sey diesem Letzteren 
aber wie ihm wolle, genug, Mitra ist die Permehe Feime. 
Damit stimmt auch der vermuthliche Ursprung des Wortes 
gut zusammen : Mihr , Blihir , Liebe (s. oben p. 229}. Diese Persi- 
sche Mitra hat ein mannliches Wesen gerade so zur Seite, wie Isis 
den Osiris. Dieses ist Mithras. Er heisst ganz bestimmt IlipaijQ. 
Mag man dieses nun nehmen fiür: der Pereer, der Per sieche; 
immer ist auch damit gesagt: der Klare, der Leuchtende; 
und Mann wie Weib gehen auch hier wieder zuletzt in Iddtt 
und Feuer auf. Es ist also höchst wahrscheinlich, ja fssA 
gewiss, dass auch Mitra, das Weibliche, Ile^öt] geheissen 
hat, eine Form, die Homefus von einer Oceanide braucht 
(^Odyss. X. vs. 180 von der Frau des Helios), und dass aus 
diesem Worte , mit einer Zusatzsylbe, dergleichen ja bestimmt 
der Name *der männlichen Gottheit hat (wie z. B. Persidicus; 
sieh. Ruhnken. ad Porphyr, de antr. Nymph. p. 16}, das Grie- 
chische UeQoefpoyt] erwachsen ist. 

Diese Mitra- Persephone der Perser war nun wieder Alles 
das , was wir zuvor von der Athor (und auch Athara heisst 
sie in Asien) gesagt haben , bis auf die einzelnsten bildlichen 
Züge. So ist sie z. B. als Mylitta in Babylon Vorbild jener 
üppigen und herrischen Semiramis, sie ist das Taubenweib 
Semirama, Femer , wie nach dem herrschenden Aegyptischen 
System Isis Alles in Allem war, Mutter der Welt und Wesen 
der Wesen, so gab es ohne Zweifel auch in Babylon und 
somit in Persien ein I^hrgebiude, worin Mylitta oder Mitra 
als erde Creükeit hervortrat j so dass Mithras, das männliche 



^«^ 233 ^^ 

euer, als Sohn ihr rnitei^geordnet war, wie Almiii 4er Isfa^ 
ionysQS det P^sephone. Von fiesem System hatte Herodb- 
Bj naeh den Obigeoyoffeiibar Kunde orhatten. Als solche 
ar Mitra nun Alles das zusAnuiien , was der Orieche sich in 
jner Hera, Ilithyia, Artemis, Aphrodite, Fersqkhone , flekate 
a w. vereinzelt dadite. *} Um nur noch Eins zu berühren, 
I war Jene Mylitta ^ Mfl^T^ — * J* schon den Namien nach| 
ie wir im Verfolg sehen werden, Lilith, Ihthyia: erste Ge^ 
irerin. Andrerseits war sie auch Artemk in federn Sinne, 
iwohl als leuchtende Luna , als auch in der Eigenschaft der 
ramenden, Absondernden, wfe wir die Artemis aus Plutar- 
MS alsbald kennen lernen werden. Und auch namenüieh 
heint Artend» (^A^tefiig^ eben so wohl nach Persien zu g^ 
iren , als Persephone. Es wird noch im Verfolg bemerkt 
erden, dass der Name Artemis fiir Pkrygiaeh ausgegeben 
erde. Das kann richtig seyn; aber nach Phrygien scheint 
!r Name aus Persien verpflanzt zu seyn. 'Aprala ist Per^ 
en, und 'AQxaloi sind die Perser, in ihrer und in der Nach- 
un Sprache, nach Herodotus VII. 61, womit ein anderer 
Iter Historiker, Hellanicus (^ap. Steph. Byz. in W(»ra/a), 
boreinstimmt^) In dieser letzteren Stelle lesen wir noch 

O B> war also ganz im Geiste dieses alten Asiatischen Glaubens^ 
reoa beim Appuleius C^- P-*753 seq. Oudendorp.} Lucius seine hotiiste 
isttkeU so anruft: ,,0 Königin des Hinunels, Du seyst nun Ceres, die 
rspringliche nährende Geberin der l^rüchte, die Du jetzt die Eleusini- 
ehe Erde vollendend bebauest; oder Venus die himmlische; — oder des 
lobus Schwester -— au Kphesus; oder die ^rchtbare Proserpina I << und 
fcn die Göttin darauf unter vielen andern Namen , weide a^e sich bel- 
egt 9 auch die der Isis und Ceres anfuhrt: ^^Mich nennen die Attiker 
linenrä Ceo^opia; die Eleusinier die alte Gottin Ceres; -— die Aegyptier 
Ie Königin Isis»^ Aehnllch ist die obige Aeusserung des Ambrosiu« 
iMtra ^ynunach. p. 840. 

2) Blne liMdschall Artaea, von Persens 'oder Perses bdsetBl, lernen 
vir mm den HeDanieus Persischen Geschiditen keinen (s. das Fragment 
V. LKOL f. 9t Slun.). 



^^ 234 ^^ 

tine andere Fönn: ^A^tiaxain wie Herodiamis sie nannte , an 
nail^eieli noch den merkwärdigen Zusatz: die Perser hatte 
'jäftaiovq gesagt, in demselben Sinne^ wie die Griechen vc 
den Menschen der Vorzeit als Heroen (jlJQUfog^ wie dort Bei 
kel trefflidi aus Handschriften supplirt hat^ Diese Artii 
sind die greaeen, wie ans Herodotus an einem andern Qrl 
(YL 98} belehrt, Xersee bedeatet im Persischen einen JTHi 
ger and Artasersee einen grauen Krieger. ^^ Es ist höchi 
wahrscheinlich 9 dass aas jenem Arte — Arta die 'Aqtbiu^ di 
Griechen erwachsen ist Daför finden sich aach Sparen, auf 
ser den obigen Phrygischen, in Cappadocischen Monatsnamei 
'AQtaeaiifj 'Afvapia^ ^Aq^qu (s. bei Jablonski de ling. Lycaoi 
p. IM ed. de Water.}. 



1> Für Ariaxerxes steht in . der mbel Mf) Vtilltl'^M 9 ein Nnm 
welcher au« dem Persischen ArtahtcMr entstanden Ist, und sich in dli 
ser Gestalt auf den Inschriften von Nakschi-Roustam findet, MUe €res< 
nius bemerkt CWorterbuch der Uebr. Sprache II. p. 1247), welcher äbei 
haupt dort Yon der Bedeutung dieses Wortes, insbesondere yon di 
Sylbe Art, gut gehandelt, und mehrere Nach Weisungen gegeben ha 
Vielleicht h&ngt auch hiermit der Name der Arier und AH Kosanmei 
der so häufig in den Zendbüchem vorkommt, und, wie Rhode meint (nhl 
Alter und Werth einiger morgenland. Urkunden p. 41), das verelnigf 
Volk beseichnet, welches sich in der Folge inBaktrier, MederondPertc 
theilte. Derselbe bringt diese Arier auch 'in Verbindung mit den Ar$ä 
der Indischen Religionsbficher ; s. ebendas. p. 64 ff. Bemericenswert 
linde ich die Art, wie der gelehrte Damascius (ntql agx' ap« Wolf. p.25{ 
p. 384 ed. Kopp., wo aqitop ohne Variante steht. Ueber diese gaaa 
Stelle 0. KmeMrag ÜL) die Arter mit den Magiern verbindet, indes € 
•agi: Mipi^ A fuU nop %ü "A^ttop yii^. Nach der Vorschrift des SM 
pkanm Ton BjBans mnss 'A^utp corrlgirt werden. Doch hat dort selbi 
«tea Bandaelalft "A^aw C*- Berkel daselbst p. 164 und vgl. Herodot VB 
6t md teMikst SAweigteeuer Annott. p. 329 sq.). — Gans im IIH* 
a«pnMSli ffegea Rhode bemerke ich jetst, sagt ▼. Hammer (WieMi 
BL p. 54): ^IMe Artaier sind keineswegs mit den Ariern n 
I, uralite !■ (Mahaameh Amaa helMen, wmI (p. 40) Arm» 
ia IWmhiMrti nicht als Irman sondern als Amen^e Tor.*^ 



^m^ 2a& ^m^ 

80 sprieht demnach wohl fi^ die AnmihlM ^^inw weibr 
Imi Wesens hei den Persern^ 9iß des hdchsteii Fcineq^ 
iser dem sehen Bemarkien, luich die AflaHgie m tßmm 
tigern Alterthom; denn aUenthnlhen finden wir di^Qittheit 
\ €m P^ppetguehhcht , in MämäUkm nnd W^Mkikn Mrth^Ut 

sehen wir in Aegypten Pkikw^NÄk^ ab die^elh» gfiM** 
ba, sehSpferische Fenerkmft, in 2wei Polennen» wn^ mfiinr 
ke nnd eine weibliche, zerlegt, und in demselben VerhUlr 
s an einander ^Hvie in Persien Iftthrw nnd Hitriu InIndJMi 
if& wir Brahma, den Schopfert selbst als Shrmofkndlbm 
B. w«; nm nicht IMtehreres anznfjjihren. Dasa ferner dieaea 
rsische Dogma von der potentia masealo^l^ennna (^thraa«- 
ira) wahrscheinlich schon ein nraltea Dogma war> howeisea 
ii die Stellen bei Xen^y^h. Oeconom. IV. »k Ciyropaed. TII. 
18 moid bei Platarch* vit Aftax^ cap* 4 f. 1019. B, wo 
ms nnd ArtipLerxes bei MU^m^ als einem minnUchen We>^ 
t^ schwören, was inuner schon ffipen dnr^ die Belgien 
- Täter geheiligten Gott Yoranssetst Für dieses ehrwär^ 
;e Atterthiim mögen auch wohl jene Namen sprechen, die 
Qerodotos und Andorn vorkommen, wie llf^:adate$M Mi- 
Mss nnd mehrte dergleichen* Freilich J^önnten diese anch 
U der MUra gelten. Bei Phitarchns vü Akik cap. M 
anrt dag^^n der Name Su§amitkr9a, A. i. LM^monne, mit 
tftamter Beziehnng auf Mithras , vor.^ Wenn aber in den 



1> Hierter geirrt aueli RlieoMlthrei (*Ao^il»^) beim modor«XVIL 
flu yßftneüng p. 174) umA 34 al« Name tfmm WenkKäea Mariega^ 
ntöi; Mithiiiies oder Mätliraiies (cap. ai> imd BfiMurobanuyiea (eben»* 
lili^>. Bemerkemwertb ist noch Mlthraa« (M$&^mtq)p ebeiUUU Name 
m BeSdilshabersy und Ewar eiiies ArmenUchen CAppian. BfUhridat. 
•wUm f. 654 Sehweigh.)! Yielleicht nur mit einer Nebenform von Mi- 
litf den daas auch letEtere Form als Name von Menschen vorkommt^ 
die iBschriflen, und beim Appuleiu« (Metamorph. XI. p. 800 
»•) kfwuat ein Oberpriester der Isis Namens Bfithras vor, nach 

äwaHtSf) das« Priester Göttemamen fÜUiren. Dortdi aber (wie 

aOrifiBts eostra Cels. I. p. 8, der Mtpf^mr^^aq und Mt^^at verbln- 

I 



-^ 236 -^ 

Griechbchen Lichtreligioneii Mithras nachher ganz versch 
det, so darf uns dies nicht befiremden, indem Sabazma 
Baechus dort als Mittier in den Mysterien an seine Stelle 
ten, und weil Perseus dort alle seine Herrlichkeit an 
^rissen, und Mithras nur in den Eigenschaften des Pei 
fräheriiin den Chriechen bekannt war.*} Eben so kennt 
Aethiopien einen Mühras und Phleggaa, als Gesetzgeber 
Beligionsstifter (&. weiter unten} , so wie Assyrien und 
gypten, wo er die Sonnenobelisken und ön oder Helic 
(^s. Plin. H. N. XXXVI. 18) erbaut haben soll, und mit 1 
non in Verbindung tritt (s. Cap. in. %. 18}. In Klein; 
ward der Mithrasdienst mit den Sabazien vermischt , 
so kam er durch den Feldzug des Pompeius gegen die K 
asiatischen Seeräuber nach Rom und Italien (Plutarch. 
PompeL cap. 2:jL p. 121 Cor.}. Wenn nun in dem Römis 
Mithrasdienste der Sol hwietua besonders hervortritt, so 
dies nur Erneuerung einer alten Idee, indem Skmne pl^ 
und ethisch schon in der Grundidee lag. 

det) müssen wir au jene spatere Mischlingsculte denken. — 9C 
kommt auf Indisch -Griechischen Münzen zuerst unter dem Namen I 
(Sonnengott) und ßaaiXiv^ (König) vor; spater nach Erlöschen der 
duschen Sprache als PAO (König) und MISPO oder MliPO (Mihr 
0. Müller Göttlng. geL Anz. 1835 S. 1776 f.)* Dies wird wohl den o 
Namen 'FiofiC&^q erklären können, aber auch die Unstatthaftigkei 
Meinung des Jos. Scaliger darthun, welcher einen Persischen Compa 
mithri, grösser, annahm , es mit dem Griech. ngtCav verglich , un< 
hauptete, es sey in der Bedeutung Herr von den Persem dem Sonne 
beigelegt* worden j wie x^e^nr dem Agamemnon beim Homer. 

1) Ich werde davon weiter untren ausführlicher handeln. 



237 



$. 9. 

Ip Persien also ward das m&mliehe Hbnmeltfeuer als Mi- 
not verehrt — dne Heligion, weniger bekannt in ihrem 
qiränglichen Charakter, späterhin als Geheimdienst weit 
rhreitet in dem gössen Römerreiche, Terherrlicht dorch 
Urdche Bildwerke and Gebräuche , den traorigsten Fana- 
■os beipinstigend, aber andrerseits nicht ohne Einfloss aof 
vige kirehliehe Einrichtungen des Christenthnms. Aach dar- 
t mossen wir einai Blick werfen , wenn gleich, wie gesagt, 
Brbei fast nnr spätere reli^öse Vprmen za betrachten sind, 
igen die Werke des Pallas and Eabulus noch vor, worin 
m Mithrasdienst eigens .and aösfiiihrlich gehandelt war (Vw^ 
r/T. de Abstin. lY. p. MO. SKI ed. Bhoer.}, so möchte ans 
sssen ältere Gestalt wohl in einem getreueren Bilde erschd* 
a, wenn gleich jene Schriftsteller nach Geist und Verdienst 
idit weiter bekannt sind. Jetzt schöpfen wir hauptsächlich 
m dem Berichte späterer Schriftsteller und aus dem Anblick 
ikea so später bildlicher Monumente und Inschriften. Jene 
baten diesen Cultus aber damals erst kennen, da er ein 
ijtea sehr zusammengesetztes Ganze war. Wenigstens sagt 
^ktarch im Leben des Pompeius ausdrücklich (h. a. 0.}, erst 
, als dieser grosse Römer die Kleingsiatischen Seeräu- 
bekriegte, sey dieser seinen Landsleuten bekannt gewor- 
Die Inschriften, die von Mysterien des Mithras reden, 
aber, nach Fröret (^Memoir. de TAcad. des Inscript 
'•XVL p. tn sq.}, erst mit Constantinus dem Grossen an« 
^0 thätiger ist der Forschungsgeist der Neueren gewesen. 
losser der eben genannten Abhandlung von Fröret und der 
Philippe a Turre in den Monumenta veteris Antii, die 
m Gegenstande besonders gewidmet sind (^in Burmann's 
Graevius Thesaur. Antigq. Italiae VoL VIIL part. 4. p. 




-^ 240 -^ 

sfimnt er in den Zendbfieheni: dnreh fleineHiilfe) die ( 
Ormuzd leistet, erleichtert er die Yersäinini^ des A 
mit ihm^; oder ' endlich ein entscheidendes Bichtersmt zv 
beiden, mithin eine beiden übergeordnete Macht. Am 
möchte es sich wohl bestati^n, dass nach verschieden 
trachtnngsart jede dieser Ansichten ihre historische Wi 
keit gehabt habe. Dass zuvörderst Mithras bald als Be^ 
des Lichtreiches , bald als Bärger der Finsterniss, nndl 
in so weit als theilhaftig beider Naturen, betrachtet i? 
wird sich sofort aus seiner Bedeatnng als Samte ergebei 
zweite Ansicht ist durch die Zendbücher bestätigt. Du 
aber, nach der er als Höchster gedacht wird, oder wen 
als Demiarg, lässt sich aus den uns bekannt gewo 
mystischen Mithrasdogmen nicht bezweifeln. Als Mittle 
sehen Gottheit und Menschheit ist er aber freilich ii 
ersten Bedeutung eines leidenden und triumphirenden 
ganz angezweifelt auch gedacht worden.*} 

Dass Mithras die Samte sey, hat Anquetil bewies 
wie auch der ganze Inhalt der Zendbücher und ander 
numente dafür spricht Die Beweise aus Griechischen i 
steilem hat Wemsdorf mit reicher Hand gegeben (s. 
Noten zum Himerius Orat in Laud. urb. Constantinop^ 
sq.)«^*) Ich will indessen noch einen Seitenbeweis auf 



O Die' verschiedenen Ansichten dieses Begriffs rovi Mittler 
weiset jetal Welcker zu Zoega's Abhandll. p. 118 kürzlich na 
werde auch diesen Grandbegriff unten in den Zusfttsen su diese; 
gnqihen nochmals berühren. 

2) Eichhorn (de deo Sole invicto mthra p. 11) behauptet, di 
den Zendbüchem und der ursprünglichen I^ehre der Magier (wo 
lieh nicht an die späteren Bedeutungen in de^ Romerzelt zu denh 
Bflthras keineswegs als Sonne selbst, sondern durchaus als 
zwischen Sonne md Mond, und als beständiger Begleiter der t 
wiewohl von Ihr völlig verschieden, erscheine. Zoega berief 
den Jescht Mithra (Tom. n. p. 211 edit. Anquetil), um den Namen 
nach Persischem System auf eine ganze Anzahl uutergeordnetei 



^^ 341 ^«- 

aichf um seiaer selbst willen, sondern weil er, dünkt mich, 
etilen BlidL nach einer andern Seite öflhet Von den Aethio- 
fiem, jenen alten Sonnendienem , sagt uns Favorinus bei 
Stephanus von Byzanz (in Ai^io^')^ sie nannten Mithras 
and Phlegyas ihre ältesten Gesetz^ber und Religionsstif- 
ler. Auch hier erinnern wieder Namen an alte Verehrung 
eittea Mithras, z« B. Simnährea (bei Heliodorus X. p. WU 
I ed. Coray') aJs wirklich Aethiopischer Eigenname. Hier- 
mit verbinden sich andere Spuren, \vie die im Ph'nius 
(H. N. XXXVI. 18}, wo der erste König der Sonnen- 
stadt, On oder Heliopolis in Aegypten, Märea oder Mestres 
hctast Bei Syncellns (p. 82*) wird er Mestraim genannt 
Joaephns (Antiqq. L 0. S} kennt unter Aegyptens Namen 
mch den MeoxqTj. Forster erklarte Mizraim als Sonnenland 
(Jablimski Voce Aegyptt p. 4M}. Eine Aegyptische Sage 
weiss zu berichten, wie ein Mitres oder Mestres in Aegypten 
Obelisken baut Aus Oberägypten her, aus des Chemmiters 
Daaaos Geschlechte, ruft der ältere Griechenmythus einen 
Penem herauf,'} der dann wieder einen Persen in Vorder- 



(Gcaieu) MUBadehneii. Welchen Satz aber schon Arsenne Thiebaut be- 
Mtten iMfc (siehe Welcker's Anmerkk. zu Zoega's Abhandliuigcn p. 
% f.). Nachher hat aber Herr ▼. Hammer in der inhaltsreichen Kritik 
ier genannten Abhandlungen (Wiener Jahrbb. der Literatur I. 1818. p. 
t06 C) gezeigt 9 daas Mithras mehr war als der blosse Genius der Sonne, 
Mm er „itr ertte der Izeds, der Vermittler der Schöpfung, der FHih- 
nr der Seeün^^ und so weiter heisst, und „dass gewisse Begriffe dieses 
Kjthtti wie der Gmndfliden durch das ganze Gewebe alter Religionen 
wichen. ^ — In den beiden Schlussparagraphen dieses Capitels habe ich mich 
kattily diese Ideen von einer andern Seite darzuthun. 

1) Wer aich auf höherem Standpunkt befindet, wird sich in der 6e- 
der alten Culte über solche geograpliische Versetzungen nicht 
8dir richtig sagt Buttmann im Mjthologus I. S. 225: ,,liam- 
(AaaoB) galt bei den Alten für eine Persoaification der Sonne 
^(■■crel^» I. 21. Ideo et Hammonem, quem deum solem occidentem Libye« 
iMmaofti »rietinis comibus fingunt etc.)) wobei Vosslus die nicht ver^ 
Cretaer^e deutsche Schriften. I. 2. 10 



-^ 240 -^ 

seheiiit er m den Zendinieheni: dareh MineHilfe, die er de 
Ormuzd leistet, eiieiehtert er die Yersehnung des Ahrimi 
mit ihm^; oder' endlich ein entscheidendes Bichtersmt swisdu 
beiden 9 mithin eine beiden übergeordnete Macht Auch M 
möchte es sich wohl bestäti^n^ dass nach Yerschiedener; A 
trachtungsart jede dieser Ansichten ihre historische Wirklid 
keit gehabte habe. Dass zuvörderst Mithras bald als Bewohn 
des Lichtreiches V bald als Bärger der Finsterniss, nnd folgli< 
in so weit als theilhaftig beider Naturen, betrachtet werde 
wird sich sofort aus seiner Bedeutung als Sarme ergeben. II 
zweite Ansicht ist durch die Zendbücher bestätigt Die drit 
aber, . nach der. er als Höchster gedacht wird, oder wenigste] 
als Demiarg, lässt sich aus den uns bekannt geworden« 
mystischen Mithrasdogmen. nicht bezweifeln. Als Mittler x^ 
sehen Gottheit und Menschheit ist er aber freilich in jen 
ersten Bedeutung eines leidenden and triumphirenden Gott 
ganz angezweifelt auch g^acht worden.*} 

Dass Mithras die Satme sey, hat Anquetil bewiesen, 
wie auch der ganze Inhalt der Zendbücher und anderer M 
numente dafür spricht Die. Beweise aus Griechischen Schril 
steilem hat Wemsdorf mit reicher Hand gegeben (s. dess< 
Noten zum Himerius Orat in Land. urb. Constantinop. p. < 
sq.}.^*) Ich will indessen noch einen Seitenbeweis aufstelle 



i') DIe'yerstliledenen Ansichten dieses Begriflli Tonf Mütter Mithr 
n^eiset jetal Welcker zu Zoe^'s AbbandU. p. 118 kursllcli na^u I 
werde auch diesen OrandbegrilT unlen in' den Zusiteen su diesem Par 
gnqihen nochmals herahren« 

2) Eichhorn (de deo Sole inyicto mthra p. 11) behauptet, dass na 
den Zendbüchem und der urspränglichen I^ehre der Blagier (wobei fr< 
lieh nicht an die sp&teren Bedeutungen in def Römerzeit zu deidcen se 
Bfithras keineswegs als Sonne selbst, sondern durchaus als Genit 
zwischen Sonne und Mond, und; als bestindiger Begleiter 4er ersten 
wiewohl TOB Ihr völlig Terschieden, erscheine. Zoega berief sieh i 
den Jescht Mithra (Tom. n. p. 211 edit. Anquetil), um den Namen Mithr 
nach Persischem System auf eine ganze Anzahl untergeordneter Wes 



-^ 341 ^^ 

aidif um Beiaer selbst willen , sondern weil er, dünkt mich, 
enien Blick nach einer andern Seite öfltaet Von den Aethio- 
pem^ jenai alten Sonnendienem , sagt uns Favorinus bei 
Stephanos von Byzanz (in Ai^io^')^ sie nannten Mithras 
and PUegyas ihre ältesten Gesetzgeber und Religionsstif- 
len Auch hier erinnern wieder Namen «n alte Verehrong 
dnes Mithras, z. B. Süimähres (bei Heliodorus X. p. IM 
ed. Coray') als wirklich Aethiopischer Eigenname. Hier- 
mit verbinden sich andere Spuren, wie die im Plinhis 
(H. N. XXXYI. 18), wo der erste König der Sonnen- 
stadt, On oder Heliopolis in Aegypten, MUreg oder Medres 
hdsst Bei Syncellns (p. 82*) wird er Mettraim genannt 
Josephos (Antiqq. I. 0. S} kennt unter Aegyptens Namen 
aach d^Di Meovpij. Forster erklärte Mizraim als Sonnenland 
(^ablcmski Voce Aegyptt p. 4M}. Eine Aegyptische Sage 
weiss zu berichten, wie ein Mitres oder Mestres in Aegypten 
Obelisken baut Aus Oherägypten her, aus des Chemmiters 
Danaas Geschlechte, ruft der ältere Griechenmythus einen 
PeneuB herauf,'} der fhuin wieder einen Persen in Yorder- 



( Genien) aosKadehnen. Welchen Satz aber schon Arsenne Thiebant be- 
stritten hat (siehe Welcker's Anmerkk. zu Zoega^s Abhandlungen p. 
96 f.)* Nachher hat aber Herr y. Hammer in der inhaltsreichen Kritik 
der genannten Abhandlungen (Wiener Jahrbb. der Literatur L 1818. p. 
108 ff,") gezeigt, dass MUhras mehr war als jer blosse Genius der Sonne, 
indem er ,,der erste der IxedSy der Vermittler der Schöpfung, der Füh- 
rer der Seelen^^ und so weiter heisst, und ,,dass gewisse Begriffe dieses 
Mythus wie der Gmndfliden durch das ganze Gewebe alter Religionen 
gehen. ^^ — In den beiden Schlussparagraphen dieses Capitels habe ich mich 
bemuht, diese Ideen von einer andern Seite darzuthun. 

1) Wer sich auf höherem Standpunkt befindet, wird sich in der Ge- 
schichte der alten Culte über solche geograpliische Versetzungen nicht 
wundem. Sehr richtig sagt Buttmann im Mjthologus I. S. 225: „Ham- 
mon (Ammon) galt bei den Alten für eine Personification der Sonne 
(Macrob. L 21. Ideo et Hammonem, quem deum solem occidentem IAhye9 
existimant, arietinis comibus flngunt etc.), wobei Vossius die nicht ver^ 
Creuzer's deutsche Schriften. I. 2. 10 



-^ 342 ^^ 

asien zni^kUost: also vidieidit eiaen MSAnmwißr Makros 
dtener; denn Persea, Bi^ötf^^ heisst Mitliras vmt ein Prie^ler 
desselben (b. Porphyr, de mtr. Nymph. twp. M. p. M ed. 
Bhoer. und daselbst Rnhnkra}. Das <ähn wieder atf das- 
selbe hinaus. Parea nnd Pmrg ist das LichUand, und Parsi fat 
der Molare , Helle ,* wie dieses LUMvolk sich selber ehrenvoll 
bezeiehnete. Kleine Urabeagmigen haben die aMen ^Sprachen 
Persiens selbst in dieser Nanenreihe So heisst Blithras im 
Zend Methren, im PehlTi Meher. Idi habe diese nach Ae- 
gypten hinäberspielenden Namen und Mythen nicht in der 
Absicht angdiöhrt, um positiv zu hekampten, dass in frfiher 
Yorwelt Mithrasdienst sich bis dorthin verbreitet habe; aber 
dem Nachdenkenden können doch diese und ihnliche Zti^ 
Stoff zu weiteren Forschungen darbieten, ob nicht diese Re- 
ligion aU eim im ganzen Orient weit verbreiteter (kUtue ehk ink 



weifUohe Bemerkniig lutohC, «iass der Begriff de« mmltergeheindem wM. 
nicht den Libyern gehöre, sondern man diesen Sonnengott der weatlica 
wohnenden Libjer den Solem occidentem im iGregensatz des morgeuländi- 
sehen, nehmlich des Versuchen Mitkras, genannt habe.<< Eine &hnUche 
Correlation haben wir schon im ersten Abschnitt des ersten Theils (s. I. 
S. 9 dritter Ansg.) bemerkt, nfimlich an den zwei Himmelstr&gem, am 
Tantalos im Osten nnd am Atlas im VTesten. — Bei dieser Gelegenheit 
lasse ich noch die Schlussworte des Bfacrobius folgen; nämlich nach: 
arietinis comibns fingnnt fiihrt er fort: ^^quibtts maxime id animal (aries) 
ratet, sicut sol radiis. ^^ Dass dies eine acht morgenl&ndische Bezeichnung 
sey, beweist das Gesicht des Propheten Daniel (Vm. 3) von dem Wid- 
der mit ungleichen Hörnern. Vom Perserkönig Sapor erzahlt Ammianns 
MarceD. (XIX. i. 3}, er sey mit seiner Heeresmacht ausgezogen : „aureum 
capitis arietini figmentum interstinctum lapillis pro diademate gestans.^ 
Bei jenen Worten des Propheten haben Englische Ausleger auf die ge- 
hörnten Thiere der Sculptnren ron Persepolis auftneiiLsam gemacht (s. 
RosenmnUer's altes und neues Morgenland IV. S. 363). Bin Griediischer 
Erklärer Ammonios (in Scrlptorr^ retemm ^ora Collect. VaÜc. I. p. 206 
ed. A. Mai) bezieht das ungleiche Hom auf die ungleiche Wnrde der 
Perser und der Meder: ^m tw pffi^ovQ ihm h u^f^ %avq ninysa^ %mv 



^^ 243 ^«ü^ 

ioiktf AUerikum verliere. ^^ ^ dea Zendschriften hat 
nmiGhst ala Sonne verschiedene Priidicate. Er h&ast Or- 
wmxd'e.Jiige, er heiswt der blendende und mäeküg kntfende Beld. 
Dann wird er B^fruclder der Wüsten genannt Clzesehoe L 
Ha.}; dann heisst er wieder der erhabenste der I%ede^ der 
Seklaflage, der Be$eh»U%er des Landes u. 8. w. (Jescht Sa« 

des ym.). 

Mit dem Begrit Senne hängt unmittelbar die höhere Be- 
deatmig des Mithras zusammen. Als Oenüta der Sonne, ab 
hoher I%ed (so wie Khorsehid die Sonne ist}, giebt Mithras 
der Erde das Sonnenlicht Hiermit hingen die andern Ideen 
zusammen , dftös er zwischen Licht und Finsterniss a} phjfskck 
steht, dass er an der Schwelle des Jahres, an der dämmera* 
den Grotte — im Stier ^ steht, dass er das winterliehe 
Dunkel bekämpft, und daher am di&mmernden Aasgan|f der 
Weltgrotte den Stier schlachtet Er ist Streiter für die 
Sonne, Lauterer der Sonne, LicbtschM^r , als^ iur das Licht 
im Kmnpfe mit der Finsterniss, nutbin in so weit meüeken 
Ueki und FVnstemkt, folglich Vätl^; h) eihiech, dass er heU 
und dun/cel iMt^ rein und unrein, dass er an den Passionen 
und Leiden der Menschheit AntheQ nimmt, dass er aber end"- 
lich im Guten siegt In der Fülle der Zeit, am Ende dersel- 
ben , ist er auch der Mittler und AufUeer^ von Fkutermee und 
Lieit, Versöhner von Ormuzd und Ahriman, folghch fFelt- 
gmnd, Emheä vor der Zioeiheit , fSerißane Akerene selber ^sißhe 
das Weitere im letzten Paragraphen}. 

Daher ist er auch Mittler im Flascb , indem er auf der 
Sonnenbahn durch den ThierkreJs die Seelen zu Gott zurück- 

1) Ich habe diese S&tse Mit der ersten Aasgube «nverinderl ^Ibe- 
küten. Jetzt muss ich meine Leser aaf den Abschnitt vom Aegyptischea 
Memnon yerweisen, und sie bitten die AusfÜihningen des Herrn RUteri^yyi 
Hnmmer (in den Wiener Jahrbb. der liiterator I. 1818. p. 108) eu yerglei- 
chen. Meine Schiassparagraphen vom Blithras als Perseus und als Ver» 
mHUer werden diesen Ideen dieses eben so gelehrten als geistreichen 
Mannes hinwieder sur SestlUigung dienen. 

16* 



-^ 244 -^ 

fuhrt. Die Bacehische Geheimlehre wird uns weiterhin znr 
^naneren Erörtenuig dieser Ideen Gelegenheit ^ben. Jetzt ' 
haben wir urkondiich zu zeigen, dass sie im Miihraa statt 
gefunden. Porphyrius (de antr. Nymph. cap. 84. p. 22} spricht 
von dem Eingang und Ausgang der Seelen in ihrer Wande- 
rung , und fahrt darauf fort , auch dem Mithras habe man sei- 
nen eigenthumUchen Sitz in den Nachtgleichen angewiesen. 
Diaher führe er auch das Schwert des Widders, als eines 
Zeichens des Mars, und ruhe auf dem Stiere der Venus; 
denn da Bfithras, gleichwie der Stier, Demiurg und Herr der 
Zeugung sey, so nehme er seine Stelle am Aequinoctialkreis 
ein , und habe zur Rechten die nordlichen und zur Linken die 
südlichen Zeichen. — Zuvörderst geht hieraus ganz deutlich 
hervor, wie Mithras zwischen den oberen und unteren Him- 
melsaieichen, nach alter Sprache, in der Mitte steht, folglich 
im Uebergang vom Licht zum Schattenreich und umge- 
kehrt Auf diesem Zodiacalwege ist er auch der Führer 
der Seelen, der sie ins Leben leitet und wieder herausfuhrt 
Sodann heisst er Demiurg. In einer andern Stelle derselben 
Schrift wird ausdrückh'ch von ihm gesagt: er habe die Welt 
gebildet (Eubulus ap. Porphyr, de antr. N. cap. 0. p. 7}. 
Weiter ist es bemerkenswerth , dass er Weltbildner und Herr 
der Zeugung, gleich dem Stier , heisst Mithras erscheint in 
so weit als Saamenbeivahrer, als ein kosmisches Wesen , wie 
Bhavani, die die Kemie aller Dinge in sich verbirgt, und in 
dieser Eigenschaft wird er gewissermassen zur weibUchen 
Mitra. Der Stier der Venus erscheint einmal hier als Aequi- 
noctialstier , mit den Bestimmungen, die oben angegeben wor- 
den sind ; zugleich aber ist er auch höher gefasst als Weltstier 
Abudad. In diesen hatte Ormuzd den Saamen alles Lebens 
gelegt , da Ahrimans Erscheinung herannahete. Dieser kommt 
darauf mit zwei Dews (^ bösen Geistern} in Schlangengestalt 
Der Stier fällt durch ihr Gift. Sterbend aber weissagt er, mit 
himpielwärts gerichtetem Blicke, den endlichen Sieg des Gu- 
ten. Aus seiner Linken geht Goschorun, seine Seele, und 



-^ 245 -^ 

steigt zum Sternenlummel auf; aas der reehten Seite tritt 
hervor Ka(foiDorts, der erste Mensch. Von seinem Saamen 
ninlint die Erde ein Drittheil, zwei Drittheile aber der Mond 
aof. Aus seinen Hörnern wachsen die Früchte, aus seiner 
Nase die Lancharten, aus seinem Blate Trauben, aus seinem 
Sehweife f^nf und zwanz^ Getreidearten. Aus dem gereinig- 
ten Saamen wurden zwei neue Stiere gebildet, von denen alle 
Thiere abstammen (^Anhang zum Zendavesta L 2. p. 256, wo 
audi die Yarietfiten in diesem Mythus angegeben sind, Bun- 
dehesch 71}. Wie reich die alte Perserrelieion an bedeutsa- 
men Symbolen, besonders aus dem Kreise der Thiere, war, 
zeigen die Zendbucher zur Genüge. Dort erscheint Ormuzd 
bald als Adler, bald als Habicht; der Ized Behram als Boss, 
als Lamm , als Stier. Das Gesetzeswort selbst wird zuweilen 
als Hom-Baum verkörpert vorgestellt C^* S* ''}* 



346 



Es erölltaet sich der Kreis dier zahlretchen Xtithrasmonu- 
ineiite ofdt dem SHeropfer.^^ Bei der Vebereinsfimmang im 
Wesentlichen sind sie in Nehenzogen sehr verschieden, wie 
man sich aus den Konstbuchem von Eirdiier und Stontfancon 
an bis aof Zoega fiberzengen kann. Das untrige Qhus de la 
Chaosse Mus. ftom. s. unten Tab. In. nr. 1} gehört zn denen, 
welche die wen^ten Attribute haben. Der Ort des Opfers 
^^igt gewöhnlich den Eingang einier J9^e. Dieser Zug ist 
wesentlich. Nach Eubulus hatte Zosoaster eine solche Mi- 
thrashöhle als Bäd der WsU eingerichtet Hierbei war Alles 
bedeutend: die Dämmerung, als der Uebergang aus Finster- 
niss in Licht , war symbolisch , der Fels war die Materie , und 
in ihrem inneren Umkreise waren alle kosmischen Verhältnisse 
und Forpien dargestellt , die Zonen , die Fixsterne , die Plane- 
ten, der Thierkreis, die Elemente u. s. w. 

Im Eingang dieser Weltgrotte erscheint Mithras mit flie- 
gendem Mantel, Phrygischer Mütze und langen Beinkleidern, 
knieend auf einem niedergeworfenen Stiere, dessen Schweif 
in drei Aehren ausläuft. Der Gott hält dem Stier mit der 
Lmken die Nüstern zu, mit der Rechten stösst er ihm den 
Dolch in die* Vorderseite. Ein Hund springt vom an dem 
Stier heran. Eine Schlange kriecht herbei, um sein Blut zn 
lecken, und ein Skorpion kneipt ihn in die Hoden. Oben im 
Rücken des Mithras erbUckt man einen VogeL So weit unser 
Bfld. Andere zeigen ausserdem noch Sonne und Mond und 
eine Ameise. (So das Relief in der Villa Albani bei Zoega 



1) Die voUstandlgsten Nachwelsangen über Mithras ^AbbUdiingen und 
Inscbrifiten liefern Eichhorn de deo Sole invicto Mithra p. 7. not. d. and 
Zoega in den AbhandlL p. 146 ff. mit den lleissigen und gelehrten Nach- 
Irigen von Welcher p. 394 iL 



i nr. 8B}. Ein anderes Monument hat zur Hechten 
zwei ndUmliche d^talten^ einen Jimgling mit aufgerichteter 
Fackel, einen Greis mit gesenkter , vorwärts einen Baum mit 
sprossenden jj^ttern, darunter einen btierkopf mit aufgerich- 
teter Fackel 9 rückwärts einen andern mit Früchten, mit dem 
Skorpion und im^kelirter Fackel; oben über der Höhle sie- 
ben Dadgabs oder Feneraltäre, an den beiden Seiten die 
Sofme mit dem Viergespann, nach den vier Weltgegenden 
gerichtet, und den Mond mit zwei Pferden. Eiin drittes (bei 
Hyde} hat eine noch reidiere Umgebung. Ausser dem Ge- 
wöhnlichen, die Planeten mit Sonne und Mond; unten das 
Mecor mit einem Delpiun; neben dem Sfier einer Seits ei|iea 
Jingling als Besaamer der Erde, anderer Seits einen mit 
dem Pfeile. Zuweilen sieht man auch den Pahnbaum und an^ 
dere Symbole , ja selbst den Todtensdiädel , auf diesen Bild- 
werken. Man vgl. z. B. die 17. Tafel bei Dupuis mit einer 
Reib^ solcher Jffithrasmonumente. 

Der Sinn dieses Stieropfers*} lasst sich nun schon aus 
dem Bishenigen errathen. Zuvörderst bleibe die Erinnerung 

1} Es wurde mich hier zu weit führen, wenn ich die G^ründe aus 
einander setzen wollte, welche mich bestimmen, die Vorstellung; von 
einem Opfer hierbei festzuhalten. Zoega (AbhandQ. p. 119 ff.) hat für 
und gegen gesprochen. Mein gelehrter Freund Weicher widerspricht ihm 
(p. 415) und meint, die Abendl&nder hätten diese Vorstellung hinzuge- 
than. Die morgenländische Bedeutung dieser Mithrischen Handlung sey 
die nder Materie gewesen, die im AVInter erstarrend in Verwesung die 
Keime des licbens bereitet. ^^ Ich will nur das Eine bemerken, dass die 
Bibel und The^pompus in der HauptsteUe beim Plutarchus mich mehr zu 
49r V«rst^liuigs»r| dea Freiherrn T^^nHammer hinzielten (Wiener Jahrbb. 
1816. I. p. 110}: »da# Opfeir des SUera ist also zugleich ein blutige» 
JUemsekemopfer , yon Mühras, 4ßm VeraAttler, zur Sühne Gottes und des 
Menschen, zur Vernichtung der Ährimfini$chen Erbsünde, dargebracht.^^ — 
Herr Ouigniaut <p. 356} nacht hierbei folgende Anmerkung: „C'est le 
troisieme point qui fait difflculte, 4aai9 la queition si compUquee des Mi- 
Uiras et des Mithriaques : s'agit-il reellement d^un sacrifice? et, en ac- 
eordant cette donaee, Fidee ea e«t-eUe orlginairement chea las Perses? 



-^ 248 -^ 

gegenwärtig, dass diese Bilder mis erst dureh RdmiscIiM 
Medium reflectirt werden. Winckelmann *) bemerkt, dass die- 
ser Mithras ' eine von j^mischen Känstlem gebildete Gestalt 
ist, die jene Phrygische Mätze und die lange Fussbekleidung 
als conventionelles Zeichen ausländischer Tracht eingefährt 
hatten. Dasselbe gilt nun auch von diesen Monumraten im 
Ganzen« In ihnen spiegelt sich naturlich der Geist ab, in 
welchem damals die Römer dieses Gebilde des alten Magis- 
mus aufiassten, mit allen den Zuthaten der damit jetzt -rer« 
webten mystisdien Dogmen ofuferer Religionen.^} Aber aocli 



Qoe IlMit-il entendre ao fond,. par ce sacrilice? Les Peraes y attäduüSBl* 
Ha le meme Bens que les RomaliiB, et Poal-ils repr^sentö soua les wA^ 
mea symboles?^ Hierauf rerweist er auf seine Note 8 vnd 9 su dleaeM 
Capitel. Aus letzterer fuge ich folgeade RteUe hier bei Cp* 739}: »yP^r- 
Boniie ne doute ai^ourdhni que les bas-reliefs mittLriaques ae repr^en- 
tent un sacrifice, et im sacrifice essentiellement symbolique; que cette 
reprösentation ne seit placee dans un point de vue astronomique et ca- 
lendaire; qu^enfln, si la forme du sacriflce, tel que nous voyona llguri 
dans les monumens, n^ appartient point primitivement i la religtoVdn 
Zoroastre , si meme V idee n' en fut point immediament empruntee de 
cette religion, du moins et cette idee, et les principaux symboles qui 
r expriment, ont leurs profondes racines dans les vieilles doctrines de 
V Orient. '^ Er glaubt dass diese Idee ihrem Princip nach mit dem Indi- 
schen Pantheismus zusammenhänge und darauf im Laufe der Zeiten, man- 
nigfach vermischt mit andern Religionen, sich bla zu den Römern fort- 
gepflanzt habe. 

1) Gesch. der K. I. p. 156 if. neueste Ausg. vgl. Fea ebendaselbst 

547. 549. p. 377 f. 

2) Auch Eichham^ a. a. O. I. p. 14 behauptet, dass die Mithrasmo- 
numente aus der spateren Periode der guten Künste seyen, dass sie an<di 
nicht Persischen Mustern nachgebildet, im Ctegentheil, dass sich Vieles 
auf denselben finde, das mit der liChre und den Gebrauchen der Blagler 
in geradem Widerspruche stehe. Jedoch liesse sieh nicht bezweifiofai, 
dass die Romer durch ihre Symbole dasselbe hatten andeuten woUen, 
was die Magier von Mithra gelehrt hfttten« 

Derselbe (p. 16} bemerkt, dass die Erneuerung des Naturlebens^ 
die neugeborene Natur, zwar durch treffende Symbole nach den liChren 



-^ 249 -^ 

die PevMT selM gab», wie berete Görres (L p. MB t} 
beaerkt, diesen Mithras and seiiier Opferhandimig Yendue* 
dese Bedeotangeii. Vorerst war er der Sehn des Persiseiien 
Urbergs AlbordL Er, der F^9§€nirmU , ans den (Steine 
henre rg e sprun gen , und die Erde dorehströmend nnd dorch- 
gUhewLi Der Stier aber, den er am Eingänge der Höhle 
wirgetj» ist einmal die Brde selbst, die einst der grosse 
Dflehensehid (als das personiftdrte Solinenjahr) mit dem 
gsldenen Dddie geqialtet Höher gefhsst, wie wir oben bei 
Pdrphyrins lasen, ist der Stier die die Keime tragende Materie^ 
lad Mithras, nimdidi gedacht, ihr Ertf/km-, der den Sdioos 
ihrer befrndhiteten Gewisser denioigisch löset Astrononisdi 
gcAnst ist Ifithras die sMfsmfo Sm m n , getragen von den 
Aefoteoetialstier, dem Saammibewahrer. Dicäser is^das Hans 
der Tesns und die Exaltation des Bbndes. Nach der Friih- 
Kn g sgjeie h e tritt die Scmne in das Zdehen des Stieres fm, 
sie ifaUet ihn, und sein Blut fliesst warm imd fruchtbar nor 
Erde ■lader. ICt der Herbstgleiche geht die Sonne m den 
Skoqiiom. Jetst versiegt die geUhrende Kraft der Erde. Der 
SkorpioB nagt an day Testifceln des Stieres. IHüiin deutoi 



ler Hftgler aageiealel wardfl^dM« sie jedooh, indesi sie aar denoB) 
Se HagtiMiie Mtaia vmd Lekre geiiMMn^ vantibidBck warai, Ohrleckoa 
mk WAmttnkj die onier gans verschiedeneai Bfaunel lebten, Jind dercai 
^'^r^*^^^*'' and l>ea]cweise Ton dem der Magier Ters^iedea war, onrer- 
TtiMlIlfh Ueibea moMtea. Damm liäUea die Btalschen Künstler ^it den 
m Mdera die eigenen, ihnen hinianglidi bekumtra ion der 
Natarkraft Terinmden, vnd Memas sey jene Bfisehang Ton 
Attarftafta» and Symbolea In dea nelstea BCthraemoanmcntea sn erkUren. 
Da naat dasselbe, was die Magier IbremMithras beigelegt, CSriedioB 
■d ngmfir der Simme beUegtta, no babe die Vergleicbnag beider sehr 
mbe gelegea, anaud da Mithras, wie ApeUe, als eia Jüngling darge- 
adlt wurde, und beiderseits der Stier seine Bedeatnng gehabt; und so 
Kjr TOB jeiier''SBelt aa MMhrM als ßume geaommea, aad adt aUea ihren 
Attrftataa aasgasdimäckt worden. Blelae eigene Meiaang wird aas dem 
■ibtilgeil Wie aas dem YerfiOg deadiA werdea. 



-^ 240 -^ 

sehdnt &t in den Zendbfidieni: dbreh Mine Hilfe, die er d 
Qrnuzd leistet, erleichtert er die YersSfammg des Ahrin 
mit ihm^; oder' endlich ein entscheidendes Bichteramt zwiscl 
beulen 9 mithin eine beiden äber^^eordnete Macht. Auch 1 
möchte es sich wohl bestätigen, dass nach verschiedener,] 
trachtungsart jede dieser Ansichten ihre historische Wirkli 
keit gehabt; habe. Dass zuvörderst Mithras bald als Bewoh 
des Lichtreiches , bald als Bärger der Finsterniss , and folg^ 
in so weit als theilhaftig beider Naturen, betrachtet wonj 
wird sich sofort aus seiner Bedeutung als Satme ergeben, 
zweite Ansicht ist durch die Zendbucher bestätigt Die dr 
aber,. nach der er als Höchster gedacht wird, oder wenigst 
als Demiurg, lässt sich aus den uns bekannt gewordei 
mystischen Mithrasdogmen. nicht bezweifeln. Als Mittler z 
sehen Gottheit und Menschheit ist er aber freilich in je 
ersten Bedeutung dnes leidenden und triumphirenden Go^ 
ganz angezweifelt auch gedacht worden.*} 

Dass Mithras die Soime sey, hat Anquetil bewiesen, 
wie auch der ganze Inhalt der Zendbucher und anderer 1 
numente dafür spricht Die Beweise aus Griechischen Schi 
steilem hat Wemsdorf mit reicher Hand gegeben (s. des 
Noten zum Himerius Orat in Land. urb. Constantinop. p. 
sq.}.^*) Ich will indessen noch einen JSeitenbeweis aofsteli 



1) DIe'TerilAtedeiieii Angichten dieses BegriSs voirf Mutier SQtl 
Weiset jetal' Welcker zu Zoegft^s AblumdlL p. 118 kürzlich nach, 
werde »ach diesen GrandbegrüT unten in' den Zusilzen zu diesem Fi 
griH^hen noehmals beroliren« 

2) EiiAhom (de deo Sole inyicta mthra p. 11) behauptet, dass i 
den Zendbücfaem und der ursprünglichen I^ehre der Magier (wobei 1 
lieh nicht an die spateren Bedeutungen in def Rdmerzeit zu denken s 
Blithras keineswegs als Sonne seibtt, sondern durchaus als Oen 
zwischen Sonne ud Mond, und' als beständiger Begleiter der erste 
wiewohl Ton ihr Tdllig ▼ersohieden, erscheine. Koega berief sieh 
den Jescht Mithra (Tom. II. p. 211 edit. Anquetil), um den Namen Mit] 
nach Persischem System anf eine ganze Anzahl untergeordneter W< 



-^ 241 ^^ 

aidit mn seiter sdbst willen, sondern weil er, dünkt mich, 
eitfen Blick nach einer andern Seite öflhet Von den Aeihio- 
piera, jenen, alten Sonnendienem , sa^ nns Favorinus bei 
Stephapos von Byzanz (in Ai^io^')^ sie nannten Mithras 
md Phle^as ihre Ältesten Gesetzgeber und Reli^onsstif- 
ter. Anch hier erinnern wieder Namen «i alte Verehrong 
eines Mithras, z. B. Skumikre* (bei Heliodoms X. p. <M 
ed. Coray") ids wirklich Aethiopischer Eigenname. Hier- 
mil verbinden sich andere Spuren, wie die im Plinins 
(HL N. XXXVL 18), wo der erste König der Sonnen- 
Stadt, On oder HeliopoUs in Aegypten, Müres oder Me^lres 
hebst Bei Syncellns (p. SS*) wird er Mettraim genannt 
Josephos (Antiqq. L S. S} kennt unter Aegyptens Namen 
aodi d^i MeoT^. Forster erklärte Mizraim als Sonnenland 
(Jablonski Voce Aegyptt p. MO}. Eine Aegyptische Sage 
wdss zu berichten, wie ein Mitres oder Mestres in Aegypten 
Obelisken baut Aus Oberägypten her, aus des Chemmiters 
Daaaas Gescblechte, ruft der mtere Griechenmythus einen 
Penem herauf,^) der ^ann wieder einen Per$e9 in Vorder- 



( Genien) aosBudehnen. Welchen Satz aber schon Arsenne Thlebaut be- 
stritten hat (siehe Weicker's Anmerkk. zu Zoega^s Abhandlungen p. 
96 fO* Nachher hat aber Herr v. Hammer in der inhaltsreichen Kritik 
der genannten Abhandlungen (Wiener Jahrbb. der Literatur I. 1818. p. 
106 IT.) gezeigt y dass MUhras mehr war als Jer blosse Genius der Sonne^ 
Indem er ,,der ente der Ixeäs, der VermUtier der Schöpfung, dertMh~ 
rer der Seeiin^^ und so weiter heisst, und „dass gewisse Begriffe dieses 
Mythus wie der Grundfhden durch das ganze Gewebe alter Religionen 
gehen. ^' — In den beiden Schlussparagraphen dieses Capitels habe Ich mich 
bemüht 9 diese Ideen von einer andern Seite darzuthun. 

1) Wer sich auf höherem Standpunkt befindet, wird sich in der Ge- 
ackichte der alten Culte über solche geographische Versetzungen nicht 
wundem. Sehr richtig sagt Buttmann im Mythologus I. S. 225: ,,Ham-> 
mon (Ammon) galt bei den Alten für eine Personillcation der Sonne 
(Macrob. I. 21. Ideo et Hammonem, quem deum solem occidentem Lib jea 
exlatimant, arietinis comibus flngunt etc.), wobei Vossius die nicht ver- 
Creuzer^s deutsche Schriften. I. 2. 10 



-^ 242 -^ 

asien zni^klässt: also vielleicht eisen JBMnn«ii<er MMra»- 
diener; deim P^rses, Higof^y hesst Bfitliras vmi ein Priester 
desselben (s. Pmphyr. de antr. Nymph. cap. lA p. lH ed. 
Rhoer. und daselbst Bnhnkra}. Das fiahrt wieder auf das- 
selbe hinaus. Parea und Pmr$ ist das JUcMbmd, «ind Porst ist 
der Klare, £M/e,-wie dieses Idohtvoik sich selber ehrenvoll 
beseichnete. Kleine Unibeiig^gen haben die alten Sprachen 
Persiens selbst in dieser Namenreihe So heisst Mithras im 
Zend Methren, im Pehlvi Mdier. Idi habe diese nach Ae- 
typten hinüberspielenden Namen und Mythen nicht in der 
Absicht angeführt, um positiv zu hekoMipten, dass in finüher 
Vorwelt Mithrasdienst sich bis dorthin verbreitet habe; aber 
dem Nachdenkenden können doch diese und ühnliche Ztig« 
Stoff zu weiteren Forschungen darbieten, ob nicht diese Re* 
ligion als em im ganaten OrknJt weit perbreUeier CuUus ehk ^tä 



werfllche Bemerknng swoht, das« der Begriff det mmt^rgekende» wohl 
nicht dea LU>yeni gehöre , sondern man diesen Sonnengott der westUA 
wohnenden Libyer den Solem occidentem im "iGregensatz des morgeulandi- 
sehen > nehmlich des Persischen Mithreu, genannt habe.<< Eine ähnliche 
Correlation haben wir schon im ersten Abschnitt des ersten Theils (s. I. 
S. 9 dritter Ausg.) bemerkt, n&mlich an den zwei Himmelsträgem, am 
Tantalos im Osten und am Atlas im Westen. — Bei dieser Ctelegenheit 
lasse ich noch die Schlussworte des Ütfacrobius folgen; nämlich nach: 
arietüüs comibus fingunt iührt er fort: ^^qulbus maxime id animal (aries) 
ralet, sicut sol radiis. << Dass dies eine acht morgeiiländische Bezeichnung 
sey, beweist das Gesicht des Propheten Daniel (Ym. 3) von dem Wid- 
der mit ungleichen Hörnern. Vom Perserkönig Sapor erzählt Ammianus 
Mareen. (XIX. 1. 3), er sey mit seiner Heeresmacht ausgezogen : „aureum 
capitis arietini figmentum interstinctum lapillis pro diademate gestans. '^ 
Bei jenen Worten des Propheten liaben Englische Ausleger auf die ge- 
hörnten' Thiere der Sculpturen von Persepolis auflneriLsam gemacht Qs. 
RosenmnUer^s altes und neues Morgenland IV. S. 363). Bin Griechischer 
Erklärer Ammonios (in Seriptorr. yetemm I^a CoUect. Vaüc. I. p. 206 

* 

ed. A. Bfai) bezieht das ungleiche Hom auf die ungleiche Wurde der 
Perser und der Meder: ^t« rw ptKwq itmi h n|^ xav^ IJ^aq xuty 



-^ 2*3 -m^ 

iahe AUertkum verliere.^') In den Zendschnßeu hat Mithras 
anmachst als Soime verschiedene Pradicate. Er heisst Or« 
nms^Ajkig€, er heisst der blendende und tnäebüg k^fende S[$ld. 
Dann wird er B^fruchter der Wüsten genannt Clzeschne L 
Ha.}; dann heisst er wieder der erhabenste der I%ede^ der 
SeUaflaae, der Besehäiwr des Lande$ o. s. w. (Jescht Sa« 
des VUL). 

Hit dem B^rif Senne bangt unnuttelbar die höhere Be- 
deatimf des Mithras zusammen. Als GeniuB der Sonne, als 
hoher Aed (so wie KhorBchid die Sonne ist}, giebt Mithras 
der Erde das Sonnenlicht Hiermit hingen die andern Ideen 
zusammen , d^s er zwischen Licht und Finsterniss a} physkck 
steht, dass er an der Schwelle des Jahres, an der dammem- 
dea Grotte — im Stier — steht, dass er das winterliche 
Dunkel bekämpft, und daher am dämmernden Aasgan|p der 
Weltgrotte den Stier schlachtet Er ist Streiter für die 
Sonne, Läuterer der Sonne, Lichtsi^fer, als^ für das Licht 
im Kudpfe mit der Finsterniss, mithin in s^ weit smiacken 
Uckt und Finsterniss, folgUch Mätlpn h) ethisch, dass er heU 
und dtmjicel iMt^ rein und unrein, dass er an den Passionen 
und Leiden der Menschheit Antheil nimmt, dass er aber end- 
lich im Guten siegt In der Fülle der Zeit, am Ende dersel- 
ben , ist er auch der Mittler und Auflöser ^ von Finsterniss und 
Lieht, Versöhner von Ormuzd und Ahriynan, folghch Welt^ 
gruad , Einheit vor der Zweiheit , jZenßone Akerene selber (^siehe 
das Weitere im letzten Paragraphen}. 

Daher ist er auch Mittler im Fleisch , indem ^ auf der 
Sonnenbahn durch den Thierkrejs die. Seelen zu Gott zurück- 

1} Ich habe djyese S&tze au« der ersten Ausgabe imver&nderl beib^ 
halten. Jetzt nuss ich meine Leser auf dei^ Abschnitt vom Ae^ypUschea 
Mtmnon verweisen, und sie bitten die Ausführungen des Herrn Ritten^ y^ 
Hammer (in den Wieoei' Jahrbb. der Literatur I. 1818. p. 108) eu verglei- 
dien. Meine Schlussparagraphen vom Bfithras als Perseus und als Ver- 
BUtler werden diesen Ideen dieses eben so gelehrten als geistreichen 
Mannes hinwieder zur Bestätigung dienen. 

16* 



-^ 254 -^ 

fbl^n. Mitluras, wie oben benierkt, hiess selbst so. Auch 
wird er auf einer Inschrift PenUiem genannt (Ruhnken. ad 
Porphyr, de antro Nymph. p. 16). Darauf folgten die Grade 
des Brmniua und des Helius. Die Mitglieder des letzten und 
höchsten Grades hiessen Väter QnareQeg y^') Alle diese Stufen 
werden auf Inschriften und in SchriftsteUem durdi die Benen- 
nungen Leontica, Coracia, Patrica und dergl. bezeichnet 
Dass jeder Grad seine eigenen Lehren und Gebrauche hatte, 
ergiebt sich von sdbst , und wird historisch durch einige Züge 
bestätigt. ^) So brachte man im Grade der Persica nur Honig 
dem grossen Perses (^Mithras) zum Opfer (Porphyr, de antr. 
N. cap. 16). Wer in die Leontica eingeweihet ward, trug 
ein Kleid, besetzt mit allerlei Thierfiguren (Porphyr, de Ab- 
stin. L L). Auch hier wieder eine AehnUchkeit mit Aegypti- 
snher Sitte. Nach Diodoms (L ttS) trugen dergleichen In- 
signien die höheren Casten dieses Landes. Auf die Leontica 
mag sich auch «ter Löwe beziehen, den man^beim Stieropfer 
des Mithras zuweilen sieht Auf die Coracia deutet man den 
Raben i der eben so oft dabei sichtbar ist, und den Zoega nur 

O Hierbei rnnsi aiam danm deaken, dass Mithras TonEngsweise der | 
Vater hiess. Hermes spricht beim Jolianas (in Caesaribus p. 336 Span- . 
hem.): n^^ Iktihe ich verliehen, den Vater Mithras zu erkennen <^ i2oX 
Sk — Mtnia Tov naxi^a M(&f^¥ im/vSmM'yj und Porphyrins (de antr. 
Nymph. VI. p. 7 Goens.) sagt: 99 zur Ehre des Allschöpfers und Vaters ' 
Mithra^' Ctiq zi/tfi¥ tov narrtop Tfonjrov ual nargoq MiO^ov')''^ Aber auch ^ 
Priester des Büthras wurden nari^q genannt. So heisst es beim Euna- 
pius (in Maxime p. 52 ed. Boiss.) von einem: natflg mv r^c 3f»^(«a«fc 
TcAer^c» und ein Septimius wird in einer Inschrift Pater et sacerdos in- ^ 
Ticti Mithrae genannt. Doch scheint dieser Name von Priestern mehrerer 
CtottheUea im Gebrauch gewesqn zu seyn^'so wie mater (Mutter) von ^ 
Priesterinnen (s. BoisMmade und Wyttenbach zur angeführten Stelle p. ^ 
300 04. p. 183 sq.)- ^ 

2) Es lAsst sich aber auch venaathe»« dass BCthras in dw verschie- 
denen Graden der Büthriaca verschieden nach seinen niederen und höheren 
Wwrden bis endlich zur Idee des höchsten Wesens, Zenume Akerene, 
selber aufgefiisst und vorgesteUt worden ist. 



-^ 255 -^ 

fb eine Grieiditedie tlttdeutaiig der Waldtaobe hält Die 
Atred (YSter} Uesseo in der Ordeiissprache Aihr mid Ha- 
Uckte , 60 wie man die Epepten Greife nannte , nnd als GreH*e 
in nysteriöser Verlitinung darstellte. Nach Hieronymus (efist 
ad Laet 7) nnd nach den Inschriften (Reineshis I. 48} scheint 
jene Aierische Symbolik mehreren Graden, als dem der Co- 
races, gemein gewesen m seyn. 

Unter die gehemieci Symbole der höheren Lehre rechnete 
man an^ jene Stttfenbakn mü acht Thuren von verschiedenem 
Metall , mit Bezug anf Sonne , Mond nnd Planeten und auf den 
Gang der Seelen durch dieselben , nach einer Anordnung , der 
das DiatessarOn oder die Qufttto zmn Grunde gelegt war (Cd- 
SOS beim Origenes VI. p. S02. p. 616 de la Rue. cf. St Croix 
1. 1. p. M6 sqq. >)}. Auch dieses könnte auf s^r alter Symboiai 
benriien. Dass man die Planeten frühzeitig bildlich darstellte, 
«eigen mehrere Spuren. Pausaniaa {^Lacon* cap. Sto} deutet 
sieben Idte Spitssäulen , die er in Griechenl»id sah , auf die 
sieben Pfainetea ; und die verschieden colorirten sieben Mau- 
ern, womit der Meder Dejok die verschiedenst Räume v«a 
Ekbirtana umschloss (Herodet. 1.68}, gehören wahrsdieinlich 
anefa in diesen Kreis naiver Sinnbildiierd. km Mitlirasdienst 
hatten jene lliore aber ausserdem noch je»e andere Beziehung. 

Alle diese f^puren uralter Symbole und Gebräuche spre- 
chen für den frühen Vftfmmg wm XUhnumg&terien in der 



T) St. Croix spricht dort nur toh sieben Thüre», indem er 
einer andern Lesart in der Stelle des Origenes folgt; und hierin stimmt 
Ihm auch Süvestre de Sacylyei, da jene SteUe nach der vulgären Lesart 
offenbar verdorben, und übeilianpt immer mir von stefren TMtren die 
Rede sey. — Die Worte heissen nach der gewöhnlichen Lesart: nJU/ut^ 
vyrinvXoQ, M ^ oütJ nvXri oySoij. Die nachfolgende Aufe&hlung zeigt 
aber, dass nur von sieben Stdfen die Rede, und daher die Verbesserung 
l^anvXoq richtig ist. Nach Einsicht der StdDle in der besseren Ausgabe 
trete ich daher dem genannten Gelehrten jetzt bei, ohngeachtet Zoega 
in den AbhandIL p. 136 auch von acht Pforten redet. Auch ihm 
scheint, wie mir vorher, die bessere Lesart uftbekannt gewesen nu sejm« 



-^ 256 -^ 

Reli^ioa des Orients.^ In der Art hingegen, wie sie sett 
Pompeius im Bomiseh^ Reiche beg^an^n wurden, se^ sich 
in wesentlichen Stucken ^osse Verschiedenheit vom heiligen 
Dienste der Perser. Die neuen Mithriaca 2sum Beispiel forder- 
ten von ihren Anhängern häufige und strenge Fastra, Ja in 
den höheren Graden legten die Priester manchen , die nad 
höchster Vollkommenheit strebten, das CöUbat auf ^TertoUift- 
nus de praescript haer. 140}. Nun bemerken aber die Ueber- 
setzer der Zendbächer, dass dem Zoroastrischen Geselse die 
Fastai völlig fremd waren, und dass es eben so wenig den 
ehelosen Stand begünstigte (AnquetU Zendavesta T. ED. p. 
001. Freret Memoir. de TAcad. des Inscr. XVL p. S8S}. 
Auch habe ich oben ($«83 ^°^ ^^^ Geschichtschreiber Doris 
ganz andere Nachrichten vom aU-Perskehm Mithrasdienste 
gegeben. Festliche Lust und lautes Wohlleben, nicht ernste 
Stille und strenge .Entsagung, war sein Char^ter. Unter 
diesen Umständen müssen diese härteren Verfiigungeii enl- 
weder für spätere Neuerungen der Priester gelten, und so 
manches Andere scheint ja eine Anudgamation mit andern 
Religionen zu bestätigen , oder man muss diesen Geheimdienst 
aus einer andern Asiatischen Quelle ^ als aus dem Perdaekim 
Magismus , herleiten. Freret a. a. 0. hat auf Babylonischen 
Ursprung gerathen. Auch Kleuker (Anhang zum Zendavesta 
IL 8. p. 194) vermuthet, dass diese ursprunglich Babyloni- 
schen Weihen von den Persischen Magiern später angenom- 
men wären. Oder man sucht die Wurzel der Mithriaca hn, 
älteren Sabäismus vor Zoroaster auf. So Uessen sich freiUch 
die Abweichungen vom alten Zendgesetz und die Ueberein- 
Stimmungen damit am ungezwungensten erklären.*) 



1) V. Hammer (Wiener Litt. Zeit. 1816. nr. 92. p. 1462 ff.) erklärt 
die Mithriaca für unbezweifeU Persischen Ursprungs, jedoch mit Inü^ 
sehen Zuthaien vemUschi, 

2) Silvestre de Sacy (in den Noten sn St. Croix p, 144 sqq.)» der 
einerseits die Starke der Ton Freret gegen den Persischen Ursprang der 



257 



mthriaca beigebrachten Beweisgründe anerkennt , führt doch auch wieder 
Vieles auf, welches uns nöthige, in Persien den Ursprung dieses Culcus 
sn suchen. Da aber in Persien seihst gar keine Mithrasmonumente ge- 
funden werden, bei andern Uebcrrcsten der alten Religion Pcrsions, da 
femer auf denselben Monumenten äusserst selten Feuer und ihm gewei- 
kete AJtäre erscheinen , sondern nur brennende Fackeln , von Genien oder 
Biedern Gottheiten getragen, so könne man hieraus schliessen, dass die 
Symbole des Mithrasdienstes , bevor er zu den Griechen und Römern 
vberging, von einer Nation angr^nommen worden seyen, welche die 
Sonne und die 8tcme anbetete, oder wenigstens ihnen eine sinnliche 
Verehrung C«» *^^te sensible) wcihete, wie die Perser, bei welcher 
jedoch die Verehrung des Feuers gar nicht verbreitet, oder doch nur 
sehr unbedeutend war. Und dieses Volk habe mit jenem Cultus die dem 
Persischen Religionssystem ganx fremden Gebrauche und Einrichtungen, 
welche sich auf Enthaltsamkeit, Fasten u. s. w. bezogen, verbunden. So 
gehöre also der Mithrasdienst im eigentlichen Sinne nicht nach Persicn, 
sondern letzteres habe blos einen Theil der Symbole jenes mysteriösen 
CuJtu« geliehen. Und auf diese Weise, glaubt Silvestre de Sacy, Hessen 
aidi alle Schwierigkeiten heben, v. Hammer*» Ansicht haben wir in der 
Torkergehenden Anmerkung gegeben. 



Cr€u%er's deutsche Schriften. I. 2. 17 



258 



JJ. 11. 

Die Geschichte der MUhriaca tritt , wie bemerkt , erst Bit 
iler llöiuischiMi Periode mehr aus dem Dunkel hcn^on Das 
sie sicli über Armenien, Caiipadocien, Pontiis nach Cih'dei 
und im übrigen Kieinasien verbreitet haben, geht aus Slelire- 
rem Iiervor, vorzüglich aus dem Gange, den der Dienst der 
Anaitis und anderer Gottheiten genommen. Auch in Syrie% 
Pala8tina und in angränzenden Ländern sucht man Spiirai 
davon. Üo sield z. B. Dupuis (III. p. 7363 ^^ ^'^^^ Molodo- 
dienste der Ammoniter einen Alithras und Mithriaca. ABci 
dieses würde einen weit höheren Grad von WahrscheinliciKkcit 
gewinnen, wenn jener uralte 7ä\\g einer AlithrasreUgioii (jdlk 
einer solchen, worin der Sonnengott, als Besaamer g^AMi 
unter einer bestimmten Form von Geheimdienst und unter ipb* 
sem eigenen oder ver>vandten N«imen verehrt ward) \m 
Oberasien nach Aegyplen hin sich etwas deutlicher nacfc- 
weisen liesse. ii\< nach den oben gewiesenen Spuren blsjetlt 
geschelun kann. Daini wunh^ m'cIi auch bestimmter ergebeOy 
was jener VorwurC der Sonnenverehrung sagen wollte, des 
man, nach Josephus« den Essäern machte. ( 3fan sehe darober 
Starck's gelehrte Geschichte der Christlichen Kirche des erstei 
Jahrhunderts 1. p. 107 f. ) Älit den Kömischen Kaisern w»- 
den flic Xacliri(*hten vom 3Iithrasdienste hautiger. Pallas bda I 
Porpliyrius (11. p. 202 ed. llhoer. ) erzählt uns. lladriftB« 
habe «lurch ein Kdict ilie ^leiischenopfer Hist gänzlich aa^ 
hoben, üass dieses Verbot auch die Mithriaca betraf^ zeigt 
der ganze Zusanunenhang. Auch der Orient huldigte des 
Miiliras durch blutigen Diensi. und geschlachtete iMenschei 
^l!l•^sten zu Kxtispicien dienen (Photii Kibl. p. 144(1. Socratcs 
llistor. Kccies. 111. 2). Nach llailrianus setzte man ihn wß^ 
der fort , und der Kaiser Commodus opferte dem Mithras tigcor 



-^ 259 -^ 

hNodig einen Menschen (^Lamprid. in Comm. cap. 19}. Nun 
wurde der Sonnendienst im All^meinen häufiger unter den 
Römern aus verschiedenen Anlässen. Einmal wurden jetzt, 
zum Theil im Kampfe mit dem Christenthum , die Orphischen 
Gottheiten, und vorzüglich die Sonne, im höheren Sinne ge- 
fasst, allgemeiner verbreitet. Sodann gingen die Kaiser mit 
ihrem Beispiel in diesem Cultus voran: erst Heliogabalus, mit 
seinem Sonnengotte Gabal; sodann Aurelianus und Probus, 
denen der Palmyrenische Feldzug und andere Bewegungen 
im Orient Gelegenheit genug gaben, den dortigen Sonnen- 
cultus kennen zu lernen. Jetzt kommt auf Inschriften , ^ ) so 
wie auf Münzen, das SoU Invicto Comti nebst ähnlichen reli- 
giösen Ausdrücken des Sonnendienstes vor. So wird z. B. 
auf einer Griechischen Inschrift eines dem Mithras geheiligten 
'. Grundstückes (^d^ydg) gedacht (s. Bouhier epist. epigr. p. 
240). Dies dauert bis auf Constantinus Magnus fort. Der 
Kaiser Julianus zeigte nun seine Anhänglichkeit an das Hei- 
denthum, besonders auch durch eifrigen Mithrasdienst, und 
eines der ersten Geschäfte nach seiner Thronbesteigung war 
die Einrichtung der Mithriaca zu Constantinopel. Er selbst 
gedenkt in seiner vierten Bede (p. 155. b. ed. Spanhem.) der 
Yieijährigen Spiele, die er dem Sol Mithras in dieser Haupt- 
stadt angeordnet habe. Daher auch auf Inachriften aus diesen 
Zeiten 'Hkitp MO^qL dpixtjrtp (^Spanheim ad luliani Caesares 
p. 144). Wer des Kaisers Gunst suchte, liess sich .in die 
Mithrasmysterien einweihen, wie der Redner Himerius und 
Andere (s. die inhaltsreiche Note von Wemsdarf zum Himerius 
de laud. urb. Constantinop. p. 82 sq.)v Aber auch auf Münzen 
der occidentalischen Cäsareä, z. B. des Carausius, der im 
änssersten Westen regierte, lesen wir jetzt dieselben Auf- 
schriften (Eckhel 1. I.). 



1) S. Grutenu in Thes. Inscr. p. 133 sqq. 1066 und Reincsiuis 
Sjiitagm. I. 45 ,— 49. Ueber die Münzen 8. Eckhel Doctr. Num. V. 
Vm. p. 45 cqq. 

17* 



-^ 26() -^ 

Die Mithrasmystericn feierte man za Rom in dem Krüh- 
lingsäquinoctium. Der Grund davon ergiebt sich aus dem 
Obigen. Hingegen das Fest, das man Natalis Solia Iiwkti 
nannte • fiel auf den VIII Kai. lan. ( auf den 25. December}^ 
Ohne Zweifel hatte diese letztere Feier aucli auf Mithras , als 
Sonne, Beziehung, wie schon der ihm jetzt so häufig beige- 
legte Name Sol Invictus zeigt. Um diese Zeit ohngefähr, 
bestunmt einige Tage nach dem Wintersolstitium , fiel unter 
den Persern das Fest Alirrhagan. '3 Also hatte sicli auch in 
dieser Festperiode eine Persische Sitte erhalten, und dieser 
Grund gegen den Persischen Ursprung der Mithriaca, den 
Freret geltend zu machen suchte , fällt also weg. J^ner Na- 
talis Solis Invicti war im Occident und besonders zu Rom ein 
Tag allgemeiner Feier, den man durch öffentliche Spiele, durch 
eine Art von Lichtmesse u. dergl. zu verherrlichen pflegte. Das 
Volk ging unter allerlei Cärimonien ins Freie, und sah un- 
verwandten Blickes* zum Hinmiel hinauf. Alles dieses veran- 
lasste, nach der Meinung von Ilarduln und Petav (ad lulian. 
p. 87), gegen Anfang des vierten Jahrhunderts, die Vorste- 
her der christlichen Kirche im Occident, den ohnehin unbe- 



1) Mihirgian hioeo «In« Fn'iiiiiiigsäquinoccium , womit die alten Per- 
ser Uir Jahr angeflui/e^en haben. Es begann mit einem Feste Mirrhagan, 
welches ein alter Persischer König aus der Dynastie der Pischdadier^ 
Namens Feridun, angeordnet haben sollte. S. Herbelot B. O. II. p. 616. 
vgl. auch Zendavesta von Kleukcr III. p. 243 und Muradgea d* Ohsson^s 
Gesch. u. s. w. p. 40. Es war eben das Fest des Mithras und eine nach 
der ursprünglichen Lichttheoric Persisch aufgefbsste kanonische Heils- 
periode, physisch, ethisch, politisch, kurz durch und durch nach des 
Morgenlandes Art. ^- So habe ich die Sache immer vorgetragen. Jetist 
lese man die ganze Ausrührung des gelehrten v. Hammer Cin den Wien. 
Jahrbb. 1818. I. p. 107), die mit der Bemerkung anfängt: „Der Name 
des Festes Mirgan, von Mihr, die Sonne, am Tage der Ruckkehr der- 
selben vom Nordpole gefeiert , ist das eigentliche alte Persische Fest des 
Mithras f von dessen Dienste hier ausführlicher su sprechen der Ort ist'^ 
n. s. w. 



/ <« 



-^ 261 -^ 

kannten und früherhin gar nicht gefeierten Tag der Gebuit 
Christi aii jenem Festtage der wieder aufsteigendeu Sonne zu 
begehen. Ckrütua war ihnen, im geistlichen Sinne ^ der l$ol 
novus, die neue Sonne, deren kdrperUcke Wiedergeburt das 
Heidenthum an diesem Tage feierte. Mit sichtbarem Ge- 
gensatz gegen dieses sinnliclie Sonnenfest sprechen viele 
christliche Yäier von dem Erscheinen der Sonne des ewigen 
Heiles ([die Stellen sind gesammelt bei Philippo a Turre in 
den Monmnenta veteris Antii p. 227 seq. und in der gleich 
anzuführenden Abhandlung von Jablouski}. 

In der orientalischen Kirche gab ein anderes heidnisches 
Fest Veranlassung, die Geburt Christi am 6. Januar zu 
feiern. Am 7. des Monats Tybi kam Isis aus Phönicieu, 
and wenige Tage darauf, Avahrscheinlich den 11. Tybi, d. L 
den 6. Januar, beging man die evQeöi^^ das Fest des wie- 
dergefundenen Osiris. Daher kam im Orient und Aegypten 
allnulhlig die Sitte auf. das Gebiirtsfcsi C-hristi an diesem Tage 
KU feiern ([Epiphan. adv. Haeres. I. p. 29}. Anfangs waren 
Gnostiker und Basilidianer , gewohnt, Heidnisches und Christ- 
Uches zu verbinden, mit dieser Festperiode vorangegangen, 
nicht ohne Tadel der übrigen Christen , bis man sich im Orient 
wie im Occident durch die Yortheile, welche die Wahl dieser 
Festtage gewährte , allgemein dazu bestimmen liess , besonders 
seit Constantin dem Grossen. \) Dass übrigens schon früher, 
schon im Apostolischen Zeitalter, Christus mit der Sonne 
verglichen ward , dass die Christen der ursprüngUch Jüdischen 
Silte, sich bei gottesdienstlichen Handlungen gegen Morgen 
(Jerusalem} zu wenden , diese Deutung gaben , was ihnen den 
Beinamen Sonnendiener bei den Heiden zuzog, darüber giebt 



1) H. Jablonski de originc festi nativitatls Christi in eccles. Christ. 
iB dessen Opuscc. ni. p. 34ö sqq. mit den schatzbaren Zusätzen von Te 
Waler. Früher schon hatte der gelehrte Jofi. Uarduin auf diesen Anlass 
4er gedachten christlichen Festperiode aufmerksam gemacht; «. Acta 
SsRclonim Mensis lunli Tom. IV. Aniverp. ITOT. p. T02. D. 



-^ 262 -^ 

■ 

Starck in seiner Geschichte der christl. Kirche des ersten 
Jahrh. III. p. IM die nöthigen Beweise an. 

So wirkten diese Mithriaca im Occident selbst anf die 
hohen Feste der ganzen Christenheit. Aber auch an sich 
behaupteten sie die grösste Bedeutung, und durch das ganze 
grosse Römerreich, selbst bis in den äussersten Westen und 
den hohen Norden hinauf, verbreiteten sich diese mystischen 
Religionen. Davon zeugen die zahlreichsten Denkmale. An 
Nachweisungen darüber bei Turrc , St Croix und Andern fehlt 
es nicht. Ich will nur einiges Neuere nachtragen. Zuvörderst 
Rom , wo dieser Persische Gott so willige Aufnahme gefunden, 
war reich an Denkmalen seines Geheimdienstes , wie die Villa 
Borghcse , Albani und andere zeigen , worüber Zoega , Eich- 
horn u. A. nachzulesen sind. Auch im übrigen ItaUen sind 
die Monumente der Art nicht selten , z. B. in Etrurien , was die 
Toscanischen Antiquaricr zu manchen Fehltritten in Erklärung 
aIt-Dacclii!»cher Bildwerke verleitet hat. Unter den Städten 
Oberitaliens war Mailapd in der Römischen Periode ein Hauptsitz 
des Mithrasdienstes (^s. Fea zu Winckelmann's Gesch. d. K. 
L p. 377 neueste Ausg.}. Von Italien aaq verbreitete er sich 
weiter in die Alpen, nach Tyrol u. s. w. hinauf. Ein Tyrollsches 
Denkmal hat Herr r. Hormayr in der Geschichte von Tyrol 
I. p. 127. Not. ff. beschrieben. Er liält das Werk (ur Tnsci- 
sehen Ursprungs. Es hat zwölf Reliefs, die eben so viele 
Prüfungen in verschiedenen Graden dieser Weihen darstellen.'} 
In der Behandlung des Stieropfers gleicht es sehr einem Relief 
in den Vogesen, das in einen Felsen gehauen ist, nur dass 
letzteres die Prüfungen nicht hat lieber dieses verbreitet sich 
Schopßm in der Alsatia illustrata T. I. p. 601 seq. zu Tab. IX. 
Frankreich hat besonders viele Mithrasbilder , die Montfaucon 
und die Erklärer der Celtischen Alterthümer verschiedentlich 



1) Dieses ^fonument, das offenbar unter die Mithriaca gehört, hat 
ganz genau von Hammer erklärt iu der Wiener Litt. Zeit. 1816. nr. fK?. 

p. I4<j3 sqq. 



-^ 263 -^ 

betrachtet haben. Einen schätzbaren Beitrag dazu hat Miliin 
in der Voyage dans les departemens du Midi de la France T. 
in und dazu pI. XXXVI. nr. 5 gegeben. Dass manche 
Französische Antiqnarier sehr bemüht gewesen, die Mithriaca 
in die frühesten Druidenschulen und weit hinter die Komische 
Periode zurück zu versetzen, ist zur Genüge bekannt Eben 
so angelegentlich haben Andere den Mithrascultus schon durch 
die Phönicier in die Brittischen Inseln bringen lassen, wofür 
unter Anderm auch das Irische Mithr , Sorme , als Beweis aii- 
gefiihrt wird. Aus den oben angeführten Gründen halte ich 
es vorerst noch nicht für möglich, darüber aufs Reine zu 
kommen. 

Auch in das diesseitige Detdsckland kamen die Mithriaca 
mit den Römischen Legionen. Mehrere Monumente in den süd- 
lichen Provinzen geben noch jetzt anschauliclie ITcberzeugung. 
Sie sind theils in die allgemeinen Sammlungen, theils in die 
einzelnen Landesgeschichten und in ähnliche Werke aufge- 
nommen. So liefert und beschreibt Sattler in seiner Geschichte 
des Herzogthums Wirtcmberg p. 138. 192 fT. und dazu Tab. 
XI einen bei Fehlbach im Königreich Wirtemberg gefundenen 
Stein mit dem Stieropfer, und einen andern aus demselben 
Lande, mit der Aufschrift SoU Invicto Mithrae. £ine ähnliche 
Aufechirift auf einer Ära aus Heilbronn am Neckar giebt Rei- 
■esius Syntagm. Inscriptt. Class. I. nr. 37.^} Auch ganz in 
unserer NShe hatte das Römische Lupodunum , jetzt Ladenburg 
am Neckar^ seinen Mithrasdienst Ein dort gefundenes Relief') 



ty S. darüber jetzt des Herrn Dr. 8taclin Abhandl. über die ndtni- 
ichen Inschriften und Bildwerke CinMcnimlnger's Würteinbergisclicn Jahr- 
1ȟc1iern 1835. I) S. 49 f. 

2) Es wurde in das Churffirstliche Antiken cabinet nach Manuhcim 
TerpflADzty wo es auch der Baron t. 8t. Croix sah Cs. Rech, sur Ics in3'st. 
da Pa^. II. p. 123 sec. ed.), und befindet sich noch jetzt in der dor(i>;cn 
»auimluog. Frehcr in den Ori^g. Palar. I. cap. 4 gedenk: dieses Monu- 
ments. Darauf Uess es Cullinan im Spicilegiuni i>racclput>runi Monum. in 
terris Cisrhenan. Palat. Heidelberg. i;f4 abbilden. Der ^elohrto Andrejs 



-^ 364 ^^ 

zeigt das bekannte Stieropfer unter einij^en sonst nicht leicht 
vorkommenden Umg^ebung^en und Attributen. Das Bild hat 
zwei Ablhcilungen. Auf dem oberen Plane sieht man den 
liegenden Stier, über dessen Hörnern der ^gewöhnliche heilige 
Vogel schwebt. üUthras, mit entblösstem Haupte und ohne 
Spur von Phrygischer Mütze, kniet auf dem Stier, und indem 
er ihn bei Einem Honic fasst, scheint er erst noch den To- 
desstreich vollziehen zu wollen. Er halt die Spitze des Dol* 
ches gegen das Schlachtopfer hin. Den Schweif iies Stieres, 
der keine Aehrenbüschel hat , halt eine fast ganz nackte Per- 
son, gleicIifalU ohne Phr}'gische Mütze, mit der Linken ge- 
fasst. In der Rechten hält sie etwas, wie ein PeduuL Hinter 
ihr, abgewendet vom Stier, sieht man einen Löwen. Auf 
dem untern Plane, unter den Yorderfüssen des Stieres, sitzt 
ein Hund, rückwärts zum Stier aufblickend. Zunächst an ihm, 
gerade unter dem Stier, erscheint eine andere männliche Figur, 
die in der linken Hand ein Gefass hält, und mit der rechten 
aus einem andern Gelasse auf eine kleine Ära das Trankopfer 
ausgiesst. Daneben steht ein grosses Gefass, grösser als die 
Ära. Eine mächtige Schlange, die über die Hälfte des unte- 
ren Raumes einnimmt, umringelt den oberen Rand des Ge- 
fässes, und sieht von oben hinein. — Diese selteneren und 
vielleicht einzigen Umgebungen des Mithrasopfers verdienen 
Aufinerksamkeit. Vielleicht war dies der Grund, äass Sainte 
Croix es ausdrücklich bemerkte; doch sagt er weiter nichts 



Lamc3' thelUc es gleichfliUs mit Cin den Act. Acadein. Theodor. PalaüD. 
Tom. I. Tab. Ü. nr. 3) and erinnerte dabei an andere Mithrasdenkmale^ 
besonders in Deutschland (s. daselbst p. *>0j). Der Stein hat etwas ge- 
litten, wodurch der Löwe, aum Thell auch die Fig;ur des Mithras und 
mehr noch die zweite oben eini^ermassen unkenntlich geworden sind. Die 
NachweisuDfsen über dieses Relief, so wie über mehrere andere yater- 
ländischti Denkmale dieser Classe, verdanke ich der Güte des Herni 
Dr. Dümg^. 'Wir haben dieses Denkmal auf der Tafel XXXVI. nr. 1 
coplren lassen. Die Arbeit daran ist äusserst roh, bemerkenrwerth aber 
der liöwe und die 8abaElscheD Sjmbole. 



-^ 265 -^ 

« 

ruber. Sehr glüGkiich scheint nvir der Gedanke von Lamey, 
SS die den Schwdf des Stiers haltende Fignr der Mond sey. 
liickUeh steht er also neben Mithras- Sonne auf demselben 
ine. Wir kennen den Mond auch als Empringerin und 
wahrerin des Stierkeimes. Dazu passt das Halten des 
hweiibs im Augenblicke des Opfers vortrefflich; denn mit 
n Tode des Stieres geht ja von seinem Saamen ein Theil 
den Mond über. So weit liegen also Persische Yorstellun- 
B zum Grunde. Das Uebrige weiset auf andere Religionen 

• Denn zuvörderst die Parsenlehre denkt sich den Mond 
er andern Bestimmungen als weiblich, nach dem Bun- 
lesch XVII. u. s. w. Hier aber sehen wir ihn männ- 
I, rüstig, mit dem Stabe in der Hand. Auch die Schlange 
eheint hier gar nicht als die verhasste Ahrimansschlange, 
Stiere hängend und ihn vergiftend , sondern , wie in andern 
iwerken , um ein mystisches GefSss gewunden und darüber 
leutsam sich erhebend. Mit Einem Worte : ich sehe in die- 
I Relief Vermischung der Mithriaca mit den Phrygieehen Sor 
ten. In den Sabazien war alter Magismns mit Yorderasiati- 
em Cultus früh vermischt. Wie im Persischen Viapered, 

Mond, mit MithroM angerufen wird (^s. z. B. Neäsch des 
ides II. nr. 0), so in den Sabazien der Mond neben der 
tne. Beide theiltcn auch als männliche Potenzen denselben 
"ennamen, Beherrscher des Mondes (Menotyrannus).' Das 

• der grosse Sdßo^ oder Saßd^ioQj dessen Wundergeburt 
Phr}'gischen Mysterien mit der Formel bezeichneten : Taur- 
draconem gemdt et taurum draeo. In einem solchen Wech- 
'erhiiltniss erscheint dort Stier und Schlange. Dem ersteren 
' auch hier die alte Bedeutung des Aequinoctialstiers und 

Fruchtbarkeit geblieben. Die Schlange hingegen war, 
iK gegen die Persische Lehre, ein Bild des befruchtenden 
Ds und somit auch ein Symbol des Segens geworden. Das 
lere über die Sabazien bringe ich unten im Abschnitte von 

Bacchanalien bei. Hier will ich nur vorläufig auf die 
iptstellc des Clemens Alexandrinns in Protrept. p. 14 ed. 



-^ 266 -^ 

Potter. verweisen. Der Stab des Oehaenhirten (^ßovxökoq) war 
hier gleichfalls in einer heih'gen Formel niedergelegt, deren 
Sinn nur die Ge\veiheten erfuhren. Dieser Stab heisst baU 
Treibstachel (^xhrQov')j bald ward er zur Bacchischen Rnthe 
(pdg9t]^^j bald erschien er als einfacher Hirtenstab C^ayoi- 
ßokop oder pedom}. So hat ihn der den Stierschweif fassende 
Gott auf unserm Bilde. Beide Götter erscheinen also in ihrem 
Amte. MithroM opfert den Stier , Sabos schlägt ihn mit dem ^ 
Stabe. Mithin auf dem oberen Plane eine gattliche Opferhand- 
Inng. Daneben Löwe und Vogel, als Andeutung der zwei 
Mithrasgrade, der Leontica und Coracia. Unten das mensch- 
liche Opfergeschäft. Elin Verehrer beider Gottheiten, einge- 
weihet in beide Mysterien , also ein Perses und Sabos (Vnesixx 
des Mithras und Sabazios} zugleich, opfert seinen grossei 
Gottheiten, die so eben selbst das grosse Natnropfer verrichte 
Der Hirtenstab ist aufgehoben , der Dolch gezückt ^ die Opfer- 
schaale ausgegossen, der Hund sieht zum Stier auf, imd die 
geheimnissvolle Schlange blickt in das mystische GefSss. — 
Diesen Moment hat der Bildner des Reliefs nicht o^e Einsi^ 
ergriffen. 

So verbreitete sich dieser in manchem Betracht tpQrkwär- ] 
digc Dienst aus dem hohen Asien herab, fredidi auf sehr' 
mittelbare Weise und in sehr veränderter Gestillt, durch 
Römische Krieger selbst bis an unsere Thore.^} 



i 



1) Ja selbst in die neue Welt, wenn wir gleich die Mittel und We|[;e . 
nicht kennen. Alex, von Humboldt sagt in den pittoresken ituWcMca^ 
der Cordilleren, Tübingen 1810. p. 41: ,,Aach scheint der Mexicaniscfce^ 
Tonatiuh mit dem Krischna der Hindu's, wie er in dem Bhagavata Pnrana i 
besangen ist, und mit dem Mithras der Perser identisch zu seyn.<< Die 1- 
nachfolgenden inhaltsschweren Betrachtungen muss man dort selbst nach- ' 
lesen. 



267 



$. 12. 

Mühraa Persea oder Pereeua. 

Ich hatte im vierten Bande p. 87 f. erste Ausg. die Ver- 
Mung aufgestellt, der Griechische Peraeua möge ein etwas 
ngedetdeter Mähraa seyn. Hier möchte nim wohl der Ort 
yuj diese Yermathnng etwas mehr ins Einzelne zu ver- 

Hatten wir eben Mithrische Symbole in einem Denkmale 
liter Römerzeit zu betrachten , so wollen wir Jetzt von einem 
alten, Ja vielleicht dem Ältesten Bildwerke Griechischer 
nilptur>} ausgehen. Es ist das Bild über einem der Thore 
r Burg von MycenS. Pausanias (^11. 16. 4 mit Siebeiis p. 201 
gicbt uns bei Gelegenheit der Zerstörungsgeschichte die- 
r Stadt folgende Notiz davon : «< Gleichwohl sind jetzt noch 
dere Reste der Ringmauer übrig und üuch das Thor. Es 
shen Löwen darauf. Man sagt, auch diese seyen Werke 
r Cyklopen, welche dem Prötus die Mauer zu Tirynth auf- 
fahrt haben. » William Gell ') liefert jetzt eine Beschreibung 
d drei Abbildungen dieses Thores und seiner Uingebungen. 
if'3 S^^ einen kunstgerechten Auszug daraus, den ich 
en deswegen von ihm entlehne: «Wir kommen nun zur 

V) S. SpecUnens of ancient sculptore, London 1810 und Payne 
Ig^hf; Prolegg. ad Homer. S. LIX. p. 57 sq., der den Ursprung diese« 
lleiSi unter die Begiemng der Pelopiden setzt. 

21 Itlnerary of Graec. Argolis , liond. 1810. p. 35 sqq. und dasu pl. 
9. 10. »—jetzt in mehrem andern Werken nnd in grosserem Bilaassstabe 
DodweU's Cjiclopischen Bandenkmalen abgebildet. 

BD In F. A. WolTs literarischen Analekten 1. p. 159 f. und W. GeU 
Ibst p. 3fi sqq., von welchem letzteren die Beschi'eibung des Denkmals 
d die Vergleichung mit einem Wappenschildc aufgestellt ist. Was von 
a eigenen Bemerkuugeu HirVs zu meinem Zwecke gehört, werde Ich 
gleich beifugen. 



-^ 268 -^ 

Betrachtung der bQdlichen VorstcUung über dem Hauptthore 
der Festung Mykenae. lieber demselben sind auf dem Steine, 
welcher die dreieckige Oeffhung blendet, und der 11 Fuss 6 
Zoll lang, 9 Fuss und acht Zoll hoch und 2 Fuss dick ist, 
zwei Löwen in erhabener Arbeit dargestellt, zwischen wel- 
chen man auf einem Sockel einen Fuss in Form einer verkehrt 
stehenden altdorischen Säule errichtet sieht . über deren Wulst 
und Ringen eine viereckige Platte , über der Platte vier rnnde 
neben einander angebrachte Körperchen, und über diesen wie- 
der eine Platte liegt. Die Löwen stellen die Hinterrüsse auf dem 
Sturze des Thores auf, die vordem Fusse ruhen aber auf der 
Höhe des Sockels. Ihre Köpfe, die meistens zerstört sind, 
sehen gegen einander, getrennt durch die in der Mitte ver- 
kehrt stehende Säule. >» Darauf spricht er von dem Alter und 
der Merkwürdigkeit dieses Bildwerks , das man fiiir ein Wap- 
penschild zu halten versucht seyn würde, wenn nicht Pausamas 
seiner gedächte, und wenn wir m'cht ivüssten, dass MycenS 
schon im ersten Jahre der ?8sten Olympiade zerstört worden 
(^Diodor. XL C&y Nach einigen Zmschenbemerkungen über 
GeU's Meinung von diesem Relief trägt er die seinige vor, 
wovon das Wesentliche dieses ist, dass die Säule der hohle 
Fuss eines Opfertisches gewesen, in der Art, dass durch die 
im Sockel noch vorhandene Rundöffhung die Asche von den 
Brandopfern herausgezogen worden sey. Bei den Löwen , als 
Wächtern des Heiligthums, wie er sie nimmt, erinnert er, 
wegen der hoch liegenden Festung , an die Löwen der Phry- 
gischen Magna mater, der die Höhen heilig waren, die die 
Städte schätzte (^Strabo X. p. 478}, und deren Religion und 
Attribute die Lycischen Cyklopen (die angeblichen Werk-, 
meister jener Mauern und Thore} sehr natürlich hier hätten 
verewigen wollen. Seinen Schlusssatz will ich wörtlich bei- 
fügen : « Ein solcher Opferaltar in der Festung hiess Hestia 
oder Vesta, welches dann der besondere Name einer Göttin 
wurde, die ursprünglich mit der Phrygischen Göttin eins war, 
spater aber getrennt wurde. » 



^^ 269 ^^ 

Ehe ich nun das Treffende in den Ideen dieses kunstge- 
iehrten Mannes näher bemerke, moss ich eines Haaptsat/iCs 
des W. Gell Erwähnung thun. 

Er erinnert nämlich, und dies ist der Hau])tgcdanke , an 
Mührüche Bildwerke, und bemerkt, dass der Löwe ein Atp- 
tribut des Mithras war;*) macht ferner auf die eigene Art 
aufmerksam, wie in Persischen Sculpturcn Säulen erscheinen, 
K. B. eine einen Ochsenkopf tragend, eine andere mit einer 
Flamme aus ihrer Spitze hervorstrahlend und dai-auf eine Ku- 
gel, und eine dritte, aus deren Capital eine zur Hälfte sieht* 
bare Kugel hervorragt Er erinnert an Wasser und Feuer 
als diejenigen Elemente, denen die Perser vorzügliche Vereh- 
rung widmeten, wie man Spirallinien als Hieroglyphe des 
ersteren und Kugeln, das letztere bezeichnend, im Schatz- 
hause des Atreus gefimden habe, aber auch nicht minder 
abgebildet auf den Denkmalen von Persepolis. Darauf bringt 
er den Nemeischen Löwen, den vom Berge Cilhäron, so wie 
den Schild des Agamemnon in Erinnerung, auf welchenr letz- 
teren ein Löwe abgebildet war. Endlich wird noch an Ae- 
gyptische Monumente erinnert, und wie namentlich Säulen mit 
Kugeln darauf unter den dortigen Ueberresten nicht unge- 
wöhnlich seyen.'') 

Je willkommener mir diese Uebereinstimmung im Gedanken 
an Mühriaehe Symbole seyn miisste, den wir unabhängig von 
einander gefasst hatten ; '} desto lebhafter bedaure ich , dass 

1) DenHanptsats fuge ich im Original bei Cp* H7): 7,Is seems impo»- 
cilile to Rfcertain the meanlng of tliis curious device; bat on examining 
tke reraains of the Mithriac sculptures of Persia, which, according to Lo 
Binjrn, are cxecateä in the same manner, söme of the Symbols bear so 
■ear a resemblance to those of Mycenae , that thcy roay perhaps throw 
Bome Ught on each other, for the style and the subject are so similar, 
Ikat U appears as if both most have had a common origin. '« 

2) Er yerweUet auf Denen pl. 115. fig. 10. V2. 17 und pl. llö. \20, 

3) Bei AbfiMsung meines vierten Bandes war mir W. C^U's Werk 
noch anbekannt. ^ 



-^ 270 -^ 

Gell seine Ideen nicht weiter verfolgt ^ ja dass er sogar etwas 
beigefügt hat , w*elches ihn , auch im en^gengesetzten Falle, 
verhindert haben würde, diesen symbolischen Kreis gan% %n 
erfassen. Er tadelt nämlich (p. 4S} den Pausanias, der (n. 
16. S} die doppelte Sage anführt, wonach Hycenä entweder 
von einem Erdschwamme QfJivxijn) oder vom Degenscheiden- 
deckel, welchen die Griechen auch fivxf]Q nannten, den Namen 
erhalten haben sollte.*} 

Ohne mich nun auf das Wahrscheinliche oder Unwahr- 
scheinliche dieser Legenden einzulassen, behaupte ich doch, 
dass sie eben so gut, wie das Löwetahor^in den Mithrischen 
Bilderkreis gehören , ja dass sie jener GeUischen Beziehung 
des Alycenischen Reliefs auf die Mithriaca erat eigetUUeh eine 
rechte Grundlage gewahren. 

Ich will es versuchen, in kurzen Andeutungen den äiiie- 
ren Zuaammenhang jener Bilder und Sagen, so weit dies mög- 
lich ist, aus Stellen der Alten und aus bildlichen Denkmalen 
nachzuweisen. 

Da Hirt, wie bemerkt, in dem Opferaltar die älteste 
Hestia erkennt,, und bei den Löwen an die Pkrygiseke GSt- 
termutter erinnert, so will ich damit den Anfang machen. 
Johannes der Lydier fügt in einer bemcrkenswerthen Stelle, 
wo er von allegorischen Vorstellungen der Erde spricht, 
die Bemerkung bei: « daher verehren auch bekanntlidi die 
Römer die Yesta vor Allen, so wie die Perser den aus dem Feb 
gebomen Slithras wegen des Mittelpunktes des Feuers.»') 



1) Er wUl vielmehr den Namen dieser Stadt vom einer aergacUucU 
hergeleitet wissen, worin sie lag, und erinnert an Odjss. m. 263. ftoxi 

2) De menss. m. 26. p. 124 Rother.: o^nr xa^ 'Eariav ngo nurtm 
iptd9omu Ttftfiaarrtq 'Ptafutioi, mqrfiQ tof niTQO/tvrj MlB-qat ol JliQtnu J«a , 
%o toxi nvqo^ nivxqov. Weil kurz snvor von einem nivvgop der Krde ' 
iynO und gleich darauf von einem «. toi; t/^oroc (des Wassers) die Rede 
Ist, so habe ich die Worte so übersetzt, wiU aber damit nicht in Abrede 
steUen, dass auch an einen Stachel des Feuers beU jenen Mythen ge- • 



^I^g^^*) der die angefahrte Stelle den Johannes nicht ge- 
kannt 2u haben scheint, nennt den ans dem Fels gebomen 
Mithras eine dem OeeokmatA der Magischen Fabeln gänsdieh 
fremde Idee. — Eine kühne Behauptung bei unserer lücken- 
haften Kenntniss von dem Inneren der Magierlehre ! — Zu- 
vörderst haben wir mehrere Zeugnisse dafür bei freilich spä- 
teren Schriftstellern, woraus erhellen will, dass der Qaoq ix 
TteTQag eine Nithrische Formel war.'} Wenn sich nun ein 
Innerer Zusammenhang dieser Vorstellung mit alteren Reli- 
gionsideen der Völker, ja der Perser selbst, in manchen 
Sparen unzweideutig kund thut, wer will dann noch so ver- 
wegen se}nn, zu behaupten: der Felsgott Mithras sey nicht 
alt - Persisch ? 

Nun aber — um nichts davon zu sagen, dass es in der 
Persischen Symbolik Avirklich einen Mitkrautein gab'} — be- 
merkt Zoega selbst (p. 118} , dass die Grotte der gewöhnliche 
Hintergrund der bekannten Slithrisehen Scene sey. Kine 
Zoroastrische Mithrasgrotte in einem Berge haben wir schon oben 
aus Eubulus kennen gelernt Ein Urberg aber erscheint auch 
m Persiens M}'thcn als Mittelpunkt der Religionen, der Al- 
bordL Bei Grotten und Bergen wird Jeder von selbst an Felsen 

dacht worden. Doch hat Rothcr mit Recht den erstcrcn Sinn in seiner 
Tehersetzung festgehalten: „propter ignls ceutnim;^' so wie auch Gaig- 
niaut C'Notcs p. 5513: ^yk cause du point central du f«u«<< 

1) Abluindn. p. 132. heransgeg. von Welcker. 

2) S. die Zeugen und Erörterungen bei Philippe a Turre in Monumm. 
Teter. AMktM p. 89. ■ 

3) Mithrax, beim Plinius H. N. XXXVII. 10 , oder, wie Solinus 
(cap. 37) und Isidorus (Origg. cap. 12) schreiben, Mithridaz, wird unter 
den Persischen Edelsteinen aufgeführt. Plinius sagt, er sey weiss, werfe 
aber gegen das Sonnenlicht nach allen Radien Strahlen aus. Salmasius, 
welcher, so wie a Turre, der ersten Schreibart den Vorzug giebt (ad 
fikiUnum p. 501), erinnert dabei mit Recht an den JHTtfAra«^ von dem die- 
ser i$ccin seinen Namen habe. — Also auch hier eine Sage von einem 
stralilenden Mührassteine, 



-^ 272 -^ 

■ 

denken.'} Sollten wir nnn nicht auf die Le^nde anfmerksam 
werden von dem Berge Diorphiis (^^dioptpog am Flusse Araxes}, 
dem mütterlichen Schoosse des Heros Diorphus ? Alithras , be- 
sagt sie, wünsclite einen Sohn zu haben; weil er aber die 
Weiber hasste, schwängerte er einen Felsen, und der be- 
fruchtete Stein brachte nach gehöriger Zeit den Jüngling 
Diorphus hervor.'} Hier kann ein Jeder schon an den Rie- 
senstein Agdus in Phrygien denken, der, von Juppiters Saa- 
men befruchtet, einen hermaphroditischen Heros Agdestis 
hervorbringt. Im Capitel von den Vorderasiatischen Religio- 
nen müssen wir darauf zurückkommen. Hier weise ich meine 
Leser nur mit einem Winke auf die Batyh'en hin. Aber der 
den Felsen erwärmende und befruchtende Saame des Zeus 
und des Mithras, ist er nicht die Feuerkraft, welche in die 
Erdreste eindringt und sie zum Her\'orbringen der Früchte 
zwingt ? Q Wenn Erdfeuer und auf den • Seen schwimmendes 
brennendes Erdpech, wenn Feuerheerde auf den Höhen, wie 
wir wissen, äussere Anlässe des Persischen Cultus sind, wer 
will dann zweifeln, dass wir in jenen Mythen alt -Persische 
Anschauungen haben ? Einen ideellen personificirtcn Feucraltar 
gesellt aber Xenophon in einem Gebete des Cyrus dem Jup- 
piter bei, d. h. er gesellt ihm eine Hestia bei,*} gleichwie 

O Jedem Nachdenkenden wird der Aeschjlelsche Feuerl>ringer «m 
Felsen, Prometheus, einfkUlen. Eben deswegen sage ich nichts dayon« 

2) Der sogenannte Plutarch de fluminib. XXIII. 4. p. 1105. p. 1040 
Wyttenb. Ich lese mit Wyttenbach itQoqt^&o^p, semen emisit. 

3) Und darf man fn dieser Griechisch erzählten Fabel beim Diorphna 
nicht an o^nj und 6Q<pr6q, an den, der durch die Finstemiss hervor- 
kommt, denken? Der hermaphroditische Agdestis aber bringt einen Indisch- 
artigen Mithras-Mitra in Gedanken. Der Kleinasiatische Zivq nava^ßu- 
v^c gehört auch hierher. 

4} Cyropaed. I. G. 1. ygl. Vit. 5. 5Hr nQoqtvü/uroq 'Eaxkf naw^if^ mtl 
A& ncctQ^n Gab es eine Ansieht, wonach beide etneit Leib ausmachten, 
so hatte man in diesem Zeus als Himmelsfeu^r und in der Heslia alA 
Erdfeste und Erdfouer wieder den Mithras-Mitra. 



-^ 273 -^ 

beoB Jobannes Lydus die Heslia der Römer tuid Blithras der 
Perser neben einander stehen. Es wird hierbei nicht unnuta 
sejrn, einer ErkUurun^ zu gedenken ^ die ans Dionysius vom 
Wesen. der Romischen Vesta mittheiit: «D^ Yesta, sagt er, 
meinen sie 9 sey deshalb das Feaer geweihet, weil diese die 
Eid^ ist, und den Mittelpunkt in der Welt einnehmend von 
aich selbst Entzündungen des atmosphärischen Feuers verur* 
sacht»'} Neben dem Feuer in der Luft dürfen, ja müssen 
wir bei der Yesta auch an das Feuer denken, das der Stein 
Ton sich giebt, und, in Absicht Persischer Anschauungen 
besonders , an die heiligen Erdfeuer und an die Dadgahs oder 
Feaeraltire auf der Rerge GipfeL 

Da wir im nachstvorhergehenden Abschnitte die Vermi- 
sehnng der Mithrischen Symbole jmit den Sabazischen gese- 
hm liaben, so will ich hier nur mit Einem Worte an die beiden 
Formeln der Sabusdiener erinnern: «Er ist Feuer, Du bist 
Feuer»,*} und: «Der Stachel des Rinderhirten ist in dem 
Berge verborgen»; in welcher letzteren Clemens (^Protrept. 
Pi lA Fetter.} eine Anspielung auf das Bacchische Feuerrohr 
Doch da icb darauf im zweiten Bande zurückkommen 

I, 80 sey es an diesem Fingerzeige, wodurch Hirt's Ge- 
danke bestätigt wird , vorjetzt genug. Von demselben Gelehr- 
ten trenne ich mich auch darin nicht, dass die Säule des 
Myeenischen Reliefe eine Höhlung zum Behuf des Feuers und 
der Asche gehabt habe. Wir dürfen ja nur an die durch 
Vener glühend gemachten Molochsbilder denken. Aber hier 
wie dort vergesse man die symbolische Bedeutung des Son- 
qendienstes nicht. Darüber liegen zu deutliche Zeugnisse vor. 



1) Dionys. Halle. A. B. II. 66. p. 376 sq. Belsk. 

2) Hyes Aties, nach Bochart's Erklftrung CCan. p. 441). Der Attes 
CAruiO A^ci* helBst Dach einem Griechischen Grammatiker (hei Bekker 
AMOddL Graecc. p. 461) Diener inQonoXoq') der Gottermutter, also der 
Sttthelti die Im Himmelssteine zu Pefslnimt verehrt ward, und der die 
flBirigeii liöwen beigesellt worden. 

Creit%er^s deutsche Schriften. I. 2. IS 






So lesen wir in dar Phönicisdien Theogonie, da w» die ver- 
götterten Berge Casius, Libanus ond Antilibaans voriiomnicn, 
wie Usoos dem Feuer und dem fFmde jedem eine Säule ge- 
weihet, und von dem Blute der von ihm erlegten Thiere 
Trankopfer denselben dargebracht habe. ■} Lauter Gebränchey 
wie sie die Persischen Bergvölker den Elementen zu Ehren 
verrichteten (Herodot L ISl}. Wenn Clemens in einer an- 
dern Stelle ^} von der Feuersäule, die vor den Israeliten henuig^ 
Gelegenheit nimmt, das höhere Alter dieses Säulendienstes, 
als der Anbetung von Götterbildern, su bemericen, so ist 
diese sonst so wichtige Beobachtung tur uns hier von minderer 
Bedeutung, als seine Ansicht der gedachten Feuersäule, die 
er für ein Bild des ständigen, bleibenden und unwandelbaren 
Lichtes der Gottheit nimmt') Ich meine nur den Grundge- 
danken , dass nämlich bei den Persem bis zu den Bömem hin 
in der Verehrung der Mitra und der Hestia die YorsteUang 
von der untferläteUicken Kraft des im Mittelpunkte der Erde 
und des Himmels verborgenen Feuers vorwaltete. Der Pytha- 
goreische Satz *} von der Yesta , « die in der Götter Hanse 
allein bleibt», beweiset, dass diese €redanken aus einer altea 
Quelle geflossen waren. Dieser Erdfeste und diesem Erdfeuer^ 
als Ein Wesen gedacht, war nun, wie wir urkundlich ersehea 
haben , die Säule als Attribut gewidmet Die Obelisken waren 
der Sonne aufgerichtet, und sollten ihre Strahlen verainnli- 

1) PbUo B3'b]iiis ap. Euseb. Praep. BTang. I. 10. p. 35 ed. Colon. — 
ln!2S!Q Saale, Bildsäule (Goüse) koranit auf PhAnicischen Inschriften yor. 
Jene zwei Bedeutungen veriliessen in einander ^ iieie beim Griechischen 
an;Ai2 zuweilen. Ueber diesen Doppelsinn , so wie aber die Säulen in den 
Tempeln des Alterthums s. Huec Demonstratio Evang. p. 196 sqq. 

2) Stromat. I. p. 349. p. 418 Pott. 

•3) To caroc wX ftmftov toD Bhw — fMC« 

4) beim Plato imPhaednis g. 56. p. 246. p. 251 Heindorf. Bs wird« 
mich zu weit fähren, die BrUftningen des Proclns und Anderer hier m 
rerfolgen. 



-^ 275 -^ 

eben. ^3 Bs sind SpitzsSalen , d h. sie verjangen sich aufwärts 
von der breiteren Basis an. Die Säule von MycenA verjüng 
sieh abwärts. Dabei könnte der naive Sinn kindlicher Völker 
an das ans der Erde aurstrahlende und den Sonnenstrahlen 
begegnende Erdfeuer gedacht haben. Man erinnere sich der 
obigen Worte des Dionysius. Mitres bauet in Aegypten Obe- 
lisken. Fenerstrahlen aas Säulen aufsteigend sieht man in 
Persischen Bildwerken (^s. oben Gell). In jenen Spitzsäulen 
könnte also an den Feuerregen des besaamenden Mithras oder 
Zeus gedacht werden; in dieser umgekehrten Columne an die 
ausströmende Feuerkraft der Mitra - Hestia. Dieser Nebenge- 
danke ist xur Sache nicht wesentlich,^} ^^^^ ^^ ^^n vier 
Kugeln oben an der Mycenischen Sänle hat W. Gell mit Recht 
an Kugeln aYif Aegyptischen und Persischen Säulen erinnert. 
Den wahren Sinn zu entdecken, möchte schwerer seyn. Ich 
will geben, was ich finde; das heisst, ich will keine Allego- 
rien ersinnen, sondern sie mittheilen, wie ich sie antrelffe. 
Es sind nämlich die drei Ringe (annulets, wie sie Gell nennt} 
and die vier Kugeln oder Kreiee (balls or circles} zwischen 
dem oberen und unteren Abacus über jenen Ringen zu bemer- 
ken. Blithras ward der Dreifache QrQOtXdaiogj triplex} ge* 
Mimt. *3 Der Kaiser Julianus kennt dieses Epitheton des von 
ihm eifrig verehrten Gottes auch, und sucht nach seiner Weise 
davon Rechenscliaft zu geben. Er redet von einer drcifaclicn 
Wirksamkeit des Mithras, und indem er einer dreifachen 
Verleihung himmlischer Wohhhaten gedenkt, erwähnt er der 
Wreiae, welche dieser Gott, vierfach schneidend oder theilend 



1) Plin. H. N. XXXVII. 8. Vol. II. p. 735 Hard.: ^ obcUscos Solls 
Buninl aacratos. Rudioruin eius argumentum In cfllglc est. 

2) Nach Ansicht unsrer Abbildungen lasse ich es jetzt sogar dahin 
gestellt 9cynj ob sich jene Mycenische Säule nach unten verjüngt. 

3) Dion.ysius Arcopagit. Epist. Vit. 2. p. 91 Corder. und daselbst das 
9cho1ion des Maximum. 



'^ 276 ^ 

die vier Jahreszeiteii , hen'orbringe. *3 Unser Rdief betreffimd , 
so müssen wir die vier Jahreszeiten, als eine spätere calen- 
darische EHntheflong, vergessen. Das Epitheton des BGthras 
als des dreifaehen moss aber anerkannt werden, da es in be- 
stimmten Zeugnissen gegeben ist ; nnd an die drei Jahreszeiten 
der alten Völker darf wohl gedacht werden. Von den drei 
Aepfeln des Hercules , die dahin gehören , wird im Verfolg die 
Rede seyn , so wie vom Dreifiisse des Apollo , der calendarnch 

und j auguralisch '3 ^^ diesem Sinne genommen ward. Hier 
mag nun an das unstreitig sehr alte Rck'cf auf dem Candela- 
berfiisse der Dresdner Sammlung erinnert werden, dessen eine 
Seite den Kampf um den Dreifnss und darunter die Cortina 
mit dem dreifachen Umhange zeigt, die andere aber die Be- 
festigung des DreifttMßs auf einer Säule*') von priesterlichen 
Händen. Ich will hier nicht an die aufgehobenen drei Finger 
der dabei beschäftigten Priesterin hinweisen, worin viel- 
leicht Jemand eine Zahlung der drei Jahreszeiten vermnthen 
könnte. Aber wohl verdient angefahrt zu werden, dass das 
Zeichen des Dreiecks auf dem Rucken eines Löwen auf sehr 
alten Münzen von Pamphylien vorkommt*} Auf der Stime 
des Stieres Apis bemerkt schon Herodotus (HI. SS} das 
Viereck.*) Letzteres war dem Hermes und der Venus he{- 



1) Itlian. Orat. IV. p. 138 Spanh. fMhw olftm na^nn mm^^ ^fOß 
II WQUPou VQiitXij ;|ra^^TMr iootQ, iti %»9 »vkI^v, oS^ o &io^ od« %tvgax^ 
%4ftvmv xixqanXflv in$7tdft7U* Twr wgvr ayXeetar» Er meint die in drei Seg* 
mente getheiltcn dreimal vier oder zwölf Zeichen des Thierkreises. 

2) Suidaa lU. p. 505 Küster. xQinov^ »ata vovc t^mq XQ^^'^*^ f<Af^ 
rtvofupoq x. t. 2> • 

3) Becker's Augusteum I. tab. 5 -* 7. 

4) Payne Knlght on symbol. lang. g. 222. p. 182 aq. 

5) Oder anch das Dreieck, wie Manclio gegen Handsehriflen lesen 
woUen; vergl. meine Commentt. Herodott. L p. 133. 137. Das Dreieck 
war der BUnerva heilig p. 135. 



Ug. '3 ^^ war das Bild der sinidichen Natur. Archytas 
wfihlte dafür das Bild des Krekßu ^^vyXov) oder der Kugel 
(oq>a/Qag} , und man sprach von vier Acten von der Zeugung 
aa bis znr Vollendung des Wachsthums organischer Körper. *) 
Mithras als Demiurg und Herr der Zeugung sitzt auf dem 
Stiere, dem Zeichen der Fenus.^) Es ist aber das Dreieck 
Bild der Fruchtbarkeit (s. die Stellen bei Yalckenaer zum 
Herodot IIL 88]) 9 worin wir wieder einen Grund entdecken 
kSnnen, warum dem Mithras das Prädicat der Dreifaeke sich 
eignet. Wie dem aber auch sey , so dürfen wir bei jenen drei 
KreiseD des Mycenischen Reliefe an den dreifachen Mithrae- 
Peraee (s. oben) denken. Bei den vier Kugeln aber dürfen 

m 

wir uns der vier Momente der körperlichen Natur erinnern, 
ind der Fenua , die darüber waltete (s. vorher'). Wenn aber 
das alte Königshaus von, Argos ganz eigenthümlich eine eieg- 
tr6igende Fenua QAq>Qo5i'n] pixijq>6pof) verehrte (^Pausan. 11. 
lt. 6), ao haben wir in der Dreizahl der Kreise und in der 
FierwaU der Kugeln auf der Myeeniachen Säule die Erinnerung 
am jene CotguneUan^') dea zeugenden Mithraa mit der groaaen 
üßtärarin und Siegerin Fenua; also Mithras -Mitra in einem 
verbindenden Symbol. Ich will weiter nichts hinzufügen, als 
dass Herodotus (IL 91) zu Chemmis in Aegypten einen Tempel 
des Perseus sah, den er ausdrücklich als einen viereckigen 
(reTQdytopov^ bezeichnet; und dass die Siebenzahl (^also die 



1) S. die angef. CommenU. p. 135 nnd Johannes Lydus de menss. p. 
210 Roth. 

2) lo. Lydus p. 60 aq., wo das Fragment des Archytas steht. Ks 
ist auch dort die inteUectuelle Seite aufgefiisst, die ich der Kürze wegen 
übergehe. 

3) Porphyr, de antr. Nymph. cap. 24. p. 22 Goens. 

4) Porphyrins a. a. 0. nennt beide, den Mithras und den Stier, Her- 
ren der Zeugung. Wenn also eine weibliche geflägelte Figur auf dem 
Stiere sitst und ihn ersticht (eine nicht seltene Vorstellung, s. e. B. bei 
Zoega BassiriL tav. LVID — LX und auf einem andern Bilde, s. unsere 



278 

Geflammteahl der drei Beifen und der vier Kugeln} wieder 
dem Mithras eigenthumlich zugeeignet ist') 

Wir gehen zxud Bude der Läwen über. Hier, neben der 
FeoersSale, mass an die feiu%e Natur dieses Thieres gedaclit 
werden. Aber auch astronomisch nnd wegen der im Löwen 
cubninirenden Sonne ward d^ Löwe das naturliche Symbol 
der Feuerkraft von oben. Da fiber diese Begriffe bereits oben 
die nöthigen Nachweisungen gegeben sind, so begniige ich 
mich hier mit der blossen Erinnerung daran. Ich will nicht 
vorgreifen , sonst könnte ich aus den Wandlungen des Bacchus, 
wie er bald als Löwe, bald als Stii^r und Schlange angerufen 
wird (^Euripid. Bacch. vs. 1015} und auch erscheint, für das 
Alterthum Hithrischer Lehren und Bilder Bestätigungen ge^ 
winnen. Aber an den Bacchus in der Säule (irepixiovioq') 
muss ich erinnern. Die näheren Umstände dieses Mythus 
bringe ich unten beL Jetzt sey nur bemerkt, dass in mehreren 
SteUen und auch in einem Orakel (bei Clemens Alex. Strom. 
I. p. 418 Potter.^ dem Kadmeifflch-ThebanischenDionysus das 
Epitheton Säule (arvkof) beigelegt wird. Wenn der Orphi- 
sehe Hymnus (XLVII. al. XLYL} diesen Sünlen-Bacchas als 



Tafei HhYU. nr. 2), so Ist die Conjunctlon von Mithras -Mltra nur auf 
andere Weise dargesteUt. Es ist ein Opfer der Venus -Victrix, undPaj-ne 
Knight p. 13G nennt diese geQügelte Figur riclitig die weibliche Persont- 
ficaiion des Mittlers Mithras. 

1) Schollast. Piaton. p. 77 Buhnken.: ^ «« vf» Ml&^ tUnrlo» nw 
^ a^&/io9, o9 StaquQOPvm^ oi IldQaa* a^ßouotw. Aber auch sieben Cyklopen 
mussten die Erbauer vonTir^-nth seynCStrabo Vm. p. 230 sq. Tsach.). — 
Guigniaut verweiset hierbei auf ein Basrelief auf einer grossen Säule au 
Morghab C vielleicht dem Pasargadae der Alten). Es «eigt uns eine ehr- 
würdige bärtige in einen langen Talar gekleidete Gestalt (eines Ised 
oder eines vergötterten Heros) mit vier grossen Flügeln nnd mit einem 
Aegyptlschartigen KopfaufiuttXy dessen Spitze drei Kugeln bilden. Ueber 
dem Haupte steht eine Inschrift mit dreierlei Keilbuchstaben. Dies«« 
BUd gehört durchaus der Persischen Religion an (s.Guigniaut^s phKXIV« 
■r. 123 nnd dessen Explication dea planches p. 29 und die Notes p. 724). 



'^ 379 '^ 

im healngt^ der das gewaltige Zittern der Erde «rai Still- 
stände gebracht («ar^o«)) ^ ^^ feurige Strahl (des Zeus) 
sie in Windesbrausen getroffen (als er in seiner G&tterkraft 
nr Semele hinaUiihr)) so werden wir von selbst wieder an 
die obige Sage gedenken 9 wie Mithras in den Felsenberg 
Diorphus feurig sieh hinabsenkt, und wie daraus ein gleieh- 
naa^ger Sohn hervorgeht Aus dem dunkelen Schoosse der 
Erde geht er ans LMÜ der Sonne, und mag deswegen Grie- 
ckiseh wohl ^ioQq>og genannt werden (s. oben}. Der SehM^ 
pmkt miMm Licht und Dunkel id eine Mühneehe Grmiäidee. 
Am Kreise der Nachtgleiche ist des Mithras siderischer Standb- 
ort (Porphyr, de antr. Nymph. eap. 24 p. S2 sq. Goeos.). 
Zwisdien Tag und Nacht, im SMettehie des Abends, springt 
ans einer berstenden Säule des Palastes unter entsetzlichem 
Donner der MamMwe Wieehnu hervor.*) Hier erscheint der 
LSwengott als Bacher. Das Feuer als zerstörendes Element 
■nsste auch den Löwen zum Bilde haben. Darauf will auch 
ein gelehrter Forscher*) das häufige Vorkommen des Löwen- 
symbols auf Gräbern beziehen. Auf dem hier beigefugten 
Belief aus der neuesten Lieferung der Description de Y Egypte 
(s. unsere Tafel XYIII. nr. 2J hat Phthas einen Schlangen- 



V} S. die Auszüge der Indischen Purams bei Th. Maurice Anc. Bist, 
of Hindostan Vol. n. p. 24 sq. und dazu pI. n. mit dieser VorsieUunK. 
Als Mannlowe wird auch Mithras vorgestellt. Luctatius in Statii The- 
iMüd. Üb. I. vs. 717: 9,£t hie Sol proprio nomine vocatur Mithra, quique 
ccllpslin patituFy ideoque intra antrum cpütur. Est enim in spelaeo Per- 
sloo hsbUtty leonU tmUu cum tiara utrisque manibus bovis oomua com- 
primens.^ 

2") Payne Knight Inq. into ihe symbol. lang. g. 100. p. 83. Zodga 
AbkaadU. p. 197 > wo er von dem bekannten Bilde des A^h spricht, 
bemerkt: y^Der Löwenkopf mit halb geoffhetem Munde und gefletschten 
Zfiknen,- die zerstreute und sträubige Mfthne, scheint ein schickliches 
BOd des Kronos, der die eigene Sippschaft verzehrt, und des verwirrten, 
Airchtbaren Abgrunds der unbestimYnten Zeit^ u. s. w. Bhagavat oder 
Wischnu bei Bfaurice a. a. O. hat gerade dasselbe furchtbare Ansehen. 



-^ 2ft) -^ 

leib, einen LSwenkopf, mid seine FUgel haben 2Mhne an 
ih^ inneren Seite. Das ist Phanes oder Kronos der 
Orphiker d. h. der Hervorbringer and Zerstören Den My- 
renischen Löwen , um zn ihnen zurudezokehren , fi^en jetzt 
die Köpfe. Da aber aach die übrigen Beiwerke niehts ent- 
halten, was geradezo an Zerstörung erinnert, so denken 
wir mis bei diesen Löwen auf beiden Seiten der Säole, mit 
den Attributen von Mithras und Mitra- Venus, am einfachsten 
eine Versinnliehong imr aeUoen und pauiven Naiur im Zeichen 
d6$ LSwetif ais dem J&krespunUe, wann die feurige Sonne die 
JBr4fette am Hefiten durchdringt; wovon die Leentiea der Mi- 
thraslehre (s. oben} ein Mehreres besagen mochten. Das 
Mycenische Thor ward also vcrmuthlich dem Bfithras, in der 
Eigenschaft des feurigen^ Löwen, gewidmet 

Aber der MamdSwe Biithras erfitsset auch den SUer^^'y 
oder kniet auf ihm, und tödtet ihn. Hiermit verlassen wir 
die Bädwerke von Hycenl, und sehen uns in einigen Sagen 



1) Luctatius zum Statius a, ». 0. Er erklart dieses Bild von der 
Sonne, die den Mond dadurch ihre Veberlegenhelt fühlen lasse: Sol enim 
^nam minorem potentift snA et hnmiliorem »— comibns torqact. Andere 
erklären die auf Gemmen und Münzen vorkommende Vorstellong eines 
Löwen, der einen Stier würgt, vom Sonnenstrahle, der die Erde durch- 
dringt CBeger Thesanr. Brandenburg. Vol.. I. p. l463. Beide Erklärungen 
sind richtig ; nur hat jede eine andere Seite aufgefasst. Wenn ich übri- 
gens auf die Behauptung des Zoega CAbhandll. p. 192 f.): „Luctatius 
müsse sich geirrt haben, '^ keine Rücksicht nehme, sondern einen Mithras 
mit dem Löwenkopf anerkenne, so wird der Grund davon den Lesern 
aus dem Obigen einleuchten. Dass in einer Abbildung des Unthrlschen 
Stieropfers ein LÖwe vorkommt, bemerkt Zoega selber Cp* 158); und da 
sich noch eine wirkliche Spur von einem Mithras mit dem Löwengesicht 
geftinden hat, so hat Welcker mit Recht den gedachten Scholiasten gegen 
Zoega In Schutz genommen Cp- 412). Das Ladenburger Bild hai muA 
den Löwen (s. nnsere tab. XXXVI. nr. 1). Diese und andere Grunde 
Butchen mich auch sehr mLsstrauisoh gegen dessen Behauptung y' dam der 
Löwe erst nach einiger Zelt in den MUlalfCheB BUdem el|ie SteUe be- 
konimen Uibe (p. 130). 



•^ 281 «w 

▼um Erteoer dieser Manem md Thore u. Zuvor abor Bmis 
idi gegen eine Meinm^ sprechen , wonach Mithras als AAr- 
räMber eine Fiction christlicher Sdiriftsteller wfire. ^) Wenn 
Porphyrios ^de- antr. Nymph. cap. 18. p. 18^ von einem Stiere 
stehlenden Gotte rede, so sey darunter ohne Zweifel Hermes 
n verstehen. Ich will die Hanptworte hier beifügen: Por- 
phyrios redet von dem Namen Biene (jABkuiüa) als eines 
PiÄdicats des Mondes, in der Eigenschaft des Vorstehe« der 
Zeugung. Darauf fahrt er die Meinung an, dass die Bienen 
aas dem Stierleibe geboren seyen. Zuletat sagt er; «Und die 
in die Zeugung (ins Körperliche) äbergehenden Seden sind 
ans. dem Stiere geboren. Und Stierdieb ist der Gott, der die 
Zeugung heimlich vernimmt. » ^) Diese mystische Ideenreihe 
kann erst im Yerfoig durch Vergleichnng der Mythen von der 
Diana mid Ceres -Proserpina deutlich werden. Aber gleich 
zunächst beim Porphyrius wird ja der Stier mit der Zeugung 
in Verbindung gebracht, und MUhra» (der auf dem Stiere 
seinen Sitz hat; s. oben) ausdrücklich Herr und OeUeter der 
Zeugung genannt*) 

Deswegen hat auch der neueste Herausgeber des Por- 
idiyrius *) den SUerdieb geradezu als Mitkroa bezeichnet Fro- 
her hatte dies 'schon Philipp a Turre gesehen. Dieser hat 
auch Einen Grund dieses sonderbaren Namens wohl erklärt, 
wenn er dabei an die unbemerkt und allmählig in die Materie 
eindringende und befruchtende Feuerskraft denkt ^) Ein an- 

f) Behauptung Zoega's in den Abhandll. p. 131 f. p. 404. Der 
Zweifel ist nicht neu. Caspar Barth hegte ihn schon (ad Statu Thebaid. 
mi. !• TS. 715 sqq.)« 

2) mal ßovMloftoq ^<oc o v^v fiptat» XtXti^ortK a*ov^tP> 

3") p. 22 seq. — - hifufw^o^ wß o Mi&Qaq nal ytvdtfitif itaitoxtiq» 

4) van Goens sum a. 0. p. 108 aq. nach dem Vorgang Anderer, die 
et anfährt. 

5) Monumn. veteris Anttl cap. I. p. 90 und cap. III. 100. ,yNmm 
^emadmodum quod aguni fwre$ dam agunt, Ha vMficu$ et geaitoHe 



282 '^ 

derar Omid des Eptthetans fet diesert w€fl Mithras ab Ised 
CGeaJQs) der 8mm im alten j teqm m eH^lmiekm des Süerm der 
FiBSteniiss einen Tag^, Monat, eine Zeitperiode nach der an- 
dern onvemerkt nnd heimlich entfSlirt und ins Licht zurück- 
hmgL Wer an gans Ähnliche Namen und Allegorien der 
A^yptier und der Griechen sich erinnert, wird dies ohne 
Weiteres TCrstdien. Gan» dentlich aber kann dies «rst im 
Yerfolg werden, wenn die Ochsenriuber Hercales and Theseos 
OBS vor Augen treten. Dies Wenige wird jedoch den Un- 
partheiischen schon fiberzengen, dass christlidie Sdiriftsteller 
den SatB: Mithras sey ein Stierriuber , ') nicht ans ihren Fin- 
gern gesogen haben. 

Wir wenden uns asa den SUftungtUgendeu der Mffmnäer. 

-Erste Sage: Persens , betrübt über den onfireiwilligen Mord 
seines Grossvateis Akrisios, den er zu Larissa mit der Wurf- 
scheibe getödtet hatte, beredet d» M^apenthes, des Protos 
Sohn, sein Land mit ihm za tauschen. Nach erhaltener Ein- 
wQl^^nng erbauet er in dessen Lande Mycenfi. Denn hier 
war ihm von seiner Degenscheide der Deded (o f4vxtjg) alh- 
gefUlen, und er dachte, dies Zeichen sey ihm gegeben zur 
Erbauung einer Stadt 

Zweite Sage: Perseus war durst^, und riss einen 
Schwamm Qiaixtjta) aus der Erde. Sofort strömte Wasser 



cotor sensim permeatu verum generationem furtim et latenter pnh- 
mopet,^^ 

' 1) Inl. Finnicus de errore profiui. reUg. p. 3. Commodianus p. 13. 
Letzterer redet die Heiden an: 

Intuper et furem adhuc depinfitU esse; 
und nacli einigen Zwischenbemeritnngen: 

Vertebatque boves Menos sewiper im emtris, 

Sicut et Cacus Vuteani fiiius üU. 

7) Paananlaa IL 16. 3. Aus den VenetbuiiBclLen Scholieii «a Iliad. 
3CV. 302 lernen wir einen alten Gewiluranann dieser Sage kennen: He- 
Oitneua; vgL Meine Fimgam. Uatorioc. antifilM. p. 77 seq. Was Ich 



^!^ 383 ^A- 

hervor. Er trank, und erqniekt gab er dem Orte den Namen 
Myceni (^Mvx^paqy^') 

Dritte Sage: MycenA hiess erst Argium vom vieUqgigen 
Argus. Die Umünderung des Namens rührt daher, weil die 
Schwestern der vpm Perseus getödteten Medusa den Mörder 
bis an diese Höhe verfolgten. Hier mussten sie die Hoffnung 
aufgeben, ihn einzuholen. Da brüllten sie (jivxtjdiiov ä»ßi- 
duixap) aus Mitgefühl und Liebe zu ihrer Schwester. Daher 
nannten die Bewohner den Ort Mycenä (Mviajifag^.*') 

Vierte Sage: Myceni hat ihren Namen, weil lo brüllte 
(jMVX9]oao9ai) ^ die hier in eine Kuh verwandelt werden.') 

Fünfte Sage: Die Stadt hat von der Heroine Mycene 



4mH beigebracht habe 9 übergehe ich hier der Kurse wegen. Eine Modl- 
flcatlon dieser Sage lautet so : Perseus schwebt in der Luft , und an <|ie- 
sem Hügel fiUt ihm der Degengriff (6 fci/xiic). Nun baut Gorgophonos 
nach erhaltenem Orakel hier die Stadt Mycenä C Cho'sermus ap. Plntarch. 
de Flnmin. p. 1161. p. 1034 seq. Wyttcnb.3- Auch der Degengriff selber 
ward hernach ^v»^ genannt CSchneider ad Nlcandrl Alexlphami» ys. 
f03). 

1) Pausanias a. a. O. Schwämme entstehen nach dem Regen. Hc- 
syeh. n. p. GOl Alb.: 3t^uu Cl^- üfvMu) Acr/aro öfiß^a, ftmgl qnl post 
pluTiam nascnnlur; vgl. Toup. EpisL crit. p. AI ed.Iiips. Spftterhin kam 
dieselbe Stadt Mycena durch Wassermangel um ihren Wohlstand C Ari- 
stoteles Meteorolog. I. 14). In den weiter folgenden Capiteln werden 
wir in den Sagen des durstigen Argos die Gegensätze von Dürre und 
Wasserfalle immer wieder herrortreten sehen. VorjetKt will ich nur 
iwei Yorläuflge Winke geben. Der Riesenschuh des Perseus war in Ao- 
gypteu das Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres CHerodot. U. Oi')y d. h. 
eines hohen Wasserstandes. Ferner: im Zeichen des alten Aequinoctial- 
stiers (der dem Btithras angehört, s. oben) stehen die Hj-aden, die Re- 
gensteme. 

2) Ctesias Ephesius ap. Plutarch. de Flumin. XYUI. (Inachus) G. p. 
llbl. p. 1034 Wyttenb. 

3) Stephanus Byz. in Mv»rpat p. 568 sq. Borkol. 



^»^ 2M 1^ 

SedMta Sage: DjeseHbe Stadt hat vom Myceneus (im6 
ttknt^petog)y don Sohne des Sparton^ ihren Namen.') 

Dieser Sparton winkt uns 2» einan korxen Ueberblick 
der Oeneahgie des EriMUiers der Bfyeenischen Thore, des 
Ptfmu: Inachos') zeuget den Aegialeus, den Phoroneos nnd 
die lOi Vim Phoroneos and lo kommen non zwei Linien. 
Ersterer zeog^t den ^portal, den^jpdi-£0rii}i& nnd die Argo- 
lische Niobef von welcher letzteren dann- wieder eine Linie 
bk auf den vidiogigen Argos und den qiateren Gelanor ent- 
springt Von lo und Juppüer haben, um die Nebenzweige zu 
fibergehen, folgende Nachkommen ihren Ursprung: M^Kiphiit,^) 
Libya,- Behu, Danaus, Hypermnestra, Jtkritma, Danae^ und 
von ihr und JuppU^r: Peraeui. 

Hier Legen nun in bedeutsamen Namen beider Linien meh- 
rere Allegorien versteckt, die im Mithrischen Bilderkreise 
wieder hervortreten. Hier nur einige Andeutungen: Sparton 
vom Säen genannt; Apis, der hernach Serapis wird, also 
SHergoU über und unier der Erde; lo, die über die Erde ton- 
getriebene^ endh'ch eingefangene brüllende HTM; Epaphus, der 
heilige Stier und Eigenthümer der Stiere^ der Sonnenkönig Be- 
fais u. s. w. 

Mit PeraeuM selber aber treten nun die Mähriacken Cha- 
rakterzdge in Einer Person ganz entschieden hervor. Ich 
hebe nur die wesaitlichen aus. Es wird im Verfolg einmal 



1) StephaniM Byz. a. a. O. Pausonias a. a. O. machl einige Bemer- 
kangen über diesen Sparton. Die Namenableifiing von der Heroine 
Mjcene tuhit auch der Bcholiast des Nikander (ad Alezipharm. ts. lOi 
sqq. p. 37 Sdineider.) an. Die Fran kommt beim Homer vor (Odyss. JB. 
120). 

2} S. Aber das Folgende Paiisan. IL 16* 3. ApoUodor. H. l. 1 nnd 
Stkoliast. Eoripid. Orest. ys. 1247. 

3) Der Orieckisch nbersetste Apis 9 der Aegyptische Stiergott, dem 
vom SttergesiAleciite die mftnnlidien Thiere gekeiligt sind CHerodot. IL 
38. 1S3. m. 27). 



385 

gezeigt werd^B) dass der Ntme seiner Matter, Ammm, ent- 
weder auf Zeitdauer oder anf trockene Brde anspidt Wie 
dem aber auch sey, dn Hans in der Brde (xarayaeop o/xo- 
Sofifjfjia ; Pausän. TL 21. T} and dn ehernes Gemach (jiahiovq 
9^.afiog; ebendas.} verschh'esst sie. 'Jappiter stünst sich viMi 
oben als goldener Bogen in ihren Sehooss« and zeo^ mit ihr 
den Persens. Das ist Mithras, der mit seinem Feaersaamen 
die Erdfbste schwängert, and von ihr einen Sohn gewinnt 
('s. oben^. Und wenn dieses Sohnes Name der des ^dge- 
bomen ist/^ and an das Dunkel erinnert, so Iddet das, nach 
dem angeführten Argolischen Mythos, volle Anwendung anf 
den Perseus, Späterhin , am Vieles zo übergehen , hat Perseus 
die Cyklopen (^die anterirdischen FeaerarbeiterJ in seinrnn 
Gefolge CPherecydis Fragmm. p. 79 Stüirz.), and sie müssen 
ihm Mycenä befestigen. Diese Burg sell^ hat non in der 
Sage ihren Namen bald von einer brüllenden Kuh, von der 
bröUenden lo (der Mondkah), bald von den bröUenden Gor^ 
gonen, die liber ihre Schwester klagen, aus deren Blute ein 
Oirysaor entspringt (Hesiod. Theogon. 28D. Tzetz. ad Ly- 
cophron. vs. 17), d. h. ein Mann des goldenen Sekwertee. — - 
Dann will eine andere Sage wissen: die Burg Mycena sey 
vui einem Dedcel des Sokweriea selber genannt, oder vom 
Sekwamme, dem JFoMeraeieken.^} Der Bau wird aber von 
Persens unternommen • nachdem er seinen Eitervater Akrmioa 
QAxfiöioqy den Unklaren') mit der Wurfecheibe (^einem alten 
Sonnensffmbor) erschlagen hat 

Blag Peraeua (Ue^oeug) nun der Klare , der JUekteokn 



1) Der sogenannte Plutarch. de Flumin. XXm. 4. p. 1049 Wyttenb. 
sagt ausdrücklich: — ^tog^v xov yfjyevovi' 

2) C^ewöhnllche Wortspiele, in die mystische Sagen sich hauen, 
Mumf (fiwta) das Brüllen; fwtni der Schwamm; /tvmi^ ^^ Degendeckel; 
Hesjch. n. p. 629 sq. Alb. Toop. Epist. crit. p. 51. Spftterhin spielte 
etn Verfiisser von Sa^yrdraaen, ArisHas, wieder Mit diesen Worloi 
(Toup a. a. O.). 



386 

heissen, oder der von der Smme AMüm^mne Erek;*') m 
jedem Falle ist er MUhHsek bezeiehnet 

Nun merken wir auf andere Spuren einer alten Verbin- 
don^ des Perwus nnd Mäkras. Es ist schon oben gezeigt 
worden, dass ein Mithra^priester und sein Gott selbst Penen 
(niQOijo) hiessen. Er heisst gerade in dieser Eigenschaft 
der Früchte Hüter. Sey aber auch nuir der Perser (^Persische) 
damit gemeint, so ist es gerade dasy was wir suchen. «Pei^ 
sens, Sohn der Andromeda und des Persens, heisst es weiter, 
pflanzte eine Persische Landschaft Art&a an.» An der ersten 
Stelle sollte Persee stehen. Aber es kann auch seyn, dass 
beide Namen abwechselnd von Einer Person gebraucht wur- 
den.*^ Diese Genealogien kennt auch Herodotiis, und fiiihrt 
als Persische Sage an, dass Perseus ein jissgrer gewesen.'^ 
Er und die alten Erklärer des Plato geben uns folgendes 
Geschiechtsregister : 

Juppiterv^Danae 

Perseusv^ Andromeda 

Achämenes. * j 
Es ist bereits bemerkt worden, dass Achämenes von Vielen 
fär den Persischen Dschemschid gehalten . wird. Hiemach 
hätten wir die Mithrische Hauptidee in einer Griechischen 
Genealogie. Sie ist diese: Aus dem Feuerstrahle , in welchem 
sich Mithras in die Erde herabsenkt, kommt ein Sonnenheld, 
der wieder einem Ackerbauer das Daseyn giebt Denn des 
Ackerbaues Ursprung ist Persisch in dem Bilde desDschem- 

1) Hermaim^s Erklarunf^ ia den Briefen über Homer p. 185 f. 

2) HeUanlci Fragmm. LXIII. p. 94 und daselbst Sturz. 

3) Uerodot. Vn. 61. Mehrere Sagen, worin Perseuä mit den Per- 
sern in Verbindung gesetzt wird, s. VI. 53. 54.. 

4) Olympiodorus p. \f}{ und Schollastes Piatonis Alcib. I. p. 75 
Btthnken. auch zum Theil Hcrodotns selbst vn. 61. Im Palatinischen 
Snmmarium zu dieser Stelle inu^s statt liiQoituf ;;ele8en werden Ui^airnq. 



^i^ 397 >^^ 

schid gegeben j der mit goldenem 6tehwerte die jBrde sj^tet 
Der Urtypus ist das Büd des Jünglings^ der den Stier nieder* 
wirft und schlachtet *) War es der Löwe oder der Mann mit 
dem Löwenkopfe (s. oben^^ so dachte man an die Sonne in 
diesem Zeichen, niad der Ton ihm onterworfene, widerstre- 
bende Stier oder die Kuh bezeichneten bald die Erde, bald 
den Mond, in so fem er von der Sonne bewältigt und befruch- 
tet wird.*} In der activen Potenz haben wir immer die un- 
besiegte Sonne (Sol invictus). Ist es ane geflügelte weibliche 
Person, die den Stier unterwirft und schlachtet (s. oben), so 
miiss an die Venus Urania gedacht werden , welche die Perser 
unter dem Namen Mitra bei sich «aufgenommen hatten ^Henn 
dot L ISl}. In Argolischen Mythen wird sid zur siegbrin- 
genden Venus QAfpfoSivi] pixijtpo^oqi s. oben), womit eine 
Lehre von Feuer- und Lichtreinigung zusammenhängt^) 

Sehen wir uns nun in den zahlreichen Mithrischen Bild- 
werken um, und unterscheiden die wwenUiehmi Symbole von 
den unwesentlichen,*) so werden wir gestehen müssen, dass 
in den Jrgolüehen Mgihen und BäAtferken von Penem und 
von der Peneutbvrg Mycenä mehrere der allerwesentlichsten 

1) Schon Beger hal es richtig yeratanden, n&mllch vom Ackenniinney 
i«r sieh die Erde unterwirft ^ sie umgr&bt^ und Fruchte bu bringen »wkngt 
(ThecMir. Brandenh. I. p, t40}. 

2) Staüus Thebaid. I. 715 sqq. 

— Seu te roseum TUana vocari 
Sentis Achaemeniae rittt: neu praestat OHrin 
Fruyiferum: seu Per sei Mub rupibuM amtri 
Indignaia sequi torquentem eornua Mithram, 
Wo der Scholiost erst des Bfannldwen Mithras gedenkt (s, oben), 
dann das Prehen der Hdrner auf den Mond besieht C-^ quao interpreta* 
tio ad Lunam- dicitur). 

3) Ich habe sie in der Erklärung der Bilder auf der Vase von Ca- 
Bossa cn entwickeln gesucht ; s. das Heft der Abbildungen. 

4) Zodga in den AbhandU. p. 118 A 167 ff. hat davon genau ge- 
handelt. 



gegeben mmL la i0mMgikm erscheint nb/MtüäüeMTMih^ und 
swar bnUiend und minMal. Die Anapieiiiii^ auf den in die 
Erde versenkten JDoUk hat sich in der Legende vcnn Degeo- 
deckel erhalten, der gvsoeht werden aiiu», und anm Zeiehaa 
mid Namen einer Stadt dienet Die Orette venätix sieh an 
Gemache in der Erde, wo Damte den Sohn empfingt Im gol- 
denen Regen, welcher sie hefnichtet, im Schwämme mid 
Wasser sehen wir die Bilder Bolariaeher Ausfläne und terre- 
jMlieAer Zeidien von PntehtharheU , also MithrischeHaaptvor- 
steliungen. Die Gorgonen sind Erinnernngen an den üromf'^ 
als den fltuierm K&rper, und die brüllenden Schwestern als 
Kfihe bezeichnen die nnlanterc Natur desselben, die mit Ge- 
walt von der Sonne gereinigt werden mnss. Es liegen die 
Begrüfe von Reinigung hier zum Grunde. Perscus und der Per- 
seide Hercules reinigen auf Erden und am Himmel. Sie reinigen 
das Böse gewaltsam und durch Blutvergiessen. Sie sind Jedoch 
gereckte Todachlager. Perseus aber ist vorzugsweise geflü- 
gelt^^ Dies Alles nahm nun auch seine eihueke Wendung 
historisch weiter. Nur Ein Beispiel: Den sihiUichen, üppigen 
Sardanapalus, ging die Sage, hatte Perseus erschlagen. 



1) In alter Sprache hiess ^o^nop der Mond, wegen des schwaraen 
Gesichts 9 das man in ihm zu sehen glaubte (Clemens Alex. Stromat. V« 
p. 676). Die gleich folgenden Andeutungen vom chaotischen Wesen des 
Mondes werden im Capitel von den Samothr^cLschen Mysterien durch die 
Mythen von der Lnna-fiilmo deutlicher werden. 

2) Olymplodorus ad Piatonis Alcib. I. p. 157; 'JEsinrc^ fihf ya^ inl 
Ma&agatt twv nautiv yfywt, xal faq naX o 'flipeutlf^. dto ^iniflX mql avxov 
o lIiiaavS((oq ' SiuatoruTOV 3i 901^09' inl yag Mt^tigot^nt ipovov^ ixoiW 
aXXu Kai o Iliqaiv^ tommttoc* *^< 9k ttal to c&im n%iqu%o^p iq id^Xmatv 
^ umft^ta KoX ^ rogyv ual ^ cc^ij. 

3) Malelae Chronicon p. 21 Oxon. Suldas in .Sbtpdonnv. Vol. DI. p. 
286 Kust. mit Rcinesii Observatt. in Bold. p. 222 ed. Münar. ^ In die- 
sen ethischen Sinne, setse ich jetst hinzu, konnte noch ein später ehrM- 
licher Bedner den Gorgonentodter Persans einem Fürsten als VerMM 



^^ JOB9 ^^ 

So weit die Mythen. Vom M s % w K Mk % m BUmerite bnnieiie 
ich, Bach dem was oben erSrtert worden, weit» nichts n 
Siegen, als dass die von Löwen gehaltene Sinle, mit dm 
sdarischen Kugeln nnd R^en in ihrer Spitze, ein Bfithrisches 
BOd ans der Lehre der LeottUea vor Augen stellt, nämlidi die 
von der Sonne im Löwenzeichen erfi^ste und bewiltigte fen- 
rige Erdfeste. 

Hiernach mögen nun Unterrichtete entscheiden, ob es n 
kiüin ist, wenn ich zu behaupten wage, Penetu itt eine Mt? 
ikrüche FtnrmaUon oder, wenn man lieber will, Epiphrnde. Ein 
Indisch - Assyrisches Ursymbol ist sowohl in Persiens als in 
Aegyptens ReUgionen eingedrungen, hat sich männlich als 
Phamenophis-Bfemnon^) in der Lichtsäule befestigt, darauf 
im Thierdienste sich zersetzt j und in Yorderasien mannigfidtig 
umgebildet , kommt es in den Argolischen Bildern und Mythen 
als Perseus wieder zum Vorschein.*} 



Unstelleii. Nlcephomt menmjd. orat. Quälern oporteat esse regem 
(tat Collect, yeterr. scriptorr. V»tic. II. p. 630 ed. A. Bfai): KoX moTuq 
Mo£oc Ut^tvq naga 'jSgftw Sginmvw Uißmp iUttfu t^c ^o^n^q %gßq m- 
falaq, naoav i^ itulvtfq ßlupipf irto^v/mv, ourm xvh "<<^ ^ ßaaüJa Stu vov 
lofov «CK wt^ßallovaaq %a na^n n^gtnnq ^tati^anq iMMonttNf nj vf c ^t^ C ^«o* 
M^ittu Dwrftitf wird Herakles als Erleger der Hydra in gleicher Weise ^ 
als Muster YorgesteUt. 

1) Weiblick anderwJLrts in der Feuer tragenden Siule (Bfitra- 
Beste). 

2} Es möchte dienlich seyn, die Worte eines Mannes jetst beizuffi- 
gen, dessen nnbefiingener Blick oft so gläcklich ins Alterthnm einge- 
drungen. Der ,sel. Buttmann sagt am Schlüsse seiner Abhandlung über 
4ie mythischen Verbindungen von Griechenland und Asien (Mjrthologus 
U. S. 193); nachdem er zuletzt von Perseus undMedea und von den Per- 
tem und Modem gesprochen: ,, Heber die frühe Bekanntschaft der Grie- 
chsii mit den Namen solcher entfernten Völker Asiens, die durch diese 
Deutung so alter Blythen vorausgesetzt wird, darf man sich übrigens 
■ichi wundem. IMese mythischen Personen und die damit verbundenen 
Creuzer^s deutsche Schriften. I. 2. 10 



»0 



etluiologiaclieii Notisea ktneft den Orieohen In Vertiidiflig mit des vielen 
andern Aslatitchen nnd Pluryglschen Sngen m, and verbreüeten so eine 
donkle KenntniM von Jenen Völkern ^ wahrend die Personlficationen der- 
selben sich an die heimiscken Mythen anknüpfte ^ und so nun zum Theil 
freier sich ausbildeten. << 



291 



Mükraa ah MiMer. 

Die Welt, wie sie vom Ew^en ausgegangen, war Licht. 
Jedodi sie verfinsterte sich. Es kam Gegensatz und Streit — 
Kampf zwischen Licht und Finstemiss — Gutes und Böseci. 
Dieser Kampf, vde aller Gegensatz, in welchem nur die Welt 
besteht, ist, wie sie, endiieh. Am Ende des grossen Jahres 
wird er in Liebe aufgelöset; er wird vemdttett. Diese Liebe, 
dieser Mittler ist Mitra-Mitkras. — Wie? Aus dem Ewigen 
(^Zeruane Akerene^ ward durch das lebendig machende Wort 
^Enohe - verihe , Honover^ das himmlische Licht und das himm- 
Ueehe Feuer, das Prine^ des materiellen Lichtes und des ma- 
teriellen Feuers. — Unter den wirklichen (materiellen) Lichtem 
steht die Sonne oben an. Die Sonne ist der Jlbglanz vom 
himmlischen Lichte , und dessen Bild auf Erden. Das himm- 
Hsche Lieht ist h) Lebenszeit und Princip alles Heiles in der 
Natur (physischer Wohlfahrt); ii) es ist aber auch der ent- 
Kundende Funke für jede ethische That. — Das Licht , ausser 
Gott (^dem Ewigen) gesetzt, hat seinen Gegensatz: die Fhi- 
etermss; die Sonne, des himmlischen Lichtes Bild, hat gegen 
sich das Dunkel; das Gute: das Böse. In d^r Zeit ist ein 
Kampf gesetzt — der Kampf des Tages mit der Nacht, der 
Lichtseite des Jahres mit der Nachtseite, der Frömmigkeit pe- 
riodisch mit dem Laster. Der Bwige wollte nur das Licht; die 
Welt aber, da sie aus ihm ist, kann er nicht lassen. Die 
Sonne kämpft und rmgt , und gewinnt jeden Tag , Jedes Jahr 
einen neuen Sieg. Die Sonne remigt sich von den Flecken 
des Dunkels. Ihr Vorkämpfer, ihr Seiniger, ihr guter Geist 
ist die intelligible Lichtkraft in ihr: der überirdische (]himmli- 
sche) Lichtfunke, der in ihr lodert Das Dankel muss immer 
wieder weichen, es wird ins Licht angenommen. Das Gute 

19* 



^^ 292 ^^ 

kämpft mit dem Bösen: zwei Geister, Ormuzd und Ahriman. 
Aber das Gute hat noch ausserdem seinen Hort, seinen Genius 
und Vertreter (Mittler^; und das Böse (Ahriman} wird in 
der Zeiten Fülle zum Lichte hingezogen , wird gereinigt , wird 
verklärt. In Liebe vermittelt und versöhnet der Ewige das 
was in der Zeit feindselig aus einander lag; und die Hölle 
Qldt;:^^ hat ein Ende. Die Schatten hören auf, so wie mate- 
rielle Last Es wird Alles in Himmelslicht verflüchtigt und 
verklärt. So nimmt der Ewige die Welt wieder in sich auf — 
er, der Beste (a^iotoq)^ die arge; aber nicht als arge, s|oih- 
dem nachdem sie verklärt ' worden ins Gute. Wer verklart 
sie? Das ist Mithras. Ist Zeruane Akerene das Beste (aQi- 
OToii)^ 80 ist er der Gute — ro dya^op — (yvie Oairi$). 
Er ist die Liebe und heiast so (Mthir - Meher). Im Verhältniss 
zum Ewigen ist er die Gnadetiaonne. Im Verhältniss twiaek^n 
Ormuzd und Ahriman ist er das Lieberfeuer. *^ In der Natur 
ist er der SonnenAort und Reiniger der Sonne. Im Verhältniss 
zum Menschen ist er der Läuterer. In allen Beziehungen ist 
er der Malier (^fAeairijg). Als intelligibler Licktgeüt ist er 
des lebendigmachenden Wortee Sohn. Er bringt daf( Wort -— 
wie Brahma (Birmah} die Worte des Mundes Gottes, die 
Vedde^ bringt. — Er ist in den Ferkündigem des Wartßa^ in 
den Propheten. Er steht den Weihen und der Heilam-dnung vor. 
Er ist in den Geseiagebem (]den Aethiopiem bringt Mkhrae die 
Gesetze^; in den Helden und Kamgen; im Dachenuchid, dem 
Sonnenheld mit dem Sonnenspiegel, mit dem Goldsfhwert, das 
die Erde spaltet (Ackermann}, mit dem Jahresringe (Stifter 
des Sonnenjahres}; im Feridun, der die Tazi's und den Zohak 
besiegt, und in der FrOhUngsgleiche (Mirrhigan) den Sieg des 
Rechts über das Arge erringt; im Gustasp, der des Goldsterns 



1) Das Crfeuer helsst das Band der Einigung ewlschen Oransd and 
Zenume Akerene; Zendavesta I. 44 und Anhang IL 1. p. 127. und des 
Mtthras Name yyMikr helsst auf Persisch sowohl die iSloiiiis als die Liebe ;*^ 
Y. Hanuner in den Wiener JahrWi. der Liteiv 1818. L p. iffd. 



-^ 293 -^ 

(Eorotuier) Glatiz erblickt, und von ihm das Lebemwort (^Zcnd^ 
ai'esta) empfangt; im JTÄorwü» (Cyrus) , dem geweiheten Äon- 
«9fi- (^Khorschid-^ K&nig. In diesen Heiden ist er Held — 
ein starker I%9d. In diesen Männern ist er Mann — Mithras. 
In der Sonne auch, die das böse Dunkel und arge Gewürm 
verzehrt; Aber in ihrer milden Wärme , in ihrer sanften Nähr- 
krafi, int linden Lichte der fSteme auch wird er Mitra — Ve- 
nuM^ Urania, Desgleichen im Fersöhmtngewerke , im Mittleramte ^ 
wird er zarte, schmeidigende Liehe. Dieses Liebeswerk ge- 
lingt in der FuUe der Zeiten, im grossen Weltjahr von zwölf- 
tmisend Jahren. Es gelingt im Zwielicht : auf der Scheidelinie 
zwischen Licht und Dunkel; es gelingt alle Jahre in der 
eiaieha: in der Fruhlings^/tftcAe; es gelingt im Zeichen des 
SUerm. Jakre sind SUere — Weltjahre sind WeUetiere. Die 
fbmtara Welt mit dem gestimien Hhnmelsgetoölbe ist eine heU- 
dunkele Grotte. Alle Jahre im Mirrhigian, im Frühlingszeichen, 
bringt Makros, der Sonnengemus, den Jakresstier dem Ewigen 
znm Opfer. Es ist das Siegesopfer der triumphirenden Sonne. 
Am- Ablauf des grossen Jakres bringt der Mittler das Liebes- 
und Siegesopfer dem Ewigen dar. Es ist das Zeichen vom 
Ende der irdischen Zeiten. Es ist das Unterpfand vom Siege 
des Goten. — Das Wort (koyog) ist Sohn des Ewigen , Leben, 
LMa, es ist Mittler und Versöhner. 



Und dennoch — so vergänglich ist alles Göttliche unter 
den Menschen — verfinsterte sich auch diese Licktlekre mit 
der Zeit Fanatismus und Irrwahn bemächtigten sich der 
Kthrasweihen — und selbst Menschenopfer fielen in den fin- 
steren Grotten dieser Mysterien. Aber cles besseren Lichts 
hatten sich früher Griechische Philosophen, Pythagoras, He- 
nklitus u. A. bemirchtigt. Und dieses hhni^lische Licht ver- 
klärte sich im Christenthum. Die Urkunden des N. T. zeigen 
ans beide Seiten: die gute und die- böse. Das reine Licht 
strahlt im Sterne der Magier^ die vom Morgenlande hcrkom- 



-m^ 294 'v- 

men, am den Ckrhi in der Wie^ annbeten (Vatth. II. 1 ff.). 
Das Licht ist verfinstert im Magier, dem falschen Propheten 
([Apost Gesch. Xm. 6. ev^6p riva (Aayov ^dvdoTrfog>^Tijpy 
Und so konnte Ignatius im dritten Briefe an die Epheser 
(ap. Ittig. Biblioth. patnun ApostoIL p. 40} sagen: «Ein Stern 
ist am Himmel erschienen Aber alle Sterne , und sein Licht 
war unaussprechlich 9 und seine Neuheit erregte Verwundern; 
und alle übrigen Sterne , sammt Sonne und Mond, bildeten den 
Chor um diesen Stern. Er aber strahlte sein licht aus über 
alle; und man war befiremdet, woher doch sein ungewöhnlH* 
ches Wesen , das diesen unühnlich 1 Daher ward alles Magier- 
W69eh au^elöset (^o^ep ükiexo nätsa fMyeia)^ alle Bande der 
Bosheit wurden zerbrochen, die Unwissenheit ward zerstört^ 
und das alte Reich ward zerrüttet; sintemal .Gott menschlidi 
ersehienen war zur Emeoerong des ewigen Lebens. • 



IVachträ^e. 



Vorwort. 

JLeh habe im vorstehenden Capitel über die Medisch - Persi- 
schen Reli^onen mehrere Stucke ausfallen lassen, welche in 
der zweiten Ausgabe dieses Werkes Erzfihlungen der Sagen- 
gMchichte und Besehreibung der Architekturmonuraente ent- 
hielten; und werde mir auch bei' den folgenden Capiteln 
diese AbktirEung erlauben, weil ich das Meiste davon anjMzt 
ab fast allgemein bekannt ansehen kann , und weil es in vie- 
len andern Büchern anzutreffen ist« Eben so werde ich mit 
Anfähmngen aus den Notes et Eclaircissemens des Fran- 
zösischen Bearbeiters Herrn Guigniant sehr sparsam seyn, 
theils weil sie schon im Jahr 1825 im Publicum erschienen und 
also nicht mehr ganz neu sind, theils weil ich das Eigenthfim- 
liehe seiner Leistungen ihm auch als sein Eigcnthum tiber- 
fatösen möchte. Sollten die Leser dieser dritten Ausgabe 
meines Buchs auch das hier Ausgeschiedene zu besitzen wün- 
schen, so kann dieses dem nachzuliefernden Supplementheft^ 
dfo allgemeine Bewkreihung des epnboUschen und mythieehen 
Kreieee enthaltend (8. 1 — 240 des ersten Bandes zwei- 
ter Ausgabe}, etwa mit kleineren Typen gedruckt, angehängt 
werden. 

Durch solche Abkürzungen habe ich für neue Mittheilun- 
gen aus den Seligioneurkunden selbst und aus den Ergebnissen 
der neueeien Foreehungen Raum zu gewinnen gesucht, und so 
wird dieses Werk , dem Versprechen gemäss , auf diret 
eingeschränkt bleiben können. 




n 



Smgraphie, oder aber den UrtÜi der rdigjmm 
CuHur der alten Volker} ^ 

Nachtrag zum Anfnng dea oratcu Caplteb. 

Zu dieser Frage fiiblt sich der Fnrschun^gpist auf Jfrier 
ofe seines FArtsdireitenn atigeregt , nnd Ter ohni^cfHhr Auf 
I zwanzig^ Jahren berührte ein grofsvr, tnnßtsitmdcr 6^- 
Alehrter diese Fra^e mit folgenden Silzeo; » .Steig;« »An iaÜi 
SSteslen Zeilen empor, so weiset inis die GeschiHite auf nefc* 
' ffere Mittelpunkte der Ci\'fli$ation, deren ^g«nsciU^ T(r> 
tUltnisse zu einander uns völlig nnbekannt sind , wie k. K 
'Bleroe, Ae^plen, die Ufer des Eaphrat und China. Andm^ 
mck ältere, Heerde der Mcnschenbiidiin|r standen Viellciehttrf 
dem Plateau von Central -Asien; nnd dem Wiedorsrhetn dtr 
letztern möehle man wohl den Anfang der Amerikanisebti 
CivilisalioQ beimessen. • '} Bekanntlich ^vurde früherhin diM 
UotersucbuDg von der Mosaisdien Urkunde (^Genesis 11.8) 
abhängig gemacht, d. h. von den Oerllichkeiten des bihliartaH 
Eden und von dem Laufe der Flüsse des Paradieses, hI> 
wenn, nach Erscheinung eines Thcils der Zendscfarinen, Üf 
Ausleger mit erweitertem Gesichtskreis auch daraus Liefat tt 
gewinnen suchten,') so haben andere Gelehrte denUrftilsder 
Civilisation tfaeils allein in dem vorderen Indien gesucht, thtib 

1) Alei. von Hanbaldt In den PlUoreakeii AuhditeB der CoHS^ 
ren 8. 9. 

3> B. Binder'« und Ward'a Altea und neues MorgealaBd 
ceben vod BtitcuDüUer, zn Gesetii n. 8, wo mit der Noai 



laiMfeMl^H 



-^ 297 -«^ 

n geraden Widerspruch mit allem diesem fddgende S&tze 
umgestellt : ■} « Der Indischen Religion und Philosophie könne 
lan nor ein relatives Alter zuerkennen; — Die Sanskrit- 
haraktere seyen vom Chaldüischen herzuleiten; die alphabe- 
ische Schrift sey von den Phöniciern ausgegangen, von da, 
of ihrem östlichen Wege frühe nach Babylon und von dorten 
adi Indien verpflanzt worden; — Das Daseyn eines cultivir- 
en alteren Persischen Reichs, vor dem Babylonischen und 
[edischen, widerspreche der Geschichte; dorten seyen vor 
iiitstehnng dieser letzteren Staaten nur nomadische Stänune, 
nabhängig von duander und ohne bedeutende Civilisation, 
^Bwesen; -*- Vor der Stiftung des Medischen Rdchs, und ehe 
ie Indier 4irgend andere Colte als die der Wilden gehabt, 
ItteD bereits die Chaldüer und Araber die erhabensten Be- 
rift von der ersten Ursache aller Dinge mit der Theorie von 
System guter und böser Geister, mit dem Satze von 
guten Uriieber des Universm^ und von .der bösen Natur 
er Blalerie aufgestellt; *— endlich: Der Sabäismüs sey ia 
ui^gypten und in Chaldüa in zwei complicirte Systeme ge- 
niriit worden; das Chaldaische System sey den Modem und 
m diesen den Indiem mitgetheiit worden; wo es dann alle. 
^"•«^ einer eigennützigen Priesterschaft und eines unwis- 
BMten Pöbels er&hren habe. » 

Die Beleuchtung solcher S&tze möchte anjetzt wohl ausser 
er Zeit seyn. Hat doch der Urheber derselben von den 
lOidschriften keine Notiz genommen. Wir wenden uns statt 
eneii anderen ESrgebnissen zu, welche allerdings das Daseyn 
mk Uterer Ursitze der Cultur bestätigen als der Chaldäisdie 
tj welchen der Verfasser mit dem' Arabischen zusammenstellt 
Ten einer vor-Aegyptisehen und vor -Indischen Cultur war 

tknßmng tob Men die Angaben des Zendavesta CH« P* 298 ff.) von 
lerlene, Iran n. s. w« zosammengesteUt werden. 

1> Ustoiy -of Che European Longnages by Alex. Bf orray. Bdinborgh 
«. JL V* 223 -» 226. 



•«•■ 



-» 298 -^ 

schon ZD den Grieehen eine Kunde ^konunen. Aristoteles 
bemerkt ansdrficklieh, dass die Ma^er Alter als die Aegyptier. 
and sein Schaler Klearchos, dass die Indischen Weisen Ab- 
k$nunlinj^ der Magier seyen.*} Eine u^eitere Kenntniss der 
Volksstfimme , wozo diew Magier gehören, verdanken wir 
einem andern SchiOer des Aristoteles , dem Eudemos , welcher 
die Grandlehren der Magier d«m gcmimmUm Stamm vom Aria 
beilegt') Fragen wir aber nach den Wohnsitzen dieser 
Arier, so mass zuvörderst bemerkt werden, dass Herodotus 
schon zweierlei Arier (^j4qioi) kennt ^} Dieser Unterschied 
stellt sich auch in den orientalischen Urkunden heraus, und 
ich kann wohl nicht besser thun, als einen der grössten 
Orientalisten darüber sprechen zu lassen: «Je lis donc Ariön, — 
mais je ne pense pas que ce nom de arion ait icfi 1' etendue 
qu'il faut donner a l'ancienne Ariane, laqaelle comprend la 
plas grande parfie des provinces situees entre T Oxos et 1' Eo- 
phrate, et qui represente presque pour. les auteors andens, et 
entre autres pour Pline et pour Strabon, la allste portion de 
l'Asie que les Orientaux apellent Iran. Je vois au con- 
traire dans V äriön de notre inscription T Arktma (^A^iavidy 
d'Etienne de Bysance, province que M. de Sacy et apres Ini' 
M. Saint -Martin ont regardee avec raison comme la meme 
que VArran des Orientaux.» Es wird darauf bemerkt, dass 
nach Stephanus von Byzanz dieses Ariania neben, dem Lande 

1) Aristoteles ap. Diog. Laert. prooem. g. 8. Clearchas ibid. $. 9. 
vergL J. B. Verraert Diatribe de Clearcho Solensi g. 5. p. 56: KXüt^jgoQ 
^ o JSblcvc ip %f HtQl fuudilaqf »ai tovc PvfiPoaoqtutruq unorovovq c2va* «mp 
Maymv, Diese letzten Worte siad besonders bemerlienswerth , weil sie 
die Abkunft des ludischen Brahmaniamus aus einer Iranischen QneUe deut- 
lich bezeugen. 

2) Mayot Sk *al naw t6 'Agtop yipoq Eudemus ap. Damascium de 
Principiis p. 384 ed. Kopp. Ich habe diese Stelle schon Cap. I. %. 9 be- 
rührt, und werde sie weiterhin im Zusammenhang mittheUea and be- 
handeln. 

:^) S. Herodot. VH. 62 mit Bähr's Anmerk. p. 544. 



i 



^^ 399 -^ 

3r Kadnsier, d. tu neben dem nördlichen Bledien md im Ge- 
irge Kaukasus zwischen dem* Kaspischen und Schwanen 
[eere zu suchen sey. *} — Aber auch in einem andern Sinn 
iben wir unter den Ariern zu unterscheiden, nämlich in so 
m der ganze grosse Volksstamm östUcher oder mehr nadi 
ITesten wohnte. Dies führt uns zum Hauptpunkt unsrer 
■^abe. NAmlich ans den neuesten Forschungen in den Per^ 
sehen Urkunden gewinnen wir folgende Ergebnisse, vorerst 
KT die Hauptflüsse des Reichs. Hiernach ist der Phrat des 
mdehesch ohne Zweifel der Euphrat, der Veh, der Oxus, 
sr Arg, nicht der Tigris, sondern der Jaxartes. Sodann 
MB von dem heib'gen Berg der Persersage , d. i. vom BordJ 
L h» der hohe Berg}, behauptet werden, er sey ursprunglich 
r Imaus der Alten, oder der westliche Theil des Himmels- 
dbirges der Chinesen. ,Auf diese Gebirge und auf die des 
■uüaya weisen die Ältesten und Echtesten Texte der Zend- 
teher hin. Was die Arier von Baktra das hohe Gebirge 
mannt, leann in den alten Texten nicht den Modischen Elbors 
rinten. Diese letztere Bezeichnung konnte nicht eher ein- 
sAhrt worden seyn, als bis der Mittelpunkt der Arienischen 
seht nach dem Westen hin verlegt worden.*} Das ilteste 
rief <- Land (Airya der Zendsprache')} mit seinem heiligen 
hardi ist also nicht am südlichen Abhänge des Kaukasus, 
ich nicht in Medien, sondern in den Flussgebieten des Oxus 
ler in Baktriana aufzusuchen. Als ein beständiger Gegensatz 
igen dieses vom Gesetz erleuchtete Iran tritt bekanntlich 
uran hervor. Auch davon hatten die Griechen Kenntniss, 
ain , wie wahrscheinlich , das TovQiovap des Strabo *} darauf 

1) K. Barnonf M^oire 8or denz IiiBorIpiioiis caniifbrmes. Paris 1836. 
150 uBd daselbst de Sacy Memoire sar dlv. antlq. de la Perse p. 48 

i Saint- Blartin Memoire sur r Arm^nle.I. p. 270. 272. 

2) E. Buraouf CommeaUlre sar le Ya^ua p. CliXXlCIV sq. 

3) IMd. p. OV. 

4) 8trabo XI. 11. p. 513 Tesch. vgl. Bumouf Comm. sur le Ya^n» 
430. not. 283 und Raoul - Rochette Im Jouraal desSavans 1836. p. 138. 



^^ aoo ^^ 

sa beliehen ist Des leteteren älteste Südgrünze bildete der- 
sdbe Strohm Veh oder Oxus. «Wenn wir sagen, bemerkt 
ein gelehrter Orientalist, dass Tnran nichts als das alte Tor- 
kistan sey, so ist dies im weitesten Sinne seiner sudlichsten 
Gränze, des Oxns za verstehen, wiewohl das heutige Turki- 
Atan südUch und westlich vom Sihun oder Jaxartes begruufit 
wird.*) Aber auch nördlich dieser Granzen erinnern Völker * 
und Personen -Namen, wie Arunaspen, Ariapithes, so wie 
viele Zendwörter in verschiedenen Sprachen Asiens an die 
weite Ausbreitung der Zunge , worin der alte Stamm der Arya 
oder das *A^iop yivog geredet , '} und wenn vom vorweltlichen 
Reiche Aria die Bede ist, so muss man im Osten Baktriana, 
im Westen Medien und im Südwesten Persien in diesem Na- 
men zusammenfiissen. Als ältester Mittelpunkt dieses Beiches 
tritt aber Baktnen oder diejenige Provinz hervor, die in der 
Persischen Beichsgeographie seit Darios Hystaspis die zwölfte 
unter den Satrapien bildete.'} In diesem Lande concentriren 
sich die Strahlen der alt -Iranischen Herrlichkeit, die in den 
heüigen wie in den weltlichen Sagen der biblischen Urkunde, 
der Zendschriften , der Griechen und Bömer bis auf den Schah- 
nameh des Firdusi*} und die Geschichte des Moses von Cho^ 
rene herab in wunderbarem Farbenglanze wiederscheinen. In 
einer Uebersicht , die ein umfassender Gelehrter davon gegeben, 
ist alles in den verschiedenen Zeugnissen Vorkommende m- 
sammengestellt, um das geaetMdttnüge Land jirieme, wie es 

1) von Hammer Pargstall in den Wiener Jahrbb. der Llterator B. 
LXXm. S. 9 und S. 22. 

2) Bnmouf Ta^na p. CV. Notes. 

3) Herodot. m. 92 ^ natürlich mehr oder weniger mit veranderiea 
Granzen. 

4) Der Deutsche Leser kann sich aus dem Heldenhvch ron Iran ans 
dem Schah Nameh des Firdussi nach der vortrefflichen Bearbeitiug von 
J. Ocrres in 2 Bänden Berlin 1620 einen genugenden Begriff davon ver- 
schaffen. 



^^ 301 -^ 

in den Zendsehriften hebst, in dem Medmm der orientattschen 
Anschauung hervortreten zu lassen, selbst mit Hinweisung^n 
auf die bibUschen Ueberlieferun^n (Genes. lY. f. Esdr. EL 
VI. 51 3 von dem Erzvater Henoch. ^) Abgesehen von dem 
Mythos der Griechen, welcher seinem Halbgotte Dionysos ans 
der U^berwindnng der Baktrier einen unvergleichlichen Ruhm 
zu bereiten sucht , finden wir in den Geschichtschreibem selbst 
diesem Lande eine hohe Bedeutung beigelegt.^} Jeder Ero- 
berer legte auf die Erwerbung und Behauptung dieses Landes 
das grösste Gewicht.'} Hier versammelte Artaxerxes ein 
sahlraches Heer im Kriege gegen seinen Bruder , den Jüng^ 
ren Cynis; welche Nachricht unter den Soldaten grossen 
- Schrecken verbreitete , zumal bei der Länge des Heerzugs 
bis dorthin, den man von Tarsus auf vier Monate berech- 
nete. *} — Und in der That war dieses Land der Site einer 
uralten Cultur, der Alittelpunkt einer grossen Handelsstrasse 
des Orients, und Gold und Silber war « durch Handel vermuth- 
lich aus Turkistan dorten im Umlauf.*) Noch jetzt wird 
Balk (;Baktra) die Mutter der Städte genannt und für die 
älteste der Welt gehalten. ^} Nach Plinius hiess diese 
StMdt früher Zariaspa und Strabb und Stephanus Byzantinos 



1> S. y. Hammer in den Wiener Jahrbb. d. Llt IX. S. 30 ff. 

2) Mit diesen Bemerkungen eröffiaet Bayer «eine Uistoria Begnl 
Baciriani. 

3) S. Ctesiae Persica cap. 2 mit Chr. F. B&lir p. 93. rgl. Heeren's 
Ideen ober die Politik •— der alten Welt I. 1. S. S17 f. viert. Ausg. 

4) Dioddr. XIV. 20. p. 656 Wesseling. vgl. Blum^s Herodot und Ktesias 
8. 13G. feSchon vor dem Ausbruch des Ionischen Kriegs hatte derltlUesier 
Hekataos den Griechen eine Vorstellung von der Grosse des Perserreichs 
und seiner Macht gegeben. Herodot. V. 36. 

5) Bayer p. 21. vgl. Karl Bitter's Erdkunde II. S. 498 fi und dessen 
Vorbane S. 22. 

6) Heeren a. a. 0. S. 319. Ritter Erdkunde IL S. 502. 






halten Zariaspa und Baktra für eine und dieselbe Stait^) 
PtoIemSus dAgegen (Geo^. VI. 11) unterscheidet 
Städte, und dieser Vorstellung haben sich mehrere N 
angeschlossen, wie Cellarius (Geogr. antiq. II. p. 711) 
Heeren (a. a. 0. S. SIT}. Diese letztere Meinung aneht cb 
anderer Gelehrter neuerdings zu vertheidigen. Es ist iwir 
nicht zu leugnen , dass wir aus den ganz kürzlich erst bekaail i 
gewordenen Baktrischen Münzen neue Aufschlüsse über dvj 
Griechisch -Baktrischen Dynastien gewonnen haben, aber il 
aus den Fundorten dieser Münzen sich zuverlässige 
phische Schlüsse ziehen lassen, möchte denn doch noch 
untersuchen seyn.^} Ausser den Münzen scheint sich 



1) Strabo XI. 2. p. 5l2TK8Ch. JIolii^ ^ tlxw xa rc Buvt^, ^wmf td 
Zudtaonav wlavaw. v^l. Steph. Byz. p. 372 Berkcd. Plin. H. N. VL 16. f^ 
314 UarduiQ.: ^fZariaspc (quod po8t«a Bactrum) a flumlne appdliü'* 
nämlich vom Flussu Zariaspes. Ktesias kennt eine Stadt Zarla (eap.i& 
mit nähr p 200). vgl. Saintcrolx Exam. des Histor. d^ Alexandre p. itö* 
cd. second. I. 8zab6 Descriptio Perslci Imperii p. 161 > van der C^ 
C?(immentar. K<^OK>*. in Arriaui Kxpcd. p. 81 sq. und besonders KarlBMcr 
roher Alexanders des Grossen Feld/.u^ir am Indischen Kaukasus S. IS 
welcher die Geographie dicst.T Gefi:ciiden in mehreren Punkten berich- 
(i;:r. Man v^l. die Karte zu dieser Abhandlung;. 

2) Kaoul-Rocliette sa^r nämlich im Ueuxiemc Supplement alaNotir« 
sur les Medailles Grecq. Baririeiis p. 12: „ D' apre.s la positiun a.s«iipici' 
a ZariasfKi {Za^j^unnu t^v luyioiriv no/.tv) dans la So^dianc ocridenlAli' 
par V hi>t»ri«Mi d' Al(*xandre Arrieii, qui se (rouve d'accord avec les Tahl» 
di> Ptoirmee, il parait rertain qu' on auralt tort de confoiidre Baclra tL 
Zariufifut, comme T avait fair Slrahon XI. r)l4. 5l'i, copie par Pline XVL 
1j [ VI. 10. s. ohenl, sur la foi d^ Krarosthene; et les temoi^nases coi- 
train;s alle^ues par Bayer HisC. Bactr. VII. p. 17 — 1*K nieritaient ptai 
de coii>ideration qu^ iKs u* en ont fd)(eiui dela part du traductrur Krancals de 
Mraboii." • — Aber Arrianus verlebt in der angeführten Stelle (IV. l. 
fin.) Zariaspa, eben so weiii«: als in andern (IV. 7. 1. IV. Id. 8. 9) mi 
elHMi Sit weni:;: als andere alte Geschirhtschreiber und Geoß;raphen, narii 
.S(>;;diaiia, welches nördlich vom Oxus laj;, sondern nach Raktriana; 8li 
wenn es als die ifhisstt' Sttnit bezeichnet wird, vo miisste es ja« ttr 
Zeil Alexanders wenij;sten^, bedeutender ii\s Baktra :;;<.>Me>en scj-u; 



•^ 303 1^ 

oder nichts von Baktra erhalten za haben , was nnr in die 
Zeiten Alexanders und seiner Nachfolger, viel weniger in die 
der alt-P^Bischen Monarchie zurückginge. Zwar hat man 
noch neueriich uralte Ruinen dieser Stadt nachweisen zu kön- 
nen geglaubt*} Aber der neueste Beisende berichtigt diese 
Meiniuig nach eigner Ansicht an Ort und Stelle.^} — So 
nnerbitth'ch hat hier das Schicksal gegen die letzten Reste 
der altheiligen Hauptstadt von Iran gewüthet; aber ihre Stätte 
wird im Andenken der Völker immer ehrwürdig bleiben, indem 
es bisher wenigsteas dem Forsehergeist der Neuem noch nicht 
gelangen ist, einen älteren Wohnsitz menscidicher Sittigimg 
nachzuweisen; « denn die wunderbare Uebereinstimmung der 
iltesten Urkunden dringt uns die historische Uebcrzeugung 
auf, dasa alle Cultur vom Baktrisch-Medischen oder Areiani- 
sehen Reiche — ausgegangen sey, und von Baktra aus sich 
westlieh nach Babylonien durch die Chaldaer und südlich an 
- den Indus durch die Brahmanen verbreitet habe.»*} 



fagen AUes spricht. In den Zendurkunden , so weit wir sie haben, 
acheiflt der Name Baktra gar nicht vorzukommen ; welches einigermassen 
iir den Sats des Plinius zu sprechen scheint, der Zariaspa als den aJte- 
rea Namen der Stadt Baktra nennt, so wie Arrianus eine und dieselbe 
BCadt mit beiden Namen bezeichnet (s. Bumonf Comm. snr le Ya^'-na No- 
tes p. cxnx 

1) Nach Elphinstone Accout of Cabul p. 462. vgl. Hoeek Vcterls Mfr- 
Am et Perslae Monumm. p. 176 sqq. Aber Elphinstone war selbst nksht 
mck BaUk gekommen, vgL Heeren's Ideen L 1. S. 316. 

2) Alex. Bumes bemerkt in dem Werke Reise nach und in Bokhani 
L 8. 241 C, dass nicht eine einzige der vielen Ruinen von Balkh einem 
Seltalter vor dem Mohamedismus angehöre, obschon diese Stadt hoch 
borihmt In der Sage sey und von ihr erzählt werde, schon Kynmoors, 
der Stifter der Persischen Monarchie, habe sie erbaut; nur in der CitadeUe 
TOB Arky olinweit Balkh, werde ein weisser Marmorstein als Thron des 
Eal Kaoa (Cjnis) bezeichnet. 

3) Worte des Herrn v. Hammer in den Wiener Jahrbfaw d. Litt. B. 
n. p. 32. 



«^ 30» -^ 

Daffir zeugen auch die Spradien und die Ijehrrftga Einer 
der grössten Orientalisten ^3 J^Qsserte achon vor mehr ab 
fan&ehn Jahren die Yennuthong^ dass die SaMkritqiradie 
von dem Zend abstamme, uid dass die Indische und die 
Persische Religion aus einer und derselben Quelle geflossen. 
Seitdem überzeugte sich sein würdiger Schüler, dass das 
Yerzeichniss der Sanski:itwurzeln fost alle Radicale der Zoid- 
wörter enthielt, deren Bedeutung er aufsuchte, aber nidit das 
classische Sanskrit sondern das Älteste der Yeda's; ferner 
überzeugte er sich von dem hohen Alterthum des Zend, wovon 
ein ansehnlicher Theil gleichzeitig mit dem primitiven Dialekte 
der Yeda's; endlich dass die verschiedenen Sprachen, welche 
die Sanskritische Familie bilden , aus einer und derselben Quelle 
fliessen ; woraus sie aber in ungleichen Yerhältnissen geschöpft 
sind.') Was den Inhalt der Religionsschriften betrifft, so 
hofft derselbe zeigen zu können, dass die Grundlehre der alten , 
jMedischen Glaubensartikel dieselbe ist, wie die älteste der 
Brahmanen, so weit man aus den Bruchstücken der Yeda's 
ersehen können. — Und dennoch sollen wir nicht am Ziele 
zu stehen glauben. Ich wenigstens schliesse mich gerne dem 
Gestandniss an, welches dieser liebenswürdige Freund in einem 
gehaltreichen Briefe mir mitzutheilen die Güte hatte '3 und 
welches ich meinen Lesern nicht vorenthalten darf. — Neben 
den obigen historischen Zeugnissen über das hohe Alterthum 
der Zendurkunden musste mich auch die relative Einfachheit 
der Zoroastrischen Lehren bestimmen, die ethnographische 
Uebersicht der heidnischen Bel^onen mit dem Capitel von 
der Iranischen zu beginnen. 



1) SQyestre de Sacy im Journal des Savans 1821 , Bfars p. 136 sq^ 

2) E. Burnouf Comment. sur le Ta^na p. XXVU sq. 

3) Herr E. Burnouf erofftaet Danlich seine -ansführUcIie Beanftwoi^ 
tung meiner an ihn gerichteten Fragen über die QueUen und HUfiuüttel 
der Indischen Religionen mit folgender Bemerkung: (Paris d. 23. Joai 



i 



305 



1896): ^Premieremeni, nous n'avons enoore rien qui fksse coimattre^ je 
M diimi fM'ie« detolls, nais m^me le cercle et en qaelque sorte les 
Goatonra dn grand Systeme reUgieux qui a preeed^ celui que nous cwni" 
wiemcoMM m coißMai^e depuis quelques annees, quoique , on doit V avottcr, 
lea sonrces oü nous puisona ne solent pas egalement pures. << 



Creu%er^s deutsche Schriften. I. 2. ^ 



306 



II. 

Zur ^ellenkunde und Lfteratur; 
Nachtrag zu Cap. I. % 2. 

Die Brochstücke, welche wir besitzen , bilden nur einen 
geringen Theil der unter dem Namen des Zoroaster genann- 
ten Bücher 9 welche die Perser als den Grund ihres Gesetzes 
betrachten.') Sie waren in 21 Abschnitte (^Nosk, in der 
Zendsprache: Na(^ka} eingetheilt. Wir besitzen nur einen 
Theil des 20. Abschnitts , von den Parsen Vendidad genannt, 
und unter diesem Namen von AnquetU übersetzt*} Dazu 
kommt das liturgische Buch Izesckne (^in der Pehlvisprache, 
Ya^na im Zend genannt , welcher Name Cultus durch mit 
Opferspenden verbundene Gebete bedeutet}, worin sich auch 
Bruchstücke einiger andern Na9ka's befinden. Diesem Buche 
sind Anrufungen angehängt; trennt man diese vom Buch 
Izeschne, so heisst diese Sammlung von Anrufungen: Vüpered. 
Die Priester der Parsen haben diese drei Werke in Eins 

1) Eugene Burnouf Commentairc 5ur le YA9Da, Avant -Propos p. 
VI — IX. Ich stelle hier die Ergebnisse dieses vortrefflichen Commen- 
tars meines gelehrten Freundes susamuien, woraus ich auch im Verlolg 
eine Deutsche Uebersetzung des ersten Capitels der von ihm gegebenen 
Franzosischen beifügen werde. 

2) Von den vier ersten Capiteln des Vendidad hat Herr Olshausen 
eine Uebersetzung gegeben, die Herr Bumuuf (n. a. O. p. XXX sq.) als 
sehr sorgfältig lobt. 



•i 



-^ 307 -^ 

Teinigt, and zusammen als Feftdidad-satU bezeichnet, d. h. 
I ein Buch, das re£n, ohne Beimkehung (d. i. rein in der 
^ndsprache, ohne Beifüi^ng von Uebersetzongen in der 
^hlvisprache } abgefasst ist'} — Endlich haben die Parsen 
»eh alte Bruchstücke, die sie Jesek^M und N^aeseh'e nennen; 
Dvon mehrere ein hohes religiöses und philosophisches In- 
resse haben. 

Das Zend ist die Originalsprache der Bücher des Zoroa- 
er. Sie sind aber in einer uns unbekannten Zeit in die 
prache Pehivi übersetzt worden, und zwar im Ganzen genau; 
eiche letztere Sprache vom Zend beträchtlich abweicht, und 
ovon die Semitischen Sprachen einen grossen Theil ihrer 
randlage bilden. Die Pelilvisprache hat die Vernichtung der 
^rsischen Monarchie lange überlebt, noch unter der Sassa- 
dendynastie gebläht , und als gelehrte Sprache sich bis nahe 
I unsere Zeiten erhalten. Der Verfasser der von Herrn 
irnouf in seinem Commentar über Ya^na mitgetheilten Sans- 
'itübersetzung , genannt Neriosengh (^Nairyö ^angha im 
end} war ein Parsi, kein Brahmane. Sein Name bedeutet: 
rdnung der Menschen oder: Vorschrift für die Menschen, 
»mathUch mit Bezug auf den Auftrag, den Willen des Or- 
Bzd den Menschen zu verkündigen. Seine Uebersetzung ist 
ne sehr genaue Uebcrtragung der Pehlviübersetzung, welche 
ich vor 800 Jahren in Guzerate vorhanden war.^) 

Der in der Pehlvisprache abgefasste Bundehesch ist ein 
ihr neues Bach, das jedoch alte Ueberlieferungen enthält 
id die Aufmerksamkeit der Geographen und Historiker im 
k^hslen Grade verdient.*} 



n Vendidad Sade Tun des livres de Zoroastrc, publle d' apres le 
inu-scrit Zend de In bibllotheque du Roi. Avec un Cuminciitaire , ime 
iduction nouvclle etc. Par EUigene Bumouf, Paris 1830 fol. 

Ti Avant -Propoa p. IX — XXIU. 

:^ p. CLXXXII. 

20* 



^^ 308 -»- 

I 

Zoroasier (^Zara-thtiära) von zara Gold and thustra Stern^ 
Goldstern. Zarathasirü: Anhänger des Zoroaster. ') Daeva ? 
Parsiseh und D^a Sanskritisch ist Eins, aber bei den Brab- ! 
manen bedeutet es Gatt; bei den Parsen: baaer Geüi. Diese 
Verschiedenheit der Bedeutung beurkundet einen schneidenden ; 
Gegensatz zwischen der Behgion des Zoroaster und der des ! 
Bramä,'3 aber auch die Priorität der Bedeutung Gott, eine 
Bedeutung, in welcher dewa in die altcuropäischen Sprachen J 
übergegangen ist unter den Formen: deus, dews; vielleicht , 
selbst Zevq (JSSsvf). Es ist mit dem Indischen deva bei den 
Parsen gegangen, wie mit den Scu'ixovegj Geistern, der Grie- 
chen, welche späterhin als Dämonen (böse Geister} genom- 
men worden sind. 



Vendidad enthält die Fragen, welche Zoroaster dem Or- 
muzd vorlegt, .und dessen Antworten darauf. Daher hat man 
dieses Buch genannt: «Zarathustra gegeben gegen die Deva's» 
und von der abgekürzten Bezeichnung: vidaeva data (gegen 
.die Deva*s, oder bösen Geister, gegeben} ist der Parsische 
Name des Buchs Vendidad entstanden.'} 



1 

i 



1) Additions et Corrccüons p. CLWI sq., Coinmentaire p. 7. vgL 
oben §. 2. Die Griecheu haben diesen Unterschied verwischt, zubbI < 
wenn sie Zia^aaxQiq vom Gesetzgeber seihst schreiben. In der Fom 
Za^ccTu? ist die Zendische Endung getreuer beibehalten. Die Römer be- 
folgen die andere Form ZwQouaTQr^i; , wie z. B. Arnobius advers. gent. L 
52. p. Xjj wo Ktcslas angeführt wird (s. Ctesiae Frngg. ed. Baehr. p. 
405). 

2) Jedoch scheint dem Verf. (p. 79. not. 64) die Opposition dei^ 
Magismus gegen den Brahmunismus verhältnissmässig niclit sehr alt iil 
seyn. Sie hat nicht zwischen dem Magismus und der Religion der Veda'f 
statt gefunden. Der Widerstreit scheint nur gegen die mythischen Enk- 
Wickelungen gerichtet zu sej-n, welclic den ursprünglichen Giaubensartl- .1 
kein jene polytheistische Ausbreitung und Ausartung gegeben^ wie wir^ 
sie in den Puränas finden. 

3) Conuncnt. sur le Ya9na p. 22 sq. 



-^ 309 -^ 

jthurö'Wuuddo: Weiser MeLstirr (von ahfi MeL^ter , Herr^ 
itaig vorkommender Name des ersten der Amshaspands. des 
leböpfers der übrigen. ') 

fS^eaiö-maingtis: guter Geist (von ^pento^ gut und mai- 
gras, ein mit Intelligenz begabtes Wesen} — ein anderer 
lenuime des Ormuzd, im Gegensatz des Ahriman, de^^sen 
iame aus dem Zendisehen 2ghrd, böse^ grausam nnä dem 
^g<ef&llrten mainyus gebildet ist; — also aghro mainyu$, 'Aqbi^ 
tJmo^^ böser Geist; welehes ganz mit den Naehriehten der 
Meehen von dem Dualismus zweier entgegengesetzter Prin- 
ipien übereinstimmt. Q — Daher der Aufruf: «Sprechen wir aus 
ie Gebete 9 welche den Ormuzd gnadig machen, dass Ahriman 
TTSchwinde. Das Lst der heisseste Wunsch von Menschen, 
relfbe der Wahrheit gemäss handeln. » — eine Formel • wei- 
fte d&s Zeugniss des Theopompos'} bestätigt: -Zoroastris 
Arte, jenem (dem Ormuzd} Bitt- und Dankopfer darzubringen, 
liesem aber (dem Ahriman} Abwendiings- und Traueropfer. » 

Die religiösen Perioden der Persischen Geschichte onlnet 
r. Hammer *} nach dem Schahnameh auf folgende Weise : 
1} Offenbarung des reinen Feuerdienstes oder der reinen 
Urrcligion unter Huscheng bis auf Dschemschid ( d. h. 
bis auf den Meder Dejokes }. 

f) a. B. O. p. 8] sq. Dahf^r das Griechische VZ^/irl^r« , VZoofiaodi;;. 

2) a. a. O. p. Vi sq. Ich «ctxe das Zousrniss drs Aristoielt's (ap. 
Mog. Lacrt. proocm. $.8) hier bei: Kai 6vn nur' iwtovq i7ru* «v^<^*t 
ifB^ov Su(fiOwa, nal nanov Su(uora' »ul tm fiiw öro/m tivai Zivq xn» 

3) apud Ploiarrh. de Isid. et Osirid. cap. 46. p. 'i|4 WylliMib.: Zta- 
mmat^Q /MaSe /ihf tm luxroTa ^»y ual /rr^Myrif^cr: , tw ^> urroT^örroia nal 
mfS^mxa, ID welcher SieUc das tvntuUt dem Zendischeu khchaotra <;nC- 
ynchc und unovgö:taui dem tarodiie. ( Commenf. sar Ie Ya^na p. mX) 

4) lu den Wiener Jahrhh. der Lir. R. IX. S. :»| f. Jetxt vercleiche 
n»ch : KraumeiKc uIht di»* Keli^iuti des ZoroaMer aus drm Pcrii- 



-^ 310 -»-• 

2} Einsetzung des Sonnenfeaerdienstes unter Dschemsehid 
durch Hom , bis auf Serduscht (Zoroaster} den Beiniger 
desselben.*^ 
3} Reformation des Feuerdienstes unter Guschtasp durch 
Serdusclit, bis auf den Verfall desselben unter den 
Griechen. 
4}*WiederherstelIung der Reformation unter dem ersten 
Herrscher der FamiUe Sassan, bis auf den Umsturz der 
Feueraltäre unter dem letzten. 
In dieser Vierzahl der vier grossen religiösen Jahreszeiten 
sey das Weltjahr der Medisch - Persischen Geschichte von 
Anbeginn der Welt bis auf die Zerstörung des Reichs ent- 
halten. 



flGhen übersetzt und mit einem Commentar und mit dem Leben des Fer- 
dusi »^ von J. A. Vullers, Bonn Idil. 

1) In cincfm andern 8inne hat Herr P. F. Sinhr in den MteHgioMs^ 
Systemen der heidnischen Völker des Orients S. 348 ff. den Ursprung; dem 
Persischen Keuenlienstes auft^erasst: ^ Weder als weltzcujj^ende Macht, 
noch in seiner näheren Beziehung zum Familienwesen als Feuer des 
Heerdes , noch endlich in seiner Beziehung zur kunstfertigen Werkmelste- 
rel als Feuer der Schmiede ist das Feuer ursprünglich von den Volkern 
Iran^s verehrt worden. Die ursprüngliche Vorstellung, die dem Irani- 
schen Feuerdienstc zu Grunde lag , ■ ist vielmehr unverkennbar die , die 
auch unter Schahmanischen Völkern dem Feuer eine Verehrung gewisser 
Art, nur nicht in so hohem Maasse, nicht in so lebendiger Weise, ge- 
sichert hat. Es ist die mit einer Verehrung der Sonne und des Lichts 
enge zusammenhangende Vorstellung von der lichtbringenden Kraft des 
Feuers, wodurch dasselbe die Macht der bösen Geister des Dunkels und 
der Finsternlss bewältigt und überwindet (vgl. Zend-Avesta Th. 2. S. 
B44 ). ^^ — „ Die i;auze religiöse Vorstellung der Iranischen Feuerdiener 
wurzelt der Grundanschauung nach in Begriffen von dem, was gut oder 
böse, was heilbringend oder unheilbringend sey.<^ Ich kann mich nach 
dem Vorhergehenden auf eine blose Anzeige dieser Auffassungsweise be- 
schränken, zumal da auch aus dem Folgenden sich die urkundlichen Bfo- 
diücatlonen dieser Sätze ergeben werden. 



i 
i 



311 



m. 

HMuie PoiefiSien der Iranischen Theologie nach den Griechischen 

Philosophen. 
Nachtrag su $. 4. 

Da die classische Stelle des Eudemos besondere Aufnierk- 
samkeit verdient, so setze ich sie im Zusammenhang hierher 
and begleite sie mit den nöthigen Bemenkungen (Damascius 
de Principiis cap. 125. p. 88i ed. Kopp.): 

Mdyoi 8l xal itäv ro ageiov (^Aqiov) yevoq^ aJ< xoi 
touxo yQcifpH 6 EvSrjfAO^^^y oi fiiv xoitov^ oi fih X9^^ov 
xakoBOi ro voijrop aitav xai ro ijKOfieifOifj i^ ov öianQi^rjvai 
ij 9adp dya^op xal SaifJiova xaxov^ fj <p(3g xal axo^ 
og Ttfo TOVTU}Pj uig iviovq Xeyeiv. Ovroi de ovp xal avrol 
fsstd x^v dSidxQixop (pvoiv diaxQivöixhrjv noioSai xf]v Sixx^v 
ovoxoix^v^) xiSv XQetxxovviiV, xrj^ {ikv ^yetadai xop 'Q^oiidodt] 
(^QfOfidoSrjp^ ^ xijg da xop 'Ageifidpiop. 

«Die Magier aber und das ganze Geschlecht der Arier, 
wie dies auch Eudemos meldet, nennen theils Ort (^Raum} 
theils Zeit das Intelligible insgesammt und das Geeinigte (^ als 

1) Eudemos aus Rhodus, Schiller des Aristoteles. Diese und andere 
Theologanena und Philosopheme sind entnommen aus seiner Geschichte 
der AAtronomie {*AajQokoyovfttpa , s. Fabric. Bibl. Gr. m. p. 492HarIes. u. 
Wyttenbach. BibL crit. IL 2. p. 89). 

2) Wenn diese Form richtig ist, so muss sie in ,die Lexika^ aufge- 
oommen werden; sonst bezeichnen die Griechen die Zusammenordnung 
^eichaitiger Wesen, oder die homogene Helhe durch avaiotxfav' 



Einheit Gedachte}; woraus sich ausgesdiieden. habe entweder 
ein guter Gott und ein böser Dämon, oder Licht und Finster« 
niss vor diesen, wie Einige sagen. Mithin machen diese 
Letztem ebenfalls die der nngetrennten Natur untergeordnete 
Doppelreihe der höheren Wesen zu einer getrennten. Jene 
(Rc^e) führe Oromasdes an; diese Arimanios.» 

Zuvörderst macht uns also der Berichterstatter mit einer 
zwiefachen Auffassung des obersten Princips der Magierlehre be- 
kannt, das er in seiner philosophischen Sprache als das gesammtc 
Intelligible und Einheitliche bezeichnet Es wurde von Einigen 
Ort genannt ; von Andern Zeit Ich weiss nicht ob von der erste- 
ren Vorstellung des Urrt'eseas sich in den Zendschriften be- 
stimmte Spuren finden; und möchte wem'gstens die Stelle des 
Zendavesta (S. 876 nach Kleuker's Ausg.} : « Durch Zeruane 
Akerene ist von Anfang die Wurzel aller Dinge gegeben • 
nicht dahin ziehen, 'indem mit diesen Worten doch mehr der 
Urgrund aller realen 'Dinge beschrieben wird. Implicite Uegt 
aber so etwas der theologischen Weltanschauung der Perser 
mrklich zum Grunde; und da wir in das Zeugniss des Eude- 
mus kein Misstrauen zu setzen Grund haben, so muss wenig- 
stens zu seiner Zeit eine solche Bezeichnung des obersten 
Princips sich geltend gemacht haben. Die zweite Vorstellung 
des Urwesens als Zeit tritt im Dogma und Cultus der Perser 
entschieden und durchgreifend hervor. Ein gelehrter Theo*- 
log'} weiset Spuren dieser Ansicht auch in andern orientali- 
schen Religionen nach: «Dass die anfangüose Zeit (^Zeruane 
Akerene) vom Parsischen Theologen zwar unpersönlich, aber 
keineswegs wesenlos gedacht wurde, dürfen wir hier voraus- 
setzen. Einmal spricht dafür die Analogie der ganzen orien- 
talischen Gotteslehre, in welcher Höchstes und Erstes Wesen 
mit der unbegrenzten Zeit immer identificirt wird. Das Aegyp- 
tische Wasserkrüglein war Symbol des Ewigen und Höchsten 
Gottes zugleich (s. Hug's Untersuch, über den Mythos S. Vny 

1) Herr Nitzsck in seinen Theoloeischen Studien L S; 35 t 



-^ 3t3 -*^ 

Bei den Samanflern hiess dasselbe höchste Wesen SkU, wel- 
ches die Araber Atem übersetzen, und beide Worte sind 
wiedennn nichts anders als Hazanian (YOtansend Jahre), 
der Herr aller Dinge bei den Indiem (nach De^ignes al%. 
Gesch. der Hunnen I. S. Ul f.}. Ferner spricht dafür der 
Umstand , dass die vom Parsism sichtbar abgleiteten (Gnosti- 
schen) Systeme durchaus die Scala der Wesen von einem 
Aeon Teleios, Agnostos etc. anfangen. Endlich aber sind ja 
aoch die m'edem Geister der Zoroastrischen Lehre aus Be- 
griSta von Zeiträumen gebildet, wie z. B. die Gah's, die 
Hören der Griechen. »^ 

Die ersten gesonderten Wesen der Persertheologie be- 
aeiehnet Eudemos verschieden von seinem Lehrer Aristo- 
teles. Jener nennt das gute Wesen Gott, das böse Oeiti. 
Dieser giebt einem wie dem andern den letzteren Namen;') 
and fSr diese gleichmitssige Bezeichnnngsart sprechen ent- 
schiedene Ausdrucke der Zendurkunden. « Aristote , be- 
meriit Bumouf,') au rapport de Diogene de Laerte (p- 8} 



1) S. über dieses Letztere oben unsern S> ^ und einen folgenden 
KRChtrag. — Aigetzt mochte es ndthig scyn zu erinnern , dass der Mo- 
saischen Schöpfungsgeschichte, bei allem Anschein von ahnlichen S&tzen 
\m Zendavesta, so wie der ganzen biblisch -christlichen Lehre jede Spur 
▼OB pantheistischer Zersetzung de» höchsten Wesens in Zeit und Raum 
glBBUch fremd ist, während sie aUen ethnischen Religionen, zumal den 
«rientaliachen, durchaus zum Grunde liegt Der ausserweltliche freie 
GoCi Schöpfer ist Urheber und Herr der Zeit, der endlichen wie der on- 
eidUchen; untf wenn gleich Hebr. I. 2 das tovc «(mmi« knolnai (vgL Hebr. 
XL 3) in HeUenlstischer Sprache dorten die Welt heisst (s. Valckenarii Scho- 
bs dasa n. p. 369 sq. Tgl. meine Annot. in Plotin. HL 7. p. 187 sq. ), so 
hätte doch ein Grieche nach seinem Sprachgebrauch vom Gotte der Chri- 
sten und Juden sagen müssen: o nal tovc «Iwmic fnoftfit, d. h. der den 
bbegriir aller Zeiten geschaffen hat. 

2) Aristotel. ap. Diog. Laert. prooem. g. 8 : «i2 6uo mit* ahovq (toifq 
MttfmK) <'mu ^^X^^p aya&C9 Sat/i0 9tt nal xumop MfiOPU, 

3) Comment. sur le Ya^na p. 90. not. 67. 



-*^ 314 -*^ 

nommait, daiw le premier livre de son Tratte sar ia Philoso- 
phie, les denx Principes opposes admis par lesParees, dya^d^ 
dai(iuM» et n^ano^ Scu'iitap, Or , pnisqae dans ie nom doniie tres- 
rreqaeminent a Ormuzd fpentö rnrnnguB , se retrouve le mol qui 
forme Ia seconde partie de celui d' Ahriman , et qae , commc 
noos le verrons toat i Theare, nuthyua doit signifier f ^tre 
d(m4 tTMelUgenee, on FStre mmrible, ce titre repond bien a 
ridee qui voolait exprimer Aristote par le mot dcUfjuap^ et 
alors les deux mots fpiniö et aghrö, dont le premier signifie 
bon, d' apres le temoigoage d'Anquetil, appuye de celui de 
Neriosengh, represent les deux adjectifs dyädoq et xaxo^y et 
de ce rapprochement ressort une confirmation du sens, que 
nous donnons , avec M. Rask , au mot Zend aglira. » Jedoch 
die Unterscheidung des guten Wesens durch den Namen GM 
und die des bösen durch die Benennung Dämon (^Geist) be- 
merkt der mit dem Inneren Parsischer Theologie wohlbekannte 
Plutarchos ausdrücklich.') Derselbe Autor kennt auch die von 
Eudemos bemerkte Verschiedenheit der Lehrsätze , der zufolge 
andere Theologen dem Ormuzd und Ahriman erst die dritte 
Ordnung anwiesen, indem sie in die zweite Licht und Fin- 
sterniss erhoben, und jene aus diesen erst hervorgehen lies- 
sen. ^) Wiederum eine verschiedene und unverkennbar höhere 
Vorstellung wird dem Zoroaster beigelegt, wenn es eben- ' 
daselbst heisst: «und unter den amilichen Dingen sey der 
eine dem Licht am meisten ähnlich; der andere dagegen der 
Finstemiss und der Unwissenheit. » '} 

Nehmen wir nun aus den darauf folgenden Worten des &> 
Plutarch: «in der Mitte zwischen beiden stehe Mithres , daher ^ 



r: 

1) De Isid. et Osirld. p. 369. p. 5t3 fq. Wjttenb. ' 

2) De Isid. et Osir. %, 47. p. 514 sq. Wyttenb : o ftiv 'Jl^fial^i^ iu ^ 

3) Ibid. p. 513 sq.: -— %6v /ih iwudffin iptnl ftaUaxa wUp ata&^xmv, 



-^ 315 -^ 

rach die Perser den Mithres den Mittler nennen • die letzte Per^ 
8on der Iranischen Gotteslehre noch hinzu, so stellt sich die 
Ctesammtheit der höchsten Wesen nnter folgendem Schema 
dar: 

Zemane Akerene 

l 

Orrauzd lUithras Ahriman; 
oder, nach der philosophischen Bezeichnung des Eudemos: 

Das inteUigible AU und Eins 

Licht I Finsterniss 

Das Gute Vermittelung Das Böse. 

Also intelligible Einheit, Zweiheit (Differenz), Ausgleichung 

der DüEsrenz, Wiederauflösung derselben in die intelligiblo 



'^ 316 

V 



IV. 

hesehne; er8ie$ Capitel,^} 
mit AnmerkuD,. 'u. 

Nachtrag zu S* ^* 

P. 14& 1. 

« Ich rufe an nnd preisse den Schöpfer Ahura-mazda [der 
da ist J lenchtend , strahlend , sehr gross und sehr ^t , sehr 
voRkommen und sehr thatkräflig, sehr einsichtsvoll und sehr 
schön, hervorragend in Reinheit, der die gute Wissenschaft 
besitzt, Quelle der Lust, er, der uns geschaffen hat, der uns 
gebildet hat, der uns genähret hat, er der Vollendetste der 
vemunftvoUen Wesen. • 
P. 174. 2. 

« Ich rufe an und preisse Bahman (das Wohlwollen); Ar- 
dibeschet (die herrUche Reinheit); Schahriver (den ersehn- 
liehen König) ; Sapandomad (die , welche heilig nnd demuthig 
ist) ; Khordad und Amerdad (die , welche Alles hervorbringt, 
und die, welche das Leben gicbt);^) den Leib des Stieres, 
die Seele des Stieres ; das Feuer des Ahura-mazda, das schnellste 
der unsterblichen Heiligen. • 

1) Aus der Frauzosischen Uebersetsimg des Herrn £L Bumowf In 
seinem Commentaire fiur le Ya9na. 

2) Dies sind die Namen der sieben Amsliaspands mit ihren Be- 
dentnngen. Plutarchus de Isid. et Osir. cap. 47 [p. 515 Wytt] be- 
richtet: Oromazos, Ormucd, d. ^i. der Herr der Weisheit, habe sechs 
Götter geschaffen, den ersten den des WohlncoUens iüwta^)} welches 
merkwürdig jener Namensbedeutung des ersten dieser sechs AmBhan- 
pands nach der Zcndsprache entspricht. Den awciten dieser gescAafliNien 



P. 17& & 

« Ich rufe an , ich preisse den , der in diese Welt gegeben 
ist, gegeben gegen die Deva's, Zoroaster, rein, Meister (Herr} 
der Reinheit» 



Götter nennt Plutarch: den €k)tt der Wahrheit. Dies scheint zu unbe- 
stimmt und auf den ersten Blick selbst unpassend. Aber die Bedeutung 
des Zendworts acha ist sehr allgemein und der BegriiT der Wahrheit kann 
in dem der Reinheit und Heiligkeit enthalten se^^n. Der dritte heisst H. 
a. O. im Griechischen: der Gott der AVohlordnung ieuvüfikt^, aequitatis). 
Diese Differenz liesse sich vielleicht so erklären : der Amshaspand Scliah- 
river hat einen Hilfsgenius , der gute König genannt; unter allen Tugen- 
den ist aber die aequitas (die Gleichheit beobachtende Gesetzmässigkeit) 
die erste der Konigstugenden; oder man muss annehmen, dass Plutarch 
in «einem Bericht die Ordnung der geschafTenen Götter nicht genau beobach* 
tet hat, und dass derjenige, den er im Verfolg den Gott des Reichthums 
{nkmnav) nennt, dieser dritte Gott der Originalurkunde ist, nämlich Schah- 
river; und was die Zendtexte und die Sanskritübersetzung von diesem 
Amshaspand berichten, scheint diese letztere Annahme zu begunst^ 
gen. — Sapandomad ( neupersisch Espendarmad ) enthält den moralischen 
Begriff der Freisinnigkeit (Gute) und Demuth. Neriosengh und Andere 
nennen sie: „die Beherrscherin der Erde. <' Die Annahme Anquetil^ , dies 
sejr die vierte geschaffene Gottheit Plutarch^s, die der Weisheit ^ stimmt 
mit. den Zend- und übrigen Urkunden nicht wohl zusammen. — Khordad 
und Amerdad sind im Zend durch den Dualis verbunden. Khordad über- 
setzt Bumouf: die Alies hervorbringt , im Zendavesta: die den Menschen 
die Güter giebt. Dieses stimmt sehr gut zu dem Gotte des ReichthwM 
(rrXovrov) beim Plutarchus. — Amerdad übersetzt B. auf dem Zend: die 
das Lehen giebt , bcmeiiit aber dabei, dass diese Gottheit im Zendavesta 
(IL p. 70 und 97 ed. Anquetil) und im Bundehesch (p. 3^) als diejenige 
bezeichnet wird, welche Bäume und Früchte giebt uni jsie beschützt, 
femer dass Neriosengh sie nennt: den unsterblichen ^ den Herrn der 
Bäume. AVcnn Plutarch aber mit seiner Bezeichnung der sechsten Crott- 
heit: den Urheber des Lieblichen zum Sittlichen (tiitv inl tok »aXolq ^dimv 
dr^novf^v) den Amshaspand Amerdad hat bezeichnen wollen, so ergiebt 
sich, dass er hier entweder aus ungenaueren Urkunden iteschöpfk, oder^ 

ff 

was weniger wahrscheinlich, dass er sie nicht vollkonuien verstanden. 
Herr B. hält die Zendwörter haurvatat (Khordad) und am^retat (Amer- 
dad) für Feminina. 



■^ 318 -^ 

P. 18L «. 

■ leb mfe aiif ich preisse die Thcilc des Ta^es (Genien) 

llcrra der Reinlieil, Oschen (UcitBuin*) rein, Herrn di9^ 

Reinheit •') 

P. 188. 5. 

• Icii rufe An , irh preisse Hm , der erhoben ist und der die 
Hinter bescitülzl, rein, Uerrn der Beinheit. > 

p. 200. e. 

• Ich rufe fui, ich preisse St^rosch (Cr&ocha^, heilig. be-> 
gabt mit lleilig:keit . siegreich, welcher trehcrUii»» vcrieihef 
der Well. RaMThri^ (Rfli^nu) sehr gerecht, und Ascbtäd (Ai^ 
mii). die. die der Welt gieb) LTeberOuss, die Güter ^ebt det' 
Well.»») 



t} CchnniiiB sciH'rnt ilor Gotl r.u Hfja, iler dam Aliirhnlt« vnrtlelil 
w-ttlchur mit der Mitternacht anfAugt, und lUU Tiigr^unhniuh imdiEt. Dti 
Vtarnf^arMhc (ritl nucb in lUr hIIod Pueale der Vcdn's icbr beileiU«^ 

2) UCTT DurnouT (it. a. O p. 42) hat aicli über ioa filmen und B» 
Xrlir <lc« ty.nd Scru9(ili weltvr erkläri. Er sucht grnmuiatl*ch r.u or«r«)ttn 
An** der Naine ileHSvIben, in Z«uil ^'ravcba, die Ucsrlffo üca Uüi 
Oihorrlicu* und dvr Spruche suiit<:i'^h lu lieh schlk'nct. Si-fo«Cb 
tentvr vhd Ihm bmnerki, Ist d«r Ixed (Gealo«) de* H'urfu du Ormit*t 
der tti Bur Krdi horabbriD^t, und Ihm aufBrdfin VerehninK erwlrhi, wr« 
rr »tlItU difsem lYvrU »umt gtkorckt. Er ■dietnt rftu ptrtanifieirt 
Vrmirniti'vTi *rlber ■« feyn , ileia Geiste der ikitvn BcHkIoo der Par»6 
srmliii, die jden Aar groisen UcurlffH (cnnceptlnns) Aar orlcntalucha 
Phlloiuplik unter clu«r Vktxu und uuicr Bluten Et^cnBftnien IndlvIduHlUli 
Iwi. — NoMb-U Burnnuf. — Ich bemerke: Vlua^* Uürcn und Gehon.^ 
MirdM Watt, dlexc, «urBrdcii aUgcimetauH Vervtehun undVcmhrcn joot 
%Tnnc* erwiTkcAdii Kralt, dina«, allK<'inelD<i V critiladlxtiiig oDtrr de 
Meewbuu hrrvtrhrluxcndi: Macht bat ihren MtlArhchMi G«i;pniiats In d« 
bibliM'hun Bah«l, Vftrwlrruil;; (Uuncxi* XI- 0> ^32 C ■■ Gtraintlos ^^ ikirri 
lUlvr dluam U'«n. Aber nicht anwnhl Aleiandur Pnlyblstiir Uli. Kusd 
r. M LX 17. kl* Jetevhiu Ibid. I3C. 1» bnl dlcap Rt^moloitle AmIhfIi«] 
tn.)i unJ dlnw VcrwIrniUX and Trcnnuni; lu Kpruchint vDd WuIt>'U hl 
WtOlonia Mtrtii GFCifnmt» In der •:ciim Xcrstäuifitdjnj; v>-ii V<IIl«m At 



-^ 319 -^ 

p. aoi. 7. 

*• Idi rare an^ ich pretsse Hävan (Havani). rein. Herrn der 
Reinheit. • ') 
P. 209. a 

• Ich rufe an, ich preisse den, der die Fruchtbarkeit giebt, 
und der die Weiler (Meierhöfe) beschöta^t, rein, Herrn der 
Reinheit. » 

P. 222. a 

• Ich rufe an, ich preisse Mithra, der die Paar der Stiere 
vervielfältigt, ^} der tausend Ohren, zehntausend Augen hat, 
genannt vom Namen des Ized ; [ich rufe an , ich preissej IIa- 
meschne Kharom (die Lust des Geschmackes). » 



Terschiedensten Sprachen (Actor. II. 1 — d). Zungen der Gotter (^cwr 

flmaaaOy Vogel, die des Himmels Sprache reden, wie die Parsen sich 

aosdrucken, sprechen, auf Veranstaltung der Magier, dem König xu Ba- 

bjion das AVort der Gerechtigkeit vor (Philostrat. Vit Apollonli I. 25). 

Ein alter Mj-thus, selbst von Pinto Im Staatsmann (s. Politic. p. 272, b. 

p. 279 Bekker.) angeführt, wusste von einem ursprünglichen Sprachver- 

kekr der Menschen nicht nur unter sich, sondern auch mit den Thieren. 

Philo (de coDfusione linguarum p 310 PfeilT): "Juhqop 6i xi avyyhA^ loi/iy 

sUfliyTfc TD»y (wwy of^otptariaq C^o, und nicht avfttpotvtaq , muss mit dem 

Cod." Monao. gelesen werden, nicht Mos wegen des folgenden o^o^vra, 

aoBdem auch wegen des Sprachgebrauchs: Maxim. Tyr. IX. f)2. V/r a^ 

«Ml o/coytiva sa2 ra ^gtä tok uvO^noiq) :r^c fivIhmXnavüp aruyffKtpirm 

mJL lamblich. (Vit Pjihag. XX\ 17a p. 374 Kiessl.) iwrztiv iftiffv^utp 

tifv /ilr nvT^r ^rfr rrnq uvO-^ttnotq utfuipxw ( wo alle meine Mss. y der Les- 

ttt desArcerius zustimmend, utpdrt^v haben). Es war also die Sage von 

dncB ursprünglichen Sprachverein aller Lebendigen bei den grossen 

Tankern des Alterthums verbreitet. 

1) H&ranI, entsprechend dem sAvani, möchte solaire (sonnig) seyn, 
die Periode beseiclinen, die sich durch die Erscheinung der Sonne 

giobt; oder hälv-ani bedeutet Hervorbringung (production) und be* 
sdchnct allem Anschein nach die Geburt des Tages. 

2) iHese UebersetKung stimmt mit lullus Firmicus de errore profkn. 
.1 5 überein, der denMithras nennt: ,, boum abactor.^^ Abweichend 
Anqnetil und Nariosengh übersetzt; s. Burnouf p. 211 sq. 



-^ 320 -^ 

P. S84. 10. 

• Ich rufe an , ich preisse Rapitan (Bapithwina , die Mitte 
des Tages) 9 rein , Herrn der Reiitheit » 

P. 229. 11. 

tich rufe an, ich preisse den, der die Zeugung^ verbreitet, 
und der die Städte beschützet , rein , Herrn der Reinheit » 

P. 2S1. 12. 

« Ich rufe an , ich preisse Ardibeschet (die herrliche Rein- 
heit} und das Feuer des Ahuramazda (Ormuzd). > 

P. 28S. 18. 

« Ich rufe an , ich preisse Osircn (Uzayerina , den späteren 
Theil des Tages) , rein , Herrn der Reinheit » 

P. 2S8. 14. 

« Ich rufe an , ich preisse den , der die Menschen verviel- 
fältigt, und der die Provinzen beschützt, rein, Herrn der 
Reinheit • 

P. 256. 1&. 

« Ich rufe an , ich preisse den hohen , den göttlichen Gip- 
fel, Quelle von Wassern, und das Wasser durch Mazda ge- 
geben. » *) 

p. 25a 10. 

«Ich rufe an, ich preisse Evesnitren (Aiwi^rüthräna), den? 
der über das Leben wacht , rein , Herrn der Reinheit • 

P. 267. 17. 

«Ich rufe an, ich preisse den, der die Mittel vervielfältigt, 
um wohl zu leben, und den, der sich am meisten dem Zoroa- 
ster nähert, rein, Herrn der Reinheit • 

P. 28S. la 

«Ich rufe an, ich preisse die Ferners der Heiligen, und 
die Frauen, welche die Maniner zu Beschützern haben, und 



1) Burnonf hält die Worte des Zend: bdresafc gairi hier und in An- 
dern BteUen des Zendaresta für aUgemeiny in der Bedeutung: der koke 



-^ 321 -*. 

den Gihanbar günst^ den Hinsem; und die Kraftthfitigkeit 
mit einer gaten Leibesverfassung, mit einer hohen Gestalt; 
und den Sieg (Behram) verUehen durch Ahora, und die be- 
SGhätzende Obmacht » ^) 
P. 980. 1». 

«Ich rufe an, ich prelsse die Monate , Herrn der Reinheit; 
den Neumond (Gem'us} rein, Herrn der Reinheit.» 

p. aw. 20. 

«Ich rufe an, ich preisse den Yolhnond, der Alles ent- 
stehen [geboren werden] macht, (den Genius} rein, Herrn 
der Reinheit » 
P. SM. 21. 

«Ich rufe an, ich preisse die GAhanbars,') Herrn der 
Reinheit, Sfediozerem (Maidhyöi zaramaya} rein, Herrn der 
Reinhieit.» 



Berg. Die Auslegung der späteren Parsen: Elburs (Albordl) würde zu 
der AunAhme nöthigen, diese Urkunden seyen In den westlichen Provtai- 
sea de* Persischen Belchs geschrieben ; welches unzulässig sey. 

1) P. 269 sqq. Aus dem Zendwort fravachi haben die Parsen da« 
Wert Ferner gebildet. Im Zend heisst fra aufwärts und vakhs wächtt, 
Bs Ist das UrbUd, Ideal, das den Mensthen in den höheren Regionen 
vertriltf wie wir es in den Sculpturen Ton Persepolis sehen, wo der 
Venmr iber dem unterhalb sitzenden König schwebt, und gleichsam auf- 
mmrU wäekH* Der Fravachi oder Ferner ist bei den Parsen der gött" 
Behe Tgtna jedes mit InteUigtnx begabten Wesens, seine Idee in dem 
Ufdmmkm des Ormuxd, der höhere Genius, der es begeisterft |ind über 
fai wacht. 

2) P. 300 sq. Die C^anbars sind die Epochen der Schopfting^ 
wikrand welcher Ormnzd geschaffen hat, s. B. die Epoche, in welcher 
er 4en Himmel schuf, ist in einem Jahr von 365 Tagen eingeschlossen, 
Mi ihre Dauer betrug 45 Tage. Eben so scheint es sich mit den übrigen 
ÜBhMhngsepochen zu yerhalten. Gähanbar möchte aber auch jedes Fest 

1, das dieser oder jener Schöpfungsperiode entspricht. MedTo- 

bedeatet die Epoche, in welcher die lichtvolle Zwischen -Sphäre, 

der Himmel (ini Zend a^man) ist erschaffen worden. 

Ueber die Monate der Parsen s. Hjde de relig. vett. Persar. cap. 

CVL p. 200 aq^« ^^ Zendavesta von Kleuker m. p. 196 f. *- Neaerlich 

CtaRser's deutsche Schriften. I. 2. 21 



-^ 322 -^ 

P. M8 sq. SS. 

«Ich rufe an, ich preisse Medioschem (Blaidhyöi chai 
rein , Meister der Reinheit. • ') 
P. 812 sq. 2S. 

«Ich rufe an, ich preisse Peteschem (Paitis hahya), 
Meister der Reinheit. • ^) 



haben swel Schwedische Gelehrte aus einer Handschrift eine Griec] 

Compositio tabulamm Persicarum herausgegeben is. Descriptio C< 

ms. Graecl Benzeliani edd. Gumaelius et Agrell. Upsul. 1822). Wen 

in unserer Heidelberger Handschrift nr. 2dL noch ein Exemplar i 

Werkchens vermuthen, so kann ich aus eigner Einsicht jetzt die "^ 

cherung geben , dass dem nicht also ist, sondern unsere Synopsis I 

nomiae ist ein Tractat des PseUns, zu den vier mathematischen Wi 

Schäften gehörig und zu Basel 1550 von Xylander edirt. Jene Comp 

der Schwedischen Ausgabe beginnt so (p. 17): *// rZv IJtQOwZv xi 

aumaatQ yfyopt tOK intiot fia^furttMoiq , naxa x6 nginop fjoq '/affda; 

2a^iq rov Maar^ ßaatUvq JTtgoZv. Ueber diesen Jezdegird und di> 

ihm benannte Aera s. die Herausgeber p. 24. Die zum Theil im Gr 

sehen sehr entstellten Monatsnamen lasse ich beiseite, und gebe diei 

wie die Herausgeber, mit Beifügung der Persischen Worte, sie ge 

haben: Farvardin, Pharvartls (M&rz), Ardebehischt (April), K.fa 

(Mai)y Tir CJunl), Merdad (JuU), Schehrüur (August), Mehr ( 

Seplember, Tgl. Les Mithriaques parJos. de Hammer p. 166), AbAn ( 

ber), Ader (November), Di (Del, December), Böhmen (Bahmen 

nnar)) Spendarmes (Aspandaremz^ Asfendarmed, Februar). Jetxl 

gleiche man noch : Ueber die Monatsnamen einiger alter Völker vo 

Benfej und M. A. Stern. Berlin 1836; in welcher Schrift die Monal 

Perser 9 so wie Ae Monatsnamen mit den Jüdischen zusammcng< 

•lody •• daselbst IX. X. S. 24 fll, und S. 69 eine tabellarische Uebe 

der Persischen Monatsnamen nach dem Zend, Pazend> Pehivi und 

penlachen gegeben ist. 

1) Medfoschen ist die Periode, in welcher Omasd das Elemei 
Wanera achnf, in deasen Schoose die Erde roht, ubereinstimmeii 
der aUen alten Philosophen gemeinschaftlichen Vorstellung. 

2) Pftitis heisst yleUelcht Periode; haya ist die Erde als MutU 
^agc t n l e a Breengungen; wonach also dieser GAhanbar die Perlod 
tdohneto, worin die GeireMekdraer wachsen. 



-m^ 323 -^ 

ip. at. M. 

«Ich rufe an, ioh premse ISTaÜiren (Ay&tturaiiui) die Zeit 
der Befruchtung und des Saamenergusses, rein, Meister der 
Reinheit* 

P. aSY sq. W. 

«Ich rufe an, ich preisse Mediareh (Maidhyürya) rein, 
Meister der Reinheit » ') 

P. <3S sq. 28. 

« Ich rufe an , ich preisse Hamespethmedem (Hama^path- 
aaedhaya) , rein , Meister der Reinheit » *) 

R SS5. 27. 

« Ich rufe an , ich preisse die Jahre (Genien^ Herrn der 
Reinheit* 

P. S«a 28. 

• Ich mfe an, ich preisse alle diese Herrn , welche Meister 
der Reinheit sind, und die drei und dreissig Genien , amnfich- 
slen stehend dem Hävan, welche von einer herrlichen Rein- 
heit .und, welche Mazda hat kennen gelehret, und welche 
■■miofen hat Zoroaster. » 

E Snk 29. 

« Ich preisse, ich rufe an Ahura und Mithra, diä erhobenen, 
4ie nuBterblichen, die reinen; und die Gestirne, heflige und 
InuBlische Schöj^ungen; und den Stern Taschter (Tistrya), 
MitvoO, strahlend; und den Mond, der den Keim des Stieres 



"•-■*■ 



1) HaidlgrAliTa scheinl medius annus^ oder dl6 Epoche osd dasFeafc 
a MyUi das auf die Bütte des Jahres fäUt. 

2) Hamaq^athmaedha^ra scheint zu bedeuten: das lange Opfer , oder 
Üb l^oche des langen Opfers. 

Bsniottf bemerkt hierbei: Vielleicht hk% dieser Begriffeines langen 
Opfers einige Analogie mit den kosmögonischen Ideen der Indier, die uns 
'Ae Sehdpfling als das Ergebniss eines Opfers darstellen , bei welchem 
im Mehsle Wesen la Menschengesialt der Opferer and das Schlachtopfer 

21* 



^^ 324 ^^ 

bewahret; und die Sonne, Oberherr, schneller LäuTer, Auge 
des Ähuramazda; Milhra das Oberhaupt der Provinzen. > ^3 
P. 876. SO. 

« Ich rufe an , ich preisse ( Man nennet den Monat und den 
Tag, an welchem man Izeschne hersagt}. » 
P. 378. Sl. 

« Ich m(e Dich an , ich preisse Dich , o Du Feuer , Solin 
des Ähuramazda, mit allen Feuern. * 

P. 881. 82. 

« Ich rufe an , ich preisse die reinen Wasser und alle 
Wasser von Mazda gegeben und alle Bäume von Mazda ge- 
geben, tt 
P. 8M. 88. 

«Ich rufe an, ich preisse das herrUche Wort, rein, thätfg, 
gegeben gegen die Deva's, gegeben durch die Vermittelong 
des Zoroaster; das lange Forschen, das gute Gesetz der Aq- 
beter des Mazda. » 
P.4II8. iL 

«Ich nife an, ich preisse das Gebirge, die Lagerstätte der 
ErkenntnLss (Intelligenz} strahlend von Reinheit; und alle 
Gebirge strahlend von Reinheit, vollkommen strahlend, gege- 
ben von Mazda; und den Glanz der Könige gegeben von 
Mazda; und den nicht erborgten Aus^lanz (der Meister} 
gegeben von Mazda. » 
P. 481. 85. 

«Ich rufe an, ich preisse die herrliche Reinheit, die herr- 
Uche Kenntniss,'das herrliche Begreifen, den herrlichen Ge- 
danken, den Ausglanz, das Gut gegeben von Mazda. » 

P. Ml. 8& 

«Ich rufe an, ich preisse die hcfrrliche, die vollkommene 
S^nung, und den herrlichen Mann (Menschen} der rein 



O reber die Schreibung des Mithra in den Zendbficlieni ist oben sn ^ 
8. 8 das Nothige bemerkt worden. Der Stern Tisiryjk (Taschter) Ist der ' 



-*. 325 ^*- 

ist, und den Gedanken des weisen Mannes, furchtbar, mäch- 
tigj Is&edL» 

p. 50». n. 

«Ich rufe an, ich preisse sowohl diese Orte als diese 
Lftuder, und die Gehege des Viehs und die Häuser und die 
Oerter , wo aufbewahret sind die Getrcidckömer , und die 
Wasser und die Grundstücke und die Bäume und diese Erde 
and diesen Himmel, und den reinen Wind, die Sterne, den 
Mond und die Sonne, Lichter, die ohne Anfang sind, uner- 
schaffen, und alle Schöpfungen des heiUgen und hünmlischen 
Wesens, die und die (beider Geschlechter} welche rein sind 
(^Genien} Meister der Beinhelt » '} 

P.MB. 88. 

« Ich rufe an , ich preisse den erhabenen Herrn , der Meister 
der Reinheit ist, die Herrn, (^die da sind} die Tage, die tag- 
Hdiett Thefle (die Tageszeiten}, die Monate, die Epochen des 
Jahres (die G^ailbars}, die Jahre (Genien}, die Meister 
der Reinheit sind; das was hier gegeben ist, gegeben gegen 
die Deva's , das Wort des, Zoroaster ^ Meister. » 



temMBsCeni. Barnonf Cp. 368) macht hieribel die aUgemcine Bemerkung : Man 
'ifirfe Tonuiuetzeny das« das Religionssystem des Zendavesta, wenn wir 
Ikn juhA ganz besässen, sich ToUstfindig in Indien wiederfinden würde, 
mit den elnslgen Verschiedenheiten, die eine Folge der ohne Zweifel sehr 
attea Trennung sind, wodurch die Indischen Völker von den Arien Ischen 
abgesondert worden. 

1} Der aufinerksame Leser wird in diesem Anruf dieselben Gegen- 
itfaiie wtoderflnden, die Herodotus CI* 131) &ls die Bestandtheile der 
alten Peraerrellgion angiebt. --^ Uebrlgens wird auch In andern Arti- 
keln des Zendavesta Flelss im Feldbau als ein Hauplgebot elngcschärfl. 
So keisst es im Vendidad CFargard III): „Sage mir den reinsten Punkt 

I ■ 

des Cksetses. Saamenkömer ausstreuen, sprach Ormuzd, das ist er.^' 
Daher auch das Fest der Feldarbeiter im heiligen Cultus dieses Volkes. 
Daher auch Dikhan (Ackerbauer) die volksthümliche Benennung fijfr: 
Pener Crgi. ▼. Uamner über den Schahnameh , in den Wiener Jahrbb. 
4v Lil. B. IX. S. 83). 



■*- 326 -^ 

p. sn. m 

< leb rufe an , ich preissc die furchtbaren , die nAchtign 

Feniers der reinen Menschen; die Ferners der MenscktaAd, 

allen GesctKCSj die Femers der neaca Menschen; 

lern CparenU), die Feruers meiner Seele.* 

P.ett&. «und 41. 

• Ich rufe an, ich preisw alle Meister der 

• Ich mfe an, idt pre(.s«e alle bxin, Mwnhl hinmli 
irdische, welche die Beichlhfiroer uuurdicilen: — 
aDjg^betct und angerufen werden doreh die Hvinheit 
herrlich ist« 

P. S8B. «. 

tO Oo, der Du in dicj« Welt gegeben bUI, 
Siegen die Dpva's, l&orouter, rein, Meister der Heinliett, 
ich Dich veriPtKi habe, se>- es in Gedanken, wy es in W«^ 
Hey es in llundlun^, bvj es mit Willen, sey es unw-iQkäliflkki 
ich richte aufe neue aus die-^es Lab za Deiner l-^re , Ja ieb 
rufe Dieb an, so ich i^ehll habe lor Dir in diesem OfrfbC, 
in dicaer Anrufung. * 
P. 688. 43. 

■ Ihr sehr grosse Meister alle, rein, Meister der Bei»- 
heft! 8o ich Euch verletzt habe, sey es in Gedanken, acys 
in Wort, sey es in That, sey es mit Willen, sey es okK 
Willen, ich richte aufs neue aus dieses Lob zu Kurer Khrt] 
Ja ich rufe Euch an , so ich vor Euch gefehlt habe in dieaei 
Opfer und in dieser Anrufung. • 
I*. 092. 44. 

'Anbeter desMaada, Anhänger des Zoroaster, Feind der 
Deva's, Uefulger der Vorschriften des Ahura, da^s ich acÖK 
Huldigung richte an den, der hier gegeben ist, gc^fcben g^ 
gen die Deva's, an Zoroaster, rein, Meister der Rt-iiihdL 
für das Opfer, für die Anrufung, für das Gcl>et, welcbcÄ jj;»- 
wogen macht, für die Segnung. (^Üass ich meine llutdignif 
richte} an die Herrn (die da sind) die Tage, die TageMlhde 
u. s. w., für die Segnungj «das heisst • (dass ich ofliae 



I 



337 



BiUf^img richte) an die Meister C^ie da sind) die Tage, 
dieTageatlidle, die Monate, die Epochen des Jahres (^GAhan- 
hars), die Jahre für das Opfer, für die Anrufung, welche 
gewogen macht, für den Segen. » ■) 



1) Wenn in diesen Anrnftingen Manclies an die Bruchftacke der 
Mlicken VedA^s erinnert , wovon im Verfolg 9 so wird andreneti« der 
Koner des Alien Testaments in manchen Wiederholungen, k. B. in der 
itindigen: reim, Herr der Reinheit eine Art von Analogie mit demSbrAi- 
sAen ParaUelismas membroruoi sa linden glanben. 



V. 

« 

Mäkraa und Mäkra, 
Nachtrag eu g. 9 ff. 

• 

Da der FVanaüisische Uebersctzer meines Buches eine Mir 
lichtvolle Ueber^icht der neueren Ansichten diester Lehre kW 
seiner eignen gegeben,^} so kann ich mich hier auUEUUh, 
lang der neuesten beschränken, denen ich denn auch uck^ 
fraglich einige Betrachtungen anfügen will Zunftchatikll^ 
sich ein anderer Französischer Gelehrter durch eine 
Monographie um diesen Gegenstand verdient gemacht *3 
darauf unser berühmter Deutscher Joseph von Hammer. ') 
theile zunächst die HaMpter/2:ebnisse der Untersuchung^ da 
Letztern mit, oder die Hauptsätze aus seiner Conclusion:*) 

1) Herr Guiu:niaut Notes et Kclairri.ss. p. T^«* — 74"2. 

2) Herr Felix Lajard in seinen Nouvelles Observations sur le ^mi 
Bas-Uelief Mithriaque de la rollertiun nor&:I)ese au Musee Royal de Pl- 
ris — ä Paris l^jx. — l'eber ein anderes! erst jünirst aur^efundenes Milknf- 
Denkmal, das Heddernheimcr, hat Herr N. Müller (in den Annalen iei 
Vereins für Nassauische AIter(hiiniskiiude U. I. S. A — i;)j) zugleich ail 
riner Retrachtuni; über andere ähnliche Denkmale Bericht abgestattet 
(V*;!. meine Schrift: Zur Geschichte alt -Römischer Cultur am Obeirhcii 
und Neckars. 40. ^Y) f. 11') f., wo ich v(»d einii>;en Mithrasstelncn noseifr 
Gegend gehandelt.) 

3) Memoire sur ie culte de Mithra par Jos. de Hammer publik ptt 
J. Siienccr Smith. Paris \^.i.\ s. mit einem Atlas in 4to. 

4) Memoire s. I. c. de .Mitbra par de Hammer p. X2j — 127. 



-ib. 329 -*. 

Der Ursprung des Cultus und der Mysterien des 
müsse in Persien aufgesucht werden, wo Mithras schon zu 
Zoroasters Zeiten angebetet worden, nicht als der höchste 
Gott , welcher Ormuzd , nicht als der Genius der Sonne , wel- 
cher Khorsched war , sondern als der erste der Izeds , als 
Kcugungskraft , als Friedebringer und Mittler der Welt Der 
Hithras des Zcndavcsta ist nicht einerlei mit Mond und Sonne, 
welche Gestirne seine Beistcher sind, noch mit dem Morgen- 
stern, auch nicht als der höchste Gott der Perser. 

Die Beziehungen des Mithrascultns auf die Lehre des Zo- 
roaster finden sich aufgezeichnet im Zendavesta und in den 
iltesten Quellen der PeVsergeschichte , deren Ueberlieferungen 
durch den Schahnamch erhalten worden. 

Die Zeit der Einfährung des Mithrascult ist die des See- 
rinberkriegs , und die Ursachen der Ausbreitung dieses Dien- 
stes sind dieselben , wie bei andern Mysterien , n£mlich die 
Bindemisse , die das Ileidenthum dem Fortschreiten des Chri- 

■ 

fitianismas entgegenstellte. 

Der Mithrascult hat im Laufe der Jahrhunderte und bei 
seiner Ausbreitung von Indien und Persien bis in die Susser- 
8ten Westländer des Römischen Reichs betrachtliche Verän- 
derungen erlitten. Besonders hat die Indische Lehre derSee- 
küwandernng^) sich erst später, wie mit andern Mysterien, 



n Vgl. Stuhr Die Religions - Systeme der heidnischen Volker des 
Oiienfts S. 374 , welcher annimmt, gewisse' VorsteUungen über einen ver- 
Imen Zustand friedvoller Unschuld, über den Beruf des Menschen zum 
lUBpfe wider das, wodurch die Ordnung des Lebens getrübt werde, und 
iler einen dereinst erfolgenden endlichen Sieg hätten sich schon in der 
Lehre des von Hom verkündigten atten Gesetzes entwickelt beflinden, 
•her nur in Bezug auf die beschränkten Kreise des irdischen Daseyns 
ies Menachen. [?] „Die höhere ethische, auf das ewige Leben der Seele 
AA be^Biehende Deutung jener Vorstellungen , die diesen im neuen Gesetze 
gQgdien ward, scheint allerdings aus dem Jttäenthum f?] geschöpft zu 

m 

ae^-n.u _■ Von solchen umkehrenden Siitxen hatte den Herrn Verfasser 
sehen das liernbnte Zcugolss des Theopompus ap. Plutarch. de Isid. p. 



^^ sao ^m. 

M anch mit diesen verbondeii, und auf dteae l^kn 
sicli die Hauptembleme der belLaimten Mittirasmonimieiitei 

Diese Embleme wären zum Tlieii sclion im 2 
erwähnt, wie die Attribate des Mithras, die Augen, die (Nvn 
seine Waffen , die Vögel Eorosch und Hurresehmodad md db 
Sonne. Andere gehörten den Denlunälem des Römiseiiea Rcidi 
an, wie der Stier, der Hund, die Schlange, der SfiorpioBt df 
Löwe, die Hyäne, der Rabe, der Greif, der Sperber, |b 
Bäume (Hom und Barsom oder Pahnbaum und Cypresw^i lü 
Grotte als Weltsymbol , die Stufenleiter mit ihren sieben fli^ 
fen, die sieben Altäre Symbole der sieben Mystene^gnlif 
Sonne und Mond als Beistände des Opfers; endlich die M|p 
Genien oder fackeltragenden Ministranten, die Herahbmitail 
die Rückkehr der Seelen bezeichnend. 

DieMithrascärimonien, die zwölf Präfnngen nad diaillK 
ben Einweihungsgrade erklären sich theils aas jrlrirhifftjgj 
Schriftstellem theils aus den fib^ggebliebenen 
Die Ilauptfeste des Mithras finden sich noch im 
der. In den Bilddenkmalen stellt die Hauptgruppe UMisr iß 
Opfer des Mithras dar, der den kosmogonischen Stier ifllri^ 
das Symbol der Entstehung und der Wiedergeburt der Wlk| 
der Erzeugung der Leiber, der yer\'ollkommnung der GeUeri 
der Geburt und der Wiedergeburt der Seelen, welche, 
Monde herabgestiegen, vermittelst der llcinigungen undUto- 
terungen, körperlicher Prüfungen und geistiger Uebni^;Ci 
zurückgeführt werden zu ihrem himmlischen Ursprung dvd 
Mithras, den Erzeuger und Wiederhersteller , den Eriute 



r>l4 sq. Wyuenh. abhalten soUen, wo von einem Aufhören des Umäm WJ 
von cinoDi itaraur folgenden glücklichen Leben der Menschen die Bede lil' 
Bündig hat auch in einer Ahhaudluni;, überschrieben: Ist die Lekie f* 
der Auferstehunj>: des Leibes wirklich nicht: eine altpcrsische liehre, WBf 
J. G. Müller ( in nimann's und rnibreit*s Theologischen Studien and lil* 
tiken VIII. -j. S. 477 — 4%) diesen Satz nachgewiesen, und swar 
blos Im üundchesch« sondern auch in älteren Zendschriften. 



-^ 331 ^^ 

mid WohtthCter, den Friedehringer wid Mittler , den Retter 
und Befreier, den Genius der Wahrheit und der Liebe. -* 
Soweit von Hammer. Einige bemerkenfmerthe Satze des 
Herrn Bnrnoaf habe ich absichtlich bis hierher aufbewahrt« 
Sie sollen nun folgen: 

Die Worte äkuraHhga und mäkraäibga könnten, sagt der- 
selbe, zur Yermuthung führen, es sey hier von zwei Mithras 
die Rede; ahura sey ein Titel, und die Stelle sey daher so zu 
nehmen: «Ich rufe an, ich preisse die beiden Herrn Mitkrae.» 
Dies wSre denn der männliche Mithras und die weibliche Mi- 
thra. Aisdann müsse man annehmen, die unter der Aufschrift 
SEendavesta aufbehaltenen Zendfragmente seyen s|iäter als die 
Yemisdiang des Assyrisch - Babylonischen Alylittadienstes^) 
mit der ReUgion von Ana, oder dass sie in einem Lande re- 
digiit worden, wo diese Vermischung Statt gefunden. Bedenke 
aber weiter, dass die Zendbüdier mir von Einem Mithra 
n , d. h. von einem Gotte , dessen Titel SonuengM (Bleu 
mUX) am besten seine Attribute darstelle, so müsse man 
aanefamen, dass jene Bücher älter sind als die llinführung der 
Hfthra- Venus oder Mylitta unter die Zahl der Persischen 
Gottheiten, worunter Hcrodot sie an ««getroffen, oder dass sie 
wen^tens in einem Lande redigirt worden, das von der 
Oertlichkeit jener Vermischung enlfernt gelegen. 

Vielleicht könnten fortgesetzte Untersuchungen künftig das ' 
Ergebniss liefern, dasa da» was num vom Cuitus der alten Aa- 
fgrier kennt nickt radieal van dem im Zendaveeta vorkommenden 
ÜUi verackieden «ey. Sollte dieser Satz mit triftigen Beweisen 
« aaterstützt werden können, so würde sich daraus ergeben, 
dtu» mtch die Arieniachen Volker eine Mithra- Venua gehabt 
hebern 9 ein Umstand welcher die Religion der verschiedenen 
VMker des Persischen Reichs vom Cultas der Nation , die sich 
fa Indien niedergelassen und welche niemals eine Mithra- Ve- 



1) Izesckne Cap. L nr. 29; s. Comment. aar le Vr&vna p. 3j«i «qq. 
3) HerodoC I. 131. 



-^ 332 ^^ 

nos g^ekannt za haben sdieine, unterscheideB wOrie. Aber 
za solchen Annahmen bedürfe es mehrerer und ansdrddLlicherer 
Texte als der obige des Izeschne sey: weswegen er (&] 
glaube 9 bei der Annahme mir JAner Mähra» im Sbmdmimk 
verbleiben zu können. — Jedoch wird derselbe Gdehrte dard 
den Inhalt einer andern Stelle der Zendschriften zu etnerTer- 
gleichung mit Indischen veranlasst : « Slithra der • der eiste der 
himmlischen Izeds, sich über das Gebirge schwingend , 
absteigt ans der Morgengegend der nnsterblichcn, von 
len Rossen gezogenen Sonne: er, der zuerst sich der 
Gipfel mit ihren goldenen Spitzen (oder Ketten) beniiditi|gti*) 
Als Ergebniss einer sehr sorgfältigen Erörterang Ikr 
eine unter Elagabal geschlagene merkwurd^ Mnnae f« 
Trapezunt hat ganz kurzlich Herr Prmn von Sireber dieBv- 
sonalitSten dieses Cultus unter folgenden vier Sitsen 
mengefasst. Bevor ich diese mittheile, schicke ich die 
angehende Beschreibung der Ruckseite jener Mfinae 
Der Gott Lunus reitet auf einen Altar zu: rechts and 
zwei Junglinge mit aufgeschürztem Gewände, mit 
und Phr}'gischer Mutze« der eine mit emporgehobener^ der 



1) AFiriins: dt.'S vierten Card« des Jescht von Mithra: Lacciilacl: 
»Mithra, qui primus cat-Ic<ri< Ya/uda luoDleiii trans.silit e\ urieotali nfsioif 
imiiiiirtalK sitlis, rapidns er|Ui>< liahrnii«: Mitlira . qui pnniu< aumiis cri- 
iiiinihu< — pul«*hra racuniiiia uccupar." \ii\. Nittt'S et t-clairri<». »if If 
Yarria p. LXNI. n««f.\. \iri Bununjf heiii»;rkr. man Merde durch die 
A»flinli«!ikrit uh«;rra*(..hr. \%Lkhv diese Stt-lli* mit tiDi2»"n alten 
dor von Fl»»«'»n •■diri»."n Fra::iii»:'iii»^ d^;r IVr/*#'>' hah»*. Ich \v»?rHe im ftl^ 
i:».'ndrii ('.'•piTi'I Prnht.'H davon ::»'ht;n. und hcriifrk*^ vorläufig onr. iMM 
>ich d'-iji«;' liia«« lit-r Anruf au dif («nirli'.'it aN dt.T uu< hrkannie älteMf 
Au^drufK. d'T .Nuiurr».'Ii^H.mfii lii.Taus^irlJi. de<M.-(i Tun wcnii^siCBS eiiigf 
der rtHfarhitrt* llviiini-n unt»;r nrph«'u*» Namen wnhJ getroffen hAbcfl. — 1 
An j'.-n-fj A.'.ruf *• hii»;«i*i -«iih ciu audt-ror, drr .«i» anfäu::! I vsl. m. O. f . 
LWNI. -N"'. I'.) .,Tuuc «iniiinn cuu^niuit Ariae Incuin henellcUf, ni 
.«ich *'«.hIi»-*'-t: — in quo nn'üt»-' «;\cel<i pascuis vt-stiti, aquosi 
l>u%i prü'jbvüt." 



«^ 333 '^ ^ 

andere mit niedergesenkter Fackel ; nebenan ein Banm; unter 
der Scene eine kriechende Schlange. *3 l^^ Ihsae hierauf die 
bemerkten Sätze folgen, und fuge ihnen vorläufig gleich unter 
dem Text einige kurze Anmerkungen bei: 

« Die verschiedenen Mithrischen Vorstellungen werden am 
einfachsten vielleicht so bestimmt: 

Die Pernache Müra ist das weibliche Feuer , dessen Haupt- 
begriff der Mond ist. Selene die Beschützerin der Perser. » '3 

'« Der Peruscke Mühras ist das männliche Feuer , dessen 

_ » 

Hauptbegriff Sol (der Sonnengott} ist, der höchste Gott der 
Perser. » ' j 

• jtnaiUs oder die Pon tisch -Persische Hitra ist das weib- 
minnliche Feuer, mit Vorwaltung des weiblichen Wesens, 
Mkra-UkkraB,» 

1} S. Numisinata nonnuUa Graeca ex museo Regis Bavariao. •— eif. 
Fr. BICreber in den Abhandlungen der Konigl. Bayerischen Akademie der 
WtoienBCbaften. T. S. 1G9. -^ eine Abhandlung reich an prakttsohen Bei- 
•pl^ea der Krlftutening der Mythologie durch die Numismatik. 

2) yySeteae, Persarum protectrix^^ S. 187 und so auch 8. 179 f. und 
8. 184. Es soUte aber heissen: Persarum praennntia Cpraenuntiatrix, 
▼ates}. NAmlich bei einer Sonnenflnstemiss CHerodot. VII. 37) sagen 
tte Maater: fJUoy clwu ^EVJivwf ngoSdurogu, ail^rtip Sh a<p^»p. Eben so 
laben jedoch die Ausleger des Curtius IV. 10. 4 in der Erzählung yon 
dier Mondsflnstemlss dieses Herodoteische Wort Iklsch gedeutet; ja 
idbst Tk. Gataker Adverss. Miscell. p. 661. A. der übersetzt hat: lunam 
eise tpaomm praesidem. Weil das Wort selbst im neuesten Londner 
SCepkaniu übergangen worden y so muss ich bemerken y dass es für ngo^ 
hktuQu steht, von nQodiltiPUfu, Ionisch ngoSinw/u^ Der Sinn Ist also: 
cteeVerflastemng der Sonne wfire ein übles Vorzeichen für die Griechen; 
Ae des Mondes — für die Perser. Aber um den hohen Rang der Mithra 
bfil den Persern zn beweisen bedarf es, um Anderes zu übergehen , nur 
dies nieks anf die classische SteUe desselben Herodot I. 131. — Die 
enge Veriilndung mit dem Monde erglebt sich aber unter andern aus 
iMsehne I. 29, wo erst Mithra, dann der Mond, dann wieder Mithra 
lagerafen werden (s. das über diese SteUe kurz yorher Bemerkte). 

3) Strabo XV. 13. p. 221 Tzsch. m^otu — xtftiat dl ntd iiliop, ov 
adbvn 2ias^, Tgl. oben Bnmouf zum Ya^na I. 29. Hesych. II. p. ^1 



• Lmm$ endlich) oder der PqntiBeh-PerBiBeiie liiflirM kt 
das mannweibüche Feaer, mit Vorwaltimif des minnlichen 
Wesens, Makrtm-Müra.^ 



Je entschiedener die Hithrisca als eine Weltreligiok her- 
vortreten, desto willkommener werden uns neue Beiträge zur 
Einsicht in dieselbe seyn. Die jüngste Zeit hat uns besonders 
einige ganz unerwartete Bilddenkmale dieses Krdses geliefert. 
Davon will ich zuvörderst sprechen , und sodann einige Nach- 
weisungen geben, theils von Spuren dieser Religion in den 
iltesten Mythologumenen der Griechen theils von Lehren, Sa- 
gen und Bildern der christlichen Jahrhunderte bis zum Hit- 
telalter herab; woraus sich der Schluss von selbst ergeben 
wird , dass die Lebenskraft dieser Religion eben so merkwürdig 
als ihre Gefügigkeit gewesen , unter den verschiedensten For- 
men zu erscheinen. 

Wenn ich bisher angenommen hatte, dass eine hebliche 
geflügelte einen Stier opfernde Jungfrau, als Correlat zum 
Sticropferer Mithras , eine in gleicher Handlung dargestellte 
Mithra sey,^ so war dies doch nur eine spatere Griechisch* 
Römische Auflassung dieser Personen und ihrer Verrichtungen. 
Jetzt aber können wir die Originalnamen dieser Gottheiten: 
Mithro und Mao auf einer ganzen Reihe von Indo-Baktrisehen 



AU>erti: Mt&^q, o n^oq h m^wu^ ^(. Ans einer andem SteUe des 
Strabo p. 226: I9ry ^ up &io9nth ^f^, n^mf %^ nvql tuxomgu» Biöclite Herr 
Tan LimbourgBronwerCEtat de la civUtoai. desGrec« n. p. 183> Boblle»- 
sen: ^que le eulte de Bütra a ^te confbndn on^ ei Ton vent, r^nni par 
les Perses ayeo le cnlte du fen ^ — in so fem es SonneHfeuerdietui war 
bemerke ich , aach der Colt des Mithras, Aber wenn die Verehrang der 
MUra erst unter Artazerxes Mnemon ku den Persera gekommen wäre 
(s. a. a. O.)» eo h&Ue Herodot doch wold nicht davon berichten können. 

1) Mit Zustimmung der Herrn liigard und Streber in, des IieCnteren 
Nnmismata p. t7(j. not. 20). 



lUhiBen lesen.') Der Gelehrte, dem wir diese Blittlieiloiiif 
veffriankeD) iiemerl&t dabei:*) — lEt la notion qne nons y 
pnisoius d 'tue personiflcatioii de dien de la mytliologie Bactrienne, 
qni repondait ä la Ibis amc denx principes mdte et fetMlte de 
ia iumi^re, et qui ponvait dtre designee tantdt par le nora 
Makro, tantöt par le nom Mao, selon que le principe nuUe oo 
fomette de eet androgyne prevalait dans sa repr^ntation , ne 
parait suiette a anctine doute. » ') 

Ueber diese 2weiheit des Licht- und Fenergottes erklirt 
sich Jalius Firmicos*) so: tPersae et Mtigl omnes — ignem 
praefenmt, et oitmibus elementis pntant debere praeponL HI 
itaqne lovem in ddas dividont potestates, natnram eins ad 
ntrinsqüe sexos transferentes, et (ad scheint ausgeftllen) viri 
et fbeminae simulacra ignis snbstantiam deputantes, et mnliereni 
quidem trfformi vultu constitonnt , monstrosis eam serpentibus 



1) N&mlichlilf JdPO und MAO, Sonne ondMond. S.Baool-Rochette 
Demüeaie Snppleriienl k la Nottoe rar quelques MedaiUe« Greeques in* 
idUw de Holt de Ja Baolriane el de V Inde* Parts 1^6 p. 40 aqq. 

2) BaiNiI-Rooheite a. a. O. p. 60. 

3) In einer Anmerkung f&hrt derselbe Cp* 50 sq.) fbrC: ^^Ihi reste la 
Igure de ceiCe döesse (der Mttin Ton Kenana), teUe qne nons la oon- 
naissons par des m^dallleS| entre nutresy parceUes de Hiiro oaesar^ 
dn Pont (MUIingen, ancient Coins of Greek Cities pL V. nr. 4. p. 67»— 
68) repond exactement a sa nature androgene et au cuUe tunaire doni 
ene etait Fexpression. Elle a la tSte radiie; eUe est rdtue d^hoMs de 
femme et eUe porte une mtuiue, en s*appnyant sur un boucUer. C*est 
dono k la fols un tjrpe d* accord aveo V image du IHeu hrnmu^ ador^ 
dans le Pont, et avec ceUe de V Bercnle^SoHdon de la Lydie, tel qne 
nons pouYons nous le repr^senter d* apres les temolgnages des anclens; 
et c*est, sous tontes ces fomes diverses , la personiflcaüon du QenU k 
la föis nMe et femelle, de la Inne, tel que nons le montrent nos midail- 
les Indo-Baotriennes, a^ec le nom de Mükro, on de JIToo/' 

4) De error, profkn. religg. cap. V. p. 16 sq. ed. Fr. Munter. leb 
kebe ans den Anmerkungen dieses Gelekrten nur das amnittelbar m mei- 
nem Zweck Nothwendige heraus. 



^^ 336 -^ 

illigantes. • Diese dreiköpfige Göttin tritt uns nun auf einer 
BaktriBehen Münze eines Griechischen Kön^ deutlich vor Au- 
^n. — Eine henrh'che Tetradrachme, aus der Sammlung des 
General Allard in die Königl. Franzosische Sammlung als ein 
Stück ersten Ranges aufgenommen. — Vorderseite : Unbedeck- 
tes mit dem Diadem umgebenes Haupt eines Königs rechts 
gewendet; Kehrseite: Stehende Figur des Juppiter, mit dem 
PaUium bekleidet, auf einen langen Scepter gestützt en fa9e, 
doch mit rechts gewendetem Haupt. Er hfilt in der Rechten 
eine dreiköpfige Figur, welche nach jeder Seite eine Hand 
ausstreckt, worauf eine gerade stehende brennende Fackel 
steht. Daneben der eigen geformte Charakter O und die Inschrift 
BASIAEQS ATAeOKAEOrS.^) Der Gelehrte, dem wir 
diese wichtige Mittheilungen verdanken, hat hierbei, nach dem 
Vorgang des Herrn Duc de Luynes, sehr befriedigend über 
die verschiedenen Beinamen und Attribute der Hekate bei 
Dichtem und auf Kunstdenkmalen zumal auf Münzen gehandelt, 
und man wird mit dem Ergebniss, das ich mit den Worten 
des Autors selbst beifügen will, eben so befriedigt seyn kön- 
nen : — « On conviendra que toutes ces indications s' accordent 
pour nous faire connaitre, dans notre Artenda - HeeaiS por- 
teflambeaUf une divinite lunaire, dons le culte, propre a V Asie, 
n' avait pu etre apporte aux Grecs du premier Age que par 
des navigatenrs de cette partie du monde; et dont, a une 

1) Wem BU den Worten mulierem triformi vultu Munter folgende 
Annerkong macht: ^^Quatenus in eam ex mente Graecorum coaluerant 
MyUtta, Artemis et Persephone. Nam de idolo tricipiti ad formam 
HecaieM fieto non est quod cogitemus,^^ so ivürde er sie wohl unter- 
drückt haben ) hatte er sich des CapitoUnischen Bildwerks erinnert, wel- 
ehea au drei Figuren besteht, wovon die eine, mit einem Strahlenhaupt 
nd Phrygiicher Mütae, in einer Hand einen Dolch, in der andern eine 
flkAlange hUt; also lanter Mithrüche S3rmbole in sich vereinigt. (Man 
a. jetst Streber a. a. O. p. l8a not. 38.} 

2) Raonl-Rochette Denx. 8upplem. a la Notice sur les Medaillea 
Aido-llactrieuies p. 13 nnd dazu pl. II. nr. i. 



autre epoquc les Grecs, conduits par Alexandre daiis la Bae- 
üriane, retrouehrmü le type f/rimäif dam Ba pairie m4me, Ul 
ffi'ilb l9 reprodiddrmt ä leur mamere mr la tnotmaie d Aga- 
tkocle, comme un premier hommage renda a leur conqudte 
nouvelle, cn meme temps qiie comme iine reminiscence de leur 
vieille croyance. <• ^} — Aber sind wir nicht nur berech- 
tiget, sondern anch der Consequenz gemäss genöthi^, noch 
einen Schritt weiter zu gehen ? Die Griechen hatten ja über- 
haupt die Gewohnheit, sich nach den Religionen der von ihnen 
eroberten fremden Lühder zu bequemen , und die Vorstellungen, 
Attribute, Namen und Beinamen der barbarischen Gottheiten 
bestehen zu lassen, oder unmerküch umgemodelt mit denen 
ihrer Hellenischen Götter in Eintracht zu bringen. Hier aber 
in Baktrien haben sie ja, wie wir gesehen, die einheimischen 
Gottheiten, Sonne und Alond. unter ihren Asiatischen Namen 
Mithro und Mao auT den Münzen verewigt. Derogemäsjs wer- 
den mr die auf den Seepter gestützte ehrwürdige Gestalt auf 
der Münze des Agathokles mit vollem Recht als Ommstd oder 
Juppüer - Ormuxd bezeichnen;^) die dreiköpfige Fackelträgerin 
aber, die dieser Ormuzd auf seiner Hand trägt, aLs Jfti^aoder 
Mühra-Artends oder tUsMühra-Hekate; so dass also beide Fi- 
guren die in den Zoroastrischen Lehren ausgesprochene Con- 
junction des Ormuzd mit dem heiligen Feuer und Licht vor 
Augen stellen. Der Peraache MühroB kommt noch auf einem 
spät - Römischen Denkmal in Verbindung vor.* In einer In- 
schrift lesen wir unter andern folgende Verse: 

Idem augur iripUcis cultor venerande Dianae 
Perndicique Mithrae antistes Babylonic templi.^} 



1) Baoul-Rochette Deux. Supplement p. l.i sq. 

2) oder Zeus-Oromnzes, wie Aristoteles ap. Uiog. Laert. proocm. 
%, 8 wirklich 8ynon3'iniscIi sagt: ZufQxul 'JlQOfuujdtjq. Als Zeus und Jup- 
plter bezeichnen aber viele andere alte Schriftsteller den Ormuzd, yr;\. 
Bahr ad Ctesiac reliqq. p. l4fi. 

sy Bei Gruter p. XXVin. 6 und in Ferreti Musae lapid. rv. p. 0. 
Fr. Mänter hat sie in der Bcligion der Babylonier IV. S. 56 unvollstän- 
Crewer^s deutsche s^chrifrcu. I. *;. 22 



-^ 338 -^ 

So hätten wir demnach von so späten Römischen Zeugnissen 
die Bestätigung in Baktrisch - Griechischen Denkmalen ge* 
Wonnen; und wenn das äussere Ansehn dieser draköpfigeo 
Blitlura der Indischen Trimarti ähnlich ist, so ist dies ein neuer 
Beleg für die Verwandtschaft der Mithraslehre mit alt-Indischer 
Theologie. Doch, dies vorletzt bei Seite gelassen, legi «ch 
die Frage nahe , welche Gestalt die alten Perser ihrem Mitkra$ 
gegeben, die man bisher auf den Bildwerken vermisste.^) 
Es verdient gewiss alle Aufmerksamkeit, wenn ein scharf- 
sinniger Forscher den alten Mithras in einer^mit verschiedenen 
Attributen versehenen erhabenen Mannosgestalt, worüber ein 
achteckiger Stern (die Sonne) schwebt, und gegenüber in 
einem andern auf einem Einhorne stehenden Heros den Or- 
muzd, und dagegen in einer dritten widrigen Figur eines, 
seinen obem Theilen nach als Vogel vorgestellten Wesens 
den Ahriman gefunden zu haben glaubt.^) — Aber nicht blos 
eine Analogie lässt uns vermuthen, sondern ein bestimmtes 
Zeugniss nöthigt uns auch anzunehmen, dass es neben der 
dreigestalteten Mithra - Hekate auch einen dreigestalteten Mi- 
thras gegeben habe; denn der dreifache ^^ wird er ausdruck- 



dig und nicht ganz correct mitget heilt. Der Persidicus Mithras Ist der * 

Persische, und es muss nicht Babjione sondern Babylonie gelesen werden, i 

Folglich ßülen Munteres Schlüsse auf das Local von Babylon hinweg. \ 

Babj'lonic bezeichnet des Priesters Profession, als eines Astrologen (s. 1 

Ruhnken. ad Porphyr, de A. N. p. IG, vgl. Mitschcrlich ad Horat. I. od. i 

11. vs. 2). T 

1) Streber Nnmisnun. p. 175. ^ 

4 

2) Auf oberasiatischen Cylindern , jetzt bei Guigniaut Rcligg. de V An- f 
tiquite pl. XXIU. nr. 12') und pl. XXII. nr. 125. a. cf. Guigniaut^s Notes \ 
et Eclairciss. I. 2. p. 726 sq. und daselbst Grotefend. 

3) M(6^^ T^ffj(aoio$ beim Maximus in den Schollen zu Dionysii \ 
Areopagit. Epist. p. 91. — Ueber Ormuzd, der sich als Denüurg ver^ \ 
dreiflicht habe, s. Plutarch. de Isid. et Osirid. p. 3,sg. p. 514 sq. Wyttenb. || 
Auch Feridun wird im Zcndavesta als Treteno , Treteomo , d. h. als drei- I 
fiftch bezeichnet (s. Guigniaut Notes et Ed. p. 682. 733). j 



-^ 339 -^ 

fa'eh genannt, ein Aasdrnck der auch einmal in einer andern 
Urknnde vom Ormnzd in seinem Sehöpfiingswerke gebraucht 
wird. So fü)iren uns also die neuaufgefundenen Denkmale 
den Alteren Vorstellungen der Iranisch -Persischen Gottheiten 
immer näher , und so dürfen wir auch die Hoflhung nicht auf- 
geben , auf andern ähnlichen Monumenten wohl einmal einem 
dreigestalteten oder dreihauptigen Mithras zu begegnen. 

Dieser Mithras - Perses ruft uns ferner gewisse alt-Grie- 
chischei Genealogien ins Gedächtniss, zuvörderst die Ehe des 
Helios und derPerse oderPerseüs (Ile^otj^ nepttJjTg)^ -wotslub 
lieben andern Kindern Perses geboren wird. ^} Besonders 
nei^wfird^e Spuren dieser Iranischen Gottheiten und Culte 
sei(gen sich in der Theogonie des Hesiodus; und besonders 
aber die so eben behandelten Personalitäten äussert sich ein 
grfindiicher Alterthumsforscher folgciidcrmassen : «Ganz be- 
sonders noch thun sich alle diese Personen als Symbole 
innerasiatischer Völker dadurch kund , dass sie Zauberei und 
geheime Känste ' üben , deren Vaterland immer dort war. So 
liaben wür die zauberisclie Natur im Perseus anerkannt; 
and vom Perses, dessen Fabel übrigens ganz verloren ist^ 
sagt Hesiod,^} bei dem er aber ein Sohn des Titanen Krios 
pst 9 dass er näai (ABxeitQenep iöfjLocvpjgctv ^ womit es denn 
genau zusammenhängt, dass Hekate seine Tochter ist;^) Ach- 
tes endh'di ist als Zauberer hinreichend bekannt. » *} Ich habe 
■lidi schon oben an den Ausspruch dieses gelehrten Mannes 
angeschlossen, dass in solchen mythischen Namen die frühe 
Bekanntschaft der Griechen mit den Namen der entfernten 



O OdysB. K. 139 mit Eustath. p/387 uud ApoUodor. I. 9. 1. 

2) Theog. 377. 

3) Theog. 411 sqq. Diese ganz sonst unbegreifliche Beschreibung 
v«B der Herrschaft, den Kräften, Gaben und Wohlthaten der Hekate 
wird ans den Schilderungen des Mithras und seiner Segnungen Cin ^^^ 
foidMiiriften) erst eigentlich verstandlich. 

4) Buttnann MythologusH. S. 192. 

22* 



-^ 340 -^ 

Völker Asiens sich vcrrathe. — Ja noch mehr! Dass auch ganze 
Iranische Lehr- und Bilderreihen lan<2:c vor der historischen 
Zeit von den Griechen aiir^enoinmen und mit ihren Stamm- 
culten verweb! Avorden . davon kann ein jeder sich aus dem 
Mit hrischen Faden liberzeug-en • den ich oben %. 12 und 13 in 
den Mythen von Perseus nachgewiesen. ') Waren aber schon 
in der Vorzeit Mithriaca bis in den (iriechischen Continent 
vorj2:ednin«:en . so w:ire es wunderlich. Avenn sie hier stehen 
jrebh'eben. Im (Jeorentheil pcAvinnt die Vorstellung: eines be- 
deutenden Geoorraphen und Geschidusforschers immer mehr 
für sich, dass der 3lithrasdienst in die suddeutschen Lander 
nicht erst (AA*enn auch von ihnen Avohl unter A'erschiedenen 
neuen Formen} durch die Römer eingebracht, sondern A'on 
den Deutschen Stammvölkern aus Oberasien mitgebracht sey.') 
Schliesslich Averfe ich noch einen Blick auf einige Com- 
binationen Persischer Lehren und Gebräuche, die in Vorder- 
asien mit Jüdischen und Christlichen Statt gefunden. Zunächst 
tritt hier Kappadocien hervor. Dort Avaren ja Feuerheiliglhumer 
(Ti'(>«/^f/a) eingerichtet, in Avelchen die Feueranzünder 
{:n'Qai9oi') ihre regelm<nssigen Liturgien verrichteten.*) Dieser 
Feuer- und Lichtdienst hatte sich hier mit Jüdischen und 
Christlichen Lehren und Cuiten vermengt. Die sogenannten 
HATisistarier (^I'ü'iordQioi^ verbanden mit einem strengen 
Monotheismus und mit der Sabbathsfeier am siebenten Tage 
die Verehrung des F'euers und der Lichter (nudSai t6 xvf 
x€ti Tot hi'xva) und gelehrte zum Theil unter ihnen lebende 



1) AA'o auch von der Vennischuiij: dt?r Phrvffischeii J^abazien mit den 
Mithrascalren die Rede. v^l. jet^t Streber Numisinm. p. iTo. Von den 
Mithrischcn Klementen in dem Mvthiis vom Ervüichihun kann erst bei den 
Ceresdieust die Rede seyn. Vorläufig vj^l. man Band lA'. S. 142 ff. der 
2tcn Aussabe dieses AA'crks. 

t!") Karl Ritter in der Erdkunde II. S. Qi^S. 

3") ."^irabo XA'. p. 2J4 sq. Tzsch. Es kann erst im VerMg von den 
«iortl;:en Culten und von der Vorebruni: einer Asiaii$chen Mond^otCüi in 
«wel Prie«terstaaion . beid.* Koma na genannt . die Rede sejm. 



^^ 341 ^^ 

mrchenlehrer bezüchtigten sie heidnischen Irrthums ('EDiktjvixfj 
nkd^tjy^ Dieses heidnische Element ihres Glaubens und Dienstes 
war . eben ein Persisches , und es ist sonderbar , bei diesen 
Verehrern eines höchsten Gottes an ein aus der Vorwelt ge- 
rettetes Hanflein von Bekennern einer reinen Urreligion zu 
denken , vielmehr anzunehmen ^ dass es Leute waren , die den 
Mosaismus mit dem Parsisnras^ vielleicht mit der Absicht, einen 
dritten nenen Glauben daraus zu bilden, amalgamirt hatten. ^3 
Folgendes über eine Verschmelzung einer Persischen Per- 
sonalitat mit einer Christlichen werfe ich als einen blossen 
Gedanken hin, dessen Werth oder Unwerth gelehrte Theolo- 
gen bestimmen mögen. In dem apokry])hisc)ien Evangelium 
der Ebraer konnnt die höchst sonderbare Erwähnung einer 
MM^r (Christi vor. Ja der Erlöser wird selbst redend einge- 
führt, wo er eine Handlung derselben berichtet, und sie, seine 
Mutter, das upiufia dyiop nennt. '3 ^'^^ kann über einen 
«riehen Gegenstand nicht umsichtiger und erschöpfender spre- 
flien, als dies einer unsrer gelehrtesten Theologen gethan.^} 
Nun waren, bemerke ich, die Juden und Christen mit derje- 
B%en Person der Persischen Theologie, die wir als Mithra 
- sehen ans dem Herodotus kennen gelernt, ohne Zweifel frühe 
: Muumt geworden , und blieben lange in dieser Bekanntschaft, 
' wie' die 2&eognisse des Ambrosius, des Julius Firmicus und 
T. Anderer beweisen. Sodann war in der entwickelten Perser- 
r Jehre Mithras als der männliche, starke, läuternde Feuergeist, 
jf aueh im ethischen Sinne längstens vorgestellt; Mithra aber 
1^ als die.jweibliche, mildreinigende und den Willen heiligende 
I Licht- und Feuergöttin. Da es nun endlich im Iranischen 



1) Suidas p. 3741 Guisford, mit Kuster^s Note; und -besonders Dr. C. 
EUmann^s Gregorius von Nazinnz der Theologe, Anhang V. S. 558 ff. 

> 2) Orlgenes in Johann, p. 59 cd. Uuet. ^— lp{ht aitoq o ^Wif^ q>riah 

3) Herr Dr. K. J. Nitzsch, in der Abhandlung vom Pnemna Hagion 
' ato der Mutter des Christs^ in dessen Theologischen Studien I.S. 1— «150. 



-^ 342 ^^ 

Systeme auch ^ine solche Stdgerung ihres Begrilb gegeben, 
derKiirol^e sie die höchste Gottheit, und Mithras als ihr Ans- 
fluss(Sohn} ihr untergeordnet war,^} Mithras aber als Mittler 
(fuffin;f) YorzugSAveise bezeichnet ward — so konnte eine 
Jüdisch - Chrisih'che Secte wohl darauf verfallen, sich den 
Heiland und Mittler der Christenlehre als den Sohn eines 
weiblich gedachten Pneuma Hagion zu phantasiren. 

Wie Aveitverbreitet und AA'ie tiefgCAMirzelt der Mithras- 
dienst neben dem MAihus von Perseus in den vorderasiatischen 
L/indern geAvesen. bis in die spätere Kaiserzeit herab, stellen 
die Münzen derselben am anschaulichsten vor Augen. So 
sehen Avir z. B. auf einer von Tarsus in Cilicien den Mithras, 
Avie er den Stier opfert; auf andern derselben Stadt das 
NichelschAvert (dortt;^ des Perseus und andere diesem Heros, 
der ja Krbauer dieser Stadt genannt und als solcher verehrt 
Avurde, angehörige Symbole.^) Alle diese Münzgepräge setzen 
grössere BildAverke , Statuen. Reliefs. Malereien voraus, wel- 
che den FiinAvohnei*n dieser Länder beständig vor Augen 
schAvebten. und ihrer Einbildungskraft immer neue Nahrung 
gaben. Perseus im Kampfe mit Gorgonen und andern Gebil- 
den der lunarischen Religionen. Perseus als Retter der An- 
drometla durch Erlegung des Seeungeheuers, mussten im 
Laufe der Zeiten und unter dem Einfluss anderer Religionen 
allmählifl: umgedeutet AAcrden. Ein Christlicher Held, dereine 
Königstochter durch Tödtung eines Drachen gerettet, nahm 
nachgerade den Platz jenes Iranischen Alithras-Perses ein.') 



O V|c1. oben $. 9. 

'2^ Eckhcl SyUoge numoram Tetenim p. 4? sqq.; Streber Xomismin. 
p. 1*3- 

3) Ich beschränke mich hier auf die Gniiidzuiie der $a$e, vrelche 
•Ich auf« Diannis^fachste verzweU-t und %'iele Zusätze und UmbildunjE:» 
erfahren hat ( s. die BoUandisten Acta Sanci orr. Mens. April. ITI. p. lOi) ^ 
ttv^l. Gibbon Cap. Win. 8. 406 ff. ist mit emisen Andern genetst, eine 
Vmaeninng des Ritters St. Georg mit dem berüchtigten Kappadocier, 



-^ 343 -^ 

Selbst die , Phantasie der Hahomedaner erschöpfte eich , die 
Kämplß dieses Ritters mit dem Drachen und die vierzig Feuer- 
proben, die er bestanden, aoszumalen; Kappadocien, Edessa, 
Hossul wurden als die Schauplätze seiner Thaten bezeich- 
net *3 — Seit den Kreuzzüg^en aber war über dem Ritter und 
lUrtyrer Si. Georg, der nun iSchutzpatron von tausenden 
C3iristlicher Manner, von Vereinen und von Städten geworden, 
Perseus ganz und gar vergessen, wäre in seinem Namen 
Georgios (Tetu^yioq), des Landarbeiters (Ackerbauers), nicht 
das Andenken des ländlichen Fleisses aufbewahrt , der zu den 
Hauptgeboten des Persergesetzes gehörte, erschiene er nicht 
ab ein zweiter Dschemschid, dessen Werkzeug der goldene 
Dolch ist , womit er die Erde durchschneidet , erinnerten nicht 
die von ihm bestandenen Feuerproben an die Prüfungen in den 
Hithrischen Weihen, und bezeichnete nicht der &. Oeorgen- 
arm, wie man nach ihm den Thrakischen Bosporus nannte, 
die Brücke, worüber diese Legenden und Bilder in die West- 
linder bis nach Trier und dem entlegenen Britannien gekommen, 
besonders seit den Kreuzzügen, wo die Verehning dieses 
Heiligen immer ausgebreiteter wurde. ') Selbst sein Gedächt- 



dem Erzbischof, der als Opfer in einem Aufstande der Christen fiel, an- 
Bunebmen , and scliliesst mit den Worten : — „ und man kann durch einen 
Nebel von Dichtung einige Spuren des Kampfes entdecken, welchen der 
beUlge Georg von Kappadocien, in Gegenwart dpr Königin Alexandra, 
g^en den Zauberer Athanaslus bestand. ^^ 

1) Herbelot B. O. unter Gergis , St. George, von Hammer Geschichte 
des Osmanischen Reichs U, S. 453. 649. vgl. über die Oertlichkeiten von 
Bdessa Buttmann^s Mythologus I. S. 237 f. Auf den orientalischen Ur- 
apnug des Mythus von Perseus und Andromeda und ähnlicher, so wie 
auf die, mit der Geschichte des Propheten Jonas zusammentreffenden 
Oerttiehkeiten von Joppe, hat neulich Raoul-Rochette hingewiesen in 
dem Premier Memoire sur les Antiquites Ghretiennes p. 20 sq. 

' 2} Den Namen des Thracischen Bosporus St, Qeorgenarm leitet 
Dav. 8« Ctoorgi in der Dissertatio de Equite.S. Georgio Tnbing. 1716. p. 
IS von einem dort gelegenen Kloster zum heiligen Georg her. Dieser 



'«^ 344 '«^ 

nisstag, der 2S. April, ist nicht ohne altagrarische Bedeutung. 
Im Römer -Kalender fiel er zwei Tage nach den Palflien, d. 
h. gerade mitten in den Frühling, wo selbst in den WestUn- 
dem die Bemühungen des Landmanns durch die Ueppig^eit 
der Cerealien und der Vegetabilien aller Art auf das erfiren- 
lichste sich belohnt sahen. 

Es hat demnach im ganzen Gebiete der alten Religionen, 
von frühester Vorzeit bis in die spätesten Jahrhunderte des 
Cliristenthiuns , kein Cultus einen grösseren Wechsel von 
Metamorphosen überdauert als eben dieser des Mithras-*Per- 
seus. 

Autor. Mirft aber auch den Kampf mit dem Drachen weit weg, nnd fiekl 
In den Mythen von den Kämpfen des Perseus, Tfaeseus u. s. w. nnrNach- 
ftAingen der Kämpfe des David nnd Samson, womit der Teufel die Wun- 
der Gottes im A. T« habe verspotten woUen Cp* 4 sqq.)* 



^ 



Aufgabe der AbbUdmifpcii 

wum zweiten Heft. 



Nr. 1. Gefluches, löwenartiges 9 Persisches Fabelttiier. 
Sttneol-Scarabaens; an der rechten Seite unten etwas ans- 
espmngen; in einer Heidelberger Sammlung. 

Nr.. 2. Vogelkopf mit zwei ans dem Scheitel hervorra- 
jBBden Hörnern oder steifen Federn, mit bor^tenartiger M&Iine 
■ Hinterhals. Cameol, auf der convexen Seite im Feuer 
reiss gebrannt; in einer Heidelberger Sammlung. 

j/mmerlnmg. Bf an vgL Nr. 4 und dazu den Nachtrag V. 
- W&re nämlich die dort angegebene Deutung auf Ah- 
riman entschieden gewiss, so könnte bei diesem Vo- 
gelkopf an denselben Dämon gedacht werden. 
Nr. S. Grabmal vielleicht des Darius Hystaspis , Bas- 
yfaf OB Felsen des Bergs Rachmed in Farsistan mit den 
Ihem von Löwen, Stieren, Feueraltar, Sonnenscheibe und 

tdem iber dem Betenden in der Luft schwebenden Ferver; 
i Chardin Yoyage pL LXVU. vgL Hoeck Veteris Mediae 
k hnraiae Monumenta tab. I und p. 11. 10 — 18. W. Ouscly 
mvds H. pL 41 und Ker - Potter I. pl. 17. 
^ Nr. 4. Eine unförmlich-widrige Gestalt, halb Vogel, halb 
iBBsch; z\vischen den Flügeln sieht man einen vielstrahUgen 



-m. $46 -^ 

I (Stern, iD der einen Hand eine Büchse; dJc Bevegmg 4v 

jGestRit zeigt Kaghafle Flucht an. Porphyr -Cyltnder MM. 

Onsely Travels II. pL 87; nach Gutgoiaut pLXXIL nr. USi i 

vgl* dessen Explicatioa des Planches p. SO und die Anaai 

I (Oben zu Nr. 2. 

I Nr. &. Geflügelter Slier mit einem Mensdicohaopl 

beo der halbe Mond und ein Stern. Nach 

I >BIünler mir tnitgetheiltcn Siegelabdruck einer Gi 

I.Cfaalcedon; vgl. Niebuhr's Reise U. tab. 8 und W. 

pl. 21. nr. 30. 

Nr. 6. AehnlicIiesGebilde, auf dem Mcnsdie-nhaopt 

ftlla das Diadem, Baarelier von Persepolts, ». W. Ousely B. 

pL 41. nr. 4. vgl. Ker-Potter I. pl. SS, 33. Guigniaut (Xi^ 

. planches p. 87^ bezeichnet es als Abudad-Kniomorta fdtr 

' h'iii isr Erde, und nennt es cioc 

nn müsstc man aber aa im 

n- . (avö^öa^tyk^ denken, v. Bii^ 

Pf«er nennt diese üu nschliche Gestalt den Persaeba 

Cherub. 

Nr. 7. Das Einhorn oder der einhftmige Stier, AiMrtl 
der reinen Thiere des Ormuzd. von dem Löwen drn Ahi 
angefallen; Basrelief von Persepolis, bei Ker-Poticr Trtnit 
I. pl. 3&. nach Guigniaut pl. XXUI. nr. IISl 

Nr. 8. Dem Ansehn nach eine Einweihungsscene; btt 
eine langbärtige, reichbekleidele Person mit einem syM|' 
sehen Werkzeug in der Hand, auf ein ungefliigeltes 
tretend, im Gesprüch gewendet und die rechte Hand erhdnl 
gegen eine zweite unbärlige Person mit blossem Haupt«, n^ 
che das symbolische Instrument empfangen zu wollen sclieki 
Rechts eine dritte onbarlige Person von heroischer Gejtd^ 
gekleidet und bewaffnet wie die erste,' der mittleren Pemi 
eine grosse Perlenschnur darreichend; über ihr die 8oune d 
acht Strahlen und der geBügelte Ferver; über der Olln 
Person der schwebende Halbmond. Zwischen der 
der dritten Figur ein heiliger Baum, vielleicht der 



lerdc^^l 



iBg^schen Banden zurückxuhallen. Babylonischer t'ylMor 
ki Krr-Potter II. |>l. TU. nr. 4 (nHch Gui»:nifiut |>l. XXll b» 
. 1«. b.> 
Xr. lö. MHhni - Artemis - llekale auf einer Oricriwvk- 
■"Baktrischen Sflbermünze des Königs Agnlhokle», ntch lUmt- 
Roehettti Oeaxieme 8uiii)lcinent i la Noiiue d. Hcdailles B 
pL IL nr. 1. (Vgl. ?iaehtrag V.) 
T Nr. 16. Milhras-Lanus auf einer Mänz« von TrapcmM, 
ftäch Fr. J^treberNomismata in den Abliandlun^n der Mftnrbiicr 
'äkademie d. Wisscnsch. I. tab. II. nr. 10. (Vgl. AWA/ra^ V.) 
" Nr. IT. Eine Seite des Milhras - Denknials von lleddcrn- 
lieim mit dem Slicropfcr, vielen «ndom Beiwerken und nifi 
iBcenen der MithraMveihrn ; b. Uabel und X. MuUer in dm 
Annalen des Vereins fUr NassAiii^che Altert liunukande L S. 
to ff. und U. 8. B ff. vgl. v. Hammer Miltiriaqucit, Atlas pL 
^ , f V- (Dergleichen Weihescenen sind auch auf Tr«jiii'» 
■tWomphbogen zu Benevent vorgestellt, s. Cum. lUttsi Vam 
"Trajano, v«^. Indicazione del piti Riraarrabile in NapoV f 
IConlorni dcl D. A. de Jorio. Ed. nouv. p. &0. tav. 9.') 
*^ Nr. Ift D'rei hegende Siehiböcke, die sich in Etota 
Kopfe zn Einem componirfen Gebilde vereinigen; darüber znH 
Sterne. Ziegelrother undurchsichtiger Jaspis mit einer LütLv 
rechts oben; m einer Heidelberger Sammlung. 

Arnnarhmg. Der Steinbock erscheint auch auf einer Vit- 

sischen Genmtc der Stoschischen , jetzt König). l*WBt- 

' sischen Sammlung hei Tölkcn S. 46. nr. 190. — Hkr 

aber ist an den sidcrischen Steinbock zn denkea, vis 

' denn auf dem Milhrasdenkmal von Hennanstad öl 

' Widder vor dem Hanse des Steinbocks im 'Ihirrkniff 

liegt, s. von Hammer Mithriaca p. »I. — Die Warte 

des Steinbocks im WinlersoLslitium, oder die GvtU^ 

pforte, wie sie hiess, weil durch sie die Si-elcn i^ 

*' Göttersitze zuröckkehren, bezieht »ich auf den .Mi<hfat 

1 als Scelenfiihrcr ^t^vxaytayöq, s. van Goens ad Porphyr* 

' de A. N. p, M sqi]. p. 11« sqq.). Der dreifache Sleffr- 



^^ 349 ^^ 

bock untrer Gemme könnte, nach der Gewohnheit der 
Perser, Götter und Geister nnter Thierbildern vorzu- 
stellen , auch auf den dreifachen Mithraa , wie er ge- 
nannt wird, — 8. Nachtrag Y — Bezug haben. 
Nr. 10. Ebenfalls astronomische Vorstellung: Ein in den 
Schaft eines Bogens eingespannter Löwe; über dem Bücken 
ein Halbmond^ zwischen den Vorder- und Hinterfüssen ein 
grosserer Stern . zwei kleinere in Scheiben eingefasste an bei- 
den Enden des Bogens ; Chalcedon , durch Ferner undurchsich- 
tig, in derselben Heidelb. Sammlung. 

jinmerkung. Ueber die Form des Persischen Bogens auf 
Gold- und Silber -Dariken hat schon Spanheim de usu 
et praest. Numismm. I. 0. 5. p. 824 sqq. das Nöthige 
bemerkt. Der Bogen unsrer Gemme erinnert an die 
Worte des Ammianus Marcellinus XXII. 8. 87: «Sc}'- 
thici soli vel Parthici arcus — effigfem lunae decrescentü 
ostendunt. » An der symbolischen Bedeutung des Per- 
sischen Bogens lassen die von Ilj'de de relig. vett. 
Persarum p. 80T und &28 gesammelten Stellen nicht 
zweifeln; ysI auch Hcrbelot Bibl. Orient, unter Caian. 
Bei der dualistischen Bedeutung der igersischen Thier- 
symbolik dürfen wir uns nicht wundem, dass Mithras 
selbst auch als Löwe A'^orgestellt wurde — s. v. Ham- 
mer Mithriaca p. 106; nicht zu gedenken, dass die 
fi JLöwenweihen (Leontica} ein Grad der Mithrasmy- 
sterien waren. 
"^ Nr. 20. Babe auf einem Nicolo (onicolo^ von sehr regel- 
■issigen Lagen; in einem Siegelring derselben Sammlung. 
Ber Babe war dem Apollo geheil ig:t; aber bei solchen, gros- 
sentheils wohl dem Bömischen Zeitalter angehörigen Gemmen- 
bad^n denke ich vielmehr an die Bemerkung Fr. Münter's 
ad luL Firmic V. p. SO: « In Dactyliothecis obviae sunt gem- 
■ae caeiatae, eervae, leones, scorpiones exhibentes, ad eadem 
Sacra (^Blithriaca^ pertinentes» und die Coraaa waren ja ein 
Grad der Mitlirasweilien. Dahin möchte vielleicht auch der 



'^' 



^^ 350 ^^ 

Slnrfihn auf der Marborger Gemme nr. W »i ziehen seyii; & 
meine Schrift: Zar Gemmenkande S. H fll 

Nr. 21. Der Sonnengott, jugendlich gebildet, mit dai 
Ring der Ewigkeit in der Hand, aof einem Throne sitzend, ■ 
Gespräch mit einem Manne; hinter dem Gott eine andere V%vj 
oben ein sechseckiger Stern ; Siegelstein beiMänter, Religim 
der Babylonier Taf. L nr. 3. 

Nr. 22. 2S. Eine männliche Figur betet vor einem AUv, 
auf dem ein Triangel liegt ; daneben eine Gazelle ; Siegebtcii 
ebendaselbst I. nr. 8. 7. 

Nr. 24. Blännliche mit vier Flügeln versehene Gestak, 
zwei Strausse erdrosselnd; Assyrischer Cylinder ans Ninh'e; 
röthlicher Jaspis (in der Sammlung des Herrn Hofrath Dr. 
Darow; s. dessen Morgenländische Alterthümer Tab. I; vgl 
Fr. Munter Relig. der Babylonier S. 1S8. nr. 14> 

Nr. 25. Uralte Vorstellung eines Kriegs- oder Aeko- 
manns, der zwei Stiere führt ; Assyrische Halbkugel als Amulet; 
in der Sammlung des Herrn Hofrath Koppen in St Petcn- 
burg. 

Anmerkung. Dieses Bild hat grosse Aehnlichkeit mil dea 
Bilde auf Silbermünzen der Thrakischen Stadt Orrh»- 
kos , in barbarischer Art einen Krieger , der Stiere 
führt ^ vorstellend; bei AL'onnet Suppl. 111. pl. 8. nr. 1 
und daraus bei K. 0. Müller, Denkm. d. alten KjfUA 
Taf. XVU. nr. 85. 

Nr. 26. Priester, mit dem Penom vor dem 3Iunde, zwd 
gazellenartige Opferthierc zu beiden Seiten schwebend; Scan- 
baeus, Sarder Qin einer Heidelberger Sammlung}. 

Nr. 27. Fabelthier^ unförmlich mit einem Elephantenrns- 
sei; über dem Tliier das Sonnenzeichen; Stoschischc Gemoie; 
Heliotrop (nach Winckelmann Dactyliolheca Stoschiana Uk 
10. nr. 134. vgl. Tölken Erklärendes Verzeichniss der antikei 
geschnittenen Steine der Königl. Preuss. Gemmensamuilung & 

46. nr. itay 



351 



Nr. n. Ein J%er m Pferd, emen Eber erlegend, neben 
ihm ein Hand; Stoschisdie Gemme, Chalcedon, naeh Winckel-' 
mann ebendaselbst nr. 196 (vgl. Tölken ebendaselbst nr. 19S). 
' Nr. SO. Karte des Religionen -Kreises, oder mythologi- 
scher Schauplatz der alten Welt; nacb Bennell, Karl Bitter 
nid della Marmara. 



,1 



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r. 



s- 


1. 


s- 


2. 


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4. 


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5. 


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6. 


§ 


7. 


§ 


a 


s- 


9. 


s- 


10. 


s- 


11. 


s 


12. 


§• 


IS. 



Inhalt. 

Brttet CapiteL 
Arienisclie Religion, 

oder 
Baktrisch-Medisch- Persische Lehre nnd Cnltiis. 



Einleitung 

Qnellen nnd Literat ar 

Lehre aod Caltiu. 

Höhere Ansicht des Maf^ersTstems 

Dämonologie, Kosmof^nie nnd Eschatolope. 
Ethik, Litnr^e nnd reli^Ose Ansicht des Lebens. 

Charakter der Srinbolik nnd SlTthik 

mithra and lUxthrafl 

Mithras. 

Rlithras - Monnmente nnd filTsterien« . • . . < 

Fortsetsnn^. . , 

Mithras -Persea oder Persans , 

Mithras als MitÜer 



Nachträge. 

Vorwort. ! 

L Zar heiligen Geo^aphie, oder fiber den Ursita der reli- 

pOsen Cnltar der alten Volker. ! 

n. Zar Qnellenknnde nnd Literatur j 

HL Höchste Potenien der Iranischen Theologe nach den 

Griechischen Philosophen. , 

IV. Iseschne; erstes Capitel, mit Anmerknn^n. . . . , 
V. Blithras nnd Mithra. , 



Angabe der Abbildanf^en. ^ 



Zwei t*e s Capitel. 



Von den Religionen Indiens. 

Einleitung. 

Irw^enn es wahr ist, wie es doch ohne Zweifel ist, dass 
Iriiens Religionen, wie alle Religionen der Vorzeit, nidit 
hrch Gewalt geboten und angedrungen, sondern vielmehr 
fUßk fireies Erzeugniss des Landes und der Menschheit sind, 
|jpf wird uns vergönnt seyn, einen Blick auf dieses merk- 
Mrdige Land zu werfen. Es ist hier von einer Ländermasse 
ie Bede , welche in ihrer Ausdehnung grösser ist als Europa, 
VU ihren nördtichen Grenzen , von der jetzigen Bucharei an, 
Ib an das südliche' Vorgebirge und das Eiland Ceylon hin. 
jk diesen grossen Provinzen' wird besonders der nordwestliche 
^ikel unsere Betrachtung auf sich ziehen,*} und in den 
llll^sen ELreis wird vorzuglich eben dieses merkwürdige 

1) Vgl- Wahl Brdbeschreib, von Ostindien n. S. 187. 189. In dem 

Toa Angelo Mai zuerst edirten Itinerarium Alexandri (aus dem 

[JUurlL nach Chr.) heissl es g. CX. p. 72: ,,India omnls orsaesepten- 

iplezaque omne quidquid est Persicum, Aegyptnm asque Aethio- 

continuat, Ipsa Tero extrinsecus ubique oceano monitur, interlluo 

HIppalo, caias sinos Persas inclndit.^^ Das mare Hippalom ist das 

Erythr&ische Meer ein9€hliessUch mit dem Persischen Meer«- 

Ca. meiae Note an Berodot. I. 1. p. 5 sq. ed. Baehr.). 

Orewttr'i deutsche Schriften. I. 3. SS 




-^ 354 -^ 

Gränzland ger.ogen werden müssen, das wir jetzt l^a«cikaiur *} 
nennen . das Indische Thessalien : ein Thalland « gebildet von 
einer Gebir£:skette • die sich von hier aus nach Osten und 
Westen ausbreitet , und ganz Indien im Norden begränzt . von 
den Alten Paropamisus und Imaus. von den Indiern selbst aber 
das Hiraalahgebirge ^) genannt. Wo diese Gebirge aus einer 
Wurzel ausschiessen , und von wo aus sie sich nach beiden 

1) S. jetzt den Abschnitt, das Alpettland Kaschmir überschriebeo, 
in Karl Ritttr's Erdkunde Mk^ui Theil, Asien. S. l'»M ff. 2ter Au$g. Es 
ist höchst wahrscheinlich das alte Kaspat^Tos iKainürv^^ Herodol. III. 
l'>:. lA'. 44. vgl. Ritter S. 107). Eine Indische Geschichte hat Wilson 
aus dem .Sanskrit übersetzt; v:;!. Histoire du Kachmir traduite de V origi- 
nal Sanskrit par M. UL WUson, Extruite par M. Klaproth, k Paris IS"^.^ 

2) Maltebnin (in seinem Precis de la Geoe^raphte universelle Tom. 
IV. Uescript. de Tlnde et de V Afrique septentrionale , Paria l^i.>> nttchl 
bei Gelegenheit der Berge Xha oder \ischa . die in der Indischen Mytho- 
lop» zu den Bekur und UindakkoM geh^iren , auf die Gewohnheit aaCmerk- 
sam, den Eigennamen der Berge den eenerischen Aasdnick Para oder 
Paraw im Sanskrit vorzusetzen« oder anzuhängen; woher auch bei den 
Griechen Jlaqrr.aaoq und IIu^Krtoo^ bei Dionrsius Periegetes, Üa^MOc 
bei Eustathius, i/o^.-vuyioa; bei Ptolemäus und Agathemer, Ua^aa^uo^Q 
bei Arrianus, Strabo und Andere, fla^raoo^ bei Aristoteles CM<?tcoroIog. 
I. l.{) kommen. Der Indische Name des Gebirges Himmahrym C^^ckmee» 
gebirgt') i wovon der Türken und Tartarea Mtu^Tagh^ des PaÜJM Jffs- 
sart und der Alten ImaaM ein Theil ist, erinnert den Verfiisser un so 
mehr an den Hamas Thraciens« an den Ugmettas Attika*s, den Moni 
Imaeas luliens, und an die verschiedenen Berge Himmei in Sachaeny 
Jntland u. s. w., da man diese Indische Wurzel auch Hema, Biatevms, 
Hewiakoie, Hematschely imos, Jema schreibt. Vgl. Gtltting. Gel. Anz. 
idl5. nr. .V^. p. 337. Den Himalaja kannte schon Uekatäas Ton Mild 
(Herodot. IV. 44), er kommt auch in Mnnus Gesetzen, \m Jlnhahhamtn 
und im Meghn Data des Kalidasa vor. Der Name Immos kommt Bach 
Herrn Bopp aus dem Sanskrit von Uimacai, Im Diudor. X^II. 33« p. 
'224 WesseL haben zwei Co^id. //a^ittvtoov und dies ist die ricfattgo 
Schreibart, nach v. Bohlen« vom Sanskritischen parn npaXisa, dL h. ober- 
halb Msn ( der Stadt Nysa ). Der Himalaja ist jetzt als die hochsce Ge- 
birgskette der £rde bekannt C«- Asiatic Besearchea xn\ nr. 6. K. Ritter*« 
BrdkBBde 5. TU. S. 4(*i und dessen Abhaadlong: Entwvf s« ciaer Kart« 



-^ 355 -^ 

Seiten hin-verewdgen, da ist d«r Indischen Men.sGhheit Wiege; 
von dort her kommen die Götter, Genien und Menschen herab, 
von dort auch der Unnythos. Ton dort gehen die vier gros- 
sen Landesströme ans: der östlichste, Baramputre, d. i. der 
Knabe Brahma, der sich alsdann mit dem Ganges verein^, 
und so die grösste Wassermasse der alten Welt bildet; der 
Ganges selbst, der gleichfalls in jenen Hochgebirgen ent- 
springt, durchströmt hierauf die Ebenen Bengalens, wo er in 
rei^'öser Anschauung zum heiligen Weibe Ganga'} wird. 
Der dritte, Indus'} oder Synd, d L der blaue, schwarze, 
fliesst durch die westlichen, den Griechen allein bekannten 
Gegenden, das Land Panjab; und er und die Berge, von wo 
ans es seine Richtung nimmt, sind es besonders, die unsere 
ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Dort ist der 
grosse Berg Mem,'} wo die Urkraft Gottes verborgen, wo 

rom gmnsoi Geblrgasj-ntem des HimAUga, mit 2 Kartun, Berlin 1832 S. 
3 !'.> Der Satz des Textes vom Ganges als der grosstcn Wassermasse muss 
jetzt berichtigt werden , da der Indus als M'asserre icher befunden worden. 

1) Ueber die Quellen des Ganges mit mancherlei geographischen 
Kachrickten s. F. V. Haper in den Asiatlc Researches Vol. XI. p. 44(> 
B^. Bit der daza gehurigen Karte von %Vebb; welche Untersuchungen 
■eaerileh fortgesetzt worden. Man vgl. auch Colebroolce on the course 
«rthe Ganges thröugh Bengal; ebendas. Vol. Vit. p. t sqq. — Der Name 
Bmmgm bedeutet eigentlich schlechthin FImss oder Strom, und wird den 

übrigen Indischen Flüssen 'von einIgor Bctrfichlllchkeit als Bei- 
le beigelegt j einigen darunter aber sogar als Hauptname. Wenn man ihn 
■b den Hanptsirom Indiens bezeichnen will, so pflegt man ihn daher auch 
durch das Beiwort grott zn unterscheiden. Dieses, so wie viele andere 
MMbffMiten iber diesen Flnss, besonders über seine Verehrung unter 
iea nide eines heiligen weiblichen Wesens Oanga, flnden sich bei Wahl 
Krib e icb rcft. von Ostindien n. (Hamliurg 1807) p. 388 C S. jetzt K. 
Mtet^a Brdk. V. IV. 2. 6 und besonders auch über die Verehrung des 
Qnagea eibendaselbst S. 1168 f. 

2) üeber Ihn s. besonders Wahl Erdbeschreib, von Ostindien II. p. 
32 W. and p. 208 , wo die Bedeutung des Namens erwiesen wird. 

3) S. die nAheren Angaben bei Wahl Erdbeschr. von OstUid. IT. p. 
220 ff*. Der Mem, als MftQo^ schon den Alten bekannt (Strabo XV. Ar- 



-»- 356 -*- 

der Gott begraben liegt. Aaf diesem Ber|i;e Iiausen die ^4er 
gewaltigen Thiere , das Pferd , die Kuh , das Kameel und der 
Hirsch, aus deren Maulern sieh die vier machtigen Ströme, 
der Buramputre , Ganges , Indus und Oxus , ergiessen ; — dort 
haben endlich neuere Gelehrte, Gatterer, Müller und Andere, 
das Paradies finden wollen. 

Von dort aus ergiesst sich nach Süden herab der Indus, 
und indem er , wie der Nil , an seinem Ausfluss ein Delta bQ- 
det , bewassert er durch seine Uebersehwemmungen , wie der- 
selbe Nil, das Land, das ihn umgiebt, und welches, von der 
glühenden Sonne verbrannt , sonst eine Einöde wäre , so aber 
von unglaublicher Fruchtbarkeit ist, und die verschiedensten 
und mannigfachsten Producte erzeugt,, was schon die Griechen, 
als sie Jene Gegenden zum erstenmal betraten, in Erstaunen 
und Verwunderung setzte. Dort werden wir auch, wie in 
Aegypten, deificirte Pflanzen JuitrefTen, den heiligen Loius,*') 
die heilige P^ala (^ficus religiosa} und andere. Hier ist das 
Land der Palmen^ welche Brahma so hoch schätzte, dass er 



rian. Ezped. Alex. V. 1. 9. Indic. c»p. 7. Philostr. Vit. ApoUon. II. ^ 
war den Indiem was der Allwrdj den Iranlern ^ der Oljrmpos den Grie- 
chen war, der Mittelpunkt (o/c^aAoc) der Welt, aber als Sitz der Gotter 
doch nur von den orthodoxen Hindus bezeichnet, Ton den nicht polythei- 
stischen Buddhisten hingegen als Sitz der CrcLster, von den Binnaiien in 
Hinterindien als die Wohnung der Seeligen* Heber seine ganze a^ytho- 
logische Bedeutung und Geschichte geben Bopp^s Auszüge aus dem 6ten 
Buch des Bfahabharata und andere QueUenberichte bei K. Ritter SrdkBBde, 
Asien, 2te Ausg. Band I. S. 6 ff. reiche Belehrung. 

1) Die ganze Indische WelUnsicht, nach den vier Gegenden , mit 
den sieben Dwipas, Meru als der Scheitelpunkt, Indien als Bflttel- 
puukt, und vegetabilisch genommen der Weltlotus mit den vier Hanp^ 
blättern des Kelches: Cum im Norden, Cetanala im Westen, Bhadrasna 
im Osten und im Süden Bharata ClBdien) mit den NebenblAtten pder 
Ncbenlandem, mit aUen Haupt- und Nebenflüssen, and endlich Meni als 
des Kelches Kroue — dies Alles kann sich der Leser ganz anschanlich 
machen durch Hülfe von vier bildlichen Vorstellungen in den Asiatic Re- 
searchcs Vol. VUI. p. 37f». a. b. 



\ 



zu ihrem Ban eine eigene Gaste bestimmte, die Ghanas. Hier 
hat die Norde ihre Heimath, woraas Jenes schmerzstillende 
Oel bereitet wird , hier der wunderbare SandeUaum und andere 
dergleichen mehr. — Nicht minder ^oss und ausserordent- 
hch ist das Thierreich: und es ist in der That trelfend, was 
in Bezug darauf ein alter Forscher*} sagt: «Ist es an dem, 
dass die Sonne durch Erwärmen der feuchten Erde den ersten 
Menschen hervorgebracht , so ist es wahrscheinlich , dass kein 
anderes Land als Indien frühzeitigere und grössere Menschen 
habe hervorbringen lassen ; denn es zeigt ja noch Thiere von 
sonderbarer Gestalt und ungeheurer Grösse. • — Hiermit 
verbinde ich Jetzt aus der belehrenden Einleitung K. Ritter's 
(Erdkunde, Asien. B. L S. M f. Ster Ausg.) dessen Worte: 
— «In der Mitte dieser Asiatischen Ostgnippe liegt Indien, 
gleichsam das Italien des Orients, r der universalhistorische 
Durchgangspunkt aller wie Radien hin- und zurückwirkenden 
Krifle, der Ansiedinngen und Bewegungen der Völker, das 
Ziel der Eroberer, der Sammelplatz der WeltschilTer , der 
Ausgangspunkt einer Weltindnstrie , der universellsten und 
reichsten Productenspende der Edelsteine und Gewürze, des 
Yerkehrs der mannigfaltigsten Art, nach allen Regionen der 
Erde, durch alle Zeiten, für alle Zonen. Dieses Indien aber 
besteht eben aus den doppelartigen Xaturformen eines für sich 
gesonderten Hochlandes, dem raflden Plateau von Dekan, in 
seinem südlichsten Triangellande von der Geyloastrasse bis 
zum Nerbudda-Strohme, und von diesem nordwärts bis zur 
Vorderkette des Himälajasystemes wie zu den Solimanketten, 
aus dem reichbewiteserten Tieflande Hindaeiana, gleichfalls in 
Draeckflgestalti mit der günstigsten Bewässerung durch Strohm- 
aysteme do|^lter Senkung. • Vgl. B. IV. 1. S. 424 ff. — Den 
AHen war seit Alexander d. Gr. hauptsichlich nur das Strohm- 
gdbiet des Indus bekannt, Pentapotamien , neupersisch Panjab. 
Andere sehreiben Pendsehab und wirilen diesen Namen schon 



1) Pausaoias Arcad. eap. 29. 



-^ 358 -^ 

im Zend wie iin Sanskrit finden. *3 ^^ ZosammensetBiiog ist: 
pendsch, fünf, und Ab, Wasser. 

Indien ist seit den frfihesten Zeiten bewohnt von einen 
Volke, das weder in Gestalt und Figur, noch in seinen Sit- 
ten und Charakter, Aehnliehkeit mit andern Nationen hat: 
und ob-schon in verschiedenen TheUra Indiens zu vers^ede- 
nen Zeiten sich Eroberer festges^zt, so haben doch die ar> 
spninglichen Bem-ohner wenig von ihrem Originalcharakter ver- 
loren, und sie sind im Ganzen noch jetzt dieselben, wie vor alter 
Zeit Ihre Farbe ist braun (daher sie von den Persem , we^ 
che weiss sind, den Namen Skfnd erhalten haben}, und ihre 
glänzenden Haare gleichen der Farbe des dunkeln Hyacinth;^) 
dabei ein zurückhaltender Blick, furchtsame Blienen und flist 
weibische Geberden. Sie sind in Leinwand gekleidet vom 
Kopf bis auf die Füsse; daher ist Webekunst ihr vorsägUches 
Gewerbe, und gewebte Gewander, Teppiche und dergL kamen 
frühe von Indien aus nach Babylon und andern Gegenden 
Asiens. ') 

Auch im Mineral- und Steinreiche ist Indien höeimt be- 
deutend. Welcher Reichtiium an Gold , nach den eii 



1) S. Chr. Lassen de Pentapotamia Indica Bonnae 1827 und Alex. 
Burnes Travels into Bokhara I. 13 f. 

2) Dionysius Poricgetes in der UauptsteUe vs. 1107 sqq. wobei Eo- 
stathius p. 2iK\ sqq. verglichen werden noss. 

3) Bfan vergleiche nur Philostrat. Vit. Apollon. III. l5. Ctes. Ind. 
21. 22 m\t Heeren's Bemerkuigen in den Ideen I. Abth. 1. p. 369 und 2. 
p. 192 sqq. der dritten Aallai[^e. FreUlcb nwsseB wir auch bedeukoi, dass 
I« Indieii die SchaaAsuckt besoaders eingefibri war, and auui ekM m»- 
terordeatlicho Pfe|^ «ndSorgfiUt darauf verwaiidt zu habea lohaM, wie 
diea Tormuislleh aas Ktesias erheUt; Tgl. ladic cap. i3L 22. 2a. 24 aü 
Heerea a. a. O., am nicht Hehreres ansufiluren. Auch Aeliamis H. A. 
IV. 32 glebt, ohne Zweifel aus Ktesias is. cap. 13), über die Srosse 
Bad Beschafcnheic der Indischen Schaafe Mebreres aa. AusfiihrliGher hat 
daT«a gehandelt RiNshan im Hierosolc T. IL cap. 45. p. 49S. vgL auch 
Wahl Brdbeschp. von Ostind. II. p. 420. 



^m. 3» ^m. 

steil Beriekten der Alte«, «ml iswar nicht Mob in Oehbrget^ 
eoBden auch im Sande der Wüste y so dass mit virilem Beehte 
bdien als das Oddland der .altes Wdt beseichnet werden 
kann.'} Dort war das Land der Edelsteine; in Indiens Ge- 
hii^^n wurde der herrUehste OnyXy Sardonyx, Hyactntb, 
Amethyst, Chaieedon, Lasor, Opal, Beryll n. s. w. aosipe- 

t) Vgl. Heeren Ideen I. AMh. 2. p. 637 der dritten Aoi. Wenn 
d«ri Heeren nn dem Das^2fB Ton CtoM- nnd Silbergraben in den Gebir- 
ges iMÜens, wie deck Pllnins <viellelckt nach Ktctiai) anglebt, ewel- 
UUf oder et gsr za lengnen tehelnt, so widerspriclit dieser AnnabnM 
äa« Sengnisa des Kteslas ladte. cap. 12: fort ik »ml /^vso« h tfj 7f>dbjr$ 
gi^p M ir TOH tt^nfui^ ii^urnftiPO^ Mal nltf^Ofuroq, Mgs#^ h %f UoMtmlf 
vunaftif* ilX* OQfi noXXi ual fH/uXa, ip ot^ ohovot /Qvitff «• t 2- und 
gleich darauf: J* avwv^ (sc. ^^mu^) o /r to7c o^f«* j^^ydof irolv« 
äw, /Avrff« iv^no^tüTüf. Berggold befand sich und beind^t «Ich^ wie Wahl 
Srdbeschr. Ton Ostind. II. p. 4^ f. bemerkt, noch jetast in den Bergen, 
dto In einzelnen Sagen von den hohen Altaiscken Oeblrgen nnd den Ge- 
Urgpm Moussart nnd Monssdagh cdem Imms nnd BoMdns) die grossen 
goMreteheft Sandwästen Mittelasiens durchkreuzen. Und auf dieses Berp^ 
ver4rs#sM beziehen sich (siehe ebendas. p. 4>5-) C) die Sagen Ton den 
goldbewnchenden Greifen, unter welchen Wahl (p. 494) die Berghewoh- 
ncr Tersleht, die xmersi dit Bergwerkslnnst erfmmäen und auMübtem. 
Schon Tor ihm hatte der Graf ▼. Veltheia ( .Samialnng toh Aorüitzen H. 
p. 267 s^q.> diese Sage, jedoch, wie es scheint, mit weniger Glück, als 
Wahl, zu deuten Torsuckt, vgl. besonders p. 283. Wir wiederholen 
nlchlf was wir Im Capitel von dtr Aegjptlseben Religion ans Herodotu« 
heigebrachC, und von einem andern Standpunkte iber diese .Hage bemerkt 
kshcn. — in Betreff der Bdelsteine Indiens seke man die Hauptstelle d#:4 
Plön j Sias Perfeg. ts. 1119 und dazu Eustath. p. 7^i Hiernrit vergleiche 
mmm^ ausser #er Abhnndkng des Grafen ▼. Veitheim ^ Etwas aber die 
Op jJigebifg e des Ktesias und den Hnudel der Alten nach Ostindien << ( in 
der uugefl flcferfft Tb. 11), die Bcmerfcungeu von Heereu In den Meea 
L Abth. 2. p. 1^ 641. auch L f. p. it^ C der dritten Auf. Wahl Erd- 
beacbr. von Ostind. IL p. 205 und b eso u de t s p. 73S C Ted j«tzt über 
die Pioducte Intens aus den drei H atun eichen die Az^fihnisgeu Eari 
Wtteff's in der Erdkunde ta Capitel von Indien, vgl. auch Heeren Cona- 

iDn historfne mereaturae natlfuae eapiu nnddcn 
bi den Gdtting. gel. Anz. I«U. 9Ir. 206. 207. 



^«^ 36a ^«^ 

^aben, und in andere Länder ausgefiährt, oder von den Phö- 
niziern, Ebr&ern und Aegyptiem, welche ihren Weg dahin 
dorch den Arabischen Meerbosen über das offene Indische 
Meer nahmen, weggebracht, wie es denn nach den genauen 
and gelehrten Untersuchungen von Wahl (Erdbeschreibung 
von Ostindien II. p. 197 ff. besonders 206) ausser allem Zwei- 
fel zu seyn scheint , dass wir unter dem Lande Opkir der bib- 
lischen Urkunden Indien zu verstehen haben. Vgl. auch Rhode 
über Alter und Werth einiger morgenlandischen Urkunden p. 
87 unten. Andere Meinungen hat Gesenius im Hebr. Hand- 
wörterbuch I. 19 zusammengestellt Man vergleiche noch 
Champollion TEgypte sons les Pharaons I. p. 96, der den 
Namen Ophir in Koptischen Handschriften nachweisen zu kön- 
nen glaubt 

Bei einem solchen Beichthume der Natur im Pflanzen-, 
Thier- und Steinreiche konnte es nicht fehlen: esmussteauch 
die Mythologie an Reichthum gewinnen , sie musste in dersel- 
ben Art ins Weite und Ungeiucj^ene sich verbreiten, wie die 
Erzeugnisse des Bodens selber, auf dem sie erwachsen war. 
Reickihum und Ausbreitung ist daher der Geist der Indis^en 
Mythik, Tiefmm und Monotonie hingegen der Geist der Ae- 
gyptischen. 



361 



Quellen und mear Qrieekbehe und RSmbeke. 

Es sind dieselben im Allgemeinen dreifacher Art: 1} die 
Nachrichten der Griechen und Römer bis ins Zeitalter der 
Byzantiner herab; 2} die Indüehen ReligknuMcher selbst , die 
zwar schon früher bekannt waren, allein erst in den neuesten 
Zeiten aus den Originalqnellen uns zum Theil vollständig 
mitgetheOt worden sind; S} die Monumente in Stein, d. i die 
noch vorhandenen Ueberreste der alt -Indischen Architektur. 

Was den ersten Punkt betrifft y^ so erhalten wir die 
ersten Nachrichten über Indien durch Herodotue (III. 88 sqq.}; 
wie denn überhaupt zu den Griechen die erste kistarieehe 
Kenntniss von Indien durch den Zug des Darius Hystaspis 
gekommen seyn mag, welcher Persische König in den nord- 
westh'chen Theil von Indien, jedoch, wie es scheint, nicht 
sehr weit, eingedrungen war, und diese Gegenden dem Per- 
sischen Scepter unterworfen hatte; und auf diese Gegenden 
sind auch die Nachrichten des Ilerodulus einzig zu beziehen. 
An diesen Schriftsteller zunächst reihen sich die Indiea des 
Ktetiäa, eines Griechischen Arztes, der am Hofe des Persi- 
scheu Königs Artaxerxes Mnemon lebte, und aus dessen 
Schrift uns Pbotius Excerpte mittheilt. Auch seine Nachrich- 

1) R Beck's Anleitang zur geiuuiereii Kenntnira der WeltgescUohte 
I. Th. L p. 219 f. der zweiten Ausgabe, und ausser dem Uebrlgen dort 
aagefChrten , die Abhandlung: 9, Würdigung der Nachriehton, welche die 
Griechen you Indien geben, << in der Monatsschr. far Deutsche^ Leipzig 
1802. August p. 309 ff., und jetzt besonders K. Ritter In der Erdkunde, 
Asien. Band IV. 1. 8. 434—493. Ueber die Weisen, PhUosophen und 
HeiUgen der Indier siehe Naektrag I. 



" « 



-m. 363 -^ 



ten beziehen sich unstreitig auf den Nordwesten von Indioi. 
aur das Indische Fabelland, dos Jetzige Kaschemir. Oua 
kommen die Griechen, welche Alexanders des Grossen Zo^ 
folgten, Ptolemaetu Lagt, ^rittobutua, JVeorc&M (^Anderer vso 
zweidentigem Bwfe nicht zu gedenken, wie z. B. des Kl&ar- 
chm)^ aus deren verlorenen Schriften Arrianua seine sieben 
Bücher der Geschichte Alexanders und sein besondere-s Bark 
aber Indien zusammengesetzt hat, welche beide Werke "ek 
höchst schätzbare Nachrichten enthalten. 

Auch Diodorm (^lib. IIT. 62 sqq.}, der die Jetzt v 
nen Werke früherer Geschichtschreiber , wie Megatthenei vak 
Anderer, fleissig benutzt hat, leistet uns wichtige Dienste, 
80 wie Strabo IIb. XV. Es folgen Curtim, PUmua in seiner 
Historia naturalis, besonders im sechsten Buche; des 
etratiu im Leben des Apollonins , zum Theil aus Ktesias mJ 
Andern zusammengestellte ^Nachrichten, und eine Reüie ^ 
(erer, worunter wir nur den Coamaa Jndicoploutea , der ä 
sechsten Jahrhundert nach Christi Geburt lebte, auszeidlOHk 

Alle Nachrichten der genannten Schriftsteller bextdlBi 
sich aber, wie zum Theil schon "bemerkt worden, einzig nd 
allein auf den nordwestlichen Bezirk von Indien, der den Alten 
dürcJi die Züge des Ilarius IIys!asi)is. Alexander des Gront» 
und Seicucns, die von dieser Seite her eindrangen, beklaal 
geworden war; hfri^egcn von den Landern am Ganges nri 
von der östlichen Seite der diesseitigen Halbinsel, welcbe 
Länder uns gerade weit TPehr bekannt sind , als jene , sehe^ 
nen die Alten überhaupt wt^^'g oder gar keine Kenntniss » 
habt zu haben. Und hierin ^ag auch zum Theil der Grai 
liegen, warum man in neueren ^;?eiten so manche Nachricfalci' 
der Griechen und Homer, namcntf<(<^h eines Herodotns . Kteai^' 
Plinius und Anderer, für fabelhaffc »nsgfgeben hat; niewiAl 
es nicht zu leugnen ist, dass allerdings, vorzüglich bei KiesEUi 
neben vielem Wahren such viel Mythisches mit eingefloatti 
ist. welches jedoch nur von der recljten Seite verstanden naJ 
erkl&rt werden muss, um aacb so nutncheD Widersprudi «ri 



» 



I 



^»^ 363 -» 

uDgerechten Tadel za heben. Neuere Gelehrte, wie s. B. 
Heeren , haben dazu schon einen ruhmlichen Anfang gemacht, 
and die höchst merkwürdigen Nachrichten des Ktesias, der 
von 80 Vielen und zuletzt noch von Larcher au£s heftigste 
angegriffen worden , zu vertheidigen und in ein helleres Licht 
zu setzen gesucht *') 

1) S. Graf ▼• Veltheim Sammlung yon AaCi&tKen IL p. 171. 2G9. 272. 
T|^. Heeren Ideen u. 9. w. L 1. p. 961 ft besonders p. 306 der dritten 
Aug. -- 8. Attch Wahl Srdbeschrelk. yenOstbkU IL p. 456. 457, weldlev 
dtaM Uader, woranf floh die NaoMclitea des Herodolns md KteilaJi 
UtMemt geaaner bestimmt hat» VgL ebendaselbst p. 189. 



« 






364 



$. s. 

■ 

Ihre Grundlage ist ohne Zweifel guten Theils alt, and 
liegt zum Theil in einer Periode, die aber Aegyptens Hiero- 
kratie'und über die Civilisation des ältesten Grieehenlands 
hinaufreicht; Jedoch fär uns sind sie ganz neu, und so kann 
es, da wir noch nicht einmal diese Schriften vollstindig m 
Europaische Sprachen übersetzt, ja von den meisten blosse 
Auszuge oder nur kurze Notizen besitzen, nicht fehlen, dass 
sich sehr verschiedene Ansichten über jene Urkunden unter 
den Gelehrten gebUdet haben. Aber eben darum möchten wfir 
wohl jetzt noch nicht im Stande seyn , die Entwickelnngspe- 
rioden, so wie den Entwickelungsgang, den die Indische 
Literatur genommen hat, bestimmt anzugeben. Von diesen 
Satze liefert auch die grosse Verschiedenheit in der Art, wie 
zwei geistreiche Forscher neuerlich diese Perioden bestimmt 
haben, einen redenden Beweis. Man vergleiche Fr. Schild 
über die Weisheit der Indier p. 140 ff. und Görres in der 
Mythengeschichte p. 188 und in einer Recension in den Hei- 
delbb. Jahrbb. 1810. nr. 25. 

Darüber ist man jedoch einig, dass die FedSot*« oder die 
heiUgen Schriften der Hindus das Slteste Prodnct Indischea 
Geistes sind. '} lieber dieses ehrwürdige Werk einer grauen 
Vorzeit'} hat uns die besten Nachrichten gegeben der Eing- 
Under Coleirooie in dem achten Bande der Asiatic Resear- 

1) S. jetzt Nachtrag n. 

2) S. Nachtrag m. 

3) Die Sage setol sie 4900 Jalure vor Chritii GdNurt. 



-«. 865 -^ 

hes p. sn ff.,*} wo er andi «OeZweifel gegen die 
nd das hohe Alterthiim der Veda's giäcklich sa heben ver- 
adit hat Es sollen sich nimlidi die Veda's, nach ihrer 
rsten Offienbarong durch Brahma, suerst durch mfindlicfae 
'eberliefemng erhalten haben ^ bis Fga»a (^der Sammler*)') 
'\e sammelte und in Thefle oder Bächer ordnete. Bekanntlidh 
EDd es eigentlich drei Feda'e: Bäeeh, JaguUeh (Jagior} nnd 
^^man-Veda; der vierte, jitharwm, ist zwar später hinzoge- 
ommen, wird aber doch auch fBr kanonisch gehalten. Die 
rei ersten Yeda's enthalten feierliche Gebete, von welchen 
ie in Prosa verfassten Jaguhek, die in Versen RiUeh, und 
ie Emn Singen bestimmten Saman heissen. Der Athmvan 
esteht meistens ans Gebeten für Weihnngen, Versöhnmig der ' 
lötter und Yerwunschongen der Feinde, ist also vcm den 
brigen verschieden. Jeder Yeda besteht ans zwei Thdien, 
Wkto (Mantra's} ond Lehren (Brahmana's}. Ab^ bei der 
ita^pen Anordnung finden sich unter den letzteren manche 
gentliche Gebete. Die Gebete im Räseh Veda sind meistens 
obpreisungen (^rig heisst loben)^ und nach einem gewissen 
ysteme geordnet, so dass Hymnen Eines Verfassers, Anro- 
■gen Einer Gottheit, Gebete für ähnliche VorflUle, zusann 
eingestellt sind. Q Die Namen der Verfasser aber ftidet man 

1) Hiermit vergleiche man auch die Abhandlung: Ueber dieldteratnr 
r Hindus, von Boverdhan Kaul, im ersten Bande der Asiat. Untersuche 
sonders p. 265 ff., wo auch von den Veda's gehandelt wird. S. audi: 
mluna oder die Religion der Indier als Brahmaismns^ von F. Mqier, 
ilfmlg 1818 p. 99 ff. 

2) NAch BfiOer (a. a. 0. p. 111. Note 57) wurds ndt diesem VpMa 
erJSfamfnier nicht eine bestimmte Person beseiehnet, sondern eine ganze 
meke der Sanskrit --LUeraiwr, und nwar diejenige, in welcher die 
iligen Schriften des Wischnuismus gesammelt und abgeÜMst worden 
i4. Die Beweise dafür verspricht derselbe nächsten« sn geben. 

3> Binige solcher Hymnen ond Gebete ans den Veda's, wie s. B. 

den grossen Erhaltery an die S<mne, an das Fener n. s. w.^ Anden 

;h in Deutscher Uebersetsung^ wMk CeMroidce's wMUdier Ueberln- 



I 
t 



-«. 366 -^ 

in einem tnft den Veda's iiberliererten VerKeicImiss. I& diem 
wild ge%vtösermassen der Polytheismus in Monolheismiis m^ 
gelöst. Es werden nfimlicli die vielen Götternamco anf^ 
(and zwar lauter physische PotenBen) redaeirt. Ftwm' , L^ 
Sonne I and nach einigt! Stellen gehen diese wieder in «hm 
auf, die grotae -Svo/«'} ( Ml^anaima^. Sie heisst die fianw, 
weil diese Alles, was sich bewegt und fest ist, belebt Sif 
ist die physische Einheit in Allem. Es ist hier eine Art m 
Manotheismiis, freilich nicht so, wie ihn die s|>ecuiati\'0 Vtr- 
aunÜ vorstellt; allein es las»t sich doch nicht dabei vcrkenofiL 
das8 der Gott ein dem Ganamt einwohnender Gott ist, da» 
eine Seele in der Welt ist. Es ist offenbar eine (MiitheistiMke 
Ansicht; und Colebrookc bemerkt ganz neblig, daaa dia ab 
SndturtUgÜM nur Emen Gott anerkenne , ohne Jedoch tfti 
jSehöpfer vom Geschöpf gehörig zu unlerscheideii. 

Im Jagmr Veda, von welchem es zwei Reeensionen gM^ 
den wAirarsm und wainten, sind theüs Opfergthwt» cnthalla. 



» 



gong »US dein OrlgtD&l, bei Frtinx Bopp über das Conj«) 
der SnnsWritspracfcB, herauKeceeben vod WindisehmitHH , FrankruH «.Ä 
1M16. p, 273 ff. hls BDI £nde, und bei lUajer In der oben angeftikrtM 
»ohrirt p. IVIH ff. 

I) S. Majer B. a. 0. p. tl4 ff. Hier wird ein Blick auCAugjpitMlt 
Tbenlogumeae nicht unnütE sej-n: Horaiscus beim Daniascius wfl iffi 
(In I. Chr. Wolf. AnccdoU. Grr. III. p. 261> sagt, die Sonnu lej- mM 
der Int elliRiblo Verstand (rn» flAio» tlro/^igoH'BfTDv J^neuiof roünöv*«^}. 
Das heiiiat: von einem Standpunkte ward die Sonne im pliysiscben, MI 
der Geist im Intellcclu eilen Gebiete Ist. — Aber die logische Tiiiiill 
beider Gebiete ließt diesseits der Entstehung jener alten NaturreligtoMB 
Sine andere Trennung des ursprnnglich Einen kannten die OriMUilM 
woM . nämlich naob Pntenr.eD als Personen nn^schaut. So t uit M 
man wohl am rlchtig.iten die Worte des Damascius selbst, wenn er Kl 
fortfAhrt: Imier ii xal fxtiro nigi TÜr Atyimxlar, S%t iiatQmnol ilat nnUtigi 
«üv lOTB Iniaiv Üt>9TW1^*> 'itl «a! i« roTfior J4>;^xa«> dt nolX£r #l5r 
Utöniis;. So haben alsra auih dt.: lodier das rral und inttUectuta D« 
in mehrere göttliche Pcr.inniflcationcit r.ciiegt. Zur Elobett crfaitb« akfe 
atar uck wmut \taMt bot Ue GtblUMnt 



J 



^^ 367 ^^ 

priMtentiieilf yn «^Uich gOttUdica Urhebenk — 
ichenopTer kMUMn in den Yedn's nkiit vor, aber doeh dn 
idl^ger Oebranch 9 woHensebcn sdieinbar g«ffert werden. •-• 
Fom Samam Feda hatte Colebrooke noch keine valtatindige 
kbachrift and Erkliron^^ das YerzeiehniflB bei diesen Yeda 
aUhilt Uoa die Namen der Yerlkaser. Im Aümtvmm finden 
rieh einige Upmmkekadt9 oder «ieolo^iMbe AwfwSiM^ die nicht 
HB Yeda gdiören, weil sie Yoralellongen enthalten, die den 
Feda'a fremd sind, z. B. Rama und Criadma als firseheinnn» 
pen des Yischnn. 

Es sind aber die Yeda's geschrieben in der SrnrnkHUfmOm 
mii swar im Dewa-nagmri Dialekt, welche Sprache mit Recht 
eine wahriiaft lebendige genannt werden kann. Wenn man 
iimlieh atomistische und organische Sprachen abtheiien kann, 
L h. solche, wo das Wurzel wort todt ist, rnid die Yerinde» 
im^gen iasserlicfa hinxngethan werden dnrch Affixa, Sofixa 
■» n. w*9 and solche, deren Wurxel ans sich selbst schalt 
mA aDe Beugongsfille ans sich selbst erxeugt, so möchte 
keine mit solchem Rechte eine organische genannt werden 
kinnen^ keine so lebend^ seyn, als die Sanskritsprache.') 

1) Veber die SaoBkriUpimche t. die Abkandlmges ia d«B Aslaftle 
nsMWChM Vol. VIL ar. 7. p. 199—231: On tke SuMcrtt and PrdcrM 
IÄas«sset hy H. T. Colebrooke, Vol. X. & p. 309—474: 0« SMiacrift 
mk PrdcrU Poetry by H. T. Colebrooke Stq. y Bebet Adehmg '• Mllhrid»- 
IM od Fr. ßcklegei über die Spracbe imd Weiabell der lädier, Heldel- 
bws Ifi^y ^'^ ganse ertie Bncbi ferner A*. Bopp über das Co^jacs^- 
SaMijHf der SaaikriUpraehe , benuwcegebea tob WiMdUehtmmm, 
itaskairt a. aL 1816 uad die saI«oMloB 1806 erscUeaeaeSaBakrit-Graai- 
Httik Toa H'ttfrtN«. Daiait Terbiade auui: Aa es»Mj oa tbe priaciplee of 
tts SanecrK Grawaar. Part. L bj IT. P. FiMrHer, Calcatta 1810. (S. Hei« 
dsikh. Jabibb. 1818 5iee HO. ar. 30. 31.) Aacb Ueam la dea Ideea a. 
i, w. L 2. ^ 386 C ▼orsücUcb p. 394 C der dritteaAai. hat sieb über die 
■an^iiMMiiiib« TerbrcICet. VgL eadUch Mtek Anleimac aar KenatalM 
lor Wcttfesob. 1. p. 227 der aeaea Aiug. — Wenn Soblegel a. a. O. p. 
B dto flaadurttepracbe als dU ilteete oder Urtpracbe darum aaerkeurt» 
vefl Sie ohae aUe oaonatopoettaohe Wdrter «e>y a# ba4 aick daaia«a 



^m. 366 ^^ 

ia dnen mit den Veda's fiberlicferteB Venddiiite. In dUesoi 
wird gewissermassen der Pidythetemis in Mimothefanim airf- 
gelöst Es werden nimlieh die viden Gottenuunen auf drei 
^imd xwnr läater physische PotenEen) reducirt^ ferner, L^ft, 
ßofm^; und nach einigen Stellen gehen diese wieder in «Am 
nnf, die groiw Stv/e*} {^Mahanatma}. Sie heisst die Somu, 
weil diese Alles, was sieh bewegt nnd fest ist, belebt 1^ 
ist die physische Einheit in Allem. Es ist hier eine Art ¥on 
Ifonotheismiis, fireilich nicht so, wie ihn die speenlative Ver- 
nanft vorstellt ; allein es lässt sieh doch nicht dabei verkennen, 
dass der Gott ein dem fionxm einwohnender Gott ist, dass 
eine Seele in der Welt ist Eis ist offenbar eine pantheistisebe 
Ansicht; und Colebrooke bemerkt ganz richtig, dam die att« 
Hindmreligiom nur Binen GoU amerkmme, ohne Jedodi den 
Sdiöpfer vom Geschöpf gehörig zu unterscheiden. 

Im Jaguar Feda , von welchem es zwei Recensionen giebi^ 
den «eteonm und wHsien, sind theils Opfergebate enthalten, 



gang ans dem Original, bei Franz Bopp über das ConJogatloiissTttea 
der Sanskritopraebe, herauHpegeben toi Wü%di9ehmmmH, FraakltarC a.IL 
1816. p. 273 C bis aas Ende, und bei M^iar in der obea angeffibitea 
Sohrifl p. 1^ ft 

1) S. M^er a. a. 0. p. 114 C Hier wird ein Blick auf Aegyptische 
Tbeologumene nicbt unnütz seyn: Heraiscus beim Damascius mtgl u^jfif 
(in I. Cbr. Wolf. Anecdott. Grr. m. p. 261) sagt, die Sonne sey selbst 
der intelligible Verstand (vor fAioy <7m/9i}aHravvov^jiovTov«w!fyTorwH|T09). 
Bas heisst: von einem Standpunkte ward die Sonne im physiseben, wai 
der Geist im intenectuellen Gebiete ist. ^— Aber die logische Trennung 
beider Gebiete liegt diesseits der Entstehung jener alten Natnrreligionea. 
Btne andere Trennung des ursprunglich Blnen kannten die Orlentalet 
wohl, nftmlich nadi Potensen als Personen angeschaut So Terstrtl 
■um wohl am richtigsten die Worte des Damascius selbst, wenn er anl 
IbrtfIhTt: latiov A xctl U&wo nt^ %U9 Afyvmimpg fr» dkoi^ctuto/cfa« noUagtS 
%m9 ntnä hm9t9 wpamnmw, intt »at to wmft^ itii^wmv de nolXm9 atSi 
ilioninic. S« haben also auch die Indler das reai nnd MgUteiaHi Eiae 
tn mtfirere gottliche Persealieatkmen serifigt Bnr Bbihfltt erhaben elah 

aaei wier ihMn nur die Gebildelei. 



^m. 3S7 ^m. 

grtMtentheili v«n «^Uich gOttUdica Urhebenk — 
■ehenopTer Icmumii in den Yedn's niciit vor, aber dock dn 
heiliger Oebranch 9 woMeneebcn sdieinbar geoffert werden. •-• 
Yom Samam Feda huite Colebrooke noch keine veltatindige 
Abnehrift nnd Erklimng^ das Verzeiehnin bei diesen Yeda 
«Blbilt Uoe die Namen der Yerlhsser. Im jätkarmm finden 
«eh einige Upmmekad§ oder theol6gi$eh9 A^tfmäMe, die nicht 
am Yeda gdiören, weil sie Yoraatellongen enthalten, die den 
Teda's firemd sind, k. B. Jlama und Crtochna als firseheinni» 
gta des Yischnn. 

Es sind aber die Yeda's geschrieben in der Sä Ma k riU p r mek9 
«■d swar im Dewa-migmri Dialekt, welche Sprache mit Recht 
eine wahrhaft lebendige genannt werden kann. Wenn man 
■iwiirh atomistische und organische Sprachen abtheflen kann, 
d. h. solche, wo das Wurzel wort todt ist, rnid die Yerinde- 
m^gea iasserlich hinzngethan werden durch Affixa, Snfixa 
•» n. w*9 und solche, deren Wnnel ans sieh selbst schalt 
md alle BeugungsOlle aus sich selbst erzeugt, so möchte 
keine mit solchem Rechte eine organische genannt werden 
kinnen^ keine so lebendig seyn, als die Sanskritsprache.') 



1) Ueber dl« SuiBkriUpimcke t. die AbkudluigeB is d«B Aslatle 

■•f ffifii V«L VIL sr. 7. p. 199—231: On tke Suucrtt and PrAertI 

lassssset by H. T. Colebrooke, Vol. X. & p. 309—474: Oa SMiacrift 

mk Pricric Pootry by H. T. Colebrooke Stq. , sebot Adelaiif ^a Mltkrld»» 

'lai od Fr, ßcUegti über die Spracke uBd Weiakeil der lädier , Heidel- 

bws ilBOdj daa ganae ersie Back| ferner Fr. Boitp über daa Co^jacsp- 

UssaijilgM der SaaakrlUpracke , kenwas^gebeB tob WiMdUehntmmm, 

itaskairt a. dL 1816 uad die aa LoBdoB 1806 erackleBeaeSaBakrit-Graai- 

«ntffr Toa H'tlArtN«. Daslt Terblade auui: Aa esn^^ ob tbe princlplea of 

tts SssacrK Gnuaiaar. Pari. L bj IT. P. FiMrHer, CalcaUa ISlO. (S. Hei« 

dilfth. Jabibb. ISld 5iea HO. nr. 30. 31.) Aack Ueam la dea Ideea ■• 

au w. L 2. p. 386 C TorsüfUcb p. 394 C der drittea Aal. kalaick über die 

aandkrüapraebe Terbreltel. VgL eadlick Beck Anlelttiac aar Kenalalaa 

aar Wcttfeaeb. 1. p. 227 der aeaea Auag. — Wenn Soklesel a. a. O. p. 

O dto flaaikriiapracbe als dU ilteate oder Urtpracbe danua aaerkeaat» 

wen ake ekae aUe oaoHuitopoetUobe Wdrier «ey, a# ka4 aick dBd;«iiea 



-^ 368 -^ 

Man si^t in ihr die ganze hohe Civilisation des alten Indien», 
einen Spiritualismus des Denkens, einen Tiefirinn, gepBBit arit 
dan scüiehtesten , klarsten und ohne UeberfBllung Uahenden 
Ausdmeke. 

Noch bleibt uns eine Hauptfrage zu beantworten übrige 
die Frage nach der von Neueren bezweifelten Aeektkeä dieser 
Veda's und ihrem hoken AUer. Dürfen wir uns auf die Unter- 
suchungen von Colebrooke berufen, welcher in der genannten 
Abhandlung Grunde anfilhrt, die die unveriilschte Ueberliefi^ 
rung der Yeda's in ihrer ursprünglichen Gestalt verbürgen, 
so wird über das hohe Alter eines grossen Theils dieser Ur- 
kunden kein Zweifel stattfinden. Wahr ist es, die Yeda's 
and zuerst mündlich überliefert, aber ausserordentlich frühe 
niedergeschrieben worden. Frühe hat man sie in heiliger 
Schrift in einen Kanon gebracht, und in anderer Schrift aus- 
gelegt; und mit dem Verfall der Religion haben die Branrinen 
dieselben Vorkehrungen getroffen, wie bei unserem bibluMAen 
Kanon geschehen. Schon die abergläubische Art, die zwei 



C, Sprengel (Institationes physlolo^cae, Amstelod. 1809. 8* 235. p. 513 
sqq.) erklärt, indem er eben in der Onomatopoesie ein Zeichen der ersten 
oder Ursprache lliidei. Dass aber die alte Sanskritsprache eine Menge 
solcher onomatopoetischen Wörter enthalte , hat derselbe ebenftinsBimel- « 
gen gesucht, und unter andern an das Sanskritische Atma, das^nit dos . 
Griechischen axfioq und mit dem Deutschen Athem übereinkommt, m^ 
krsckra, welches dem Deutschen kreischen entspricht, an Wmku, unser 
Wehen ^ Widara, Weiter und dergl.mehr, erinnert. K. Ritter Erdkunde, " 
Asien. Band m. S. 1160: — „Dagegen stimmt v.Bohlens Bemerkung, der ; 
das Pali dem Ionischen Dialekt des Sanskrit TCrgleicht. — Hör. liVilsoft e 
findet es zugleich irrig, die Sprache Pali zu nennen, wefl dies nur dÄr 'm 
Name der Schrift sey, in der sie geschrieben werde; dagegen tey Vm^ ij 
gadhi, oder Prakrit der Name der Sprache, den Ausdrucken Noffmfi « 
ifÜT Schriff) und Sanskrit C^r Sprache") entsprechend. Das PaU erknM p 
so erst im Gegensatz des Nagari Bedeutung; es sey die Schrift der VaH^^ 
oder Dorfer; dagegen Nagari die Schrift der Städter, von Nagnr (ütf !fi 
Stadt) war; Prakrit einen sermo msticus, nnd Sanskrit eine Mnef^-^ 
Spnudie bezeichnen. << Sj, 



-*- 369 -*- 

4 

•ratea Veda's sa lesen, viMrwirts und rfiekwirts, ist ein Hittel, 
den Text nnvertndert zn eriialten, zmnal da man besondere 
Aksdiriften far diesen Zweck macht Hierzu kommen die In- 
haltsanze^en am Ende jedes Yeda's, worin der Gegenstand 
md die Län^ des Abschnittes angegeben wird, so wie die 
CoBunentare^^die jedes Wort erläutern. Es ist ^er eine all- 
gopeine Bleinung in Indien , dass kein Buch vor Aendemngen 
aieher ist, bis es commentirt worden. Viele Commentare der 
Teda's sind sehr alt, und ihre Aechtheit wird wieder durdi 
viele Noten gesichert. Auch das Nimeta, ein alter weitläuft- 
gtx Commentar über veraltete Ausdrücke und dunkele Stellen 
der Yeda's, sichert den Text Was darin ^ dtirt ist, stimmt 
mit dem heutigen Texte uberein. Auch stimmen mit dem heu- 
ügBik Texte uberein die viden philosophischen Schriften, die 
Gesetse, die moralischen Schriften, die Aphorismeii, worin 
hinfig Airfuhrungen aus dm Veda's vorkommen. Daher ist 
GolelHrooke überzeugt, dass kein Betrug im Stande gewesen 
wire, diese heiligen Schriften, die in allen Theilen von Hin- 
dastan und Dekan zerstreut sind , zu verfälschen , ob er gleich 
m deok Atharvan Yeda einige später eingerückte ^^bschnitte 
sdbsl zugiebt*} — Da wir nun die Yeda's selbst, in Eu- 
ropiisdie Sprachen übersetzt, noch nicht besitzen, einzelne 
AMOEfige ausgenommen, so ist das von AnquetU du Perron 
Icfaosgegebene Werk, die Vpnekhata (Strasburg 18M. in 
zwei Qnartbänden}, ausvPersischer Sprache in einer Lateini- 

^^ g . 

• 

1) Ueber das Alter und die Aechtheit der Yeda^s vergleiche man 
Bteret^9 Ideen u. s. w. L 2. vorzoglich p. 426 ff. der dritten Anfl. 
den Ailuurvan Yeda inabesondere betrifft j so beliaaptet Mqfer, welcher 
Ibittt^nrc der drei ersten Yeda's in die Zeit des Brahnuüsmas setet^ 
4mrMMe ofenbar im Siwaiimua abgefmsst worden, und also ap&- 
Uraprnngs« Siehe dessen Schrift: Die Religion derlndier als Brah- 
p. 14. vgl. p. 104. Schon frilier hatte PoUer (Mythologie. des 
Tarn. L Indrodnct. p. lOl. 102). mit treffenden Granden gezeigt^ 
eß aur drei orspcunglicho Yeda's gegeben luibe, und dieser ^erte 
i|itor sey. 
Cremxer's deutsche jächriften. I. 3. 84 




sehen Uebersetznng , für uns desto wichtigen Es ist Binliefa 
dieses Werk eine offenbare Uebersetzung der Veda's, wiewohl, 
wegen der nogeheueren Masse derselben, nur im AnsEqge. 
wahrscheinlich auf Befehl eines Persischen Königs veranstal- 
tet. 

An die Veda's schliessen sich unmittelbar die Pwrtma% 
welche die Theogonie und Kosmogonie der Indi^ enthalten.*) 
Auch sie werden dem Vyasa beigelegt, und ihre Entstehung 
in das sechszehnte Jahrhundert vor Christo zurück* verlegt. 
Man zählt ihrer achtzehn, und nennt sie daher auch oft blos 
die Ackt%€hfi Jeder Purana hat seinen besonderen diarakte- 
ristischen Titel ^ z. B. der erste Brahma, der zweite Peima 
(der Lotus}, der dritte Brahmmida (das Welteijf", der vierte 
Agfd (das Feuer}, der fünfte Wüchnu u. & w. Der acht- 
zehnte heisst Bhagawata, und enthält das Leben Krtfchna's; 
s. Asiatt Abhaudll. L Band p. 882 der Deutschen Ausg. Die ; 
mythologische Geschichte Itihasa und Purana wird auch ds i 
Ergänzung der Veda's betrachtet, und für den i&nften Veda : 
gezählt; s. Colebrooke in den Asiat Research« Tom. VIDL i 
Jeder Purana aber handelt von folgenden fünf Stucken : 1} vcn j 



1) lieber die Wichtigkeit und den Werth dieses Werkes , so wie i 
über die Uebersetzung und Bearbeitung desselben durch Anquetfl da 



ron, welche zum Thell gegen Heeren vertheidigt wird, der dieselbe fir^ 
ganz unverständlich ausgegeben hatte, finden sieb in der oben angefili^-^ 
ten Schrill von Major p. 7 C besonders p. 10 gute Notizen. Gorret hsl^B 
in seiner Mythengeschichte auf eine sehr geistreiche Weise vorBoglUfc^l 
auch vom Upnekhata Gebrauch gemacht S. Nachtrag IV. ^ 

2) Auszüge ays den Original -Purana^s enthfilt das Werk: ReaeaichH» 
Into ihe nature and aflinity of ancient and Bind mythologie. By mM^^ 
Kennedy, London 1831 , und ist insofeni unentbehrtich, enaangett aber üa«. j 
umfiMMienden Kunde der Religionen der alten Völker, enthilt aaek 
^seltsame Meinungen, wie z. B. dass die heiligen Bücher der Rteda« 
iaa Beliglonssystem aus Babylonien herzuleiten sejen (t. Henrn 
in ^en Gdtting. gel. Anz. 1831. Nr. 177. vgl. aach Jahrbäoher l&r wiH^ 
•ensdiaftl. Kritik Berlin 1832. S. 199 ff.). 



ir Schöpfung des Universunis , von seinem Fortsehreiteii 
id der Erneuerung der Welten; 2} von der Zeugung der 
Uter and Heroen ; 8} von der Chronologie nach einem mythi- 
hen System; 4} die Geschichte, Thaten und Begebenheiten 
)r Halbgötter und Heroen; 5} von der Kosmogonie, woran 
ttm mythische und heroische Geschichte sich anschliesst. ^3 
ao kann demnach die Purana's mit den Kosmogonien der 
riechen vergleichen; s. Asiat Research. Tom. VU. p. 2ML 

Hierin berühren sich also das alte Indien und Griechen- 
ud. Allein in Griechenland ward dieses exoterische System 
T Poeten (die Theogonien und Göttergeschichten, wie auch 
e Heldenaristien} unter dem gesammten Volke vorherrschend, 
id durchaus bestimmend in der Kunst und im Gottesdienste. 

Indien dagegen bh'eb , neben dieser genealogüchen Betrach- 
Qg des Universums, die ideale, die sich philosophisch VjOn 
fB Wesen der Dinge Bechenschaft giebt, herrschend^ und 
^h die Bildnerei blieb durchaus bedeutsam und mystisch. 

Griechenland erhielt sich die philosophische Betrachtung 
$ Universums und die mystische Beschauung our in den 
^ulen einiger Denker, z. B. eines Pythagoras, in den 
^hriften eines Heraklitus und in den Orphischen und Eleusi- 
ichen Mysterien. 

Nun folgen drittens die grossen episch -historischen Gedichte, 
tmagan und Mahabhärata. Der Bamayan, welcher dem Vai- 
U beigelegt wird , besingt die Thaten des Sama , des Indi- 
ken Hercules, und ist daher völlig spu vergleichen mit den 
E^akleen des alten Griechenlands, wiewohl der Indische 
erenles in seinem Charakter eben so sehr vom Griechischen 



1) 8. Langles Catalogue des Manuscrit« Sanscrits de la BUilioÜie^e 
pcvlale 1807. p. 13. Damit verbinde miin, wasMiger (Brahma oder die 
Üglon der Indier p. 129 ff.) über die Parana^s bemerkt hat. Catalogut 
Mnui Sanscritanorum, quos bibliotheoae unlversitatls Havniensis vel 
itt vel paravit Nathanael Wamch. Scrlpsit JE^/i^iiiirtf Nyerup. Haftüae 

W. 

*4* 



^^ 372 '^ 

nntcrsdiieden ist^ als überhaupt Indische und 
Menschheit sich unterscheiden.^} 

Das andere (grosse episch -historische Gedicht, Mak 
rata (Mohabharoi, der groue Bkarata), welches dem Y 
beigelegt wird, und aus achtzehn Gesängen besteht, en 
die Kriege zwischen den Mondskindern , ZAvischen den H< 
vom Stamme Pandu und Kuru. Hierin ist die berühmte g\ 
Episode Bhagavatgeia (Bhogavütgüa) , d. i. das Lied vom 
gavan, einem Beinamen des Krischna, welcher hier ii 
unter diesem Namen auftritt, und sich in dieser Episode 
einem philosophisch - theologischen Gespräche, über die c 
Einheit Gottes und die Nichtigkeit aller andern Erscheinu 
erkl&rt^ 

Diese grossen epischen Erzeugnisse fallen, angeblicb 
vor das Jahr 1200 vor Chr. Geb., vor die Zeit des Tro 
sehen Kriegs; mit dem Jahre 1200 aber kommt die Pe 
der Gesetzbucher, die bei den Griechen doch erst eigei 
um das Jahr fiSO vor Chr. Geb. anfing. Denn in jene 
ist wohl die Abfassung der Gesetze zu legen, die in c 



1) lieber dieses Gedicht, das wir glücklicherweise jetzt in dei 
glnalsprache und in einer Englischen Uebersetzung besitzen , vgl. Li 
im Catalogue des mscrr. de la BibL iipper. Paris 1807. p. 13 sqq. £ 
In den Heidelbb. Jahrbb. 1810. nr. 25. p. 251 und WUken ebenda 
1814. nr. 24-— 26^ der auch Auszüge aus dem eben erwähnten Engli 
Originalwerke: The Ramayana of Volmeeki in the original ft^«j 
with a prose trauBlation and ezplanatory notes by William Car^ 
Josna Blarsham^ Senunpore 1806. Vol. L gegeben hat. Proben tau 
Bamayan in Deutscher Uebersetzung haben Fr, Schlegel (über die 1 
heit der Indler p. 231 C) undFranxBopp (über das Coiuugationssj 
der eaadcrittprache p. 159 ff. p. 235) und zwiur Letzterer die EpI 
wdfihe Wlswamitift^s Bnssungen enthSU , geliefert. Vgl. jetzt Gull 
NoCw et BcL f. 612— 616 , wo auch die Arbeiten des Herrn v.Ches: 
' A;^; T. flflUegfll'a iber den Rnaayana nachtrfiglich bemerkt sind, 
f. 08 iqq. Jäie ^pUode Ton Wliwaaltni nltgetheUt Ut. 



-^ 373 -»K 

gr ofl BC n Codex gesammelt sind, unter dem Titel: M&ntna 
Dharma SMra, d. i. OesetMiueh des Menü oder üfofitf.') 

Hier1»ei aber blieb der Indische Geist nicht stehen ; er hat 
rieh vielmehr mit Allem beschäftigt, worauf der Europäisch«! 
stols sejrn mag. Denn an die Gesetzgeber reihen sich nun 
die Phäoeophen an, von deren Bestrebungen schon dies einen 
hniUEnglichen Beweis liefern kann, dass es fast keine Ent- 
wickehing des speculativen Geistes giebt, die Indien nicht 
yensocht hätte, Dogmatismus, Scepticismus, ja einen vollkom- 
menen Nihilismus u. s. w. — Man zählt sechs philosophische 
Systeme, die sich je zwei und zwei von einander sondern, 
iWei der iVyqfei'«, welche Jones mit der Peripatetischen und 
Icmisehen Schule, zwei der Mimanatfe, die ebenderselbe mit 
der Platonfechen , und zwei der Sanehya^s, die er mit der 
und Stoischen Schule vergleicht Q 



t} Menü ist ein heiliger Name; und es werden Mehrere desselben 

erwAhnt. Es ist eine ganze Succession von doctrinellcn Intelli- 

iy "welche diesen Namen trägt, und an die Spitze der Gesetze ge- 

ildtt wird. Eben so steUt auch Aegypten an den Anfang aller mensch- 

OeaeCze einen Menes, und eben so Crriechenland seinen Minoe, 

MlMlneA aldi nftmlich bald nach den letzten grossen Erdrevoiutionen 

ro fj jfc flr j^ wmamnwgim In Indien die Saamenkomer menschlicher Bildung 

CaUnr gerettet und ausgebildet, und von da im Verlauf der Zelt 

iUB» nach Aegypten, theils über Aegypten nach Kreta und anderwärts 

,j1| fc rtre ltet zu haben, wo sie auch immer einige alte heilige Namen 

;ilfePAMIIen. — Ueber den mythologischen Gehalt der Gesetze des Manu 

das .Verhältniss dieser Sammlung zu den Veda^s und zu den 

0. Eng. Bomouf unten im Nachtrag II. 

2> B. die Asiatt. AbhandU. Bd. I. p. 270. 283 ff. der Deutsch. Ausg. 

Tergleiche man hierüber die weiteren Nachrichten und Unter- 

TOB lAügles im Catalogue etc. p. 78. 82 sqq. und 87 sqq., 

In der Blythengeschichte p. 188 ff., von Schlegel über die 

der Indier p. 89 ffl und Heeren Ideen u. s. w. I. 2. p. 444 ff. 

Aal.; beaonders auch M^Jer, die Religion der Indier als Brah- 

y. 109 it, der die Grundsätze einer jeden Schule zwar kurz, 

gBt eatwlckeU hat. 



-*K 376 "^ 

Jedoch blieb die Sammlung nicht in ihrer ursprän^icfaen An. 
sondern man sonderte einzelne Theile davon ab, nnd gab ne 
besonders heraus. Hierunter zeichnet sich aus Kaläa and 
Bimna (Keläe-Dimne; denn eigentlich sollte es heissen ta 
Sanskrit Karattaia-Damnaka) , eine Episode der HitopadeMl 
Diese ward ins Persische übersetzt, und daraas ins Griec^ 
sehe. Q 



1) Von dieser letKtcrnUebersetKiing, wovon Ich selbst etn 
besitze, fiuden aicli in der Blbllotbek der ünivorsitüt itu Lej-dca i 
uDd da Haadsciirirten, die wühl einer gonauerea Vorglelcbuii( 
wären. Die UebersctEung führt den Titel: Specimrn Sapirntiue 
ex cod. mscr. Bntstenlnno, edidil Starkf Berlin 16»7. 8.s «Ue Fnwrt- 
sische: Fable» et conles Indiens ftvcc un discours sur les Itinduiu (W 
Langtet, Paris 1700. m. in neueren Zelten wurde es nieder nnmlUcItw 
AUS dem Indieclien Origlnat ins Englische übersct/.t von Wilklni ; the HJttf*- 
detofVifknu-Sartna, Bath 1787. Ausserdem, wss über dieses 8ucb*dMi 
Trüber von »'ubriolus in Bihl. Gr. Vol. VI. p. 460 der alten Ause-, **■ 
Herbelut in der Hibllutbeque ortentaie usd von Assemanni In der BlUM- 
Iheca orlenlBlIs T. III. port. 1. p. 231 bemerkt worotn, vorglelobe M 
nun die lesenswerthen Nncbrtchten bei Poller I^ftholog, d. Indooa Um J 
ducllon p. 1.(4 sqq. Tnm. I, tkI. mit dem Zendavesta Tom. I. p, 537, 
Ineleicben folgende .Schrift: l'ebcr Inhalt und Vortrag, Enlstehung nl 
Schicksale des ktJulclicbcn Buches, eines Werkes von der Reeier«i(^ 
kunst, als Ankünäigung einer Uebersetr.uDg nebat Probe aus den Tit^ 
kiacb - Persisch- Arabischen des Waasl All Dscheleb) von Beiitr. v. ITMl, 
Berlin 1813. 214 S. gr. H. Vorr.iiglich müsaen wir unsere Leser atf Al 
(Tntersuchungcn nufmorkEam machen, die neuerlich ein grosser K^bv 
der morgcnländ Ischen LKerntur über die Geschichte dieser SaiualU|M 
angestellt bat, Siteritre deSnCy in den Notices etEilralts desnutBOMMl 
de la BIbliolh. imperiale Tom. DE. (Paris 1813) part. I. nr. 7, we « 
unter andern Nachricht gicht von einer Ebräischm Vebertetx.uMf dcM^ 
ben Buches, die sich uuter den HandschriFten der Pariser Bibliothek Mcfc 
Vergleichu Leips, Litt Zeit. 1814. Sept. nr. 221. p. 17G(> tud PiTllf 
gel, Anx. tSlf). nr. 208. p. 2005 sqq. In dem eehnten TheUe, dam 
Paris ]8in in r.wcl Ahthellungon cr.schleu, sind diese UnteraackngM 
fortgosetit. Vorgeblich Indisclien Ursprungs wäre auch die »ctbst li 
Deutscher Sprache unter dem Namen: Dt« xieben u-eisen Meitter bekanU 
SehrUI, welche von Einigeu einem Poraer Honn (J(fovff«c, aMk SUvwn 



I 



J 



-^ 175 -^ 

Wimgt ml der streDgea Schtüng der Siinde od« Caeteo; 
wie es iberkupt eioe. hiiie AwMldiiii|^ der geeeUsehaftli- 

CUlor indieM Territh. 
Eiidlieh war es aueh ladieB, wa man wahrseheihlleh au- 
die ewigen Cleselse der SMailekre md des Rechtes 
henrorlaekle aus dem Wesen and VerliHtniss der 
niere und Pflanzen und aus der umgebenden Natur. • Wir 
Ijprechen von der ungezweifelt uralten Naimfabel oder vom 
(oJvo^y Seine Geschiehte ist dort an die Namen des 
'Smrma, eines ftraminen in alter Indischer Vorzeit, 
des Päpm, der gegen IM vor Chr. Geb. gelebt haben 
j gekndpft. Unstreitig hatte schon das älteste Indien sei- 
Apolog, worin durch die Sprache der Thiere, besonders 
Schakals C^cJe^]))') durch die der Pflanzen. Baume u. s. 
m^j ethische und politische Wahrheiten eindringlich und an- 
friisulii li gemacht wurden. Es entstanden davon frähe Sanun- 
; aber, wie in der Aesopischen Fabelsammlung , ward 
h jenen fortdauenwl «l«s nach und nach ErAindene, der 
ere Zuwachs, beigemischt, und einzelne Theile auch wie- 
als für sich bestehende Bucher bekannt gemacht und 
dbrlgepflanzt Nach der Indischen Sage war Witeknu-Sorma 
IMnder in dieser Gattang und Verfasser einer uralten Samm- 
von Apologen, betitelt Hüopadem, d. L nmiUehn Wart, 
flieh erhalten, bis ungefihr IM vor Chr. Geb. POpa^ folgte, 
eine neue Sammlung veranstaltete. Von dieser Sammlung 
wnnden frühe un sechsten Jahrhundert, auf Befehl eines Per- 
IpbdMn' Königs, ans der Ursprache (nämlich der Sanskrit} 
Jbttenelznngen ins PeUvi fibr den Persischen Hof gemacht, 
isalflhc bald groflsea Ansdien erlangten, und daher ins Ara- 
nnd Tfirkisdie und so fint in mehr als zwanz^^ ver- 
sprachen, wie Jones versichert,'} übersetzt wurden. 



,1 ". 



i) wir ffilirM sl« Betoptel 4ie F^bel tobi Schaluü m, die ticli bei 
aUr* ^W^' SafMil. In^MV» p. 414 SM. tM«^ 

•i> a. AüMI. AMmAI. n. I. p. 21 OevlMrh. Aues- 



-^ 376 '^ 

I 

Jedoch Uieb die Sammlimg nicht in ihrer nrsprdnglidien Alt) 
sondern man sonderte einasdne Thefle davon ab, nnd gab sie 
besonders herans. Hierunter zeichnet sidi ans KaUa xbdA 
Dinma (Kelüe-Dimne; denn e^entlich sollte es heüssea in 
Sanskrit Karattäka-Danmaka) , eine Episode der Hitqpadega. 
Diese ward ins Persische übersetzt, nnd daraus ins GriediH 
sehe, f) 



1) Von dieser letztem Uebersetzmig , woTon ich selbst ein! 
besitze, flnden sich in der Bibliothek der Universit&t zu Iieyden nnd Ue 
und da Handschriften, die wohl einer genaueren Vergleldiiuig wertt 
wären. Die Uebersetzung führt den Titel: Specknen Sapieniime Indontm 
ex cod. mscr. Holsteniano, edidit Stark, Berlin 1697. 8.; die Fnund- 
Bische: Fahles et contes Indiens avec nn discours snr les Hindovs par 
hanglesy Paris 1790. 12. In neueren Zeiten wnrde es wieder unmittelbar 
aus dem Indischen Original ins Englische übersetzt von WÜMm: ike Wtopm' 
des of Vishnu - Sartna, Bath 1787. Ausser dem , was über dieses Bueh sciMl 
früher von Fabricius in BibL Gr. Vol. VI. p. 460 der alten Ausg., van 
Berbelot in der Bibliotheque Orientale w^a von Assemanni in der BiWo» 
theca Orientalis T. m. part. 1. p. 221 bemerlct worucn, vergleiche man 
nun die lesenswerthen Nachrichten bei Polier Mytholog. d. Indoos Intro- 
duction p. 134 sqq. Tom. I. vgl. mit dem Zendavesta Tom. I. p. 537| 
ingleichen folgende Schrift: Ueber Inhalt nnd Vortrag, Entstehmig 
Schicksale des königlichen Buches, eines Werkes von der 
kunst, als Ankündigung einer Uebersetzung nebst Probe, ans de» Tür- 
kisch -Persisch -Arabischen des Waasi Ali Dschelebi von fletfir. «. JOkbi, 
Berlin 1812. 214 S. gr. 8. Vorzüglich müssen wir unsere Leser auf dli 
Untersuchungen aufmerksam machen, die neuerlich ein grosser KeuMr 
der morgenländischen Literatur über die Geschichte dieser Sammlungen 
angestellt hat, Silrestre deSacy in denNotices etExtraits des mainisalli 
de la Biblloth. imperiale Tom. IX. (Paris 1813) part. L nr. Ij 'wo er 
unter andern Nachricht giebt von einer EbräUcken Uebemi%9mg deatel- 
ben Buches, die sich unter den Handschriften der Pariser BibUoChek iadrtf 
Vergleiche Leipz. Litt Zeit. 1814. Sept. nr. 221. p. 1766 nd Wma§. 
gel. Anz. 1815. nr. 208. p. 2065 sqq. In dem zehnten TheUe, der am 
Paris 1818 in zwei AbtheUungen erschien, sind diese Untenmciiimgcn 
fortgesetzt. Vorgeblich Indischen Ursprungs w&re anch die selbst tai 
Deutscher Sprache unter dem Namen: Die sieben weisen MeisUr bekaailo 
Schrift, welche vop Einigen einem Perser Hosin (JfoSooc» naidi SÜTefir» 



377 



40 Smcj a. A. 0. wdil ^er ein Tirke Musajy toü Andeni etnem Obav 
kuq^t der Weisen Indiens SendetMtd oder Sendebar sngeschrieben wird. 
Andere schreiben den Namen Sjntipas (^vprinaq), und nennen ihn einen 
Zellgenossen des Cyms. Wir haben unter diesem letzten Namen ein 
Bonlisdies Fabelbuch von 62 Erzählungen, angeblich aus dem Syrischen 
dbenetst Ton Midiael Andreopolns vermuthlich im 15ten Jahrhundert. 
(8. JSbrrlsoc. De Syntipa et Cyrl lilio AndreopuU Narratio ed. L Fr. 
Beissaaade, Paris 1628, nnd dessen Praeloqnimn and Notae p. 17t und 
hefOBdffirs Gdtting. gelehrt. Anzeigen 1830. Nr. 171» 172.) 



I 



■ I 



385 



Fan den veneUederuln Indüehm Betigionaperioden. V 

Indienfl Rel^on geht in die hohe Vorzeit znräck, und 
AsHukg Ufist sieh historiseh nicht verfolgen. Jedodi im i 
gemeinai stellen sich uns von der firuhen Vorwelt an bis 
onsere Zeit drei verschiedafie Beligionsperioden oder Syst! 
dar, die wir körzUeh durchgehen und im Sinne der Si 
dmrakterisiren werden. 

Die iiteste Religion , die in das Dunkel der Vorvi^ett 
räcktritti ist diejen^e, welche durch Brahma, den SchS] 
der Welt) offenbart wurde, Bratnudsmus.^^ Diesem Bnd 



1) Wie sehr ich aof diesem unBicheren Gebiete jeder Epikrise 
gänglicli bin, mag daraus erkaimt werden, dass ich bei diesem von 
ebenlUls abgekürzten Abschnitt auf die Notes et Eclaircissemens 
Herrn Chiigniant (zu der Französischen Vebersetznng I. p. 591 -^ t 
▼erweise, und namentlich daraus folgende SteUe aushebe Cp. 594) : „ Une < 
atloa capitale reste toute entiere : c' est de savoir jusqu'ä quel point Fon ; 
kre Ibnde k regarder Brahi^a eomme le symbole d* un culte ant6rlo 
tons les autres^ d^un culte non seulement primittf, mais plus sin 
phur pur et plus spirituel que ceuz qui lui sncc^derent, en F ^ufiuit 
la Tiolence? Oette Hypothese a M admise en des sena divers pa 
plnpart des tolvains aüemands on änglais, qui ont jusqn'ici trait6 d 
reUgion des Hindous.^ Zur Venrollständigung der yerschiedenen 
sichten der Indischen Religionsperioden verweise ich jetzt auf das neu 
Weii: des Herrn Siukr: Die Religionssysteme der heidnischen Völker 
Orients, vnd namentlioh auf das Oapitel: „ Chronologisdie Besttam 
der Hanptepochen der BntwicUnng des geistigen I4eben8 der Indi 
S. 132 C 

2) S. Mrrea Mythengesch. p. 556 C und p. 188 It ygL Hdt J 
MflleolRi Ike VMory et Perria, Midon 1815. Im ersten Absekittt. Q 



^i^ 381 <«^ 

(dem liödi8t€ii Wesen, weldies in der Indisdien Ldire Ton 
der Dreifaltigkeit Gottes die erste Person ist, Gott der Vater), 
dem ersten Gott und Lehrer im Fleisch, haben vor vielen 
Jahrtausenden die Menschen auf fironune Weise, mit ihren 
Harzen in heiliger Unschuld , einfach , schlicht und rein- gedi^ 
net mit unblutigen Opfern, mit den Erstlingen der Fruchte^ 
mit der Milch der zahmen Thiere u. s. w. Aber diese Reli- 
gion kohnte auf der bösen Erde nicht fortbestehen, sie musste 
weichen und wurde so gänzlidi ausgerottet, dass audi keine 
Spur mehr übrig ist von jenen alten Tempeln, in denen Brahma 
Yerehrt wurde. Und diesen Ältesten, reinen Dienst mögen 
auch vielleicht die Ebrier jenseits des Euphrat gehabt haben, 
wem wir nämlich (was ich dahin gestellt seyn lasse) in jenem 
Ahram , der mit seioer Frau Saraswadi (angeblich Frau Sarah) 
■ch nach Westen zog und dort niederliess, einen Brahminen 
■it seiner Familie erkennen dürfen , wie die Indischen Tradl- 
Immb, welche Sonnarat in seiner Reise nadi Indien angiebt, 
cnihlen.*) Alsdann müsste man annehmen, dass bei der 
Apnrottung und gewaltsamen Yertflgung jenes einfiachen und 



SHUnlin Traditionell haben die Perser von ihrer ersten Religionsperiode, 
l^pmders UMSh dem Dabistan« Blalcolm in dem angeführten Werke y ob 
Wfleick über den historischen Werth des Dabistan, wie billig y sehr bii- 
ifeUaltend nrtheilt Ca- Vol. L p. 11 ), trägt doch nachher ^Ue Hauptsäge 
m a« BUde der ältesten Religion Persiens in gedrängter UebersiiAft 
^r CI- F« Ci5)y nnd findet besonders in der Rnthaltung von tiderischer 
Hjl^Hcug, welche der Dabistan den Anhängern des ersten Gottesdiensten 
tfft^lty ein Zeichen eines gemeinsamen Ursprungs derReligionaiPeraieas. 
Ih^Mglt VoL L p. 191: 9>There are some circomstances that might dis- 
llip BS to belieye, that the ancient religlons ofPersia and of Ihdia were 
in their origin. Among other proofe in Ikvoiir of this oo^jeo« 
\f we find that thare was^ in the eturly ages of both conntries^ aa 
of animal flesh, .which has been preservedy to tUs dajr, by 
of the highest and most respected of the casts of India.^ — Rrsider 
}Tf der böse Zohaky soU das FleiMshessen eingeffihrt haben. 

O Galtflrer Versuch e. aUg. W. Gesch. p. 622 n. dnseHist Dow. , 



-^i' 382 -^ 

reiieii Gottesdieafllea and bei den heftigen Vertügmagem^ ^vek 
che eeine^Anliioger erlitten, sieh wohl einsdne Stammhtaiiter 
einzelne Emin, 4iie der alten Gottesverehrang tren hteibei 
wollten , eben oni jenen Verfolgungen za entgehen , mit ihrei 
Horden westwärts gewendet haben, in die Gegenden voi 
Yorderasien, so dass der reinere Jehovahdienst des Abraham 
nichts weiter wSre, als ein fortlaufender einzelner Zweig jrae 
uralten Brahmaismos. Vielleicht ist es aoch eben diesef älteste 
reine, nnblntige Brahmadienst, von dem sich noch bei dei 
Orieeben Erinnemngen erhalten hatten. Man lese die mak 
würdigen Stellen des Theophrastos tibqI d-vaidSv bei Porphy- 
rhu de Abstm. ü. ft. p. IM sqq. und D. 90. p. IIB ed. Rhoer 
Dort macht dieser Grieche eme anziehende Beschreibung voi 
dem reinen Wandel jener Menschen der Vorzeit vor Crott 
und von ihren nnscholdigen Opfern und Gaben, die nie dei 
Gottheit darbraditen. 

Dieser Brahma . steht da als der Fleisch gewordene Gott 
ids erste Incarnation, als der erste Lehrer. £r theilt dai 
höchste Gesetz, das ihm der ewige Gott in der hi—ilisrhei 
Sprache 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung offenbart, unc 
welches er in die Sanskritsprache übersetzt hatte , der Mensch* 
heit mit. — Es ist aber dasselbe nach den vier Casten, m 
dass einer jeden ein Buch zukommt, eiiigetheilt in die vier Bfi- 
cher: Rasch, Jagusch, Sanum rnid jitharvan, von welchen jedod 
das letztere verloren gegangen und in neuer Form wiederher- 
gestellt worden ist Es sind der Casten der Indier, wk 
schon bemerkt, vier;^} die erste und vornehmste, die da 
Brakmanen oder Priester; die der Krieger und Begentea 
Kgeheiria, BJaehRadga-ptUra, d. L regum filii, genannt ;*3 ^ 



1) Ueber die Casten der Indier siehe Paidlini Systema BrackmaB. f 
1B7 sqq. und Heeren fta den Ideen n. «. w. I. 2. p. ^96 ff. BeckABleltu4 
Eor Kenntniss der Weltgesch. I. p. 222 iter neaesten Aos^. "* 

2) Das Indisehe Bad^ oder Aay» erinnert uns unwinkükrtlek .id 
das fca lel n ieeha Rft», «• wie aa die -Päkuoi M Hesjchius T. n. p^ lOM 



Fdümaar ni Iteifieiie^ Tifrifvi dit 4» rHiMri imd 
üiilwpAer, #dbr Sckmkm. Bieae CMten hl*» jhi« UnH»- 
dbthgflungea naeh tai wradiiedeBen VerriehtmgiNiy Ms aar 
Zahl von acht und achtzig^. Es herrscht aoter ihnen eine 
adkarfe Absonderung, and keiner kann aus der einen Caste 
an die andere übergehen. Diese Äbsond^nmg hat ihren ny» 
thisrhfn Grand in der Sage: Alle sind ans BrahaA's Leib) 
aber die Brahmaaen ans seinem Kopfe, die Krieger nnd Ki- 
ailge aus seinen Schaltern, die Feldbaaer nnd Kanflente aas 
dem Banche, und die Känstler aos den Beinen. Mithin tat 
■rahma'fii Körper der Leib des Urwesens, wie Adam-Kadmon 
der Kabbalisten. Diese Casteneiniheilang rührt schon von 
Menn dem Ersten her, und hat in grosser Strenge unter'dea 
eiigaitlichen Uindostaaera, trots aller Veraadenuigen und alles 
Wechsels der Begierung, sich Us aof den heot^gen Tag^be- 
hanptet ') 



iUberti (wdcke SieDe wir ia 4m BomeriNlieii Briefen p. 179 T crbew e it 
lhs^n)t and aa die Rkekem meerer altea DevtsdleB Vorlkkreo.^ y§jL 
^te Hoflierfsclieii Briefe a. a. O. Daas dleBadaag rm, KmUg, Herr, WVbni, 
%edeate, hat aaci WaM geaelgi ia der Erdbeechr. ▼«■ OatiBd. n. p. 309. 
^gL A.W. T. fleUegel lad. BlkL n. 249 ober die rApatrae, Klhiiguolme, 
die wegen Ikrer Tapfeikelt berikaitea lUi^^ptrf« ; und ebenda« tfbei 
den Krtegeretaan Kaiatrlja, aadiKriialray welcl^n eetea Aleann- 
der Gr. IceaBen leraie, wen ee die Sa0^ des Airteane (Tl. W} 



V} Im Text and ta den AameiU. der zwettea Aaagabe (&• 572«— 
]M5> lat an dleeer 6Mle etwas anMtiadHelier rea swel K rt eie iana gea 
sberaaUUlMdMa UlenHv geianddl werden, die in Beaerer BMt tM 
geauMM habea, oM ws%el Mi aleli Jetel aof etae gans käme 
Mstts elaaehrftake. Da« erste lal der DtiJbUfUm eder das Baok tm awOf 
israrMedeBW ReUcleneB des Orieatt tmi Maheaa Vaal (d. 1. der Ter- 
atafWidie), nlafMnluMBindaBfir aas f aenfcitr iai l7iflnJahrb. aaehCar. 
as eniftilft aaler aadem die eeeehiohU stear aaTiMtabaraBs gegrüadeiw 
ürreligioa «ad stesavoriatklgenlraBlscbenUnUales, deesea 



■aU csBaaal), der Säfter jenes, alea Msaafniiii dea Orieals 



-m. aM -m. 

m 

Nachdem diese erste Ldire etwa tausend Jahre gegotten, 
fidlen nun Bd^onskrie^ Es kommt Sehma,^') die xweMe 
Incamation, mid bringt den Lingam, als Bild des Todes and 



kenden Reiches der Mahabaden gewesen« Ans diesem Werke liaiGbidwia 
in seinen New Asiatic Bliscellanys Calcotta 1789 das erste Bach gfüie^ri 
ond danach Fr. y. Dalberg Bamberg und Wfirzbarg 1817. »^ Das sweite 
Werk ist der D^satir, das Ist, dem Dabistan snfolge, das eben dem 
Mahabad (Ba|l) offenbarte Buch und angeblich eine Sammlung der yer- 
schiedenen Propheten von der Urzeit Cd. h. Ton Mahabad an). Dieses 
letxtere lang vergessene und erst neulich wieder aufgefundene Bach ist 
▼on MoUa Firns in der Sprache der Handschrift Oder von Banian) mit 
einer Englischen UebersetEung von W. Erslüne zu Bombay 1818— i6ßO 
herausgegeben worden. E» ist bekannt, welches Gewicht Biinner wie 
Will. Jones, Johannes y. Müller undA. auf den Dabistan gelegt, wie sie 
darin eine Erweiterung der Urgeschichte der Menschheit rückwftrts ge- 
winnen zu können geglaubt haben. Ja Einige sind so weit gegaagea, 
in den Sculpturen der Indischen Grottentempel Darstellungen jenes tot- 
fluthigen Erzvaters Mahabad -Bali und seiner Geschichte . entdedten zi 
wollen, da sie doch s&mmtlich der heutigen Mythologie der Hindas ange- 
kören. Nicht minder verschieden sind die Urtheile über den DesaHr. 
Bfan vgl. The dassical Journal VoL XV. p. 186 sqq.; von Wammnr In 
den Heidelbb. Jahrbb. 1823. Nr. 6 sqq. und SUvestre de Sacy im Jonnnl 
des Savans 1821. Fevr. Das Ergebniss der Untersuchungen dieses lelB- 
teren C^ehrten lialt eine Art vonWtte, und besteht Cp- 75) in folgend« 
Sitzen: Man könne die Composition des Desatir nicht über die Peilnde 
der Seldjuclden, d. h. nicht vor dem 6tenJahrh. derH^gira hinanfrö« 
Es sey aber viel Altes in diesem Werke enthalten, das von den 
Cen gesichtet und gewürdigt zu werden verdiene. Wenn W. ErskiM 
dem Buche ein Alter von nur 2, 3 Jahrhunderten vor dem nnsrigen 
gestehen wolle, so könne er ihm darin nicht beistimmen, wohl 
darin, dass W. Jones u. A. sich von der Bewunderung dieses uraUot^ 
glaubten Buches zu allzukühnen Behauptungen haben for^eissen Isniilj 

1) Ueber diese zweite Religionsperiode oder den Sehkomitmtft'^ 
Gönres l^ythengesch. p. 667. Asiatic Besearches T. Y. p. 380 aqq. «mI 
T. L p. 147 nebst Polier Mytholog. des Ind. T. L Introduct. p. 146 affä 
Ueber den Uebergang des Brahmaismus in Schiwaismns vgl. man mnI 
die leseiBswerthen Bemerkungen von M%jer, die Beligion der Indier 41 
p. 20 ft besonders p. 26. 



^^ 385 -^ 

Lebens. Die alte, stille , einfadie Feier musste dem neuen 
Orgiasmus Platz machen. In wilden Festen berauscht sidi 
die religiöse Phantasie, und blatig^ Opfer fallen an den Al- 
tiren der schrecUichen Cali. Brahma's Tempel wurden nm- 
gestnrzt, und nur in den Geheimschriften des Tempels von 
Cherin^am'} wnsste man noch, es habe Brahma vormals 
Tempel, Altäre und Bilder gehabt, wie Schiwa. Liebe und 
Leben und Zorn und Tod sind die Elemente dieses neuen 
Gottes und seines Dienstes. 

Es folgt Wüeknu, die dritte Incamation, welcher das 
wilde Feuer des Schiwatsmus siinftigt.'} Wischnu milderte 
den Lingamdienst , trieb aus den groben »Stoff, vergeistigte 
and stumpfte ab die herbe Schärfe. Hier liefert uns das alte 
Griechenland eine merkwürdige Parallele. Auch dort war 
aof einen reineren Diea^t, auf BrahmaLsmus • eine wilde, orgia- 
«tische Religion, der Phallusdienst und die Phalluslehre, gefolgt, 
die alsdann die Weisen Qol aoipiarai} nach Melampus, als 
welcher jene Lehre nicht umfassend vorgetragen hatte, gross- 
mrtiger verkfindigten QfiaQoviog i^itpjpapy ^') Daher nun 
Wischnu in der Ansicht seiner Anhänger über Schiwa ge- 
stellt ^vird; und im uralten Tempel von Perwnttun wiegt im 
Bilde Brahma mit einer Waage, wo dann Wischnu den Schiwa 

1) TMckerimgmm, 4, i. die Stadi der schönen Oheder, noch jetct 
ilB berähnter WsHIkhitflort, mit einem uralten Wischnntempel; s. Wahl 
■eackreib. tou Ostlad. n. p. 1171. 117?. Tgl. 557. 

2) 8. Sonnerat BeLie nach Ostindien und China (Zürich 1783) I.Bd. 
f. 186. — Gewohnlich nimmt man Schiwa als den dritten, nnd seinen 
Dienst als die driite Epoche an. Vgl. Polier M3'tholng. des Ind. T. I. 
Incroduct. p. 147. Vgl. auch Miger, die Religion der Indier als Bnih- 
■alsmus p. 2b 1 der es für wahrscheinlich halt, .^dass der Brahwaismut 
In einer Ihm ahgenftthigten geistigen Gegenwirkung gecen diu matfria- 
Ustlschen Ansichten des Siwaismvs sich allmnhllg vollkommen folgerecht 
In den WischmUtnuis verwandelt haben könne." 

3) H. Herodot. IL 49. Ich werde bei den Religionspcrlodcn von 
Griechenland darauf KurAckkommen. 

CVemcr't deutsche Sckriflen. I. 3. 25 



-^ 386 -^ 

hoch in die Luft schnellt, anzudeuten, die Ileh'gion will wieder 
auf den alten edleren Weg zurück , die alte Lehre soll wieder 
eingeführt werden.^} Es ward aber die Schiwaseete von den 
Anhängern des Wischnu nicht ausgerottet , sondern sie schloss 
mehrentheils Friede, und jene liess sich reformiren. Diese 
Reformation wird fortgesetzt durch Buddha , welcher im neun- 
ten Avatar, sechs und dreissig Jahre nach Kri8ckna*s Tode, 
auftritt. ^3 Letzterer (^Krisch na} halte den Lingamdienst ganz 
ausrotten wollen, welches aber misslang. Der Buddhauamts, 
zwar im Wesentlichen der Lehre mit dem alten System über- 
einstimmend , wirkte gleichwohl jener alten katholischen Kirehe 
dadurch entgegen, dass, wahrend diese allen Lelirberuf (^Prie- 
sterwürde} in alte geschlossene Casteneintheilung setzte , jener 
(^der Buddhaismus} die Lehrgabe (^Begeisterung} allen Gasten 
zusprach, aus allen Gasten Begeisterte aufrief, und jededi 
innerlich Berufenen den Zutritt zur Weihe gestattete.'} Ein 
gleiches Verhältniss treffen wir bei Mosei , in so fem er nänn 
lieh in Bezug auf die Aegjptische Priestercaste mit seiner 
reinen Gotteslehre eben so verfuhr. In diese Spaltung der 
neuen und alten Religion , des Brahmaismus und Buddhaismus, 
gehören von den Religionsurkunden die achtzehn Purana's^ 
von Vyasa 1600 Jahre vor Ghristi Geburt verfasst*} Und 
die jetzt in Hindostan herrschende Religion besteht theils aus 
Schiwiten , theils aus Verehrern des Wischnu und Buddhisten. 
Aus diesen Verhältnissen des BuddhaLsmus zu den älteren 
Religionssystemen lassen sich nun fUe anscheinend widerspre- 
chenden Urtheile über den Stifter jenes Systems erkifiren. So 



1) S. den Capitain Mackcnzie in Asiat. Res. Vol. V. p. 312. 

2) S. Nachtrag VI. 

3) S. Görres Mythengesch. p. 191 ff. 

■m 

4) S. Görres a. a. 0. p. 180. — Ueber die verschiedenen Buddha.'« 

und deren Systeme ver^-cisen wir unsere Leser vorzüglich Eut Fr. Sckte^' ^ 
gePs Brdrtemngen, in dessen Schrift über die Sprache und Weisheil der 
Indier p. 123. p. 140 ff. 3 



-^ 387 -^ 

I 

z. B. heisst es im Ayeen Akbery, übersetzt von Gladwin, Tom. 
III. p. 157: «Die Brahminen neniien den Buddha den nennten 
Avatär (die nennte Offenbarung des Wischnu}; die ihm ZDj;;e- 
schriebene Religion aber^ sagen sie, ist falsch und von einer 
andern Person gemacht. » W. Jones nahm daher einen zwei- 
ten kühnen Sectirer Buddha an, der unter dem Namen und 
Charakter des ersten d&s ganze System der Brahminen mn- 
zustossen versuchte , und zu jenem grossen Schisma die Ver- 
anlassung gab (ygl J* H. Uarington in den Asiatic Resear- 
ches VoL YIII. p« SSS}. In allen diesen Aeussemngen spricht 
sich der rch'giöse Partheigeist mit der grössten Heftigkeit 
aus. Die Buddhisten andrerseits sind keinesweges firei davon. 
Bekanntlich haben sie sich auf der Insel Ceylon zur herrschen- 
den Kirche erhoben. Nun erzählen die Cinghalesen (^Singha- 
lais])) die Bekenner des Buddhaismus: vor der von ihnen 
vdlendeten Eroberung dieser Insel sey sie der Sitz von bösen 
Geistem (^Dämonen) gewesen — eine Ansicht , die der Glaube 
mehrerer Asiaten von den früheren Feinden des Vaterlandes 
hegt 9 und die erst bei den Griechen späterhin unter dem etwas 
milderen Namen der Bariaren hervortritt. In der Persischen 
Btkge wanss Tachmuras (Tahamnrs}, der Pischdadier, erst die 
bösen Geister bannen, und erst als Div - bend (Geisterbanner) 
wM er unbestrittener Gebieter von Iran (b. Malcolm Hist. of 
L p. uy Und müssen nicht auch die alten Sachsen in 
.bekannten Eide, bei dem ihnen aufgedrungenen neuen 
CManben, • dem Wodan und Sachsen -Odin und allen Unholden, 
üe neine Genossen sind » , entsagen ? — Buddha , um zu ihm 
arackzukehren , ist unter dem Namen Gatdemeh (Gautamah, 
flatnimeh^ Gantimo} für die Cinghalesen auf Ceylon derselbe 
heB^ Charakter, den die Siamesen unter dem Namen Som- 
aonekodom verehren (Sommono bezeichnet einen voUkcmmenen 
UdUgeBi Ygh Capitain Mahony in den Asiatic Researches VoL 
TIL p. 183 — und so tritt Buddha in der Sage wie in den 
Dogmen nnter mehreren Namen auf. Als ein hoher Weiser 
md Erfinder sublimer Wissenschaften bekommt er verschiedene 

25* 



-^ 388 -^ 

Prädicate , z. B. Sthrya. Unter den fünf astronomischen Syste- 
men (Sidd'hantäs} heisst eins 8urya-Sidd'hanta (s. Asiat ic 
Researches Vol. II. p. 991. Vol. VI. p. 540 sqq. [womit man 
Heerefi's Ideen verbinde I. 2. p. 450 1 und endlich Vol. XII. 
p. 223 sq.}. Unter diesem Namen ^iebt Moore im Hindoos 
Pantheon eine Abbildung des Buddha.'} Er sitzt in orienta- 
lischer Stellung, mit sieben Häuptern um sich blickend. Auf 
der Brust und in seiner oiTonen Iland hat er das in vier klei- 
nere Quadrate eingetheilte Viereck • zu seinen Füssen den 
Alond. Es verdient bemerkt zu werden, dass auch in der 
Pythagoreischen 8\inboIik Ilenues als koyog dh^i^ipoq (als 
untrügliche Ventunft) das Quadrat führt (^s. Plutarch. Quaestt. 
Symposiacc. IX. p. 1050 Wylienb. vgl. Jleurs. Denar. Pjiha- 
gor. p. 1862 und jetzt lo. Laur. Lydiis de menss. p. 21. Auch 
Damascius sagt: 'Erjuov de to reTodyajvovy 

Die vierte Periode endh'ch ist die bevorstehende Periode 
des Gerichts,^') Im zehnten Avatar. am Ende des Cali-}iig, 
in welchem wir jetzt leben, wird Calenk, der Weltriehter, 
herabkommen, zu richten die Lebendigen und die Todten. 

Zum Behuf einer allgemeinen Vebersichi der Lidischen Re- 
ligion, die wir hier beabsichtigen, reicht dieser Abriss ihrer 
grossen Perioden oder Yiiga's xhin. Wer aber nun in die 
ganze Wildniss der unzahligen M}lhen Indiens, ins Einzelne 
der Verwandlungen und Theophanicn« eingehen, oder sich 
auch vom Grade der Civilisation und namentlich der wissen- 
schaftlichen Cultur der edleren Gasten genauer unterrichten 
will« der muss sich natürlich mit den verschiedenen Systemen 
der Astronomie und Chronologie der Indier, so wie mit dem, 
was andere Völker davon melden, bekannt machen. Ich habe 
zum ZwTck eines weiteren Studiums der Indischen Mjihologie : 
den bildlichen Darstellungen zwei Blätter beifügen lassen. 
Das erste liefert den Indischen Thierkreis oder das Srnmemf- '" 



1) lä. die NachbUdun^ nuf unserer Tafel XXni. 2. Au9g. 

2) 8. Görres ». a. O. p. 5a9. 



^^ 389 

siem, nach einem Kupferstich in Moore's Hindoos Pantheon 
nr. 62 (^ wovon ^vir nnsern Lesern aaf der beigeßgten Tafel 
XXXL 2. Ausg. eine Nachbildung liefern }. Das ssweite zeigt 
uns Krischna als Sonne , daneben den personificirten Mond , und 
die himmlüchen Kärper in harmoniaehen Tänxen um sie hermn 
eich bewegend , ^} nach einer Skizze ebendas. nr. 68. s. unsere 
Tafel XXX. 2. Ausg. Vergleichungen mit filinlichen Ideen des 
Pythagoras und Plato bieten sich jedem Unterrichteten von 
selber dar. Deswegen wird aber noch Niemand das Pythago- 
reische Weltsystem ans Indien ableiten wollen.') 

Nach den Angaben der Griechen und Römer') gestalten 
mA die Perioden Indiens so: 



1) Diese Sitte kannte liucianus schon. Er sagt Cde saltatione g. 17. 
VoL V. p. 133 sq. Bip.): ^^Die Indier beten , wenn sie Morgens aufste- 
ketty die Sonne an, und ohne sie, wie wir thün, durch einen blossen 
Bandkiin zu begrtissen, verehren sie, gegen Morgen gewendet mid mit 
StUle sich in Verfass\ing setzend, die Sonne mit Tan%, nachahmend den 
TaM% des Gottes ^^ ioQxi^^ tov V/ilu>i> uandl^orgM — fufiov/uvot rrfv /o^Ibv 
nv ^fov). '— Burder (in Rosenmüller^s altem und neuem Morgen!, n. g. 
229l p. 19 ff.) fülirt mehrere Beispiele orientalischer Völker an. 

2) Die .früheren Untersuchungen darüber sind bereits in andern 
Jbmdbudiem nachgewiesen. Ich verweise nur auf Maurice bist, of 
Bisdost. Vol. I. chap. 8. p. 253 sqq. und auf eine neuerlich erschienene 
Ahksiunimg von Drummond (in the Classical Journal Vol. XVI. p. 145 
•|.3y der jenes System den Babyloniem und Aeg3i>tiem als Eigenthum 
^'vnMhalten wissen will. Zum Verstftndniss des beigefügten Indischen 

gehören nun die Abhandlungen von WiU. Jones über das Mond- 
der lädier (the lunarYear of the Hindus, in den Asiatic Researches 
.Tfll* HL p. 257 sqq. ) , und über den Indischen und Arabischen Thierkreis 
VW Colebrooke (on the Indlan and Arabian Divisions of the Zodiack by 

■ ■ ■ ■ 

H. T* Colebrooke; ebendas. Vol. IX. p. 323 — 370). Letzterer hat auch 
dto Begriff der Indischen Astronomen von dem Fortrücken der Nacht- 
'l^e k iiCB and den. Bewegungen der Planeten erörtert (ebendas. Vol. xn. 
V. 210—252). 

3) Dtodor. I. 55. n. 16. m. 60 sqq. Anrian. Indicc. cap. 9. Plin. H. 
H. VI. 21. 



-*^ 390 -^ 

1 ) Dionysos C Dewaniehi } | Myrrhanus 

Ent wilderer Indiens (d. h. | König der Inder, von 
Panjabs} nysus öberwunden. 

i) Funfeehn Menschefialter dazwischen. 

5) HerGoles (Rama oder Doirsanes, wie auch Hercules In- 

disch geheissen haben soll — davon im Ver- 
folg beim Hercules). 
4) Züge der Semiramis. 
Züge des Sesostris. 

6) Darius Hystaspis unterwirft ^> {einen Theil} Indiens. 
6^ Alexander CIskander). 

Von ilionysus bis auf Alexander z&Ut Arrianns Ifit 

Könige und 6012 Jahre, Plinius 164 Könige und (M51 

Jahre. *) 

Vor Alexanders Zeit nennen orientalische Schriftsteller 

mehrere Könige. Ich will davon zum Schluss ein Beispiel 

geben, und sollte es auch nur zu einem neuen Beleg dienen, 

dass Gäitemamen auch hier von Königen angenonunen worden. 

Nämlich Ismael Schaaschah kennt einen Ishamus den Fmfteo, 

dreihundert Jahre vor Alexander. Dann lässt er auf einander 

folgen: Brahmanus; Lasbus oder Bnjahor; Ramanns, Poms, 

Alexanders Zeitgenossen.'} 



1} Herodot. IV. 44. 

2) Vgl. Beck's Apleitung zur Welt- und Volkergesch. I. p. 220. 
zweite Ausg. 

3) S. Ismael Schanschah in Historia geDtium , bei Assemanni in der 
Biblioth. oriental. Tom. III. part. 1. p. 221. Ueber das chronologiscbe 
System der Indier^ die vier grossen Perioden Tuga's, die Götter- und 
Menschenjahre u. s. w. nach Mennos ersetzen undBhagayat-gita s. Bent- 
ley in den Asiatic Rescarchea Vlfl. p. 236 sq. und Gnigniant Notes ei 
Eclalrc« p. 625 sqq. 



391. 



Betrachtung der Indischen ReUgiwidehre. 

«Hier zei^ sich uns nämlich ein dreifacher Standpunkt^ 
von welchem aus wir diese Lehre zu betrachten haben; der 
erste ist der des ntdeen, alten Naturrngthue; der zweite ist 
der der Andacht, des rettgiöeen Nachdenkens, Glaubens und 
Gewissens; der dritte endlich der speculative, philosophische. 

Jener erste Standpunkt des naiven Sinnes ist der Stand- 
puikt des Kindes. Das religiöse £lement geht zuerst nach 
Aussen, ist fiirs Auge anschauUch und reich an natürlichen 
Büdera. Wie der Aegyptier über Aethiopien von den NO- 
katarakten her das Heil herabkommen lässt, und der Perser 
von seinem Albordi, so bUckt auch der Indier auf seinen Berg 
Hera hinauf, von wo ans ihm alles Heil in die Thaler herab- 
8te^. Als nfimlich , so lautet der Mythus , die vierzehn Wel- 
ten, mit der durchgehenden Axe und unten das Gebirge Calaya 
(d. L Heru} , sich gebildet hatten , da erschien , auf seinem 
fiqpfel das Dreieck, die Yoni, und in ihm der Lingam, Schi- 
waUngam, auch Ega sourounam, Gott selbst, genannt, in 
dem das Wori OUM ist Dieser Lingam Hatte drei Rinden^ 
die iusserste war Brahma, die mittlere Wischnu, die dritte 
md weichste Schiwa; und nachdem die dräi Gotter sich davon 
gelSst, blieb der Stamm im Dreieck allein noch tibrig, und 
/Sddwa übernahm seine Obhut ^s. Görres Mythengesch. p. 
it C^ Und dies ist symbolisch dargestellt durch den Trian- 
gd in der Lotusblume,, und in dem Triangel der Schiwa- 
liagam als Zeichen der minnlichen Gotteskraft. Man sehe 
mir bei Moore (the Hindoos Pantheon nr. 82} und daraus auf 
wmerer Tafel XXIX. S. Ausg. die Andeutung davon oben in den 
offenen Hallen einer Pagode, und daneben das Rind, das wir von 



-^ 392 -^ 

Aegypten her schon als das Bild des materiellen Lebens ken- 
nen. Dass aber der Triangel das weibliche Organ vorstellte, 
sagen auch Eusebius in der P^aepar. evangel. III. p. 60 und 
Eustathius in Homer. Iliad. p. 15S0 ed. Rom. 

Dort im nordwestlichen Theile von Indien, um den Berg 
Meru , wurden nun dem Schiwa Phallagogien gefeiert Davon 
kam eine Kunde zu den Griechen; zugleich vernahmen sie 
von den alt -Indischen Mythologien etwas , und darausbildete 
sich ihre Sage von der Stadt Nysa, vom Berge Meros (ilf^- 
gdq) und vom Gotte . Dionysus C$. Arriani Exp. V. 1. S und 
Indica c. 7). Nach ihrer Weise und Eitelkeit wendeten sie 
aber, wie immer, die Sache um, und erzählten, wie Dionysus 
von Theben aus bis nach Indien gezogen , und in einem wohl- 
thatigen Triumphzuge den Völkern Pflug, Saatkorn, Weinbau 
und Gesetze gebracht habe.*) Das Nähere hierüber wird im 
Verfolg, im dritten Bande, bemerkt werden. Hier nur eine 
vorläufige Andeutung: Dionysus ziehet nach Indien (Arrian. 
Ind. cap. 5). Bei seiner Rückkunft weihet er dem Apollo 
eine Schaale (^cfidkij). worauf die Inschrift: «Dionysos^ der 
Sohn der Semele und des Zeus von Indien her weihet sie 
dem Apollo, dem Delphier» (^/liowao^ 6 Se/Aihjg xai ^log 
dito 'IvdüSv 'AitoKkiavi ^akqxjS, Philostrat Vit. Apollon. IL 9l 
p. 67 Olear.}. — Nach Griechischer Ansicht muss Creib'eh 
Dionysus, dieser so junge Gott (Herodot. U. SSL 145} oder 
gar nur Halbgott, dem älteren Apollo seine Huldigung dar^ 
bringen, und Delphi vermählt nun den bunten rauschenden 
Bacchusdienst, mit der einfachen alten Sonnenfeier des Apollo. 
Aber in Aegypten (Herodot. H. 144} war diese Vereinnng 
älter, und ging ans der Einheit der ursprünglichen AnschaiH 
ung hervor. So auch in Indien. Ein Blick auf die achtzehnte 
Kupfertafel bei Moore (unsere Tafel XXVH. 8. Ausg.} wird 
dies anschaulich machen. Hier , auf dem Indischen Olympus^ 
ist Schiwa- Mahadeva der Mittelpunkt der ganzen Handlung. 



i) 8. Jjlaehtrag I. 



-^ 393 -^ 

idigüngen der Götter and Geister getten ihflk Ueber 
*a Gipfel geht die Sorme hervor. Das nanl ifar IM 
unten den Urstrom aiis. Die Sehaole des Banges em- 
ihn zuerst Das heOige Rind, gehörig verasiert und 

Glocke am Halse, blickt zu ihm hinauf. Neben dem 
len Leben drängt sich das Pflaüzenleben hervor. Iüh 
en im Wasser ihre Kelche, und die gewaltige Pahne 
hre Blätter beschattend auf den Göttersitz hernieder, 
id alle Bilder der materiellen Schöpfung in Einer An- 
lg gegeben: Swme und SomimMmnen; WoMier nnd 
fUm%e (^Lotus, in beiden Qualitäten genommen); der 
ehe Stier und die Kuh der Isis -Ceres, und die Schaale 
is Weltbecken, worin sich aus des Thieres BlanI das 
' ergiesst — Im Griechischen Mythus fahrt das Alles 
' aus einander. Jene Inschrift beim Philostratus hat 
ur der alten Einheit aufbehalten ; und vm werden nun 
sn, warum Dionysus, der Herr der feuchten Natur, 
mengott Apollo nach Delphi von Indien her die Schaale 
— Uebrigens wird vom Indischen Bacchus im dritten 
lusföhrlicher die Rede seyn. Hier will ich mich darauf 
nken , nachzuweisen , wo die Indischen Mythen davon 
»1 sind. Daraus hat schon Jones im ersten Bande der 
ihen Untersuchungen p. 80V. besonders aber p. S18 fL 
e gegeben, der aber darin irrte, dass er beim Roma 

Bacchus dachte, welcher vielmehr mit Heretdes za 
dien war. Richtiger haben nachher Paullinus und An- 
sn Sckiwa der Indischen Religionen mit dem Dionysus 
€chus der Griechischen zusammengestellt (s. die weit- 
a Ausfuhrungen des Paullinus a S. Barthol. im Systema 
nicum p. 85 sq. p. 116 sqq.}. Auch ist Schiwa's un- 
ilicher Gefährte der an seinem Elephantenkopfe kennt- 
uiesa (mnxL vgl. unsere Tafeln XXVII und XXDL 2. 
I eine Art von Intelligenz oder Geist, der sich durch seine 
Dgen auszeichnet (s. Fr. Schlegel über die Spr. und 
der Ind. p. US). Wollte ich mich hier auf Partülelen 



^ 394 -«- 

eMUKü, M könnte ich an den PSdagogt» 
Baeehsa, den Silen, erinnern j der, neben hoher Weisheit 
Oebtes, am Körper aoch TliiOTthale trS^. Pflegnater i 
aneh Fötor heisst aber der Vertraute und Rathgeher 
orimtalisehen Monarchen (b. Rosenmäller'iii altes nad m 
Morgenland ID. $. IM. p. IIS).'^ 

Fassen wir dies oan anders, wie es die reinere The 
der Indier selbst fhsste, so ergiebt sich Folgendes: Es g 
Bin Ehtiget AÖoiafn Iftami, das unolfenbart ParabratoHa, Bn 
Partima, Bam, Bhagaetd'^ heisst, das durch Beschaai 
sehier selbst die Welt hervorgebracht, nnd sich Eoerat 
BnAmaBirma, als Schöpfer , offenbart hat, sodann als Adl 
oder MtAadeva, Madtgo, sie zerstört, nnd a,]9 fFüekmt sie' 
nenem wieder erzeugt (erfaftlt*). Symbol des Brahma ist 
Erde, des Scfaiwa das Fener, des Wischnu das Was! 
Dies shld die drH gromm Dejtjtat,*') deren Mntter Bhm 
ist,*^ and tiber deren Entstehung ein dreifacher Mythos 
zlhlt wird. Bhavani, so lautet der gewöhnlichste, in 
iVende, geschaffen kd seyn, drückt dieses Vergnügen du 
Sprünge nnd Häpfen ans; und während dieser Bewegt 
fidlen drei Eier aas ihrem Basen, woraus die drei ü^z 

1) Vgl. GnlgnUnt p. Iß7, welcher benerkt, dau PanUinusimd J( 
den bidlacheii Gaalaa ntt dem lUIlschen Janna Tergllchen hatten, 
Termite Mer aar cof d«», wu Ich Im AUgemtinen Theil S, 56 f. über 
iTTImAbd gcMigt hftbe, nd was bei Gntgnlaat p. 




9 IL AMaL BaB. L >. 2U. Difl rarMUednea Belu 

BriUanuK glebt Majer, die OeUflm dar IndU 
19. 

3) Oka biMlioli« VarsteUung dieser irtA grMMa < 
(«adi Hnrre 1b tke Ukaitnoa Paotlieon) war Blatt XXI. 2. AMf. 

4) Dakar de wtcii vonMahUeva, WIsckiH, arabwl «ad B»aerd 
ypt aadera OnUkeMen , x. B. vimi Ganesa widbdis, ver^rtwlrd. S.t 

i Miiere nr. 32 iind ilitvon iHl'^at saf wuertr Ttfü XX 




-^ 395 -^ 

Aen (b. Poh'er Bfytholog. il. IndL L Introduet p. 14S. 
I. Und hierin besteht die Imbek0 Dreieinigkeit, die 
: Das heilige Wort dafär in der heiligen Liturgie, das 
Üer ausspricht 9 ist VM, welches ans den Buchstaben 
isammengeflossen ist, und die drei höchsten Gottheiten, 
, ScKwa , Brahma , in Einer CMfllre bezdcfanet '^ Das 
chste Wesen aber heisst Parabrahma oder Bräkma, 
Selhäetändigkeü , und hat an sich, als unentäussertes 
k, keine Tempel und keine Abbildungen ('s. Asiatt. 
L lY. p. 86). Daher können Sinnbilder, wie der Lni- 
) Yoni , nur Sinnbilder seiner einzelnen Aeusserungen 
)ies ist also Brehm, der ewig Eine, welcher Eins 
[emAll, der, äusserlidi betrachtet, unendliche Gestal- 
sn würde, dessen Selbst aber keine Gestalt hat, son- 
I Schauen ist, das Organ und das Object des Schauens 
, welcher kleiner ist als ein Atom, und grosser als 
It, seinem Wesen nach unaussprechlich und undar- 
') Er ist das ewige, allein wahrhaftig bestehende, 

. Jones in den Asiatt. Abhandll. I. p. 195 der Deutsck. Aus/^be^ 
dermlt auch das Aegyptische ON, das gewöhnlich für die£>oRiie 
nrlrdy Tergleicht. — Die DarsteUnng der Trimurti oder Dreihelt 
Kfirper geben wir nach Moore nr. 32 auf unserm Blatt XXU. 
Aasg. Brahma wird durch vier Kopfe beselchnet in. die bei^ 
Tmfel» XXI. nr. 1 nnd Tab. XXTV. nr. 1. 2. Ausg.)* Es sol^ 
rler Elemente damit angedeutet seyn (Payne Knight on symbol. 
189}. Vielleicht ist auch an die vier Weltgegenden su denicen. 

(. Asiatt. Abhandll. Bd. IV. p. 37, wo sich die merkwürdige 
lg eines Brahminen findet: y,Wenn man sagt, der Verstand 
ft dem sanften und milden liichte des Mondes gleich , so wird 
laa Wesen deines Geistes, o Ctott, nicht ausgedrückt.^^ Chiig- 
tSl tanerkt hierbei, aus mehreren merkwürdigen Steüei der 
i Bdiglonsbücher gehe henror, dass Brahm oder Brahma im 
na BratmA im Blascalino mit langer Endsylbe unterschieden 
pHi. Sbea so meAwordig ist die Antwort ein« Brahminen, 
M VMlUaiu Syst. Brahm. pw 68 Jones a. a. O. aalAhrt: ,fPart^ 
(Brn nempe iüudSupremum et per se ezistens, ita esse ibtribtfs 



-*. 396 -*- 

in Seeligkeit und Freude sieh offenbarende Wesen. Die tV 
ist nur sein Xame, sein Büd. Wahrhaftig bestehend ist i 
dieses erste, Alles in sich bereifende Seyn. AUe Erset 
mmgen haben ihren Gmnd in Brtkma ; er aber ist weder i 
Bedingungen der Zeit noch des Banmes nnlerworfen; er 
nnvergingüch, die Seele der Welt, die Seele jedes eüneb 
Wesens. — Diese ganze Welt ist Srakm, wurde ans Ad 
und wird zuletzt wieder von BreJtm verschlungen werden. 
Brakm oder die Selbstständigkeit ist die Gestalt der Win 
Schaft und die Gestalt der unendlichen Welten. Alle Wd 
sind eins mit ihm, aus dessen Willen sie da sind. Dia 
ew^ Wille ist eingeboren in allen Dingen. Er atuä 
sieh in der Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung, in i 
(Sestalten und Bewegungen des Banmes und der Zeit*^) - 
Hierüber erklärt sich der ehrliche Fsollinus (Syst. Bral 
p. lOS. vgL mit Jones in den Asiatt AbhandlL- T. IT. p. 
D«itseh. Ausg.) im Sinne der Hindus so: ■mysteriom 1 
tantum est, ut nemo hominum, nee ipsonun adeo ^tirili 
eoelestinm illud satis intelligere et explicare posstt« Ud 
das Zusammentrefft Indischer Lehre mit Hanptlehren i 
Christenthums spricht schon Is. Casaabonus bei Crelegcot 
des Palladius mpl B^axfAdviav, s. Casanboniana p. IS. p.^ 
sqq. Beweise, dass diese Lehre der Drcieinhoit den Pel 
gern, den Italischen Völkern und den Scandinaviern bek 
war, bat sich ein Verfasser im Classical Journal Vol. Q 



^^^'JOU et 



w'JIIU et la onmllKis eomin operationlbus, qucmndinodiim m vase äqual 
Mlflcl »oleiit »b hamirilbua sol noster rLtihilis, qui licet iu illa I 

1 fSM, re Ipu nun exlswt. ab unmibus tamen, qui conspl^ 

aaiuF, luidetur «t adoretur. Quomodo tx ovo nata sint otm 
irt« flu « UId prodlerint " elc. Ceber dieses Weltei aucli in Her J 
i Blackiiii RonnugODie vgl, Slattrice bist. ,ot Biodost. I. 1. p. 46 sqv, 

I Aaice dl« KtpferU/cl. 

^^^^ DUsv tat iea Vftiln'« ßntbalipneD SleUen, nebst einigen li 

^^^^k liT BWlcwdrdlsen , eiehtNajer, die Bei. der Ind. als Bi 



■*i. 397 -*. 

ft— US. ToL fV. p. 80 sqq. mid ibid. p. 4M aqq. XQ g;eben 
■flht. LesciMwerth sind ineh die Bemerkiiiij;eii von Payne 
il^t über diese Indische TrimortiflDquiiy on symboI. ilaig. 
'BS sqq. p- ISO sqq.). Er sieht daria den Uebergang von 
r Einheit Gottes sar Vielgötterei ($. SSO. p. 100> .This 
ferm divinon, sagt er, of the penwnified attributes or modes 
'■ «tum of one first cause, seeniB to have been the first de- 
Btare from simple theism, and the foundatiDn of religioos 
jrlhology iu c\'cry jiart of the earth. ■ Nach verschiedenen 
•HBchcnbenifrkungen, deren Beleuchtung ich den Theologen 
ri Philosophen liberlasse, erkennt er auch die Allgemeinheit 
hser Idee an, und fahrt so fort: ■Hence almost every nalion 
Plhe world, that has deviated from the rüde aimplicity of 
liBHtive Thei^m, hns had its Trinity in Unity; «iiieh, when 
tt innited and ascertained by divine revelatJon , branched out, 
jf the natural )«iib(li\'ision of collective and indefinite ideas, 
ißo the endle^iis and intricate personifications of particuJar snb- 

riate attributes, whieh have aflbrded such abondant mate- 
-for the elegant flctions botb of poetry and art. ■ 



wM non die Frage am reehten Orte seyn: Wie war 

Indische Lehre ihrem Geiste nach nrsprünglichj und wie 

f sie Jetzt im Glauben der Menge beschaffen ? Ursprünglich 

1^ sie gewiss höchst einfiich. Ihre Bekenner sollten nicht 

metaphysischen Definitionen behelligt werden. Die drei 

Rndideen der Gottheit: Schöpfung, Eriialtnng und Zerstö- 

tg, waren lauter PHldieate, weldie vom Laufe der Natur 

f von den Wundern der Schöpfimg laut vo-kündigt werden, 

Metaphysik war dazu so' wenig nöthig, als zum Yerste- 

Asr Grundideen der Religion, wie sie Moses giebt. Aber 

Mlndiem brachte das an sich natürliehe und unschuldige, 

1^ anch blos allegorische Bestreben, Jene PrSdieate der 

Ddt durch Attribute dem Aoge darzustellen, die Religion 

^ig gänzlich in Terfell (vgL FatersoD and Colebrooke 

erigio of Hioda Religion, in den Aaiatie Researdies 



Vol. VIU. p. 44 — BT > — Wenn dalier die hesseren Bmbi 
ursprünglicb durch jene Attribute imd Bilder nur die JEr 
mag der Alcnschen an die Gollheit em-eckcn nnd etb 
wollten , so ist diese ursprüngliche Absieht im Lauro der 
ten gans in Vergeeseoheit^^ratlien; nnd wenn wir ml 
Gataa dar jetzigen Menschheit in Indien selien, ndsHi 
wohl der Veri«iclierung eine»« Bralimincn glauben, der 
darüber folgendcrniasseo äussert: "Ich habe bemerM, 
viele EnropÄcr in ihren Schriften und Reden ventaehen. 
Erst^eianngcn des Indisehcn Götzendienstes zu ntetiga 
icu enlscboldij^en , un<l dasa sie geneigt sind , sidi gll 
machen kd wollea, alle solehe Gegenstände der Aafec 
wurden von ihren Verehrern nur als bildlicht^ DarUtSt 
dt» höchälen Gottes betrachtet. Ware diefl der Kall, NOiri 
mir oblie^n, mich in eine l'ntcrsuchiing bieniber cinndl 
Alter die Wahrheit ist, dass die JctKigcn Hinda-* gar nid 
über die Sache denkeu , sondern fest an das Oaaem J 
zahllosen Gölter und Gultimien glauben, deren jeden bl 
nem Gebiete eine volle, unumschrinkte Macht einwahnfe 
diese, nicht aber den wahren Gott, zu versöhnen^ alndn 
errichtet, und werden goltcsdienslliche Gebraurhe b(^ 
Indessen lüsst sich nicht zweirein, und es ist meine AI 
zu erweisen, daas Jeder Gebrauch ata der sinnb'ldlickeM Ji 
des wahren Gottes eiitspringt , dass aber Alles dieses jM 
Vergessenheit gerathen ist, und dass dessen Erwahnaq| 
Vielen für Ketzerei gehallea wird» ( Harn- Mob uk-iUg 
Brahjnine im Menihly Magazine, Juni 1817. p. 391 — M 
daraus Deutsch Jena 1S17, wo die fornere Erurlcnuig 8 
theilt istj. — Diese Satze gellen auch vom Aeg)T)fischeBt 
glauben, wie er zu Hcrodolus leiten war, im Ganzen gn 
In wie fern sie auf die Volksrcligionen der Griechen und B 
Anwendung leiden, wird sieh der Leser aus nachlM 
Capiteln unseres Werkes selbst beantworten können. 

Für den tiefer forsrhcnden Geist nehürzt sich mu 
Kooteo, welcher bis in unsere Tage aUe S{iccuIalioa b« 



i 



-^ 399 -^ 

) Frage nämlich: Wm üt der Gnmd der Off^fuh^rmg 
2:en Wesens oder jener SeUtAmäanseenrng f Wir ver- 
die Auflösung dieses Problems nach den Yeda's und 
ere Ausführung nach Görres zu geben (^s. dessen My- 
;h. II. p. 633 ff. und I. p. 78 — 80 C und die dort 
-te Vpnekhaia Tom. I. p. SM. 91&. 8BS. IL p. 11& 213. 

Wesen der Wesen , Brehm , ruht ewig selbststand^, 
urt und unangerührt, als erhabener Ernst, in seinen 
Tiefen. Aber von aussen hat er sich umgeben mit 
yh , mit dem freudigen Selbstvergessen , wie mit 
antel oder Kleide. In dieser Haya, womit Brehm sich 
DÜng, ist Affect, AJTect des Schaffens; im Affcct aber 
!, und sofort Schönheit. In Bezug auf sich isdbst ist 
[aya wahres Seyn; in Bezug auf sich selbst hat das 
lilde der Welt Bedeutang; in Bezug auflas Wesen 
len, auf den Selbstständigen, auf Bsehm, aicht^ ila 
ihein, Täuschung, und um den ewigen, hohen Ernst 
m sind die Welten nmr Spiele.'} Alles Schaffen ist 
ler Gottheit, während sie selbst innerlich unverändert 
st ruhet. Die Welt, in sich betrachtet, ist eine schöne 
ioiioq)^ eine gelungene Kunstform; dem Ewigen ge- 
gestellt , ist sie nichtig. Oder man fasse es auch so : 
srste Seyn vor und über Allem, b} Die Idebe, die 
t Seyn in sich aufgenommen , der es sich hingegeben 
hin c} Gott, geschieden in ein Idehendea und in ein 
d} Diese Spaltung ist der UrbeeUmd der Dinge. 
;e sind und sind nicht , sie sind nur in der Trennung 
li sie, sie sind nicht auf dem Standpunkte über der 



MMim§e, Spielmtrken Aucb in der OrphiMhen Theologie hei«« 
'Ulcii Cnad Bfenschen) u&vqnnTa tov ^%ov, ertpundia dei; 
flk', der sich selbst beiPJjUo findet , welcher alle lebenden Wo- 
s««i ^fwr» apectocalA, nunera deonim^ nenai. £i. de Legg. 
h 64i E. Steph. p. 219 Bekk. viid unfern Dloayais I. p* 42. 



400 



Trennung. Die Liebe ist Weltmutter, aber was sie gebe 
hat, ist im blossen Scheine geboren, es ist ein Scheinbild 
sind Zaubergärten, die mit dem Beschwömngsworte \vi< 
in sich selbst versinken« Das Eine aber bleibt: Brehm, Pi 
brahma, der Selhstständige, 

Diese speculative Auflösung nimmt die realen Dinge 
Knnstgebilde der Liebe im Scheine, mithin ist sie a) ästheU 
b) sie hat sich aber ganz natürlich aus dem ersten na 
Natumythua entwickelt. Hiernach ist die schaffende Gott 
Welt-ldngam, Der Grund des Zcugens und Schaffens k 
in nichts Anderem liegen, als in der Liebe; und davon g 
sich nun die gesteigerte Speculation die angeführte Recl 
schalt. In der Philosophie aber wird dies nun nach versc 
denen Momenten ausgebildet, so dass oben an tritt Parabra 
als Selbatbeachauung , dann Maya als Neigung und Täu8ekun^ 
Diese ist die Mutter der Liebe, Cama, welche die Ma 
Jotma, hervorbrachte. Diese beschlief die OOte, PrakrUi, 
erzeugte die Materie, Mahat u. s. w. 
Also : Parabrahma — Selbstbeschauung. 



I 
Maya 

I 
Cama 

, I 
Jotma 

I 
Prakriti 

I 
Mahat 



I 

— Neigung und Täuschung. 

— Liebe. 

I 

— Macht. 

— Güte. 

I 

— Materie.') 



1) Anck diese Idee flndet sich in den Kosmogonien der Griec 
M denen CBunenUich beiHeaiodus in derTheogonie vs. 210 f[.^ in < 
•elben fiHnne die 'ifsfcmi und tPUongc nebst "E^tq, die Täuschung^ 1 
«liAlrieily VOTkommen. Ein ScheinbUd ist diese Welt; aber dass sie 
W der IdAe Werk. S. meine weitere Auseinandersetzung in den Bri 

Wumar nd Hesiod an Hermann p. I(i9. 

2) fl. dte weitere Avselnandenetsung bei Alajery die ReUgion 
f de BiaftMlni. f. 122 W. 



-^ 401 -*. 

Ger lie^ aber auch schon der Keim der Indischen Ansidit 
Lebens und jener Beschaulichkeü , welche alles äussere 
1 vernichtet 9 und sich in den Schoos der Gottheit zuruck- 
enkt Deutlicher tritt dieses in der Schöpfungsgeschichte 
or, wie wir alsbald sehen werden* Durch diese Abtöd- 
s- und Selbstvemichtungslehre aber wird der Geist Indi- 
r Religion einerseits Platonisch und Christlich , andrerseits 
auch Griechisch (im Keime}) in so fem durch die Grund- 
des von dem Individuellen abstrahirenden Schönen eine 
erweit möglich wird, die in ästhetischer Vollendung der 
st Genüge leistet , und das Ideale menschlich erscheinen 
• Ein Beispiel hiervon ist die Vorstellung der auf dem 
pen Strome (^Ganges) wandelnden Oanga^') (^in Majer's 
lolog. Wörterb. Tab. U. fig. 2}, welche von einer Venus 
, Ceres nicht sehr fem steht Aeusserst liebliche Züge 
eckt man auch in den Abbildungen- des Canui , des Sohnes 
ATtgra und des Cagapa, des Gottes der Liebe. Er reitet 
einem Papagei, halt einen Blumenstengel in der Hand, 
ist mit Blumenschnüren geziert (s. Majer mythoL Wörterb. 
. VL fig. 1 und 2> 

t3 Die Oöttin Parwadi oderBharani heisst, als Personilicatioii de« 
Htm fitromee Ganges, Gaeng^iäevi, d. h* die pötiiiche Oanpa. S. 
r a. a. 0. lt. p. l^. 






<ili., t 



'emzer^M deut^tclie Schriften. I. it. 20 



402 



Indische ITosmaganie* 

Schon Strabo (XY. p. 1080. p. 126 Tzsch.) kennt ik 
Lehre der Brahmanen, dass das Wasser Urelemetd sey, eine 
Lehre 9 die sie also mit den Aegyptischen Priestern und da 
Ionischen Philosophen gemein hatten. Hiermit stimmt ffi 
Nachricht ttberefn, die Jones in den Asiatt Untersachimgn 
L p. lOY giebt, dass alle Indischen Philosophen das Wems^ 
für das nrsprüngh'che Element ond erste Werie der SchSpfiMg 
halten, doch schiene ihre Lehre von der allgemeinen Fki 
und von der Schöpfung aus dem Anfange der tienesis gebiq^ 
zu seyn. Hierauf führt er die Worte des Henu fibw die Wt 
düng des Universums an.^} «Die Welt, sagt er| war gütk 
dunkel, ohne Ordnung und Unterschied, Alles in einem tkifal 
Schlafe, bis der selbstständige, unsichtbare Gott filnf EIomM 
und andere herrliche Sachen schuf, und die Finsternisa 
zerstreuete. Hierauf wollte er mannichfaltige Geschöpfe 
einen Ausfluss aus seiner eigenen Glorie entstehen laaadtj 
daher schuf er zuerst das Wasser, und gab demselben dEft 
Kraft der Bewegung. Durch diese Kraft entstand ein goUeny 
J&%*3 das wie tausend Sonnen glänzt, und in diesem ißf 



1) S. jetzt auch Fr. Sehtegei über die Spr. und Weisli. dar 
p. 274 W.y wo die Indische Kosmogonie nach Menu^s C^etsbacb ia iV 
Uebersetzung wörtlich mitgetheUt ist. •) 

2) Wir erinnern hier nur beOftuffg unsere Leser an die OrpUMl 
Lehre von einem Wettet, worüber im Verfolg (im driHeR Baadeyi^ 
Nöthige bemerkt werden wirJ. '•* 



^^ 403 ^^ 

rakma, der Selbstständi^, der grosse Vater aller vemänf- 
^n Wesen , geboren. Das Wasser hiess Nora , weil es der 
irossling des Nera (^oder lavara) war 9 und Brahma bekam 
ber den Namen Nan^ana, weil sein erstes Ajana oder Be- 
ugen auf demselben war. » 

^Das, welches ist, die unsichtbare Ursache , ewig, selbst- 
ind^, aber unbemerkt, *3 ^^^ ein üf aMiftenan \om Neutro, 
d wird unter dem Namen Brahma von allen Geschöpfen 



, 1) flierbei muss suvorderst an den oben bemerkten Unterschied des 
als Neutrum und des BrahmA als Bfasculinum erinnert werden, 
bemerke man^ dass im Obigen das Urwesen als absolute Einheit 
i eben dadurch als in sich aUgenuffMine' seelige Einheit Torgestellt 
ri, eine Idee welche von einer Schule Indischer Philosophen , ja im 
l|^Tmt-6ita selbst, als ethisches Gebot und als Ideal höchster Glück- 
Ü^elt praktisch ausgebildet wurde , ganz wie von den Neuplatonikem 
^ Bnmoof in den M elanges Asiatiques de M. Abel-Remusat I. p. 454 
I vgl. Plotin. m. 9. p. 648 ed. Oxon.)- '-^ Wenn wir femer im Vor- 
Mheaden und im Folgenden lesen, dassBrahm ewig selbststandig und 
liriaderlioh in seinen eignen Tiefen ruht, und doch als Quelle der 
ÜlÄi und der realen Welt vorgesteUt wird , so stimmt damit aufs genaue- 
Art «berein 9 wie FloCinus und Porphyrius das Ausgehen des 
C^fovc» Bens} aus dem absoluten gottlichen Wesen Cd. i.^ aus dem 
g|||^> tersteUen. Ersterer sagt cV. 1. p. 487 Basil. p. 9O6 Oxon.): 
is^^vooi ersten Princlp ausgehe müsse so aus demselben ausgehend 
PM(hft werden 9 dass jenes (,d&s erste Princip) dabei keine Bewegung» 
kW<iIleiiy Gewahren, kurz überhaupt keine Ver&nderung erfkhre, und 
BIlM jenes Avsgehens ganis unbewegt (unverändert) yerbleibe (avvov 
li{n^SrsiDc): I<etEterer CApodCyrilL contra lulian. I. p. 32}: Der Geist 
1^) gehe YonCrott als seinem Grunde selbstschopferisch aus, und zwar 
r aller Zeit, Er gehe von G^tt aus, aber nicht als seinem seitlichen ' 
iiia CuUm vdvvov itoQil&ovToq auroyovmz ix Otou, TraQtl&orvoq dl ovx 
* ifgi^ %woq x^^^)* ^^^^ ^^^ Geist ist zeltlos und allein ewig 
yaq uäl nal /movoq altivioq o rovc)« Ich denke 9 man vrird solche 
if deren ich schon in der ersten und zweiten Ausgabe gegeben, 
If^m eo weniger ungehörig finden, da unsere Indischgelehrien selbst 
liviBlIeB an die Uebereinstimmung neuplatonischer I<ehren mit den Indl- 



^» 404 ^ 

gq>riesen. Nachdem dieser Gott Jahre lang im Ei gew< 
hatte, und über sich nachdachte, so theilte er es in a 
gleiche Theile , und aus diesen Hälften machte er den Hin 
und die Erde; in die Mitte versetzte er den feineren Ael 
die acht Punkte der Welt und den bleibenden Aufenthalt 
Wasser » 

Hierauf führt Jones noch einige merkwürdige Verse 
Bhagavat an, die sich auf diesen Gegenstand beziehen, 
welche wir unsere Leser verweisen wollen. 

Die Schöpfungsgeschichte selbst haben wir jetzt ausfi 
lieh erzählt bei Polier Alytholog. des Ind. T. I. Introduc 
16S sqq., wonach sich die A^erschiedenen Momente so stel 
Am Anfange aller Dinge ruhte das Universum, bedeckt 
Wassern, im Schoosse des Ewigen. Birmah (^Brahma 3, 
weltbauende Potenz oder Person der Gottheit , schwamm i 
den Wassern auf dem Lotusblatte, und sah mit den Au 
seiner vier Häupter nichts als Wasser und Finsterniss. Di 
seine Selbsthetrachtung : Woher bin ich? Wer bin ich? Hun 
Götterjahre verharret er in dieser Selbstbeschauung , c 
Nutzen und Erleuchtung seiner Erkennlniss, und es ents 
in Ihm grosse Unruhe. Da gelangt die »Stimme an sein ( 
richte dein Gebet an Bhagavat (das ewige Wesen). Bir 
richtet sich auf, setzt sich auf dem Lotus in contempla 
Stellung und denkt über das ewige Wesen nach. Bhagi 
erscheint als Mann mit tausend Köpfen. Birmah betet. 1 
gefallt dem Ewigen; er zerstreuet die Finsterniss, und 51 
Birmah's Erkenntniss. In dieser Eigenschaft heisst Bir 
Nangan, d. i. der Beweger der Wasser, und so sieht man 
in der grossen Cisterne zu Catmandu in einem Bilde aus bla 



«rlBDen^. (Man 8. s. B. Herrn Lassen im Rheinischen Maseom 
nUnlogla L p. I7i und Hern Fr. H. H. Windischmann xum San 
f.d9.} ' 



-^ 405 -^ 

hfOHNT^ noch heat zu Tage vorgestellt Ab ein Symbol 
ewtelben wird noch in den Tempeln von Uindoston, Tibet 
■d Nepal die Seeblume oder WaaaerUUe , Ngnq^haea , der Lotus 
es alten Aegyptens, verehrt; und ein geborner Nepaleser 
erbeugte sich vor dieser Pflanze, als er sie beim Eintritt in 
as Studierzimmer des Präsidenten Jones erblickte.'} Denn 
I dieser Pflanze , bei der jeder Saame , schon ehe er keimt^ 
inige vollkommene Blatter enthält, giebt die Natur die Prä- 
wwtaHon ihrer Producte zu erkennen (^s. Jones Asiatt Ab- 
andll. L p. 226 der Deutsch. Ausg. }. Der Lotus ist Sinnbild 
er erzeugenden Naturkraft aus Feuer und Wasser. So er- 
dieint er auch auf vielen Indischen Münzen und als Attribut 
ri allen den Gottheiten , durch welche jener Begriff personi- 
eirt wird (s. Paulh'nus a St Bartholom. Syst. Bralunan. p. 
KpIAB. 12& 219. 242 ^qq*7* Daher heisst es im Bhagavat-Gita : 

Safger ich sehe den schaffenden Brahma — In dir ihro- 

mi über dem Lotus* 

' jBhmah aber, und hiermit beginnt der erste Schöpflingsact 

S idealen Welt; sah, nachdem ihm die FinstemiBS zerstreuet 
die Elrkenntniss geöffnet, in dem Schauspiel des eufigen 
alle unendHehen Gestalten der irdischen Welt, wie &e- 
in einemr tiefen Schlafe. '} — Darauf befiehlt der E w^ 
« Birinah , kehre zu deiner Contemplation zurück , und 
dn durch deine strenge Busse und Beschauung die 
meiner Allmacht erlangt hast , so werde ich dir das 
geben, hervorzubringen und die Welt aus dem in 



>:'f) BEtolier gebdren die bUdUchea DarateUimgeii bei Moore iba 
PSHüheon nr. 20 und daraus WMere Copie Tab. XXI. nr. Z 2, 

9 Bm Asiatt. AbhandU. I. p. 197 der Dentscb. Ausg. 

r. 9 Dies wire also ein Dasejn der Welt, paietUiä, man aetu, eine 
^^isato Btilwphatgf die Baam» der Pififornattonea, mui denen die 
INUfea mage werden soUen; eine Vorstenung, die vellkonunen st* 
b flattnifbtm im Tiaiios zu vergleichen ist 





-«- 406 -«- 

meinem Schooue verborgenen Lehen zu eotwickelo. ■ 
versinkt abermals in Confeuplalioii ^ und betet und 
hundert Götterjahre hindurch. Nach Ablauf derselben ei 
er (and nun beginnt der zweite Act, die Schöpfung de 
liehen Welt) die SehÖpferkrafl. Er echaffl den grossen 
er beschäftigt sich mit den Principien der Dinge, er 
die sieben Surg's oder Siernenspharen, erleuchtet v 
stralilendcn Körpern der Dejotas , er schafft die Erde (^ 
mit ihren Lichtern, Sonne und Mond, die sieben Pate 
unteren Regionen. Beide zusammen, die Surg's und 
bilden die vierzehn Welten der Indischen Kosmologie. ' 
folgt die Schöpfung beseelter Weten ~- aber zuci'st nur 
Zuerst schuf er den Lomta, den grossen Muni, de 
ganz in BetrAchtuD^ and Beschaulichkeit versunken, 
der Gegend von Ajhudja fAüdh^e')) vergräbt, lu 
verharren wird bis ans Ende der Tage. Als der sei 
Gott, Birmah, sah, dass Lomus von keinem Nutzen 
Welt sey, so schuf er die neun Rischf», begeisterte ' 
und unter ihnen Nardmatm, eine hohe, mit den drei P« 
der Gottheit in Verbindung stehende Intelligenz, abc 
selbst hinwieder einen Empörung und Zwietracht sb 
Titan (ähnlich dem Ahriman oder den PromelheoB de 
chen^ Aber auch diese Bischi's verftllen alle in skit 
eontemplirend zurfick. Nun zeugt Birmab aar Berftl 
der Welt mit seinem Weibe Sarbutli hundert Söhne, 
der älteste, Dateli, ^vieder hundert Sohne hatte. Abc 



1) Eine unilte Stadt iu OstliLDitnslaii oJnr aiutcnodiea, der 
iltcsten Miinarcbea des lodiscUcD neicbüs, Un Pliuse^hlct« ie» 
UnStromoDcwa i>derGA|;r», d, L d«m gSlÜlchEO. Ae IXtAcT^ 
des beillgen Scliri Rama, wnr vur Allen rni«», pttotiCVi^ «nt ' 
■ud ist Docb jeCwt wcgMt der *khi* llftokiaal» M* A-l^j^ttB» 
wertli; daninter M beMixIera fnerkwNHla JiMPyatfwn 
wttlstempul , vo StA 

tinunel ou^boben luitaa *e\L If. TKyartlafcrl ' 
L Bd. p. ISO IT. 




^^ 407 ^^ 

diese Generation bestand nur bxib Dejaiai, d. i. Bewohnern 
,der Sarins oder himmlischen Räume,, und aus DamU^ cL u 
lUeaen, den Bewohnern der unteren Riume oder Patais, wel- 
die also auch nicht zur Bevölkerung der Erde (^Mirtiok} 
gfthimdit werden konnten. Da erschuf Birmah aus seinem 
^JUnnde (^nnd jetzt erst beginnt die Schöpfung d^r noirkUehen 
^Memehkeü) einen Sohn, Brehman (Brahman — Priester) ^ 
, welchem er die vier Feda's gab, die vier Worte (Bücher) 
.seiner vier Munde. Aber Brahman fühlte sich einsam, und 
firchtete sich vor den wilden Thieren der Wälder. Da schuf 
.Birmah aus seinem rechten Arme den Kaettris r Krieger J und 
ans seinem linken Arme dessen Weib Schaterany. Aber Kaettris, 
1^ und Nacht auf Beschützung seines Bruders Brahman 
^ bedacht , konnte sich nicht nähren. Da erschuf Birmah aus 
^.seinem rechten Schenkel den dritten Söhn Bais, bestimmt 
r ßom Ackerbau , Gewerbe und Handlung , und aus seinem lin- 
^Jben Schenkel dessen Weib Baaang. Als aber diese allein 
.nicht fertig werden konnten mit ihren Geschäften, so schuf 
.Binnah aus seinem rechten Fusse den vierten Sohn Suder, 
ihestDBmt zu allen m'edrigen Knechtsgeschäften, und aus sei- 
linken Fusse dessen Weib Suderang. Das waren die 



I JBnsvIter der vier Casten, welche die Erde bevölkerten und 
rjjbe vier Veda's empfingen, denen sie nachleben sollten. 

Aber Brahman beklagte sich, dass er allein unter seinen 
^küdem ohne Gefährtin sey. Da giebt ihm Birmah die Ant- 
wort, er solle sich nicht zerstreuen, sondern einzig der Lehre, 
dem Crebet und Gottesdienst obliegen. Jedoch Brahman be- 
karret anf seiner Bitte; da gab Birmah im Zorne dem Brahman 
Iktbdang , eine Tochter vom Geschlechte der Daints oder 
9 von welcher nun alle Brahminen abstammen, so dass 
das ganze Priestergeschlecht einerseits der Abkömmling eines 
Geistes, andrerseits einer dämonischen Frau ist. Auch 
aaderwirts finden wir Spuren solcher Vorstellungen, so wie 
den meisten alten Staaten ihnUdie Begriflfe von der ük»- 



-^ 408 -^ 

Umtgkeit, als Erforderniss des Priesters, herrsehten, ^e hier 
in Indien , wo aaeh der Begriff der DemtOh neben der hohea 
Vorstelhing von der HeiUgkeit und Wurde der Brahminei 
nicht zu übersehen ist Doch über diese Demnth ein Mehreres 
bei der Ethik , wo von Birmah's Fall und verschiedenen Wie- 
dergeburten die Rede seyn wird. 



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5 






,»<: « 



40d 



$.8. 

ar die Welt geschaffen, und die vier von Birmah 
rächten Menschen verbreiteten sich fort und fort auf 
st aber die Welt nach Indischer Ansicht in vier 
räume eingetheilt, in Vier Aeonen oder Weltalter, 
idiem Tuga's genannt/} das erste Crüa oder SaUa' 
[es Brahma oder Schöpfers j das zweite Treta-gug; 
Dwapara-yug, beide des Wischnu oder Erhalters; 
Cali'gug, des Schiwa oder fSerBtOrers. Die erste- 
ibgelaofen. — Daran sdüiesst sich die Lehre der 
neun bis zehn muBerordenÜhhen Verwandbmgen der 
der Person des Wüehnu, d. l der erkaltenden und 
m Gotteskraft, so oft wegen fiberhandnehmender 
3it der Menschen solche ausserordentliche Hälfe der 
nöthig ist. '} Es glauben zwar die Hindus unzSh- 
wBy d. i. solche Herabste%ungen oder besondere 
nkunften der Vorsehung in den Angelegenheiten 
hen, sie rechnen aber %ein Hauptavatare während 
n Zeifa'aums von vier Yuga's oder Weltaltem* Im 
itar'} erscheint Wischnu als Fläeh, im zweiten ab 
, im dritten als Antilope, im vierten als nUbmUeher 

*olier Myiholog. des Indous I. Introdoct. p. 161 oad Gnignlaiil 

^siatt. AbhandU. T. II. p. 28 der Deulgdi. 'Aiisg. und aber 
i Folgende Jones ebendas. I. p. 363 9* 

fiei kann die bildlicbe DarsteUnng von drei Avatara^s Ver- 
den auf uMserm Btatt^ XXV. nr. 1. 2« 3. 2« Ausg. — • Sehr 
bandelt Maurice die AnUani ab, untf gl6bft daTOB UldlMte 
s von B. L p. 495 biir B. n. p. 50#. 



^^ 408 ^^ 

lotigkeii, als Erforderniss des Priesters, herrschten, ^e 
in Indien , wo aach der Begriff der Denudh neben der ho 
VorsteDang von der HeiUgkeit und Wurde der Brahmi 
nicht m übersehen ist Doch ober diese Demath ein Hehr 
bei der Ethik , wo von Birmah's Fall und verschiedenen V 
dergeburten die Rede seyn wird. 



(yg^ mit Polier Mytholog^. des Ind. T. L Introdoct p. S8 sq^) 
Fidgendes mit^theQt hat: «Brahma begab sich am /Schlüsse 
dier sechsten Bfanwantara zur Ruhe. Da stiehlt ihm der JXoM 
Btgagriom die Veda's. Dies- brachte dem ganzen Menschen- 
geschlechte Verderben. Alle wurden bdse, ausser den sieben 
MMttM und Saija»rata, König von Dravira. Dieser badete 
mid reinigte sich im Flusse Critamala, and scb&[^e Wasser 
aus einer Schaale. Wüeknu erscheint darin als FUeh, und 
wichst immer mehr in immer grösseren GefSssen , bis er end- 
lidi aus dem Ocean dem Satjavrata die Snndflnth auf den 
siebenten Tag und seine Rettung mit den sieben Rischi's mit 
Auren Weibern und den Thierarten verkündigt Dies geschieht 
Nachdem Satjavrata mit jenen Andern in einer Arche gerettet 
und die Fluth abgelaufen ist, ersch1%t Wisrhnn den bösen 
Daint, bekommt die Vcds's Wieder, unterrichtet den Satjavrata 
darin 9 und bestimmt ihn zum siebenten Henn, unter dem Na- 
Vaivaswata. » Jones , welcher a« a« 0. p. S61 mit der Gene- 
Parallelen zieht, vermuthet, dass dieser Menü mit Nük, 
wahren Namen Noah'a, ein und derselbe sey. 
Diese vier Yuga's zusammen haben eine Dauer von vier 
Millionen und 820000 menschlichen oder 12000 Götterjahren. 
^JBeim Ablauf des vierten Yug, in welchem wir leben, tritt 
Jjas Weltende ein. Schiwa verbindet sich mit Wischnu als 
vXSilci} und verbrennt die Welt durch den Feuerwmd,^^ allein so, 
* daas bei dieser Zerstörung die Saamen aller Dinge in den 
^Lotu, in dieBirmutter der Bhavani,^) aufgenommen werden, 

.^ 1) Dies erinnert uns an den ngfiavtiQ des HerakUtus (s. unsere 
AIhSBdIang de Fato p. 27 und unsern Dionysus p. 79 sqq. und die Haupt- 
■CeUo des Aristoteles de mundo c. 4), so wie an die Lehre yom WeU- 
"^IhOide, die er und dieiSVoiXr^ vortrugen. Hieraus aber sofort schliessen 
'^'fai wöHea, dass HeraUitus und die Stoilcer aus Indischen Quellen g&- 
'''MUffty wire eben so unlüs torisch , als wenn m^n mit Jones jede Orte- 
^^iMMte Ckittheit in Indien finden woUte. 

10 Jonas in den Asiatt« AbhaadU. I. p. 215 Tergleicht dieselbe mit 
der tSMpkt — Itmo MMcina und sag^eich Ven^ ürmiia. Im Aegyp ti- 






-^ 412 -^ 

woraus eine neue Welt wird. Denn der Lotus ist Symbol 
der ewigen Zeugtsngskraft , und wird daher oft mit dem Lingam 
verbunden , worüber schon oben das Nöthige bemerkt worden. 
Also auch hier die Lehre von der Fortdauer der Substanz der 
WeÜ heim Wechsel der Formen , Rückkehr alier Wesen in 
die Gottheit, worin alle Dinge ruhen, und die der Anfang, 
das Mittel und das Ende aller Dinge ist. 

sehen System muss Merbel Jm-^fAor ▼ergUchen werden. — Da es eine 
Grundidee der Indischen Philosophie ist, dass nichts absolut zerstört oder 
annlhillrt wird, so erglebt sich daraus, warum ein und derselbe Gott 
CSchiwa) als Zerstörer und als Gott der Zeugung und des Lebens vor- 
gestellt wird. -^ Darauf beziehen sich auch die ihm beigelegten AttrtbuCe; 
▼gl. Pajne Knight on symbol. lang. g. 228. p. 189. 



it**iÄ 



fij'»i 



413 



$. 9. 

fndiieher Thierdiena ; Ferwandtaehqft der Indhehm und Aeggp^ 

tiaeken Religionen* 

Obschon die sonderbare Erschemmi^ des Thierdienstes 
B den Culten der Aegyptier am auffallendsten hervortritt nnd 
iorten erörtert werden wird , so muss doch auch der Indische 
Ruerverehrung hier kürzlich gedacht werden. Ich theile das 
VITesentliche nach PauUmas und Kleuker mit;9 worap sieh, 
einige Betrachtungen anFr^^** Bidgen. 

«Ausser dem Elephanten, einem Symbol der Klugheit ^3 
und Stärke, deren acht die Welt tragen; dem Schwane 
(Bamsa}, auf welchem Brahma fährt; dem rothgelben Adler 
oder Habicht (Garudha) , als Tr&ger des Wischnu ; dem Küfer, 
dessen krumme Homer und Glanzflügel die Sonne und die 
Haneten abbilden sollen; dem Raben, der die Seelen der 
Verstorbenen vorstellt, und dem man täglich Beis streuet j 
1er Schlange , als einem Symbole des Lebens und Attribute 
■drerer Gottheiten — lauter bedeutenden Thieren, die man 
■ü einer Art von Ehrfurcht betrachtet werden Oeb*) 

• 

1) PaoUini Syst. Brahman. p. 60. vgl. Kleuker in den Asiatt. Ab- 
lufll. Bd. IV. p. 86 — 88. •-- Payne Knight Inquiry on symbol. lang. p. 
tt9 meint, Schiwa reite auf dem Adler, als dem Bilde der Zerstörung, 
tai das andere Attribut dieses Gottes, der Lingam, als Bild der Rege- 
leratton, entgegenstehe. 

2) Daher ilm GanSsa zum Attribut hat; s. oben. 

3) In der Verehrung des Stiergeschlechts kommen fkst alle besonders 
«toalalische Religionen überein. Vom Persischen Stier - Cherub mit 
iMiMriillihiiiH Angesicht. (in so weit dem Ebr&ischen fihnllch, vgl. Zümg 
tiChenibtan- Wagen S. 20 ff.) war im ersten Capitel, bei den Iranischen 



^^ 414 ^^ 

nnd JlCtih gmz e^entUch verehrt Jener stellt den Schiwa 
vor, und hat in Indien so gut ein Fest, wie der Apis in 
Aegypten es hatte. ^} — Die ÄtiA ist der Bhavani oder Lak- 
schmi, als Allmutter, heilig, deren Bild oder Zeichen man 
an den Eitern, auf der Zunge, im Munde und am Schwänze 
derselben finden will. Lakschmi hat die Kuh in den Himmel 
erhoben. Eine Kuh tödten, zieht unausbleiblich die Todes- 
strafe nach sich. Beim Schwören und sterbend nimmt man 
ihren Schwanz in die Hand, wodurch die mühseligen Wande- 
rungen au8 einem Körper in den andern abgekürzt werden 
sollen. » ^} 

Mit dieser Reinigsng im Tode durch das Berühren einer 
Knh ') verbinden wir noch die Notiz von einigen dahin gehö- 
rigen und sprechenden UebMuifihen« Nach dem Cärimonial- 



Symbolen, die Rede. Hier wiU ich nachtraglich an das sonderbare uraUe 
Celtische Steinbild eines geflügelten Stiers mit Stierkopf erinnern , welches 
man neuUch zu Pont -de Veaa in Frankreich gefunden hat (s. Zar Gem- 
menkunde S. 96 und S. 117), und bemerklich machen, wie auch dieses 
den oberasiatischen durchaus ahnliche Gebilde filr eine in unbekannter 
Voneit in die Abendlander geschehene Verpflanzung orientalischer Colte 
•pricht. 

1} Wenn Kleuker hierbei sagt: „Auch der Name Apen kommt tot, 
Vid betest Pater et progenitor,^ so hätte er auch noch an die IndisdM 
Benennung des heiligen Stieres: Apen Pascha erinnern können (s. 
meine Commentatt. Herodott. I. p. 113); und wir wissen, dass ein hei- 
Uger SKler In Aegypten auch Bacis hiess, vgl. jetzt Guigniaut I. p. 
2T7 f. 

2) Ks wird noch an andere Gebrauche in Bezieliung anf die Knh 
und an Münzen and Sculpturen erinnert, ^^die einen Stier zeigen, der 
moiseken seinen Hörnern die Sonne trägt, oder mit seinem Home des 

i hervorstösst.^^ Dieses Bild kennt auch Japan; s. das Kupfer bei 
VoL L pL 2 zn p. 45. 

3) Vgl. PauUnus Voyage ans Indes Orient, p. 321 der Firnnzös. 
^n^. — - Hierbei yerwelse ich meine Leser, in Betreff der Leichenge- 

der Priester, auf eine Inhaltsreiche Abhandlung von Gare j : An 



'^ 415 '^ 

gMets der Brahminen ist noch heut za Ta^^ das DarehkriedMA 
dordi die goldene Bildsänle einer Kuh ein Reia^pm^^sniittdy 
oder eme Art von Wiedergebart Neaere erzaUm zwei Fille 
der Art: Einmal musste sich der König Yira-Martanda-Pala 
dieser Reinignng unterwerfen, weil er Tempel und Götterbilder 
verbrannt hatte , and man zeigte noch im Jahre 1187 diese 
gddene Kah im Schatze zo Padmana Baram« ^} Ein andemal 
machte man diese Zomathang zween Brahminen, Gesandtes 
des Königs Ragha-Nath Raya oder Ragoba, weil sie aof 
luer Beise über den anreinen Flass Attock (^Attaca} gegan- 
gen waren. Die Brahminen versammelten sich, and es war 
aaeh von der Beinigong darch die Kuh die Rede.^) 

Wem fillt hierbei nicht von selbst die Aegyptische Legende 
beim Herodotus (IL 129 sqqO ei» 9 n^^h weicner die Tochtor 
des Königs Hycerinus von Sais , trostlos aber eine vom Vater 
gegen sie verübte Unthat, vor ihrem Tode sich die Gunst 
erbittet, in einer vergoldeten Kuh begraben au werden; wet- 
dwi noch verwilligt wird, und a^u Jahresfesten Veranlassung 
giebt ~- Ich mache im vierten Bande dieses Baches von der 
angefahrten Sage auf merkwürdige Kretensische Mythen An» 
midang. Hier aber giebt uns dieen und anderen Zueammen^ 
trägem Indieeher und Aegfptieeker MeUgkm» ^ Begriffe und 
thtränake ungesuchten Anlass zu der Frage, ob nun auch 
MJsehen Indiens und Aegffptene CuU und Beligiamgkatben ein 
ibterieeker oder, bestimmter zu reden, eiSs geneUteker Sbumt- 
wmikung etaU JIndef 

Hierauf ganz kurz zu antworten, so müssen die inneren 
UebereinstUnmungen, wozu die eben bemerkten, aber auch 
imA viele andere gehören, von den auateren Sfuren und 
unterschieden werden. Unter den inneren Merk- 



Aeeomt of the ftineral Ceremonies of a Bufmaii Priest — by W. Carey^ 
hßen AsUtic Researches VoL XII. p. Id6 sqq. 

1) VMdUoiu In der Vojage p, 320 •%%. 

2) Aalatte RetearelieB Vel. VI. p. 537 aq. 



9 



4t6 ^«k. 

malen werden immer die beiden: Ueüi^keit, ja Verehin^ 
ge^vfeser Thiere und zwar zum Thefl dcrselbigen Thiere, so- 
dftnn die Lehre von der Seelen waaderua^, die auiTalIrnd.itti 
bleiben. Dazu gehört denn auch noch das gemeinsame Fett- 
hallen an gewissen Symbolen, worunter der Lmua einend» 
aligemcioaten ist; der beiderseitigen Verehrung de?« Lingao- 
PhallDS nicht einmal zu gedenken. Der Aelmlicbkeil lodischa 
und Aegyptischer Baukuast, wenigstens in manchen Stäeko, 
haben wir schon oben erwähnt. Jetzt erinnere ich nur a 
die auffallend Hindostantsche Gesichlsbildung mancher PcnwoB 
in der Acgypiisclien Sculptur und Malerei, z. B. auf Mnini«»- 
kästen und Mumiendecken.'} Unter diesen Umstanden wirf 
die Verehrung sehr begreiflich, welche gemeine Indische So^ 
daten bei Gelegenneit der lat/ten Keldztige den Baudeoknialci 
und der heiligen Bildnerei in Oberägj-ptcn hCT^gt babra*) 
Noch mehr aber, wie von der Bildnerei, lä-sst sich von der 
J^fthologie und Religion der Aegyptier sagen , was ein gäd- 
reicher Schriftsteller davon sagt,'} «dass Rie ihrer gaiiUi 
Sfmcliir und ihrem Geiste nach sich häufig' ganz an die tafln 
sehen nnznschliessen scheinen. » Sind doch auch die B«a 
Hauptgegenstande der Aegj-ptischen Volksandncht . die gnw* 
sen Landesgottheiten Osiris und Isis, der Grundidee nach'} 
in der Indischen Religion anzutreffen; indem hier wie dajf 
das Sterben und Wiederaufleben des Volksgottes ein Gm^ 
gedanke ist.'} 



1) S, Blumenbach'a Bcitrago Eur NalurRescbichte Sr. XVII. p. t& 
Ein Mehrcros darüber, besonders hinsichtUch der AbbiltlungeD U Ar 
DeacriptioD de VEgypte, hnbe icli in den ComincDtfitt. Ucrudou. Caf.B 
S. 2d b<:merkt. 

2) S. Asliitic Hcsearches Vol. Vin. p. 4j. , 

3) Fr. SchleRcl über die Spracbo uud WcUheit dor lodier f. 11^ 

4) Andern eufolge such dem Nnmcn uaeh: nls Estvarn und Ul; i^ 
Jones in den Aslnlt. Abhaodll. p. '212 V. 

6) Vom Bmhmn berichtet Bftldaeus Folgendes (in DcscripUooB f^ 
intnlte ladic&e etCeylonia f. 436. b.): ,,dHB er jährlich sterbe und «leKr 



•^ 417 -%. 

^A :Wm die insscren Grunde eines genetischen Ziisaiiimeib- 
ilflOglk Iietrilft, so fehlt es nicht an alten Zeugnissen der 
iPljliiichen Völker, so wen^ als der östlichen, noch an denen 
,^f^ Indier selbst; woraus dann in neuerer Zeit verschiedene 
^^^jMlltcyUinngsarten sich gebildet haben. Wir wollen sie kür&- 
|U|!L vortragen , ohne zur Zeit noch selbst ein entscheidendes 
JlrtVif' abzugeben* Zuvörderst weiss eine Sage von einer 
jPydwKJhen, Colonie in Aethiopien. ^^ Aber bei der Unbestinunt- 
Mt dieser Ueberlieferung und. bei der Weitschichtigkeit des 
^fggjrib Aethiopier, müssen wir die Vorsicht sehr loben, wo- 
j|j|.jsich Heeren '^ darüber auch noch in der neuesten Ausgabe 
IVerkes erklart hat Schon bestimmter lauten die 
beim Syncellus'^ und Eusebius, welche auch die Pe- 
^jllpde bezeichneil , wo Aegypten von Aethiopien her ans Indien 
Colonie empfangen . haben soll. Hiermit stimmt nun eine 
^rang in den Schriften der Indier ganz gut zusam- 
, wonach einer der drei Romas, der das südliche Indien 
herrschte, Aegypten erobert und durch Colonien fester an 
seine Herrschaft geknüpft haben soll.^) Hiernach liegt also 
die^ Verbindung Indiens und Aegyptens factisch in der Sage 





' r- 1 



MfMe,^^ und p. 559. a. ^dass er nach Verlauf vieler Jahre sterbe, und 
fteroach wieder lebendig werde. ^^ Vgl. Jablonski Opusce. Vol. n. p. 
'920 8^. 

1) PhUostrati Vit. ApoHonU VI. 6. p. 253 Olear.: ^ %ipu Xoyov, w; 

2) In den Ideen über Politik u. s. w. n. p. 390. 540 ff. 

3} Syncellus p. 72. 151 : Ai&ioniq ujto *Ip6ov nova/iov apeufrupvtq ngo^ 
tj Myvm^ ixt^oav! vgl. Suseb. nr. 402. ^- Die Periode ist angeblich die 
Begiemng des Pharao Amenophis; vgl. Marsham Canon. Chr. Saeeul. 
Xm. p. 335. 

4) S. Polier Mytholog. des Ind. T. I. Introduct. p. 51 sqq. NiHSh 
daer andern Sage soU ein Indischer Stamm die vier Veda's nachAegyp- 
te gebracht haben; s. die Naohweisongen des&rafm Fr. L. zuStoUborg 
Jü der Gesch. der Religg. I. p. 340. 

Cremxer't deutsche Schriften. I. 3. ^ 



'^ 408 -^ 

htigkeii, als Erforderniss des Priesters, herrsehten, wie hier 
in Indien, wo aaeh der Begriff der Demuth neben der hohen 
VorsteDang von der Heiligkeit and Wurde der Brahminen 
nicht sa fibersehen ist Doch fiber diese Demuth ein Hehreres 
bei der Ethik , wo von Birmah's Fall und verschiedenen Wie» 
dergeburten die Rede seyn wird. 



■ '* 



409 



$. a 

So war die Welt geschaffen ^ und die vier von Birmah 
hervorgebrachten Menschen verbreiteten sich fort und fort anf 
ihr. Es ist aber die Welt nach Indischer Ansicht in vier 
frosse Zeiträume eingetheilt, in Vier Aeonen oder Wdtaiter^ 
iron den Indiem Tugas genannt/} das erste Cräa oder SaUa^ 
fug, das des Brahma oder Schöpfers; das zweite Treta-gug; 
das dritte ßwapara-gug , beide des Wischnn oder Eriialters; 
las vierte Cali-gug, des Schiwa oder SSerstOrerM. Die erste- 
ren sind abgelaufen. — Daran sdihesst sich die Lehre deat 
bdier von nenn bis sehn tmeeerordenüiehen Verwandtungem der 
Gottheit in der Person des Wieehtm, d. l der erlütUendem nnd 
fänorgenden Gütteakrqft , so oft wegen überhandnehmender 
Gottlos^keit der Menschen solche ausserordentliche Hälfe der 
Vorsehung nöth^ ist*} Es glauben zwar die BCmdus unzili- 
li^ AvatarSf d. i. solche Herabste^ungen oder besondere 
Dazwischenkunften der Vorsehung in den Angel^enheiten 
ier Menschen, sie rechnen aber %ekn HauptmaUire während 
des ganzen Zeitraums von vier Yuga's oder Weltaltem. Im 
ersten Avatar') erscheint Wischnn als Füeh, im zweiten ab 
SeUdkrSie, im dritten als AnUlepe, im vierten als m&mUeher 

1) 8. Polier M jifcolog. des Indoiis I. Introdiiet p. 161 ud CkügnlMrt 
h €26 sqq. 

2) 8, AsiAtt. Abhandn. T. IL p. 28 der Deotedi. 'Ausg. mid iiber 
iu mnaehst Folgende Jones «bendas. L p. 309 ff. 

3) meriiei kann die bildliche DarsteUmig Ton drei Aratara^s rw^ 
IfiOken werden muf tmeerm BiMe XXV. nr. 1. 2. 3. 2. Ausg. — Sehr 
Hslfihilieh handelt BtauHee die Airaiars ab, und glebl davon bfldlicho 
Vfurslenottgea von B. L p. 495 bis B. OL p. S0#. 



-^ 420 -^ 

Hindin mit ihrem Blanne, einem Hirsche 9 spielte, mit ei 
Pfeile zu verwunden. Zur Strafe musste er sich seiner ei 
nen Gattin, Namens Cundi (Knnti)^ enthalten. Diese a 
eine Tochter des Tredareda, gebar, vermöge eines Ui 
gelernten magischen Gebets, fünf Söhne. Dagegen b 
Candari, ihre geschworene Feindin, mit ihrem Sohne Cai 
den sie durchs Ohr geboren hatte, 101 Söhne ^ur Welt 
bracht Als diese erwachsen waren, und die unachte 6e 
jener fünf erfahren hatten, machten sie ihnen Paniki's A 
streitig, und eigneten sich ihres Oheims Erbschaft zu. 1 
verursachte^} jenen berühmten Pandawenkrieg. NaehdM 
fünf magisch erzeugten Bruder von ihren Vettern «nf . 
Aeusserste gebracht waren, erscheint Wischnu als Krise 
mit dem Aijuna (Arjoon Poh'er, Orjun Friedr« Schlei 
schlägt die Feinde, tödtet den Carma, und setzt die 
wieder ein. Nach geendigtem Kriege nimmt Krisciuia 
ihnen Abschied, und stirbt, von einem Pfeile durchbohrt«) 
einem Baume, nachdem er vorhergesagt hatte, dass drd 
Jahre nach seinem Tode das eiserne Zeitalter (^die Kaliya 
beginnen, und die Menschen eben so böse als nn gin^ 
seyn würden. » 

« Nach dem Bhagavat-Gita wird Krischna in Madhu ( 
und zwanzig Heilen von Agrli) geboren. Seine Mutter 
Dewaki, Schwester des Königs Kansa, und Wasudewa 
Vater. Seine Mutter ^ rettete ihn als den jüngsten von sk 
Brüdern allein, deren sechs umgebracht wurden, indem b 
Eltern mit dem jKinde flohen , über einen gefährlichen F 
setzten, wobei die Schlange Caliga das Kind gegen Som 
hitze und liegen schützte. Erwachsen tödtete er alle . 
Ungeheuer, die Kansa gegen ihn schickte, und den Kl 
selbst. Nachdem er zahlrdche Beweise seiner Göttlidi 
gegeben hatte, heirathete er, lebte als Hirt, entwendete] 



1) Den Krieg der Kum's und Panda'«; 8. Fr. 8eUegel p. 285. 
lier VoL I. chap. VIDU p. 566 «qq. 



-^ 421 -^ 

r, spielte die Flöte, beschll^ 16166 Frauen, führte** den 
rieg gegen die Kam's, und wurde, nachdem er diesen bei- 
de^ hatte,, von seinem Lehrer, dem Busser Diwasa, ver- 
icht, und von Beren an einem Baume mit einem Pfeile 
"Schossen. Sechs und dreissig Jahre nach seinem Tode 
^ann die vierte Weltperiode oder Kaliyuga.» 

«Paullinus ze^, dass die bei den Alten >) vorkommenden 
amen der Städte Panda und Madnra (d. i. die Colonie Aladu), 
T regio Uavöavtav und der Pandaea als einzigen Tochter 
as Hercules, wovon das Land den Namen hatte, auf die 
ibel von Krischna und-den Krieg der Pandawen passe , und 
Uiesst aus Allem, idan die ganze Fabel adronondseh sey,*^ 
id Krisekna die Sonne in VerflMterung (^solem in ecUpsi^ 
^mite; dass aber, nach der vielfachen Anwendung, welche 
B Schriften der Brahmanen vom Systeme des Himmels auf 
nge der Erde machen , jener Mythus auch auf den wahren 
lieg der Indischen Könige passe, dor tausend Jahre vor 
» Ohristliche Zeitalter falle ([welches auch Jones, annimmt), 
Itiiiii Krischna auch der Name eines wahren in Madura ge- 
imen Königs sey, » •) 



1) ,,Plin.H.N.VI. 16. 20. 23. Arrlan. dßFxped. Alex. I. 1, Ptolera. 

tbgt. vn. 10." 

2) „Seine Hauptgründe sind: 1) die Schlange Seesen oder Wasughl 
•nchlingt die Sonne, wenn sie verfinstert wird; diesen Pjtho aber 
4tete Krischna mit seinen Pfeilen oder Strahlen, und heisst daher auch 
tettus Cder gelockte}. 2) Wie die von Krischna besiegten Pandawen 
■gUche Sdhne der Sonne heissen, so wurden die ludl Apollinares bei 
■ Bdmem zum Andenken des siegenden ApoUo gefeiert (s. Macrob. 
ifwaaL L 17), gerade wie das Indische Fest des Krischna, Dadurch^ 
M er lilnzu, erkl&rt sich das Kuheweiden des Apollo |" und so sucht 
HiUimis Cp- 1^2} andere angefjjihrte Mythen von Krischna aus der Grund- 
ee der Sonne ku erkl&ren. Kleuker findet diese Erklirungsart nicht 
IIB olme WahrschelnUchkeit (a. a. 0. p. 70). 

5> „Er (Pmdlimu) bestreitet die MelBmig derer, die In der Fabel 
QB Krisclma bald die« bald jenes finden, besonders die durch apokry- 



f 



•^ 432 -*. 

•cKrisehBa tr&gl en der Stirnc 4ait Zeichen 4cr Sobk 
den Lotus am Halse, unter der Fiisssolilc und in der fladiM 
Haud das Dreieck oder ein magisrbes Fünrerk wl* Zdclici 
nod Princip aller Erzeugung. • 

Uefaer die Würde, die Krischn« in den Syittcmen 
Mjihen Indiens bcbaoplct, verdient noch Polgimdc« bemeiit 
XB werden : Wenn die zahlreichen Verehrer den Krisdina 3m 
al» Wischna selber, und den dritten lUma (l*alA-IUaa: 
obeu^ als die «chte Incomation des Tisclinu brtrachirn , O 
werden wir einerseits begreifen, wie bald Krisciina bald Pult- 
Rnaia (s, oben^ als die achte Menschwerdon;; den Wis 
frcxühlt wird, andrerseits wird es mm einleuchten, wana 
HrUchna bald für eine Ootlheit Pere-Brübm aimgt'febcn.') 
bald in einer Hobeit dargestellt wird, dasa er selber «r 
Braliina den Vorzug behauptet.*) I.icsen wir nini die Oe- 
burt»<;E:cschiclite des Krischna, vdc seine Mutter mit voA- 
nendcr Schwanffn^chart immer schöner wird . wir der Kvpff 
von Vater und Mutter in der Ueburtsslunde selbst (n MI* 
lernacfat am acbten Ta^ des Manctes im Sc|itcaber) i«. 

Iihlsche Evfiiicclinn ycTfril^tlilc Geschichti.- Jesu, llass Aii: F.-il>el u Ml 
nicht erst nus diesen Evangell es cuUtanden scj-, glaube Ich gcrMt <Ml 
künnte sia daher allerdings eialgCD Stoff liekommen hnben.'^ — fi« w« 
Klculccr. 

15 Polier I. p. 434. 

2) Ebenderae1)ic I. p. 461. 

3) Fr. ScTileet-'I p. 307 tn einer Anmcrlning zu etaeni Stuck IM 
Bliai^valgltn : „Hier wird dem Kristin» gaim deutlich der Vonns *« 
Brahma gegeben. Vom Brohma rühren die n'elten der ErscheiauHf M^ 
iD denen SeelcDnunderun^ Htntt findet, und stets emeale RürkkdrlM 
Leben , die hier als ein l'nglück betrachtet wird. Krithno tat itr 
drr ewigen Einheit und des u-abrhaftrn Wesrns." — Nach netner A» 
■lebt isIKrisehna Auf dIeserSlure der polenKlrtcOsIrls; d. li.«rlslKM|k- 
A|rnthodjjmon oder Kronos, In dessen senliger Tiere alle Wesen 

ercinif^eo — aber in s« fern er such mit ^cr i^nKm FOD 
TU«rleb«tu nin|«b<« ht, tff ef tm/k iet gemeia« Oalib. 



tmtr hiBiiidiselien Glorie strahlend und dorehsiehtig, und wie 
KrMchoa endUch mit «nen Zeicben des Wischno rnid mit 
hHunllsch sdiönem Angesicht ans Licht der Welt gebracht 
wird , >) and femer alle wanderbaren Umstfinde seiner ersten 
Erscfaeinimg; so werden wir begr^en^ wie nattirlidi die Pa- 
rallelen mit Christlichen Erzlhlongen veranlasst worden. 6e- 
wus werden aber unsere Leser die einsichtsvolle Weise loben, 
wunk ein ehrwürdiger Theologe^) über diese rnid aiklere 
Aebilichkeiten sieh erkUrt hat — Wenn Panllinus (s. oben} 
in diesem Krischna eine IncarmMm der Somw erbUckt (90 
möchte ich den ganzen Mythus bezeichnen} , so verdi^it dies, 
mciiies BediidLens , nicht weniger BeifaU. Nor mnss man sich 
wundem, dass Jones,'} PaulUnns und Klenker an Griechiselie 
and BSmische Gottheiten dabei erinnem, imd das näher He- 
gende Aegyptisdie mit Stillschwe^en übergehen. Sehe ich 
Kcfct, ao haben die Aegyptier in ihren Mythen vom OmHf und 
Sem-Herctäea die Elemente des Krischna vereinigt An Her- 
cales erinnert Vieles, und dieses ist dem Paallinas nicht ent- 
gangen; nur muss es mehr im orientalischen Colorit gesehen 
werden. Alsdann tritt die Aehnlichkeit heller hervor. — Aber 
Krischna der schwarxe erinnert in Mehrerem an den schwarzen 
OäriM. Man denke nur an die Attribute des Krischna: das 
Zeichen der Sonne, der Latus y das Dreieck;*) man denke an 
die HeilsckUmge (Agathodämon} , die den JErischna schötzt ;' 
aber anch an den Todesbaum , wo er sein Ziel findet. Sodann 

O PoUer I. p. 413 f. vgl. p. 39B ff. 

2) Kleuker (s. vorher, wo er von des apokryphiBChon Evangelien 
iiMet)> 

3) Der den Krischna als Äpotto Nomius (den Hirten) nimmt, und 
' dabei bemerkt, dass Oovinda, ein Beiwort des Krischna, wörtlich so 
"iliersetEt werden könne (Asiatt. Abhandn. I. p. 227). — Ich widerspreche 

ketaie«weg8, und wiU gerne eugeben, dass bei den Indiem das Pradicat 
WM ebreabafter seyn mag, als es bei den Aegjrptiem war. 

4) Das Dreieck war das Zeichen der Incamation des Osiris, des 
Apis Cs> unsere' Commentatt. Herodott 1. p. 133). 



^«. 424r ^«. 

erwXJl^ man folgende Züge^ daas er im Gefolge von Njrraphen 
(GopiBs) ist und dass er nüt der FKie ihre TlUuse begleitet,*} 
da» die Gruppen der TUere mn ihn lagern, dass Frudithar- 
keit seinen Fosstritten folgt, und dass er der Betie unter 
den Männern heisst — alle diese und andere Umstinde treffen 
mit dem Odria ssnsammen. Bedenken wir non, dass eine Sage 
den Jtrüekna ins neunte Avatara, welches auch dem Buddha 
zngetheOt ist, setzt, so wird es vielleicht nicht unpassend 
sdieinen, wenn wir im Krischna, wie im Osiris, das üafttHt- 
prine^ der Leiher, aber nicht minder auch die Eudgtmg der 
Geieter erkennen. 

Wie dem Allem aber auch sey: der hiumenHehemde^ ikM- 
etroMende Krieehna, als Säugling auf der verherrUchten Mat- 
ter D^aki Schoosse, wird uns in dem unten beigeffigtea 
Bilde'} vollkommen deutUch, wie er das Opfer der FrüdUe 
empfangt , und sidi durch die Gruppe «der Thiere als kfinft^;ea 
Hirten ankündigt 



1) Polier I. p. 449 sqq. Vgl. Maarice Vol. I. pL 3. 

2) Nach Moore nr. 59 unsere Tafel XXVI. 2. Ausg. 



435 



Indisehe Pnewmdolagie und Ethik. 

Die Indische Pnemnatolo^'e bernhet ganz auf dem Kampfe 
zwischen Materie ond Geist, auf einem DaaUsmos. Es ^ebt 
nSmlich nach Indischer Lehre eine grosse Zahl von niederen 
Gek tem , BefiOas, m zwei Classen: gute, Dejüta» oder Sur^e 
geiiamit, nnd böse, DanUa oder jiemr^e genannt Sie leben 
(Hier honderttaasend Jahre, und die Werke der bösen Geister 
sind es , welche den physischen Weltianf nnd die moralische 
Wettordnmig stören, welche anch alle die Bewegnngen und 
Kriege gegen die guten Geister verorsacht haben, die den 
Inhalt der meisten Mythen und epischen Gedichte ausmachen. 
S. Polier Mytholog. den Indous T. L p. 108 sqq. v^ p. M5 
und besonders den ganzeik zweiten Band. 

Wie der Mensch physisth aus dem Leibe des Brahma 
geworden , haben wir nach dem einen Mythus oben gesehen. 
Ausserdem hat man noch eine anA«re Sage, wonach aus 
Brahma's rechter Seite der erste Mann , ans ^seiner linken das 
erste Weib geworden (s. Thomas Maurice ancient history of 
Bindöstan YoL L p. 407 — 410}. Des Menschen Seele hin- 
g^gra lebt, wie ein Funke, vom Feuer entzündet, in und 
dorch den aUe Elemente durchdringenden höchsten Geist 
Diese seine Seele ist zwei&ch, sie ist erstens innere Seele^ 
vemfinftiger Geist, Maktä, und zweitens Lebentigetet, Ji^tte- 
tn^a oder Jieainum , welcher den aus Elementen zusammen- 
gesd^ten JI[orper, BhuMma, bewegt Es kann dies uns an 
die Triplicitfit der Seele, welche bekanntlich Hiato statuirte, 
erinnern, nämUch x6 Koyiövtxov j^voS^y kSyog)^ das logisehe 
Prinmfium, die Vermatfl; tb &vfAoeidhf das Frknoip der Ge- 



f 



-^ 426 -^ 

taätlubewegmig , das Gefühl, und endlich ioi:it9bftyrtXQ», du 
Willen»- oder Begehrangtoemwgea (s. Cicer. TitfculL I. Ift 
Academ. Quaest. II. 39 tuid daselbst Davisios. Manche rhtlo- 
sophen wollten davon schon Andeutungen im Hotncnis findes; 
8. unsere Praeparat. ad Flolin. de pulcritud. p. LXXI fiq.) 
(Mehr genetisch und deutlicher ist folgende Darslelluag: GiM 
bringt aus sich selbst herror den Geist, die Intelligenz (Man«), 
die er mit verschiedenen Organen und mit onenillich vielen 
Formen bf^abt Änf sein Geheisa braciite Mina alio Thicrt 
nuinnlichen und weiblichen Geschlechts faervw, und gafcihnn 
(«nf Sinne entsprechend den fünf Elementen; der Mensch w- 
pfing als Vorzug das Nachdenken (Manns ]i- — Die gnmc 
Sede oder die Writseele (Atina, Mahaalm«. Paranatwa) 
der Hauch Gottes ist mit Gott und mit flJlen Weacn nni' 
nigt, athmet in ilinen allen, isA aber doch aach wieder vaa 
ihncB verschieden. Diese Weltseete (Alma} w-ifd »tr Mn- 
scbenseelc .(Djivatma) dadurch, dass sie sich mit Haya tcp- 
brädet Die eine ist die grosse, die andere die kleine W«ll 
^fMXfoxotiftai, ftrx^öxoafioi)', jene ift tlit) AUgemeiiWf tee 
die besondere Seele, jene hat F^^iheit des Wülens, Um 
trägt das Joch der N'othwend-iiikcit- Djivatma hcwegl den 
Körper (Uhotatma) . der au'' Cünf Elementen gnsamincii^fWI 
ist. Aber die grosse S^:;ele (Atma) ist, wie in der kJaiMB 
Einzelseele (Dj>vati»a), so auch im Kürper (Bhutatma^i tl^ 
m diesem wie ein Wasserlropfcn im Lotuskeldie', sie vemiMtl 
sich nicht mit ihm, wiewohl sie in ihm ist.'} — Es wird abo' 
•iichDsjivB, als vernünftige Seele, vonPräna, der fuiinliefea 
Seele, unterschieden, und in einer Indischen Foraiel (UlMdw) 
heisates:') 

• Ja! Pr^B erhebe sieh geordnet.* 

• Ja! Dsjiva erhebe sieh geordnet« 

• Ja] Mandra (die Rede, der Spruch) erhebe sich |:aajrda<t.' 

. n Ooli^taat 1. i>. 272 — 27«. 

2) TnUUnn Im Sytt. Bnbnaii. p. 100. rgt. r. 39. 



-^ 427 -^ 

Zu dieser Indischen Lehre der Vereini^ng der Weltseele 
mit der M enschenseele , wovon es «elhst heisst, jene bewahne 
nüt dieser einige Zeit das Herz, nnd sie theQten ihre Frenden 
mit einander, bietet eme Stelle des Pfetimu^) ene «ngesii Ate 
Vergleichnng dar: «Wir sollen aber, dieweil wir den Körper 
haben (in diesen Leibe sind)^ varbleib^B in den Wohaiiagen, 
bereitet von der Seele, der gsten Schwester (i^ro ^i^x^Q 
dSekif^Q dyaS^Q)^ welche grosse Macht besitzt, um mühelos 
kdnstlerisch za bilden. » Hier wird ganz naq|^ Indischer Weise 
die Weliseele als die Bildnerin der KSrper , 3ve gute Schwester 
rasrer Hensehenseele genannt} 

fiSeraos folgt mm , dass in das Terhffltniss säner ^sweiten 
mid dritten Seele und des Lerbes znra Geia^te f %nr ersten 
Seele 3 die ganze eßAt^ Leitung des Menschen gesetzt «eyn 
wird. Brahma ist das TorbOd des Mensehen , nnd aas seiner 
Gesehidite ergiebt sidi am besten die Indische Lehre vom 
äbfM imd Büekktlhr. Oder mft andern Worten; Birmah 
(Brahma), der Schöpfer, ist fanmanenter Gott, mit dem W<^ 
|;anB&en verbnnden. Er ist als Schöpfer einmal, wie Adam 
Kadmon , der UrkSrper, tmd die MenscMteit sind TheBe sehies 
Biesenkörpers; sodann geistig ist er anch theflhaftig der H»- 
AxH imd Tenmreinigmgen der Materie, er niiinnt an liefk 
Orihreifhen der Menschheit Theil , nnd mnss tSaher «ach die 
Wiedefgebnrten durchlaufen» IKcoe Ansicnl wird dnrch mdi^ 
rm Stdlen in den Indischenr BeligionssdiriRen bestitigt Ich 
f%e Uer nnr eine SteRe ans dem Bhagavatgita, nadi Friedr. 
tUSkgtVn üe b er s e tz u ng (pher die Sprache nnd Weisheit der 
bAer *p« Cj? ^'^ vollkommen beweisend bei* 



1) Bim. IL Üb. 9. cap. 18. p. 2l7 BmU. p. 395 Ozon. Ich habe in 
let Aanot. cn dieser SteDe p. 132 anf Heim Tholnck'a BvaAsmwi p. 232 
tq. hingewieaen, der bei 'ErÖrtenmg des VerhJQtiiiBses der Atma snr 
IQiTatma diese Stelle des Plotinus anffihrt, aber nichl gans genau ist, 
wenB er ihii die Weltseele die ätttre g diw es te r -der BleasfShenseele Den- 
sen lisst. Es ist bedeutsamer 9 dass er sie ihre gute Schwester nenitet. 





-^ 428 -^ - 

Bho^ovaa 
• Es* Ke^et dicht zur SteHblichkeit, die vcr^d^dT, 

Leiden Hans 
Wer mtcb erreichte, noch Kurück, hoch am Kiel der VolU 

kommenhcib 
Wiederkehrender Art, Orjim, sind am Brohma die W«Ä«i 
Wer mich erreicht hat, Kantis Sohn, ist der fernem Gcbotl 

hefreil. • '3 

Oarum wollen wir Jetzt einen Blick auf BrAhma'a .FW/ 1 
ffiedemertöhmmg werfen , weil darin die ^anze Indisdic Kl 
auf historische Weise, unter mjihischer Hülle, dargv:ile))t is%. 
und uns Brahma, der Seelen Vrlypu», gleich»iam 
Beispiele das Wesen der Indischen Ethik klarer und dcnlUi 
sehen litsst.'^ A\s Birmah das Universum geschalTen. 
wendete er einen Theil desselben, um ihn sich ausschlit 
zussei^nen. Allein die beiden andern DeJotas, ffiaebim 
JUkadajo (]Siva-Mahadeva3, die von dem hi>cl»ten W( 
mit-der Yertheilang des von Binnah, dem dritten Oejotft, 
schalTenen weiten Bäumen beauftrag waren, bemerkten alaol 
seine Unfreuc. Denn als sie über den Sitrg's oder iinsichtbana)j 
himmlischen Sphären ihre drei Residenzen bestimmt, 
für Binnah, Bai-Ktmi für Wischnu und Keilaa für 
und die niederen Be^'oneiij Miniok , eingetheilt hatten, 
nun das Ganze besiehii;;ten und uiassen, fanden sie, 
ihnen der Platz für die UrUenoelt , Marl/ , fehle. Binnah 
lieh hatte zn den ihm verwilUgteD Räumen noch Nark 
men und tur sich bdialten. Dies merkten die beideR 



O Ea iat von Kriachnn tn Vergleich mit dem geringeren Br«]di 

Bede; Tgl. Fr. scblegel'a Anmcrk. — Ich erinnere hlerliei noch a 

Aeg^-pllscbcn und Orphischen Ideen vom wixlot üta/mit oder tok 

lisliichcn Kreisläufe der Seelen, wovon sie Erlösung wünscltmB 

' 2) Wir folgen hier den Angaben bei Polier Mytholog. dn I 



f 



-^ 429 -^ 

DejotM, sie stellten ihii surilede, iiSth^ten ihn «na Gestind- 
niss sdnes Raobesy und machten alsdann seine Besideu am 
so viel kleiner, als der Raub war, den er begangnen. Allein 
diese Zächtigung besserte ihn nicht, sondern stolz daraof, 
dass er die Veda's, den Spiegel der ewigen Weisheit,, oSSen- 
hart habe, erhob er sich und vermeinte mehr zaseyn, als 
die beiden andern Dejotas. . Au^ nach seiner Tochter SMnehf 
geldstete ihn, und ungeachtet sie sich seinen Begehrungen 
auf alle Weise zu entziehen sachte , so verfolgte sie der 
listame Birmah auf allen ihren Schritten, und nahm bei jeder 
«Bewegung ein neues Haupt an, bis er deren vier hatte. Da 
veriisst Sarsety, jedes andern Bettongsmittels beraubt, Birm- 
Ul und entflieht in den HimmeL Jetzt nahm Birmah, dessen 
BUeke ihr auch dorthin folgten , ein fünftes Haupt an , weldies 
iun aber Mhadajo im Zorn ub^. seine Lüsternheit und Sin- 
aeslust abhieb. 

Diese Anmassung , dieser Hochmuth und diese Fleisches* 
tast' anssten dem höchsten Wesen missfidlen, und. zur De- 
■nthignng seines Stolzes und zur Strafe sinkt die Wolmung 
des Birmah, Birmlok, aus den . himmlisdien Sphären in die 
■iederen Rhenen, unter den letzten Patal, hinab. Nachdem 
Birmah aus der ersten Betäubung wfeder zu sich gdiommen, 
erwacht sein Gewissen, er geht in sich und überlegt die 
Qoelle seines Unglücks ; er empfindet Reue tmd demäthfgt sich 
vor dem Höchsten, Ewigen und Unsichtbaren; er sucht durch 
te härtesten Bussen, Fasten und Remigungen aller Art, zehn 
Laeks oder tausend Jahre hindurch, Verzeihung und Gnade 
VW ihm zu eriudten. Endhch erscheint ihm Brehm oder der 
Ewige, und zwar unter dem Namen Garhparham, d. i Be- 
fkrwfnr im 8iol%e8, und spricht zu ihm also: «Alles kann idi 
ertragen, nur deinen Stobs nicht; dies ist das einzlige Y er^ 
kechen, das ich dir nicht vergebe, und deine freiwill^ Busse 
and Rene von tausend. Jahren reidit nidht hin, damit du Yer* 
lefluHBg erhältst. Nur ein W^ ist dir übrig, um sie wieder 
ZV erlangen, nämlich dass du ins Fleisch herabstdgest, und 



^«^ 490 ^«. ' 

vier RegmonÜnen anf der Erde, eJantl in jede» der >kar 
Weltalter, bestellest. Wisehna hat Ctaade geftaiAm ver nen 
Mm Augen dnrdi seine Demuth md Busse; ieh habe sehie' 
Bitte gewfiirt, mit mir wieder verein^ nud in der WeK ds 
ein Thefl neines Wesens verdM und angebetet sn werien. 
Gegenwirtig in jeden Dinge, wiewohl onterselMton rmt 
jedem Din|!^, habe ieh weder Körper noch Fennen; kk habe 
den Wischnn asserwflhit, Sin te meinen Stettvertreter ba» 
stimnt, so dass die, welche ihn anbeten, mich anbete«. Da* 
ran sollst auch do, Binnah, um anbeten; nnd die Yerehraag 
and Andacht, welche da diesem sollst, werde ich ansehen 
als mir erwiesen. Daran gebiete ich dir, in den vier Wl^ 
dergeborten, xn denen idi dich verdanmie, die Gesehlehte der 
Ineamationen des Wisehnn so schreiben nnd die ganze Mge 
seiner wpnderbaren Thaten, damit die Nachweit das Andenken 
derselben bewahre, und diesem Theile meiner sdbst Yerelw 
rang beweise. Da aher, wenn da die erhabenen Thaten des 
Wisehnn beschrieben, wirst Vergebung deines V e r br ee he ns 
eriialten.» 

(Hier erscheint, nm dies gleich xn bemerken, Bimabelte-'' 
bar ids dem Wischna and Mhadajo anterg^eordnet Denn sowie 
er die Schöpfong der Welt beendigt, sind seine Thaten ■rfdiii 
Brde nnd •üderwärts nnbedeotend, sein fiinfloss auf die Welt 
sehwaeh; die Aoslegnng der heüigen Bacher, der Veda^ 
die er an Beginn der Satya-yog oder des ersten Weltaltero 
oflBnbart hat, dberiisst er seinen Söhnen, den Arahnlnen^ 
nnd er mnss sogar die, welche ihn dber den geheinen fiKni 
der Teda's befiragen, an einen der beiden andern Pojslns 
verweisen. Seine Existenn ist auch sweimal kdrzer als die 
des Wisehnn, and viernal korxer als die des Mhadajo. Nach 
Pdier MythoL d. Ind. L p. ITO sq. Ebendaselbst p. 98B wird 
bemerkt, dass aadi die DeJotas ihren Lehrer nnd Meister 
haben, der sie in geistigen Dingen nnterriditet nnd dbC, in 
den göttlichen Wissenschaften and Symbolen. Nicht ninder 
die Daints. Diese aber werden ym ihren Lehrer 4Uoa in 



^^ 491 ^^ 

BetchwAnmgen nügisciier Art and in bin m e n iC l üidi ai 
WiMenschnftai imterriditet. Die venchiedeiieii ABdßgmgtm 
djeser Zurädjietxang des Brahma sind von uns oben berährt 
werden.} 

Zuerst erseheint, naeh dem Befdile des Eirigen^ flii sialii 
in der Satya-yii|f als ein Bab^, Ctgtvmumn *) Er giebt als 
noieher den Morcmdm^furmn^ ein Gedieht, dessen Inhalt der 
Kiieff , welcher swischen der Bhavani und den Daints, deren 
AnfSUirer Mekasser ist, in der ansiehtbaren Sfriiire geüBhit 
wird, ausmacht Dadurch erlang er grossen Rahm, so wie 
nicht minder durch die Erfahnmg and Weisheit, die er sieh 
wihrend seines langen Lebens gssaafanelt, dn er die drei 
ersten Zeitalter gesehen* 

Im Eiireiten Zeitalter, im. Tinriia-fugt kommt er ab ein 
Mensch, aas der niedrigsten Caste der Tschandal geboi«^, 
anter dem Namm FäfmOtL ' Hier erscheint er nicht Ues von 
niedriger Gebort, sondern .aach von niederer, gemdner Denk* 
ttiid Sinnesart, Ja als ein dnreiiaas sittenloser, lasterhaftei^ 
schlechter Mensciu Er baoet sich un Dickicht des Wafales 
nn einer Landstrasse eine Hätte, ei' lockt die ermadeten 
Wanderer herein, die sich freoen, hier Erholong finden sn 
kinnen, and die out Vergnägen die Gaben seiner Gastfireond- 
Mhaft annehmen; aber nur, um sie meochelmörderiteh im 
SsUafe so ermorden and dann sa beraaben« Nadidem er 
nehon Jahre lang diese verbrediermche. Lebensweise gefilhrl, 
kehren einst S¥rei Rischi's bei ihm ein. Aach ihnen will er 
in der Nacht dasselbe Schieksal bereiten, das schon so viefe 
Andere vorher getrofilen. Aber im Monwnt der AuflAhrang 
neaen Mordes ergreift ihn ein innvw Sehaner and 



I) Dieu Peiiede oad B^haale des Brahms ist schon tob Mehrereu 
■üt 4er des Aesyptlschei Pkömi9 TergllckeB worden. Dms Indien Alin- 
Uclie M(ytiieB luu, wnrde von nnn schon oben bemerkl. Welter wagen 
wir aiber nach nichts n« behauften. Sin Wink nag aber gegeben weNen : 
ätün eis Orad der MininunByslerlen ▼#■ lls*«ii benannt war. 






-*- 432 -^ 

IScbredien; eine uosichtkare GewaJt luilt ihn 
taust aus seiner Uaail die mörderische Waflt sinken bei JedcB 
Streiche, den er ausfubren will. So wird es Ta^. Die üb- 
senden erwachen, und sehen die Waffe, von der sie 4ai 
Todesstreich emprangen soUtui, sie sehen die Bcslärisuii^ ■! 
die Angst in den Mienen des ValmDu und die Furcht nf 
ihrer Rache. Sie suchen indcss sein Vertrauen zu 
nnd bringen ihn zu einem freiwilligen GesländnUs des 
liehen Handwerks, das er so lange schon gelriebco. undte 
er nur durch die Xothweodigkcit enUchuldigt , Tur eine Mtt^ 
reiche Familie sorgen zu müssen, ^velcher alle Uillel zu ihm 
Krhaltung fehlen. Die Kücbi's stellen ilin zur llcde, aie it» 
merken in der Tiefe seiner Seele noch ein besseres ä<Ari| 
sie machen ihn auf die Grösse jseiner Verbrechen ai 
pnd es geiingl: ihnen, den Bi)sewicht zur aofrichliKen 
SU bekehren. Sie legen ihm Busse auf, und so htiagl it 
swtllf Jahre in den strengsten Casletungen und bürleston ilW- 
^wählten Strafen zu, bis ihm nach Verlauf dicsir Zeit A 
Riaehi's wieder erscheinen, tiod ihm erkl&rea, dam tt fw 
nnn an ihrer Hülfe nicht mehr bedürfe. Er habe durch aäm 
Demüthigung vor dum höchsten Wesen nicht allein Cnait 
und Vergebung, sondern auch alle Kenntnisse und W»> 
senschafteu gewonnen; er solle sich nun zuruckzichea tf 
einen Berg oder in eine Höhle, und dort seine Gebeie i^ 
Busse fortsetzen. So wurde Valmiki ein ganz anderer MeoM^ 
sein Geist erstarkte und erhielt seine Scliüpferkran w 
Er legte die dunkele« Stellen der Veda's aus, und 
sie mit so viel Leichtigkeit denen, die ihn darum 
dass Alle in Erstaunen nnd Verwunderung geri 
nicht begreifen konnten, auf welelic Weise ein 
unwissender und niedriger Mensch der Krieuchl 
Sterblichen geworden sey. Aber Valmiki, gcbeaei 
demüthig, um sich selbst das Verdienst einer KolcbaJ; 
derung beizumessen, gesteht ihnen, da^is er der i 
gekommene Birmah se>' , verdaauot, um i^ineu Stob 



433 -^ 

Ml einer viennaUgen Wiedergebart bn Fleisch in der Fol^ 
der Zetten. Und jetst wird er ein begeisterter Sfinger. Nach 
dotf Befehl des AUm&chtigen besingt er die vier ersten Incar- 
■alionen des Wischnu, welche in dem Satya-yog statt gefiin- 
den, und die zwei ersten im Tiraita-yog, deren Augenzeuge 
er gewesen war. Dann dichtet er den Ramayan , ein Gedicht, 
welehes die siebente Herabkunft des Vischnu auf Erden ent- 
kitt. 

Im dritten Zeitalter, im JDwaper-gug, erscheint Birmafai 

drittenmal , und zwar als ein Wunderkind Btgaa , geboren 

seiner Hftter Johngandhary, vier Stunden nadi der Um- 

mag eines BischL Kaum hatte er das Licht der Welt er- 

klidU , 80 war er schon mändig geworden und der Hölfe 

asner Matter nicht mehr bedürftig. Er trennte sich von ihr, 

Jedaeh imt dem Versprechen, ihr so oft zu erscheinen, als es 

itr nötUg seyn würde, und zieht sich in einen Wald zurück, 

Vi hier ungestört sich allein dem Nachdenken überlassen za 

Dort findet ihn sein Vater, ein alter weiser Rischi, 

«ntenrichtet ihn in jeglichem Wissen. Ausserordentlich 

^die Fortschritte, die er macht. Er wird der Verfasser 

HahabhJürata, Bhagavat und anderer Gedichte, welche 

Bestreben, die Befehle des Höchsten aufs genaueste zu 

\ üiHli n , 80 wie seine hohe Weisheit verrathen. Er wird 

^ürilieh zum Propheten Muny, und erlangt ' grossen Ruhm, 

i itowoM er auch hier, in dieser dritten Wandelung, noch 

^ ^iiht ganz frei von Leidenschaften und Sinneslust ist 

.r Im vierten Weltalter, ün Cali-jfug, erscheint endlich 

zum letztenmal, als Cälidaaa, von armen Eltern ge- 

^IvMiy ohne Erziehung und Bildung, in tiefer Unwissenheit; ^) 



1) Ovlgniaut {\. p. 235) bemerkt hierzu mit Recht, dass die Ein- 
ig des Calidasa und des Wikramaditya in diese mythische Geschichte 
ItnSkma^n Verkorperangen ein Kennzeichen sind, dass diese Incarno- 
-flOtlorie einen relativ neaeren Ursprung vorrfith. üeborhaupt 
diese, ohne Zweifel aus einem Purana entlehnte Erzfthinngoa 
Creu%er's deutsche Schriften. I. 3. % 



^^ 434 ^^ 

80 diss majn es wie ein Wmder aoBah, «ia er die wahie- 
Lage der heilige Stadt Ajudjah (Audhee}, wdehe der Ba- 
jah Bick^majit oder Wikramaditya wiederherstelleii weWc^ 
entdeckte. Dieser Biekermtgä war der berühmte BlMaieh| 
der za Anfang dieser Periode lebte ^ der Künste nnd Wisset^ 
sehaften vorzüglich liebte und pflegte, Sänger an seinen Hofe 
besoldete, und durch sie die verlorenen Gedichte des Vahdu 
wiederherzustellen wnnsehte. Allein Niemand wollte sich n 
diesem schweren Geschäfte verstehen^ Us CaUdasa adbat, 
und die Werke in ihrem eigenen Yersmaass und Rhjrthnis xn^ 
derherstellte. Darüber gelangte er zu gros^ Ganst uod 
hohem Ansehen beim Rajah und an dessen Hofe. Doch na 
ward Neid sein Loos. Seine Feinde suchten ihn zu vertreihOBj 
sie veriänmdeten ihn beim Rajah , als habe er dessen Chnst mid 
Vertrauen gemissbraucht und ihn getäuscht, und warfen denTcr- 
dacht auf Calidasa, dass er die Gedichte des Valmiki entwendit 
habe. Allan CaUdasa tritt als ein unbekannter Brahmaie wd^ 
und sagt: falls die Gedichte des Valmiki unächt seycD^ so 
sollten sie, auf Stein niedergeschrieben, im Ganges untergehen; 
wären sie aber acht, so sollte der Stein auf der Oberliche 
des Wassers schwimmen. Und es bestand der Singer die 
Probe, er gelangte so wieder zu seinen vorigen Wirden am 
Hofe; sein Ruhm mehrte und verbreitete sich überall, and 
seine Feinde wurden zu Schanden gemacht. 

Seitdem ist Birmah wieder hinaufgestiegen und wohaet ii 
den himmlischen Regionen, als Repräsentant des Ew^^cn. 
Dies also ist Birmah s Fall, Rückkehr, Sändhafti^eit, Be- 
kehrung und neue Erhöhung. 



Diese Wandelungen des Birmah sind ganz anders zu fassen, 
als die des Wischnu, welche von Gott selber veranstaltete, 



Eiemlich grosse AbweicluiBscn von deijenigea, welclie SouenU CL ^2eS 
sqq.) und Andere aus dem Bagavadam entnonuien luiboi (▼f^Gaigalnal 

p. 2-28). 



] 

I 

.t 



-^ 435 '». 

wtaderbare Incanuitfaiiien sind. Weil nämlidi die Welt jeden 
ÜMieiit in Gefahr wiire, in das Chaos zu versinken, wenn 
aJeh €rott ihrer nicht annähme, so muss das rettende Princif) 
an der Gottheit, Wischna, selber in der Welt erscheinen, 
und sie immer wiederherstellen. Dies sind die Ineamationen, 
welcher die grossen Dejotas, Wischnu besonders, 
Laber anziehen und Sterbliches leiden, Hinabsen- 
kmifen Gottes ins Fleisch ans dem Triebe der 'Barmherzigkeit. 
Hingegen die Wandelungen des Birmah sind Regenerationen^ 
wie sie jeder Henseh zu bestehen hat, der zu Gott kommen 
wilL Das bessere Selbst, das Göttliche im Menschen, gelau- 
ert; dareh die Regenerationen und Metensomatosen , welche 
die natärlichen Entwickelungen des Menschei^ sind, vermöge 
«eldier er ans Körpern in Körper geht, zuletzt zu Gott, 

)T Qnelle, zurück.*} Im ewigen, absoluten Wesen, Par 
, -sind nach Indischer Anschauung gesetzt zwei 
Kiifte oder Aensseningen; die eine ist die Ceninpetalkrqfl, 
nk mm ervairü t, hypostasirt als Wisekrm, d. h. die Gottheit 
mxh zwar, allein was von ihr ausgeht, bleibt doch 

Ne^ng nach in ihr, und alle Emanation sucht wieder 
fli deii zarückzukehren, wovon sie emanirt ist Dies ist das 
Lob des Wischnu, dies sein Vorzug vor Brahma, dass er 
•iiGott geblieben. Aber es zeigt sich auch in der, Gottheit 
CM entgegengesetzte Kraft, dte CenirifugMrafi , via effe^Mx, 
•ii eitewMi, welche personificirt Brahma ist — Gott setzt 
eUk mit ErschaiHDng der Welt ausser Gott, er geht aus sich 
hSMis, es ist in ihm gleichsam die Tendenz, die Richtung 
von sich weg, aus sich heraus zu treten, sich zu entaussern. 
Jede solche Entausserung ist aber eben dadurch schon ein 
■riims von Gott; daher ist eben diese schöpferische Kraft 
(personificirt als Brahma} die geringere, und die ihr entge- 
gengesetzte, welche eben derselben das Gleichgewicht halt, 
die resorbirende (personificirt als Wischnu}, die edlere. Wenn 



1) 9. PoMer Mythol. des Tnd. f. fr. 176 «^ 

28 



^m. 436 ^^ 

mUMewegung, das OrfäU, und endlich toiiti^iffiijrtxoPf das 
Willem ' oder , Begehrtßngwermogen (s. Cicer. ToseulL I. !•. 
Academ. Quaest II. S9 und daselbst Davisios. Manche Phflo- 
sophen wollten davon fschon Andeutongen im Homeras findoi; 
8. unsere Praeparat ad Plotin. de pulcritud. p. LXXI sq.}^ 
(Mehr genetisch und deutlicher ist folgende Darstellung: Gott 
bringt aus sich selbst herror den Geisel die Intelligenz (]Mana), 
die er mit verschiedenen Organen und mit unendiidi vielen 
SW»ea bi^abt Auf sein Geheiss braehte Mana aUeThiere 
Miaeliiäien und weiilidien Geachleehte hervor, wd gid^ihneB 
fimf Sinne entqiredbend de» fionf EUomenten; der Mensch e»- 
pfing als VfifH^g das Nachdenken (Manns}. -* Die^ipmoe 
fiflcte oder die Wettseele (Alna, Mahaataa, Pars— «»>> 
der Hauch Gottes M mit Gott und mit alkn Weam vonciH 
■igt, athmet in ihnen aDen, ist Mb» dodi anch wieder von 
flmen versdrieden. Diese Weltseele (Atana) wisd cnr Men- 
sebeMeeIe^(1]tjivatma) dadurch, dass sie sich mit IfejA yer* 
hndet Dte eine fat die grosse, die andere dfe fckme Wek 
^ßtax^dxo€fi0^j ftiXfdxoofAoi)^ jene ißi-die aUgemeine» 4iese 
die besondere Seele, jene hat F'v'iheit des Wflle»i,.dtoM 
Mlgt das Joch der Nethwendf^eiL Djivatma bew^ den 
KSfper (Bhirtatma), der nu^ fanf Elementen Bosamme^geNlnt 
ist Aber die gnwse S^efe (Atma) ist, wie n der Hamm 
itinsdaeele (Dfivateia), so aadi im Korpor (Bhntataa), «bor 
in diesem wieein Wassertnqifen an Lotnsketehe; sieivtarnweht 
sldi nieht mü ihm, wiewohl sie in ihm ist'} -^ Es «M ikr 
andi'Dsjivm, als vemflnftige Sede, vonPiina, derflnudsohw 
Seele, unterscUeden, ond in einer bdmehen Formel (MmAs) 
keisst es:»} 

«Ja! Finten erhebe sieh gesadnet* 

«■Jal Ssjioi ^ebe sieh geordnet» 

€ Jal Mandca (dieReda^ derSpmeh} erhebe siA ^smImI.* 



■W.V«.V>*^*-*V.««l^>'^M«««i#W*«W^P>M^ 



i^ Pnffitaras im Qyai. nrstaHMi. p. 109. rgl. y. 99. 



-^ 427 -^ 

Zu dieser Indischen Lehre der Vereinigiing der Weltseele 
mit der Menschenseele, wovon es seihst heisst, jene bewahne 
mit dieser einige Zeit das Herz, und sie theQten ihre Freuden 
mit einander, bietet emeStdle des Pfetinos^) eme «ngesii Ate 
Vergleichnng dar: «Wir sollen aber, dieweil wir den Körper 
haben (ja diesen Leibe sind)^ varblelbeB in den Wohaiiaigen, 
bereitet von der Seele, der gaten Sdiwester (i^iro ^vix^Q 
dSAfpijq dya9^^)^ welche grosse Macht besitzt, nm mühelos 
künstlerisch zn bilden. » Hier wird ganz naq|^ Indischer Weise 
die Weltseele als die Bildnerin der KSrper , 3ve gute Schwester 
misrer Hensehenseele genannt. J 

fiSerans folgt mm , dass in das Terhffltniss s^er it weiten 
md dritten Seele vnd des Leibes znra Creiste ^%nr ersten 
Seele 3 die ganze ethh^e Lettung des Menschen gesetzt seyn 
wird. Brahma ist das YorbOd des Mensehen, nnd aas seiner 
Cresehidite ergiebt sidi am besten die Indische Lehre vom 
MfäR rnnd RMtiBhr. Oder mit andern Worten: Birmah 
(Brahma), der SchSpfier, ist fanmnnenter Gott, mit dem Wi^ 
gaozen Teibnnden. Er ist als Schöpfer f^moA^ wie Adam 
Ktrimon , der ÜTtSrpctp tmd die Menschheit sind Thene seines 
Biesenkörpers; sodann geistig ist er anch theühaftig der H»- 
dkd imd Tenmreinigmgen der Materie, er niiinnt an 4eh 
CSdhrechen der Menschheit Theil , nnd mnss didier «ach die 
vv fedcTgebur teil darchtaufcn« IKcsc Ansicfil wird dorch mdi^ 
rere Stdlen in 4en Indischen^ Religionssdnrilten bestitigt Mh 
fB|ge Uer nm* eine Stelle ans dem Bhagavatgita, nadi Frledr. 
96HlegtV» üebei' setzuug (pber 4ie Spradie nnd Weisheit der 
Biffler "p* MfJj, als vollkommen beweisend bei* 



1) Bnn. n. lib. 9. cap. 18. p. 217 BmU. p. 395 Ozon. Ich bAbe la 
4ei ABBot. cn dieser SteDe p. 132 anf Heim Tholnck^a BmaBsmuM p. 232 
sq. hlngewieaen 9 der l>el 'ErÖrtenmg des VerbSUnisses der Atma war 
DJiTatma diese Stelle des Plotinus anffihrt, aber nichl gans genau ist, 
wem er ihn' die Weltseele die äUere fikSiwesier -der MemDhenseele nen- 
nüen Ifisst. Es ist bedeutsamer , dass er sie Ihre guie Schwester nemtet. 



-^428 -^ 

Bhog'ovmn 

«Es kdiret nicht mr Sterblichkeil, die verginglidi, der 

Ldden Hans, 

Wer nddi erreichte, noch mrudc, hoch an Ziel der Voü- 

konunenheit. 

WMeriehrender Art , (hjnn, «auf öm Brohma dto If ettm «K 

Wer midi erreicht hat, Kontis Sohn, ist der fernem Crebmrt 

befreit » 

Damm woUm wir jetsrt einen Blick anf Brahma's JMl md 
Wiederveraökmmg werfen , weil darin die gmae Indisdie Ethik 
anf historische Weise, unter mythischer Bälle, dargesteUt istj 
und uns Brmkma, der Seelen Vttgpua, gleichsam in aeinea 
Beispiele das Wesen der Indischen Ethik klarer und deutiicher 
sehen lässt'} Als Birmak das Universum geschirffen, so ent- 
wendete er einen Theil desselben, um ihn sich ausschliessead 
zusneitgnen. Allein die beiden andern DeJotas, Wittimm und 
lOadi^o (^Siva-Mahadeva^) die v4mi dem höchsten Wesen 
mit 'der Vertheilung des von Birmah, dem dritten Dejota, ge- 
schaffenen weiten Raumes beauftragt waren, bemerkten abohaU 
seine Untreue. Denn als sie über den Surg'u oder unsichtbareB, 
himmlischen . Sphären ihre dmi Residenzen bestimmt, BirmUk 
für Birmah, Bat-Kumi för Wischnu und KeUm für Mhada^a, 
und die niederen Regionen, AUniak, eingetheilt hatten, und 
nun das Ganze besichtigten und massen, fanden sie, dass 
ihnen der Platz für die VnUrweU, Sark, fehle. Birmah na»- 
lieh hatte; zu den ihm verwilligten Räumen noch Nark genosr 
men und für sich behalten. Dies merkten die beiden anden 



1) Es tot Ton Krischna in Vergleich mit dem geringeren Brabma die 
Bede; ygl. Fr. SchlegeFs Anmerk. — Ich erinnere hierbei noch an die 
Aeg^ipptischen und Orphischen Ideen yom »vxioc «yd/x^c oder Toa fkift- 
lisilschen Kreisläufe der Seelen, wovon sie Erlösung wnnsehem 

' 2) Wir folgen hier des Angaben bei Polier M jtkolog. des IML L 



-^ 429 -*^ 

Dcg'otM, sie stellten ihii surilede, ii5tli%ten ihn «na Gestind- 
niss seines Raubes, und mächten alsdann seine Beaidenn um 
so viel kleiner, als der Raub war, den er begangen. Allein 
diese Zächtigung besserte ihn nicht, sondern stolz darauf 
dass er die Veda's, den Spiegel der ewigen Weisheit,. offen- 
bart habe, erhob er sich und vennemte mehr zuseyn, als 
die beiden andern Dejotas. . Au^ nach seiner Tochter SMnehf 
gelästete ihn, und ungeachtet sie sich seinen Begehrungen 
auf alle Weise zu entziehen suchte, so verfolgte sie der 
lustarne Birmah auf allen ihren Schritten, und nahm bei jeder 
Bewegung ein neues Haupt an , bis er deren vier hatte. Da 
verUisst Sarsety, jedes andern Rettangsmittels beraubt, Birm- 
kk und entflieht in den HimmeL Jetzt nahm Birmah, dessen 
Blicke ihr auch dorthin folgten , ein fünftes Haupt an , weldies 
ihB aber Mhadajo im Zorn ub^. seine Lüsternheit und Sin- 
oeslnst abhieb. 

Diese Anmassung, dieser Hochmuth und diese Fleisches- 
isat anssten dem höchsten Wesen misafidlen, und. zur De- 
■rathigung seines Stolzes und zur Strafe sinkt die Wohiung 
des Birmah, Birmlok, aus den . himmlisdien Sphtren in die 
niederen R^onen, unter den letzten Patal, hinab. Nachdem 
Bunah aus der ersten Betäubung wfeder zu sich gdLommen, 
erwacht sein Gewissen, er geht in sich und überlegt die 
f^lle seines Unglücks ] er empfindet Reue tmd demuthjgt sich 
vor dem Höchsten, Ewigen und Unsichtbaren; er sucht durdi 
die härtesten Bussen, Fasten und Reinigungen aller Art, zehn 
LMka oder tausend Jahre hindurch, Verzeihung und Gnade 
rm ihm zu eiiialten. Endlich erscheint ihm Brehm' oder der 
Ewige, und zwar unter dem Namen Garbparkavi, d. i Be~ 
BUr^fer dm Stohm, und spricht zu ihm also: «Alles kann ich 
ertragen, nur deinen Stolz nicht; dies ist das einzige Yer* 
faredien, das ich dir nicht vergebe, und deine fireiwill^ Busse 
■mJ Rene von tausend. Jahren reicht nicht hin, damit du Ter* 
aefliu^ erhältst. Nur ein W^ ist dir übrig, um sie wieder 

erlangen, nämlich dass du ins Fleisch herabstagest, und 



^«^ 430 ^^ ' 

vier B«gmeratMNMii auf der Erde, riiwl m jede» der vilär 
WdtaHnr, bestehest Wisehna ^ hat Omde geAoideii vor nei- 
M» Ai^ipeii doreh seine Denoth vwl Bosse; ieh habe sehe 
ntte gewihrt, mit mir wieder vereinigt und in der Weit als 
em TheQ »eines Wesens verehrt ond angebetet an werden. 
Oegenwirt% in jedem Dinge 9 wiewohl nntersehiedeo van 
jeden Dinjire, habe ieh weder Körper nodi Fennen; idh iiabe 
den Wischnn aaserwililt, flin m meinem Stellvertreter be- 
stimmt, so dass die, welche ihn anbeten, mich anbetes. Da- 
ram sidlst auch da, Binnah, an anbeten; and die Yerehrmig 
and Andacht, welche da diesem Bellst, werde ich ansehen 
als mir erwiesen. Darom gebiete ich dir, in den vier Wie* 
dtt^borten, an denen ich dich verdanune, die Gesdiidite der 
Ineamationen des Wisehnn zo schreiben ond die ganze Folge 
setaier wimderbaren Thaten, damit die Nachwelt das Andenken 
derselben bewahre, und diesem Theiie meiner selbst Vereh- 
rang beweise. Da ah», wenn da die erhabenen Thaten des 
Wisdma beschrieben, wirst Vergebong deines Verhreehens 
criialten.» 

(Hier ersdidnt, am dies gleich sa bemeriLen, Birmaboltan- 
bar ids dem Wischnn und Mhadajo anterg^eordnet Denn sa wie 
er die Schdpfimg der Welt beendigt, sind seine Thaten arfder 
Brde nnd »anderwiürts onbedeotend, sein Einfloss aaf die ¥Mt 
schwaeh; die Aoslegong der heilten Bächer, der Veda^^ 
die er am Beginn der Satya-yog oder des eitrten WettaHon» 
oflenbart hat, äberUsst er seinen 8dhnen, den Brahmine^- 
nnd er moss sogar die, weldie ihn dber den geheimen fite 
dw Veda's befragen, an einen der beiden andern Oefates' 
verwdsen. Seine Eidstena ist nach zweimal kdrzer als ü» 
des Wischnn, and viermal kurzer als die des Mhadajo. Naeh 
Polier MythoL d. Ind. L p. IM sq. Ebendaselbst p. MB wird 
bemeikt, dass aodi die Dejotas ihren Lehrer nnd Meister 
haben, der sie in geistigen Dingen nnterriditet nnd fibt, in 
den gfittliehen Wiss^ischaften and Symbolen. Nicht arnnder ' 

Daints. Diese aber werden von ihrem Leiwar -bioa üb 



-^ 4M -^ 

Besehwdmngen magisdier Art and in bl» m e i wdüicli ai 
Wis8eii8ch«fte& unterrichtet. Die venciiiedenea Aiiale^iuiig^ 
dieser Zmäxkt^txang des Brahma sind von uns oben berährt 
werden.) 

Zuerst erscheint, nach dem Befehle des iiw^en, iKnialk 
hl der Satya-yug als ein Sabe, (Utgtomtm.^^ Er giebt ata 
seither den Mareondairfurain, ein Gedidit, dessen Inhalt der 
Kiieg) welcher swischen der Bhavani und den Dabits^ deren 
AnlUirer Mekasser ist, in der ansichtbaren Sphäre geMhrt 
vritdj ansmacht. Dadorch erlang er grossen Rahm, so wie 
nicht minder . durch die Er&hrsng und Weisheit, die er sieh 
wihrend seines langen Lebens gssanfanelt, da^ er die drei 
erslM Zeitalter gesehen« 

I^ n^^iten Zeitalter, im. nvUrn-gug, kommt er ata ein 
Henodii aus der niedr^sten Gaste der Tschandsl gebora% 
unter ;dem Namen FabnikC ' Eber erscheint er nicht' bios von 
ntodfilger Geburt, sondern .auch von niederer, gemeiner DeidL* 
und fiHnnesart, Ja als ein durchaus sittenloser, lasterhaftei^ 
seUeehter Mensch. Er bauet sich ün Dickidit des Waldes 
an einer Landstrasse eine Hätte, ei' lockt die ermüdeten 
Wanderer herein, die sich freuen, hier Erholung finden xn 
kinnen, und die mit Vergnügen die Gaben seiner Gastfireund» 
sAaft annehmen; aber nur, um sie meuchelmördertaeh im 
fitaUai^ SU ermorden und dann su berauben« Nachdem er 
Jahre tang diese verbredierische. Lebensweise gefahrt, 
einst Bvrei Rischi's bei ihm em. Auch ihnen will er 
i^4m Nacht dasselbe Schicksal berdten, das schon so viele 
vorher getrofen. Aber im Moment der Ausfährnng 
aenen Mordes ergreift ihn ehi inniver Schauer und 



U UMie Pertode und Eplplisnie des Brahma ist schon TOjaM^u^ren 

■n ^(BT .des Aegyptischen Phönix TergUchen worden. Dass Indien fthn- 

f idis il[jr^en hal, wurde Ton unä schon oh&k bemerkl. Welter wagen 

: WlMr^anrii dichts sn brtanpten.' Bin Wlidt mag aber gegeben werden: 

lü ll iSI im Bnihmiiiijiiiiiiiiliii iiifiii Babem benannt'war. 



' , 



-^ 432 ^^ 

fichreekenj eine oiiBichtlMure Gewalt UQt ilui auiieb^.inii 
Hast ans seiner Hand die mörderische Walfe ainLen bei Jeden 
Streiche, den er ausfuhren wüL So wird es Tag; Die Bei- 
senden erwachen, und sehen die Waffe, von der sie den 
.Todesstreich empfangen sollt^i , sie sehen die Bestoramg oni 
die Angst in den Mienen des Vabniki und die Furcht vor 
ihrer Rache. Sie. suchen indess sein Vertrauen zu gewinoai^ 
und bringen ihn zu einem freiwiiUgen Geständniss des scheus- 
lichen Handwerks, das er so lange schon getrieben,, und das 
er nur durch die Nothwendigkeit entschuldigt, für eine zahl- 
reiche Familie sorgen zu müssen, welcher alle Mittel za ihrtr 
Erhaltung fehlen* Die Bischi's stellen ihn zur Rode^ me be- 
merken in der Tiefe seiner Seele noch ein besseres Selbst, 
sie machen ihn aof die Grösse .seiner Verbrechen aofiBerfcsani) 
pnd es gelingt ihnen, den Bösewicht zur aufrichtigea Bcue. 
zu bekehren. Sie legen ihm Basse auf, und so bringt er 
zwölf Jahre in den strengsten Casteiungen und härtesten aitfbst- 
gewählten Strafen zu, bis ihm nach Verlauf dieser Zeit die 
Bischi's wieder erscheinen, und ihm erkliren, dass er 
nun an ihrer Hülfe nicht mehr bedürfe. Er habe dnrch 
Demüthigung vor' dem höchsten Wesen nicht aUein Gnade 
und Vergebung, sondern auch alle Kenntnisse nnd Wm- 
senschaften gewonnen; er solle sich nun znruduieheB 
einen Berg oder in eine Höhle, und dort seine Gebete 
Busse fortsetzen. So wurde Vaimiki ein ganz anderer Heoic^' 
sein Geist erstarkte und erhielt seine Schöpferkraft wieder.- 
Er legte die dunkelen Stellen der Veda's ans, und erUirte 
sie mit so viel Leiditigkeit denen, die ihn darum befiragtenjl^ 
dass Alle in Erstaunen und Verwunderung geriethen, ßaM 
nicht begreifen konnten, auf ivelche Weise ein vorher so 
unwissender und niedriger Mensch der Erleuchtetste aller 
Steirblichen geworden sey. Aber Vaimiki, gebeaesert und z^ 
demuthig, um sich selbst das Verdienst einer solchen Yeriarv 
derung beizumessen, gesteht ihnen, dass er der ins Fleischi 
gekommene Birmah sey , verdammt , um seinen Stdz zn hümm§ 



-m. ^»l ^m. 

Bescfawdmngen nügisdier Art und in bl» m emdüicli ai 
Wiflsenschaftea unterricfatet. Die venciiiedeneii Aiiale^iiiiig^ 
dieser Zuräeiuetzuii^ des Brahma sind von mm oben berährt 
werden.) 

Znerst erscheint ^ nach dem Befehle des fiw^;ea9 ^^unudlt 
in der Satya-^yo; als ein Rabe, CtgbcmmL^^ Er giebt ata 
solcher den Mareondmrfuram, ein Gedidit, dessen Inhalt der 
Kiieg) welcher swischen der Bhavani und den Dabits^ deren 
AnlUirer Mekasser ist , in der ansichtbaren 8fh»n geObxt 
wird, ausmacht Dadorch ertan^ er grossen Rahm, so wto 
lyoht minder durch die Erfthrmig und Weisheit , die er sieh 
wihrend seines langen Lebens gssanimelt, da^ er die drei 
ersten Zeitalter gesehen. 

Im nv^iten Zeitalter, hn. nvHa-gug, kommt er ata ehi 
Mensch, aus der niedrigsten Gaste der Tschandol gebora% 
oater ,dem Namen FabnikC ' EGer ersdieint er nicht' Hos von 
niedff^^ Geburt, sondern .auch von niederer, gemeiner DeidL«» 
und Sinnesart, Ja als ein dnrehans sittenloser, lasterliaftei^ 
schlechter Mensch. Er bauet sich ün Dickidit des Waldes 
in emer Landstrasse eine Hätte, ei' lodit die eratttdeten 
Wanderer herehi, die sidi freuen, hier Erholung finden xn 
kinnen, und die mit Vergnügen die Gaben seiner Gastfreund» 
sdmfl ann^men; aber nur, um sie menchelmörderiseh hn 
fiUilafe so ermorden und dann sn berauben. Nachdem er 
Mhsn Jahre tang diese verbrecherische. Lebensweise gefahrt, 
kdffen einst nvrei Rischi's bei ihm ein. Auch ihnen will er 
ia^lnr Nacht dasselbe SdiidLsal bereiten, das schon so viele 
A ndere vorher getrofen. Aber im Moment der AnsflUmmg 
«eines nenen Mordes ergreift ihn ehi inniver Schaoer ad 



1} MHese Periode uml Eplphanie des Brahma ist schon top M^u^ren 
«tt der des Aesyptischen PhöHix Terglichen worden. Dass Indien fthn- 
lläie li(yttien hat, wurde ron ami schon obra bemerkt. Welter wagen 
W idber auch nichto so behaupten.' Bin Wlidt mag aber gegeben werden: 
<te eis 'Grad der mthrasttyslerlen ▼«» Anden benannt war. 



-m. ifii -m. 

sehiedenen Gestalten des Seyns. Möge der Weise, wd- 
eher mit der Bedeatsamkeit der Offenbanuig langckl 
(vertraut ist}, eifrig preisen dieses unsterbliche We«i^ 
das geheimnissvoU Seyende und dessen verschiedeHi 
Aufenthalt. » 
«Wer seine drei Zustände kennt (Sehöpfiing, Daner «i 
Zerstörung}, welche in Geheinmiss verhüllet sind -» 
(^der ist weise <—}•>» 
«Dieser (Ewige}, in welchem die Götter UnsterUiehkA 
erlangen, während sie verharren in der dritten 
sehen Region, ist unser anbetungswürdiger Vater, 
die Vorsicht, welche alle Welten lenkt» 
Wie also im Ethischen der Indier so glücklich die Siatv 
beobachtete, und in ihr die grossen sittUehen Wahrkotai 
darzustellen wusste, eben so gelang ihm dies im TheoreÜ* 
sehen, indem er die grössten Rel^onsgeheimniase 
snbstantialisirte durch Naturtypen, und zwar auf eine 
trelfende Wene« So war von jener Indischen (jiantheiBtiBehe^ 
Grundanschauung, Gott ist Alles, in ihm ist Alles, 
ist die Welt und doch wieder in ihm, alle Wesen k 
aus ihm und fallen in seinen ewigen Schoos wieder zurucki 
also von diesem beständigen Emamren und Resoröiren aller 
Dinge, der Aswatha-Baum ein natürliches Bild und Symbol 
Es ist dieser Baum, welcher auch Pipal, Pipala^') (Vkm 
religiosa Linn.} heisst, der Indische Feigenbaum, der in gan 
Indien heilig ist und bei allen Pagoden und Tempeln gepflaaii 
wird. Er hat herzförmige Blätter, vorn zugespitzt und bd 
dem leisesten Winde zitternd. Seine Haupteigenscliaft besteht 
aber darin, dass von den Aesten Schösslinge bis auf te 
Boden herabgehen, wo sie wieder Wurzel schlagen, nndvti 
da zu einem neuen Baume aufwachsen. Dies mag wohl m 
folgendem Mythus Veranlassung gegeben haben : Brahma war 



t) 8. Mnjcr mytholoi;. Wörtcrb. I. p. 134 und Wahl Erdbescitf. ni 
Ostind. II. p. 788. 



433 ^^ 

I einer viermaHgen Wiederg;ebiirt im Fleisdi in der Fol^ 
T Zeiten. Und jetzt wird er ein begeisterte Sänger. Nach 
^ Befehl des AUmiehtigen besingt er die vier ersten Incar- 
itionen des Wischna, welche in dem Satya-yag statt gefim- 
», imd die zwei ersten im Tiraita-yug, deren Augenzeuge 
' gewesen war. Dann dichtet er den Ramayan , ein Gedieht, 
elches die siebente Herabkunft des Vischna auf Erden ent- 
Ut 

Im dritten Zeitalter, im Ihifoper^gug, erscheint IKrmah 
■i drittenmal , und zwar als ein Wunderidnd Bq/aa , geboren 
m seiner Mftter Johngandhary, vier Stunden nach der Um- 
moiig eines BfschL Kaum hatte er das Licht der Welt er- 
idU , so war er schon , mundig geworden und der Hülfe 
{■er Matter nicht mehr bedürftig. Er trennte sich von ihr, 
iedi mit dem Versprechen, ihr so oft zu erscheinen, als es 
r nodug seyn würde, und zieht sich in einen Wald zurück, 
rhier ungestört sich allein dem Nachdenken überlassen zq 
waißBki Dort findet ihn sein Vater, ein alter weiser Rischi, 
li «Bterrichtet ihn in jeglichem Wissen. Ausserordentlich 
id die Fortschritte, die er macht. Er wird der Verfasser 
» MababhArata, Bhagavat und anderer Gedichte, welche 
in Bestreben, die Befehle des Höchsten aufe genaueste zu 
ittlen, so wie seine hohe Weisheit verrathen. Er wird 
llich zum Propheten Muny, und erlangt * grossen Ruhm, 
Bw<rftl er auch hier, in dieser dritten Wandelung, noch 
M gBBSi frei von Leidenschaften und Sinneslust ist 
. Jm vierten Weltalter, im Cati-jfug, erscheint endlich 
raßäh zum letztenmal, als CaUdam, von armen Eltern ga« 
ren, ohne Erziehung und Bildung, in tiefer Unwissenheit; ^3 



1) Goigpuiaat {l, p. 235) bemerkt hierzu mit Recht, das« die Ein- 
fMant^ des Calidasa und des Wikramaditya in diese mythische Cresohichte 
iC BraJuna^s Verkörperungea ein Kennzeichen sind, dass diese Incama- 
■«■- Historie einen relativ neueren Ursprung Torrfith. Üeberhaupt 
ilmitim diese, ohne Zweifel ans einem Pnrana entlehnte Brzfthlnngoa 
Creuxer^s deutsche Schriften. I. 3. SS 



^^p» 'cito ^^P^ 

wie er meint , am gese^etsten seinen Aufenthalt niauBL» ^ 
Der andern Art, der Ficos religiosa, ohne Loftwurzelay 
mit herzformi^n Zitterblättem , bringen die Anhinger 
Baddhalehre ihre Huldigungen dar. Er war zuerst das 
des furchtsam uHemden GreUen , daher in der Saknntala (AdL 
6} mit dem malerischen Beinamen Tschaladala, von tsciali^ 
zittern, und dala, das Laub, bezeichnet. Nachher ward €R 
zum Symbol der immerdar bewegten Weit gemacht Audi kl 
im Ujmekhat (IL p. S22 ed. AnquetiQ ein WeUhaum vor, 
es heisst dort unter Anderm : « Mnndus arbor est et stabilis 
manet , et folia illiüs semper in motu sunt » In Betreff 
Asvatthabaumes (der Ficus Indica) bemerkt Ritter, «it TflBi» 
Weisung auf eine Abhandlung von Xoehden ( Transactii»s 4' 
the Asiat Society London L L p. 110 — 128): «Auch db!] 
moderne Wissenschaft und Poesie hat den eigenthämlichcn 
rakter seiner Verzweigung (^Quot rami tot arbores) 
hervorgehoben; die Asiatische Soeietat in London hat die»! 
Motto und sein Abbild, als Symbol ihrer Wirksamkeit, 
Gesellschaftssiegel erkoren, und Milton (Paradise lost DL 
1000} hat diesen Baum besungen. » — So weit Ritter. 

Ich füge hinzu: auch der iieiiplatonischcn Philosophie 
der Baum überhaupt als Bild dienen, um die Ideen der 
mischen Einheit, des Weif Organismus und des nie erlöscheata 
Lebensprincips zu veranschaulichen. Es wird nicht uninleref- 
sant seyn , zwei Stellen des Plotinus mit Jenen Ausspruchoi 
Indischer Philosophen und Poeten zu vergleichen. In dir 
ersten Stelle') heisst es: «Denn das, in welches Alles (mä* 
geht} ist Princip, worin Alles zu<^Ieich und Alles im GanaOk 
Gehen doch jegliche Din;;:e aus ihm hervor, während es selM 
inwendig verbleibet^ wie aus einer in sich selbst stehendes 
Wurzel. Diese aber (die Din^^c} entspriesscn zu einer ge- 
theilten Vielheit, jegliche ein Bild von jenem an sich tragend; 
so doch, (lass hier ein Anderes im Amiern geworden* Uni 



1) Emi. fU. libr. .'•. r;»p. 7. p. OO,.» Oxon. 



I 



-«^ 446 -^ 

9 befinden sich diese SprSssUnge niher an der Wnrzel , jene 
ingeg&i^ ins Weitere treibend, gehen auseinander und bis 
a den Aesten, Zweigen, Fnirhten und Blattern. Und ein 
nieO verbleibet immerfort (dasselbe 3 9 ein anderer dagegen 
fird immerfort (nämlich} die Früchte und die Blätter. Und 
Je mmerfort werdenden Theile haben die oberen Gesetze 
BilAingstriebe, tov^ endvia koyovg) in sich , eben als weUten 
\e eeUet kleine Bäume segn (olov (ÄtXQa Sivöga ßovhj^ivxa 
hmy » In der zweiten Stelle ^} sagt er : « Oder denke dir 
as Leben eines grossen Baumes, durch alle Thefle desselben 
iadttrchdringend , während dasPrincip bleibet} und sich nicht 
nneh das Ganze verbratet , weil jenes seinen Sitz hat in der 
VorzeL Es verleihet sonach dem Baume das ganze, das viele 
leben ; selber bleibet ps jedoch , weil es nicht ist ein Y ieles^ 
Dodern des Vielen (liebens J Princip. Und das ist kein Wun- 
er; oder man dürfte sich auch wundem,* wie des Lebens 
^ieUieit aus der Nicht- Vielheit geworden, und wie die Vielheit 
iebt geworden wäre, wenn nicht vor der Vielheit gewesen 

k'as nicht Vielheit war. • « Denket daher Jemand der 

Hanze Eins und des Thieres Eins und der Seele Eins und 
•s Eine des All, so nimmt er jedesmal in Gedanken das 
liditigste und das Ehrwürdige. » — Zum Schluss bemerke 
ch dass auch die Früchte des Indischen Feigenbaums zum 
leispiele dienen mussten, um philosophische Lehrsätze an- 
chaididi zu machen. In einer Schrift der Vedanti- Philoso- 
tai findet sich folgende Stelle: « Frugem fici Indicae iUinc 
Ar: en tibi eam, venerabilis; finde eam; fissa est, vene- 
nhilis; quid hie vides? Subtilia illa grana; eorum unum finde; 
hmgok est, venerabilis; quid hie vides? Prorsus nihil, ve- 



1) m. 8. 9. p. 646 Oxon. — Es wird hierbei zu bemerkea nicht 
kiiBssig seyn, dass Plotin, nachdem er die Schule des Ammonius be- 
MI hatte , sich auch mil dem Studium der Indischen und der Persischen 
fkfliMopliie beschäftigt hatte (Porphyr, de vita Plotini m. p. LI ed. 

bm.). 
Cremzer's deutsche Schriften. I. 3. 20 



./«bilis. Ctü ifle: quam stibtiljtaiem connpfeere non 
i ea subtilitate ma^na liaec Aciu «urgit; (rede, a tn 



■fc»9 



Die Emanationen iinti Iiicanialioneii der Gottheit dwib 

^ tlle Aconen biodurch . woraus das weit aiisg^eüpooncnr GcMti^K 

Ton Mjlhen sich entwickeil, welche den Inhalt der gnuMn 

Kosmogonien und epischen Gedichte, der Piirnua's, des lU* 

mayan, am nur an diese zd erinnern, aiumachen, diese tHji- 

Sgen Reli^ioDsgeschichlen , st die Tempdarchilcktor tial 

Tempelsculptur an ihren Wäi — „ in onzdhlij^en Reliüb ^ 

BSdcrn dar — gleichsam in verkörperten Myllien. hrdj^ 

^fieschichteo in Stein. — Dies beurkunden noch jetzt dem A^ 

e Gfoltenlempel von Elephante v »1 l!:IIora. Hierher gehäm 

koch die Vereinignnveo zweier ittheileii in Kinnn 

xonders einer niännlichen nnd er weibiicbcn. Ditftm 

isitionen sind in der Indischen empelsyiabolik nidtt 

i ein Beispiel davon habe ich ie solche DarsteJh 

bore den Abbildoiigen zu meinen Werke bei6l(ea 

Hier sehen wir den Schiwa und die Parwati in engirter 

einigung und durch ihre Allributc charakterlsirt. ') 

nern zum Beweise, dasa dies schon früh so war, 



1) S. WindiscbDionnl Saneara, sivi! de Theolo^nents Vcdi 
Boim. Iä33. p. 164 sq. — Za den Ha^en von WundurbHumeii laS 
wolclie in der BömUchen Katsereelt hei Griechen und Rrimrm ojalk 
glebt der nenllch aufeefuadcne lulius Valerloa (aus dem ^. tiil^r 4.JI 
nach Chr.) einen iieuen Bellrag. S. lulll Volcrll res ge^luc .Vleta 
Mucedonls trnnslaUe ex Aesopo Oraeco ed. Angel. Mol. My-dlot (ffll 
Ol. :t9-— 41, wo, nach Griechinchen Quellen, welche der AIvkmMM 
Aeiop«$ lienutzie, üihelhalte Dingo von inüanllcheo ond weiblMknidl 
Monne und dem Monde heill;(en OmkeHHÜimcu ersÄhlt i 
jedoch, ■jinboliscb und mjthlsch geuonunen, zum TheU einen a 
Sinn hüben ; worüber tn) Capitcl von der Aegyptlschen 1 
Weitere bemerkt werden «ird. 



2) S. tmiere Tafel ZXIV. iir. 2. 3. Aaag- 



errie«, WMV | 



-^ 451 -^ 

*fm an die Vorstellim^ deis Brahnm als Hermaphroditen , die 
ir beim Porphyrius (apud Stobaenm in Eciog. phys. L 4. j^ 
L p. 145 Heeren.} lesen. Er war ab^bildet als ein Riese 
it vielen Köpfen, deren jeder eine Krone trag. Auf der 
nen 8eite war er männlich, anf der andern weibh'ch, und 
^r ganze Körper mit nnzähh'gen Symbolen onigeben. S. das 
ihere bei Jones in den Asiatt. Abhandll. T. lY. p. 44 sqq. der 
MCG^eh. Ausg. ') vgl. A. W. v. Schiegel Ind. BibUoth.n.S. 48S. 

Die eben bemerkten Erscheinungen fähren von selbst anf 
Bwisse allgemeine Yergleichiingen der orientalischen Bildnerei 
mI derjenigen , die der Occident von den Griechen empfangen 
il Obwohl ich nnn daräber das Nöthige schon im Allge- 
eJnen Theil bemerkt habe , so müssen hier von jenen Gnind- 
Ittien doch noch einige Anwendungen auf die Darstellung der 
ifeAffAen Gottheiten und Genien genmcht werden. ^3 

Hier, im Gebiete der Kunst, sehen wir nun schon Indien 
it dnem ganz andern Wege als Griechenland. In Indien 
l de)r Charakter der Symbolik das Bedeutsame, im Gegensatz 
igen dasr Poetische, Plastische und Schönt, und bei der 
ilttocte Indischen heiUgen Bildnerei (^was auch vom Mythus 
R) ist die, freilich von Wenigen gefasste Grundidee vor- 
än^cbend, dass die heiligen Bilder (^Symbole und Mythen ) 
üf Erinnerungen sind an das Wesen des Ewigen, dessen 
viA besser tm rehten Denken wohnt und im Herzen der 



1) AiiJMluulUch wird diese Beschreibung zum Thcd durch die noch 
Miaideiien AbbUdungen y wohin auch unsere TafeU XXL XXVU. XXIX. 

JUlMg. gehören. 

2) Mhn ver^eiche damit die Ifetrachtungen Ton Pajrne Knight an 
Iptoy «« the Symbol. lang. %. 231 sqq. p. 192 sqq., der mit Recht den 
ifcBfcirelfcnden and dem Schönen entfremdeten Charakter der ündlschen 
Mmtreif Malerei und Architektur Ton dem scharfen Casteiidespotismasy 
»Ker natnrUchen Furchtsamkeit und Sanftheit des Volkes, von dem 
Mrte Ikrer iib6nchwftnglichen und nicht sowohl auf das Handel» als 
ft Bussen Werth legenden Religion und deren frühem VeriUl dnrch 
ft Mndd der Brahminen, ableitet. 



-^ 452 -». 

JFhnnmen. Es ' zeigt sich demnach ein scharfer G^ensats 
dieser Irmerliehk^ der Religion der Indier gegen die jäemmer- 
UehkeH ( plastische Gestalt } der Griechischen , wenn wir letz- 
tere nämh'ch schon auf dem Wege zu ihrer Sdbstständigkeit 
betrachten ; und da die Symbole nur Erinnerungen sind , nidit 
Abbilder, wie die Griechischen Götterbilder, so wird nicht das 
Schöne gesucht, sondern das möglichst ErsehSpfend». Dies | 
zeigt sich auch zuvörderst in dem Ueherftuss und Reidähm 
ihrer Symbolik, besonders ihrer Götterattrände. Unzählige ; 
Beiwerke hat jeder ihrer Götter , jedoch keines bedentnngslos; , 
jeder Kopf, jeder Arm, jeder Fuss und so fort hat seine be- ^ 
sondere Bedeutung, und die ganze Geschichte des Gotb» 
liegt in Symbolen, so dass wir gewiss die Behauptung wagen 
können, es habe kein Volk der Erde seine Rel^^ion so ans- i 
fuhrlich symbolisirt, wie das Indische. Andrerseits zeigt sidi 
dies auch an der Vngenägsamkeit der Indischen Symbolik 9 d. 
h. Ate mll Alles sagen, das Weltali soll in den Bilden der 
grossen Götter ganz und m jeder Besdehung vor Augen gestdit 
werden. Daher denn die vielköpfigen , vielarmigen , wunderbar 
grotesken Götterbilder, wie, um aus Unzähligem nur einige 
Beispiele anzugeben, die Vorstellung der Trimurti oder Drei- 
emheit, in den Asiatt. Abhandll. Bd. IV. tab. IV. fig. S d. 
Deutsch. Ausg., femer GanSsa (der Gott der Weisheit) mit 
dem Elephantenkopfe , ebendaselbst tab. XV, oder aneh mit 
dem Elephantenrüssel , in Majer's mytholog. Wörterb. tab. IL*) 
Hierher gehört liuch die eben berührte alte AbbOdnng des 
Brahma als Hermaphrodit, ferner die des Wischnn, welcher 
auf einer zusammengerollten Schlange schläft. Noch sonder- 
barer aber ist die, wo Wischnu als Fisch das Gesetzbodi 
aus dem Grunde des Meeres heraufholt, als Schildkröte die 
sinkende Erde unterstützt, als Riese deii Eber bindigt nnl; 



1) Mm vergleiche die Copien mehrerer VorsteUangeii der Art 
den BUdem bei Moore , auf den unserem Buche beigefügten Tmfets J^ 
XXU. nr. 2 (Trimurti), XXIX. nr. 5 und XXVIL ^. Ansg. C6«ite> 



^^ 453 ^ 

dtfgL mehr (g. die Abbildmigen in dem vierteil Bande der 
AMtL AbliandlL tab. VI. VII>0 

M€Ui88 aber ist das ewige Gesetz aller Schönheit ; VnmaasB 
hmgt das AbentheuerUche , Seltsame nnd Ungeheuere her- 
vor» Da also das Symbol in Indien einzig dem Bedeutsamen 
iiente, so erscheint es. unschön, oft ungeheuer und furehthttr; 
was ebenfalls vom Charakter des Indischen Mythos als Regel, 
wiewohl mit gewissen Einschränkungen , gelten kann. Denn, 
wie wir schon oben an einigen Beispielen nachgewiesen, auch 
den Indiem fehlte es nicht an Lieblichkeit, Zartheit^} und 
fernem Sinn in manchen Bildwerken, so wie vorzuglich in 
ker Mythologie. Aber jener Geist des Ungenügsamen wal- 
tete doch im Ganzen stets in der Indischen Kunst vor, welche 
indi durch andere Verhältnisse und Umstände. dazu bestimmt 
wurde. Man erwäge nur die strenge Scheidung der Stände 
dardi die Eintheilung in Gasten, das Verhältniss des weib-- 
Kehen Geschlechts, das Klima, welches den Menschen zur 
Ifadie lodLt und eine Bewegungslosigkeit und Unthätigkeit 



13 VgL unsere Abbildungen XXV (drei Avatara's) und XXIV. 
2, Ausg. CWischnu und Lakschmi auf der vielköpfigen Schlange). 

2) Brei Beispiele mögen zum Beleg hinreichen: Banga als junge 
SnHi Ton gefSUiger Bildung, mit der einfachen Blume in der Hand auf 
fem Stfone wandelnd, oft abgebildet; sodann der fliegende Genius auf 
murer Tafel XXn. nr. 2. 2. Ausg.; endlich DSvaki mit dem Krisehna 
!■ fkrer Bmst, in einer Fülle- von Blumen und Bäumen, Auf beigefugter 
te^fl XXYI. 2. Ausg. Aus 'diesen und andern Beispielen einftu^berer 
WemMmnUtUnngen mag der Leser urtheilen, ob Payne Knight Cft- a- O. 
fi'-i92 eq.y doch nicht etwas zu stark sich ausdruckt, wenn er sagt: 
I) Mke the aaoient Aegyptians, they Ohe Hindooa) have been 
«DCcesftiU in an works of art , that require only methodical 
Uot an manual dezterity, but have never produced any thing in pain- 
tägj acolpture or architecture that discovers the smallest irace er 
ef tkose power» of the mind , which we call taste mnd genius ; 
of wUch the most early and imperfect works of the Greeks always 
■qoie dowBing>< 



'^ 454 '^ 

erzeugt, welche das leichte Leben dort wohl ^^estattet; ferner 
das beständige Liegen, eben durch die klimatischen Verhili- 
nisse veranlasst , die Verhüllung , wie sie der strengere Orient 
überall eingeführt hat. Beides aber, Ruhe bei beständ^em Lie- 
gen , und Verhüllung sind Gegensätze der Kunst , welche fireie 
Bewegung, Thätigkeit und Nacktheit fordert. — Wenn der 
Indier daher in Absicht auf Bedeutsamkeit, Reicfathum c^er 
Ideen und beschauliche Tiefe über dem Griechen steht, so 
muss er, was Kunst betrifft, gegen diesen weit zurücktreten; 
nnd die einzelnen glücklichen Bilder seiner Religion, die 3||| 
dazu hätten fuhren können, ergriff der Indier nicht, eben am 
jener Richtung seiner Phantasie zum Bedeutsamen , MystisdiCff 
nnd Beschaulichen, weil er aus überschwänglicher Frdaxnnlg- 
keit nichts aufgebep konnte was er noch ahnete am ev^jigm 
Wesen, und 'weil selbst durch das Ungeheure und Grpt^9 
der Götterbilder sein Sinn nicht gestört wurde. 



j 



IVachtrfti^e. 



I 




Vorwort, 

dion bd der ersten Bearbeitnog dieses Capitels hake ich 
|men wilden Wald der Indischen Mythen und Kosmologien 
■Iglichst zn meiden gesncht, wid bei dieser neuen habe idi, 
pd. hoffentlich zum Dank der Leser, noch Einiges dieser Ajrt, 
1^18 mit dem Organismus der Götterlehre nicht zu sehr ver- 
wachsen ist, ausfallen lassen. Diese Nachträge sind zuvörderst 
emer genauem Bezeichnung unseres jetzigen Standpunkts auf 
diesem Literatur- und Religionsgebiete gewidmet Sodann 
sollen hier einige Proben aus den unverwerflichsten filteren 
R^jgionsurknnden der äindus mitgetheilt werden j wobei ich 
■ir die eigenthumhche Aufgabe gestellt habe, Griechische 
Mythen, Symbole, Rcil^ionslehren und Phflosopheme mit den 
bdischen zu vergleichen. Endlich will ich hier gleich von 
vornherein eine Hauptfrage wieder aufnehmen: ob nfimlich 
mä anf welchen Wegen selbst aus dem fiussersten Orient 
Cflbmbens- und Cultuselemente in die Abendländer und ins- 
besondere zn den Griechen und Italiem gekommen smd. Ich 
Mblge bei dieser letzten Erörterung dfe im Allgemeinen TMl 
ÜBBief dritten Ausgabe gew&hlte Methode , und gehe von einem 
esncreten Falle , vo|i der Untersuchung der Abkunft eiqer 
ies tunmt iyi Heüenisclien Gottheit aus. 



456 



Der Indische Diomfsos; Verhreüungstpege seines CuUus bis sm 
den Wesivölkem. — Die Indischen Priester - und HeHigenckmeu 
nach Grieehisehen und Randsehen Berichten. Bin Blich arf 

Chinesitche Lehrsät%e, 

Nachtrag zu $. 2 und %, ö. 

Im vorhergehenden zweiten Capitel $• 6 heisst es: «Dort 
im nordwestlichen Theile von Indien, um den Berg Metn^ 
wurden dem Schiwa Phallagogien gefeiert Davon kam eine 
Kunde zu den Griechen; zugleich vernahmen sie etwas voa 
der alt -Indischen Mythoin^rie ? und daraus bildeten sie 9m 
Sage von der Stadt Nysa, vom Bpt^ Heros (^Mi^gog) mai 
vom Gotte Dionysos (Arriani Exped. V. 1. 1. 2 nnd Indica 
cap. 7y Nach ihrer Weise nnd Eitelkeit wendeten sie ahcf^ 
wie immer, die Sache um,- und erzählten, wie Dionysos vsa 
Theben aus nach Indien gezogen sey u. s. w. » Im drittct 
JBande (S. 118. 2. Ausgabe} hatte ich unter Anderm weiter 
bemerkt: «Andere leiteten jene Sage (vom Indischen Z^e 
des Thebaniseben Dionysos 3 gar von einer Schmeichelei gegw 
den Ueber\vinder des Orients Alexander den Gr. her. Etat? 
pides in den Bacchantinnen (^14 — 18}, also fkst hnndert 
Jahre vor Alexanders Zuge, lässt den Dionysos schon naek 
Indien wandern u. s. w. » Dagegen Üsst sich Herr A. W. V3 
Schlegel (Ind. Biblioth. n. S. 290 f.} also vernehmen: «^fa- 
xanders JSinbildungskrafl hat die Mythahgie mit dem Zuge des 
Bacchus nach Indien bereichert , welchen später die Poesie and 



Idende Knnst wetteifernd verherrliehteii. Unter allen 
rn der frohem Zeit hat Euripides den Bacehus am wei- 

^fuhrt: dennoch macht er Baktrien zmn letzten SEiel 
Züge , ohne Indien im mindesten zu erwähnen. Ich bin 
1 dem Falle einem von mir hochverehrten Gelehrten 
prechen za müssen. Meine Behanptmig fiUlt von selbst, 

die Erwähnung der Bacchischen Eroberung Indiens 
^end einem Dichter, der vor Alexander dem Gr. gelebt, 
lar als Fragment ans Licht gebracht wird. Aber ich 
imlich sicher davor, da schön mein Gewährsmann En^ 
les keine solche Stelle kannte. Ich erlanbe mir, dieje- 

welche der Sage ein mystisches und orakelmässiges 
en zueignen , aufmerksam darauf zu machen , dass wir 
as Beispiel einer Sage haben, welche in einem gans 
ehen Zeitalter durch den Einflusa eines einadgen Mannte 
den , sich an die ältesten Dichtungen angeschlossen 
h der Anmerkung heisst es weiter : « Cteuzer'e SytnboUk 
%. S. 118. 119. Es ist nicht genau, wenn Herr Creuzer 
Euripides lasse den Dionysos nach Indien wandern» 
Herodot, der diesen Namen so weit ausdehnt, begreift 
sn nicht mit darunter. Asien ist dem Dichter, wie er 
sagt, der Theil von Kleinasien, wo Griechen unter 
en angesiedelt waren. Die Behauptung, jene Sage 
von einer Schmeichelei gegen Alexander den Grossen 
rirft Herr Creuzer weit weg. Sie war schon vorArrian 
»rächt worden, der sie gläubiger als Eratosthenes zu 
egen sucht Ich schreibe jene Sage nicht gan% der Sehmei^ 
m, aber diese hatte doch gewiss ihren grossen Antheil 
» 

ese freundliche Einrede eines so berühmten Gelehrten 
it die grösste Achtung, und so werde ich sie auch b^ 
0. Statt ihm also einen Ausspruch Heyne's*} entgegen- 

Ad ApoUodor.p. 232 ed. secimd. ,^artem forte fobnlanun snppe- 
•tmfles fitbolae per AMam propagatae; lalins autem nomen Indtae 



-^ 458 ■*- 

znstellen. wonach die Geog;rapbie der Poeten nnd der HjIImb 
nicht 80 genau zu nehiien ist, will ich gleich vorafaerä 
gestehen } dasa ich von Bayer's Worten ^3 einen nicht genaoti 
Gebrauch gemacht hatte. Ich darf nnd wül selbst nicht tcp- 
schweigeo, dasa Herr v. SeUe^ eine Ahnliehc Aostcht eiqM 
berühmten AjdiüologeD für sidi b&tte anfiibren können') ui 
ncoerlich die Autoritjtt eines grossen Geografhen für sich gfr- 
Wonnen hat. Herr Karl Ritter sagt nänlich (Erdk* Aän. 
Band IT. 1. 8. ISO): « An den Namen knüpQe siob die ,iapv- 
daekt« Fabel von des Dionysus Zuge, oder des IndtMtei 
Bacchus , bei den schmeichelnden Geschichtachreibern ^eia* 
ders an u. 8. w- >• Ja beide Gelehrte hattep noch den sf^tid^ 
ainnigen Freret fdr ajch anführen können , welcher ^ffStfiUft 
zuerst die Meinung des £ratoslhcnes ausgebildet hat (nim)' 
de l'Acad. de« Insoript T. XXXD. p. 226 sqq.). Von eiscs 
solchen £uliemcristen war nichts Anderes zu erwarte». Ate 
gen ihn erklärt sich aber Saiptecroix (^Examen crit. desffiv^ 
d' Alexandre p. SOO ed. sec). Er giebt acjo Urtheü ia t^ 
genden Worten ab: «Les voyages de Bacchus wix ~ 

de r Asie qe soot pas non plus dos anx 



in mj-lliirls rocnat et Hi* Asia nrnni rrmnrlnre. Exomnla res Mi it 
Alcxanilri pxpiirtilionp nd Indum." >Vo nlno A:<l.iti!iche ^een Als 
laC^n ji'nur vi>n deN Dionj-soü Tuce nnrh Indien iiori nur Anaacki 
ilvrxcibi'ii pfil A\i:xandi:T RnKciiomniun werden. P. WesaeUns I 
d<ir. II. '.i'*. |>. Ibl ist derselben Meinung. 

II lIlMiiria rc!;nl Barlriani I. 1: „VJiitu ccnti« 
i'okbr.iin l'uir. ut in fiibulls quoquc poetae ei Bnetriis debeUaiis 
iluuertTuiii. rrimus illiinitn in numerit, qund sciam, Guripidcs fuii , m 
RiKTbns suiis In .».ccna producciret. Pnlj'aenus vero nuctorcs I; 
pleliiirrs (Sir.-iii-:-. I. t)i qui, vcrn nn fnlso obscnnu 
drrietin . in Biielrios mnvinsc proderenl." 

V) Tiai^ea'n zu dt^n BASKlrillCTl nnttch) <ll Rom t. '■ 
Wckker: ..Aber KPu-iKn iai, iIjuib die Brobemugeii de« 1 
Antrieb. Kabca. Indieu ab HmtptthcU in die PUnrilaok* ] 
rtibrcn. " 




kl 



459 

aGGompagnoient Alexandre , pui3q9' ßn les retroave dans me 
tngedie d'Eurifide (in der öligen Stelle), qui florissott an 
siede avanl Farrivee de ee prince aux Indes. Tontes cea 
histoires eoncernanl; Bacchus et Hercule, contraweii a Ja 4raf- 
dition mythologique, ne sont donc pas de Tinventjon des sol- 
dats macedoniens; maia ä en onjt faunemmd appiiqu^ h$ iMMii 
i eertaina Uettx d0 la hatUe Ade et de C Inde. Toila fums 
doote ce que Strabon (\Y. p. 15 Tzsch*} a vaulu faire ea- 
teodre; antrement il se contrediroit » Von einem gewissen 
Widerspruche mit sich selbst möchte Strabo dennoch nioht 
Erd seyn» Denn in der angeführten Stelle schreibt er ja gams 
wie Eratosthenes jene Dionysische Zngsgeschichte der l^dwei^ 
ehelei gegen Alexander zn , und wenn jener (XV. p. 19 Tsssch.) 
sdhst die von Euripides (n. a. 0.} gepriesenen Fahrten des 
DSonyqos Ins nach Baktrien hin für nnglaabwärdijg und fiabel- 
baft eridifart hatte, so sagt er ja (Strabo XL p. 44« Tzsch.) 
geradesn : « Der Feldzug des Dionysos und Herakles gegm 
die liider hat ganz das Ansehn einer spSter entstaadraen 
l^jffliendiehtQng. » Dagegen sucht derselbe Strabo (l p. 180) 
gqpen denselben Eratosthenes denSi^tz, dass m hohen Alter- 
thmne grössere Reisen als in historischer Zeit gemacht worden, 
dnrcb das Beispiel vom Zuge des Bacchus und Hercules gel- 
tqid KU Bpachen. — Ob Strabo durch die Tolkssage aw dieser 
laeonsequenz verleitet worden, lasse ich dahin gestellt seyn. 
Alf den Arrianus übte diese Sage, als reUgiöse Tradition, 
tine grosse Gewalt ans. Nachdem er Alexanders Ankunft 
ia Nysa und die Erbauung dieser Stadt durch Dionysos nach 
De^erwindung der Inder gemeldet, beschwichtigt er seinen 
fmfjSA fiber diesen Zug eines Lydischen oder Thebanischen 
IKoiDyBM dureh den Ausspruch, man mässe so alte Mytheo 
■cht so scharf untersuchen, und selbst unglaubUdie Sagen 
mldren das UnglaubUehe , wenn die Gottheit damit verflochten 
■qr (Exped. Alex. V. 1. S). Im Verfolg widerspricht er der 
BfeMuptviig des Eratosthenes, dass jene Sagen vom Zuge des 
Bianysos aus Schmeichelei gegen Alexander auf übertriebene 



^^ 460 ^^ 

Weise aosgestreuet worden, erklärt aber, dass er sie anf «di 
berohen lasse (ibid. UL 1 — 4. p. 126 ed. Kräger.y Hieram 
ergiebt sich zuvörderst, dass Arrian sich wohl anders aas- 
gedruckt haben wurde, hfitte er dieselben Sagen bei seinen 
HanptfBhrem, beim Aristobnius und Ptolemaeus angetroffBB; 
aber auch andrerseits, dass der Mythus von dem Indischen 
Feldziige des Bacchus aU und mit dem religiösen Glauben an 
die wunderbare Macht und Herrlichkeit dieses Halbgottes aifc 
inn^ste verwebt war, und dass mithin Arrianus nicht ans , 
individueller Religiosität, sondern im Sinne des altreligiösen 
Volksglaubens dem Eratosthenes widersprach , und in so weit 
SU widersprechen Recht hatte. 

Eben so merklich zeigt sich die, Macht altheiliger YoDuh 
sage üi mehreren Aeusserungen des Herodot Dieser Ge- 
schichtschreiber kennt Mythen und CuUe , die er als Dionysndie 
bezeichnet, in Meroe (H. 20} bei den Aethidpiem, Makrobier 
genannt, (TU. 97. H. 146} bei den Arabern, in den Zimmet- 
ländem (UL 111} ~~ ^"^^ dennoch wagt er nicht demHd- 
lenischen Mythus vom Thebanischen Dionysos dem Sohne der 
Semele geradezu zu widersprechen. Nachdem er desselben 

1) (fier ist es doch vrohl das Natürlichste , mit Heeren (Ueei L 2. 
S. 252) Indien zu yerstehen, und wenn Herodotas die Sage TonahBy 
dorten sey Dionysos erzogen worden , so zeigt sich hierin die älteste 
Kunde von einem wahrhaft Indischen Dionysns. Den Mythus Ton IndlBChea 
Zuge des Bacchus, obwohl er ihm nicht unbekannt seyn konnte, beriihti 
er nicht, ohne Zweifel weil er zu viele Spuren von der orlentalisdMt 
Herkunft der Bacchischen Culte auf dem Wege seiner Forschungen uge- 
troffen hatte. Dies letztere geht aus der gleich folgenden SteUe (11. 146) 
unwldersprechlich hervor. •— ^ Und nachdem Bottiger schon vor vleki 
Jahren das Wahre der Sache kurz und treifend ausgesprochen y bitte 
man nicht erwarten soUen, dass heut zu Tage eine neue Bewelaföhnnif 
nothig werden wurde. 9,Der Zug des Dionysus ist nicht ^ wie Voss 
nmthmasst, erst bei erweiterter Landerkunde bis Indien erweitert worden ; \ 
nein der Gott kam ursprünglich von Indien ; er ist auf dem Berge Nyn 
In Arabien erzogen, er Ist der Stierköpfige.^^ Bottiger Vaiengem&lde OL 
S. 97, Tgl. 8. 104. 



^^ 461 ^m. 

«dacht (II. 1«), fiilirt er fort (IM): « Von diesen beiden 
teinnngen kann nim ein jeglicher annehmen 9 was ihm am 
laubwurdigsten scheint; ich habe mein Urtheü darüber vor^ 
elegt. — Nun sagen aber die Hellenen, dass Zens denDio- 
ysos, alsbald er geboren, in seine Hüfte eingenjihet und ihn 
ebracht gen Nysa, das da lieget oberhalb Aegypten in Ae- 
ii<q>ien — ; — Es ist mir also offenbar geworden , dass die 
[dienen ihre (des Herakles, Pän und Dionysos) Namen 
piter erfahren, denn die der andern Götter, und von der 
itü an, dass sie dieselben erfahren, rechnen sie ihre Ent- 
drang.» 

Der Widerspruch der Sagen von des Dionysos Hei^unft 
gt sich offenkundig im Berichte eines ^u^oi^ ^r? welcher 
i vielem Fabelhaften doch manche aus alten Quellen -ge- 
ihöpfte Nachrichten mittheilt , und den gerade in dieser Sache 
ibst Wesseling (zum Diodor U. 38. p: 161) anzuführen nicht 
iffsehmfihet. Philostratns n&nlich (Vit ApoUon. DL 9. p. 6Y 
leär.), nachdem er die Abweichung der Indischen Erzah- 
ngen von der Griechischen bemerkt hat, sagt nun weiter: 
Denn wir glauben der Thebaner sey zu den Indem gezo* 
sn**) — Die Inder um den Kaukasus und am Kophenes, er 
y als ein Assyrischer Einwanderer gekommen. *) Hitagegen 
B.fefneren Inder vom Indus bis zum Ganges hin behaupten, 



— I»' *IpMq iluacu, wofür die Schellersheimische Handschrifl 
t: 2. '/. il^orra , obschon ukuniCtelbar zwei Participla folgen. 

2) In einer SteUe des Herodot CI. 131) , welche Herr A. W. ▼• Schlegel 
iri. Blblioth. n. p. 316) wegen grammatischer Genauigkeit in der 
adOB Ik-emder Namen belobt, wird gesagt , die Perser h&tten den Cnltos 
r Yenns Urania (Mylitta) von den Assyrem gelernt, und da ebendorl 
riehtet wird, dieselbe Gottheit heisse bei den Arabern Alitta oder Alilat 
gL HL 8), In letzterer Stelle aber, dass bei den Arabern Dionysos 
i dieser Gottheit die Verehrung theile, so liesne sich yermuthen, da 
le TenoB- Urania nach Herodot (a. a. 0.) die Persische Göttin Mithra 
y ea sey mit jenem Assyrischen Venusdienst auch ein Bacchischer 
alscoltus in die Persische Religion gekommen. Wie dem aber auch 



<^ 463 -w^ 

(OS sey der Sohn des Flnsses Indus, uMf jener Thebn- 
BJsche, dessen Schüler, habe den Thyrsus angenommen, sM 
den Orgien ergeben und ausgesagt, er sey Sohn deft Zcn, 
habe in des Vaters Hüfte (^^i^Qfß^ bis zur Gebortsretfe gelebt;^) 
daher der Name des Berges Merbs (^Mij^og^ und Nysa sqr 
darauf mit Setzlingen des Weinstocks, die man ans Tkebea 
mitgebracht, bebauet worden.» Wer kann in diesem wob» 
derUchen Indisch -Hellenischen Mosaik das Bestreben spilerer 
Poeten oder Sophisten verkennen , beiden Völkern halb vai 
halb nach dem Munde zu reden , und nachdem die orgiasHschea 
Culte des Morgenlandes weltkundig geworden , dem Grieehls^ 
Thebanischen Bacchus doch eine Art von Selbststindigkdt u 
reiten ? In den verschönernden Zuthaten zu Alexanders Indi- 
schem FeUzuge, wie in den Uebertreibungen von dem Zuge 
deis Xerxes gegen Griechenland , wie in der unstreitig sehr 
alten Volkssage von dem in Hellas gebornen und nach Indiet 
und von dort zurück gewanderten Dionysos — in allen diesen 
Dichtungen verrath sich der Griechische Nationalcharakter 
und jene unvertiigfoare Eitelkeit , selbst auf Kosten der Wahi^ 
heil dem Griechischen Namen Ruhm zu bereiten. Uebte doch 
dieses Bestreben selbst auf edle Geister und ehrenfeste Gelehrte j 
seinen Einflüsse Man denke nur an so manche Vorwurfe^ ! 
welche Phitarchns dMi Werke des Herodotus (de malijgnitaW j 
Herodoti^ blos aus dem ganz naiv eingestandenen Grunde i 
macht, dies' und jenes hätte die Nationalehre dem Geschieht- < 
Schreiber zu sagen verbieten sollen. Nirgends aber triflt die ] 
Hellenen jenes : et quidquid Graecia mendax audet in historia I 
mehr als eben in den Geschichten der Bacchischen Religionen; | 
und in gerechter Würdigung solcher Entstelhmgen sagt eitf j 

_^^^^_^__^_^_^__^___^_ _^^» __ ^ - - - "5 

seyn mag, in keiner Persischen Gottheit seigt sich mehr Annäkenug an J 
das Indische und Bacchischc , als im Mithras ; weshalb in der A»lgt - 
anch die Sabazien sich so innig mit dem Mithrasdienste verbanden. : 

D — nul xw nav^c »fß^^ f^not' ^^« ScheUeifsh. ricUigef : isl \ 

xf T. T. «. !(• < 

i 



^^ 463 -m^ 

ehr besonnener und ^emissig^er Afeister der Alterthmns- 
nnde:*) «lam vero res in valgns nota, Graecnlis qnamlibet 
nram, quoslibet suscrnros, qnfbns aeccdere sibi nomen spera- 
ei^t, gravissimi ttetimonii instar (bisse. — Unde tot eoram 
tes de love ata Saceho apud »e natu educatiafue ete. » Idl 
elbst kann meine niemals wankend gewordene (JeBerzeo^nff 
njetzt mit den Worten eines unbeftngenen und scharfsinnigen 
kritikers aussprechen:**) «Dass der DionysosdSensC ein AsiBr 
acher sey , ist ausser allem Zweifel. Fast bnchstüblich sprü- 
hen dies aus seine Abstammung \om Kadmos und seine Efnkehi^ 
Is neuer Gott in Griechenland von dem siegreichen alle Vdlker 
Zwingenden Zuge aus Indien. Denn dass die Wunderbar 
lies in einander spielende und verwebende Mythologie 91a 
Bter andern auch in Theben geboren werden liisst, zeigt 
■eiter nichts an , als dass der Asiatische Stamm , der diese 
öttheit nach Griechenland gebracht hatte , in Theben wohnte, 
id, dort nun einheimisch, wie gewöhnlich auch die Scene 
inet Hythen dort suchte. Eben darum war es dann auch 
Sdkig , den Üionysos , den ein alter Mythos aus dem fernen 
•dtlffif tammHi Uese, erst von Theben aus dorthin zu schickelk, 
itf 80 seine Einkehr in eine triumphirende Wiederkehr ta 
abwandeln. Den Namen IH&mfsoe betreffend, so tvar t/geot 
ter Ifge der einfache Name des Gottes;*^ und iVsfwi hiessenf 
üehMre Städte Asiens , wo er theils nach der wanddteren 



t} Eckhel n. N. V. m. 138, mit Anfährong einer Alhnlkelien AeuStfe- 
Dg des Utern PJinlus H. N. Vm. 88. 

2) Det seel. Battmami in der Abhandliuig: MyiUüche Periode vor 
jf Bändfluth ihn Mythologns I. B. S. 172 f.)- 

3) Man mius im Verfolg bei Buttmann (a. a. 0.) selbst nachlesen, 
le er diesen Nysos mit Nah, Nach' {Nuxoq) Nooch, Noach und folglich 
It Hoali dem ErzTatei^ als identisch darzustenen sucht, und wie er in 
■er «ndem Abhandlung (I. 5. p. 72 ff.) sich aber Indiens uralten Flor, 
e grosse Fluth In den Indus- und Gange« -Lfindem (in der Mosaischen 
rfcoBde}, über den Ursitr. derVorfithren derEbrfter vor der Fluth, über 



^^ 464 ^^ 

Sage ^boren seyn, theils sie anf seinen Zügen gegrändet 
haben sollte. Aber auch die beiden ersten Sylben des Namens 
gelten für Griechische Form , seine Gottheit und göttliche Ah- 
kunft auszudrücken. Eine Notiz im Etymologicum Uagnom 
aber berechtigt uns, auch diesen Theil des Namens schon in 
Asien zu suchen. Eine Ionische Nebenform, heisst es, war 
jdaovvfSo^ und /laivvooq^ und der Grammatiker lehrt uns, dass 
einige dies daher leiteten, weil er in Indien geherrscht hab^ . 
Jeupog aber auf Indisch der Jiiömg heisse. Bekanntlich heisst ) 
dewen auf Indisch Gott, welches Wort mit Deus, mit Zevq und ^i 
mit j^iog einerlei ist >» ' i 

Ich habe selbst schon in der 2. Ausgabe dieses Buchs < 
(HI. S. 124^ von diesem Zeugniss des gedachten Grammati- i 
kers oder vielmehr seines gewichtigem Gewährsmannes Jaba j 
Gebrauch gemacht. ^) Ebendaselbst hatte ich die dem Bast . I 
^a. a. 0.) mitgetheilten Belehrungen zweier Indischgelehrtra \ 
benutzt, wonach aus deva und Nicha Devanichi und somit j 
das Griechische : /tiovvooq entstanden sey. Anjetzt darf ich 
aber nicht verschweigen , dass K. Ritter (Erdk. 6. Theil S. 45i^ . 
Asien, 2. Ausg.} sagt: «Ein Devanisi, d. L ein Devas oder Gott \ 
dieses Namens , existirt im Sanskrit nicht. » Auf welcher Auto- i 
rität dieser Ausspruch auch beruhen mag , so wird das Zeugniss ( 
der Alten, dass Sevvoq auf Indisch König hiess und dass die i 
Samier den Dionysos jdevwöo^ nannten, dadurch nicht im .i 



die durch diese letztere verursachte |s:rosse Auswanderung und endlich 
über das Auftreten der Volker in Mesopotamien und Ghaldäa nach der 
Fluth sich verbreitet. 

1) Aus dem ZonarasCLex. Or. p. 4t8. vgl. Cod. Paris, nr. 2f567 bei 
Bast ad Gregor. Corinth. p. 882), füge ich jetzt bei, erfahren wir, dais 

die Benennung Jtvpuaoq in Samos üblich war: /fiuwaoq o Jiovvaoq •*- 

vav l Tganirroq elq "i, yivtrat ^lovvaoq, ourtt yuQ Sa/Aut^ nQO^^ouai CZonar. 
und Cod. Paris. nQwpigorxfu) , nal avm$QiaH 'Iwunwp (Zonar.: ovnci^a A 
'luptMfj) Jivwaoq, cu$ Bioiozoq, Oivioroq' iviort Si (leg. cum Bast. fnoi> dl) 
avTOp /S%vvvao¥ orofuxl^ka&tti ipaaip, initdtj ißaailivf Maofiq OßaalUvai Nvmiq;)» 
nuxu ya^t %^p rwv frdiav tpyn-^v Sfi'voi; 6 ßaOiXevq, 



-^ 465 -^ 

Creringsten berührt. Die von Battmann afigcnomineEie einsyl- 
Hge Benennung des Gottes ^Nys) findet sich bei den 
Griechen nicht mehr vor; sie erklarten die letzten Sylben 
dieses Namens von der Nysa seiner Amme^} oder seinem 
Geburtsort, oder einer Stadt, die er gebaut haben sollte. 
Die andere Sage , dass ein Dionysos , des Nilus Sohn , seine 
Amme Nysa (^Nyssa} getödtet, ist in diesem Werk QUL S. 
Ilt f.) von der Sonne erklärt worden, welche das Ziel des 
Thierkreises überwindet, imd durch ihren Jahreslauf, die Zeit 
vernichtet Jetzt will ich nur bemerken, dass in diesem Ge- 
biete des Sonnengottes auch von zwei Zielen zweier Sphären, 
vielleicht der Ober- und der Unterwelt , Erwähnung geschah, 
etwa mit Beziehung auf den Dionysus als Nachtgott (^J. vv- 
X€eUoq) oder den Gott der Unterwelt (^J. (?*9S» x^^^^^OO 



iy Rtj-mol. mag^n. und Et^mol. Gud. iu Jiopvao^ Die Nysa oder 
Hlfua kJannte schon der alte Dichter Terpander als ernährende Nymphe 
dnlMoBjsos-SabaKios, des Sohnes des Zeus und der Persephone. lo. Laur. 
Iffdu de menss. p. 82. p. lOS Rüther.: Tiftnarögoi: ft /i^y o Maßtoq Nva-» 
m9 Ifyai T<T*^ri}x/ra» top /luivvaov «• t. A. und der seel. Bötüger (Amal- 
in. S. VII) hat von diesem Zeugniss unbedenklich Gebrauch gemacht; 
dagegen (Agiaopham. I. p. 305 sq.) will kaum diesen ersten Theil 
'Worte des Lydus als Zeu^niss des Terpander gelten lassen , weil 
ta den ersten Jahrhunderten die Gedichte deif T. bis auf die letr.te 
[ 0par Terdunkelt gewesen. Es konnte ja >aber Lydus, der so viel 
Mflimhiif in alteren Schriftstellern zeigt, eine solche Notiz, wie so 
vide müdere 9 gar wohl aus der dritten oder vierten Hand haben. 

2) Etymolog. Gud. p. 147. ^utvvoio^ ^eoc i\\ts ^iovvao^ ^.), naQa 
«•WC Avo ri/0(7ovc Cl- 9viiau^) rwr x^rr^r o^e^r. Die Variante Nvon und 
. «— .. ist 80 ständig in den Texten , dass sie nicht Immer auf Verschie- 
inlelt der Aussprache oder auf Schreibfehlern beruhet. Berg, Stadt und 
Iteae ^AmM wohl Nysa, nnd es ist auch von einem Vater des Dionysos 
-liBRede, der Nisos (Nysos?) gehelssen (Cic. de N. D. III. 23). Wenn 
und Berg der Geburt den BegriiT des Ziels (der vvaaa, raeta) 



tl^wUtoiien^ niiss wohlNyssa (Nvaaa) geschrieben werden. Noch will 



i, dass die Handschrift des lo. Laur. Lydus de menss. p. 20D 
[Mer. den Dionysos wirklich einen Sohn des Nysos iNvaov^ nennt; aber 
Cnwar^s deutsche Schriften. I. 3. SO 



^^ 466 ^^ 

Als Sonne ward Dionysos besonders bei den Thraken 
ehrt. *) Aber auch anderwärts , namentlich in Asic 
Italien und selbst bei den Römern.^) In dieser Bede 
lernen wir ihn aus manchen Griechischen und Grossgi 
sehen Vasenbildern anschaulich kennen. 

' In demselben Hauptartikel des Etymolog. SL geht i 
telbar eine andere Erklärung des Namens j^iovvooq \ 
wonach Aristodemos ^} diesen Gott vom luppiter Pluvii» 
giessen lasset. Dass diese Erklärungsart aus alten Bl 
und Dichtern hervorgegangen, können wir aus einer 
des alten Logographen Pherekydes und des Akadeaii 
Philosophen Antiochos schliessen. Sie sagen, dieser Go 
deswegen jdiovvoo^ genannt worden, weil er vom Zei 
^iog) auf die Bäume (^vvaaq) geflossen. Denn, fägi 
bei, die Bäume nannten sie vvoaq. Es folgt noch eine\i 
Erklärung von der Erde Isis und ihrem Bruder Osiris, 
den Hellenen, Dionysos, dem von Zeus (^ex ^tog) a 
Erde fliessenden Sohne des Donners.^) Dionysos, bei 



mons Nisiis steht in Handschr. des Mytho^r. III. 9. Bode ad scrip 
M>tb. Not. p. l!)d. 

1) Macrob. Saturnal. T. 18. vgl. Lobeck Aglaoph. p. 2\)\\ 

■ 

2) lo. Laur. Ljd. de menss. p. l9:) Rother. Darauf grüod 
eine andere Et^-molugie dieses Namens. Etymolog. Magn. p. ,25: 
— ^ mx^a TOI/ Saovq Saoaupoq' xat iQonjj %ov ü iIq 1' nagii yaq *Il 
uvToq Ty filCtfi ifo/it}^ittti ' i!y* y o daüap, o fov duouq (o ion nugoq ^ 
ulitoq. Daraus muss das Etym. Gud. p. 148 ergänzt werden: — 
Tatip rov ü tiq l rgan^rroq , vielleicht auch corrigirt, denn es hat«) 
/IrflCoiq; denn dass bei den Eleem Dionysos als Soune verehrt word 
höchst wahrscheinlich (Symbolik III. 8. 87. 2. Ausg.), ob bei den! 
weiss ich nicht. 

3) Vermuthlich der Thebaner; s. Valckenaer ad Schol. Euripid 
niss. vs. 1120. 

4} Ich kann diese Stelle jetst correcter und voUst&idIger mit 
als in der 2. Ausg. (Symb. UI. S. 123.) Scholiast. Aristidis iulPhi 
p. 10(1 ed. Fronunel. p. 313 ed. Dindorf. — dtikdi Si o ^f^nv^c» » 



-^ 467 -^ 

Phtarch,') werde Hyes Cr^r) genannt 9 ah Herr der feuchten 
Natur and als derselbe Gott, welchen die Aegyptier Osiris 
g aa ncn , denn Hellanikos scheine auch Hysiris (^FatQip^ , statt 
Osiris, von den Priestern gehört zu haben. Hyes, bemerkte 
lUldeoins im Exegeticns ,*^ ist ein Beiname des Dionysos, die- 
weil wir ihm die Opfer verrichten zur Zeit wann der Gott 
if)giiet; Pherekydes nennt die Semele: Hye (Yijp') und die 
Aanen des Dionysos Hyaden (^Fddai). Aristophanes aber 
mnt' den Hyes unter den fremden Göttern auf; oder, wird 
wUter bemerkt, Dionysos heisse Hyes, weil der Gott bei 
Geburt geregnet habe. 
Fassen wir nun diese bisher berührten Vorstellungen von 
biis snsammen, so reihen sie sich so aneinander, wie sie in 



* . - 



ti-. . 

iHlrar 'jirrfoxoi (vielleicht der AVadeiniker von Askalon), Uyorttq nul Stu 
fiVTO Ki*lija3w /liorvaov , ttq /jc ^*o$ Ic nfaoq ^orru' vvauqyuQ, ^alpiyicl^ 
itMt ^alv), hulovp TU 9Mga' th* im^Cuat ifvatttttztgop (oI. f^ixtn/gmq') 
'tl^-tiifm X/y'dN-fc *foi9 fiitttrofiua^t nyv ^v, ino xijq ntf^l xrjv &iai9 rfc 
«fii pimw loov^<Ky Tai;ii|c ^ u9%Xtfov 'Oatqiv naO-* */&'iAipac «ctl dUnnroov xttp 
^ ^«o« Uq /fr Qio/itPOP BQortov naida { ßQort6nuida) , xop Vl^oir xtv aQitof 

1) PluUirch. de Isid. et Osir. XXXIV. p. 493 sq. Wyttenbach. mit 
tesen Aoinerkk. p. 218 »q. vgl. Hcllanici Fragg. p. 113 Sturz, ed. alt. 

2) Stjmol. M. 77!). p. 702 ed. Lips. PhotU Lex. ed.Dobr. p. 532 sq. 
Upa. Suldas II. p. 3!)7G Galsford. vgl. Vales. ad Maussac. in Harpocrat. 

k*l01. Talbken. ad Phoeniss. ys. 654 sqq. Pherecyd. StnrzU p. 108 sqq. 

aSe^. Melneke ad Eophorion. XIV, p. 66 sq. Nach HesycMus undPhotius 

[thr Hjes efn Beiname des Sabaslos (Sabos); Sabazios wird aber bald 

teU Baechas bald ein Sohn des Bacchus, endlich auch Lunus 

Jlfjv) genannt y undHjes wird beimHesych. durch Ztv? o/tßgto^ erklärt. 

Bmneloa war Zeus in Lydien geboren, und auf dem Oipfel des 

selgte man einen Ort, die Geburtsstfttte des Inppiter Pluvius 

Mt iw9ibv)f späterhin Deusion {Jtvaiop) genannt. lo. Laur. Lyd. 

p. 06. p. 228 Roth. Tgl. Lobeck im Aglaophamus p. 628 und 

Ms a^Hh VB^ JablonsU Opasonia ed. Te Water n. p. 67 sq. und ni. 

Daher erUirl sieh, warum Aristophanes den Hyes zu den ft-emdes 

sihlte. 



-^ 468 -^ 

einer priesterUchen Lobrede auf diesen Gott sich 
ben einander finden. «Dieser, heisst es dort , ^) istHerraeiMi^ 
Inhaber der Burgen, der (^in Blitz und Donner^ HerabsMis 
gende, der Regnende, der Himmlische, der hohe OberslM 
•Von dem Gotte der Berge und Höhen geben uns Muna&en Aa- 
schauungen, so wie von dem himmlischen, siegreichen , so s 
B. eine von Prusa am Bithynischen Olymp , wo der Gott atf 
dem Throne sitzend die Weltkugel mit der Siegesgöttin arf 
der Hand traget;'^} von diesem Berge selbst, von deni nf 
ihm entspringenden Horisios und von der Vegetation, die * 
hervorbringt, giebt uns eine jüngst erst bekannt gemachte 
Münze ein deutliches und liebliches Bildchen.*^ Von dem 11 
Donner und Blitz herabsteigenden Juppiter (^Zeif^ xaraißdni;') 
ausrührlich zu handeln ist nach der darüber erschienenen ge* 
lehrten Monographie*^ überflüssig. Der aus d^n Feuer vai 
Wasser des Himmels entsprungene und auf die Bäume heilbt' 
fliessende Dionysos, wiö er oben genannt wurde, ist ab fl# 
eher, dann aber auch als Herr der Natur in ttrer banMi 
Mannigfaltigkeit, als Urheber der Pflanzungen und der ge^ 



1) Aristidis Iiymn. in lovcm p. Ij Cant. p. 1 1 Dindorf. : ojfoc A^Mt 

2) Mit der Umschrift IJQovaatiq J{a *Okvfimov bei Mionnet H. p. 47(1 ^ 
nr. 375. 

3} Numismata antiqua inedita ed. M. Pinder. Berolin. 1834. p. 27: yyMoii ^ 
arboribus obsitus, cuiuä vertici incumbit vir barbatus sinistram unae !•- j 
ponens, unde fons defluit. Infra nj^ovaadw." S. daselbst Üb. II. ar. 2; 

4) Pctri Burmanni Ztvq Kartußuvtiq ^^^^ lapiter Fnlgerator ii. 
Cyrrhestarum Numis. Leidac 1734. Eine Münze dieser Syrischen Lnafi* 
Schaft mit dem Kopfe des Antoninus Pias besitzt unsere UniversititnaHW-^ 
inng C>- I- A. Bnimmeri Prolusio continens Recensionem Gneeorif 
alionimque vetenim numorum. Heidelberg. 1836. p. 27, wonras ick d^ 
Beschreibung der Kehrseite gebe: „d^ KATAIBATOT KTPP^inJL 
lupüer rupi insidens ad sinistram fulmem, doitra hastam teaeuiy wM 
pedes aquUa. AE. 0. cf. Ecfchel D. N. V. III. 260. Rasche I. 2. p. \WI.V. 
Mionnet V. 135. nr. 6. ** ). 



-*- 469 -*- 

• 

uniDten Vegetation in einer ganzen Reihe von Beinamen 
Kieiehnet; von denen wir einige hen^orheben , die einen 
eaiden, orientalischen und selbst Indischen Ursprong verra- 
ten. '^ Hierher gehöret zuvörderst der aus den Asiatischen 
«Hen herstanunende vfjq^ den wir in den zunächst oben er- 
rterten Zeugnissen mit dem ß^oproTvati; zusammengestellt 
•sehen haben; worin also der 8oha des Regens und dea 
ttMiers gegeben ist. Besonders mnss unsere Aufmerlmaiakeit 
rf4as in der Aufschrift eines unter den Orphica stehenden 
orafe (Hymn. Orph. XL VII [40j) vorkommende Epitheton 
viehtet seyn. Er heisst dort nämlich ita^ixiovioq^ der um- 
bdete oder von Säulen umgebene. Das Alter und die Auto-- 
llit dieses Beinamens wird uns durch die Stelle eines Chors 
I dea Phönizerinnen des Euripides verbürgt , Q wo es heisst, 
HB habe aus des Zeus Umarmung Semele den Bromios 
Bioiiysos} geboren, so habe ein Gewinde von grünenden 
Ipheoranken das Kind mit seinem iimschattenden Laube um* 
Wdet; wozu ein alter Schriftsteller bemerkt, in der durch 
pa Blitz in Brand gerathenen Kadmeerburg habe der plötz* 
eh- hervortreibende Epheu die Säulen des Gemachs umranket, 
id durch seine dichte Umschattung dem Neugebornen das 
eben erhalten; daher sey Dionysos bei den Thebanern 'der 
■siulete (v^eQtxioptog) genannt worden. '^ Dabei weiset 
in grosser neuer Ausleger auf die Aegyptische Sage hin, 



1) Von Jenen Beinamen nur einige : vi)« , besonders in Vorderasien, 
li dann unter den mystischen Formeln; nvQianogoq (Hymn. Orph. XLV. 
tt] 1, wonach der Accent in Steph. Thes. I. p. 243 Lond. zu corrigiren 
£ lo. Laur. Lydus de menss. p. 292 und Moser ad Nonnum p. 216}» 
jiyjnjc (Ton einem Gelehrten in der Sßeltschr. für die Alterthums- 
fiwBSChaft 1836. p. 1055 f. von tXga (fga) und ^« , ^oi , ^Uv , hergeleitet), 
ir die Erde 1>epflanxet, Sevfqktiq, tvapO-ri^, ipUMq iqiUv^) der Fruchteer- 
Wijler (Loheck Agiaopham. p. 402 und p. 1040). 

23 Earipid. Phoeniss. vs. 651 sqq. 

5) Maaaoaa ap. Scholiast. PhoenUs. ad vers. (>')2. 



-^ 470 -^ 

woiii(Gh der Körper des Osiris von einem müchtigen £rikA- 
Stamme omwachsen worden , eine Sage die von den Phtaieien 
und Syrern auf ihren Natorgott Adonis übergetragen*} wai 
in der Weise ausgebildet war , dass man diesen Gott aas im 
Pflanzenreiche von der Myrte entwachsen dachte ^ und bei 
seiner Todtenfeier das Bild seines Leichnams mit der upp^ 
sten Vegetation der morgenländischen Flora zu umgeben pflegte 
Dass mit den Dionysien und Adonisfeiern diese Vorsteihui- 
gen von dem Gotte des Pflanzenlebena auch zu den Griechm 
äbergegangen waren , beweisen nicht nur die ganz Asiattsehoi 
Adonisreste, sondern auch die Lauberhütten, in die man di9 
Bilder des Dionysos zu setzen pflegte. '} Was aber für nnsoo 
Erörterung die Hauptsache ist, — es war den Griechen tk 
auM Pflanzen und Bäumen hervorgewaehaener Diongaoa. bekannt 
Wäre die Anwendung der Münzkunde auf die Mythoh^ 
bisher nicht so sehr vernachlässigt worden , '3 ^^ 1^'^ "^ 
sich davon augenscheinlich überzeugen können. Ein Hauptr 
Schauplatz der Culte des Zeus und des älteren Dionysos vM 
bekanntlich Kreta und die Städtemünzeu dieser Insel wtigft^ 
uns den sogenannten Indischen Bacchus, z. B. eine gamft 
Reihe derer von Sybritia.*} Eine Münze von Phästas wä 



1) Valckenaer ad Phoeoiss. a. a. O. Heyne ad A|^ollo<tor- H. ^ 
103 ed. alter, und Wyttenbach ad Plutarch. de Isid. e( Osir. p. 101. 

'O Photii Lex. Gr. p. 440 Dobr. ed. Lips. 2xwq * aradtr^q — 
Jx(»c *ul axiuSuoP, ip 4 ^ /liopvaoq uu&ijiuin ourtiq J^vnolt^» Tgl. HesjtL 
p. 1210 Albert, und Hemsterh. ad Polluc. VII. 174. p. 81 3. 

3) Es versteht sich, nicht von allen Archäologen» Eine rnhmlieta 
Ausnahme machte der verstorbene Payne Knight; in dessen FosstapflPÜ. 
neuerlich ein anderer Britte Herr Thomas Bürgen getreten ist. Man k 
dessen schone Abhandlung: An Inqulry into the motive which inllneBen 
the Ancients in their choice of the various Representations j which iva' 
find stampcd on their Money (in the Numismatic Journal by J. Y. Aktfi' 
man, London. 1836. September nr. XVIII). 

4) Eckhel 1>. N. V. n. p. 320 sqq. Mionnet U. p. 298 sqq. vgl. M 
herrlichen Indischen Dionysos mit der Diota in der Haad ta Mimuei^ 
Supplemeui IV. pl. XI. nr. 3. 



Creta beschreibt ein berühmter Französischer Numismatik er*} 
10 : «Jeane homme nu assis sur nn tronc d'arbre, a jauche, 
enant un coq sur la cuisse jauche. Revers: 0A1STJON, 
Boeuf bondissant, a droite. >» Eckhei schon etwas genauer: 
»Vir nudus sedens, d. g^ailum tenet, inde porta, at videtur, (ß^ 
pone arbor, et supeme virgulta dependentia, » Nun betrachte 
■an das Münzbild selbst, und man wird sich sofort überzeo- 
gen^ dass dieser Jüngfa'ng weder auf noch neben einem Baum*- 
Btaaune , sondern in dem Stamm eines auseinander gespaltenen 
Baumes sitzt, dei^^en Aeste und Zweige ihn von zwei Seiten 
ud von oben umschatten. Ob der Vogel , den er in der Hand 
hllt, ein Hahn ist, möchte auch noch die Frage seyn. Auf 
einer Münze von Gortyna auf derselben Insel sitzt in einem 
ihnlich gespaltenen Baume, unter dem ein Stier hervorblickt, 
eine Jungfrau , deren Kniee ein Adler mit ausgebreiteten Flü- 
geln umschattet.^} Demnach könnte der Vogel in der Hand 
des JüngUngs auf jener Münze von Phastos auch ein Adler 
leyn. . Man weiss ja , wie wenig genau und grossartig die 
Adler auf manchen Griechischen Münzen dargestellt sind. Ein 
Adlor ist auch auf dem Basrelief der Galeria Giustiniani zu 
■dien, worauf die Erziehung des Dionysos vorgestellt ist;'} 



1) Mionnet U. p. 2S9. nr. 247. Eckhei D. N. II. p. 317 und die Ab- 
Mdong der Mfinse bei Mtonnet Suppl. IV. pl. X. nr. 2. 

.2) Eckhei n. p. 312. Mionnet n. p.279. nr. 154^ aber auch hier nicht : 
pprea d'un tronc d^arbro" sondern wie Eckhei rlditlf^er beschreibt: 
pVlr^ üisideng trunco arboris ramosae,"' Mionnet Iftsst sie f^t auf 

Kopfe des Stieres sitsen. Es Ist Europa, vom Zeus als Adler um- 
Auf des Ctottes Gestalt ^ unter der er sie entfahrt hatte, weiset 
tatlich genug der unter dem Baume liegende Stier hin. — Jetzt sehe ich, 
tat K« O. Müller in den Denkmälern der alten Kunst Taf. XLI. nr. l^Ti 
che tiinliche SilbermnnKe von Gort3ma auf Kreta ( nach Combe tav. VHI. 
v. 11) hat abbUden lassen, und die Jungfrau richtig auf die Europa, so 
wie Adler und Stier auf Juppiter besogen. 

;i) Abgebildet vor dem TitelUatte von BAttigeHs Amalthea I. vgl. 
taten Vorrede su Band m. 8. VI f. 



aber auch andere Vögel sind darauf zu sehen ; und es indeil 
nichts , wenn der Vogel in des Jünglings Hand auch ein Haha 
wäre. Vögel aller Art flattern und singen ja in den Haiaei 
zur Zeit , wann mit dem Frühling Dionysos vom Aethiopisckei 
Nysa M'ieder auf den Lydischen Tmolus kommt '^ Der SiSm 
aber auf diesen Kretischen Münzen ist auch nicht ein SinnbB 
der fetten Weiden jener Insel, wie Eckhel sich von Pellerin hatte 
einreden lassen,^} sondern auf der von Gortyna, wie ges^i| 
der Stier des Zeus , und auf der von Phistos der Dionysfachs 
Stier« Da dieses Thier ein Symbol der Erde ist, und es «f 
dieser letzt ern stö^sig vorgestellt ist Qh)s comupeta)? soluMliF. 
man dabei an die Verse des Orphikers im Anruf an dm Sil* |i 
lenamwinder Dionysos'} denken, der: 
— M abwendend gestillt der Erde gewaltigen Aufruhr, 
als aufflammende Glut ringsum erschüttert das Erdreiehi 
unter des Blitzstrahls Wucht. » 
Nach dieser Auffassung ist nämlich Dionysos Ttefinuoywg 
activ mit diesem Epitheton bezeichnet , als habe er das h ca l^ 
uende Kadmeerhaiis durch um dessen Säulen he 
Weinstöcke wunderbar vor dem Einsturz gesichert, 
ihn der ;iltere Mythus bei Kuripidos und Mnasen«: passiv wÜ 
jenem \amen bele^ict , weil cliireh plötzlich ihn unirankenle 
Kphe»zwti«:e dem juriiceii Gölte das Leben gerettet wordeiu 
Auf jener Miiii/.e von Phästos i^rkennc ieli aber deti aus emem 
Baume hervorgvganfrcnen Dionysos, nia;2: m«*'^ ihn nun liebff 
i'iivöfjiif;^ oder :ii.(ji/.iüvtüs nennen wollen. Ganz deutlich se^ 
uns den aus einem Uannistaunn erstehenden Dionysos ein fj^ 
schnittener Stein bei Vivenzio:^ ^'"^ i^t namlicli s:ar kdkl 
(«rund da, diesen bärti^^en, ernsten und mit dem Diadem ab.;^ 



1) UiiiKjnus Orat. HI. ti. p. 4.16 Werusdorf. t 

1) IVlIeriii in. p. 74. * 

.\) Orph. li. XliVIl. (4'») v.s. ^ — b imrh Dii-r^rh. 

m 

4) Arhat hei Vivcn/io ficmme nntichc Koiii. 1809. nr. VHl ■■ila.-l 
Bildurheft zur :. .\U5^. dtr Symbolik Taf. XXXIX. nr. 2. < 



Gott und Herrscher gezierten Alaun Osiris-Helioa Zü nennen, 
denn er hat ganz die Gestalt und das Ansehen, wiedcrültere 
(Indische} Dionysos auf den Münzen von Kreta. 

Mit einem Dionysos TCfQiXioyioq in activer und passiver 
Bedeutung kommen nir nun endlich auf Indischen Boden zu- 
rück. Bacchus nämlich 1 berichtet Philostratus , ^} hatte sich 




n Philostratii.s de Vit. Apollon. II. 8. Der Text des Olearius (p. 
S7) iiiirlit: — o d^ (*'?^v) ^/ifirvoov faiw ifvjtvaai dafvatq in^miMvUuf 
mwXm, TOtfouror ntQu^ovaat^ tr^q yr^Q, oaov a.io/^ 9a ^ ^uftftH^f wo 
die 8ehe1]ersh. Handschrift mit allen ührifj^cn auf m^wjfoi/tfi;« beharrt , und 
lerdcm wtm «iehr. — Der MytliojErapbuji Vatic. III. 12. 4. p. 245 ed. 
Ic hat im Artikel vom Bacchus: ., lovis fcmori insutus ftngitur et Inde 
»rogenilus, quia, ut rtTert in Cosmocraphia Martianus (VI. GQj. p. 5(i2 
Kupp.), e.st in quadam regioiic urh8 Nysa Libero patri sacra, raons- 
le MiTu» lovi sarer; undf* et ipMim, inquit. ftihiila est« e lovis femnrc 
C i^nif'*^') prorrcatum. Apud Rcmiffium tarnen lei^lmus, Nysam muntern 
le Indiar, im quo kodif qutHiHf Lihtrh imiuit, ffruHtnr es»e creimn" 
etr.*^ Sil hatte also das Mittelalter niirh Kunde von einem fort- 
icrnden Indischen Bacchuscult ( d. i. Nchi\nflienK| ); von den indischen 
^Dmpruu:: des Hiouy.^u^diensies hatte auch da^ Alterthura Kunde und 
VModnr (III. (')3. p. 2J2 We»<el.) hat sie aus alleren Quellen auri^enom- 
mit dem licmerkenswerthen Ku^ntz , daxs die Inder noch ku seiner 
;li des Gottes Gehurt sstätte nachwiesen. Ilaher manche Forscher sich 
scheueten. einen scharren Widerspruch ;{ecen die Griechische Na- 
ilsaiSC auszusprechen, wie Plinius (If. ^'. VI. cap. 21. %. 23. p. 321 
I.) und vcrmuthlich also seine Griechischen Gewährsmänner. — Curtius 
^VIII. KK 12) lässt sich so vernehmen: ., Sita est (urbs Nj-sa) suh radicihus 
^BOBlis, quem Meron incolae appellant. Inde Graeci mentiendi traxere 
, lovis femlne (statt femorc, bestätigt durch isute Codd. des 
irtlanns Capeila und von Kopp aufgenommen; 8. dessen Note p. 562) 
patrem rc1atum.<^ Herr Welcher (Im Nachtrag snr Aesckyl. 
^Trflogle 8. ino und in den Annall deU* Instit. archeolog. dl Bonut 11. 
jp. 246) tadelt diejenigen, die an die Eweite Gdiart desDIoayiof au der 
Ifla des Zeus nicht glanben wollen, vnd nlmmi ab, dnrth /iffoc MjAs 
ce (/lal^) angedeutet, deren SohB Balkan wnji — 
dte eken so Tiel Wertb kat als lo vleie aadare der 
Wke 0elte tob lYesea de« fikittea aafketeal kafeea. BMr bA(| 
dM aa den Feaersoka («vfi^n^ci « w y d ww^, ■- 



-^ 474 -^ 

auf dem Indischen Berge Nysa selbst ein Hali^hiim |in < 
Weise eingerichtet, dass er Lorbeerbinme im Kreise um se 
Bildsäule henunpflanzle, am die er Epheu- und Weinstö« 
in die Erde senkte, mid so eine von allen Seiten omranl 
LfSubhutte bildete, die dem Regen wie den Winden ondori 
dringlidi war. 

Der so kritische Sanskritgelehrte Wilson hat nenerdiii 
die Aufinerksamkeit der Alterthumsforscher auf die Dionysifl 
des Nonnos gelenkt ^^^ nämlich Jones dieses Gedii 
mit dem Ramajana, Wilford mit dem Maha-Bharata verg 
chen hatte, so stellte Wilson eine neue Yergleichang an, ,1 
das Indische in dem Griechischen Werke genauer auEsofindi 
Das Resultat ist, dass er dem Wilford Manches zugiebt, unl 
Anderm dau der Grieehiaehe DeHades (^JtjQiddtfq) auM dt 
Indückem DurjodkanoM im Maha-Bharata ent$tanden «ey, mei 
aber der gelehrte Grieche in Aegypten habe nur durch d 
Band des zwischen Indien und Aegypten getriebenen Se 
handeis einige wenige genaue Berichte über Indische Sag 
und Länder erhalten. Diese Uebereinstimmung zweier i 
Indischen so kundigen Gelehrten über eine der Hauptperson 
jenes Griechischen Epos verdient zu wdteren Untersuchung 
über die Parthie der Dionysiaca vom SL bis zum 40. Gesang 
d. h. der Periode vom Auftreten jenes Indischen Deriades 1 
zu seinem Tode benutzt zu werden. Ich will jetzt a 



216) denken. Aber, wenn er weiter an die Indische 8%ge tob der 6 
burt der Kaufleute und Reichen aus Brahma's Hüfte erinnert, so will li 
doch eine solche ßeburtsstätte für einen Gott, zumal für einen so heiten 
sorgenfreien Crott der Natur, nicht wohl schicken. ITebrigens könnte ■ 
des Dionysos €reburt aus der Hüfte sich selbst als einen Indischen li;ytl 
denken, wenn der Berg Meru selbst der gebahrende CKitt ist (s. •! 
Cap. IL g. 12 gegen das Ende}.' 

1) S. Asiatic Researchos Vol. XVII. p. 617 sqq.: Benuupka •■ i 
portioB of the Dionysiaos of Nonnns relatiog te the Indiana bj H. 
Wilson; Tgl. Herrn Ewald in den GMiDg. gel. Amaigen I83d. ir. t 
S. 1523. 



-^ 475 -^ 

1^ bemerken« dass, abgerechneC die gvtosen DiehteifreibciieB) 
wonach k. B. Griechische Personen md Dinge auf Indische 
8chaii|ilätze verle|i:t werden, gerade in dieser Deriadee Tiefe 
alte und zum Theil orientalische Mvthen enthalten sind. Hier 
flwgen einige Beispiele folgen, die mit «nserer Befarachtmig 
des Begen-Zeua und des Pfiatnen- Dkngw in nnmitteibasem 
Znsammenhange stehen: (Dionysiaca XXL SB} Ambrosia 
(Indisch Amrita) Tcsselt den Lykurgos mit Weinranken (iml 
gkoBgoi^ deofioiai xaraax^^og aypioq dv^jf^y^ — Der Hain 
des Deriades am Flusse Hydaspes') so dicht bewachsen, daas 
kein Guss vom luppiter Pluvius hineindringen kann (XXI. 
m sq.: ov ;ifJof$ ijBffotfoixo^ idvaaro ddonLioy Ckt/y «x /tio^ 
iitoio)^ — Die Indische (xai 'Iifdaifj fCBff iouaa) Hamadryade 
Terlasst den Deriades, und ergreift die Parthei des Dionysos, 
weil dessen Vater, der grosse Regenbringer ZeuH (srari^^ 
fiiyn^ ihTio^ Zevq^ XXII. 99 sqq.} unabliL<sig mit himmlischen 
Regentropfen ihre Bäume erfrischet : sie will vom Bacchus die 
Sorgen lösenden Weinstficke haben, um sie in ihre Haine bb 
Ter|>(lanzen *) (XXII. Vt sqq. und 277 sqqü}. Auf das 
SchlachtfeU. worauf Dionysos und Deriades gegen einander 
kimpfen« iallt Früchte erseugender Hegen und Schnee herab 

^{ou^pov xaoTroToxoto xai aiftiahiov vifjpiroio^i und so Hessen 
sich aus dieser Parthie des Gedichtes eine ansehnliche Menge 
indischer Localfarben zusammenbringen. 

Vergleichen wir nun die bisher zusammengestellten Grie- 
ekueken Mythen und Sagen mit dem Bilde, das uns die Imdn 



1) '/daoafc, wobei die Griechen •■ v4m^ Wasser uHd beldorBadi 
"uonijit nacb de« Orienuüisdiea, wie Ckosspea, s» das Hms dftchlM. 
IndUch Vita5tA, welches der pfeiiMckmeiie erklärt wird, aber much VAlmdA, 
woraus sein huutiger Nanu* Bahut enistandea ( s. A. W. v. Schkgfil lai. 
aibliolb. U. 8. .i«M f.). vgl. K. HUter KnUuiade, Aiient IV. 1. fl, 4M« 

2) Indien kenai einen Weiasmt. Kr helsil BnrndniMy aa^ 
Un den Slva- and Brahmadleacn Ttraiirt fv. K.iUHermni>BBiSii 



-^ 476 -^ 

•dkm ReUgionsbücher voa ihrem Lande und Landesgotte geben, ^ 
nur in wenigen GrandsOgen: *} « Der Continent der Erde wird 
anter dem Bilde einer Lotosblame^Nymphaeanelambo, ndam- 
biom; Padma im Sanskrit) gedacht, welche auf der FUdie 
des Ocean schwimmt. Beide , die flüssige und die feste Form^ 
sind als die Principe des Bildenden und des Gebildeten, oder 
des Erschaffenden und des Gewordenen, nur wiederum da 
msammengehöriges Ganze. Tischnus (d. L der Dnrchdrin- 
ger}, der schaffende und der erhaltende Gott in der Indischen 
milderen Lehre, welche Wasser und Luft als die ersten Gmnd- 
krfifte annahm, und diese häufig mit dem heilbringenden PriiH 
cip der Sonne unter dem Bilde Krishna's identificirte, wird 
ruhend oder thfltig gedacht » ^) «In der Mitte dieser symbirii- 
sehen Lotnsblume, der Padma, der Erdwelt, erhebt sich der 
Fruchtknoten, Pistill, Meru genannt als das Hochland der 
Erde; umher stehen die Befiruchtungswerkzeuge u. s. w. • — 
«Ardschunas, der die Gottheit um Auskunft, wer sie sey, be- 
fragt, und von ihr in Allem den Bericht vom Grössten lad j 
Erhabensten erhält, hört yon ihr, dam unter den Gipfelm det \ 
HoehgeUrge der Brde me $elb8i Meru «ay.«') — « Hinter diea . 
Himalaya {A. L Wohnung des Schnees , Schneegebirge} Uegen , 



1) K. Ritter Erdkunde, Asien, Band I. S. 5. 6 IT. nach dem Maka- \ 
bharata, Ramajuna und andern Indischen Werken und nach denBerlchiei , 
der Reisebeschrelber. 

2} Dionysos, g^ewohnüch mit Siwa identificirt (wie Ramm mit Bera- ; 
kies), wird ▼on Stahr (Die Religionssysteme des Orients S. '138) wA • 
Blrischna seusanunengcsteUt. Dagegen unterscheidet Lassen CRhetaüsch. ^ 
Museum für Philologie I. S. 174) wohl richtiger so: ^^ Hfrcicl^« qui dicitor, i 
ladis est FMnirt vel potius Crisknas, DionytuM, nt constat, Swoi,^^ 

3) Bhagavat-Gita ed. A. W. a Schlegel X. 23. 25: ,,MSnu itder i 
eaettmina ego — inter montes Himalayas.<^ AlsoPflanzenpUtUly Berg— ' 
der Crott selbst. — • So erwächst Osiris oder Horus in einem TempelMUf - 
▼on Keffc (Koptos) aus dem Lotuskelche und ist mit den Blittem gtts*^ 
amschattet i'DeBcri^i. de V Egjrpte Aatiquit^s m. pl. f. «r. ^ Tgl. 4M ■ 
BUderkoA wn Bymbolik Tsf. XVn. nr. 2. 12. Aug.). ''^ 



II üe beiden andern Ber j^^ihen , Hemaküui ^ d. i. Berge von 
jroM^inzenden Gipfeln (liema Goldund kuta Gipfel}, und der 
beste der Berge ist kein anderer als der scliwerzagänglichste, 
erhabenste Sitz der Götter, des tausendäugigen Herrschers, 
des Indra (von ind herrschen}, des Blächtigen, der den R^ 
gm in Schauern herabschickt (luppiter pbwim) , ■} der Berg^ 
npalter, dmr Donnergott^ der seinen Bogen, sobald er die 
gewaltigen Blitzespfeile %-ersendet hat, als Regenbogen (In- 
driyodha« d. h. Indra's Waffe} den Sterblichen zeigt; der 
Belohner heiliger Werkthatigkeit. Es sind überhaupt die 
höehsten, noch heute fiir besonders heilig gehaltenen und 
■riihsani bepilgerten Höhen des schneereichsten Hochgebirgs, 
welche bei den Gebirgsbewohnern Kailasa (von kil kalt seyn}, 
das Pmradiea Siva*a oder die Vermmmdung der trotter überhaupt 
heissen, um die erhabenste Gruppe der Alpenseen und hinter 
den unzugänglichsten Quellen der Ganges - und Indusströme. • 
— Aus diesem Hymnus des Veda (Ritsch genannt} ist, wie 
■dr ein Sanskritgelehrter Freund gütigst berichtet, im Epos 
Hahabharata eine interessante m}ihische Episode gebildet 
worden, die uns den Indra, oder den Indischen luppiter 
Plnvias in Handlung vorstellt, wie er mit seinen Blitzstrahlen 
Vritra trifft, um den fruchtbaren Regen daraus her\-orzu- 
locken.*} 

I) 8. Vasitheai) hymnus In Peum PIuTlnm in RIg-Vedae Specimea 
ed. Fr. Böses p. 2J. Ich werde im SaeUrag Hl einige Proben ms diesen 
■■• dea Indischen übersetzten Hymnen des Ritsch- Veda , nach Rosen*s 
rrob esc hrift mittheUen. 

7) Herr Eug. Bnmouf meldete mir nfimlich unterm 22. Deeember 
iber diese Episode : ^l-n eplsode duMahibhArat dont le si^el est la Intle 
4e inärm avec rWfr«. Ce si^eC qui appartient aus amti^miit le$ pimo 
reewir» de Im m^koiogit tndiemne est vne beUe scene, donC lea mite 
•ndamentavx sont empmntes nu Vedm et notamment an llllehy o« J^al 
In« pendant que j^eteis k Londres, d^admirables hymnea rdalMb üb 
CMbata dn Japiter Indien contre Vritra, qnl daai cet lymnoa sH •• 
tnase primitif que le dien flrappe de sfi fondre ponr ea atfm 



Uetrftditcn wir endlich drc VtrwmJbmgwH des Ploilyni, 
die er ihcil» unter den Hiinden d«rr ttin überTHllendm Tilaani 
Ibeils «nd besonder» in den KäiD{ir<ii mit dem Inder Deriadat 
durehläiirt. 'j Wenn wir ihn in dienen Scencn die Nalar tm 
i<'eaer nnd Wu^er, die G'Mlalten von Lowe, ranlh^. Ghei^ 
S(ivr, Sdilaiige Rnneliinen, nvd sieh in verschiedene Bmb* 
arten, Kicltle, Plalane, Weinxlück verwandeln sehen. sawM 
nHi) darin Kunüchst eine Krweilerun^ der Verwandlnngea d« 
Proleus in dtr Ody^nce') erkennen; und irb stimme dteer 
Annahme vollliommen Itri. saj^ abi-r. das^ beim lloner <n 
Littut Ae;r}'|»lt«cher nnd Asiali^rher Mylhen von Cfttiten'Cv 
Wandlungen «<ich vemt^imen la.'tsc, beim Nonnua aber dH 
vollständigere Ujldern^ihc, theils.auA dm Indiflt-ticn Avalara'it 
tbeils aus den indisch - Griechischen Atlrlbuten dva Sivi, 
Vinchnu, KriBcbaa und den Dionysos und den Mythen von 
eUlehut, vor nnacrn Augen nieh enlfaltp. 



1 



fl«M fMoadaiie." Uaar «MMr BoIhUm', oIb IMaticIier liaaflwii 

B«rl»nihe, Hurr Uolxiuftnn wird uii» «in« AU«|;ftbe dieser BpUnilt! 
wnvtin sich stin Lehrur viul Kliri; für iva Hurausgcbcr und viel tii^iiM 
n'ir diu Mytboloijie verspricht. — Dask übrl^ieus diu lader ilon luppiMr 
Pluvlus {B/ißQior ^la) nebst dum Gnnge.i verehrten, hcKcugt StrnM (iV, 
6n. p. H^ T7,sch.) mit Burufuiij; auf filtere Getchichischrclbcr. 

l) Nonnt Ulonyslncn VI. 176 sqq. XTXVI, 30S sqq. XL. 4? sqq. 

?] Od^üs. tV. 4l7 sq. 4)li Bqi. — Auch der Mythus von Orphrn* vi 
Etiry^ee Ist nnter judern NAinnn den Indern hebftnut, and linmni iChW 
tm Mnhabhnnitn vor. Der groxse Vetemn der ohenlii lisch en l.ll«nW 
SUvt-sIre dl' a»,ry (Im Journal des -Hiivana Oclobr. \f^X p. S><^) erWKI 
sich darüber sii: „Peut-^tr« un juur on pourra ravolr, st les tiTaDIHm 
d' (hrphee ft Eurydice ne «inl qu' uoe iBiitutlon du Celles de lionrum tUM 
Bramadvira, uti si laGrece u fuurni ti 1' Inda lu lype primirif de cerflA 
dm MühnbhBrata, reoit qui pourruit blea ■' etre dans bod oiigtae ^'IH 
ollegortc." Ich schlteise des drillen FrII sieht aus, d«M Ewei ao ((ii^ 
reiche Viilker. wie die Inder und die Griechen, unahhüngiff vnn ulinndn 
«Kie «olcho AJIc^oria erfunden haben kiinnUni Abschon, wenn IhHdai 
^^ Ml lmlM!k«v GM« IM, Mok dlMBF Mjrthoa v«k dea Magor und Vcitti> 



-^ 479 -^ 

Idi denke 9 diese Erörterungen werdi'n hinreichen , um un- 
befangne Leser von der Wahrheit der zwei Sätze zu über- 
aen^n, einmaL dassDionysus ursprüng^Iich eine alt -Indische 
Gottheit scy ; sodann • dass in den Bacchischen Culten , Namen, 
Mythen und Bildern bei den Griechen und llaliern sich manche 
Elemente des Indischen Pantheismus in seiner alten Naturform 
erhalten haben. 

Leber die Wege^ weiche der Dümgeosdieiut atu Indien Am 
öl die jibendländer genommen haben möchte, kann ich nun schon 
viel kürzer seyn. Meines Erachtens lassen sich in den Be- 
richten der Allen drei unterscheiden , ein südlicher über die 
Indischen und Fersischen 3Ieere, über Arabien, Aegyptcn zu 
den l'höniciern bis zu den Grieclieu hin; ein mittlerer über 
Babylomen und Mesopotamien in die kleinasiatischen Länder 
biR zum Mittelmeer und ein nördlicher über Medien, Kolchis 
und das schwarze 3Ieer. Den ersten, wohl wichti^ten, be- 
treffend, so ei<cne ich mir dankbar einige Hauptsätze meines 
gelehrten Freundes S\arl Bitter an. ^^ In dem Abschnitte 
betitelt: Aelteste Kenntnis» von Indien durch dessen Verkehr 
mit den Abendländern in einer vorhistorischen Zeit, auf dem 
We^ des Friedens, bemerkt er: «Dass schon in vorhietori- 
ecken Zeiten ein Verkehr zwischen Vorderasien und Indien 
bestand, haben Will. Jones, Heeren und Robertson, drei ge- 
feierte Historiker, überzeugend dargethan, durch die Nach- 
wdsung der frühesten Verbreitung der Indischen Waaren 
(%'orzüglich Edelsteine , Perlen , Elfenbeinputz, ^ Gewebe, Ge- 



dii;er dieses Guttes ursprunKÜcli lodiea anjE^ehort. Es hänj^t hier viel 
davon ah, in weiclien ZeiCaUer die Abfassung des Mahabkarata an 
sfftcen Ist. 

1) In der Erdkund«:, Asien, Band IV. Abthuilunn; 1. S. 435 ff. der 
*. Ansg. 

2) Hierbei erinnere Ich an A.W. v.Schlegel^s Aeusserung in der Ab- 
haadl.: Zar Geschichte des Elephanlca (.lad. Bibliulh. 1. 8. IM): „liass ein al- 
ler Bandelswe« vi»b Indien aus nach den Abendländern geführt habe, Tkelleichl 



-^ 480 -^ 

würze, Bandiweric), selbst bis in den West^i mid Nwdai 
Eoropa's, ehe man dort den Namen des Landes erfuhr, ans 
den sie ^bracht wmrden. Zu diesen Beweisen für das sdr 
hohe Alter des Handels wie auch des Ideefwerkehrs , zwischen 
Indien and der Westwelt, hat die Sprache neue hinxagMgL 
Verschiedene Sanskräiacke Namen von Waaren sind seihst in 
das Heiräkeke und tMeekiacke in ältester Zeit au^enommen. * 
— - Ferner (S. 440}: a Phömder und Araber waren wohl die 
ältesten Vermittler des Verkehrs mit Indien zur See, ans dem 
Arabischen und Persischen Meerbusen (Tylos und Arados 
jetzt Bahrain}; denn, die erstem, dem Tribns der Araber 
nahe verwandt, lebten in ältester Zeit, wohl nodi weniger 
geschieden von ihnen am Erythräischen Heere in ihren Ur- 
sitzen (Herodot I. 1. Vn. 80}, bis sie, nach ihren eignen 
Aussagen, wie Herodot berichtet, von da erst in ältester Zeit, 
durch Syrien nach der Phönicischen Küste fortrückten, und 
sofort bald weite Seeßihrten begannen. Zu diesen waren sie 
unstreitig auch vorgeübt genug, wenn sie, was freilieh nicht 
ausdrücklich gesagt wird, schon firüher Städteg^nder und 
Schilder am Arabisch-Indischen Meere gewesen waren u. s. w.> 
Darauf wird (S. 441} an die Benennung Yavanas(Javan Genesis 
X. 8. Ezech. 27. 14, /aoii6$>} AeschyL Fers. 176 lonier} 
erinnert, womit die alten Indier westlich von ihnen wohnende 

spfiter über Kolchis und das schMrarse Meer, wUI ich Dicht Itegnea.'* 
Vorher hat er nämlich bemerkt, dass Elfenbein schon in den Homerischea 
und einmal in den Hesiodelschen Gresängen vorkomme. 

1) Ich bemerke hierzu aus Buttmann^s Abhandlung , betitelt: „Mjtbi- 
•che Verbindungen ▼on Griechenland mit Asien ^< (im Mjthologus IL S. 
ISO): ,,Also war Tcujo* einer der Volks- oder Stammnamen des Pelasgisdn 
Argeischen Volkergemisches ; wofür man denn auch in patronymlscher 
Form sagte Vaa/Ax». Nach Allem diesem denke ich den Sprach- und Al- 
terthumskenner leicht eu überzeugen, dass dieses "laao^ welter nichts Ist 
als eine Nebenform des bei andern St&mmen In der Form 'Imv gangbarer 
and bekannter gewordenen einen Haupt- Stammnamens der GrtechlsdbeB 
Nation. Jedermann weiss , ^ass die alte Form auch dlosea Nanens 



-^ 481 -^ 

Völker, Perser, Araber nnd Grieeben bezeichnetva, worunter 
die Perser nnd Araber die Indischen Waaren bei ihnen holten. 
Endlich (S. 441): ■ Schon nacb Arrians Periplua (p. IT ed. 
Hudmn.) schiffen Indiaeke MTanflnaa bis Aden in Arabien 
(Azania). — Mit ihnen nö^n frühzcili;; ausser Indischen 
Waaren auch IndiaeM^ Geir&ickt und mawiktrM rtUgm« Idtm 
wcstwürts gewandert seyn. ■ — Dieser südliche We; ist denn 
•neh für den DionysofteuU nicht xu verkennen, wenn wir nur 
den Ang^aben des Herodolas nachgehen, wo er von einem 
Dionysos im Zimmetlande, in Meroe, im andern *Tbeil Acthio- 
piens und in Arabien spricht, '} und u-enn wir vorzä^iieh 
darauf merken, dass Melampus die Baechischen Gebriiiirhe, 
die er vom 'Fj-rier Kndmos empfiin^n,*} der aus Phönicien 
nach Böotien gekommen, xa den Hellenen ;s:ebradit habe;*) 
wenn wir nur bei den übrigen Slytlien der Griechen vom 
vanderndea Dionysos immer die Sache umkehren, nümlich in 
der Kichlung von Osten nach Westen hin. — Der mittlere 
Weg durch Vorderasieo ist schon hinlünglich durch die za 
Anfang angeführte Stellen des Euripides in den Bacehantinucn 
(initio) und anderer Schrißsteller angedeutet^ und wenn hier 
Lydicn als die Geburtsstütte des Bacchus genannt w-ird, mo 
•eben wir aus dessen \acbbarlaude Phrygien die Sabazischeii 



ttgCBtllck Itt 'lämr, 'limtf, .waniui die Kita orienuditche BencanBBB 

Aetea Volkca Java» enttUadei lit. 

1) Hurwlot. II. 29. Ol. 8. in. 97. [II. 116.) RI. 111. 
^ 3) ncradol. n. 4^. 

•>- ä) Eia Vasrabild bolHlekll (Honumcntl de' yupeJl IiaII&dI pl. I 
''2i selgt ciaeB DisayMi t« swersiiniKer, dicbcr «ad nader fi 
s worta MlnU eine Cepla 4ar PaUUrn erkennt , «1« die Ifiäalcier a 
|fcea BcbUTen «In SdmlagMar baUen, and nie Hcradal (tlL 37} i 
»ke !■ Acgjrpien hUi. Weaa Hauul-itocbvUv(JiMraiU ilnaaMM t 
HMbi p. S46) dienallU lieber niam PhAoicUctMiii KaUra« ■ 
|a» aacht diu kelnea Calendil'-cl , da naOi ciana f owKwra C 
^HysH MKk EB doB KabUva gezählt wurde. 
Ovwwr'« d 




^^ 4S2 ^m. 

Gebriache mit neaen Ges&ngen und mit dem FMteimpide 
kommen. ^) 

Wegen des nördlichen Weges beaehe jeh mkdk auf das 
was sdion im ersten Capitel dieser neoen Ansgabe über dSe 
vorhistorische Kunde der Griechen von Medien, Persien and 
andern oberasiatischen Landern, besonders nach Bottnannfk 
Untersachungen bemerkt worden ist. Befragen wir aber aach 
hier den Vater der Geschichte, so weiset er uns Bacchoscnlte 
am Dnieper ( Borysthenes ) , bei den Odonen, bei den Satrea 
in Thracicn und so weiter nach.') Wollte man ans der Er- 
zählung Herodot's (IV. 78) vom Scythenkönig Skyles, der 
von den anwohnenden Griechen den Cult des Dionysos ange- 
nommen hatte, scMiessen, der Bacchusdienst sey aberiiaaj^ 
erst durch die Ionischen Colonien in diese nördlidiem Lioder 
eingeführt worden, so spricht dagegen, mn von den Sagen 
über Orpheus nicht zu reden , die classische Stelle des Home- 
rus vom Thrakischen Nysa und von den Verfolgungen , welche 
die Ammen des rasenden Dionysos durch den dortigen Köni|g 
Lykurgos zu erleiden hatten.') — Wie der Crott, so der Colt 
Das waren also uralte Orgien, die mit dem Bacchusdieost aoB 
dem Morgenland gekommen waren. 



lieber die Priester- und PUUmopken- Ciaseen aus Griechi- 
schen Berichten Kunde zu gewinnen wäre unmöglich, wenn ehier 
der neuesten Geschichtschreiber der Phflosophie Recht hStte.*) 

1) Symbolik ID. S. 154 ff. 2. Ausg. 

2) Herodot. IV. 79. 106. Vn. 111. Die Stadt Olbiü oder niMetiBT 
am Borysthenes hatte ja ihren fkiiheni Namen Sabia (:^aßia) TwnVIiy- 
gischen und Thracischen' Sabos oder Sabazioa, vrie dorCen Baoehns f* 
nannt vrard C Herodot. IV. 79. p. 4'28 ed. Saehr. mit meiner AnmeilBHag). 

3) niad. VI. 130 sqq. 

4) Herr Heinr. Ritter sagt nämlich C Gesch. der noiosopkte I. & 
66): ., Die Griechen lehren una so Tiel als nicfata Aber die Inier** »i 



^«^ 483 ^^ 

Um von fräheren Versuchen ^ die von der ganz enlgegengesets- 
len Ueberzeugong ausgegangen sind, '} nicht zu spreehen^ kön- 
nen wir ihm jetzt eine in demselben Sinne unternommene Mono-^ 
graphie eines treffliehen Sanskritgelehrten') geradezu entge- 
genstellen. Ich werde diese Abhandlung bei den folgenden 
kmven Ueberblicken zu Grund legen, und sie mit Anmerkungen 
unter dem Texte beglaten. 

Wenn von den Indischen Geistlichen und Philosophen die 
Bede ist, brauchen die Griechen gewöhnlich die zwei Namen: 
Gymnosophisten (TvfAPoootpitiTaC) und Brahmanen QB^axfiä- 
9h)' Von diesem ersten Namen geht Herr Lassen aus, und 
bemerkt, dass einige Griechische Schriftsteller unter dem Namen 
der Gymnosophisten die Brahmanen und die Samanfier begreifisn, 
andere dagegen die Gymnosophisten in einem engeren Sinne 
nehmen, namentlich der Lateinische Platoniker Appuleius.') 



tiä Verfolg: ^^So ist es ja auch mit den Griechischen Erzählungen von 
4en Persem u. s. w.^< Geben uns doch Aristoteles, Theopompus, Pia- 
larehvs die erwünschtesten Auf^chlässe aber Hanptsfttze Persischer Glao- 
lenslehre und Philosopheme, die einer der grfttsten Kenner alt- and 
■e«- Persischer Sprachen B. Bamoaf noch gans * neuerlich zu wurdigon ' 
gewnsst hat in, das 1. Cap. aber die Arienische Religion). 

1) Von Bayle, Kortholt, Bruclier, Deguignes (in den Memoires de 
FAcad. des Inscript. Tom. XXVI. p. 770 sqq.), Mignet (ebendas. T. 
XXXI. sur les anciens philosophes de Tlnde p. 100 sqq.) n. A. 

2) Christ, Lassen J)e nomlnibus, quibus a veteribus appeüantur In- 
dwwn phllosophi Cim Rheinischen Museum für Philologie von Welcker 
oad M&ke I. S. 170—190). -— Hiemach wird Herr H. Ritter seinen S. 115 
aasgesprochenen Sats: „Es ist nämlich nicht leicht su sagen, was für 
Leute die Pramnen, die Ganaanen oder Sarmanen, oder aueh (?)Sama- 
■Mr genfesen seyn mögen a. s. w.<< zarüclcnehmen. — Wir sind schon 
arm geaog an Griechischen QaeUenschrtftsteUem aof diesem Gebiete; 
dirch «pfche pehaaptangen sollen wir aber noch Armer gemacht werden 
ab wir sind. 

3) Florida II. 15. p. 56 ed. Bosschae. Ich setze die Worte kleriier, 
well ale von einigen HeraasgeÜem mit Unrecht verstümmelt worden wa- 



-^ 483 

Oebrüache mit neuen Gesängen uiicl mit dem flötemt^Ut 
kommen.') 

yVegvn des nördlichen Weges beziehe ich tnicfa aard» 
was snhou im ersten Capitel diemer neuen Ans^abv qberdit 
rorhislort^'Che Kunde der Griechen voo Medien. PerKiea mt 
andern ubiTftsiali^chen Ländern, besonders narh ButUuaiA 
Un(crsiichnngen bemerkt worden i»t. Befragen wir aber aadi 
hier den Valer der üci^chichlt^ so weinet er uan DaccfaD<tnill( 
«m Dnieper (]Borj-r*thenes). bei den Odonen, bei dt-n Satm 
in '■'hrarirn nnd so weiter narh.') Wollte rnan aum der Kf- 
Zahlung Herodols (IV. 78) vom Scyllicnkriniff Skylcs. der 
von den unwuhnenden Griechen den C'iill des üionyäft« tagf- 
nommen hatte, srhliessen , der Bacehu^dicniil »ey uberhaifl 
rrst durch die Ionischen Colonien in diese nördltcbern Läate 
eingt^filhrl worden, so spricht da^e^en, um von den StglM 
über Orpheus nicht zu reden, die classische Stelle des ll«a&- 
rus vom Tlirakischen Nysa und von den Verfolgun^^'n , weM« 
die Ainn»-ii des rasenden Dionysos durch den dorlip*» KUf 
Lykurgos «n erleiden hatten. ') — Wie der Gott , so dcf CdL 
Das waren aho uralte Orgien, die mit dem Bacchu^^tieosl tm 
dem Morffonlaiid gekommen waren. 



l'eber die Priester- und Philosophen - Claaaen &a^ Grted^ 
sehen Berichten Kunde zu gewinnen wäre unmöglich, wenn ä$0 
der neuesten Geschieh tschreiber der Philosophie Recht hätte-*] 



1) Sjmbohk m. S. Iä4 IT. i. Au«g. 

2) Mcrodut. IV. T). lOR. Vn. lit. Die BtMAt Olbl« oder OMifA 
an Borysthcnca halle ja Ihren frübern KsmcD 8«bia {^nßla) t«« 1%^ 
giachea und Thrnciachen Huhu» oder HabaKlos, wie ilurMn B««d»i |* 
OMiit ward (llerodol. I^'. 79. p. 4'J^ ed. Baelir. mll meiner Aninerlait^ 

5) aiHd. VI. 130 cqq. 

4) Herr Hclnr. Ritter sagt ntunlicb (Gesch. der PhilosopUa L a 
Ht): .,t)ie enechen lehren uns in viel k)s olcItU QMr Me lader"^ I 

' J 



483 



Um von friheren Vemicheii , die von der ganz enigcgengesetA- 
ten UebenEeagnng BvmgegMngen sind, ') nirht zo sprechen, kön- 
MD wir ihm jetzt eine in den»elben Sinne unternominene Mono- 
graphie eines treulichen SanskLritgelehrten ') geredezn entge- 
genstellen. Ich werde diese Abhandlung bei den folgenden 
kvzen Ueberblicken zn Grund legen, und sie mit Anmerkungen 
unter dem Texte breiten. 

Wenn von den Indischen Geistlichen und Philosophen die 
Bede ist, brauchen die Griechen gewöhnlich die zwei Namen: 
Gymiiosophisten (^riffipaootpiaraf) und Brahmanen QB^axfiä- 
M$}. Von diesem ersten Namen geht Herr Lassen aus, und 
bemerkt, dass einige Griechische Schriftsteller unter dem Namen 
der Gymnosophisten die Brahmanen und die Samanäer begreifen, 
andere dagegen die Gymnosophisten in einem engeren Sinne 
nehmen, namaitiich der Lateinische Piatoniker Appuleius.*} 



Im VerfoI|[;: ^So ist es ja auch mit den Oriechiscken Erzahlangcn voa 
4tm Persern n. s. w.^ Geben ans doch Aristoteles, Theopompu», Pin- 
Urchns die erwänschtestea Autehlnsse über Hasptsitse Persischer 61a«- 
keaslehre and Fhflosophenie, die einer der ip^ssten Kenner alc- and 
uea- Persischer Sprachen K. Bnmoaf noch gana * neuerlich za wirdigsn 
Sewusst hat (s. das 1. Cap. aber die Arienische Reil|i:ion). 

1) Von Bayle, Kortholt, Bnicker, Deguigncs (in den Memoire« de 
r Acad. des Inscript. Tom. XXVL p. 770 sqq.)« Mlgntt (ebendas. T. 
XXXL sur les anciens philosophes de rinde p. 100 sqq.) n. A. 

2) CkrUt. Ijouem De somiaibus, qaibas a veteriboa appeDantur Is- 
phUosophi Ci* nheiaischen Museum für fihilo]o|rie von Welcher 

Mike I. S. 170--I9a). » Hiemach wird Herr H. Ritter seinen S. US 
aosgesprochenen Sats: »Ks ist nämlich nicht leicht su sagen, was für 
LnifiT die Pramnen, die Ganaanen oder Sarmanen, oder auch (?)8ama- 
gewesen seja mctgea u. s. w.^ zuräclmehmeH. — Wir sind schon 
gcsog aa Griechischen QnellenschriftsteUeni aof diesem Gebiete; 
iwck «ofche Behaaptaagea soUea wir aber noch Armer gemacht werden 
als wir sind. 

3) norida n. 15. p. 56 ed. Bosschae. Ich »etze die Worte hierher, 
wett sie Toa einigen Heransgebem mit Unrecht verstümmelt worden wa- 



'^ 484 ^^ 

Strabo ^} hingegen braucht statt des zuerst angeführten Na- 
mens das Wort rvfivijrcuj wozu er die von ilun anderwirtt 
angeführten Garmanen rechnet; die von Andern als Gymw- 
Sophisten Bezeichneten nennt er Philosophen,^) za welchea 
er nicht nur die Qrahmanen sondern auch die Garmanen mi 
die Pramnen, die gegen die Brahmanen Opposition madien^ 
hiAKnrechnet. Jene Namensnnterschiede beziehen sich zugleU 
auf den Cultus. Es muss nämlich bemerkt werden, dass bei 
den Indern die Verschiedenheit in der ausserlichen Verehrmg ■ 
derselben Gottheit mit Abweichungen in der reiigiösea Uebor- 
zeugung und in Folge derselben mit Abweichungen in den 
philosophischen Systemen zusammenhängt Die Namen Phi- . 
losophen und Gymnosophisten sind ganz allgemein, und um- .i 
fassen Brahmanen und andere Philosophirenden in Indien, audi , 
solche die weder im Religionsglauben noch im Philosophirea ' 
mit den Brahmanen übereinstimmen. Der Grund aber , wannn, 
der Hauptführer des Strabo und Anderer , '} Megasthenes jene i 

n 

I 

reu: — „atque indeBrachmanas: hi sapientes ▼iri sunt, Indiae geua eil; { 

eorum ergo Brachmanum Gymnosophistos adisse (Pjtfaagoram).^ Mn s 

vgl. Bosscha in der Noie a. a. O. — Der oben schon erwähnt« lidiuf ^ 
Valerius (Res gestae Alexandri M. m. 17) leitet ausführliche Gespräche 
des Alexander mit den Indischen Weisen folgendergestalt ein: „flfjwoto 

pkistae Brachmanes Alexandro hömini dicunt.'^ ^ 

t) Strabo XV. p. 151 sqq. ed. Tzsch. (Vol. VI.) 

2) Gelegentlich bemerkt , wie Diodoms II. 40. p. 153 WesaeL 

3) Megasthenes (Miyaa^iptiq) ward gegen. 304 vor Chr. rom Urig ' 
Seleucns an den Hof des Königs der Prasier gesendet und lebte Im der 
Residenz desselben PaUbothra (lluUßoS^, Indisch Pataliputra) »ehren 
Jahre. Die Frucht dieses Lebens unter den Indem war eine ladliflhe 
Geschichte in 4 Büchern. Der Name jenes Oberkonigs (Mahanuy») war 
bisher allgemein Sandrocottus (JSdvd^xovroq) geschrieben i Ms ihm A. W. 
V. Schlegel (Ind. Biblioth. I. S. 246. vgl. II. 175 und 301) au einer 
Handschrift des Athenaeus in ^apdgouvTixoq verbesserte, und auf daalndl- J| 
sehe Chandra -gupta 9 d. L Mondbeschützter, zorückfahrte. Ueber Mega- .\ 
sthenes s. Strabo XV. 37. p. 80 Tzsch., Moser ad Nonn. p. 194 nnd K. \ 



-^ 485 -^ 

^rsonen lieber Philosophen als Priester nennet, liegt darin, 
eil alle zar Brahnianencaste Gehörigen in ihrer Jogend in 
m ganzen Kreis der Brahmanen- Wissenschaften und somit 
idi in der Philosophie unterrichtet w^erden, die wenigsten 
m ihnen aber priesterliche Geschäfte als Lebensberuf ver- 
alteten. Ein anderer Gewährsmann des Strabo ^} bezeichnet 
d Brahmanen mit der Benennung Sophisten. Wenn aber 
err Lassen glaubt, Megasthenes habe den Namen Gymno- 
phisten noch nicht gekannt, sondern er komme erst beim 
inios^) und Plntarch^) vor, so glaube ich aus zwei Stellen 
UBittelbarer Schfiler des Aristoteles , also zweier Zeitgenos- 
II des Megasthenes, das Gtegentheil erweisen zu können.*) 

tter Erdk. Asien. IV. 1. S. 482 und 508. Bei dem Namen jenes Indischen 
telgs lassen ans die Handschriften des Philostratus de V. Apoll, n. 20. 
71 Im Stich. Es heisst dort: ßaaCUut 9k i2i«» vfp^qoq, x^y Jlttqov nvtl 
ppß ttf/orro«. WeU &Itere Avagaben Afon^^c hatten, so war man auf 
e Vermuthung : JWv^^xorrov gerathen. Aber der Cod. Schellersh. und 
iotina CBiblioth. p. 325 Bekkeri) beharren auf aviqoq. — Neuerlich hat 
Bdoif im AthenaeUs I, p. 18, d. nach mehreren Codd. 2'avd^oicwToy edirt 
t» dessen Nott. und Addenda und vgl. Phylarchi Fragg. ed. Lucht. 

9ft). 

1) Nearohns ap. Strab. XV. 66. p. 141 TKsch. Aus des Nearchus 
■leht ober sie, so wie daraus , dass Curtius VIII. 9. 31 sie sapientes, 
^elae^ nennet, sollte man Terrauthen, dass Nearch das Wort ao^iOTal 
I iUeren guten Sinne genommen , so wie Herodot dasselbe wahrschein- 
fc Tom Orpheus CH* 49) und ungezweifelt vom Pythagoras (IV. 95) 
id Tom Selon (I. 29) gebraucht hat. Arrianus dagegen CEzped. VI. 16. 
p. 163 ed. Kruger.) scheint es in dem durch die Solu^tiker in Gebrauch 
kMUttenen Sinne su nehmen , denn man merke auf die Worte : nal xZv 

2> H. N. VIL 2. N 

S) Vita Alexandr. cap. 74. 

4> T^eophrastus Eist Plant. IV. 5. p. 131 ed. Schneider, sp^cht von 
im Baume' (man yemuithet von der Mnsa paradisiaco Llnn.), dessen 
iidite die Indischen Weisen als'Nahmngsmittel g^rauchen: nal /^rra« 
ipjf vwr *l99m <rofot nnl ^^ o/H)f i;ro/ticroft. So rleth schOB Salmasius 



-»««■« 




:: 



Die Angabe des Josepliiis, ') dass Kslanen ein Kllen Im 
PliilßHophen gemeinsanier Name gewesen sey, hat keinen l 
dem Grund, als den, dass der berühmte Indisrhe Phn9Mi|i 
lind Begleiter Aiesanderi« des Grossen, der cigenllichSphiM 
hiess, sich huita Grössen des Wortes ralyana tu beÄriM 
pneg;le (Tür das Griechische ;;ß/'pf/»' erklärt), orid . von J 
Griechen von xaki mit dem Namen KdKavoi In.'i'.ef rhnri . v 
gen Beines »elb-ttgewfihlten Feuertodes als das MtcHer * 
Philosophfii in der Sage fortlebte. 

Die GnVrlien brauchen den Nantcn Drallmanen in ( 
von dem Indischen Sjirachgebrauch verschiedrnen Sinn. tV 
ler den vier Tasten der Indischen Xatron ist dfe prirMtrriM 
die der Brahmanen , die sich aber selbst wieder dorrli i . 
Zahl und Namen der von ihnen verehrten Golthetlcn, AI 
Glaubenslehren und durch die verschiedene Lebensweise o 
scheiden; «oraus die verschiedenen Secten derselben cats 



Exercitt. Piinii. p. 2(M iinit ol oo^i aal BRij^d^tH» unit m hai b 
■Ue v«rtre«11c<ie HnndMlirift von UrblOB beMfU«! (s.V«l. T. p,J 

Schneider.)' >u dlvsur Bezeichnunc »her ist ae.hoa der Bct-riff d«r fl 
niiaii))liis<un er.'iiHU »ei^elKMi. Ik'u Nnmen selhsi aber httt 5cin MIImWIi 
Klearchus. niiiceni;« iMen. Prooem, g. 0. ( vcl, Vermert IHatH 
Clearchu Siitensl p. 'if\ .) KUafxot ^* ° Xolmi; — «■• roii« /I-jimM 
— ftfolf- — Die Acthlap lachen GymnoiDphisten nerdeii bt-lM PhUoa 
■0 heschrleben (de V. Apoll. VI. G): — piprois d) tmäißm ni 
Mii»iQovüiii 'A^tFiOt i so masa mit dem Cod. t^cbollurih. eel«:*«^» i 
Dies wird duruli die Houplsielle (111. I5) deuilich, w» Ihm Klelitasf i 
der Attisclien ilaifil^ verglichen wird. Ibre Tracht besteht nlsb blos Ib<I 
leichten Weste, die die SchuJtem nicht bedeckt, wie die derjaBtlMi 
alab der freien halt und der Sonne ansBetEen. lieber Ur« MMM 
vgl. niin chcndüNelhst Itl. ^8, wo der eben an^erührCc CiMex 4Mk 
achla;^ des Herrn Boissonade (ad Herolca p. 350 isiif n» dt Uaf*«^ 
VDlIlfummen liesiatlgt. 

1) losoph. cnntr. Apion. I. p. 484. Plutarcb. A1ex«ndr. Mp. 
Aach Siildas p. IQ^fi ßalürord. sa^t den PaUadlUü nach, welcker M( 
Artikel B^xt""^ seine Quelle ist, ■ojlsro; sejr ein Jeder ao^ö^ *ai i 
ladoni genannt worden. 



J 



-^ 487 -^ 

sind. Das Leben der Briihnianen ist nach dem verschiedenen 
Alter in mehrere Stufen ([Stationen, äsrama's genannt} ein- 
gelheilt Die erste Stufe von der Kindheit an bis zum S7. 
Jahre. Sie heissen Brachmarinen, d. h. die ein theologisches 
Leben iiihren. Sie leben in der Einsamkeit der Wälder, wo 
sie von ihren Lehrern in den heiligen Schriften und andern 
Wissenschaften unterrichtet, den Religionsgeboten gemäss, ein 
keusches Betragen beobachten. Obschon die Griechen sie 
unter ihrem Eigennamen nicht kennen , so beschreibt sie doch 
Hegasthenes , dessen Angaben aus Manu's Gesetzbuch >} Licht 
erhalten. Der zweite Grad ist der der Hausvater, gärhapatya 
genannt. Kinderzeugen ist bei den Indem Religionspflicht ; wel- 
ches mit dem Todtendienst und dem Glauben zusainmenhängt, 
dass die frommen Vorfohren in den oberen Regionen nur dann 
verUeiben können^ wenn ihren Geistern von ihren Nachge- 
hnsenen die im Ritus vorgeschriebenen Opfer gebracht wer- 
den. Die dritte Stufe beginnt mit dem eintretenden Alter. 
Alsdann soll sich der Brahmane aller Lebenssorgen entschla- 
gen, seine Frau zur Versorgung dem Sohne übergeben, in 
die Einsamkeit der Wfilder sich zurückziehen, und hier, von 
wilden Früchten und Kräutern ernährt und mit der geringsten 
Kleidung zufrieden allen Wechsel der Jahrszeiten mit Gleich- 
amth ertragend, sich einzig der Betrachtung des höchsten 
Wesens und der Lesung der heiligen Offenbarungsschriften 
widmen. Dieser Grad heisst vanaprasthäna und die dazu 
Gehörigen Vanaprastha's, d. h. Waidbewohner.*} Von die- 
sem Grade ist der vierte , Sannyasa , d. h. Ablegung genannt, 



1) MAaava Darma Sastra III. 1. 

2) Aogustln. de Civ. Dei XIV. 17 mit deu Noten von Lud. VIves: 
^Per «ipacas quoque Indlae soUtudines qaum quidam nudi phllosophantur ^^ 
■id: ,yarbonua corllcibus intecti*' und Manuls Gesetzbuch VI. 6: SeinCre* 

aey eine schwanse Antilopenhaot oder ein Kleid Ton Rinde; und 
Bmaaj'ana (I. sl. 30) sagt der Weise (Munt) Valmiki, nachdem er 
' lir das Bad am Flusse Tamassa eine passende SteUe gefunden , su seinem 



^•*' too ^^•^ 

■ 

nicht wesentlich verschieden. Nimlich der Brahmaoe im hö- 
heren Greisenaiter und nahe am Ziele seines Lebens soll Jetit 
alle andere Gedanken ablegen, and einaug and allein danach 
trachten, wie er seine Seele, geremigt von allen aoa dem 
irdischen Leben ihr anklebenden Häkeln, mit der Gotth^ 
aus der sie ausgegangen, wieder vereinigen könne. Was 
die Griechen und namentlich Megasthenes von den Indischen 
Weisen berichten beweiset, dass bei ihnen der Name Brah- 
manen auf die beiden ersten Stufen bescfar&nkt war, dieSar- 
manen oder Garmanen aber, deren sie gedenken, mit dem dritten 
und vierten Grad der Brahmanen zusammenfallen« Hierbei bil- 
ligt Lassen die Verbesserung im Texte des Clemens Alex* '^ ans 
dem des Strabo: 'Ykoßiot statt *jiKk6ßioty schlägt aber dagegen 
femer vor , im ersteren aus dem letzteren Sa^fiävag statt JTo^- 
fjiatfaq zu schreiben. Auf jeden Fall kann man mit hoher 
Wahrscheinlichkeit annelunen, dass die Griechen und Römer 
unter dem Namen Sarmanen diejenigen gemeint haben, die 



Schuler: ^^ Schön ist dies Heüigthiun , eben gut von Wasser and fetn 
von Sand. Und ich will deshalb hier baden in des Tamassa Fluthen jetet. 
Das "Rindekleid hole herbei, von der Hatte, komm schnell zurock.^ (S. 
Kosegarten zum Nala S. 288 ff.) 

1) strabo XY. 59. p. 121 Tzsch. und p. 127. Clemens Alex. Stro- 
natt. T. p. 359 Pott. Nach dem Indischen wird diese Classe Sranuma 
genannt, welches die Griechen den Gesetzen ilirer Sprache gem&ss AnderB 
mussten. Der Indische Name wurde auch so ausgesprochen, dass er alt 
einem Z anfing, wie der Eigenname ZaQ/iupox^yaq (Strabo XY. p. 157) 
beweiset, dessen erster Theil von JSagfMivat kommt« Es hätte also im 
Nicolaus Damascenus (s. Supplementa ad N. D. p. 64 ed. Orell.) nidit 
getrennt , und geschrieben werden sollen ZuQfMvoq Xtiyav. Im PhUostratas 
(V. Apoll. 1. 18. p. 22) haben alle Handschriften, auch Cod. ScheDersk., 
BfiaxiMLHti Tc xüX*TqxaviOi, welches letztere Olearius in rtqftiav^ gein- 
dert hat, Rhoer (ad Porphyr, de Abst. p. 358) setzt an die Stelle des 
letzteren Wortes 'nißuH, weU auch beim Strabo (XY.p. 127) die 'iOo^io» 
in diesem Yerzeichuiss der Philosophen gouuint werden (vgl. G. losepk. 
Bekker. Specimeu Philostrat. p. 60 sg.)* 



-^ 489 -^ • 

von den Indem dem dritten und vierten Grade der Brahmanen 
zugezahlt worden; dass Megaathenes aber den vierten Grad 
vom dritten nicht unterschieden, ist nicht zu verwundern ^ da 
der Unterschied mehr im Namen wie in der Sache bestand. 
Nur darin ^eigt sich eine Abweichung, dass derselbe Schrift- 
steQer die Aerzte zu den Sarmanen rechnet;*} welche von 
den Indem in eine Mittdclassc zwischen den Brahmanen und 
Strmanen gestellt waren. ^) Aber eine andere Stelle des 
Strabo, oder welchem Gewährsmann er dabei folgt, Ifisst 
vennathen, dass Megasthenes dabei an Brahmanen gedacht, 
die sich mit magischen Heilmitteln, mit Beschwörungen und 
Yerfertigung von Amuleten abgaben. '} Diese Aerzte werden 
von Megasthenes zu den strengsten Asceten gezählt, die durch 
Uebnng und MagiQ übermenschliche Dinge zu vollbringen im 
Stande sind, die heut zu Tage bei den Indiem als Yogi's*} 
bezeidinet werden. 



1) Strabo XV. 60. p. 127. Tzsch. 

2) Manuls Gesetzbuch X. 8. 47. 



'3) Strabo XV. 70. p. I5'i TkscH. Man sollte ycrmatTien, bemerke 
ich biorbei, Nonnus habe aus derselben Quelle geschöpft. Denn so wie 
Uer ihre Beschäftigung mit Naturphilosophie und Astronomie von ihren 
Gegnern als eitel und prahlerisch gerügt wird; so erscheinen sie bei 
diesem Dichter ak eine Art von All wissenden , die das Innere jedes 
Fremden auf den ersten Blick durchschauen (DionysiacaXXIV. 162 sqq.). 
Es helsst ferner von den Bralunancn: Sie. sind unbekleidet (yvpyol yuQ 
fifua0i)j vermögen aber durch ihre Beschworungen den Lauf der Gestirne 
eimhAlten (XXXVI. 345 sqq.) 5 und was besonders zu bemerken ist, so 
viril von ihnen gerühmt, dass sie durch ihre Zauberformeln die schwersten 
Wnden heilen können (XXXIX. 358). 

4) Vgl. Kosegarten sum Naia. Von dem schweren BegrüF Yoga 
wird in einem der folgenden Nachträge das Ergebniss der neueren Unter- 
nehnnigeB kurzlich mitgetheilt werden. — Tebrigens zeigen sich in China 
iäaliche Gymnosophisten bei den Tao sse oder den Anhängern der Ver- 
mft: C. Fr. Neumann bemerkt in der Einleitung zum I^ehrsaal des Mit* 



^^ 490 ^^ 

Hierauf flunt Herr Lassen (p. 181 sq.) das Resultat sdner 
bis anf diesen Punkt g^efüihrten Untersnchong^ zasammeB: 
Die von den Alten sogenannten Sarmanen sind Indische Ana- 
choreten und zwar sowohl solche, die nachdem sie einen Thel 
Aires Lebens in der menschlichen Gesellschaft zugebracht , sieh 
in die Waldungen zuröckziehen , um sich ganz der Philosofihie 
zu widmen, als auch Jünglinge, die von dem zartesten AUer 
an dieser Zucht und Unterweisung in der Contemplaticm mk 
unterworfen haben; endlich auch solche, welche die magisdieB, 
durch standhafte Beschaulichkeit, wie sie glauben, erworbenen 
Krfifte auf die Heilung der Krankheiten praktisch anwenden. 
Wenn die Alten Jönglinge und in 4er Welt lebende MSnner 
jener ersten und zweiten Stufe zum priesterh'chen Stande der 
Brahmanen zählen, so wMerspricht diese Beschrünkung der 
Indischen Sprache und Gasten verftissnng; denn auch Personen 
jenes dritten und vierten Grades hören darum, als Anacfaoreten 
und Waldbewohner, nicht auf Brahmanen zu seyn; da ein 
Inder in der Gaste , worin er geboren ist , sein ganzes 
Leben verbleibt Doch nahern sich einige Griechische 
Schriftsteller in einzelnen Stellen dem Indischen Sfurachge- 
brauch. ^) 



telreichs, MüncheD 183S. S. i?: ,,Ihre Weisen sogen und ztehen Mk 
zurück von den Geschäften und dem ganzen äusserlicheo borgerUcheu 
lieben. In den Hohlen der Berge und in dem Dickicht der W&lder Ifihm 
sie ein Einsiedlerleben^ und sinnen und forschen über die höchsten Auf- 
gaben des menschlichen Geistes, über die Ursache aller Ursachen , aber 
die Entstehung des Universums, über Tod und Leben. Die Abstraction 
▼OD der ausserlichen Sinnenwelt gilt ihnen für das Höchste ^ und dardi 
sie, wird behauptet, erlangt man eine Einsicht in das Wesen der Dlage. 
Philosopliische Speculation im eigentlichen Sinne des Worts fladet sich 
blos bei den Tao sse.<< 

1) Z. B. Aristobulos beim Strabo XV. p. 129 Tzsch. and ein Unge- 
nannter ebendaselbst (XV. p. 151 sq.), der die Brahmanen in Bergbe- 
wohner, Gymneten und Politiker (itohtutavq, d. h. in Städten lebende and 
Theilnehmer an der bürgerlichen Gesellschaft) einthellt. 



-^ 491 ^^ 

Den Brahmanen waren, naeh Strabo's Bericht ^'3 ^^^ 
Pramnen entgegengesetzt, die als streitsflehtige olki gern wider- 
sprechende Philosophen geschildert werden. Det- Sanskritge» 
lehrte, dem ich hier folge, erklärt den Namen aus Aism Indischen 
proRulmi , demmmiraiio. Wird die efste Sylbe des Worts ver^ 
Ungert (^prAm&na]), so beaßeichnet es einen der sich der Df^ 
mnalration bedient Derselbe Gelehrte glaubt , dass mit diesen 
Pjrainnen eine Schule von Skeptikern bezeidinet sey, derCli 
es bei den Indem mehrere gab. Sie machten in ausgedehn- 
terem Sinn von der Demonstration Gebrauch ab die ortho- 
doxen Secten , die einen letzten Grund aller Philosophie 
annahmen , der auf Offenbarung des höchsten Wesens an die 
Mawehen beruhend, nicht weiter demonstrabel sey; zu wel« 
efcen olbnbarten Worten Gottes die Veda's gehören , die fiber 
de menschliche BeweisfBhrung hinausgehen.'^ Dagegen die 
PrimAna's nehmen als höchstes Prindp die menschliche Ver- 
aaaft an, und da ihnen die Demonstration das Oberste ist, so 
wetden sie richtig mit diesem Namen bezeichnet; so %vie sie 
fsn den Indem auch haituca's genannt werden, d. h. Leute, 
fie von allen Dingen Grfinde angeben wollen (Rationalisten^ 
Die Brahmanen erkUren diese Prftm&na's von ihr^ religiösen 
Standpunkt aus ibr Skeptiker, weil sie die uraltes Offmb»- 
rätigswidirheit in Zweifel ziehen. Herr Lassen ist anzunehmen 
geae^, dass die von Strabo beschriebenen Prtminen zu der 
lUektischen Schule, Nyflya genannt, gehörten. 



1) 8trabo XV. 70. p. 151 sq. Tzsch.: ^tloaoipovq rt «aSc B^xf*^^* 
i mh at^ßumtu Jl^ftva^, fffunuiov^ rifu^ tcal i).tfinuiovq u, t. A. 8Uihr (die 
WdigionuMjBUme des OrienU S. Ifil ) Ifisst den Strabo nach die« auf dU 
AadorlÜU des Megastlienes beriehten, aber Lassen (p. 183) richtiger: 
nieselo qnem sequutus rerum scriptorem Strabo etc.;^ denn Strabo be- 
rlchCeC bald ans Megasthenes bald ans Nearchos, Arlstobulos, Nikolaoi 
c A. Stuhr erU&rt nach Wilks das Wort Pramana In der Bedeutunf 
elMs Büssers. 

2) tnd dahe^ vom Gesetzgeber (9tanu XII. 94) füv apram^ya, d. ;. 
■lehr demonstrabel erklärt werden. 



-«^ 492 -«- 

Ueber die Samanüer (ßofiavaioi) giebt uns ein Zeitge- 
losse der Antonine einen ziemlich ausführlichen Bericht') 
Dass sie zu der Religion des Buddha gehören 9 hatten schon 
.\. W. V. Schlegel und v. Bohlen anerkannt Es kommt, um 
de von andern Secten, namentlich von den Sarmanen zu un- 
terscheiden , hauptsächlich auf folgende Zöge in ihrer dort 
gelieferten Schilderung an. Es sind keine einsame WaU- 
bewohner, wie die aus der Priestercaste der Brahmanen aoih- 
geschiedenen Asceten^ die Sarmanen, sondern me bewohnen 
königliche Gebäude und heilige Haine *) gemeinsam, und vel^- 
sammeln sich zum Gebete nach dem Tone der Glocken; zwei 
noch heut zu Tage bei den Buddhistischen Geistlichen bemerk- 
bare Eigenheiten, die auch nach Art der Mönche in Klöstm 
beisammenwohnen , und die selbst auf ihren Wanderungen die 
Glocken mitnehmen; ferner heisst es von den Brahmanoi,*} 
sie seyen alle Eines Stammes und leiteten sämmtlich von 
Einem Vater imd von Einer Mutter ihre Abkunft her; hiiig&* 
gen seyen die Samanäei nicht von ihrem Geschlecht,^) son- 
dern aus der ganzen ?7ation zusammenerlesen. Hierin bestand 
die Grundlage der Reformation des Buddha, dass er die 
Castenunterschiede des Brahmanischen Gesetzes aufhob, and 
Menschen aller Casten den Eintritt in den Verband und in das 
geistliche Leben seiner Secte frei gab. Der Name Sarmanen 
ze^ eine Sanskritform: Sramana, dagegen der der Samanier 
eine Form des Palidialekts : Sammana; doch bedienten sich 
die Buddhisten der beiden Indischen Dialekte, während in den 

1) Bardesanes apad Porphyr, de Abstin. IV. 17. p. 355 sqq. ed. Rhoer. 
^1^. De Baddhaismi origine atque aetate definiendis tentamen. ReglODioBtt 
1827. Stnhr S. 191 f. und Lassen a. a.O. p. Id4 sqq., welchem Jieteteren 
ioh auch hier folge. 

2) Porphyr, a. a. O. p. 359. 

3) Porphyr, a. a. 0. p. 356. 

4) -^ ovit dal Totf yipovq aujmp (vielleidit Tovrov» seyen BiOhl vop 
fibiem und domselben Geschlecht). 



-^ 493 -^ 

chriften der Brahmanen allem der Sanskritdialekt der herr- 
diende ist Clemens Alex, der zuerst den Namen Buddhi 
üfäbrl,*) nennt die Samanüer anch Semnen, und da er sie 
m den Gymnosophisten, von denen die Sarmanen eine Classe 
nd, unterscheidet, so ergiebt sich auch daraus, dass Sar- 
anen und Samanier von einander verschieden sind. Dass 
!hon vor Christi Geburt Buddhistische Lehren auch in Bak- 
ieii nnd in den angrfinzenden Ländern verbreitet waren, 
rhellet aus der Nachricht,*} die uns philosophirende Sama- 
ier in Baktrien nennet; Sinesische Reisebeschreiber fanden 
e dort in den ersten Christlichen Jahrhunderten; aber auch 
ratunanen fluiden sich nicht wenige um dieselbe Zeit'} eben- 

HGlbst« ' 

Bas Historische über die Person des Buddha und Schick- 
de «einer Reli^onsbekenner kann ich Jetzt nicht bündiger 
b mit den Worten unsers grossn Deutschen Geographen *') 
eriehten, welche ich wiederum mit einigen Anmerkungen bc^ 
loten werde: — « Auch tritt ihr (der Buddhisten} Name, ihre 
!, ihre Verehrung des Sripada oder Prabat, d. L 



1) deneiu Strom. I. p. 359PoUer.: tM Si wp*IMp of v6lqBov%va 
tta q ayfiXfUNMf, op S$* vntgßoXii9 ai/wfonjroc ttq Stop mift^naat» 

I dMr Atechwönmgsfonnel der zur orthodoxen Kirche Earäckkehrenden 
leMB wir SovSaqi auch wohl BoyS^q, dem IndLschen n&her- 
Cs. Btta notimis Vol. m. p. 119 Ozon.). Samana'a heisst die 
littUelbenden. 

2) Des Alexander Polyhistor beim CyriUos adT. Inlian.Tom.Vn ed. 
Das« ich ^ch so bestimmt ausdrucke, dazu berechtigt mich 

Cp. 180 Gaisf.), woraus sn ersehen , dass dieser Alexander 
|jdla*s Seit In Rom lebte. 

3) Buddhisten in Baktriana u. s. w. kennen Chinesische Reisebe- 
(Abel-R&nnsat im Nouyeau Journal Asiatique 1831. p. 237); 

Irahmaaen in Baktrien Eusebius CPraep. Evang. Vn. 10). 

4) B:ari Bitteres in der Erdkunde, Asien, Bd. IV. 1. S. 492; wo 
bemerkt wird, dass Megasthenes noch keine Kenntniss von dieser 

m Secte erhalten habe; aber er nenne auch vieles Andere nicht. 



^^ 49# >^ 

BofMha-Fosstapr, Bchon unverkennlMur im ^rodot ( 
in. 100. I¥. 8S und 100) anf. Im Arrian (IMeti i 
wird er (Baddha) auch in einer Regentaureihe geaani 
w. Das Datum seines Todes gdit aber als des einer 
9ehem Permm bis in die Mitte des zehnten Saec bis f 
der Christlichen Aera zarfick. Die geordnete Kirchenges 
der Boddhisten, ans der Literatur vieler Asiatischen 
aber Hinter -Indien, Mittel- Asien bis China and Ja 
neaerer Zeit mähsam erforscht , geht wie die Regiemn 
ihrer Patriarchen fort (s. Asien Bd. III. S. 1161). 2 
xanders Zeit geht der erste bekehrte König auf Ce) 
Bnddha's Lehre aber.»') — «Noch bedeatungsvoUer 1 
Indische Geographie wird diese Landschaft im Süden 
potras, dadurch, dass ChnOamaB mit dem Beinamen B 
des Weüen, der Sohn des Sndhodanos, Königs von Mi 
hier semen merkwürdigen Schauplatz als Reformator di 
sten Indischen Beligionssystemes fimd , der als solcher 
Palästina von Juden und Christen , Mecca von Mohammc 
vom Niger bis zum Hoangho, die schneeigen Kailasa- 
und heiligen Stromquellen und Prayagas Von Brahmai 

1) Eb6B<UsaIb8l B. 510 ff. ^- Ueber die TenoUedeBeii Bai« 
gen imd Verbreltiiiig des BuddäaUmosy seUiaC bis naeh Ja^a» ■ 
das Tom seel. Herrn WUh. yon Humboldt lilQterla«sene Werk: I 
Kawi-Spradie auf der Ineel Java; Erster Bd. Berlin 16369 besoj 
Bweiten TheU S. 60 ff. so Rath gezogen werden. — Wie der 
Sakyamanl, so wird der CMnesiscbe Lieol, bekan^iter nnter des 
läoo^titm (Lao-tsa) ron den Anhängern der Vernunft, wie ei 
der Chinesen holssty als Mensch und als Gott betrachtet. Als 
lebte er loi sechsten Jahrhundert Tor Chr. Geb. und starb S23 ' 
iai 8l. Jahre seines Alters; als Gott wird er mit der Entstel 
Himmels nnd der Erde als gleichseitig betrachtet y und von ihm 
dass er Im Laufe der Jahrhunderte mehrmals auf Erden erschiei 
wie denn auch dieseui Rellgionssysteme die Lehre Von der Metern 
im Grande Hegt (s. Abel-Remusat Mtoolre sur Laotseu« Pai 
p. 2 sqq. nnd Tgl. C. Fr. Nenmann im Lehrsaal des Mittelreichs 
nnd S. 97. Note 46). 



-*^ 495 -^ 

IMas ^ 80 von Boddhisten an Mittel«^ ond Hinter-Aaen bis 
»B ChinA und Japan her (wo Magadha^ Makafa bei Birma- 
m, bd Chinesen Mo-ki-to heisst) besucht ward and noch 
M, wo er von der Familie Sakya abstanunend, mehr unter 
Bat Faniliennamen fi!rilfiiininrf(^Chekjami]ni, oder Sdügemuni, 
B Tübetem und Moni^len^ bekannt ist u. s. w« » 

— «Diese Gegend von Süd-Bekarf oder Magadkm, in 
rttester Zeit durch Ausbildung' der Magadhi- und Prakrit- 
prachen, wie der Nagara^ und Pali-Schriftcharaktere, eben so 
flrkwdrdi^, mie durch den tünßun dorther Speeubäümem^der 
IwiiBnifii mid Buddha'$ atrf die Pküatophie der Orieekem, 
der Pfihagereieehe» und anderer Schulen , *} stand in frfr- 
Jahrhunderten, durch die umgebenden Nationen und den 
veränderten Weltverkehr der Völker, in dem mich- 
iJMeB Reiche der Prasier,*) in dem Mmetpimkte anUker 
hfar, recht eigenth'ch auf der passendsten Stelle, um einem 
Mormator des strengen Brahmasystemes in das wirkliche 

1) H. T. Colebrooke on the Pkilosophie of tke Hindus Part. IV. 1827 
h VkMHSCtioiit of Che Roy. Asiat. Society VoL I. p. £68 etc. 

3) yjBeä omnium In lodia prope, noB modo in hoc tractu, potentlam 
IfcHilUMUsn aatecedant PrasU. PUn. H. N. VT. 22.» vgl. Airlanl